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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
diene bis dienerlich (Bd. 2, Sp. 1103 bis 1113)
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dienen , ahd. dionôn, gekürzt aus diuwinôn (Gramm. 2, 336) Graff 5, 91. mhd. dienen Benecke 1, 368. alts. thionôn, altfries. thiania, tienia Richth. 1071b. niederd. denen, niederl. dienen, ags. þeovjan geþenjan, altn. þiona þiena, schwed. tjäna, dän. tiene.
1. da es zu dio, deo knecht, servus gehört, so bedeutet dienen, einem dienen ursprünglich jemandes knecht oder unterthan sein. daher auch gehorchen, sich unterwerfen, sich demütigen. der Antichrist spricht

mir müssen arm und reich
dienen nach dem willen mein Fastnachtsp. 596, 30.

der abt der geld von ihm empfangen hat spricht

herr, des habt imer dank,
wir dienen euch on allen wank. 606.

zwei volk sind in deinem leibe und zweierlei leute werden sich scheiden aus deinem leibe und ein volk wird dem andern uberlegen sein: und der gröszere wird dem kleinen dienen 1 Mos. 25, 23. und wirst deinem feinde den dir der herr zuschicken wird, dienen in hunger und durst, in blösze und allerlei mangel 5 Mos. 28, 48. völker müssen dir dienen und leute müssen dir zu fusze fallen 27, 29. ein volk das ich nicht kandte dienet mir hat sich mir unterworfen 2 Samuel 22, 44. doch sollen sie im unterthan sein, das sie innen werden was es sei, mir dienen und den königreichen in landen dienen 2 Chronica 12, 8. meinstu das einhorn werde dir dienen und werde bleiben an deiner krippen? Hiob 39, 9. sie sollen (spricht der herr Zebaoth) des tages den ich machen wil, mein eigenthum sein, und ich wil ir schonen, wie ein man seines sons schonet der im dienet Maleachi 3, 17. tausentmal tausent dieneten im und zehen hundertmal tausent stunden fur im Daniel 7, 10. einem weisen knecht musz der herr dienen, und ein vernünftiger herr murret nicht darum Sirach 10, 28. und sollen alle völker dienen im (dem Nebukadnezar) und seinem son und seines sons son, bis das die zeit seines landes auch kome; denn es sollen im viel völker und grosze könige dienen Jerem. 27, 7. niemand kann zweien herren dienen, entweder er wird einen hassen und den andern lieben, oder er wird einem anhangen und den andern verachten Matth. 6, 24. servio ich diene oder gib nach, gehorche Dasyp. 223c.

lern dienen und demütig sein,
so du wilt herschen dermalein
Henisch 699.

[Bd. 2, Sp. 1104]


man musz dem gold gebieten, nicht dienen ders. wie einer herren und graven dienet, also wird im wieder gedienet werden Schuppius 355. durch wenig essen und dem bauch nicht zu dienen, kan der mensch sich selbst zum engel machen Olearius Baumg. 6, 1.

willst du viele befreien, so wag es vielen zu dienen.
wie gefährlich das sei, willst du es wissen? versuchs.
Göthe 1, 363.

eh ihr (künstler) das gleichmasz in die welt gebracht,
dem alle wesen freudig dienen
Schiller 23a.


2. gott dienen heiszt in dem gefühl der abhängigkeit von ihm nach seinen gesetzen leben, thun wie es ihm wolgefällt, sich ihm hingeben. so soltu ire götter nicht anbeten noch inen dienen und nicht thun wie sie thun. aber dem herrn, ewrm gott, solt ir dienen, so wird er dein brot und dein wasser segenen 2 Mos. 23, 24. 25. darumb werden zeichen und wunder an dir sein, dasz du dem herrn deinem gott nicht gedienet hast mit freude und lust deines herzen, da du allerlei gnug hattest 5 Mos. 28, 46. 47. so fürchtet nun den herrn und dienet im treulich und rechtschaffen und laszt fahren die götter den ewr veter gedient haben Josua 24, 24. und du, mein son Salomo, erkenne den gott deines vaters und diene im mit ganzem herzen und mit williger seelen, denn der herr sucht alle herzen und versteht aller gedanken tichten 1 Chronica 29, 9. der könig aber sprach zu Daniel 'dein gott dem du on unterlasz dienest, der helfe dir' Daniel 6, 16. darum sollen wir uns demütigen von herzen und im (gott) dienen Judith 8, 14. dienet dem herrn in der warheit und haltet euch zu im rechtschaffen Tobias 14, 10. diene dem herrn nicht mit falschem herzen Sirach 1, 34. wer den herren fürchtet, der ehret auch den vater und dienet seinen eltern und hält sie für seine herren 3, 7. ir wisset wie ich dem herrn gedienet mit aller demut Apostelg. 20, 18. 19. das bekenne ich aber dir, das ich nach diesem wege den sie eine secten heiszen, diene also dem gott meiner veter 24, 14. die gottes wahrheit haben verwandelt in die lügen und haben geehret und gedienet dem geschepfe mehr denn dem schepfer Römer 1, 25. nu aber sind wir von dem gesetz los und im abgestorben, das uns gefangen hielt, also das wir dienen sollen im newen wesen des geistes und nicht im alten wesen des buchstabens 7, 5. gott dienen nach allem vermögen. gott dienen mit leib und seel Henisch 696.

dien gott von grund des herzen dein,
so magst du wolgeboren sein 698.

gott dienen hindert nichts ders.

gott ist der herr, wir seine knecht,
wer ihm gehorcht, der dienet recht ders.

