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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dienerpflicht bis dienstadel (Bd. 2, Sp. 1113 bis 1120)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dienerpflicht, f.

wem freundeshand, wem dienerpflicht
mit blumen den irdischen pfad umflicht
Göthe 45, 89.

du selbst bedenke schweigend deine dienerpflicht.
Schiller 514a.


 
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dienerschaft, f. servitus, clientela Stieler 316, wie bedienung 3.
1. die gesamtheit der diener, besonders der höheren und deren die ein staatsamt begleiten, ministerium. die ganze dienerschaft muste bei dem fest am hof erscheinen.

doch sieh, dort oben regt in menge sich allbereits
in galerien, am fenster, in portalen rasch
sich hin und her bewegend viele dienerschaft:
vornehmwillkommnen gastempfang verkündet es.
Göthe 41, 209.

der küche dienerschaft soll sich mit mir (dem erztruchsesz) vereingen
das ferne beizuziehn, die jahrszeit zu beschleungen. 41, 290.

und von der dienerschaft, der groszen reichen,
sein ganzes mohrenvolk und ihres gleichen ders.

schon in zwei stellen bei Haltaus 225 aus dem 15ten jahrhundert, der kurfürst sagt (im j. 1440) so sein sie im raths und dienerschaft halber dermaszen verwandt und zugethan, dasz er sie ohne hülfe, rath und beistand nicht lassen könnte. der erzbischof äuszert über Otto von Breitbach (im j. 1490) von uns kommen lassen, doch mit ihm so viel geredt haben dasz er uns mit rath und dienerschaft halben bis auf sein abschreiben verwant bleiben, auch uns zu unsern gescheften gewertig und beraten sein will.
2. uneigentlich. derjenige Mäcenat der den unfug einsieht, welcher dadurch entstanden ist, dasz er sich die bekannten körner hat streuen lassen, und dabei erklärt es sei dergleichen gelehrte dienerschaft nicht ferner zu dulden Klopstock. in ihm wohnte ein mächtiger wille, der blosz zur dienerschaft der triebe sagte 'es werde!' J. Paul Titan 2, 22.
3. ergebenheit, unterwürfigkeit, sie schien mir keinen andern vorzug zu geben als den, dasz sie ihr begehren, ihre wünsche eher an mich als an einen andern richtete und mich dadurch als ihren diener anerkannte. diese dienerschaft nahm sie einen der folgenden tage mit zuversicht in anspruch, als sie mir vertraute, die damen wünschten mich lesen zu hören Göthe 26, 36. s. dienstschaft.

[Bd. 2, Sp. 1114]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dienerschar, f. zahlreiche diener.

ja eine hexe ist es fürwahr,
sie hat gar einen weiten talar
und hinter ihr eine grosze dienerschaar
Göthe.


 
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dienerschwarm, m. dienerschar.

so fürchterlich allein, trotz seinem dienerschwarme!
Tiedge.

geringschätziger ausdruck, noch mehr
 
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dienertrosz, m. wie dienergefolge. der ganze dienertrosz kam hinter ihm her.

drum vor dem ganzen dienertrosz
die gräfin ihn erhob
Schiller 67b.


 
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dienlich, adj. und adv. wie diensam nützlich, förderlich, bequem, angemessen, brauchbar, wie im engl. serviceable, dän. tienlich. das wort kommt erst im 17ten jahrh. vor. dienstlich, dienlich aptus, commodus Henisch 703, 21.

er (der koch) trägt verdecktes essen auf und essen nur zur schaw,
geust söder (brühen) auf und senf daran, die dienlich für den graw (fastidium)
Logau 1. 8, 47.

