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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
dickzähe bis diebapfel (Bd. 2, Sp. 1084 bis 1090)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) dickzähe. wisse er das selbige (die irrwische) ein dickzäher rauch oder dampf sein, so in der untersten luft entstehet und von der umgebenden nachtkälte angezündet wird Butschky Kanzlei 807.
 
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dickzirkel, m. zirkel mit auswärts gebogenen schenkeln, um damit die durchmesser der kugeln und runder körper zu messen. dazu gehört der hohlzirkel, taster. franz. compas d'épaisseur Beil 145.
 
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dickzüge, f. eine art leinwand mit blauen oder rosenrothen streifen.
 
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dictamdiptam,m. dictamnus, äschenwurz, eine schöne pflanze aus der familie der rauten. der weisze oder gemeine diptam, äschenwurz, spechtwurzel, dictamwurz Nemnich 1, 1410. mhd. dictam, diptam Ben. 1, 323. niederl. diptam, esschenkruid. engl. white dittany. dän. schwed. diptam. franz. dictame blanc fraxinelle. ital. dittamo bianco frasinella. pol. dyptan. diptan oder ditan Voc. theut. 1482 fia. dictam oder diptam hat dreierlei geschlecht Hohberg 3. 1a, 465a.
 
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dictamwurz, f. Hohberg 1, 249a.
 
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dictieren , dictare, ahd. dictôn; vergl. dichten.
1. zum niederschreiben vorsagen, in die feder sagen. dictiren fürsagen, fürlesen, in die feder sagen, fürgeben etwas zu schreiben Henisch 689. 695. angeben aufzuschreiben Schönsleder K 5.
2. bestimmen, anordnen, zuerkennen, der herr dictiert gesetze, der sieger den frieden, der richter die strafe.
3. bildlich,

[Bd. 2, Sp. 1085]


an die geliebte sei ein brief nur unstudiert,
denn gut schreibt jeder nur, wann die liebe ihm dictiert.
Kotzebue Dramat. spiele 3, 222.


 
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dideldumla, eine ausrufung, die wol den ton einer drehorgel nachahmen soll, wie dudeldumdei! bei Göthe 13, 37.

trallara, dideldumla, trallara tralla!
auf, mädchen, erscheine: dein liebster ist da.
F. L. Stolberg 1, 425.

auch dideldum, dumdideldum, häufig als refrain in liedern, besonders in tanzliedern.
 
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didelinen bei Fischart, Gargantua liegt in der wiege, man rasselt an den flaschen und klappert mit dem deckel der kandel, dasz er den kopf umbwarf wie ein tauber vor dem schlag und vor freuden gleich erhupfte erlupfte erschupfte, ermunderte, erschulterte, erschüttelte und wagte wigete sich selber, didelinend mit dem ditelkopf 112a. es ist wol das hin- und herwerfen des kopfes gemeint. in der Schweiz heiszt ditteln ditterlen kindisch tändeln Stalder 1, 285.
 
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die, s. der.
 
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dieb , m. fur. goth. þiubs, ahd. diup diop, mhd. diep, in Wittenweilers Ring deup 10c, 24. 44, wie in Baiern deub Schmeller 1, 350. angels. þeof þeaf, altsächs. theof thiof, altfries. thiaf tief, engl. thief, niederl. dief, altnord. þiôfr, schwed. tiuf, dän. tyv. die abstammung des worts ist dunkel. da im goth. þiubjô clam vorkommt, so ist in der Grammatik 2, 49 ein verlornes verbum þiuban, þaub, þubun occultare angesetzt. der nachdruck liegt also auf der heimlichkeit, mit welcher der dieb in der nacht heranschleicht; daher nachtdieb.

dô tranc der alte grîse
durch sîner geste liebe
daz im des slâfes diebe
slichen in die stirne Gesamtabent. 3. 49, 238,

der schlaf schleicht wie ein dieb in das haupt des alten und raubt ihm die besinnung.
1. der einem andern sein eigenthum entwendet. stock, diebe und dupen drin zu schlieszen Weisthum von Bacharach von 1386. 2, 215.

dar umb sei rüffet und auch schre
'hie deup! hie deup! he he he he!'
Wittenweiler Ring 10c, 14.

