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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
deutschheit bis deutschpoetisch (Bd. 2, Sp. 1051 bis 1053)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) deutschheit, f. deutsches wesen, deutsche natur.

mein teutschikait und üppig er
ist mir durch in an (ohne) wasser oft erloschen.
Oswald v. Wolkenstein 13. 16, 15.

bei Stieler 2278 wird es übersetzt natio germanica, gens teutonica; ferner integritas fides et religio Germanis propria und salus gloria et dignitas populorum Germaniae. deutschheit würde sich nicht (in die übersetzung der Ilias in hexametern) hineinbringen lassen und griechheit, dasz ich so sage, noch weniger. deutschheit, gedrungene markige nervenstraffe deutschheit find ich auf dem wege den ich wandle, und sonst auf keinem andern Bürger 180b. ein gesicht von edler deutschheit Lavater. der lächerliche trotz auf deutschheit und die thörichte verachtung der ausländer Lichtenberg 4, 304. dasz z. b. der Baier dem Preuszen gegenüber sich der gemeinsamen deutschheit nicht entsinnt Fichte Deduc. plan 109. Göthe gebraucht es gerne ironisch,

mit deutschheit sich zu zieren
hat jeder sein armes wams zerschlitzt:
sie ziehen ihr hemdchen durch die spalten,
das gibt gar wunderreiche falten 13, 54.

jeder schauspieler sah nun wie er bald in helm und harnisch, jede schauspielerin wie sie mit einem groszen stehenden kragen ihre deutschheit vor dem publico producieren werde 18, 198. so dasz männer und frauen, mägdlein und

[Bd. 2, Sp. 1052]


junggesellen fast aller deutschheit und nationalität zu vergessen scheinen 32, 129. ich hatte erst lust in die komödie zu gehen um die deutschheit (etwa im Otto von Wittelsbach) in ihrem glanze zu sehen ders. Briefe an frau v. Stein 3, 213.
 
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deutschherrig und deutschherrisch,adj. dem deutschen orden angehörig. durch Sontheim, das deutschherrisch ist Göthe 43, 80.
 
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deutschkomisch, adj. die englische poesie hat eine gebildete komische sprache, welcher wir Deutschen ganz ermangeln. das deutschkomische liegt vorzüglich im sinn, weniger in der behandlung Göthe 46, 208.
 
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deutschland, n. Germania. im ahd. findet es sich so wenig als diutschiu lant, beide erscheinen erst im 12ten und 13ten jahrhundert, aber selten. von Diutischlant hat Ben. 1, 326 kein beispiel, es kommt aber in der Kaiserchronik vor,

daz mære in Dûtisklant kom 102d.

dô karte er in Dûtisklant widere das.

im 16ten jh. zeigt es sich öfter, und gewöhnlich wird das deutsche volk darunter verstanden. tutsch land Almania Alemania, Teutonia, Germania Vocab. incip. teut. y 4. das teütsch land Alemannia, Germania Dasypod. 86a. 440b. die kriegsleut die die Römer ins teütsch land brauchten ders.

einen stäten friden zu machen
wol in dem ganzen rich,
das seind uns frembde sachen,
ein jeder lug für sich.
sol ich von wunder sagen,
so ist ir das wol eis (eins),
das auf dem loblichen tage
Deutschland ist worden eis
Soltau 2, 62 (v. jahr 1512)

ganz Deutschland unden und oben
würt ir keins sicher sin 2, 69.

der grosz adler
der fliegen wirt ausz teütschem land
Gengenbach 8, 182.

Teutischland (sags mit vergunst)
begabet ist mit mancher kunst.
P. Melissus in W. Wackernagels Leseb. 2, 123.

weil sie weis leut nit hören mag
und folgt der schnöden heuchler sag,
derhalb steckt jetzt vol ungemachs
Deutschland; das klagt thewer H. Sachs (1558) 2. 2, 95c.

so lang Deutschland sein sprach versteht,
bisz das himmel und erd vergeht.
Rollenhagen Froschm. A iij.

ausz Schweiz und ganzem deutschen land Nn iij.

geboren aus dem teutschen land
Eyering 1, 170.

Wilhelm ein fürst von deutschen landen Boccaccio 2, 189a. Deutschland ist blind und mangelt ihm an nichts ohn an verstand und rechtem brauch der gaben gottes Henisch 684.

die musen wirken zwar durch kluge tichtersinnen
das Deutschland solte deutsch und artlich reden können,
Mars aber schafft es ab und hat es so geschickt
dasz Deutschland ist blutarm, drum geht es so geflickt.
Logau 1. 3, 57.

