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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
desselbengleich bis dest (Bd. 2, Sp. 1030)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) desselbengleich,

den frommen fürsten von Wirttemberg
und Hessen desselben gleich
Soltau 2, 158, 24.


 
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desselbengleichen, so viel als desgleichen, itidem, similiter. gewöhnlich conjunction, des selben gleichen (soll Noah in den kasten nehmen) von den vogelen unter dem himel ja sieben und sieben, das menlin und sin frewlin 1 Mos. 7, 3. desselben gleichen auch alles was gesinde daheim geborn oder erkauft ist 17, 10. desselben gleichen, ehe denn sie das fett anzündeten, kam des priesters knabe 1 Samuel 2, 15. gleichbedeutend damit das folgende, jetzt wenig gebräuchliche
 
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desselbigengleichen. und starb und liesz auch nicht samen (nachkommen). der dritte desselbigen gleichen Marc. 12, 21. und die hütte und alles geräthe des gottesdienstes besprengete er desselbigen gleichen mit blut Hebr. 91, 21. und der tag das dritte theil nicht schein, und die nacht desselbigen gleichen Offenbar. 8, 12. conjunction, denn es war ihn ein schrecken ankommen und alle die mit ihm waren, über diesen fischzug, den sie miteinander gethan hatten. desselbigen gleichen auch Jacobum und Johannem Lucas 5, 9. 10. desselbigen gleichen wer auf dem felde ist, der wende nicht um nach dem was hinter ihm ist 17, 31. desselbigen gleichen (nahm er) auch den kelch nach dem abendmal 22, 20. desselbigen gleichen die küchen mit edler speis versehen war Boccaccio 1, 32a.
 
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dessen, s. der. des.
 
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dessengleichen, wie desgleichen.

und der betrügliche Mirtill,
vor dessen gleichen ich die mädchen warnen will.
Rost Schäfererzählungen (1744) 61.

relativ,

Altus ist ein tapfrer mann, dessengleichen man kaum fünde.
Logau 3. 73, 91.


 
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dessenthalb, wie deshalb.

wir aber, umsonst hier,
endigen nimmer das werk, um dessenthalb wir gekommen.
Voss.


 
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dessenthalben, wie deshalben. Gramm. 3, 267.
 
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dessentwegen, wie deswegen. Olearius Rosenth. 4, 1. Lockmans fabeln 25. dessentwegen auch einer seine unchristliche weisheit hören lassen Riemer Polit. stockf. 15. 50. da alexander die ganze welt mit völliger schiffarmada überzoge und dessentwegen der grosze könig genent ward Schuppius 749. (die weiber) führen das schwert im munde, und dessentwegen sind sie doppelt schuldig, den mund bei der abbitte zu brauchen Chr. Weise Isaacs opfer 1, 17. den weg dessentwegen zweimal machen Pierot 4, 200. dessentwegen lobt man die leute nicht J. E. Schlegel 2, 109.

aber dessentwegen sollst du, wenn ich kann,
doch zum jahressegen einen brief empfahn.
Göthe 47, 105.


 
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dessentwillen, adv. wie deswillen.
 
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dessenungeachtet, wie desungeachtet, demohngeachtet. dessenungeachtet sind vil vermögende geizhälse gegen die armen am allerärmsten Butschky Patmos 671.
 
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desttest,m. mit sehr verschiedenen bedeutungen.
1. test tiegel, ein flaches schmelzgerät von besonderer erde, worauf man das silber probiert und die blicke brennt, damit das silber fein werde, testula probatoria Frisch 2, 369c. mhd. test teste

[Bd. 2, Sp. 1031]


Ben. 3, 33a. engl. test, franz. têt. der Renner erzählt von einem alten mann, der beschämt ward,

er stuont in glüete als ein test,
und sach als ein diep vor der zente (vor gericht) 8766.

im alten druck s. 72 steht

ir sinn brennt als ein heisz tästle.

ferner,

ir (böser leute) herzen gift muoz ie ûzbresten,
so sie ze sêre brinnent in den testen 14229.

testa, tegel tiegel Voc. 1482. test wird auch treibescherbe genannt, weil man das silber von dem blei darin abtreibt, das (silber) auf siben testen oder tiegeln abgangen und auf das höchste gebracht ist Mathesius 65b.

silber, wenns die glut durchdringet,
schmilzt es, doch ist es so fest
und erträgt, wie gold, den test
Brockes 9, 9.

