Wörterbuchnetz
Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
deutschdeutsch bis deutschherrig (Bd. 2, Sp. 1048 bis 1052)
Abschnitt zurück Abschnitt vor
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) deutschdeutsch, deutsches deutsch. teutschteutsch sive meisterteutsch tersus, subtilis, verus et sincerus loquendi modus Stieler 2277.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutsche, der deutsche, die deutsche, ein deutscher, eine deutsche, das adj. als substantivum gebraucht, Germanus. im ahd. gilt das adj. diutisk noch nicht als name des volks, aber im altnord. kommt þydskr Deutscher vor. im ags. bedeutet þeodisc gens, populus, im engl. Dutch einen Holländer. im mhd. ist der Diutsche, Tiusche, die Diutschen selten. Benecke hat (1, 326b) nur drei stellen, eine aus der Kaiserchronik gehört ins 12te jh. es kommt darin noch eine andere vor,

die Diutisken ne wolden niht in daz gedrenge 103b pfälz. hs.

zu der zweiten von Walther gehört noch eine von Freidank,

zAkers ist mir wol erkant
spîse luft liute unt lant:
diu sint den Tiuschen dâ gehaz 156, 18.

[Bd. 2, Sp. 1049]


in der zweiten fortsetzung der Kaiserchronik die bis zum jahr 1274 geht,

die Tiutschen heten doch den muot 18156.

dô die Tiutschen des verdrôz 18182.

hernach ist es häufiger. Dutscher Alamanus, Germanus Voc. incip. teut. d 3. Germanus ein Teutscher Dasyp. 86a. Teutschen Alemanni, Germani 440b.

der (könig Ludwig von Ungarn) gevelt mir wol in sein tagen,
die weil er hat die Deutschen wert
Suchenwirt 29, 245.

die werden Deutschen alle 36, 48.

den Teutschen musz man diesen rauch
von d'augen blasen, der sie blindt.
Ulrich v. Hutten Klagred A iij.

hört z, ir Teutschen, was ich sag D ij.

ach gott in deinem himelreich,
wie bin ich gar keim Teutschen gleich.
Gengenbach 320, 362.

Teutscher Teutonicus Maaler 400b. Deutscher, Deutschen pl. Henisch 684. eine Teutsche theotiscae originis mulier Stieler 2278. er ist ein ehrlicher Teutscher pectus fidelissimum ders. ein alter Deutscher vir antiqua virtute et fide ders.

der Tütschen lob was hochgeert
und hat erworben durch solch rm
das man in gab das keiserthm,
aber die Tütschen flissen sich
wie sie vernichten selbst ir rich.
damit die studt (stuterei) zerstörung hab,
bissen die pferd ir schwänz selbst ab arbeiteten selbst an ihrer vernichtung
Brant Narrensch. 99, 140.

ob wir etwas mochten raten
zu disen klegelichen daten
das nit wir Tütschen also machten
blt vergieszen, fintlich schlachten,
und selbs einander wölln bringen.
Murner Luther. narr 3602.

gemeinlich ist der Walchen sag,
als ich gehört hab manchen tag,
der Tütsch kein acht des endts nit hab,
bisz das geschehen ist der schad,
dann wil er erst gon lang z rot (rat),
so ist es im worden z spot (spat)
Gengenbach 1, 10.

kein Welscher ist den Teutschen hold 21, 334.

denn man die Walhen gemeinlich find
das sie alsam so gesinnt,
der edlen Teutschen mannlich that
belachen und irn guten rat
Waldis Esopus 229a.

ein schlosz baut keiser Trajan
auf das fürthin sein wurd gedacht,
wie er den Deutschen hett mit macht
daselbst gewunnen an die schlacht
und unter sich die Deutschen bracht
Alberus 123.

der Deutsch aber läszt vor allen
was frembd ist sich besser gefallen:
lernt frembde sprachen reden, schreiben;
sein muttersprach musz veracht bleiben.
Rollenhagen Froschm. A v.

dapfere meine Teutschen, adelich von gemt und geblüte.
Fischart Garg. 39a.

wiewol dItaliener sagen
dasz die Teutschen ir hirn tragen
auf den fingern, ihr witz, verstand
allein erweisen in der hand:
seien unglert und unerfahren;
da sie aber die warheit sparen.
komm, welsch cumpan, sieh dich hie umb,
der Teutsch vor dir wirdt haben ruhmb.
Fischart bei
Weller 71.

in wahrheit zu bekennen, so deucht mich dasz es nun so toll in Teutschland zugeht, als wenn die Teutschen keine Teutschen mehr wären Elisab. v. Orleans 81. warumb schreibt euch das Wilhelml französisch, ihr seid doch beide Teutsche 82. er war einer Deutschen nur vermählt Lessing. der Deutsche der hierbei nichts fühlt, mag meinenthalben gar so sehr verfeinert sein, dasz er überhaupt klein vom vaterland denkt Wieland 12, 143.

der Deutsche kennt den Deutschen bald,
am offenen gesicht,
am auge das in liebe wallt,
am ton in dem er spricht
J. M. Miller 41.

ob sich gleich auf deutsch nichts reimet,
reimt der Deutsche dennoch fort
Göthe 1, 163

hier stand unser tisch, den Deutsche vertraulich umgaben. 1, 281.