Deutschland bei der alten zeit
war ein stand der redlichkeit,
ist jetzt worden ein gemach,
drinnen laster, schand und schmach,
was auch sonsten ausz man fegt,
andre völker abgelegt 1. 6, 18.

Deutschland hat für längst geherrscht als ein haupt der cristenheit,
aber deutscher sprache werth lag in tiefster dienstbarkeit. 3. 6, 18.

wieviel golds die neue welt biszweilen Europae und dem Teutschland dargebe Schuppius 703. da ich, das des Teutschlands langwehrendes elend und trübsal solches vilmehr buszförtiger und besser dan gailer und ärger gemacht haben solt, gedacht Weckherlins Vorrede zu den weltl. ged.

was (wie wenig) macht doch ein tag froh! eh man recht fanget an,
so ist es ganz und gar um alle lust gethan.
mein Deutschland hat in dem weit eine bessre sitte,
nimmt auf den andern tag auch noch den dritten mitte.
der erste macht bekant, der andre stärkt den mut,
dasz man den dritten oft wie braut und bräutgam thut.
Fleming 173.

es schickt sich leider nicht, dasz ich wider in Teutschland soll, man hat mich, unter uns geredt, wider meinen guten willen hieher (nach Frankreich) gesteckt; hie musz ich leben und auch sterben Elisab. v. Orleans 114. was hat der herr hier (in Paris) zu thun, warumb geht er nicht in (nach) Teutschland? er macht sich hier nur auslachen 271. der vorschlag das gelehrte oder vielmehr das ungelehrte Deutschland

[Bd. 2, Sp. 1053]


zu beglücken Carl August Herzog von Weimar in Mercks briefen 1, 240.

alles in Deutschland hat sich in prosa und versen verschlimmert,
ach, und hinter uns liegt weit schon die goldene zeit.
Schiller 96a.

als herzog Friedland die zerstreuten feindesheere
herbei von allen strömen Deutschlands zog 342a.

ganz Deutschland seufzte unter kriegeslast 342b.

und wie die ström aus ihren ufern brausen,
so wogt es weit von Deutschlands heldensöhnen.
Uhland Ged. 185.

denn Deutschlands völkerstamm
war grosz von anbeginne,
erst der freiheit damm,
dann der herschaft zinne
Rückert 145.

da rief er in der mitten
noch einmal 'Deutschland hoch!' 178.

dahin ist längst der schöne traum Deutschlands, des einen ganzen
A. Grün 250.

eines unsterblichen (Schillers) mutter liegt hier bestattet; es richten
Deutschlands männer und fraun eben den marmor ihm auf
Mörike Ged. 110.


 
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deutschländer, m. ein deutscher. das sie die Deutschländer, Frankreicher, Spanier u. s. w. Nordländer heiszen Micrälius 1, 2. schon mehre erfrierende deutschländer müssen mit mir im hornung die aurora des frühlings wenigstens in den schnellwüchsigen tagen gefunden haben J. Paul Titan anhang 1, 89.
 
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deutschländerei, f. da eine Schweiz keine schweizerei ist für kammer und kabinet — ein Deutschland keine deutschländerei J. Paul Friedenspredigt 15.
 
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deutschlich, adv. deutlich. dutschlich vulgariter, gemeinlich Vocab. v. 1429. deutschlich und mit claren langen worten Bair. landtag von 1514 s. 226. dem alten herkommen nach erkant und teutslich und verstendlich ausgesprochen Weisth. 1, 634.
 
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deutschmann, m. ein Deutscher, wie engl. Frenchman, Englishman. diutschman schon in der Kaiserchronik,

er was in dem allirhôhisten lobe
sô nie nichein dûtesk man
an Romæren sulich êre gewan 40b.

Ludwig von Thüringen 4729

er sî Walch oder Burgundois,
Diutschman oder Franzois.

Diefenbach Vocab. von 1470 s. 21 und 139. Voc. theut. von 1482 gg 4. ferner ist wol niemand gegen höhere so höflich als ein Deutschmann seit einigen säkuln J. Paul Freiheitsbüchlein 135. noch heute ist Deutschmann ein familienname.
 
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deutschmeister, m. das oberhaupt des deutschen ordens. s. DWB hochmeister.
 
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deutschmeisterthum, f. die würde des deutschmeisters.
 
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deutschpoetisch, adj. keine deutschpoetische seele würde je vom hexameter sich haben etwas träumen lassen Bürger 177b.