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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dest bis destilliergefäsz (Bd. 2, Sp. 1030 bis 1034)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) desttest,m. mit sehr verschiedenen bedeutungen.
1. test tiegel, ein flaches schmelzgerät von besonderer erde, worauf man das silber probiert und die blicke brennt, damit das silber fein werde, testula probatoria Frisch 2, 369c. mhd. test teste

[Bd. 2, Sp. 1031]


Ben. 3, 33a. engl. test, franz. têt. der Renner erzählt von einem alten mann, der beschämt ward,

er stuont in glüete als ein test,
und sach als ein diep vor der zente (vor gericht) 8766.

im alten druck s. 72 steht

ir sinn brennt als ein heisz tästle.

ferner,

ir (böser leute) herzen gift muoz ie ûzbresten,
so sie ze sêre brinnent in den testen 14229.

testa, tegel tiegel Voc. 1482. test wird auch treibescherbe genannt, weil man das silber von dem blei darin abtreibt, das (silber) auf siben testen oder tiegeln abgangen und auf das höchste gebracht ist Mathesius 65b.

silber, wenns die glut durchdringet,
schmilzt es, doch ist es so fest
und erträgt, wie gold, den test
Brockes 9, 9.

zinn, wie sichs auch leicht hammern läszt,
doch erträgt es keinen test 9, 16.

da das blei sich in den test
senkt und alles mit sich führet 9, 19.

test, pl. teste instrumentum aurifabrorum Steinbach 2, 812.
2. niederl. ist test ein gröszeres oder kleineres irdenes gefäsz, ein irdenes feuergeschirr. in Östreich teste f. überhaupt ein geschirr, so salzteste salzfasz, schmalzteste schmalzkübel Höfer 3, 226.

und swaz wâzes der test
wider êrste gewinnet,
des gesmackes ime zerinnet
nimmer mêre fürbaz.
Heinrich vom Türlein Krone 1515.

test entspricht hier dem vaz bei Freidank 108, 15, testa bei Horaz ep. 1. 2, 69. Reinmar von Zweter bemerkt dasz der jäger dem jungen adler das fleisch, das der alte ihnen in das nest bringt, wegzunehmen wisse,

daz treit er allez hein in sînen test:
er lât sie stên und nagen ob einer krâwen:
daz guote brichet er in ûz den klâwen MS. 2, 134.

und setz es (das pulver) in eim test zum fewr.
Rollenhagen Froschm. Mv 3.


3. die scheibe wonach man mit pfeilen schieszt.

ir beider wirde sicherlich
zuo éinem teste râmet
Heinzelein von Constanz 111, 341.

dasz etliche wärter constelliert sind, die ein jeglichen pfeil mit zweien fingern ausz dem test, darein sie geschossen sind, ziehend Paracelsus Chir. schriften 41 A. sie sollen schieszen in eine unversehrte zielstatt, in ein getrieben täst, darein vormals niemand geschossen hat Tschudi 2, 661. Henisch erklärt dest durch ziel, agger, aggesta terra in quam sagittarii jaculantur sagittis 682, ebenso Stieler 306. also eine aufschüttung, schutthaufen, auf welchen der dest gesteckt war.
4. in Baiern und Östreich ist dest soviel als rob, bis zur robdicke eingesottenes von früchten, marmelade Schmeller 1, 402. Höfer 3, 226. s. destig.
5. dicker zäher schmutz, materie, diese bedeutung gilt noch in Östreich, s. Castelli wörterb. 109. man sagt dort von einem geifernden, der test, testerling flieszt ihm aus dem mund Höfer 3, 226. dest unumquodque intricatum, confusum, foedum, squalidum et sordidum Stieler 306. daher auch das verschlackte blei, das in dem tiegel zurückbleibt, test welcher in den treibherden bleibet, wan man das silber von dem blei abtreibt und scheidet, oder bleischweif oder herdtblei Zorndorfer 19. bildlich,

ich bin niht wan der sünden test.
Haupts zeitschrift 8. 300, 44.

sodann, die vördertheile des rocks sahen aus, wie (als ob) sie mit bleche beschlagen wären von deste des beigegossenen bieres Maulaffe 163. so ist in Sachsen dest däst schmutz und klebrige, fest gewordene feuchtigkeit aller art. in Niederhessen sagt man dester, der junge hat schwarzen dester (schmutz) an dem hals.
6. grind, der grinddest auf dem haupte Stieler 306.
7. was heiszt es in folgender stelle bei Muscatblüt?

ez ist ein test, daz man iu plest
im winkelîn 66, 76.