das kloster könne sehr dienlich sein zu der königlichen hofstatt Schuppius 95. politische bücher welche sehr dienlich sein für einen statsmann zu lesen Butschky Patmos 31. es sollen etliche unter den alten königen ihnen ihre kronen in gestalt eines schiffes formiren lassen. es ist in wahrheit das aller geschicklichste und zugleich dienlichste sinnen- augen- und herzbild gewesen, welches sie beides ihnen selbst und auch ihren nachfolgern hetten können fürstellen. denn völker und königreiche sein eitel wasserwogen, die leichter brausen als stillschweigen 798. es ist nicht alles zu allem dienlich Stieler 316. zum krieg dienlich quae sunt usui ad bellum Frisch 1, 196. ein dienlicher rath Steinbach 1, 272. das ist mir dienlich hoc mihi commodum est das. der gesundheit dienlich heilsam das. einem dienlich sein navare operam alicui das. aber der weiter sehende Filistos fand nicht für dienlich seinen herrn in dieser leichtsinnigen laune fortsprudeln zu lassen Wieland 2, 293. ein kleines, zur wohnung nicht übel dienliches haus Göthe 25, 331. die niedrigen breiten flachgeschliffenen stähle (an schlittschuhen) sind zum schnelllaufen die dienlichsten 26, 329. dieses bekenntnis also des kritikers, nur in eile hingeworfen, nehmen wir dienlich auf und geben ihm die eigentliche bedeutung 38, 286. der sache würde nicht dienlich sein es hier ausdrücklich auszusprechen 54, 314. warum müssen die armen gelehrten nicht wandern, denen das reisen und das geld dazu gewis ebenso nöthig und dienlich wäre als allen gesellen J. Paul.

ein dragoner zu pferd auf dem päcklein (rauchtaback) rühmte die sorte
als der gesundheit dienlich und von preiswürdiger güte.
Mörike Idylle 5.

s. bedienlich. undienlich.
 
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dienlichen, wie dienlich. die anmahnung würde mir nicht dienlichen sein Ettner Unwürd. doctor 136. ich werde noch heunte einen guten glüenden wein zurichten der euch gar dienlichen sein wird 343.
 
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dienmut, s. DWB demut.
 
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diensam, adj. gleichbedeutend mit dienlich, erscheint auch erst, aber selten, im 17ten jahrh. alles und jedes, so zu erkundigung biszheriger pasquillanten, wie nicht weniger zu auszlänglicher verhütung, dasz dergleichen in das künftige nicht mehr gesche, immer diensam und ersprieszlich sein kan Schuppius 677. Stieler, Frisch und Steinbach scheinen es nicht zu kennen. die art wie er diese (quetschformen) zu der ausdehnung des goldes diensamer machte Lessing 9, 480. über den verschiedenen nutzen und diensamen gebrauch Tristram Shandy von Bode 3, 172. wenn jemand irgend ein gut besitzet oder auch das gegentheil davon empfindet, so ist der friede allemal diensamer als der krieg Heilmans Thucyd. 534. eine der moralität sehr diensame natürliche anlage Kant 5, 278. so haben wir zu förderung echter ehr, und damit diese kron, juwel und kleinod gelehrter leute nicht unter die bank gerathe, diensam zu sein erachtet dasz u. s. w. Klopstock 12, 59. diese gute dame welche das unglück hatte die kaltsinnigkeit ihres gemahls lebhafter zu empfinden als es für ihre ruhe diensam war Wieland 3, 96. die diensamsten mittel 20, 188. die einzigen diensamen mittel, welche die akademie vorzuschlagen hat 20, 244. wo er sodann von den Russen aufgehoben, endlich durch diensame vorstellungen wieder losgegeben wurde Göthe 32, 14. auch

[Bd. 2, Sp. 1115]


ich hatte das meinige durch diensame vorschläge beigetragen 32, 141. gewis wäre manches zu sammeln, was doch künftigen zensoren diensam wäre J. Paul Freiheitsbüchl. 141.

musz ich diesz körbchen hier voll kraut und blumen lesen,
voll pflanzen giftger art und diensam zum genesen. Romeo u. Julie v.
Schlegel aufzug 2. auftr. 3.

Adelung der mit unrecht glaubt das wort fange an in der anständigen schreibart zu veralten, führt als oberdeutsch an, wir wollen unserer seits alles diensame willig beitragen; ihr wollet dessen inhalt diensamer orten kund machen. aber das ist canzleistil.
 
