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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
diebisch bis diebsbande (Bd. 2, Sp. 1092 bis 1094)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) diebisch, adj. und adv. engl. thievish, begann im 15 ten jahrhundert das alte dieplich zu verdrängen. es heiszt
1. furax, rapax, zum stehlen geneigt, ans stehlen gewöhnt. wilt du nit ein dieb sein, so soltu nit diebisch geboren (gebaren, dich gebärden) Keisersb. Sünden des munds 71a. diebisch furaciter Dasypod. 315a. diebisch, stelens geartet Maaler 90b. pronus in furta Frisch 1, 195a. man sagt diebische elster. diebisches volk. diebisches gesinde. der roszdieb zu Fünsing mit den tollen diebischen bawren H. Sachs 4. 3, 25a. zwen diebische tuckelmeusige galgenschwengel Fischart Garg. 47a. diebischer grempel 190b.

hatte der alte speck, um die diebischen ratzen zu fangen,
heimlich gebracht
Mörike Idylle 131.


2. nach art der diebe. der diebisch einbrechen will Kirchhof Wendunmut 229a.

wenn auch das kannin oder hase
diebisch meins herren kraut ablase.
Rollenhagen Froschm. F v.

die für ihrs herrn wolthat und heil
ihnen das ihr (ihrige) letzlich entragen
und ihm auf gut diebisch danksagen.
Eyering Sprichw. 1, 67.

ein diebisch maul wil leren liegen (lügen) 2, 462.

disz sprichwort macht der diebisch hauf,
der allzu gern thut reumen auf 3, 411.

und wie der diebisch wolf dort sprach 3, 412.

eins diebschen sohn gern stilt und leugt 3, 557.

dann dir gefiel niemals und niemals war dir lieb
ein diebischer betrug und ein betrieglich dieb.
Logau 1. 8, 99. s. 192.

diebischer weise entwendet Westphäl. Robinson 44. diebische art furacitas, rapacitas Henisch 690. Frisch 1, 195a.

er schleicht mit scheuem blicke
und mehr als diebscher furcht zurücke
Hagedorn.

avantürier der den namen Torsacker und die seraphinenkette diebisch führe J. Paul Biogr. belustig. 1, 164. wie sie ein paar diebische thränen in den wein fallen liesz Schiller 129. unsere augen schlichen diebisch ihm nach 145. er tritt in die weisze leuchtende stube, die seine diebisch (heimlich) aufstehende Lenette vor mitternacht unter seinem ersten schlaf gewaschen hatte J. Paul Siebenkäs 1, 147.
3. sprichwörter. der pfaw hat ein englisch gewand, ein diebischen gang und ein teuflisch gesang Henisch 690. vergl. Freidank 142, 13. ferner bei Henisch, diebische art nie gut ward. diebische art erbet ins geschlecht. ein diebische speis macht diebisch geblüt und gemüt. faul und gefresz, diebisch und geneschig ist gern beisamen. gott nehrt ein diebischen sperling.
 
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dieblein, n. s. diebelein.
 
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dieblich, adv. nach diebes art, wie diebisch in dieser bedeutung. ahd. diuplîcho furtim Graff 5, 98. mhd. dieplich und diuplîche Benecke 1, 325. dieplich furtive Voc. teut. 1482 e 8b. vergl. Schmeller 1, 350.

(du) solt mir das mein nit also dieplich ausztragen. Fastnachtsp. 54, 28.

[Bd. 2, Sp. 1093]



da er uns jämerlich verlie
und sich dieplich von uns schiede 453, 17.

dieblich gestolen
Görres Meisterlieder 143.

er (der fuchs der sich todt stellt) verkert sine augen, liesz die lefzen hangen, den hals schwenken, seinen atem zoch er dieblich in sich, die fusz streckt er von im Cyrillus 4b. das erste das er gott seine ehre dieblich stele Luther 3, 80b. liesz sein volk vor erst dieblich auf sie reisen (ziehen) und heimlich rauben und stelen Livius von Schöfferlin 132b.

der hund aber der sprach im (dem dieb) zu,
'sag, gibst du mir das brote dein
dasz dich erbarm der hunger mein
ausz rechter trew und gunst ausz gnaden,
oder gibst mirs dasz du mögst schaden,
meim herrn das sein dieblich ausztragen
aus seinem haus, eh es thu tagen?'
H. Sachs 4. 3, 110b.