wer gott nicht wil dienen in dieser welt, den wil er in jener welt auch nicht zum diener haben 699. wiltu gott dienen, so lasz dir ernst sein ders. wir leben geruhig und dienen gott in der stille Robert Pierot vorr. und man seinem schöpfer dabei zu dienen beflissen ist ders.
Ebenso Christo dienen, wo es denn auch heiszt ihm als jünger im leben nachfolgen. wer mir dienen wil, der folge mir nach, und wer mir dienen wird, den wird mein vater ehren Joh. 12, 26. wisset das ir von dem herrn empfahen werdet die vergeltung des erbes, denn ir dienet dem herrn Christo Coloss. 3, 24. gott ist mein zeuge, welchem ich diene in meinem geiste am evangelio von seinem sohn Römer 1, 19. wie ein kind dem vater hat Timotheus mit mir gedienet am evangelio Philipper 2, 22.
Den götzen dienen, sich den falschen göttern ergeben, ihnen anhängen. bete sie nicht an und diene inen nicht 2 Mos. 20, 5. denn wo du iren göttern dienest, wird dirs zum ergernis geraten 23, 33. das sei ferne von uns das wir den herrn verlassen und andern göttern dienen Josua 24, 16. und folget nicht andern göttern nach, inen zu dienen Jerem. 35, 15. schemen müssen sich alle die den bilden dienen und sich der götzen rühmen Psalm 97, 7. nu ir aber gott erkannt habt, ja vielmehr von gott erkannt seid, wie wendet ir euch denn wieder zu den schwachen und dürftigen (mosaischen) satzungen, welchen ir von neuen an dienen wolt Galat. 4, 9.
3. bösen und verächtlichen richtungen folgen, sinnlichen begierden fröhnen. ir könnet nicht gott dienen und dem mammon Matth. 6, 24. Lucas 16, 13. dasz wir hinfurt der sünde nicht dienen Römer 6, 6. so diene ich nu mit dem gemüte

[Bd. 2, Sp. 1105]


dem gesetz gottes, aber mit dem fleisch dem gesetz der sünden 7, 25. denn solche dienen nicht dem herrn Jhesu Christo sondern irem bauche 16, 18.
4. wolwollend, liebreich, hilfreich, gefällig sich erweisen, ohne dazu verpflichtet zu sein; vergl. 11. er dient seinen nachbarn gerne. landsleuten dient er wo er kann. er kann mir darin nicht dienen keinen beistand leisten. womit kann ich Ihnen dienen? ist eine höflichkeitsformel. damit kann ich dienen antwortet der kaufmann der die geforderte waare vorrätig hat. wollt ihr meinen wunsch erfüllen, so will ich euch wieder dienen. dienen aus unverpflichtung obsequi Vocabularius incip. teut. d 4.

ich pin der Müetlein (bauerndirne) also holt
das ich ir dien tag und nacht Fastnachtsp. 401, 9.

gan mir got dasz ich sol leben,
ich wil dir dienen also viel
dasz ich dirs wol vergelten wil 450, 32.

diene einem narren in seiner sache nicht Sirach 4, 32. durch die liebe diene einer dem andern Galat. 5, 13. seid gastfrei unter einander ohne murmeln und dienet einander, ein jeglicher mit der gabe die er empfangen hat 1 Petri 4, 10. in seinem eigenen kosten dem gmeinen nutz dienen suo sumptu operam reipublicae praebere Maaler 92c.

ich dienet ir (der geliebten) fr und spat,
ich dienet ir in allen reien
bisz auf mein hinefart Bergreien 52, 5.

und hab doch grosz begier
z dienen ir für all auf erd 55, 1.

seinem eignen nutz dienen Henisch 697. ich will dir dienen wo ich kan und mag (vermag) si quid valebo, valebo tibi 697. ein herr soll gott und seinen underthanen dienen 698. ein freund dem andern dienen soll 698.

zu dienen andern sei bereit
in rechter lieb und einigkeit 699.

und der herr der künftig befiehlt, er soll mir nicht dienen.
Göthe 40, 310.

Sie wollen mir ganz ohne eigennutz dienen Kotzebue Dramat. spiele 3, 421.
5. thätig sein, dienste leisten, meist gegen lohn. um sold dienen Henisch 697. dienen umbs geld 697. umb dank dient nieman, er verlangt lohn dafür 699.
a. bei niedrigen arbeiten, als knecht oder magd. das mädchen muste dienen gehen, die noth zwang sie dazu. sie dient bei einer guten herschaft. der bursche dient als hausknecht, stallknecht, ofenheizer. dienen, knecht oder jungfraw (magd) sein Maaler 90b. Schönsleder K. welcher ist der gröszeste, der zu tische sitzt, oder der da dienet? Luc. 22, 27. es taugt nicht das wir das wort gottes unterlassen und zu tische dienen Apostelg. 6, 2. den gästen zu tisch dienen aufwarten Henisch 697. wer den leuten dienen will, der diene ihn (ihnen) so mehr mit beiden händen als mit einer das.

wer jederman könt dienen recht,
der musz sein gar ein guter knecht das.

dienen lerne bei zeiten das weib nach seiner bestimmung,
denn durch dienen allein gelangt sie endlich zum herschen,
zu der verdienten gewalt, die doch ihr im hause gehöret.
dienet die schwester dem bruder doch früh, sie dienet den eltern
und ihr leben ist immer ein ewiges gehen und kommen.
Göthe 40, 310. 311.

denn ihr habt ein mädchen erwählet
euch zu dienen im haus und euern eltern, das brav ist. 40, 314.