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dienst, m. ahd. dionost n. Graff 5, 93. mhd. dienest n., häufiger m. Benecke 1, 371, Steinbach 1, 272 führt es auch als n. an. altsächs. thionôst, thianust n. altfries. thianest, thianst, tienst, niederd. deenst, niederl. dienst, altnord. þiônusta f. schwed. tiänst, dän. tieneste.
1. die handlungen und übungen, die gebräuche, womit man die gottheit verehrt, die verrichtungen der priester, cultus. in dieser bedeutung wird nur der sing. gebraucht. sich dem dienste gottes widmen geistlicher werden, in ein kloster gehen. dienst der got allein zugehört, lob latria Vocab. incip. teut. 4a. wie der oberst priester bekleidet solt sein, so er in den tempel wolt gon z dem ampt des diensts Keisersb. Sünden des munds 78b. unser vieh sol mit uns gehen und nicht eine klawe dahinden bleiben, denn von dem unsern werden wir nehmen zum dienst unseres gottes des herrn 2 Mos. 10, 26. und wenn ir ins land komet, das euch der herr geben wird, wie er geredt hat, so haltet diesen dienst 12, 25. das ist das den Leviten gebüret von fünf und zwenzig jaren und drüber, tügen sie zum heer und dienst in den hütten des stifts 23, 24. die kleider des ampts zum dienst im heiligen 35, 19. 4 Mos. 8, 25. allerlei werk machen zum dienst des heiligthums 36, 1. denn der herr dein gott hat in (den priester) erwelet aus allen deinen stemmen, das er stehe am dienst im namen des herrn 5 Mos. 18, 5. mir zwar hastu nicht bracht schaf deines brandopfers, noch mich geehret mit deinen opfern. mich hat deines diensts nicht gelust im speisopfer, hab auch nicht lust an deiner erbeit im weirauch Jesaia 43, 23.

der dienst des altars
Gotter 3, 73.

die bischöflichen verordnungen die einen solchen neuen dienst (die verehrung der gestorbenen Sperata) einschränken und nach und nach niederschlagen sollten Göthe 20, 280.

erst der entweihte raum, wo man sich so versündigt,
sei alsobald zum dienst des höchsten angekündigt. 41, 294.

finstrer ernst und trauriges entsagen
war aus euerm (der götter Griechenlands) heiterm dienst verbannt
Schiller 21b.

bereitet hurtig die gefäsze,
geheiliget zum dienst der messe 68b.

so bleib es gewidmet dem göttlichen dienst 70a.

s. bilderdienst, fetischdienst, gottesdienst, götzendienst, kirchendienst.
2. was jemand zu gunsten, zum nutzen eines andern aus eigener bewegung thut; doch werden auch dienste des eigenen vortheils wegen geleistet, um eine geneigte gesinnung zu erwecken, oder um gegendienste zu erlangen, auch bei unlöblichen absichten. er hat mir schon manchen dienst geleistet, erzeigt, gethan. damit würde mir ein groszer dienst geschehen, ein liebesdienst erzeigt. er hat mir seine guten dienste angeboten, versprochen, zugesagt. ich habe seine dienste nicht benutzt. eine grosze macht bietet einer andern ihre guten dienste an, um eine schwierige angelegenheit zu vermitteln. er hat ihm absichtlich einen schlechten dienst erwiesen. beweiset ein mensch dem andern ein dienst, und danket im nit wiederum, so verdreuszt es ihn Keisersb. Sünden des munds 83b. dem marggrafen von seinetwegen viel dienst (dienstwilligkeit) sagten Bocc. 1, 82b. das ich auch thue was euch lieb und dienst ist das.

wo ich west euch zu thun daran
ein dienst Theuerd. 47, 21.

was der fürst wil, das spricht der richter, das er im wider einen dienst thun sol Micha 7, 3. so die heiden sind ihrer geistlichen güter theilhaftig geworden, ist es billig das sie inen auch in leiblichen gütern dienst erweisen Röm. 15, 27. predige ich denn jetzt menschen oder gott zum dienst? Galater 1, 10. sind sie nicht alle zu mal dienstbare geister, auszgesand zum dienst umb der willen, die ererben sollen

