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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
diechweh bis dielenbeiszer (Bd. 2, Sp. 1099 bis 1102)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) diechweh, n. hüftenschmerz. ruckenweh, diechweh Paracelsus Opp. 1, 304.
 
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diegen, s. gediegen.
 
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diehn, falco communis Nemnich.
 
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diejenigediejenigen, s. derjenige.
 
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diele, f. ahd. dil, dili, dilo, tille Graff 5, 133. mhd. dil schwaches m., starkes und schwaches f. dile, dille starkes und schwaches f. Benecke 1, 331. dele f. Eilharts Tristan 208. 3234. 3289. till, tille f. Wolkensteiner 6, 136. dul, duhl, tüll n. tulle im 14 ten und 15 ten jahrhundert, beispiele bei Frisch 1, 195b und Schmeller 1, 442. dele oder dille Voc. theut. 1482 e 7a. tiel, thile Alberus Diction. Z iij. qq iij. kk iij. diele Dasyp. 14b. 315a. 326. tiel Frischlin 326. dül schwaches f. Seb. Frank. diel, dil, diele Henisch 695. diel, tiel, dehl f. diele f. Stieler 289. in Schwaben dill n. Schmid 126. in Baiern dillen f. sing. Schmeller 1, 365. in der Schweiz diel, dill, till

[Bd. 2, Sp. 1100]


n. und diele, dilli Stalder 1, 282. till m., tile, tille f. Tobler 138. niederd. dele und dale Brem. wörterb. 1, 194. 195. niederl. deel. angels. þil n. þilia f. engl. deal. altnord. þil, þili n. þilia f. Biörn 496.
1. brett, assis, bohle. so im ahd. mhd. ags. und altn. planca. die stärkern baumstämme werden zu dielen gesägt, geschnitten. die gartenwand ist aus dielen zusammengeschlagen. man täfelt das zimmer mit dielen. man hat einen platz mit dielen belegt. dyl oder bol pluteale Voc. theut. 1482 e 8b.

mich taucht wie ich in herzenleid
ins meer auch wurf ir (der Kalypso) seidenkleid,
blosz nacket auf einer dillen schwem
und ein sehr groszer strudel kem
H. Sachs 1, 310c.

die thiel, weil sie zu dick sein zu durchbohren, lassen wir sie liegen Lehmann 120. flache tiel pl. plancae Alberus Diction. qq iij. eichene dielen, breite dielen pl. Steinbach 1, 269. sie mögen auch dielln auf ihren sägmühlen schneiden Lori Bergrecht 605. ortdiele asser exterior Steinbach 1, 269. sprichw. dielen nach Norwegen schicken wasser ins meer tragen.
2. der bretterne fuszboden eines zimmers, der estrich; s. Benecke 1, 331. pavimentum Henisch 695. Reinwald 1, 19. Stalder 1, 282. Tobler 138. Liefländ. idiot. (von Hupel) 49. auch im pl. die dielen. niederd. sagt man zur unterscheidung dale und nennt auch so den fuszboden, wenn er nicht mit dielen belegt ist, sondern aus festgestampftem lehm besteht Brem. wörterb. 1, 195. die diele des wohnzimmers ist ausgetreten und musz neu belegt werden. die kugel rollte von dem tisch auf die diele.

sô wil ich mit wîzem mele
beströuwen gar die dele
Eilharts Tristan 3234. 3289.

sie heten unverdrozzen
die diln (in der badstube) wol begozzen.
Helbling 3, 28. 58.

grosz ritzen waren in den dielen,
dadurch die körner abhin fielen
Wolgemut 2, 368.

sein (des königs) gemach oder saal nur von bambus ausstafieret und die dele mit matten belegt Olearius Orient. insuln 148. das kind sitzt auf der diele Steinbach 1, 269.

und (in der jahrmarktsbude) auf dielen wol verschanzt
die schellenkapp wird aufgepflanzt
Göthe 13, 56.

nicht zu einem bloszen spiele
fuhr ich dich auf diese diele,
sondern recht zu wahrem ernst
Rückert 226.