Fritzo sprach 'in einem stal
ein deup ist gewesen über al' 10c, 24.

den deup man do niht vinden maht 10c, 44.

ich lasz in henken als ein dieb. Fastnachtsp. 422, 5.

wo ist ein jarmarkt an (ohne) dieb. 588, 4. 12.
Wolgemut 124.

wenn du sprichest 'du dieb', so schiltest du in, wenn du sprichst 'du blinder schelm', so lesterst du in Keisersb. Sünden des munds 35a.

so musz ich sein (werd ich gescholten) ir dieb und schalk.
H. Sachs 1, 521d.

des andern diebe musz ich sein 2. 4, 2c.

stilets (das vieh) im aber ein dieb, so sol ers seinem herrn bezalen 2 Mos. 22, 12. wie ein dieb zu schanden wird, wenn er begriffen wird, also wird das haus Israel zu schanden werden Jerem. 2, 26. wiewol sie unter sich selbs mit dieben und auswendig mit reubern geplagt sind Hosea 7, 1. ein dieb ist nicht so böse als ein mensch der sich zu lügen gewehnet: aber zuletzt komen sie beide an den galgen Sirach 20, 27. wenn diebe oder verstörer zu nacht uber dich komen werden, wie soltu so zu nicht werden? ja sie sollen gnug stelen Obadja 1, 5. ir solt euch nicht schätze samlen auf erden, da sie die motten und der rost fressen, und da die diebe nachgraben und stelen Matth. 6, 19. in einer gemeine sitzen bierbrauer, weinschenken, fischer, fleischer, schneider, schuster und allerhand handwerksleute, da ist gar selten einer unter ihnen, der nicht einen dieb im busen trägt Luther 3, 1673.

dieweil natürlich ist die lieb
und hinder schleicht ein wie ein dieb.
H. Sachs 3. 2, 5d.

der heimliche dieb wird ergriffen oder ertappt. heimliche dieb die sich in kameren oder gemachen verschlahend (einschleichen, verstecken) ze stälen Maaler 90b.

nit lang wir drob tagleisten sollen,
besser wär wir hetten den dieb ghangen,
eh denn wir ihn haben gefangen,
so hett wir im nit dürfn zfressen geben.
H. Sachs 4. 3, 25a.

mit stricken
gleich die dieb gebunden 4. 3, 72d.

[Bd. 2, Sp. 1086]



vor des falsch listing diebes garnen
sollens (die hunde) ir herschaft trewlich warnen. ders.

was hilfts das ich lang spar?
vielleicht verlür ichs gar.
solt mirs ein dieb ausztragen,
es rewet mich ein jahr Bergreien 37, 3.

der war gehalten wie ein dieb,
muszte haben schand und schaden.
Soltau 2. 182, 12.

ergriff den dieb die hand im sack ertappte ihn.
Rollenh. Froschm. L iij.

du dieb, hie ein exempel nim,
süsz ist erstlich das gstolen brot,
aber zuletzt der bitter tod Lv.

den dieben werden die händ abgeschlagen Henisch 691. ein dieb hat vil rechts, das ist, es gehört beweis dazu, wenn man ihn will überzeugen ders. es ist ein brunn in Sardinia der verrät die dieb, so sie ihr hand oder augen darausz waschen, werden sie blint ders.

mein gut ist sicher vor den dieben.
Wolgemut 2, 277.

du aber underm guten glauben
der freundschaft thust den herrn berauben:
solch pflegt man an ein sonderstangen
hoch uber alle dieb zu hangen 2, 335.

ein fremder dieb geschlichen kam 2, 460.

und wann ich etwas zu betheuern hatte, so geschah es bei dieb- und schelmenschelten Simpliciss. 2, 122. hör einmal, lieber Scapin, ich weisz du bist schlauer als mancher dieb der gehangen wird Möser Werke 9, 116. müller beschuldigt man leicht des diebstahls.