Deutsche selber führ ich euch zu in die stillere wohnung,
wo sich, nah der natur, menschlich der mensch noch erzieht 1, 331.

klein ist unter den fürsten Germaniens freilich der meine,
kurz und schmal ist sein land, mäszig nur was er vermag:
aber so wende nach innen, so wende nach auszen die kräfte
jeder, da wärs ein fest Deutscher mit Deutschen zu sein. 1, 357.

[Bd. 2, Sp. 1050]



freunde, treibet nur alles mit ernst und liebe, die beiden
stehen dem Deutschen so schön, den ach! so vieles entstellt 1, 399.

was auch der pfaffe sinnt und schleicht,
der prediger steht zur wache,
und dasz der erbfeind nichts erreicht,
ist aller Deutschen sache 3, 146.

um einem Deutschen zu gefallen,
spricht eine houri in knittelreimen 5, 263.

es vergieng kein tag dasz Ihr dem mädchen nicht etwas schenktet, und wenn der Deutsche schenkt, liebt er gewis 20, 225. doch können wir, als echte Deutsche, uns doch nicht losmachen von vorsätzen und aussicht auf arbeit 27, 284. wie sehr ich als ein starrer Deutscher von der spanischen anmuth entfernt bin, fühl ich diesmal Briefe an frau v. Stein 3, 351.

seht so schützt die natur, so schützen die wackeren Deutschen,
und so schützt uns der herr: wer wollte thöricht verzagen? 40, 243.

aber ach! wie nah ist der feind! die fluten des Rheines
schützen uns zwar; doch ach! was sind nun fluten und berge
jenem schrecklichen volke, das wie ein gewitter daherzieht!
denn sie rufen zusammen aus allen enden die jugend
wie das alter, und dringen gewaltig vor, und die menge
scheut den tod nicht; es dringt gleich nach der menge die menge.
ach, und ein Deutscher wagt in seinem hause zu bleiben?
hofft vielleicht zu entgehen dem alles bedrohenden unfall? 40, 268.

nicht dem Deutschen geziemt es, die fürchterliche bewegung
fortzuleiten und auch zu wanken hierhin und dorthin.
'diesz ist unser!' so lasz uns sagen und so es behaupten. 40, 337.

nein, ein Deutscher soll nicht lügen 57, 234.

rühmend darfs der Deutsche sagen,
höher darf das herz ihm schlagen,
selbst erschuf er sich den werth
Schiller 82b.

ringe, Deutscher, nach römischer kraft, nach griechischer schönheit!
beides gelang dir: doch nie glückte der gallische sprung. 94a.

bären, die Deutschen! pflanzten sich vor den alten wie felsen 175a. diese Deutsche (Lenette) war wie der Deutsche, der hinter jeder rakete und pulverschlange der laune einen besonderen satirischen kernschusz sucht J. Paul Siebenkäs 4, 92.

wenn so der sprache mehrung,
verbesserung und klärung
bei dir von statten geht,
so wird man sagen müssen
dasz wo sich Deutsche grüszen
der athem gottes weht
Uhland Ged. 102.

bis einer dem die zeit zu lang,
auf ihn den krummen säbel schwang,
da wallt dem Deutschen auch sein blut 383.

Sprichwörter. bei Henisch 684, Deutsche haben gemeineklich lange silben und kurze worte.

gerecht und freundlich, redlich, fromm,
da herz und mund übereinkommt,
die Deutschen weiland sind gewesen,
jetzt kann für falschen niemand genesen.

bei Simrock, gott läszt keinen Deutschen verderben 1546. gott verläszt keinen Deutschen, hungert ihn nicht, so dürstet ihn doch 1547.

wer im krieg will unglück han,
fang es mit den Deutschen an 1548.

die Deutschen kriegen mit eisen, nicht mit gold 1549. was macht der Deutsche nicht für geld? 1555.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutsche, das neutrum des adj. substantivisch gebraucht bezeichnet das eigenthümliche deutsche wesen; vergl. deutsch 5. ebenso war die abneigung Friedrichs (des groszen) gegen das deutsche für die bildung des literarwesens ein glück Göthe 25, 105. die feinere welt hat das gerade deutsche von ihm noch nicht abgerieben Klinger 1, 377.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschen ,
1. wie verdeutschen, ausdeutschen, bedeutschen Schmeller 1, 406. ist wider geistlichkeit, wider erberkeit (contra religionem): lat sich da nicht tütschen Keisersb. Sünden des munds 24a. ausz latein von doctor Henrico Steinhöwel schlecht (schlicht) und verstendtlichen geteutschet Steinhöwel Vorr. (1555). darumb hab ich geteutscht kindschaft und nicht kindheit Luther 1, 94b. ignorantia welches wir müssen deutschen unschuld 3, 254b. hat herr Leonhart begert das zu deutschen 3, 417. und ich gedeutscht habe 4, 16. denn das Mose wart gedeutscht 'eisen und erz sei an deinen schuhen' hat eigentlich diesen verstand

[Bd. 2, Sp. 1051]


Mathes. 2a. die kleider kan ich nit wol teutschen Frank Weltb. 36b.

wie man sie (die sprichwörter) teutscht nach dem latein.
Eyering 1, 412.

wie das wort tessera versirt,
welchs mancherlei geteutschet wird 2, 229.

von wenig worten in latein
die weitleuftig zu deutschen sein 2, 472.