[Bd. 2, Sp. 1116]


die seligkeit? Hebr. 1, 14. dienst umb dienst, hilf umb hilf, ein gtthat umb die andere, officia mutua Maaler 92c. einem etwas ze dienst und wolgefallen thn und im günstig sein ders. ein groszen dienst empfahen, so uns einer ein grosz wolgefallen beweist 92d. einen dienst vor der thüren machen oder hofieren mit singen occentare ad ostium amicae 92d. hilfst du im, so wirst du mir ein groszen dienst beweisen ders. ich darf deiner diensten nichts, ich mag deines dienstes wol manglen und embären 92d. th du im den dienst, den ich im thn solte 92d. von eim etwas diensts erfordern 92d. so konnte ich meiner lieben schwester ihren letzten dienst nicht leisten und mit ihr zu grabe gehen Schweinichen 3, 181. seind euch zu freundlichen diensten mit vätterlichem willen gewogen Henisch 706. hat sich mit willigen diensten und stäten trewen erzeigt das. willfähriger dienst das. umb liebe und dienst willen Luther 3, 264b. den jüden zu dienst und liebe 520. hie gilt keine liebe oder dienst 523b. es kommt die zeit das wer euch tödtet wird meinen er thue gott einen dienst daran Joh. 16, 2. hab auch solches (buch) knaben und jungfrauwen zu dienste und fürderung lassen auszgehen Waldis Esop vorr.

an der junkfraw getrewen dienst
da pin ich alle zeit unverdrossen Bergreien 125, 3.

denn es (das kind) nur im vierdten jahr,
so wolts doch seinen dienst nicht spar.
Wolgemut 2, 280.

dienst über dienst mir hie geschicht Laurin 1740.

unter allen ist der augen- das ist der verstandsdienst der best Lehmann Blumengarten 139.

wenn das bewohnte rund, wenn alle königreiche,
so dieser boden hält, beisammen sein zugleiche
und einen solchen dienst dir werden stellen an,
den nur das werthe volk das du liebst, leisten kan.
P. Fleming 24.

dasz wir ihm zu dienst und ehren
ein kurz liedlein lassen hören 44.

doch zweifelt nicht daran,
wir hätten euch den dienst, die ehr auch angethan,
wenn ihr schon wäret nicht bei uns allhier gewesen 51.

dies hat alles zwischen uns verändert, hat
mit eins ein seil mir umgeworfen, das
mich seinem dienst auf ewig fesselt
Lessing 2, 252.

als liesz er augenblicks für euren dienst sein leben.
Gotter 1, 167.

der Syrakuser bot unserm helden seine dienste mit derjenigen art an, welche beweist dasz man begierig ist sie angenommen zu sehen Wieland.

seine dienste bot er dagegen
Göthe 40, 228.

dann gedenkt auch mein und meines freundlichen dienstes,
den ich aus liebe mehr als aus verwandtschaft geleistet. 40, 312.

dir zu jedem dienst erbötig,
schöne Luna, sei uns gnädig! 41, 158.

werde jeder bessere sinn
dir zum dienst erbötig 41, 343.

dies sei der letzte dienst, um den ihn Dido fleht.
Schiller 42b.

denn wirklich
musz ich gestehn, ich war schon in gefahr
den schlimmen dienst, der mir bei meinem herrn
geleistet worden, Ihnen zu vergeben 291a.

eine rührung
wie jener kleine dienst sie gar nicht werth war 335a.

den groszen dienst,
gesteht, kann ich dem Godunow erzeigen 671b.

ihrer dienste kann ich entrathen ders. niemand zeigte lust mit dem gefährlichen kerl anzubinden, dem der teufel zu diensten stünde 711a.
3. uneigentlich. gleichwie ir ewre glieder begeben habet zum dienste der unreinigkeit und von einer ungerechtigkeit zu der andern, also begebet nun auch ewre glieder zu dienste der gerechtigkeit, das sie heilig werden Röm. 6, 19. denn auch die creatur frei werden wird von dem dienst des vergänglichen wesens 8, 21. kein schnöder dienst ist dann dem wollust des leibs dienen Henisch 706.

der schönheit dienste stäts geweiht
Gotter 1, 76.

die ihrem (der kunst) keuschen dienste leben
versucht kein niedrer trieb, bleicht kein geschick.
Schiller 23a.

glückselige die sie (aus millionen
die reinsten) ihrem dienst geweiht das.

verwegner dienst belohnt sich auch verwegen! 430b.

wie niedrig flattern ihre schwingen
im dienst der sinnlichkeit um einen hügel staub
Tiedge.