Mephistopheles sagt zu seinen beiden raben,

nun, schwarze vettern, rasch zum dienen,
zum groszen bergsee! 41, 281.

vergl. bedienen.
b. bei einem übertragenen amt, in einem übernommenen geschäft. er hat dem könig, dem staat, der kirche treu gedient. er dient auf kündigung kann nach gutdünken aus dem amt entlassen werden. er dient als sachwalter, seemann, im forstwesen, bei dem gericht. ein gedienter mann der schon lange im dienst gestanden hat. der kunst (scientia) kan kein gröszer schimpf widerfahren, denn wenn sie den (dem) dienen musz, ders nicht werth ist Henisch 698. wer dem altar dient, der sol von dem altar leben Wyle. wenn die diener der fürsten so edel und frei dienen wie ihr mir, wenn die fürsten dem kaiser dienen wie ich ihm dienen möchte Göthe 42, 144.

[Bd. 2, Sp. 1106]


die Mondekar hab ich durch ihren sohn,
der mir als page dient, gewonnen
Schiller 247a.


Am gebräuchlichsten ist es bei dem kriegsdienst. die freiwilligen dienen nur ein jahr. er dient im preuszischen heer, zu fusz, zu pferd, bei der artillerie, unter den jägern, in der reiterei. er hat noch unter Friedrich dem groszen gedient. er hat von unten auf gedient als gemeiner soldat angefangen. wenn ein cavallier einem frembden potentaten im kriege mit gutem gewissen dienen soll Schuppius 360.
6. es dient sich wird selten gesagt. es dient sich übel, wann die diener immer voll seind und treten der flaschen auf den riemen Henisch 700.

o mögen ihr die götter
ein frisches herz erhalten!
denn leichter dient sich einem glücklichen
Göthe 10, 6.


7. im mhd. kommt dienen mit dem dativ der person und dem acc. der sache vor, wo es dann heiszt einem dienen in etwas, ihm etwas leisten (Benecke 1, 369a), z. b.

swaz ich im kan dienen, daz ist unverseit Nibel. 525, 2.

bote nu soltu râten mir
durh dîne triuwe waz ich ir
diene, daz si dunke guot
Lichtenstein 156, 23.

diese jetzt auffallende construction erscheint noch im 16ten jahrhundert, wir solten im eine reis dienen ihn auf einem zug begleiten Götz von Berlichingen 45. bracht ich sonst auch zwei knecht auf und dienet ihm ein reis 46. 96. ohne den dativ der person heiszt in Baiern dienen, eindienen getreide, butter, hühner als feudalgabe entrichten: die fischer zu Regenstauf dienten fische auf den tisch (der fürstlichen schlösser) Schmeller 1, 375. in diesem sinn sagt man in Östreich die henne dient (legt) ihr ei.
Lichtenstein sagt den dienest dienen,

bit si ir güete an mir bewarn
alsô daz si mit willen mir
erloub daz ich den dienest ir
diene als ich doch willen hân 158, 26.

auch bei Luther, halte mit dieser die wochen aus, so wil ich dir diese (Rahel) auch geben umb den dienst, den du bei mir noch ander sieben jar dienen solt Mos. 29, 27.
8. dienen für verdienen, im mhd. nicht selten, ist im nhd. verschwunden. noch im 15ten jh. bei dem Wolkensteiner,

los, hör mein don
schon
dient den lon
von ainer kron 24, 3, 3.

mhd. etwaz dienen für vergelten durch dienst, erwidern (Benecke 1, 369b) ist ganz auszer gebrauch gekommen.
9. selten für bedienen. du solt von mir getrewlich gedient und unbetrogen sein Bocc. 139. das höchste wesen kann auf eine art gedient sein wollen Kant 6, 360.
10. nähere bestimmungen werden mit präpositionen hinzugefügt. im mhd. dienen nâch minne, nâch hulde, ûf den wân, umbe wîbe gruoz Benecke 1, 368. 369. nach ist nicht mehr in gebrauch, wol aber auf und um, er dient auf avancement mit der aussicht eine höhere stelle zu erhalten. wer auf gnad dient, dem lohnet man mit barmherzigkeit dem gibt man nichts Henisch 699. wer auf urlaub dient, der thut seinem herrn kein guts mehr ders. ich wil dir siben jar umb Rahel deine jüngeste tochter dienen 1 Mos. 29, 18. 20. 25. um geld dienen Henisch 697. Frisch 1, 195c. diener dienen ihrem herrn umb järlichen sold Lehmann 143.
11. uneigentlich in der bedeutung von nützen, helfen, inservire; vergl. 4. einem in etwas dienen adjuvare aliquem in aliqua re Frisch 1, 195c. wenn sie einem mit einem gülden oder zween gedient haben Luther 5, 398a. sie war mit Venus pfeilen gar hart durch in (Florens) verwundet, denn so oft sie von andern sachen reden wolt, nennt sie Florensen der gar nicht zu irer rede dienet Buch der liebe 18, 1. das dient auf mein red nit Eulenspiegel 5.

die rennht (hüte beim rennen) msz man haben,
zum ritterschimpf allein,
dienen nit den alten knaben Bergreien 40, 5.

ein weiser dient der zeit richtet sich nach der zeit.
Fleming 71.

der mensch nur wandelt sich, vermummt sich immerdar,
ist diese stunde nicht der, der er jene war.
was dient ihm dann vernunft? sie hilft dahin ihm ein,
dasz er kan mit vernunft recht unvernünftig sein.
Logau 2. 2, 47.

[Bd. 2, Sp. 1107]


also war dieser auch gedienet dasz sie etwas von ihrer not schwatzen solte Chr. Weise Klügste leute 351.

der irrthum dienet dir, drum will ich dir ihn lassen.
J. El. Schlegel 1, 236.

wars ihr vielleicht mit dem bloszen verschlusz gedient? Schiller 193.

das schwert ist drunter, das mir dienen soll 459.

er liebt ein wenig,
damit ist mir nicht gedient
Rückert 301.