bald heiszt der müller dieb
Günther.

nicht gelegenheit macht diebe,
sie ist selbst der gröszte dieb
Göthe 5, 144.

herr Alcest, verschonen Sie mein haus:
das geld ist wieder da, ich hab den dieb heraus 7, 82.

ist das die schuldge liebe,
die ehrfurcht gegen mich? du machst mich gar zum diebe
(beschuldigst mich des diebstahls),
da du die diebin bist 7, 84.

und wer kann meinem oheim verargen
dasz er gestohlenes gut dem diebe genommen? es sollen
edle männer von hoher geburt sich gehässig den dieben
und gefährlich erzeigen 40, 11. 12.

der dieb ist gefangen! 40, 45.

welch ein verwegener dieb! er nahm das huhn mir vom tische 40, 51.

da steht der hahn! ihr (fuchs) habt ihm die kinder,
falscher, leidiger dieb! eins nach dem andern entrissen. 40, 60.

Reineke merkt es, der schändliche dieb 40, 191.

ich bin kein dieb der sich mit schlaf und mitternacht verschwört und auf der leiter grosz und herrisch thut Schiller 123a. diebe haben das recht vor dem tode zu zittern 123b. wenn ich jetzt seinen segen weghaschte? haschte wie ein dieb 141a.

sie ging hinab zur stätte,
da sie den todten fand,
du liegst am wege wie ein dieb
und bist ein edler ritter
und bist mein feines lieb
Uhland 255.


2. wie ein dieb kommen, wie ein dieb in der nacht ist ein bildlicher, ursprünglich biblischer ausdruck für das plötzliche eintreten unerwarteter und verderblicher ereignisse. es sollen weinleser uber dich (Idumäa) komen, die dir kein nachlesen lassen, und diebe des nachts sollen uber dich komen, die sollen inen gnug verderben Jerem. 49, 9. sie (die heuschrecken) werden in der stad umbher reiten, auf der mauren laufen und in die heuser steigen und wie ein dieb durch die fenster hinein komen Joel 2, 9. denn ir selbs wisset gewis das der tag des herrn wird komen wie ein dieb in der nacht 1 Thessal. 5, 2. 2 Petr. 3, 10. so du nicht wirst wachen, werde ich über dich komen wie ein dieb, und wirst nicht wissen welche stunde ich über dich komen werde Offenb. Joh. 3, 3. dann nennt Christus auch den einen dieb, der nicht auf geradem weg eingehet, wer nicht zur thür hinein gehet, sondern steiget anderswo hinein, der ist ein dieb und ein mörder Joh. 10, 1.
3. im weiteren sinn der welcher einen andern seines eigenthums, ohne es ihm heimlich wegzunehmen, durch list, betrug, wucher, unredlichkeit oder auch durch offene gewalt beraubt. diese bedeutung ist schon früher vorhanden gewesen, im ahd. meridiup pirata, scefdiup tiro, latro, pirata Gramm. 2, 532. offentlicher dieb, der tages zeit stilt und sich des

[Bd. 2, Sp. 1087]


diebstals nit schämpt, fur diurnus Maaler 90b. straszendieb praedo, viarum obsessor Stieler 313. auch Olearius begreift den räuber darunter, die diebe üben noch mannhaftigkeit und genieszen ihre speise durch kraft ihrer fäuste Olearius Baumgarten 7, 11. einer der mit gewalt oder list eines andern gut stiehlt das. der sein vermögen durchbringt, heiszt ein dieb an seinen kindern. Mephistopheles erzählt der frau Marthe von ihrem in der ferne gestorbenen mann, der bei seinem tode ansehnliches vermögen gehabt habe.