[Bd. 2, Sp. 1117]



der dienst der freiheit ist ein strenger dienst.
Uhland Ernst v. Schwaben 116.


4. höflichkeitsformeln. man fragt den ankommenden was steht zu Ihren diensten, Ihnen zu dienst? was wünschen Sie? was verlangen Sie? ich bin zu Ihren diensten. mein haus steht Ihnen zu diensten Sie können es bewohnen. mein pferd steht Ihnen täglich zu dienst Sie können es jeden tag reiten. nach einer erwiesenen gefälligkeit, ich stehe wieder zu diensten. gerne, alles steht zu diensten was ich habe Göthe 11, 179. 220. sie (die blumen) stehen ihr alle zu dienste sie kann so viele davon haben als sie will 18, 142.

wozu der lärm? was steht dem herrn zu diensten? 12, 69.

königin. was steht zu Ihren diensten?
Schiller 290b.

und unsern eifer, unsre dienste zu
den füszen Ihrer majestät zu legen das.

im kanzleistil beginnen briefe öfter, meine willige dienste zuvor Stieler 2517.
5) arbeiten und leistungen, zu denen man verpflichtet ist.
a. als leibeigner, unfreier, oder in einem andern abhängigen verhältnis; s. DWB frohndienst. und man setzte fronvögte über sie (die Israeliten) die sie mit schweren diensten drucken solten 2 Mos. 1, 11. und die Egypter zwungen die kinder Israel zu dienst mit unbarmherzigkeit und machten inen ir leben saur mit schwerer erbeit in thon und zigeln und mit allerlei frönen auf dem feld 8, 13. 14. aber die Egypter handelten uns übel und zwungen uns und legten einen harten dienst auf uns 5 Mos. 26, 6. zu der zeit, wenn dir der herr ruge geben wird von deinem jamer und leid und von dem harten dienst, darin du gewesen bist Jesaia 14, 3. Juda ist gefangen im elend und schweren dienst Klagel. Jerem. 1, 3. alsdann wirt der verkauft an einen ewigen dienst heimgeführt Frank Weltb. 101b. den (menschen) z dienst z glauben, was der aufgeworfen bapst will 119b. die kinder sind ehre und dienst den eltern schuldig Comenius Orbis pictus 1, 249. kinder und freigelassene, welche ihm zu dienst und dankbarkeit verpflichtet waren Möser 1, 61.

zwar halb nur freudig, halb mit widerwillen
ruf ich euch auf zum dienste dieses tags
Göthe 10, 3.

nur mich, die eine, riefen sie zu stillem dienste 41, 228.

die fuhren thut das volk, vom predigtstuhl belehrt,
die kirche segnet den der ihr zu diensten fährt. 41, 269.