2. erklären, auslegen, verständlich machen, ich kan die species nicht basz teutschen Keisersberg Postille. und erstlich als auf dem gehalten reichstag zu Freiburg im Breisgau (1498) etlich artikel unsers künigklichen landfriedens des erstgehaltenen reichstag zu Worms aufgericht, weiter geteütscht und erklert sind Reichstagsabsch. Augsb. 1500 B iija. Schmeller führt 1, 406 aus den bairischen landtaghandlungen folgende stellen an, dasz den ambtleuten des fürstenthums Baiern dieselbig pflicht bas geteutscht werde Landtag von 1514 s. 500. solche schraufworte wollen sich auf eine fehde und verwahrung ziehen, mögen auch wol für keine gedeutscht werden bair. landtaghandlungen von Krenner 9, 65. nun wolle er zu besserm verstand den artikel deutschen 14, 275. wer teutschet uns das teutsche? wer erklärt uns schlechtes undeutsches deutsch? Stieler 2278. ausdeutschen ist oben 1, 844 bemerkt, Schmeller führt aus den landtaghandl. 14, 66 bedeutschen an.
3. sich wie ein deutscher anstellen, deutsches wesen annehmen,

und wer franzet oder brittet,
italiänert oder teutschet,
einer will nur wie der andre
was die eigenliebe heischet
Göthe 5, 110.


 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutscher für teufel bei ausrufungen. tausend deutscher! wofür halten Sie mich Hermes Sophiens reise 4, 100. das taugt den deutscher nicht! 6, 588. wo der deutscher! bist du mit einem mahle hergekommen? Michaelis Poet. werke 4, 105.

dasz dich der deutscher! ein pabst der jagt
mir gar recht zum segen behagt
Arnim 19, 406.

man sagt auch deutsch! pfui deutsch! Frisch 2, 170b. s. deikert.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutscherweise, adv. nach deutscher art. er ist weit mehr poet als philosoph, verachtet aber deutscherweise die poesie so wie alle kunst Tieck 15, 305.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschfranzos, m. der mit einmischung französischer wörter das deutsche auf französische weise ausspricht. diese kauderwälsche sprache ist in den gedichten des Deutschfranzosen gut durchgeführt. J. Paul sagt die deutschfranzen Vorsch. der ästh. 3, 19.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschfranzösin, f. freilich kommen die meisten Deutschfranzösinnen auf unschuldigen wegen zu diesen französischen geburten J. Paul Herbstblumine 3, 24.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschfrei, adj. und adv. dieses darf nicht vom verfasser, so deutschfrei er sonst hier spricht, genannt werden J. Paul Freiheitsbüchlein 123.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschheit, f. deutsches wesen, deutsche natur.

mein teutschikait und üppig er
ist mir durch in an (ohne) wasser oft erloschen.
Oswald v. Wolkenstein 13. 16, 15.

bei Stieler 2278 wird es übersetzt natio germanica, gens teutonica; ferner integritas fides et religio Germanis propria und salus gloria et dignitas populorum Germaniae. deutschheit würde sich nicht (in die übersetzung der Ilias in hexametern) hineinbringen lassen und griechheit, dasz ich so sage, noch weniger. deutschheit, gedrungene markige nervenstraffe deutschheit find ich auf dem wege den ich wandle, und sonst auf keinem andern Bürger 180b. ein gesicht von edler deutschheit Lavater. der lächerliche trotz auf deutschheit und die thörichte verachtung der ausländer Lichtenberg 4, 304. dasz z. b. der Baier dem Preuszen gegenüber sich der gemeinsamen deutschheit nicht entsinnt Fichte Deduc. plan 109. Göthe gebraucht es gerne ironisch,

mit deutschheit sich zu zieren
hat jeder sein armes wams zerschlitzt:
sie ziehen ihr hemdchen durch die spalten,
das gibt gar wunderreiche falten 13, 54.

jeder schauspieler sah nun wie er bald in helm und harnisch, jede schauspielerin wie sie mit einem groszen stehenden kragen ihre deutschheit vor dem publico producieren werde 18, 198. so dasz männer und frauen, mägdlein und

[Bd. 2, Sp. 1052]


junggesellen fast aller deutschheit und nationalität zu vergessen scheinen 32, 129. ich hatte erst lust in die komödie zu gehen um die deutschheit (etwa im Otto von Wittelsbach) in ihrem glanze zu sehen ders. Briefe an frau v. Stein 3, 213.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
deutschherrig und deutschherrisch,adj. dem deutschen orden angehörig. durch Sontheim, das deutschherrisch ist Göthe 43, 80.