Marthe. ei wie? ei wo? hat ers vielleicht vergraben?
Mephist. wer weisz wo nun es die vier winde haben.
ein schönes fräulein nahm sich seiner an,
als er in Napel fremd umher spazierte.
sie hat an ihm viel liebs und treus gethan,
dasz ers bis an sein selig ende spürte.
Marthe. der schelm! der dieb an seinen kindern!
auch alles elend, alle noth
konnt nicht sein schändlich leben hindern!
Göthe 12, 154.

schelmen und diebe!
Schiller 326a.


4. von dieben in uneigentlicher bedeutung spricht ein sinngedicht von Logau mit der überschrift diebe menschlichen vermögens.

werke stehlen mir die zeit,
fälle die vermöglichkeit,
sorgen stehlen uns das leben,
was dann bleibt uns aufzuheben?
was der seele gott gegeben. 1. 149, 46.

im Theuerdank gilt dieb als ein allgemeines schimpfwort

Unfalo der dieb ging heraus 49, 44.

Neidelhart der dieb was nit lasz 94, 32. 96, 48.

etwas volksmäsziges hat folgende redensart, dieser verwalter aber, namens Furarius, war mit einem schelmen gefüttert und mit einem diebe verbrämt war durch und durch ein betrüger Riemer Polit. stockf. 30. das bild ist von futter und besatz eines kleidungsstückes genommen, wie man etwa von jemand der in böser stimmung ist, zu sagen pflegt er hat eben die böse jacke an.
5. in der ältesten zeit hatte dieb eine mildere, wenigstens nicht schimpfliche bedeutung, im Parzival sagt Gamuret zu seinem bruder

manegen kumberlîchen pîn
wir bêde dolten umbe liep.
ir wâret ritter unde diep,
ir kundet dienen unde heln:
wan kunde ouch ich nu minne steln 9, 20—24.

in Baiern wird im scherz und ohne zu beleidigen ein junger mann dieb genannt Schmeller 1, 350. in bildlicher bedeutung kann der gehässige begriff verschwinden.

der sich von uns stal als ein dieb still und heimlich sich entfernte Fastnachtsp. 420, 25.

er kann sogar in einen schmeichelnden übergeben. im mhd. war ein minnendiep der heimliche geliebte, jetzt nennt man einen herzensdieb den der überall zuneigung zu erwecken weisz, du loser dieb, hast mir mein herz gestohlen Riemer Polit. stockf. 86. Marianne sagt von dem kleinen knaben 'manchmal erbettelt sich der kleine dieb selbst die erlaubnis von ihm mein schlafkamerade zu sein' Göthe 7, 127.

habt ihr euch lieb,
thut keinem dieb
nur nichts zu lieb
als mit dem ring am finger 12, 194.


6. dieb wird das mark in einer schreibfeder genannt, weil es die dinte an sich zieht, die seele der feder Henisch 690b, daher in der Schweiz tintafresser, federseele Tobler 138a. dieb, weindieb in der Schweiz ein in der mitte weites röhrchen, womit man ein glas wein aus einem fasse zapfen kann Stalder 1, 281.
7. brennt an einem licht ein abgelöster faden als nebendocht, so dasz der talg oder das wachs abflieszt, so heiszt das ein dieb, ein wolf, ein räuber: ebenso im engl. thief.
8. dieb, kräuterdieb, buckelkäfer ein kleiner, in naturaliensammlungen verderblicher käfer, ptinus fur Nemnich 1, 1082. molkendieb milchdieb ein ganz weiszer schmetterling, weil die mütter, wenn siè die kinder abgewöhnen, diese schmetterlinge beschuldigen sie hätten den säuglingen die muttermilch gestohlen Frisch 1, 263a.
9. nicht wenig sprüche und sprichwörter schildern den dieb und seine zustände. aus dem anfang des 13 ten jahrhunderts mehrere, trefflich aufgefaszte bei Freidank cap. 13. hier stellen wir zusammen was wir in den folgenden jahrhunderten gefunden haben oder was noch heute fortdauert; der gegensatz

[Bd. 2, Sp. 1088]


zwischen dem angesehenen, mächtigen und dem geringen dieb wird besonders darin hervorgehoben.