Diese stellen beziehen sich meist auf verhältnisse, die jetzt, in Deutschland wenigstens, entweder ganz verschwunden oder gemildert sind. der hörige, der leibeigene, der knecht, muste sonst unbedingt dem befehl des herrn folge leisten. im Norden konnte er beauftragt werden einen ihm gleichgültigen menschen umzubringen. er muste als hirte, ackermann, köhler dienen, fronfuhren, jagddienste, vorspann leisten. die magd muste die härtesten und niedrigsten arbeiten thun, getreide malen, waschen, stuben heizen. die dienste des unfreien konnten ungemessen sein, waren aber meist gemessen, bestimmt, wenn er sie nur zu bestimmten zeiten, an gewissen tagen zu leisten verpflichtet war. der knecht war nicht waffenfähig, muste aber dem heer folgen, um die verwundeten wegzubringen, die getödteten zu begraben. lohn ward nicht gegeben, doch erhielt das hausgesinde nahrung und kleidung: die auf dem felde frondienste thaten, wurden gespeist, die mit in den krieg zogen verpflegt; vergl. Rechtsalterthümer 350 folg.
b. gegen lohn als knecht, hausdiener, magd, überhaupt in geringerer stellung. er suchte als bedienter einen dienst, hat seinen dienst überall angeboten. er hat dienst bei einem guten herrn genommen. die frau hat das arme mädchen in ihren dienst genommen. er steht in dienst bei einem reichen herrn. er musz die niedrigsten dienste besorgen. er geht, begibt sich morgen in seinen dienst. er thut, verrichtet seinen dienst wie sichs gebübrt. er vernachlässigt seinen dienst. man hat ihm den dienst aufgekündigt, aufgesagt. er ist schimpflich aus dem dienst gejagt worden. welche (beute) mir mein rittmeister, meiner getreuen dienste wegen, alle schenkte Simpliciss. 2, 174. so gut sie (die magd) sonst in ihren diensten gewesen Riemer Polit. stockfisch 79. wann er durch seine heirat Kunklien (die magd) von ihren diensten frei machen würde 80. da er nun nichts zu thun hatte, so wies man ihm verächtliche dienste an Stillings Jugend 2, 51. noch dazu den courier den sie uns nachschickten, gleich in dienste zu nehmen Göthe 20, 225.

wie ein esel und hund bei einem reichen in diensten
beide gewesen 40, 173.

[Bd. 2, Sp. 1118]


ich bitte leute die den dienst verstehen, meinen helden freimütig zu beurtheilen J. Paul Siebenkäs 1, 161.
c. in einem amt, womit in der regel besoldung verbunden ist. er ist in den dienst des königs getreten. er hat einen dienst im ministerium erhalten. er hat seinen dienst angetreten. ihm ist ein wichtiger dienst übertragen. man hat ihm einen dienst angeboten, aber er hat ihn ausgeschlagen. er kann nicht kommen, er ist im dienst in seinem amt thätig. gestern war er frei, heute hat er den dienst, wenn bei dem hofdienst die reihe an jemand kommt. der dienstthuende kammerherr. er steht als hofmahler in diensten. er thut, er versieht seinen dienst gewissenhaft. immer bereit zu sein fordert der dienst seines herrn. er musz jeden morgen in die sitzung, das bringt der dienst mit sich. er beschäftigt sich mit gelehrten arbeiten, aber darunter darf der dienst nicht leiden. er leistet dem staat unentgeltlich dienste. er steht seit zwanzig jahren in diensten. er ist im dienst grau (alt) geworden. er ist von seinem dienst zurückgetreten, aus dem dienst gegangen hat sein amt niedergelegt, seinen abschied genommen. da er nicht mehr im wirklichen dienst ist, so genieszt er einen ruhegehalt. er ist minister auszer dienst oder auszer diensten. er ist aus dem dienst ganz entlassen. man hat ihn seines dienstes entsetzt. seine negoziationen in fremde dienste zu gehen, waren auch nicht glücklicher Göthe 19, 294.

welch ein verdienst von Ihnen, würdger mann,
so streng zu sein in Ihres königs dienst!
Schiller 296b.

schenken Sie mir das leben, es soll Ihrem dienste von nun an gewidmet sein 711b.

nun bogen sie hinter dem weinberg
eben hervor und der küster voran (zu eigenen diensten
war er dem kirchlein bestellt); ihm folgte billig der meister.
Mörike Idylle 17.


Häufig wird der kriegsdienst gemeint. er ist in den französischen dienst gegangen, da er den spanischen verlassen muste. er hat in der englischen flotte dienste genommen, in dem englischen heer einen dienst gekauft. die reiterei hat einen beschwerlichen dienst. er hat den dienst verlassen. er entfernte sich aus seiner heimat, um sich dem dienst zu entziehen wollte nicht soldat werden. der strenge dienst ist wieder eingeführt worden.

der (Wallenstein) führts commando nicht wie ein amt,
wie eine gewalt die vom kaiser stammt:
es ist ihm nicht um des kaisers dienst
Schiller 323a.

des dienstes immer gleichgestellte uhr 336b.

