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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
donnerschmitz bis donnerstagspferd (Bd. 2, Sp. 1251 bis 1253)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) donnerschmitz, m. wie donnerschlag.

erschröcklich fewr, schwefel und plitz
und ungewitter donnerschmitz
H. Sachs 5, 10b.


 
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donnerschosz, m. fulmen, wie donnerpfeil, denn schosz, mhd. schoz ist jaculum, so im jüngern Titurel

sturmweter, wint und schoz der blicke 2534.

vergl. donnerkeil 2.

aus hohem schlosz
kompt donnerschosz
Henisch 729.


 
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donnerschwanger, adj. wie gewitterschwanger, gewitter drohend, blitz und donner mit sich führend. schwarze donnerschwangere wolken hangen über der erde Klinger 1, 58.

wie am schwüleren mittag
donnerschwangres gewölk auffleugt
Pyrker Tunisias 6, 46.

bildlich, deine augen sind sonnen, welche durch ihre erzürnten blicke den zitternden liebhabern blitze und donnerschwangere wolken gebären Rabener 1, 193.
 
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donnerschwer, adj. donnerschwere wolken ziehen am himmel daher. bildlich,

wohl mir, auch diese donnerschwere wolke,
die über mir schwarzdrohend niederhieng,
sie führte mir ein engel still vorüber
Schiller 508a.

[Bd. 2, Sp. 1252]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) donnersketzer, m. eine verwünschung. s. Rochholz Schweizersagen 1, 96.
 
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donnerskinder, υἱοὶ βροντῆς werden Jacob und Johannes von Jesus (Marc. 3, 17) genannt, entweder wegen ihres feuereifers oder wegen ihrer erschütternden rede. Petrus spricht zu Paulus

wir sollen donnerskinder sein,
wie uns der herr gebunden ein.
Hayneccius Hansoframea act 2. sc. 6.

s. donnerkind.
 
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donnersprache, f.

'weib, wo ist mein vater' lallte
seiner unschuld stumme donnersprach
Schiller 5b.


 
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donnerspruch, m. dieser greslichen donnersprüchen sind viel mehr im geistlichen recht Luther 5, 228a.
 
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donnerstag, m. dies Jovis, der fünfte wochentag vom samstag an gezählt, quinta sabbati, in der römischen kirchensprache feria quinta. ahd. toniris (donares) tac Graff 5, 150. 358. 361. mhd. donrestac Ben. 3, 5a. ags. þunresdäg, niederländ. donderdag, engl. thursday, isl. þorsdagr, schwed. und dän. torsdag. bei Keisersb. dunerstag dunrstag. im Vocab. optimus tunstac xlvii, 30 ist kein fehler, sondern weist auf dunen tonare (s. oben donnern): auch Paracelsus schreibt donstag op. 2, 254c. das wort enthält nicht eine übersetzung des lateinischen, sondern eine beziehung auf den heidnischen donnergott, dem dieser tag heilig war: es zeigen sich noch spuren der heilighaltung unter dem volk; vergl. D. myth. 173. noch im 17 ten jahrhundert galt im meklenburgischen der aberglaube dasz man an diesem tage nicht spinnen dürfe, auch mit dem bau des hopfens sich nicht beschäftigen, weil er sonst in nesselhopfen ausarte. die erbsen waren das donnerstagsgericht Lisch und Beyer Meklenb. jahrb. 20, 189. vergl. Rochholz Schweizersagen 2, 227. in der Schweiz soll an dem tage kein stall gemistet werden Rochholz 2, 202. die norddeutsche kirmeszfeier wird am montag geschlossen und beginnt am donnerstag wieder, wo sie dann abends zu ende geht Colshorn Gesch. biblioth. 1, 176. im südlichen Schweden wird an diesem tage nicht begraben, getauft oder copuliert, oder umgekehrt, es werden die wochenpredigten, copulationen dahin verlegt Kirchner Thors donnerkeil 64. im südlichen Deutschland ist noch gebräuchlich pfinztag, pinztag, was von πέντε, wie pfingsten von πεντεκοστή abzuleiten ist, auch bei den Neugriechen ἡ πέμπτη heiszt; vergl. Schmeller 2, 321. schon Berthold kennt diese benennung, nû heizet er dunrestac oder phinztac 123. pineztag Vocab. 1477. donrstag oder pfinztag, feria quinta, dies Jovis Voc. theut. 1482 f ia, pinstag Stieler 1425. pingststag Junius 327a; noch andere stellen bei Oberlin 1211. Schmeller bemerkt dasz die slavischen sprachen die wochentage auch nach der zahl benennen, aber von dem sonntag, diesen ausschlieszend, zu zählen anfangen, daher ihr zweiter tag (russ. wtornik, poln. wtorek) mit der feria tertia (der τρίτη der Neugriechen, der terceira feria der Portugiesen), ihr fünfter tag (russ. pjatnitza, poln. piatek, böhm. patek, ungar. pentek) mit der feria sexta, dem freitag zusammenfällt. selten ist donstag, uf einen donstag es beschach Soltau 2. 146, 19. in der Schweiz donstig Rochholz 2, 201. auch bei Hans Tucher Fahrt zum hl. grab (1584) f a ij. häufiger im 16 ten jahrh. die umstellung dornstag, s. Weisthümer 1, 552. Soltau 2. 38, 5. S. Frank Chron. 275b, Luther 1, 108a. 2, 348. 351. 3, 171. 192b. 280b. 5, 34. Pauli Schimpf und ernst 128. Agricola 667. Alberus widder Witzeln G 5b. nach Adelung soll sie noch in oberdeutschen mundarten vorkommen. vergl. dornstral, dornstein für donnerstral, donnerstein. in Sachsen und Thüringen hört man dornstig, dorstig, thorstig oder thurstig. im hennebergischen thorstag, in Tirol dorstig Frommann Mundarten 3, 321.
1. der grüne donnerstag, der donnerstag vor ostern, den pabst Leo 692 zu einem festtag erhob, wird seitdem in der christlichen kirche gefeiert. der mendeltag freudentag (wie Mendelberg Mons gaudii bei Rom Kaiserchronik 446, 27 Diemer, Maszmann 3, 988. mendeltrahen freudenthräne Lanz. 7752): auf mendeltag sol der pastor mit dem custos mit der altertauf von haus zu haus durch das ganze kirchspel gehen Weisth. 2, 619: bei Henisch mengeltag 728 ist wol ein druckfehler; vergl. Ben. 3, 6. er heiszt auch der gute, der hohe, der grosze, der weisze donnerstag, der antlasz- oder ablasztag, in beziehung auf die einsetzung des heil. abendmals natalis calicis, eucharistiae, dies mysteriorum; vergl. Haltaus Jahrzeitbuch von Scheffer 230—233. man leitet grün, wie die