Ohne zweifel ist dest aus dem lateinischen testa entstanden, und die bedeutung von gefäsz, geschirr, schale, deckel ist die ursprüngliche. wie das ahd. und mhd. copf coppa

[Bd. 2, Sp. 1032]


cuppa am ende des 13ten jahrh. die bedeutung von caput anzunehmen begann, so bildete sich aus testa das französ. tête, dagegen behielt têt die bedeutung von scherbe und schmelztiegel, wiewol es in der anatomie sonst auch so viel hiesz als hirnschale. aus schale, deckel entwickelte sich bei uns die bedeutung von kreis, das ziel der pfeile wird aus einer scheibe in der grösze eines tiegels bestanden haben. dann ward die bedeutung übertragen auf den hügel, auf welchen man wol die scheibe steckte. das verschlackte metall leitete auf die kruste, rinde, die sich durch verdickung bildet, und so konnten sich die unter 4. 5. und 6. angeführten bedeutungen entwickeln.
 
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dest, wie desto, im 15ten und 16ten jahrhundert nicht selten, jetzt auszer gebrauch. dest, eo, als man spricht 'lauf dest pas' Voc. theut. 1482 e 7a. oder destminder, oder destmer das.

das euch dest ofter werd gelingen
in ernst und auch in streiten
Wittenweiler Ring 7b, 24.

darmit so wirt der narn dest mer Fastnachtsp. 287, 20.

ich isz nit wenig und trink dest mer 562, 15.

leg wir dann mannes kleider an
und mein dest sichrer gan 388, 1.

und so di (gegensätze) bei einander stent,
ein jedes wirt dest pas erkent.
Schwarzenberg 129, 2. destmer 152, 2a.

es seind die, die eins wol an lecheln und nüt dest minder dichten und gedenken tag und nacht wie sie schaden wellen z fügen Keisersb. Sünden des munds 48.

so hat er doch dest mynder nit
Brant Narrensch. 83, 59.

nun wolt ich dest leichter sterben Theuerd. 112, 31.

nichts dest minder er kein ru het 91, 112.

das die histori, wie obsteet, dest verstendiger sei zu lesen Schlüssel zum Theuerd. 185. nichts dest weniger liesz er dannoch solch sachen beratschlagen das.

lieber wär ich gar erschlagen,
dörft man mich dest minder klagen Laurin 101 Schade.

von deintwegen, o tochter mein,
sol er mir auch dest lieber sein
H. Sachs 3. 1, 22.

nit dest minder
sie auch in unsern hütten wonen 3. 1, 37c.

wird danach faul, ärbeit dest minder 4. 2, 63c.

dest minder ist es mir ein schand.
Murner Schelmenzunft 29, 7.

er sprach 'nachdem wir beide sind
eins vatters und einr mutter kind,
dest lieber dich gewär deiner bitt
Waldis Esopus 191b.

nicht dest minder kaufen die burger den visch Michael Stiefel 220. aber sie waren nur dest grimmiger Reiszner Jerus. 2, 131b. nit destminder, nit destweniger Dasypod. 151b. nichts dest weniger Fischart Bienenk. 73b. leut die sich fleiszen lieblicher freundtlicher gesichte, damit sie die menschen dest ehe zu thörechter liebe mögen bewegen Buch der liebe 292, 1. auf dasz sie dest mehr geniesz von ihm haben mögen 300, 4.

und schlagen dest dapferer in haufen.
Eyering 2, 718.

nicht sag ich euch dest minder.
Soltau 2. 359, 36 (von 1630).


 
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deste, wie desto. schon im mhd. nicht selten deste für das ahd. des diu (Benecke 1, 316b); es dauerte bis in das 16te jahrhundert. Luther gebraucht es immer, die lust höret nichts deste mehr auf 4, 23a. ist so viel deste erger 3, 52. denn auf das er solchs deste bas ausrichtet 3, 55b. auf das mirs deste bas gehe umb deinen willen 1 Mos. 12, 13. deste küner werden 2 Samuel 16, 21. deste weniger sorgen Tob. 5, 19. das all er aber darumb thet, dasz er seinen bösen willen deste ehe ein genügen thun möchte Buch der liebe 65, 2.
 
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dester für deste, auch diese unorganisch mit einer comparativendung gebildete form kommt schon im mhd. vor (Benecke 1, 316b) und galt noch im 16ten jahrh. dester erger, dester mer u. s. w. Vocab. incip. teut. d 3.

ist sei dann nicht hubsch, das sei,
so scheint sei dester pas da bei
Wittenweiler Ring 19c, 2.

das sie wol dester pas mag geleben Fastnachtsp. 574, 12.

das wir uns dester pas mügen betragen 575, 26.

er lebt dester pasz 727, 23.

so lide mein herz dester kleiner pein 1406.