Tacitus war nicht einmal zum hofmanne der besseren gattung geboren und gebildet, er wollte nicht mit feinheit den umständen dienen sich ihnen unterordnen Schlosser Weltgeschichte 4, 339.
12. daran schlieszt sich die weitere bedeutung brauchbar, zuträglich, nützlich, passend sein, gereichen: häufig zu etwas, für etwas. das dient zum beweise, zum beispiel, zur erklärung, zur erläuterung, zur nachricht, zum vorwand, zum ersatz, zur entschuldigung, zur warnung. das haus dient nur zur sommerwohnung. das brett dient zur brücke. das baden dient zu meiner gesundheit. mein mantel dient mir zur decke. dieses pferd dient zum ziehen. die hohen augen (hochmut), die lügenhaftige zung, das seind zwei die mir da dienen (als beispiele) Keisersb. Sünden des munds 24b. es dienet uns z andacht, es dienet uns z trost 69a. nims von inen das es diene zum dienst der hütten 4 Mos. 7, 5. du redest gern alles was zum verderben dienet mit falscher zungen Psalm 52, 6. der man sucht nicht was zum friede disem volk, sondern was zum unglück dienet Jerem. 38, 4. die unnützen wäscher plaudern das nichts zur sache dienet Sirach 21, 27. denn traurigkeit tödtet viel leute und dienet doch nirgend zu zu nichts 30, 25. trat zu im ein weib, das hatte ein glas mit köstlichem wasser und gosz es auf sein heupt. da das seine jünger sahen, wurden sie unwillig und sprachen 'wozu dienet dieser unrat' Matth. 26, 8. wir wissen das denen die gott lieben, alle dinge zum besten dienen Röm. 8, 28. lasset uns dem nachstreben, was zum friede dienet und was zur besserung unter einander dienet 14, 19. die nichts dienen denn hader und ärgernus anzurichten Luther Briefe 2, 369. zu einer sach füglich und gelegen sein Maaler 90b. das wort dienet warlich auf dich oder reimpt sich dir wol 90b. es dienet alles ordenlich auf sie omnia in istum quadrare apte videntur 90c. die speis dienet dem magen nit 92c. unsere sitten und bärden dienend wol zsamen conveniunt mores das.

aber zum könig und zum herren
unsers reichs allerhöchsten ehren
weisz ich nicht ob ihr (pfau) dienen werd,
wie sehr ihr auch die federn sperrt.
Rollenhagen Froschm. T v.

die (bienen) uns mit honigmachen dienen G g.

bei Henisch 696. was dir nicht in deinen kromen (kram) dient laszt auszen. warzu dient dise grosze vorred? es dient und nutzt nichts zur sachen. es dient nicht alles zu jeder zeit. es dient nicht einem jeden ein jeder stand. kinder und thoren dienen nicht zusamen passen nicht zu einander. müszig sein oft zu groszem ubel dient.

warzu dienet gut
sonder mut?

was nit dient zu einem, kan zum andern wol gebraucht werden. was zu ehren nicht dient, ist auch nit von nöten zu lernen. zum sieg dient nur der glaube.

deinem herzen und dem monden, Volvulus, dient gar kein kleid:
beides bleibt nie wie es ware, wandelt sich zu aller zeit.
Logau 2. zugabe 121.

kein kraut dient für das tödten 3. 6, 13.

dasz ich oft nicht zwei oder drei thaler hab, wie solte das zur verkleinerung eines theologi dienen? Schuppius 586. welches (kräutlein) er betheuerte, dasz es kunte für ein hausapothek dienen 769. ob mir nicht dieses zu besserm glück dienen werde 791. alle menschen dienen nicht eben ins feuer, und es ist nicht jedermanns thun gegen das gefangnüs und schwerdt auszuhalten Butschky Patmos 57. worzu dienen diese klagen? Chr. Weise Jephtha 4, 1. kanstu nicht einem herrn unterthan sein, so dienstu auch nicht ein herr zu sein Olearius Arab. sprichw. 41. dasz ihr (hasen) zum streit gar nichts dienet ders. Lokmans fabeln 11. diese höle dient ihm anstatt eines hauses Frisch 1, 195c.

[Bd. 2, Sp. 1108]


oft dient ein wilder muth sich selbst zum hindernis.
J. El. Schlegel.

das dient der sache nicht (gehört nicht dazu), antwort auf was wir fragen
A. Gryphius 1, 28.

eine oberfläche die dem körperlichen raum nicht zur grenze dienen kann Kant 3, 121. nach Leibnitzens meinung müssen nothwendig alle unvollkommenheiten in der welt zur vollkommenheit des ganzen dienen Lessing 5, 21. so dienet es von einer andern seite mehr meine meinung zu bestärken als zu widerlegen 6, 437 anm.

ein fächer,
mit Amors siegen bemahlt, dient seiner schneeweiszen hand
für schwert und lanze, für bogen und köcher.
Wieland 4, 14.

es muszte Bellyn dir zum boten
dienen
Göthe 40, 152.