3. die hausflur, der vorhof. in den kaufmannshäusern musz die diele vor den wohnzimmern geräumig sein, um platz für ballen und waarenkisten zu haben. die mädchen verlieszen das zimmer und tanzten auf der diele.

die burschen und mädchen des dorfes
brachen maien und schmückten das haus und die ländliche diele
Hölty 59.

bald hörten die schwestern
drauf die todtenuhr in der kammer pickern und sahen
auf der diele den sarg und den pfarrer im mantel daneben. das.

wär ich doch auf Veltens diele,
schatz, für dich ein bündel stroh!
nagt ich, ach, mit süszem spiele,
dir dein leder als ein floh! ders. Petrarchische bettlerode str. 4.

auf der diele seines eigenen hauses Tieck Ahnenprobe 98.
4. die zimmerdecke, im südlichen Deutschland gleichbedeutend mit bühne Alberus kk iij. ein büne, dille contignatio Dasyp. 279a. tile, tille stubendecke Tobler 138. er reicht mit der hand bis an die diele des zimmers. macht ein creuz an die düln oder balken im haus S. Frank in W. Wackernagels lesebuch 3. 338, 15.

darunter (unter dem badofen) brann ein groszes fewer
das es aufschlug bis an die dillen
H. Sachs 1, 356d.

ein traum gar wunderlich erschrecket mich:
mich daucht ich sech hinein
gehn bei des mones schein
ein kreftig groszen man,
stiesz an der dillen an
nach eines recken art 1, 396b.

des er gewar ward an der deck,
klebt oben an der dil der dreck
Eyering 1, 591.

gettert (gegattert) diele oder büne tignum, lacunar laquear Henisch 696. wo sowol die fuszböden als auch thilln oder decken von holz sind Freising. feuerordn. von 1719. grad anrühren darf mans diendl, so hebts die musik schon hinauf

[Bd. 2, Sp. 1101]


bis an die dihlen, da lachen dann die stadtleut wenn die kurzen kittel so auf die höhe fliegen und haben eine freud daran Schmeller 1, 365. raumdilen boden über der dreschtenne das.
5. schlafkammer über der wohnstube Schmeller 1, 365. sie ist auf der tille Tobler. s. dielenkammer. auch der obere boden des hauses Benecke 1, 331a.

ich kam dir eins auf meins vater dillen,
do lagen epfel, ruben und pirn Fastnachtsp. 72, 14.

das hew auf die dillen auf einander legen Henisch 695. sonstige behältnisse, heudiele heuboden, scheiterdiele holzschoppen Stalder 1, 282.
6. brett zu besonderm gebrauch eingerichtet. in folgender stelle wol bücherbrett,

wo an des hausrats statt, was finstern gram besiegt,
begriffner bücher zahl auf tisch und tielen liegt.
Lessing 1, 291.

die kelterdille tabulae torculares Henisch 695. katzendiln kleine altane am giebel eines oberländischen bauernhauses Schmeller 1, 365. käsdiele, auf welche der neue käs gelegt wird, und um welche eine furche geschnitten ist, damit die schotte (nachmolke) herabrinnen kann Stalder 1, 282.
7. wand, bretterwand Benecke 1, 331.

dillen und wende Gesamtabenteuer 2, 185.

ein kleinez rüetelîn, daz ob iu stecke in dem diln oder in der want Berthold 216. daher die bretterne seitenwand eines schiffes; s. zum Rolandslied 147, 14. ein zaun von brettern, gartendill Schmid 126. dann statt der mauer eine schutzwehr von bohlen um die stadt oder das dorf. ahd. dil pluteus Graff 5, 133. gl. Wiesbad. 36. diel oder schirmbrett pluteus Dasyp. 187c. 314a. unde hât diu stat eine mûren, die sol man ûf die erden brechen: oder hât si tülle, den sol man daz selbe tuon Schwabensp. 116, 14 Wackern. wenne die burgk widerumbe gebuwen wird mit getulle oder mit zinnen Jus alem. feud. c. 45, 2.

bî den werken gegen der stat
mit dilen man geblanket hât. Ludw. v. Thüringen 7587.

dasz sie ire dörfer bewaren mögen mit wighüsern, zunen, dullen und erkern kaiser Rupert privilegium ordinis teutonici von 1403. der rath liesz ein starkes dill um den bau der vestung machen und schieszlöcher darein schneiden Nachricht von Nürnberg 384. man machte von starkem holz ein geschlossenes gedill und legte hakenschützen darein das. weitere beispiele für diese bedeutung von tül und tulle bei Schmeller 1, 442. so auch umbetüllen communire, Willestet was gar wol mit wighüsern und mit graben umbetüllet Königshoven c. 4, 57. schon im 12ten jahrh. wird umbetüllen uneigentlich für umgeben, umfassen gebraucht,

mînen geist armen und barn
sach ich von des tiuvels scharn
allenthalben umbetüllet Servatius 3469.

beispiele aus Konrad von Würzburg hat Haupt zum Engelhart 1916 zusammengestellt, wozu noch Liedersaal 3, 319 kommt.
8. der festgestampfte lehmboden einer scheune, die scheundiele, scheuntenne, area horrei. im holsteinischen heiszt sie landdeel zum unterschied von der wohnhausdiele Schütze Holstein. idiotikon 1, 210. s. DWB dreschboden. dreschdiele.