[Bd. 2, Sp. 1253]


lateinische benennung dies viridium, tag der grünen kräuter, von der noch heute ziemlich verbreiteten sitte ab, an diesem tag frisches grünes zugemüse zu essen, einen eigenen grünen donnerstagskohl, wozu die eben aufgesproszten kräuter, unter denen sich auch die grosze brennessel (urtica dioica) befinden musz, gesucht werden. diese speise soll, wie in einer hernach anzuführenden stelle auch Rollenhagen bemerkt, gegen krankheiten schützen, ja man hielt es für unchristlich an diesem tage das nesselgericht nicht zu essen; vergl. Lisch und Beyer Meklenburg. jahrb. 20, 192. Zingerle Tiroler sitten 95, 727. allein tag der grünen kräuter ist nicht die ursprüngliche bedeutung und bezieht sich auf eine höhere, geistige. grün heiszt hier soviel als heil, frisches leben bringend, wie Wolfram (Parzival 330, 20) von grüener freude spricht, und dies viridium ist der tag der grünen, d. h. der von der sünde befreiten, rein gewordenen, denn an diesem tage, nach der während der fastenzeit vollbrachten busze, fand die lossprechung von vergehungen und kirchenstrafen und die zulassung zum hl. abendmal statt. diese erklärung bestätigt eine stelle in Eychmans Vocabular. predicantium (1483) bl. x 5a viridis ein grunender, der da on sunde ist, grun.

ein zeichen sage ich dir davon,
wande ich und Fortunatus,
ob ez verlîhit unser hêrre Jhêsus,
an dem grüenen donerstage
der schiere kumet, ich dir daz sage.
Albertus Ulrichs leben 534.

dirre selbe palas
daz hûs was, in dem Cristus saz
und mit sînen jungeren az
an dem grüenen dunrstage Passional 103, 67 Hahn.

da der her an dem grünen dunrstag nach dem nachtessen mit seinen jüngern auszgieng an den ölberg Keisersb. Sünden des munds 57a. an dem grün dunrstag hat der doctor gepredigt 66a.

am grünen donnerstag im mei
kocht eine bewrin ihren brei
von neunerlei kohlkreuterlein,
solt widder alle krankheit sein,
und nam dazu aus unverstand
was sie schön grün im garten fand,
weil sie in dem glauben stund
des tags wär kein kraut ungesund.
Rollenhagen Froschmeuseler K ij.

gründonnerstag dies viridium Stieler 2247. die benennung der antlâztac, ferner der gute donnerstag, im niederd. (Brem. wörterb. 1, 228) gude donnerdag, wobei Frisch 1, 385 die bemerkung macht, dasz man vordem alle tage der charwoche gute tage genannt habe, erscheint schon im mittelalter; s. Ben. 3, 5a.

dô Cristus was gesezzen
hin zu dem âbentezzen
an dem guoten dunrstag Passional 58, 56 Hahn.

nach Adelung heiszt er in Süddeutschland der grosze, der hohe donnerstag, in Östreich antlaszpfingstag Höfer 1, 38. Castelli 56. engl. maundythursday.
2. der feiste donnerstag, franz. jeudi gras, der erste nach aschermittwoche, wo es noch erlaubt ist butter und kuchen zu essen. wer immer einen guten montag und einen feisten donnerstag macht, der bescheidet seinen kindern den bettelsack und gemeinen kasten Henisch 728.
3. die unterirdischen pflegen sich namen beizulegen, die bei den menschen nicht gebräuchlich sind, ein solcher nennt sich in einer holsteinischen sage Hans Donnerstag.

uns Margreit
dat nich weit
dat ich Hans Donnerstag heit
Müllenhoff 578.


4. der donnerstag vor fastnacht heiszt der unsinnige, da laufen huttler und schemen um, wurden früher wildemannsspiele im freien von schulkindern aufgeführt, und in Trient kam auf den mittagstisch ein schwarzer ofenblenten (smaccofam) Zingerle Tiroler sitten 84.
5. man hört wol im gemeinen leben den ausruf potz donnerstag und freitag! als milderung von donner und wetter! in der Schweiz potz donstig vorm fritig! Rochholz 2, 201.
 
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donnerstägig, adj. was am donnerstag geschieht, üblich ist. der donnerstägige wochenmarkt zum unterschied von dem der an einem andern wochentag statt findet.
 
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donnerstagspferd, n. so heiszt auch die donnerziege.

 

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