Es wird auch wol dazu, hierher zugefügt, der graben dient dazu das wasser abzuleiten. die warnung dient dazu ihn vorsichtiger zu machen. lies dasselbige capitel, denn es dienet hieher, wie die rechte glosse Luther 3, 241. denn es ist ein merklich geschicht mit dem vertriebenen könige und dienet eben wol hieher alle andere zu warnen 3, 322b. ah, das sind eitel lutherische thedinge, nihil ad propositum, dienet hieher nicht 5, 222a. also möchte das liedlein auch hieher dienen,

der kuckuck ist zu tod gefallen
von einer hohen weiden,
wer wil uns den somer lang
zeit und weil vertreiben? 8, 237a.

was er (der krieg) brachte für beschwer
dient zu sagen hier nicht her.
Logau 2. 2, 50.

im 16ten und 17ten jahrh. auch daher, dahin dienen, denn auch die schrecklichen historien gottes zorns dahin dienen, das u. s. w. Luther 8, 340b.

theils sucht man wissenschaft nur blosz zu schlechtem wissen,
und dieses dient dahin den fürwitz nur zu büszen.
Logau 2. 1, 43.

gar zu vil complimenten dienen nicht daher Butschky Patmos 682.
13. antworten, durch eine antwort erläuterung, aufklärung geben. auf Ihren brief werde ich nächstens in freundlicher antwort dienen. damit Ihr diese sprüche recht verstehen könnet, sollen wir euch weiter dienen, nemlich in der erklärung derselben Frisch 1, 195c. meinest du dasz ich dieserwegen eine vorrede halte? nein, keineswegs. lasz dir aber dienen höre meine antwort, vernimm meine gründe Felsenburg 1. vorr. 3.

wenn jemand ferner sagt —
darauf dient wiederum
Opitz.

was also Ihre frage betrift, mit der Sie mich angehen, so dienet in antwort dasz wir nicht nur wissen müssen wovon wir reden sondern auch was wir reden Siegfried von Lindenberg 1, 140. 'wer ist Sie?' fragte die gräfin. 'eine schauspielerin, Ihro excellenz zu dienen' war die antwort Göthe 18, 238.

A. 'wo seid Ihr her, hochgelahrter herr?'
O. 'von Frankfurt, Ihro eminenz zu dienen' 42, 44.

das ist freilich der hauptpunct, brüderchen, und auf den werde ich dir gleich dienen können 19, 147.

jäger. sagt mir was meint er mit dem göckelhahn,
den der feldherr nicht krähen hören kann?
es war wol nur so gesagt ihm zum schimpf und hohne?
wachtmeister. da will ich euch dienen. es ist nicht ganz ohne.
der feldherr ist wundersam geboren:
besonders hat er gar kitzliche ohren,
kann die katze nicht hören mauen,
und wenn der hahn kräht, so machts ihm grauen.
Schiller 325b.

im niederd. sagt man einem andenen kund thun, zumal eine verdrieszliche sache. ik hebbe em andenet dat he moste dat hus rümen Brem. wörterb. 1, 196.
Man gebraucht es auch um anmaszende behauptungen abzuweisen, einen abzufertigen. wart! ich will dir dienen. er wollte allein einsicht in diese sache haben, aber es ward ihm gehörig gedient.
Endlich drückt es als höflichkeitsformel eine blosze bejahung aus. Sie sind seit einem jahr hier? ist das ihr sohn? zu dienen oder zu dienen, ja. so bei Gotter 3, 180.
14. sprichwörter.

wer do dient, der dient servis non est otium.
Eyering 3, 562.
Henisch 699.

[Bd. 2, Sp. 1109]


bei Henisch 696—699. regieren ist adelich dienen.

diene lang und hersche nicht,
so verleurstu deines herren hulde nicht.

dien mir und schaw darnach umb ein der dir lohnt. die noth dienet dem menschen und bricht das gesetz. eine glocke und schelle dienet andern und höret und versteht selber nichts. einem weisen witzigen knecht musz der herr dienen, müssen auch edelleut dienen. es dient so mancher guter mensch als mancher brot auflegt. fromme leut können wol zu hof dienen, aber schwerlich fromb bleiben. gott dienen hindert nichts.

gott ist der herr, wir seine knecht,
wer ihm gehorcht, der dienet recht.

mit viel beten dient man den leuten oder der sach mehr dann mit widerschelten. niemand wird zu dienen getrungen, der zu sterben bereit ist.

reich ist wem dient sein gelt,
arm ist wer dienet dem gelt.

trew gedient, wol gelohnt. wer dem altar dient, der soll auch vom altar essen seinen unterhalt haben. wer der gemein dient, der hat einen bösen herrn. der vilen dient, der dient niemand. wer der welt am besten dient, dem lohnet sie am ubelsten. wer der zeit dient, der dient ehrlich. wer einem andern dient, der wart keines danks.

wer dient bisz das er wird unwerth,
dem ist undank zu lohn beschert.

wer sein eigen mann sein kan, der dienet keinem andern. wer wol dient, dem wirt wol gelont. bei Lehmann 141 folg. ein herr hat wol in obacht zu nehmen dasz ihm nicht allein mit dem mund und leib sondern mit herzen gedient werde. dienen und nichts verdienen füllt nicht den sack. dienen und undank verdienen thut weh. man dient lieber in güldenen als eisenen ketten. die gülden ketten binden härter als eisen. wer schlechten heiligen dient, der ist leicht so werth als sie. wer einem geizigen herrn dient, der hat davon gröszer beschwernus als vom zahnwehe. wer allen heiligen (einer gemeinde) dient, der dient niemand. die allen heiligen dienen haben kalte küche: sie werden mehr beräuchert als bereicht. wer dient der gemeind, der ist allermans knecht, jedermans esel.

allermans knecht
kans nicht jedem kochen recht.
wer dient der gemeind und similibus horum,
der hat undank in fine laborum.

wer keinem herren dient, der ist herr mit (ist halber herr Simrock 1622). wer der welt dient, der scheidt endlich mit herzeleid auszm haus. besser ist dienen einem reichen kargen als willigen armen. der einem narren dient, hat sein dank und lohn schon empfangen. besser ists bawren dienen als groszen herrn: die bawren müssen zahlen, oder kosts ihn kühe. groszen herrn dienen ist sein freiheit verkaufen. bei Simrock, wer dient ist so gut als wer lohnt 1614. es ist eine schande lange dienen und doch ungeschickt bleiben 1626. wer mir dient, den nehm ich vom galgen, und wenn er mir nicht mehr dienet, hänge ich ihn wieder auf Kirchhofer 145.
15. s. abdienen. andienen. ausdienen. bedienen. verdienen.
 