was auf der diehl gedroschen liegt
Brockes 7, 571.

wenn die drescher erst die diele
hinab und dann herauf gedroschen 8, 308.

die deele dreschplatz im hause Möser Phantasien 3, 151.
9. in der Lausitz heiszt diele im ackerbau der feste erdboden unter der dammerde Adelung.
10. in Hamburg herrendeel das gerichtszimmer des richters, der prätoren und zweier herrn des raths, welche polizeimeister sind Oberlin 239. Schütze Idiot. 1, 211. up de del gan comparere in judicio Stieler 289. in Holstein ist deel auch ein gericht welches geringe sachen entscheidet, wie geldsachen unter fünf thaler Schütze Idiot. 1, 241. s. dielengericht.
11. das genus des worts ist im ahd. nicht zu erkennen, im mhd. schwankt es zwischen m. und f. im 14ten jahrh. tritt auch das n. hinzu, das in den mundarten noch fortdauert. im nhd. stellte sich etwa gegen das ende des 17ten jahrh. diele fem. fest. der wurzelvocal bleibt im ahd. und mhd. unverändert i, doch erscheint schon im 12ten jh. umbetüllen in der eben angeführten stelle aus dem Servatius 3469. vom 14ten

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jh. an wechselt u, ü, i, ie, bis im nhd. ie die oberhand behielt. erwägt man ferner das schwanken zwischen der starken und schwachen declination, so hat es den anschein als ob verwandte, aber ursprünglich doch geschiedene formen seien untereinander gemischt worden. merkenswerth ist es, dasz im ags. und altnord. þil n. und þilia f. auseinander gehalten und im niederd. dele brett und dale fuszboden unterschieden werden.
12. Adelung und Diez Roman. wörterbuch 734 bringen das franz. tillac, span. tilla, portug. tilha mit diele in verbindung: es heiszt das verdeck eines schiffes, also bedeckung mit bohlen. aber wir müssen wol, um zu der eigentlichen bedeutung zu gelangen, ein verlorenes starkes verbum dille, dal, dullen (vergl. Gramm. 2, 57) annehmen, wodurch sich der wechsel des vocals erklärt. ein altes, mythologisches wort der dillestein bezeichnet die grundfeste, auf welcher die erde ruht, und die bei dem ende der welt zerbricht; vergl. Konrads v. Würzb. Gold. schmiede 33. Deutsche mythologie 766. dies führt darauf jenem verbum die bedeutung von befestigen, durch grundlage sichern beizulegen. dazu stimmen die unter 7. 8 und 9 entwickelten begriffe. auch ist noch anzuführen thil ima pars navis Graff 5, 133, der kiel, schiffsboden, auf dem das ganze ruht.
 
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dielbaum, m. tylpawm oder groszbret oder himlitz oder getafelt ding, tabulatum Voc. theut. 1482 gg 3a. tilböume pl. trabes in quibus tabulatum jacet Frisch 1, 195b.
 
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dielblock, m. s. dielenblock.
 
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dielbret, n. schreibbret, pluteolus. delebret oder pulpret, pluteus Voc. theut. 1482 e 7a.
 
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dielen, mit brettern belegen, asseribus contabulare, ahd. gadillôn Graff 5, 133. mhd. dillen Benecke 1, 331. altnord. þilia, ags. þiljan. ich tiel contabulo E. Alberus Diction. qq iij. dielen contignare asseribus Henisch 696. Frisch 1, 195.

swer kostelîche ein schœne hûs
mit holze rehte entworfen hât,
die siule grôz, die wende starc
ûf dremel wol gedilet stât MS. 2, 160.b

der ort, so gedielet ist Steinbach 1, 269. eine stube mit eichenen brettern dielen ders. er dielte das ganze haus mit schmalen brettern ders.

ir weltbeherrscher, besetzet das meer,
zerschmettert die mauren und dielet das meer.
Günther 965.

der in kammern pflaster setzt und nur die säle dielet.
Hagedorn 1, 22.

die straszen mit halben balken gedielt und gebrücket Kotzebue. uneigentlich,

zwar (l. zwen) smale füszlin als ein schilt
treit si in paiden schuehen,
darob zwei painlin, klein gedilt,
recht als ein dicke puehen.
Oswald von Wolkenstein 4. 3, 14.

in weiterer bedeutung heiszt es auch den boden fest machen. die wege sind oft schlecht gedielt. s. abdielen, ausdielen, bedielen, verdielen.
 
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dielen, n. contabulatio Frisch 1, 195b. Steinbach 1, 269.
 
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dielenbeiszer, m. blatta Nemnich Wörterb. 107.