als man im gemeinen sprichwort redt,
die schiffleut führn dieb in die städt.
Wolgemut 2, 220.

wenn man eins diebs oder schalks bedarf, keuft oder nimpt man ihn vom galgen, wenn man ihn gebraucht hat, so hengt man ihn wider dran Petri Sprichw. Ccc v. andere die Tij angeführt werden, stehen besser unter vielen andern bei Henisch 691—695. wenn man einem die hand im sacke erwischet, so ergreift man ihn am diebstal, ob man ihn gleich nicht ein dieb nennt. wann der dieb nicht wüste, wa er mit dem diebstal (dem gestohlenen gut) hin solte, so blieb viel stelens nach würde so viel nicht gestohlen. wären keine dieb, so wären keine galgen. ein dieb und wolf kennt den andern. er ist ein dieb in seiner mutter leib gewesen. er hat nichts gelernt, das ist 'er ist ein dieb'. felddieb, böse dieb. ein dieb ist ein dieb, er sei ein geltdieb oder briefdieb. alte diebe sehen den jungen gnaw auf die schanz. der vater ist oft ihm selbst und den seinen der ärgste dieb. reiche dieb hengt man in gulden ketten, arme in eisen. ein fauler dieb ist besser denn ein fauler knecht, oder thut nicht so vil schaden als faul gesinde. für frembden dieben kan man zuschlieszen, nicht für denen die man im haus hat. kleiner gewin macht grosze diebe. die groszen (oder reichen) diebe henken die kleinen (die armen an galgen). grosze diebe und schälke verdammen die kleinen. die gröszten diebe bleiben ungestraft. man pflegt wenig grosze dieb aufzuhenken. es ist kein gröszerer dieb und wucherer denn der schlaf, der raubet das halbe theil unseres lebens. es geht nur über die kleinen dieb aus (dat veniam corvis, vexat censura columbas Juv.).

kleine dieb henkt man,
grosze dieb verschenkt man.
kleine dieb thut man an galgen bringen,
die groszen dieb hindurch dringen.
kleine dieb liegen im stock gefangen,
die groszen gehen in gold und seiden prangen.
die kleinen dieb henkt man ins feld,
die groszen ins gelt.
die kleinen dieb henkt man an galgen (an die häls),
die groszen in beutel, oder zeucht den hut gegen inen ab.
die kleinen dieb henkt man weg,
die groszen han nun stark vorheg.
(kleine diebe hängt man so weg, es haben die groszen
starken vorsprung Göthe 40, 133.)
ein kleiner dieb an galgen musz,
von groszen nimpt man pfenningbusz (sie büszen mit geld).

es ist dem kleinen dieb ein todsünd und dem mitlen ein tägliche sünd was den groszen recht ist. die kleinen dieb die müssen die groszen fromm machen. kleine diebe tragen eiserne ketten am hals, wenn sie todt sind: grosze diebe tragen gulden ketten, wenn sie leben. der pfenning ist ein rechter dieb.

wucherischen dieben
thut thewrung lieben.

einen zeitigen dieb erlaufet ein hinkender büttel (scherge). zeitiger dieb verrät sich selber. am tag ein bettler, zu nachts ein dieb. armut ist ein gute ringmauer und machet sicher für dieben. besser diebe am galgen denn in der statt. das almusen ist gottes und wirt gott gegeben, wer es bittet und legts ubel an, der stilts im und bleibt ein dieb ewig. den dieben ist die nacht, der warheit aber das licht dienlich.

das glück läszt sich melken
von dieben, huren und schelken.

der bauch macht diebe und mörder. den dieb erschreckt ein maus. der einen dieb hinläszt (entkommen läszt), den henkt man an sein statt. der ist so wol ein dieb, der die leiter helt als der da stilt: der hehler ist wie der steler. die bawren müssen den dieben das gelag bezalen.

die bettler, Tattern, dieb geschwind
und landsknecht eines gebacks sind.

die ganze welt ist voller dieb. die schiffleut führen dieb und fromme leut in die statt: der henker führt die diebe wieder hinausz. die sind die ärgsten dieb, die man im haus hat. diebe sind bös zu vertheidingen.

dieb die sich stellen reich und herrlich
hält man für fromm und redelich.
eigenlieb
ist ein dieb.