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dienend, serviens Henisch 697. in diender weise Theol. deutsch 4. ebenso ward im mhd. das partic. präs. verkürzt in diende, s. Benecke 1, 368. mit vil worten, doch nit zur sache dienende Kirchhof Wendunmut 466. wir waren auch weiland unweise, ungehorsam, irrige, dienend den lüsten und mancherlei wollüsten Epistel an Titum 3, 3. als er als herr der schöpfung an die dienenden sich ausgesprochen hatte Herder.

als dienendes glied schliesz an ein ganzes dich an.
Schiller 90b.


 
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diener, m. servus. goth. þius, ahd. deo, mhd. dienære, ags. þeóv, niederl. dienaar, altn. þŷr, þiôn, dän. tiener.
1. gottes diener, der seinen geboten und vorschriften folgt, sich ihm unterwirft.

wir (Enoch und Elias) sein des waren gotes diener. Fastnachtsp. 594, 4.

kere dich von dem grim deines zorns und sei gnädig über die bosheit deines volks. gedenk an deine diener Abraham, Isaac und Israel 2 Mos. 32, 12. 13. meine augen sehen nach den trewen im lande, das sie bei mir wonen, und hab gerne fromme diener Psalm 101, 6. lobet den herrn alle

[Bd. 2, Sp. 1110]


seine heerschaaren, seine diener, die ir seinen willen thut 103, 21. ir aber sollet priester des herrn heiszen und man wird euch diener unseres gottes nennen Jesaia 61, 6. mein kind, wilt du gottes diener sein, so schicke dich zur anfechtung Sirach 2, 1. lasset uns aber niemand irgent ein ergernis geben, auf das unser ampt nicht verlestert werde, sondern in allen dingen lasset uns beweisen als die diener gottes in groszer geduld, in trübsalen, in nöten, in ängsten 2 Corinther 6, 3. 4. gottes diener verachten, ist gott selbs verachten Henisch 700. man soll unsern herrn gott in seinen dienern zufrieden lassen das. wer gott liebt, der liebt auch seine diener das.
Christi diener, der ihm nachfolgt, christlich lebt, die lehre des evangeliums verbreitet. dazu bin ich dir erschienen, das ich dich (Paulus) ordne zum diener und zeugen des das du gesehen und das ich dir noch wil erscheinen lassen Apostelg. 26, 16. das ich sol sein ein diener Christi unter die heiden zu opfern das evangelium gottes Römer 15, 16. da fur halte uns jederman nemlich für Christi diener 1 Cor. 4, 1. auch knechte Jesu Christi Phil. 1, 1. er würt ein diener des tüfels Keisersb. Sünden des munds 42b. denn solche falsche apostel und trügliche arbeiter verstellen sich zu Christus apostel, und das ist auch kein wunder, denn er selbs, der satan, verstellt sich zum engel des liechtes. darumb ist es nicht ein groszes, ob sich auch seine diener verstellen als prediger der gerechtigkeit, welcher ende sein wird nach iren werken 2 Cor. 11, 14. 15. s. götzendiener.
2. der sich bösen neigungen ergibt. s. DWB augendiener. bauchdiener.
3. der aus freiem willen sich anhänglich, gefällig, liebreich, treu erweist.

ir (der geliebten) diener wil ich iemer sîn MS. 2, 17a.

ir (der jungfrau) diener der ich wolt sein Bergreien 52, 1.

doch getrau ich euren genaden wol,
ir laszt mich durch eur lieb genesen,
wan ich allzeit eur diener pin gewesen. Fastnachtsp. 591, 9.

ir solt mir geben Laurin,
so wil ich iuwer diener sin Laurin 1020 Schade.

sein getreuer diener der als freund ihm gedient hatte Bocc. 190.

erst war ich der diener, nun bin ich der knecht.
erst war ich der diener von allen,
nun fesselt mich diese scharmante person
Göthe 1, 137.

es war das erstemal, dasz sich ein freund, ein liebhaber, ein diener um sie bemühte 17, 325.

der negromant von Norica, der Sabiner,
ist dein getreuer ehrenhafter diener 41, 269.

prinz, dieses mistraun. Sie verkennen Ihren
getreusten diener
Schiller 244.


4. der in untergeordneten verhältnissen gegen lohn dienste leistet, für eine bestimmte zeit (bedienter) oder in besondern fällen (administer). diener umb gab mercenarius Vocab. incipiens teuton. 4a. diener oder knecht, der für und für auf seinen herrn wartet, acoluthus Henisch 700. ein diener der den kindern die bücher in die schl nachträgt, capsarius ders. mit des dieners kleid angelegt oder bekleidet, veste famulari indutus ders. untergebener diener, der einem andern gehorsamen musz, minister vicarius ders. so kammerdiener, gerichtsdiener, kirchendiener, amtsdiener, schuldiener, silberdiener, hofdiener, stadtdiener, rathsdiener, ladendiener. wie seine diener (dienern steht da, als wenn die schwache declination zulässig wäre) ausz bettlern und schurken reiche leute werden Schuppius 19.

der redliche diener
bringt hasen und hühner
Göthe 1, 42.

Bacchus kümmert sich, der weichling, wenig um den treuen diener (winzer) 1, 248.

du bist der oberste von allem hofgesinde,
bei deren innerm streit ich schlechte diener finde. 41, 289.

ein alter diener naht von zeit zu zeit,
der einzge bote zwischen kind und mutter
Schiller.

ich bitte (sagt die königin) meine diener ungekränkt
nach Schottland zu entlassen oder Frankreich 444a.

und weil mein leichnam
nicht in geweihter erde ruhen soll,
so dulde man dasz dieser treue diener
mein herz nach Frankreich bringe zu den meinen 444a.