Wallenst. parole müssen Sie mir geben, eidlich, schriftlich,
sich meinem dienst zu weihen, unbedingt.
Illo. warum nicht? Terzky. unbedingt? des kaisers dienst,
die pflichten gegen Östreich werden sie
sich immer vorbehalten 340b.


6. einige besondere, uneigentliche redensarten sind zu bemerken.
a. einem auf den dienst warten, lauern, passen heiszt eigentlich jemand gut bedienen, ihm sorgfältig aufwarten, und ist in diesem sinn auch früherhin gebraucht worden.

auch gibts der schönen frauen vil,
die können gar wol danzen und springen,
geigen, pfeifen und darein singen,
und einem auf den dienst wol warten
mit schachtspil (so), würfel und mit karten,
und was des menschen herz begert.
J. Ayrer Fastnachtsp. 1b.

sprich du hast vor auf den dienst gewart
und dich bemühet sehr und hart
im essen und trinken aufzutragen
Scheit Grobianus 49a.

kurfürst Joachim von Brandenburg schreibt im jahr 1568 an seinen physikus begern wir gnediglich wollet euch angesichts erheben und hieher an uns komen und uns aufn dienst warten Haltaus 216. dann heiszt es einem aufpassen, einen heimlich beobachten um ihm zu schaden, insidias struere Frisch 1, 196a. diese bedeutung, die heute gilt, zeigt sich schon im 17ten jahrh. Scipio aber hatte den capitän der nachtwacht, der sein guter freund und bekanter war, zu sich genommen und wartet dem doctor unterwegens auf den dienst Philander Lugd. 5, 318. ob ein schiff noch so mächtig ausgerüstet wäre, so warten ihme doch vilerlei fälle auf den dienst, ehe denn es zu dem verlangten hafen einlaufen kan Butschky Patmos 713.
b. dienste thun, leisten, nützlich, förderlich, zuträglich, brauchbar sein. das Emser wasser hat ihm gute dienste gethan

[Bd. 2, Sp. 1119]


seine genesung befördert. die arznei hat keine guten dienste gethan geschadet. diese leinwand ist gröber als die andere, thut aber denselben dienst ist gleich brauchbar. die braunkohle kann nicht den dienst thun, den die glanzkohle thut hat geringere heizkraft. in Italien thut öl eben die dienste wie butter vertritt seine stelle. es regnete, aber der mantel hat seinen dienst gethan gegen das wetter geschützt. die füsze thaten ihren dienst er lief eilig davon. der magen thut seinen dienst nicht verdaut nicht.

hier leistet frisch und weislich dringende hochgewalt
erwünschten dienst
Göthe 40, 418.

nach vollbrachtem dienst, wenn etwas nicht weiter gebraucht wird, nicht mehr nötig ist.

wie kams, dasz man das unglückselige gerüst
nicht nach vollbrachtem dienste alsobald zerbrach?
Schiller 513b.


c. den dienst aufsagen, aufkündigen ein näheres verhältnis auflösen. nachdem Agathon durch einen streich der verhasztesten art, durch eine heimliche flucht, der liebe den dienst aufgesagt habe Wieland. der weltberühmten allgemeinen literaturzeitung (in Jena) mit aufkündigung des dienstes zuvorzukommen, und, indem sie sich an einen andern ort bewegte, sie an derselben stelle fortsetzen zu wollen, war ein kühnes unternehmen Göthe 31, 166.
7. dienst heiszt auch der diener, der dienstbote, der männliche und weibliche. schon im mhd. nicht selten; s. Ben. 1, 371a. die herrschaft ist auch etwan ein ursach das ire dienst inen ungehorsam seint, wan sie seint iren diensten hert mit fluchen und schelten Keisersb. Narrenschiff 165a. ir herren sollen euch auch freuntlichen und gutigklichen halten gegen eurem dienst das.

und hant kein acht das dienst und kind
zu kirchen, predig, gots dienst gon.
Brant Narrenschiff 95, 29.

das dienst und shofgesind
Jac. Ruff Adam u. Heva 5599.