[Bd. 2, Sp. 1033]


so solt ietz hart wetter (strenge kälte) sein, so käm dester ein wörmerer summer. es würt darumb nüt dester kelter, noch wörmer, noch trückner, noch füchter umb deins clapperns (scheltens) willen Keisersb. Sünden des munds 17b. und lügest auf das man dich desterminder erschte und dich gon liesz, und desterbasz darvon möchtest kummen 23b. aber sprichst du 'es ist hübsch garn', so spint das kind darnach dester lieber 31b. also tht der schmeichler auch, er lobt dich und füret dich hoch hinauf, uf das du dester tiefer fallest in sünd 33b. es ist geboten, das du dem fremden nit verweisen solt das er fremd ist. sprichstu 'wer ist er dan? er ist doch ein fremd mann', bona dies (geh mir doch)! und was ist er dan dester böser das er frembd ist? 37b. als wan ein mensch traurig und betrübt ist, und so einer redt ein unnütz vergeben wort in frölich zu machen, dasz im dester leichter werd, dan so ist dasselbig nit ein vergeben wort 49a. ein klein person tregt dester höher holzschch, und setzt dester ein höheren ht uf, damit ersetzet er sein natur 54a. so einer klagt, so msz er erst dar thn, uf dasz die sach dester lenger wär und den fürsprechen und advocaten dester me gelts werd darvon 60a. so vil du das mit gröszerem herzen thst, so vil ist daz gebett dester kreftiger 84a. nichts dester basz ders. Has im pfeffer Bb 3d. das si dester bas zu dem tisch mocht schawen Steinhöwel 16b (1555). und reizte in nit dester minder 39. so glaubet man im dester minder 41. nichts dester minder erschrack der hirt gar seer 42.

nüt dester minder
Jac. Ruff Adam und Heva 4658.

nit dester minder Aimon x iij. nit dester minder sprach er durch bosheit b und l. nit dester weniger zucket er sein schwert c. nit dester weniger eilet er Reinharten zu hulff n iiij.

dester minder
Schwarzenberg 154, 1a.

so gschicht es doch nicht dester ê.
Brant Narrenschiff 28, 19.

so vil dester mer und mer hat er freud S. Frank.

solt ir mir dester lieber sein Theuerd. 106, 55.

so lieszen wir euch reiten
dester lieber in den than Laurin 18 Schade.

ich thu das dester gerner mee 157.

als Saul vernam, daz David sein verschont het, weint er mit lauter stimm, aber thet nichts dester bas, sonder verfolgt David tödlich bisz an sein end S. Frank Verbütschiert buch 167a. das dester mer freundschaft sein möcht ders. Weltbuch 41a. mögen die rät und anschleg dester basz bestätigt werden Fronsperg Kriegsbuch 1, 58a. dester bas Ulenspiegel s. 19. nit dester minder 33. dester süszer 132. damit ihr aber dester christlicher dran gehet Luther Briefe 2, 364. dester mehr 394. und würd im das unglück so vil dester gröszer Agricola Sprichw. 10b. der kan das dester basz tragen 84a. das weib ist dester fleisziger: das weib kränket immer, der man ist dester gesunder Fischart Ehzuchtbüchlein 538.

ihm dester dankbarer zu sein
H. Sachs 3. 1, 14.

deshalb hütet euch dester mehr 4. 1, 54b.

damit sie ir jungfrawschaft dester basz möchte unbefleckt erhalten Buch der liebe 40, 2a. dester ehrlicher 264, 3. dester tanto Henisch 682.

dasz du wol dester eh
zu sterben auch begerst
Rompler 139.


 
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desterer fügt mit fortschreitender entstellung zu dester noch eine zweite comparativendung, der nu vil und oft gesündigt hat, ist vil desterer gröszeren straf wirdig S. Frank Paradoxa 156b.
 
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destig, adj. und adv. squalidus, intricatus und squalide, confuse Stieler 306. s. DWB dest.
 
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destillation, f. das abziehen, brennen einer flüssigkeit s. das folgende.
 
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destillieren, distillieren, vom lat. destillare herabträufeln, franz. distiller, Voc. ex quo 1469 distileren, flüchtige theile eines körpers durch wärme in verschlossenen gefäszen als flüssigkeit abziehen, abtropfen lassen, brennen. brantewein destillieren, blumen, kräuter. etwas in der sonne destillieren solis tepore solvere. etwas zweimal destillieren.
 
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destillierblase, f. wie destillierkolbe.
 
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destillierer, m. franz. distillateur

[Bd. 2, Sp. 1034]



 
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