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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dinne bis dintendeutsch (Bd. 2, Sp. 1178 bis 1181)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dinnedinn,adv. darin, zusammengezogen aus da inne, wie hinne aus hie inne. mhd. dinne. in der Schweiz dinna Tobler 139a.

die wîle dez îsen dinne (in der wunde) swirt.
Freidank 37, 5 A.

im gefrôs der zagel dinne (im wasser).
Reinhart fuchs 750.

er fuor ûz, dô bleib sie dinne
Helbling 1, 975.

und leite sich muternackit in distelen und in nezzelen und welkerte sich dinne umme Herm. v. Fritzlar 107, 8. dô las er her messe in dem kerkere und gap gotis lîcham allen den di dinne wâren 218, 19.

drî tische wurden alle tage
bereit den armen dinne Alexius 87, 85 Maszm.

die glocken die dinne (in der kirche) hiengen 54, 98.

dô sach er eine guote stat,
dâ er sît daz almuosen bat,
enmitten dinne ein münster stân 70, 153.

ir nagel daran so lûter daz man sich dinne ersach. Ortnit 63, 42.

sogar dadinne Elisabeth in der Diutiska 1, 359. wärestu ouch so lang dinn gesessen und hättest so lang geschwitzet als ich Keisersb. Bilger 155a.

schöne Katherina,
so wär ich bei dir dinne Guter seltzamer und kunstreicher deutscher gesang (1544).

anhub die schöne bulerin,
sprach zu irem junkherrn dinn
H. Sachs 1, 516c.

s. dainnen. din und das folgende

[Bd. 2, Sp. 1179]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dinnen für da innen.

dem keiser wâren dinnen (in der stadt) bî
kleiner junkherrelîne drî
Herant v. Wildon 158.

doch mein ich er klopf mange frist,
so er vorlengst dinnen ist Fastnachtsp. 226, 3.

ich musz gehen in dem büchlein dinnen
noch ein kreftiger beschwerung finnen.
H. Sachs 5, 346b.

bat sie umb gottes willn das sie doch
im nur dieselbig nacht wolt günnen
das er bei ir mocht hausen dinnen.
Waldis Esopus 2, 137a.

und hättest du dein kind nit dinnen (im kloster) du thätest in (den schwestern) nichts gts Keisersb. Has im pfeffer E e 3d. es seien die weltlichen herauszen gegen den gaistlichen dinnen das. die man vermaint dinnen z sein, seind oft dauszen S. Frank Chronica 431b. nach dem zeuch den kegel widerumb ein, und wann nun der kegel widerumb dinnen ist u. s. w. Seuter Roszarznei 328. s. drinnen.
 
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dinscheln, dinschlende wort, liebliche wort und halb abgebrochen, wie die söugammen mit den kinden redend, loquela blanda et infracta Maaler 91b, und daraus bei Henisch 713 und Frisch 1, 199b. es scheint mit dinsen verwandt, da man die worte hin und herzieht und abbricht.
 
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dinsen , ziehen, reiszen, goth. þinsan, ahd. dinsan, mhd. dinsen, wo noch dinse dans dunsen gedunsen vollständig sich zeigt Ben. 1, 360b; s. Gramm. 2, 35. im nassau. Siegerland dease, déise H. Schütz Siegerländer sprachidiom 1, 25b.
1. ziehen, reiszen, dinsen trahere Frisch 1, 199b. doch Steinbach, Adelung führen es nicht mehr an. in der hessischen volkssprache wird es noch häufig gebraucht, man dinst das pferd, das schaf in den stall. er wollte den bündel heu durch das loch dinsen, aber er war zu dick. in Oberhessen densen heftig ziehen, zerren, herumschwingen, die bursche densen die mädchen im tanze herum. der tüfel kumpt schlichen uns zu fohen und uns mit im zu dinsen in die hell Keisersb. Bilger 74a. dan so er (Saturn) den himel einhält, so coaguliert, gefriert und milchramet er den samen in der mter, und condensirts, verdickt es, däuets, dinsets, verhaftets mit seiner kält und trockene Fischart Groszm. 59. ei gemach, herr doctor, rumpelt nit so in der h. schrift, ir seit nit in ewern canonischen rechten, da ir dinsen und dehnen möget eins hierher, das ander dorthin Ge. Nigrinus Lehr glaubens und lebens Jesu und der jesuwider gegensatz (1581) K i. auch intrans., man sagt in Hessen der wind dinst durch das fenster.
2. tragen, bajulare Dasypod. 318c, auf dem rücken tragen. er (der förster) sol aber doch mit zusehen, wen er sehe tragen oder dinsen, daz den herrn und dem wald zuwider wäre Weisth. 2, 183. C. Marius machet seinen knechten bästlin und tragräfflein, damit si ir rüstung zu rugk on irrung der gweer selbs dinsen möchten Forer Thierb. 46b. auf den achslen tragen bajulare Maaler 91b. s. aufdinsen. densen. gedunsen. vergl. dinsel dünsel Schmeller 1, 385.
 
