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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dienstbarkeit bis dienstbote (Bd. 2, Sp. 1121 bis 1123)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dienstbarkeit, f.
1. willfährigkeit, bereitwilligkeit zu dienen. dienstbarkeit, usz gutem willen unverpflicht, obsequium Vocab. incip. teut. d 4. so kusten sie all den braunen (das pferd) umb seiner dienstbarkeit willen weil er so treu gedient hatte Aimon 1.

will ich solchs wider z aller zeit
verdienen mit meiner dienstbarkeit
Schmelzl Saul 19a.

glaube nicht dasz, ob du schon viel dienstbarkeit erwiesen hast, du hättest mir darum einiges geschenk gebracht Olear. Baumgarten 2, 6. sage dem könige er soll seine hoffnung zur dienstbarkeit, mit welcher er will aufgewartet sein, auf die setzen, welche ihre hoffnung auf seine gnade setzen ders. Rosenthal 1, 31.
2. unterthänigkeit, unterwürfigkeit, abhängigkeit, der zustand in dem man sich bei beraubung der freiheit befindet. begerestu aber on vernunft z leben, ietzunt wird dir die friheit ein anfengliche gefengnus der dienstbarkeit Cyrillus 32b. dann ein böser wil (wille) ie frier er ist. ie mer ist er underworfen der dienstbarkeit 32b. das du nit von wegen der begerte (begerten) herschung fallest in die dienstbarkeit der hoffart 33a. ist mer in dienstbarkeit sin weder (als) in herschung 33b. und wegerten sich zu hören und gedachten auch nicht an deine wunder, die du an inen thatest, sondern sie wurden halstarrig und wurfen ein heubt auf, das sie sich wendeten zu irer dienstbarkeit in irer ungedult Nehem. 9, 17. so wolten wir lieber einmal alle den tod kiesen

[Bd. 2, Sp. 1122]


denn also unser lebelang in schnöder dienstbarkeit und gewaltsamer beschwerung mit unsern weibern, kindern und freunden bedruckt und an leib und gut verunrechtet werden Schütze Beschr. v. Preuszen 199.

begeben ihr grosze freiheit
unter das joch der dienstbarkeit
Eyering 3, 563.

aus vielem müsziggehen
kommt sichers leben her, und endlich mit der zeit
auf gar zu sicher sein erfolgt die dienstbarkeit
Opitz.

(ich will) in tiefster dienstbarkeit für deinen augen stehen.
Hoffmannswaldau.

Deutschland hat für längst geherrscht als ein haupt der christenheit,
aber deutscher sprache werth lag in tiefster dienstbarkeit.
Logau 3. 6, 18.

wie oft hat deine dapferkeit
werk übermenschlich wol verrichtet
und deines feinds hochmut vernichtet
durch sein verdiente dienstbarkeit
Weckherlin 371.

und von der dienstbarkeit und irrthum schweren qual
ganz thewer zu erlosen 182.

wie oft werden die bauersleut dieser zeiten von ihren oberherrn zu weis nicht was für dienstbarkeit gezogen, wie oft werden sie gezwungen das vaterland zu beschützen, in krieg zu gehen Schuppius 697. der kerkermeister lebt nie sicher für demjenigen, der alle minuten im gefängnis zehlet und alle tage seine dienstbarkeit für lauter sterbensleufte achtet Butschky Patmos 203.

so weisz sie seine glut stäts stärker anzuschüren,
das band der dienstbarkeit stäts fester zuzuschnüren.
Bürde.

warum verlieszest du das licht der sonne, Griechenland, und jenes glückliche leben der freiheit, und kamst hierher in dies getümmel von prachtvoller dienstbarkeit, von aufwartungen und gestmälern? Schiller 1200b. meinst du, guter junge, ich könnte mir erlauben dich in solcher dienstbarkeit zu halten? Kotzebue Dramat. spiele 3, 174.
3. leibeigenschaft. dienstbarkeit servitus, famulatus Dasypodius 315a. in dienstbarkeit geraten redigi in servitutem Stieler 315. einen in dienstbarkeit stecken aliquem in servitutem tradere ders. in ewige dienstbarkeit, in die knechtische dienstbarkeit hinwegführen Stieler 315. Frisch 1, 196b. aus der dienstbarkeit erledigen Schönsleder L. lösete mich aus der dienstbarkeit der christen (in der ich bei den Christen war) Olear. Rosenthal 2, 27. sich der dienstbarkeit entschlagen servitutis jugum a se repellere Steinbach 1, 271. einen aus der langen dienstbarkeit erlösen ders. sich aus der dienstbarkeit befreien ders.

kein zeichen der dienstbarkeit tragend am nacken
Voss.


4. die verpflichtung die der besitzer eines grundstücks hat, etwas zu leiden, sich gefallen zu lassen, z. b. den durchgang durch das haus, das wasserschöpfen in seinem brunnen, einen fuszsteig über seine wiese, was man in der rechtssprache servitut nennt. eine solche dienstbarkeit erwerben, ausüben, abkaufen. man bezieht es auch auf das was ein besitzer zu leisten, zu thun gehalten ist, auf diesem haus haftet die dienstbarkeit die strasze im stand zu erhalten, nachts zu erleuchten.
 