zinn, wie sichs auch leicht hammern läszt,
doch erträgt es keinen test 9, 16.

da das blei sich in den test
senkt und alles mit sich führet 9, 19.

test, pl. teste instrumentum aurifabrorum Steinbach 2, 812.
2. niederl. ist test ein gröszeres oder kleineres irdenes gefäsz, ein irdenes feuergeschirr. in Östreich teste f. überhaupt ein geschirr, so salzteste salzfasz, schmalzteste schmalzkübel Höfer 3, 226.

und swaz wâzes der test
wider êrste gewinnet,
des gesmackes ime zerinnet
nimmer mêre fürbaz.
Heinrich vom Türlein Krone 1515.

test entspricht hier dem vaz bei Freidank 108, 15, testa bei Horaz ep. 1. 2, 69. Reinmar von Zweter bemerkt dasz der jäger dem jungen adler das fleisch, das der alte ihnen in das nest bringt, wegzunehmen wisse,

daz treit er allez hein in sînen test:
er lât sie stên und nagen ob einer krâwen:
daz guote brichet er in ûz den klâwen MS. 2, 134.

und setz es (das pulver) in eim test zum fewr.
Rollenhagen Froschm. Mv 3.


3. die scheibe wonach man mit pfeilen schieszt.

ir beider wirde sicherlich
zuo éinem teste râmet
Heinzelein von Constanz 111, 341.

dasz etliche wärter constelliert sind, die ein jeglichen pfeil mit zweien fingern ausz dem test, darein sie geschossen sind, ziehend Paracelsus Chir. schriften 41 A. sie sollen schieszen in eine unversehrte zielstatt, in ein getrieben täst, darein vormals niemand geschossen hat Tschudi 2, 661. Henisch erklärt dest durch ziel, agger, aggesta terra in quam sagittarii jaculantur sagittis 682, ebenso Stieler 306. also eine aufschüttung, schutthaufen, auf welchen der dest gesteckt war.
4. in Baiern und Östreich ist dest soviel als rob, bis zur robdicke eingesottenes von früchten, marmelade Schmeller 1, 402. Höfer 3, 226. s. destig.
5. dicker zäher schmutz, materie, diese bedeutung gilt noch in Östreich, s. Castelli wörterb. 109. man sagt dort von einem geifernden, der test, testerling flieszt ihm aus dem mund Höfer 3, 226. dest unumquodque intricatum, confusum, foedum, squalidum et sordidum Stieler 306. daher auch das verschlackte blei, das in dem tiegel zurückbleibt, test welcher in den treibherden bleibet, wan man das silber von dem blei abtreibt und scheidet, oder bleischweif oder herdtblei Zorndorfer 19. bildlich,

ich bin niht wan der sünden test.
Haupts zeitschrift 8. 300, 44.

sodann, die vördertheile des rocks sahen aus, wie (als ob) sie mit bleche beschlagen wären von deste des beigegossenen bieres Maulaffe 163. so ist in Sachsen dest däst schmutz und klebrige, fest gewordene feuchtigkeit aller art. in Niederhessen sagt man dester, der junge hat schwarzen dester (schmutz) an dem hals.
6. grind, der grinddest auf dem haupte Stieler 306.
7. was heiszt es in folgender stelle bei Muscatblüt?

ez ist ein test, daz man iu plest
im winkelîn 66, 76.


Ohne zweifel ist dest aus dem lateinischen testa entstanden, und die bedeutung von gefäsz, geschirr, schale, deckel ist die ursprüngliche. wie das ahd. und mhd. copf coppa

[Bd. 2, Sp. 1032]


cuppa am ende des 13ten jahrh. die bedeutung von caput anzunehmen begann, so bildete sich aus testa das französ. tête, dagegen behielt têt die bedeutung von scherbe und schmelztiegel, wiewol es in der anatomie sonst auch so viel hiesz als hirnschale. aus schale, deckel entwickelte sich bei uns die bedeutung von kreis, das ziel der pfeile wird aus einer scheibe in der grösze eines tiegels bestanden haben. dann ward die bedeutung übertragen auf den hügel, auf welchen man wol die scheibe steckte. das verschlackte metall leitete auf die kruste, rinde, die sich durch verdickung bildet, und so konnten sich die unter 4. 5. und 6. angeführten bedeutungen entwickeln.