[Bd. 2, Sp. 1089]


ein dieb ist blöd fures clamorem metuunt. ein jeder kennt seines gleichen, ein dieb den andern. ein jeder ist ein dieb in seinem handwerk. ein dieb hat ein feig herz. ein dieb hilft dem andern so lang bis sie beide an galgen kommen. einem dieb ist nirgend besser dann am galgen, eim münch im kloster und eim ochsen in der kuchen. ein dieb ist schädelich, einem lugener fehlets auch nicht. ein dieb stilt dem andern nicht. ein dieb und buler ist ein ding. ein dieb zieret den galgen wol, weil er nicht anders verdienet hat. ein gulden bleibt ein gulden auch in eines diebes hand. ein groszer markt ist selten ohne diebe.

ein zung ist böser denn ein dieb,
seit dasz sie stilt ehr, glimpf und lieb.

einem dieb felt zuweilen auch wol ein stücke vom galgen. einem dieb ist bös stelen. einen dieb kan man wol vom galgen lösen, aber nicht gerecht machen. eim dieb darfst du nur die thür auf thun. einer musz ein dieb und buben zum knecht und ein hur und diebin zur magd haben oder leiden. elend und armut vertreibt alle dieb. eines diebs feder schreiet und sprützet doch entlich dasz mans erfehret. entgehet der dieb an einem ort, so henkt man ihn am andern. es ist ein jeder ein dieb seiner nahrung. es hilft nichts für dieben. es ist bös stelen wo der wirt ein dieb ist.

es gebührt dem dieb kein besser ehr,
denn dasz man ihm das stelen wehr.

es ist kein geschlecht so gut, es lauft ein hur oder dieb ausz. gedächt der dieb an galgen, so liesz er sein stelen.

gesundheit ist fast lieb,
stilt sich doch ab wie ein ander dieb (aus Brant Narrenschiff
6, 84).

gelt ausz dieben markten heiszt selbst ein dieb mit sein. gelt macht diebe, schelmen und verräther. gelegenheit macht den dieb. gute sitten sind ein edel kleinot und ein besser schatz dann gelt und edelsteine; die kan kein dieb stelen. heler und steler ist ein dieb wie der ander.

herren haben lugner lieb,
die stelen mehr denn ander dieb.

huren, lugner und diebe sind schwesterkinder, was einer thut, das thun sie alle drei, und samblen sich zuletzt auf einem dürren eichenstamm (galgen).

hurerei und liebe
macht manchen zum diebe (vergl. Freidank 48, 11. 12).

ist der vater ein dieb und die muter ein hur, so geraten die kinder nicht desto besser. kinder die oft was finden, sind gern diebe. die kunst ist für dieben sicher.

liesze der dieb sein stelen,
so liesze der hund sein bellen.

man bricht drumb keinen galgen ab, dasz ihn der dieb hasset. man henkt keine diebe, die sich vom galgen kaufen können. man kan für keinem diebe aufheben bewahren, in sicherheit bringen. man musz einen jeglichen menschen für einen engel halten und für ihm aufheben als für einem diebe.

räuber, schälke und diebe
halten mit frommen kein liebe.

vor dem dieb kan man aufheben, vor falschen zungen gar nicht. was der winkel stilt, das kompt endlich wider bei den weg, was aber der dieb stilt, das kriegt man nimmer wider.

was man zun ehren erspart,
das wirt dem dieb verwart.

wenn ein dieb an galgen zeitig ist, so musz er den strick selber bringen. wenn der dieb wuste wenn er stelen solt (wann die passendste zeit wäre), so behielt einer wol nicht den kol im topfe. wenn sich die dieb worgen, so kriegt der arme mann sein kuche wieder.