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dienstbarlich, adj.
1. willfährig, dienstbarlich usz unverpflicht, obsequiosus Vocab. incip. teut. d 4. Voc. theut. 1482 e 7b. gibst weder gelt noch pfand. das macht dasz ich so dienstbarlich mich gen der welt kan halten Fischart Garg. 90a.
2. servilis. der graveschaft Hanaw, welche sich der weltlichen oberkeit, castenvogtei, schutz und schirms auf diesem unserm clösterlein bis daher sampt der dienstparlichen gerechtigkeiten, als atzung, schatzung, leger, frondinsten und dergleichen gehapt und gebraucht haben (vom j. 1561) Joh. Ad. Bernhardi Wetterau. Alterthümer 1, 157.
 
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dienstbeflissen, wie dienstfertig, dienstbereit. ein dienstbeflissener mann homo officiosissimus, studiosus alicujus Frisch 1, 196b. er war beständig von einem groszen gefolge von dienstbeflissenen umgeben Schlosser Weltgesch. 2, 34.

ich summe sonette zu ihrem preise,
umschwebe sie artig und dienstbeflissen
A. Grün 272.

die höflichkeitsformel in briefen, Ihr dienstbeflissener diener, fängt an zu veralten. s. DWB dienstgeflissen. daher
 
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dienstbeflissenheit, f. in erwiederung dagegen wuchs die dienstbeflissenheit Ottiliens mit jedem tage Göthe 17, 69.

[Bd. 2, Sp. 1123]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dienstbegier, f. eifer zu dienen. freundschaftliche dienstbegier Ramler.

hier prangt ein seidnes bett von weichem flaum geschwellet,
an das voll dienstbegier ein knecht den schlaftrunk stellet.
Alxinger.

bringst du akten, dienstbegier?
heute referiert ich schier
aus geschmiere, bunt und kraus,
etwas menschliches heraus:
aber packe dich von hier
Gökingk Lieder zweier liebenden 14.

der von dem bruder böses mir berichtet,
mit falscher dienstbegier den bittern pfeil
des raschen worts geschäftig weiter sendet
Schiller 494.

ebenso
 
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dienstbegierde, f. das glück ist mir nie so günstig gewesen das gegen denselben ich meine dienstbegierde wirklich beglauben können Butschky Kanzlei 78. zu aller dienstbegierde verharrend 164.
 
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dienstbegierig, adj. und adv. Butschky Kanzlei 42. 398.
 
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dienstbereit, wie dienstbeflissen.
 
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dienstbereitwilligdienstbereitwilligst, bei der unterschrift in briefen Butschky Kanzlei 231. 13.
 
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dienstbereitwilligkeit, f. unter dem erbieten zu gleicher dienstbereitwilligkeit ersuchen wir u. s. w. versichern Sie sich meiner dienstbereitwilligkeit auf alle mögliche weise Rabener 3, 40.
 
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dienstbote, m. famulus, famula. ursprünglich einer der in den dienst genommen ist um befehle zu bringen, bestellungen auszurichten, botendienste zu thun; vergl. bote. noch heute heiszt in diesem sinn ein gesandter botschafter. im mittelalter wurden häufig die fahrenden sänger und spielleute zugleich als boten gebraucht, wie sie auch liebesbriefe überbrachten. im mhd. viele zusammensetzungen ähnlicher art, frônebote, sicherbote, sentbote, waltbote (Ben. 1, 183. 184): jetzt im allgemeinen ein hausdiener; der pl. bezeichnet das gesinde überhaupt, die dienerschaft. in einem handschriftl. vocab. zu Breslau, wol aus dem 15ten jahrhundert, wird dienstbote durch cliens übersetzt, womit wol ein höriger, den man in das haus genommen hat, gemeint ist. daher erklärt sich eine eigenthümliche strafe, die sie leiden musten, so ein dienstbote entliefe seiner herschaft, so mag man demselben nachreisen und ihn mit einem ohr annageln, wo er ihn überkommt Waissel Chronica 106.

dann der gewin ist bei ihn (bei neuen dienern) klein,
wie man bei schlechten leuten sicht,
ee man dienstboten angericht
Eyering 3, 44.

heut zu tage ist der gemeine brauch und wüste weise in der welt, dasz es sich mit den dienstboten oder ehehalten, als knechten und mägden, anderst nicht wie mit den mücken bei dem aas oder mit guten freunden in bösen tagen verhält Simpliciss. 1, 320. domesticus, unus ex familia, servus et ancilla, famulus Stieler 181 und Steinbach 1, 164. er gibt einen dienstboten ab famulum agit Steinbach. dienstboten servitia Henisch 705, auch Frisch 1, 196b hat nur den pl. famuli et ancillae. zwischen dem hausvater und seinen treuen dienstboten Schuppius 203. bei ihrem oft gerechten ausfilzen der dienstboten J. Paul.