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dinster, adj. s. dimper.
 
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dinsternisdinsternus,f. finsternis. mhd. dinsternisse Ben. 1, 361a. dinsternusse vinsternusse tenebre obscuritas tenebrositas Voc. theut. 1482 e 8a. s. düsternis.
 
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dintetinte,f. atramentum, ahd. dincta tincta Graff 5, 437. mhd. tincte. dinte, mit ausgeworfenem c, erscheint schon im 10ten jahrhundert, vom 16ten an gilt es allgemein. die schwache declination steht fest bis zum 18ten, wo die starke eintritt. im 15ten und 16ten zeigen sich verschiedene formen. tink tinka Voc. 1445, dinkenvasz, dinkenhorn. auch wird, wie bei andern wörtern der schwachen form, dem nom. ein unorganisches n angehängt, dinkn Vocab. 1455. dinten bei Dasypod. 14d. 318d. Serranus Synon. 52b. Diction. 67b. Maaler 91b. Fries 132. Fuchs Mückenkr. 1, 949. 3, 684. Schuppius 317. zwar stellt Henisch dinte auf, schreibt aber rote dinten, bleiche dinten 714. in Baiern gilt noch heute tinken Schmeller 1, 447. ferner timpen 1, 444. tixte, der stetschreiber sol auch sin selbs pirmit und tixten haben Augsb. stadtb. Schmid 125. endlich dimpt dimpten Voc. 1429. timpte dimpte neben dinte Hans von Würtenberg Kochbuch in Haupts Zeitschr. 9, 370, wozu Wackernagel pembsel für pensel pinsel bei Abr. a s. Clara stellt. im niederd. und den damit verwandten sprachen braucht man dafür blak, s. oben 59.
Das wort stammt ab von dem latein. tingere, daher bei Ducange tincta und tinctum, ital. und span. tinta. wir schreiben

[Bd. 2, Sp. 1180]


der lautverschiebung wegen besser dinte als tinte. seinem ursprunge nach liegt also nicht notwendig der begriff von schwarzer farbe darin, es kann auch rothe, zumal purpurrothe, goldene und silberne bedeuten. dazu kommt dasz das ital. inchiostro, altven. incostro von ἔγκαυστον die purpurdinte bezeichnet, womit die griechischen kaiser ihren namen unterzeichneten. mit dem begriff von schwarzer dinte ist es übergegangen in das franz. encre, sicil. inga, niederl. enkt inkt, engl. ink, böhm. engaust, pol. inkaust; vergl. Diez Roman. wörterb. 193.
1. unter dinte schlechthin wird jetzt schwarze verstanden, und farbige musz näher bezeichnet werden, rothe, grüne, blaue, golddinte. für geheime nachrichten gebraucht man unsichtbare, sympathetische dinte (J. Paul Siebenkäs 4, 131), die erst durch anwendung gewisser mittel zum vorschein kommt. man hat blasse, zähe, dicke, dünne, flüssige dinte. sie schlägt durch wenn sie auf der rückseite des papiers sichibar wird. sie verblaszt, verschwindet auf dem papier. sie schimmelt leicht. mosige, unsaubere dinten atramentum faeculentum Henisch 714. im mhd. steht häufig tincte und permint zusammen, heute dinte und feder, dinte, feder und papier.

dô nam des rîchen küneges kint
tinten unde permint Äneide 286, 20.

waz mohte mir ein brief getuon,
diu tinte und daz permint? 297, 12.

er bat daz man im holte
tincten unde permint Parzival 625, 13.

nam tincten und permint 785, 18.

jane schrîbestû mit tinten niht. Welsch. gast 12347.

schrîbet ein schrîbære iht,
swenner hât der tinten niht? 14014.

ist in der veder tinten niht 14024.

dû solt mir gewinnen
in der gotes minnen
tincten veder und permît Alexius 58, 693 Maszm.

tincte und permint 111, 557.

den hiez er balde bringen
tinten und permit Wilh. v. Östreich 11a.

wer git mir des himels breit bermit, des meres tiefi ze tinkten Heinrich Suso in Wackern. Leseb. 1, 873, 31.

wenn das mer eitel tinten wär Fastnachtsp. 134, 22.

geschriben mit der schwarzen dinten Keisersb. Bilger 4a. und ich schreib sie mit tinten ins buch Jerem. 36, 18.

dieses kriegsvolk beschreiben, wür
mir kaum dreizehen riesz papier
und vierzehen masz dinten klecken.
Fuchs Mückenkr. 1, 949.

