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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
diesseitig bis dieterichen (Bd. 2, Sp. 1144 bis 1146)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) diesseitig, adj. von örtlichkeiten im gegensatz zu jenseitig. vom diesseitigen ufer blickten wir hinüber. das diszseitige Frankreich Gallia citerior Steinbach 2, 575. bildlich, die diesseitigen staatsschriften, kriegsrüstungen. die diesseitigen bemühungen den frieden zu erhalten, waren vergeblich. die diesseitige regierung unterstützte die unternehmung. diesseitige (von Weimar ausgehende) antwort auf Bürgers anfrage wegen übersetzung des Homers Göthe im deutschen Merkur 1776 febr. s. 193.
 
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diesseitigkeit, f. die bekenner der absoluten diesseitigkeit des göttlichen Jena. lit. zeitung 1845 s. 915.
 
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diesseits, wie diesseit, dem man wie bei jenseit, beiderseit ein unstatthaftes genitivisches s angehängt. auch hier folgt neben dem genit. der dativ. es findet sich schon bei Luther ein paarmal, und die Philister stunden auf einem berge jenseids, und die Israeliten auf einem berge disseids 1 Samuel 17, 3. disseids den wassern des Morenlandes Josua 18, 1. bei Stieler 2002. disseits der Donau, disseits des flusses Frisch 2, 261c. disseits der Alpen Lessing 9, 464, der aber auch den dativ dazu setzt, disseits den Alpen 9, 55. uneigentlich, die zeit in welcher wir zusammen lebten, kommt diesseits des grabes nie mehr zurück J. G. Schlosser an Göthe (Xenocrates 3). wie gut man dieszseits für ihn gesinnt sei Göthe 31, 153. man war dieszseits wirklich in verlegenheit 31, 155.
 
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dieszbach, m. torrens, rivus temporarius, gieszbach Maaler 92c. Henisch 707. mhd. diezen rauschen, diez schall Ben. 1, 373.
 
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diet, f. volk, gens. goth. þiuda, ahd. diot diota (Graff 5, 124), mhd. diet (Ben. 1, 325), altsächs. thiod thioda, altfries. thiade, angels. þeod þiod, altn. þiod þydi. ein wort dunkler herkunft. schwankende vermutungen hat Graff aufgestellt, man hat es auch mit dem goth. þius, ahd. diu puer in verbindung gebracht. das goth. þiudans könig, das adj. diutisch gehört dazu. das geschlecht wechselt schon im ahd., diot ist m. f. und n., das mhd. diet meist f. doch zeigt sich bis in den anfang des 13ten jahrhunderts zuweilen auch das neutr. häufig im 13ten jahrhundert, kommt das wort doch im 14ten und 15ten selten vor.

durch recht verlauft sich mange diet
mit urteil räten und auch miet.
Wolkensteiner 25, 79.

dar nach kam der seinen dar
der fromen diet ein michel schar.
Wittenweiler Ring 55c, 12.

ei werde diet, ob ich nun han
dem püchlin nicht so recht gethan.
H. Vintler Blume der tugend in
Haupts zeitschr. 9, 114.

[Bd. 2, Sp. 1145]


Dasypodius und Maaler führen es nicht mehr an, auch Luther gebraucht es nicht. in Schwaben (Schmid 126) heiszt diet m. mensch, und so in der Mörin Hermanns v. Sachsenheim

und sprach zu mir, du armer diet 6aa.

Schmeller 1, 404 bemerkt aus einem ablaszbrief des bischofs von Regensburg vom jahr 1423 zum besten der kreuzfahrer gegen die Hussiten undiet n. als eine schimpfliche benennung, wie man unmensch sagt: das undiet des verdammten volks der Hussen und Wiclefiten. ferner, wider das, mit dem undiet streiten. das undiet vertilgen, zu dem undiet gelangen Gemeiner Regensb. chronik 2, 459. es dauert noch fort in der zusammensetzung von eigennamen wie Dietfurt Dietmar Dietrich, in ortsnamen wie Dietingen Dietkirchen Dietweiler.
 
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dietarzt, m. einer der die allgemein bekannten hausmittel anwendet? Fischart spricht von dem beistand den eine frau ihrem mann leistet, sie ist sein dietarzt, mundsalzerin Garg. 72a.
 
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dietchen, dittchen,n.düte,f. der grüne regenpfeifer, charadrius pluvialis Nemnich 1, 1003.
 
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diete, f. involucrum Frisch 1, 197c. Steinbach schreibt ditte, etwas in ein ditte thun chartis aliquid amicire 1, 276. s. DWB düte.
 
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dieter, m. der böse Dieter oder Dieterich heiszt in der Schweiz der wilde jäger Rochholz Schweizersagen 1, 179. 220.
 