5. der ein öffentliches amt verwaltet, der beamte. diener der kirche, des göttlichen wortes, des evangeliums geistlicher, prediger, minister, minister verbi. wer gute vermahnung verachtet, der verachtet nit menschen sondern

[Bd. 2, Sp. 1111]


gott, der seinen dienern seinen heiligen geist gegeben hat Henisch 700. je gröszer ist die ehr eines dieners des evangelii, je gröszer ist auch die fahr und verantwortung vor gott 701. diener am wort Winkelfelder 192. eine kirche, auf das letztere principium gegründet, hat nicht eigentlich diener (ministri) sondern gebietende hohe beamte (officiales). diese verwandeln den dienst der kirche in die beherschung derselben Kant 6, 346.

und ihr (sagt die königin Maria zu Melvil), mein diener einst, seid jetzt der diener
des höchsten gottes und sein heilger mund
Schiller 443.

bei staatsdienern gibt es verschiedene abstufungen des ranges.

ir (der kaiser ist gemeint) habt verlorn manchen man,
ritter, knecht und auch diener Fastnachtsp. 600, 28.

der kaiser spricht,

rat an, ritter Degenlein,
du pist allweg der diener mein 599, 19.

herr Entechrist, herre mein,
wie gar gewaltig schult ir sein
mein und meiner diener 602, 18.

doch der könig versetzte darauf 'wie kann es euch wundern
dasz ich Reineken gram bin, dem diebe, der mir vor kurzem
Lampen getödtet, Bellynen verführt und frecher als jemals
alles läugnet und sich als treuen und redlichen diener
anzupreisen erkühnt?'
Göthe 40, 154.

überm herscher
vergiszt er (Wallenstein) nur den diener ganz und gar.
Schiller 335b.

wol ständs zu ändern, meint die königin,
wenn sie nur aufmerksamre diener hätte 415.


6. in höflichkeitsformeln, er nahm abschied von der gesellschaft und machte einen diener verbeugte sich. man sagt zum knaben geh und mache dem herrn einen diener. adieu! diener, meine herrn und damen! Göthe 57, 187. Ihr diener, mein herr Kotzebue Dramat. spiele 2, 263. mit steigerung, ergebener, gehorsamer, unterthäniger diener, zumal bei den unterschriften in briefen.
7. ironische ablehnung, verweigerung, gehorsamer diener, daraus wird nichts, das geschieht nicht. o gehorsamer diener, gehorsamster diener, davon reden wir ein andermal Lenz 1, 220. sein wort gilt viel: meinst du sonst würde ich seinen pudel auf meinen sofas liegen lassen? gehorsamer diener Kotzebue Dramat. spiele 3, 233.
8. in der artillerie heiszt diener oder knecht eine kugel oder vielmehr eine walze mit einer eisernen spitze, die, wenn sie aus dem mörser abgeschossen ist, beim niederfallen sich selbst spieszt.
9. sprüche und sprichwörter. bei Henisch 701 es gehört kein diener in die welt, dann der teufel und sein mutter. treuen dienern soll man wol lonen. ein treuer diener ist ein schatz im haus, der mit geld nicht zu bezahlen ist. ein trewer diener hat zehen hend und herren die nach ihm trachten. Elias wagen wartet auf alle trewe diener in gottes groszem hause: wann sie sich müd gezogen haben, so spannen die engelichen (engelchen) wider an und führen sie heim ins ewig leben. trewen dienern spart gott den dank zusammen. was man gibt einem trewen diener, das ist alles zu wenig: widerumb, was man gibt einem untrewen, ist alles zu viel. was man an trewen dienern erspart, das geht an galgen und macht das man desto weniger trew gesind find.

wer einem dient und thut ihm recht,
den helt man für ein trewen knecht.

wer einen trewen diener hat, der hat ein schatz im haus. wer einen untrewen diener hat, der hat einen dieb und feind im haus, für dem er sich nicht hüten kan. der grosze gott Mammon hat vil diener. wunderliche diener bleiben ihr leben lang bettler. der diener kan und soll nit besser haben dann sein herr. dienern soll man nicht zu vil gewalts lassen. ein herr der lust hat zu liegen (lügen), des diener seind alle gottlos. es musz ein diener leiden vil.

ein diener wird gehasset sehr,
wan er gescheider ist dann sein herr.

fürsten müssen ihrer diener knecht sein. herren müssen diener haben. je höher der herr ist, je werder man seine diener helt in der welt.

vil besser ist eines allein
dann viler herren diener sein.
einem kan man leichter gefallen
dann im haufen ihnen allen.

[Bd. 2, Sp. 1112]


