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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dichterdeutsch bis dichterfreiheit (Bd. 2, Sp. 1065 bis 1066)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dichterdeutsch oder poetendeutsch, sprache der dichter Stieler 2277.
 
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dichterei, f. ausübung der dichtkunst und die dichtung selbst. man hat auch wol geringschätzung beider damit ausgedrückt. Luther gebraucht es noch in der alten bedeutung von erdichtung. 1. gar nichts zur sachen dient und vergebliche dichterei ist Luthers Briefe 3, 362. 5, 122. ich will meiner tichterei ursach anzeigen, damit jedermann greife ob ichs recht ertichtet habe, oder ob der meuchler recht sage Luther 5, 304b. 2. noch unglückseliger achtet sich Irenian, dasz er unwürdig eurer schönsten dichtereien inhalt worden S. v. Birken Margenis 50. dichterei als gleichbedeutend mit dichtung führt Stieler 297 an. da vor der reinen dichterei die deutsche sprache noch in den hülsen der unvollkommenheit lag Chr. Knittel Poetische sinnenfrüchte (Colberg 1677) vorr. und s. 5.

und aller dichterei auf ewig abzusagen
Canitz.

dasz meine dichterei dem reim noch dienstbar ist.
Hagedorn 1, 85.

drum send ich dir die zeilen
die meine dichterei zu deiner lust entwarf 2, 96.

da das licht der philosophie die heiligen schatten der dichterei vertrieben Herder 2, 28. ich lege jetzt einige meiner dichtereien wieder bei ders. in Mercks briefs. 1, 18. in der

[Bd. 2, Sp. 1066]


that ist der fortschritt, welchen unsere sprache und dichterei gemacht hat, ein riesenschritt Wieland 26, 314. ihm habe ich sie (die jugend) zur dichterei gemacht Klinger 5, 158. nun erfuhr ich was eigentlich wahre dichterei sein und sagen will 9, 16. nur halbe menschen taugen nichts, nur ihnen gelingt nichts. bei mir würde ein wenig dichterei den weltmann verderben, bei dir etwas vom weltmann den dichter 9, 69. ihr (staatsmänner) möchtet gern aller dichterei ein ende machen 9, 109. wenn die wahre dichterei ein beweis von höherer moralität in dem menschen ist, so ist es die veredelte liebe zwischen den geschlechtern auch. aber ist nicht auch die liebe dichterei? 11, 119. 151. Göthe und Schiller gebrauchen das wort nicht, aber Platen hat es wieder aufgenommen,

immer war ich hold den dichtern und der holden dichterei. 283.


 
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dichterepheu, m. hedera helix. man ehrte bei den alten die dichter mit kränzen von epheu, der auch lorbeerkraut heiszt; so auch siegerepheu, götterepheu Nemnich 2, 107. vergl. dichterkranz.
 
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dichtererklärung, f. lehrer einer akademie, deren erste pflegerin Hallers muse gewesen war, sogar solche denen dichtererklärung oblag, erlaubten sich spott gegen dichter und musenbeschäftigungen Voss vorrede zu Höltys ged. 31.
 
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dichterfach, n. ein jedes werk in jedem dichterfach hat seinen eigenen farbenton und styl Wielands übersetzung von Horazens episteln 2, 216. neulich kommt ein recht hübscher junger mann, auch ein Preusze, mir nach einer ganz schicklichen unterhaltung zu vertraun er übe sich auch im dichterfach Göthe an Zelter 826.
 
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dichterfähigkeit, f. Salomo durch dichterfähigkeit ausgezeichnet Schlosser Weltgesch. 1, 106.
 
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dichterfeuer, n. ardor poeticus. s. DWB dichterglut.
 
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dichterfittich, m. einen auf dichterfittigen emportragen Göthe 33, 112.
 
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dichterflug, m. bildlich, erhebung des dichtergeistes. seinen dichterflug konnte nichts hemmen.

indes von ihm gewandt im zauberkreis des spottes
mein blick den raum durchstrich, wo Coypels dichterflug
die traurige gestalt des bessern Donquixottes
ins pantheon der narren trug
Thümmel 10, 111.


 
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dichterform, f. dasselbe was hier von den zwei verschiedenen formen der menschheit gesagt wird, läszt sich auch auf jene beiden, ihnen entsprechenden dichterformen anwenden Schiller 1198a.
 
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dichterfreiheit, f. licentia poëtica. auch in beziehung auf die freiheiten, die sich der dichter in der sprache nimmt.