dienst wird auch für ein dienstmagt genommen Maaler 92d. dienst oder knecht. leibeigene dienst pl. Henisch 704. ein treuer dienst, redlichs saubers ding fidelis famula das. alle dienst, ein haufen diener das. der teufel hat allweg hundert dienst bei den seinen, da Christus bei den seinen kaum einen hat 706. wär ouch dar ein dienst, es si die vrowe, knecht oder jungfrowe die pfennige erlese Straszb. stadtrecht bei Scherz 234.

fürsten haben zwar viel dienst, müssen aber viel ernähren.
Logau 2. 3, 71.

man musz sich mit diensten, knechten und mägden nicht zu gemein machen Jac. Meier Hortulus adagior. 40. als neutr bei Günther,

sein armes hirtendienst 551.

weiber, kinder und dienste wurden von den böswichten gezwungen zu geben und zu kochen Stattler Annal. helv. 1, 426. bei Frisch 1, 196. die diensten (auf dem bauernhof) wurden nie in die geheimnisse des hauses eingeweiht: nie geschah es dasz die glieder der familie vor den diensten haderten, geschweige dasz sie vor den diensten über einander geklagt, sie zu vertrauten gemacht hätten. trotz diesem allem, trotz dem respect den man den meisterleuten äuszerlich erwies, waren doch die sämtlichen diensten eine bande verbündete gegen die meisterleute Jerem. Gotthelf Bauernspiegel 1, 127. aber auch im niederdeutschen wird das wort so gebraucht, de deensten wetet nig meer wat se eten wilt. deme deenste schall men so vile geven alse he uppe de tidt verdenet hadde Brem. wörterb. 1, 197. s. dienstlein. dienstin.
Bei fürstlichen höfen werden, wie Adelung bemerkt, die höheren diener, z. b. die kammerherrn der dienst genannt, so dasz der sing. collectiv gebraucht wird; vergl. Zarncke zu Brants Narrenschiff s. 438. der könig empfieng, vom groszen dienst umgeben, den gesandten liest man in zeitungen.
8. sprüche und sprichwörter. aus Seb. Frank, dienst wirt umb dienst zu haus geladen 39b. aus Eyering, ungebetener dienst ist nicht danks wert 3, 363. dienst um dienst ist kein koppelei 3, 459. aus Henisch 706. 707, angeboten oder ungebeten dienst ist unwerth und stinkt. armer freund dienst ist auch bequem. christlichen dienst soll man nit verkaufen. in dem erkanten dienst stehet die belohnung eines getrewen herrn. guter, zu angenemer zeit dienst bleibt unverloren. getrewen dienst belohnet got. trewer dienst bleibt unerkant.

[Bd. 2, Sp. 1120]


ungebeten dienst und umb die man nit weist, gehen undankt heim. der groszen herren knecht uberheben sich gewonlich der herren dienst. gelt umb dienst ist wett, nicht dankens werth. dienst gehört knechten zu, die ir schuld und pflicht verkauft haben. dienst, freundschaft und weiber wöllen nit genöt (erzwungen) sein.

in gottes mund
stehet seines dienstes grund.

keiner kan kein ampt oder dienst verrichten, dazu er nicht ist ein schuler gewesen. nimmer dienst, nimmer lohn. aus Lehmann 145 — 146 bawren dienst, bawren lohn. wer sich mit der armut behelfen kan, der bedarf keiner herrn gunst und dienst. bleib beim brot im dienst bisz man dir fleisch dazu gibt. in diensten schlägt oft untrew seinen eigenen herrn. wann alle dienste gleich belohnet wären, hätte ich oft einen bessern lohn verdienet als gefängnus. aus Simrock, dienst um dienst ist keine kuppelei 1609. ein dienst ist des andern werth 1611 (Göthe 12, 157).

dienst um geld
ist welt 1612.

saurer dienst, kleiner gewinn 1620.
 
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dienstadel, m. ist in einigen staaten verbunden mit einer höheren dienststelle. er ist persönlich d. h. er geht nicht auf die kinder über und unterscheidet sich von dem geburts- und briefadel. so verhält es sich auch mit dem adel der mit einem orden verbunden ist.