wann die herren können regenen, so können die diener auf holzschuch gehen sie können sich dagegen schützen. wie die götzen sein, so sein auch die diener. bei Lehmann 138—146 ein diener soll in seines herren gegenwart nit vil reden. ein diener der da weisz wie er eim hund soll ein bett machen und wie er jedem dienen soll, der kan uber berg und thal kommen. ein diener soll in schweren spitzen geschäften die krebs mit seines herrn handschuch ausz den löchern ziehen, sonst wird er die hände ohne schaden nicht davon bringen. herren stellen oft ein diener an, wie der aff die katz, dasz sie mit dem pfoden die gebratene keste auszm fewer musz scharren, drumb mag der diener wol auf vortel gedenken 139. wer eins andern brod iszt, der musz auch dessen willen gehorsamen. der diener musz mit seines herrn augen sehen, mit seinem mund reden, mit seinen füszen gehen. thut der diener nit was der herr heiszt, so thut er doch was sein will ist. diener seind der herren und obrigkeiten augen, ohren, mund, händ und füsz. ein getrewer diener ist im haus ein kleinod. der diener trew und redlichkeit ist eines haus und lands grundvest. getrew diener findet man nicht auf dem grempelmarkt. ein diener der sein bestes thut, und der herr es dafür helt, er thu nicht genug, der zeucht wie ein müder ochs. ein herr soll seine diener nicht für calendermacher halten, die seinen willen an der stirn könten sehen, wie die calendermacher das wetter am himmel. diener seind wie rechenpfennig, wie sie der herr legt, hoch, nieder oder mittelst, so gelten sie. wenn der herr nicht daheim ist, so kan er destomehr seines dieners trew erkennen. etliche diener können nichts denn bellen und beiszen, doch ist ihnen mehr zu trawen als den augendienern die trew sein vorm gesicht und tragen den schalk aufm rücken. ein herr hat keinen ärgern feind als einen diener der mit unwillen von im scheidt. mancher herr machts mit seinen dienern wie ein spieler mit karten, wechseln die oft ab und meinen bei einer sei besser glück als bei der andern. warumb ein diener pflegt zu dienen? einer dient umb gewin, der ander umb ehr. ehr und lohn machen getrewe diener: wenn dem diener ehr und guter lohn abgeschnitten ist, so ist der trew und beflissenheit das liecht auszgeblasen. diener dienen ihrem herrn umb jährlichen sold, sie lieben aber die herren umb gnädige milte gaben. ein diener dient umb geld und nicht umb dankhab danksagung. guter lohn, getreuer diener. als man pfalzgraf Casimiro sagte seinen dienern wüchsen die federn, gab er zur antwort 'welcher diener ihm selbst nicht nutz ist, der nutzt auch seinem herrn nicht'. wie der heilig, so der diener. es wärmt sich einer oft, aber musz dabei viel rauch fressen: mancher diener wärmt sich beim fewer, dasz ihme die augen davon schwitzen. den dienern gehts wie eim newen kleid, so hat mans gern, wird es alt, so wirds veracht. zwischen herr und diener ist ein unterscheid als wie zwischen einem leib und schatten des leibs: doch erstreckt sich oft der schatten und macht sich gemeinlich gröszer als der leib. der abt ist zuvor auch ein diener gewest. die herrn haben diener, die tyrannen schlaven. bei Simrock, wenn der diener reich wird und der herr arm, so taugen beide nichts 1604.

alte diener, hund und pferd
sind bei hof in gleichem werth 1605.


 
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dienerei, f. dienerschaft. dienerei und stalleute giengen paarweise Hippel 8, 396. die hofkellerei, schlächterei, fischmeisterei, kastellanei und dienerei J. Paul Hesp. 2, 42.
 
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dienergefolge, n. dienerschaft die den herrn begleitet, wie dienertrosz.

dieses dienergefolg meldet den herrscher mir an.
Schiller 75b.


 
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dienerhaus, n. wohnung für die dienerschaft. die guten waren nicht in der länderkunde fest und hielten jene städte (Anspach und Baireuth) oder fürstenthümer für nahe dienerhäuser, vorwerke und wirthschaftsgebäude von Brandenburg J. Paul Kom. anhang zum Titan 1, 66. der die weltkugeln für die dienerhäuser eines einzigen erbärmlichen ichs ansieht ders.
 
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dienerheer, n. grosze dienerschaft.

fruchtlos horcht auf seine winke
rings ein dienerheer
Meiszner.

[Bd. 2, Sp. 1113]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dienerin, f.
1. ancilla, famula, goth. þivi, mhd. diu und dienerîn, dienerinne Ben. 1, 371. dienstmagd Maaler 90c, Henisch 700. aber sie hat gewöhnlich eine etwas höhere stellung, dienerin die der frau aufmutzt ornatrix, implicatrix Schönsleder L.

da sprach die edle königin
'wolauf, ir all mein dienerin' Laurin 1632. 1666. 1818.

Alhait, liebe dienarin mein,
nim die schlüssel zu dem schrein Fastnachtsp. 501, 24.

wer gegenwarts der frau die dienerinnen schilt,
der gebietrin hausrecht tastet er vermessen an.
Göthe 41, 190.

empfange gnädig deine treue dienerin ders.

Epim. du formtest frauen, keineswegs verführerisch.
Prom. doch formt ich sie aus zarterm thon, die rohen selbst.
Epim. den mann vorausgedenkend, sie zur dienerin 40, 402.

o, falle nicht mit ausgeartetem verlangen
zu ihren (der kunst) niedern dienerinnen ab.
Schiller 22b.


2. gotes dienerin nennt Paulus die obrigkeit, wilst du dich aber nicht fürchten vor der oberkeit, so thue gutes, so wirst du lob von derselbigen haben, denn sie ist gottes dienerin dir zu gut Röm. 13, 4.

das musz die obrigkeit verschaffen,
die gottes dienerin genent
Eyering 1, 480. 3, 14.


3. höflichkeitsformel, bei dem antritt und abschied, Ihre dienerin. Ihre dienerin, meine frauenzimmer, Sie kommen beizeiten Göthe.
 
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dienerisch, adj. jetzt trat nach dem dienerischen abendroth (ein bedienter in rother livrée) wirklich der reiter aus dem dichten laubholze hervor J. Paul Flegeljahre 1, 155. in dienerischem fleisz Lenau Faust 69.
 
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dienerlich, adj. in den verhältnissen eines dieners lebend. auf diese art gieng mein vater von seinem 18. bis 21. jahre durch eine tüchtige schule des lebens und hatte sich bei dem aufenthalte in groszen städten und unter fremden menschen, obgleich nur ein dienerlicher mann, die art eines gebildeten und gewandten mannes zugeeignet E. M. Arndt 4.