solt ich noch die zerbrochnen speer,
zerrissene fan, zerhackte wehr
und allen unraht hie beschreiben,
würd mir kein dinten überbleiben 3, 684.

sehet euch mit heirathen wol für, laszt euch feder und dinten wol bezahlen die arbeit für den heiratscontract Schuppius 115. wann das ganze baltische und oceanische meer lauter dinten wäre 317.

als Deutschlands zärtlichkeit noch keinen puder rieb,
mit stahl und blute mehr als kiel und dinte schrieb.
Günther 1063.

die feder voll dinte nehmen J. H. Jacobi Woldemar 192. wo man am wenigsten dinte und feder sparen soll, das ist beim aufzeichnen einzelner umstände merkwürdiger begebenheiten Göthe 20, 260.

die dinte starrt (ist eingetrocknet), vergilbt ist das papier. 41, 92.

in einem kalligraphischen kopierten brief, worin er ihn bei der erbschaft beschwor in seinen instrumenten nichts zu radieren, noch zweierlei dinte zu nehmen J. Paul. ein gelehrter der das ganze jahr neue schlüsse und neue dinte macht, begreift es nicht wie ein mensch leben könne, der kein buch oder keine feder im hause hat, sondern blosz die geborgte gelbe des dorfschulmeisters ders. Siebenk. 3, 13.

ob er mit rother dinte sich beschmitzte
Uhland Ged. 509.


2. bildlich in redensarten und sprichwörtern. wer so handelt, musz dinte getrunken, gesoffen haben unklug, närrisch sein, sagt man im gemeinen leben. er sitzt in der dinte er ist in verlegenheit, in einer schlimmen lage. du wirst in die dinte kommen in händel geraten, übel ankommen. ir stecken mit mir in der dinten Keisersb. Post. 61, soltestu den man strofen, din gesind

[Bd. 2, Sp. 1181]


strofen, so bistu selber in der dinten ders. Bilger 199b. seid ihr schon in der tinte gewesen? Hippel Lebensl. 3, 155. weil man aber- von alters her gemeinigklich mit schwarzer dinte geschrieben und nach dem höflichen rätzel eine schwarze saat auf weiszem acker gesät hat Mathes. 104a. schrib mit dinten so sicht (das aussieht) wie blut Fischart Garg. 188a. das helfenbein mit dinten weisz machen Frank Sprichw. 5a. es kan sich keiner mit eines andern unthat schön machen, wie mancher sagt, der thuts auch, ists ihme recht, so ist mirs nicht unrecht: aber der so gedenkt, der wäscht sich mit hefen, mit mistlach, schusterschwerz, mit dinten, oder will sich mit kohlen weisz machen, mit einem nassen sack decken Lehmann 203. er kann die dinte nicht halten schriftstellert zu viel Lichtenberg 2, 76. ansehnliche glieder aus collegien gossen da gewöhnlich in die dinte ihres schreibtages einiges abendbier J. Paul Flegeljahre 1, 32. er (ein fürst) hat das füllhorn der ehre in der hand, und ein tropfen dinte von ihr ist öl genug ins feuer für ihn und vaterland ders. Nachdämmerungen 86.

sie morden, wie ich leider höre,
bald mit der feder, bald mit der flinte:
ja sie ersticken des nächsten ehre
bald in blut und bald in dinte.
Kotzebue Dramat. spiele 1, 67.

(wir husaren schlugen auf die feinde)
dasz ihnen die rothe tinte
lief über den dünnen leib
Soltau 2, 473, 5.


3. farbenton, abstufung und übergänge der farben. ital. tintó, französ. teinte. meist bei gemälden, die dinten sind kräftig. halbe dinten halbschatten, helldunkel. das einzelne (in einer landschaft) war alles in der blauen tinte des morgens verschwunden, und das ganze schien in schweigen und ruhe versenkt Göthe 37, 208.
 
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dintenbeere, f.
1. steinweichsel, prunus mahaleb.
2. beere des kreuzdorns, rhamnus catharticus.
3. des hartriegels, ligustrum vulgare. dintenbeer oder gimpelbeer Höfer Östr. wörterb. 1, 155. die beere enthält einen schwarzen, der dinte ähnlichen saft.
 
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dintenbeerstrauch, m. dintnschdrauch Castelli Östreich. wb. 110.
 
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dintenbuch, n. ein geschriebenes, nicht gedrucktes buch. ist die ursach das die dintenbücher kein kunst in inen haben, sondern sudlens und kudlens durch einander Paracelsus 1, 272b.
 
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dintendeutsch, n. das man nur in der schrift gebraucht? bub, lang her. ich insinuir dir mein nomination in das herz, verstehst disz dintenteutsch? Fischart Garg. 83b.

 

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