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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dieberei bis dieblein (Bd. 2, Sp. 1091 bis 1092)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dieberei, f. sowol der einzelne diebstahl als die häufige wiederholung desselben, diebshandwerk, hang und neigung zum stehlen. altfries. deverie Richthofen 1072. mhd. dieberîe Benecke 1, 325. engl. thievery, dän. tyveri. dieberei oder diebstal Vocab. incip. teut. d 2. dieberei von gemeinem und offenen gut das. d 3. Voc. theut. 1482 e 7b. dieberei furacitas Dasypod. 315a, furtum heimliche entfrembdung Henisch 690. Stieler 314. Frisch 1, 195a. Steinbach 1, 267. er ist von natur zur dieberei geneigt. an die dieberei ist man bei dem volk gewöhnt. dieberei treiben. der dieberei verdächtig, angeklagt. dieberei pflegen Vocab. incip. teut. d 2. denn aus dem herzen komen arge gedanken, mord, ehebruch, hurerei, dieberei Matth. 15, 19. Marc. 7, 22. Offenb. Joh. 9, 21.

warsagen und dieberei
H. Sachs 4. 3, 75b.

denn wie an jaren wuchs der knab,
nam er der dieberei nicht ab
und meint es wär im alles frei,
geriet zu groszer dieberei
Waldis Äsop 1, 155.

dieberei ist die gemeinste nahrung der welt Henisch 690. untrew ist auch dieberei ders.

wer einmal dieberei thut treiben,
derselb fortan ein dieb thut bleiben
Eyering 3, 442.

Prometheus hatte zwar ausz seiner weisheit stärke
dem menschen, welchen er vor ohne geist gemacht,
des fewers edlen schein vom himmel eingebracht
durch nütze dieberei in seines leibes höle
Opitz 1, 53.

und da diese ja ein handwerk aus solcher klugen dieberei machte Riemer Stockf. 206. als sie nun an den ort kamen, wo Furantine sonst ihre dieberei anzufangen pflegte 208. das laster der dieberei Pierot 3, 357. es geht grosze dieberei vor Steinbach 1, 267. jetzt zum erstenmal, komm mir zu hülfe, dieberei! Schiller 135.
 
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diebfänger, m. der häscher der diebe, engl. thief-catcher. bildlich, aber ich bin hier im stande den diebfänger zu nennen: Schoppe wars gewesen (der nemlich eine spielerbank aufgehoben hatte) J. Paul Titan 2, 26.
 
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diebfängnis, f. diebfenknis ergastulum Voc. incip. teut. d 3.
 
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diebhaft, adj. wie diebisch. diuphaftigez gut entwendetes Glosse von 1418 bei Schmeller 1, 350.
 
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diebheit, f. wie dieberei. raub und diebheit Münster 403. Schmeller 1, 350.
 
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diebhenker, m. s. diebshenker.
 
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diebig, adj. gestohlen oder geraubt, furtivus, furto ablatus Henisch 690. Frisch 1, 195b. bei Benecke fehlt es, ist aber nicht selten im Schwabenspiegel, unde gît ein diup einem man diubic guot, unde jener weiz wol daz ez diubic ist, daz ist ofen diupheit c. 186, 3. 4. Wackern. ferner 50, 1. 10. 171, 1. 186, 4. auch bei Rudolf v. Ems Vilmar s. 26.
 
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diebin, f. femina furax, rapax Stieler 313. Frisch 1, 195. mhd. diupe Benecke 1, 324b. so weisen wir recht über dieb und diebin Haltaus 222. endlich kam die diebin den fünften abend mit angehender nacht Riemer Stockf. 208.

ihr seid beide diebinnen
Steinbach 1, 267.

du machst mich gar zum diebe,
da du die diebin bist
Göthe 7, 84.

genug
sie ist erhascht. ich schone sie nicht länger,
die schlaue diebin ist erhascht
Schiller 267b.