ach solt ich den (dem) herr vater mein
dieblich sein ehr und treu verletzen,
wolt mich ehe auf ein kutschen setzen
und willig fahren ins elend
J. Ayrer Trag. 258a.

ehrnvester herr, wir bede han
gesehn und dörfens warhaft sagen,
das uns der jud dieblich entragen
dises stuck barchet ausz der buden. ders. Fastnachtsp. 19c.

dieblich entfrembden Agricola Sprichw. 316. diebischer weis, dieblich, heimlich Henisch 690.

je dieblicher und scherzlicher,
je lieblicher und herzlicher
geniesz ich der lieb beut
Weckherlin 788.

damit sie ansehnlicher bei dieser stadt wohlverdienter regimentspersonen und anderer in ehren bekanter leute guten namen, leumund und glimpf dieblicher weis calumnieren Schuppius s. 677.
 
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diebolt, m. mit diesem eigennamen bezeichnete man einen dieb. schon im mhd. Ben. 1, 325a. vergl. Gramm. 2, 331.

du findest vil in Diebolts thon,
das heiszt man an etlichen enden gestolen. Fastnachtsp. 866, 34.

wach auf, Diebolt, hau, Diebolt, wach,
es ist morn auch ein nacht
Fischart Garg. 249a.


 
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diebpreszgang, m. gewaltsame ergreifung des diebs, wie man soldaten, matrosen preszt. als der amtmann eine neue galgenrekrutenaushebung im Mauszenbacher walde vorzunehmen gedachte, so stellte H. v. Röper diese diebpreszgänge dadurch ab, dasz er seinem malefizrat so viel grobheiten anthat als dazu vonnöthen waren, dasz der amtmann nichts thun konnte als abdanken J. Paul Unsichtb. loge 2, 14.
 
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diebraub, m. furtum, rapina nocturna Haltaus 224.
 
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diebraumisch, adj. der heimlich, diebisch hinwegräumt. ja das eseltreibig, lonsorgig, augendienschaft gesind ist im kaum gehorsam: ist murrisch, widerbefzig, diebraumisch, unvertreglich Fischart Garg. 69a.
 
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diebsackdiebssack,m. den diebe und bettler mit sich führen, Maaler 90b übersetzt funda, fügt aber noch hinzu brüsäckle: ist damit ein lederner sack gemeint, um suppe oder speise hinein zu thun, wie ihn bettler haben mochten, der zugleich die gestohlenen sachen aufnahm? belg. diefsack, französ. besace, der quersack, latein. bisaccium. diebssack, schiebsack, beiseckel, diebsbeutel, follis, funda, reticulum, sacculus sub veste consutus Henisch 692. diebsack loculi Stieler 1658. diesack Reinwald 19a. wa er zur seiten griff in die diebs oder commiszsäck Fischart Garg. 56a.

da kam die magd und bracht herausz
ein gfülltes hun gebraten heisz,
gelegt auf eine semel weisz.
der knab (der den blinden bettler führt) nam hin denselben braten,
dacht 'wird leicht heut nit basz geraten
und legt dasselbig hun besunder
und stiesz in sein diebsack hinunder
Wolgemut 2, 484.

die andern beutel schneiden ab,
und weil die mutzen diebsseck han
fechten sies für das ir auch an,
nemen heraus was drinnen ist
Eyering 1, 691.


 
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diebsart, f. genus furunculorum Stieler 58.

dann diebsart läszt doch nicht von art.
Eyering 1, 140.


 
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diebsauge, n. oculus furtivus, das heimlich umschaut wo etwas zu stehlen ist Stieler 67. ach dasz ihr ewer lebenlang müszten diebsaugen für oculorum populi essen Fischart Garg. 189b. du schlimmer vogel, willst du mich mit

[Bd. 2, Sp. 1094]


diebsaugen ansehen? Simpliciss. 2, 55. sprichw. diebesaugen sehen durch einen doppelten mantel was einer im beutel hat Henisch 692.
 
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diebsbande, f. die sich zum stehlen vereinigt, furum grex. dän. tyvebande. auf dem jahrmarkt fand sich die ganze diebsbande zusammen.