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dieterich, m. wie diebshaken, diebsschlüssel, nachschlüssel, hakenschlüssel. niederd. dierker (Brem. wb. 1, 215), schwed. dyrk, dän. dirik, dirk, litt. witrikis, sloven. veternik, vietrich, dietrich. das mlat. derectarius qui fores effringit furandi animo bei Ducange, directarius in den Digesten leitet man von dirigere in der bedeutung von effringere (bei Festus) ab. davon kommt nicht dierker dirik dirk, vielmehr haben wir einen eigennamen in diminutionsform vor uns. Dierk für Dieterich ist im niederd. gebräuchlich, fries. Diurko, hochd. Diez. man meint der erfinder habe so geheiszen, aber ein nachschlüssel ist keine auffallende erfindung, und die Römer kannten schon die clavis adulterina. Dieterich mag unter dem volk ein vertraulicher, schmeichlender name gewesen sein, eine stelle aus dem 15ten jahrhundert (Fundgruben 1, 363) belehrt uns dasz man den star (sturnus) Dieterich nannte, wie man einen an die stube gewöhnten vogel, einen raben, oder auch ein anderes hausthier Hans zu rufen pflegt. die diebe hatten ursache den nachschlüssel, der alle thüren öffnete, den passe partout, wie er im französischen heiszt, als ihren besten knecht, den sie mit dem rechten namen nicht gern nennen wollten, so zu bezeichnen. oder sollte eine beziehung auf den wilden jäger darin liegen? er heiszt auch Dieterich (s. Dieter) und vor ihm müssen, wenn er kommt, die thore geöffnet werden; s. Rochholz Schweizersagen 1, 219. leichter zu erklären ist eine andere, gleichfalls aus einem eigennamen entstandene benennung: im niederdeutschen nemlich heiszt er peterken, womit Petrus gemeint ist, der mit seinem schlüssel das himmelsthor öffnet: man fund bi öm 4 isern instrumente, geheten peterken, dar se de küsten mit hadden uppe maket Brem. wb. 3, 310. dieterich in dieser bedeutung zeigt sich erst im 15ten jahrhundert, im ahd. heiszt er aftersluzel Graff 6, 815, im mhd. miteslüzzel.

(swer) einen ungetriuwen miteslüzzel hât.
Spervogel MS. 2, 227a.

ich sag von den, der mancher rucht,
was ein ider besitzen det,
dasz er nür schlussel dar zu het,
sie hieszen dittrich oder diez. Fastnachtsp. 1289.

wir hatten eine laterne und einen dieterich mit uns Luther 3, 348. aber der bapst macht aus solchen schlüsseln zween dietrich zu aller könige kronen, kasten, zu aller welt beutel, leib, ehre und gut 7, 475b. die kirchschlüssel hat der bapst zu dietrichen gemacht Luthers Tischreden 177a. unrechte schlüssel, nach dem rechten gemacht, dietherich Alberus Diction. nov. Bb ij. dieterich ein instrument damit die schlosz ohne schlüssel aufthon werdend Maaler 92d. habt ihr auch je ein fläschen aufgeschraubet oder mit einem diterich erbrochen? Fischart Garg. 21b. alles was je die astrophili gedacht, mit dieterichen erbrochen ders. Groszm. 14. das künstlich gesind dasz man nach der mesz an galgen bind, dietrichschlosser, grundfahrer 88. die nachbarin nimmt die gewöhnliche aufsperr- oder dietrichschlüssel, sperrt den kasten auf M. Abele Gerichtshändel

[Bd. 2, Sp. 1146]


(Nürnb. 1668) 1, 552. mit disem dietrichen müssen sich alle schlösser aufthun lassen, id est, mit den primis qualitatibus, ut eludunt Galenicos Paracelsistae Henisch 708. diebs- sive dietrichschlüssel Stieler 1844. dieterich ein schlüssel der alle schlösser schlieszt, nachschlüssel, clavis laconica. einige solcher schlüssel sind nur ein haken oder vornen krum gebogenes eisen, die heiszt man hakenschlüssel. wann ein herr einen dieterich hat, der alle thüren öffnen kan, nennt man es einen hauptschlüssel Frisch 1, 197c. ditrich Steinbach 1, 276.

doch was erhebt dort aus dem feuer
des orkus sich für ein kolosz?
entsetzlicher als selbst die ungeheuer
aus jenem fabelhaften trosz!
die dietriche des himmels glühen
in seinen händen, funken sprühen
von seinem purpurnen talar!
Thümmel 3, 366.

Alcest hat geld und diese dietrich schlieszen.
Göthe 7, 61.

habt dank, ihr dietriche, ihr seid der trost der welt,
durch euch erlang ich ihn, den groszen dietrich, geld. 7, 63.

der mann mit dem kammerherrlichen dietrich J. Paul Hesp. 4, 90.
 
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dieterichen, ein schlosz mit einem dieterich aufschlieszen, niederd. dierken, dän. dirke.

ihn hört Jürgen, dietricht
alsbald des hauses pforte
Voss 6, 150.

so auch aufdieterichen, niederd. updierken. meine leute wollten die thüre mit der axt einschlagen, ich aber verbot es und schickte gleich einen nach unserm schiff, um einen schlösser zu holen, der das schlosz aufdieterichen könnte. der kleinschmied kam endlich gegen den abend mit seinen hakenschlüsseln an und eröffnete die thüre Pierot 4, 144.

 

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