wanns den dieben kompt zum eid
und dem wolf zur heid,
so kommen sie beide darvon.

wenn mans dem dieb auf ein eid gibt, so würd keiner gehenket, wenns lang umbher gehet, so musz doch der dieb an galgen. wenn man den dieb in die taschen hengt, so bleibt er doch ein schalk. wenn man eins diebs oder schalks bedarf, so kauft oder nimpt man ihn vom galgen, wenn man ihn gebraucht hat, so henkt man ihn wider dran. wer einmal stilt musz allzeit ein dieb sein. wer mit

[Bd. 2, Sp. 1090]


den dieben lauft, der musz mit ihnen hangen. wo schätze sind, da sind auch dieb. zeit und stund lehrt den dieb stelen. aus Eyering,

kein dieb eim wirt leicht stilt bei nacht,
wenn der wirt selbst ein dieb geacht.
keiner ein dieb im finstern sucht,
er sei dann auch diebstals bercht.
keiner kein dieb sucht in den ecken,
er thu dann selbst vor drinnen stecken 2, 171.

welcher was bringt, den laszt herein,
den wer mir gibt, der ist mir lieb,
und wer mir nimbt, der ist ein dieb 3, 509.

aus Lehmann 136—138 die dieb können den beuteln und hosensäcken den puls greifen: können ein handwerk das sie öffentlich nicht dürfen treiben. welche heimblich und geschicklich stehlen, die nennt man herren, welche es offentlich thun, das seind dieb. die dieb meinen, stehlen sei besser als müszig gehen, darumb schaffen sie ihnen mit mausen arbeit. der dieb zieret den galgen, wie einen herrn die güldnen ketten. wenn jeder genug hätt, so gäb es keine dieb. ein ehrendieb ist gröszer als ein ander dieb, er behält den diebstal nicht heimblich, sonder sprengt ihn unter die leut, dasz jeder das maul mit zu schwenken hat. einer sagt zum müller in der mühlen, wäre disz das best, dasz die säck nicht könnten rufen 'o dieb! o dieb!' der ist ein schlechter dieb, der den säckel stilt, darin nichts ist. aus Jac. Meier Hortulus adagior. 39 einem dieben darfstu nur die thür aufmachen occasione duntaxat opus improbitati vel malitiae. wann ein dieb erdappet wird, so hat er kein herz malum virum vel mus mordeat. aus Simrock 1565 —1599 kleine diebe hängt man, grosze läszt man laufen. grosze diebe hängen die kleinen. der dieb meint sie stehlen alle.

ein jeder dieb
stiehlt frauenlieb.
den dieb soll man henken,
die hur ertränken.

dem dieb will kein baum gefallen, daran er hänge. nicht alle sind diebe, die der hund anbellt. es gibt mehr diebe als galgen.

hieng man alle diebe heuer,
die galgen würden theuer.

kinder pflegen vorn in ihre bücher zu schreiben

dieses buch ist mir lieb,
wer mirs nimmt, ist ein dieb:
er sei herr oder knecht,
so ist ihm der galgen recht.

in Schlesien,

dieses buch ist mir lieb,
wer mirs stielt ist ein dieb,
wer mirs aber wieder gibt,
der ist mir lieb
Weinhold 14b.


10. viele zusammensetzungen. brotdieb. ehrendieb. erzdieb. felddieb. galgendieb. gaudieb. gelddieb. grunddieb. hausdieb. heckendieb. herzensdieb. hühnerdieb. kelchdieb. kirchendieb. kinderdieb. kuhdieb. landdieb. menschendieb. nachtdieb. roszdieb. seelendieb. tagedieb. taschendieb. säckeldieb. strauchdieb. viehdieb. weindieb. wilddieb und andere.
 
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diebapfel, m. bildlich, den eisernen diebapfel des schweigens, der mit dem zankapfel des schweigens auf einem aste wächst, aus dem munde nehmen J. Paul Siebenkäs 1, 185.