[Bd. 2, Sp. 1092]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) diebio, ausruf und aufforderung, den dieb festzuhalten. da schrei er überlaut 'diebio! diebio! fahen den dieb!' Pauli c. 90 (1522) xvii. also die frawen grosze forcht empfiengen und noch mehr dann vor anfiengen mit hoher stimm zu schreien dibijo dibi jo dibi jo! Bocc. 1, 248b.

wer da, wer da? o dibigo!
mein beutl ist mir abgschnitten do.
H. Sachs 3. 2, 53b.

dibio dibío! den dieb facht
und in bald in eisen schlacht 3. 2, 165a.

da schrei und rufet er 'hilfio, rettio, schelmio, dibio!' Fischart Garg. 252a. ebenso hängt man in oberdeutschen gegenden bei ausrufungen ein io an feuer, mord, feind, schelm, bürger, also feurio! mordio! feindio! schelmio! bürgerio! waffengo! (Lessing 11, 668). es vergleicht sich dem griechischen ἰώ, ἰού und dem lateinischen, dem substantivum vorgesetzten io, z. b. succurrite io cives! Horatius Ars poet. 459. clamat io matres! Virg. Aen. 7, 400. io silvae! Ovidius met. 3, 442. Tibullus läszt es auch nach dem verbum folgen,

uror io! remove sæva puella faces 2. 4, 6.

io Bacchus ist bekannt. im mhd. kommt io nicht vor, es wird â angehängt, z. b. wâfenâ! fiurâ! s. Monatsberichte der Berliner akademie der wissenschaften 1850, 111.
 
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diebisch, adj. und adv. engl. thievish, begann im 15 ten jahrhundert das alte dieplich zu verdrängen. es heiszt
1. furax, rapax, zum stehlen geneigt, ans stehlen gewöhnt. wilt du nit ein dieb sein, so soltu nit diebisch geboren (gebaren, dich gebärden) Keisersb. Sünden des munds 71a. diebisch furaciter Dasypod. 315a. diebisch, stelens geartet Maaler 90b. pronus in furta Frisch 1, 195a. man sagt diebische elster. diebisches volk. diebisches gesinde. der roszdieb zu Fünsing mit den tollen diebischen bawren H. Sachs 4. 3, 25a. zwen diebische tuckelmeusige galgenschwengel Fischart Garg. 47a. diebischer grempel 190b.

hatte der alte speck, um die diebischen ratzen zu fangen,
heimlich gebracht
Mörike Idylle 131.


2. nach art der diebe. der diebisch einbrechen will Kirchhof Wendunmut 229a.

wenn auch das kannin oder hase
diebisch meins herren kraut ablase.
Rollenhagen Froschm. F v.

die für ihrs herrn wolthat und heil
ihnen das ihr (ihrige) letzlich entragen
und ihm auf gut diebisch danksagen.
Eyering Sprichw. 1, 67.

ein diebisch maul wil leren liegen (lügen) 2, 462.

disz sprichwort macht der diebisch hauf,
der allzu gern thut reumen auf 3, 411.

und wie der diebisch wolf dort sprach 3, 412.

eins diebschen sohn gern stilt und leugt 3, 557.

dann dir gefiel niemals und niemals war dir lieb
ein diebischer betrug und ein betrieglich dieb.
Logau 1. 8, 99. s. 192.

diebischer weise entwendet Westphäl. Robinson 44. diebische art furacitas, rapacitas Henisch 690. Frisch 1, 195a.

er schleicht mit scheuem blicke
und mehr als diebscher furcht zurücke
Hagedorn.

avantürier der den namen Torsacker und die seraphinenkette diebisch führe J. Paul Biogr. belustig. 1, 164. wie sie ein paar diebische thränen in den wein fallen liesz Schiller 129. unsere augen schlichen diebisch ihm nach 145. er tritt in die weisze leuchtende stube, die seine diebisch (heimlich) aufstehende Lenette vor mitternacht unter seinem ersten schlaf gewaschen hatte J. Paul Siebenkäs 1, 147.
3. sprichwörter. der pfaw hat ein englisch gewand, ein diebischen gang und ein teuflisch gesang Henisch 690. vergl. Freidank 142, 13. ferner bei Henisch, diebische art nie gut ward. diebische art erbet ins geschlecht. ein diebische speis macht diebisch geblüt und gemüt. faul und gefresz, diebisch und geneschig ist gern beisamen. gott nehrt ein diebischen sperling.
 
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dieblein, n. s. diebelein.