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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
deutbar bis deuteln (Bd. 2, Sp. 1037 bis 1038)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) deutbar, adj. erklärbar, quod explicari potest. das sind deutbare zeichen. so auch
 
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deutbarkeit, f.
 
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deutchen, n. murex vertagus. auch dimin. von dem folgenden, z. b. in Thüringen.
 
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deute, f. cucullus, capsula chartacea, düte. wann man von geringen höckern und krämern deuten- scharmützel (ebenfalls cucullus)- und groschenweis das gewürz kaufen wil, wird man gewis schlechten nutzen davon haben Hohberg 3. 1, 51b. man nimmt deuten (scharmützel) von papier und hänget sie darüber (über die nelken) 3. 1, 583b. ich liesz mir von Bastian eine ganze deute rappé (grob geriebenen schnupftaback) holen Thümmel Reise 6, 32. auch die dragéen, überzuckerte kleine gewürzkörner in saubern cylindrischen deuten wurden nicht abgewiesen Göthe 30, 38.

sie geht in die stadt und bringt euch des guten
zuckerbrotes genug, das euch der bruder bestellte,
als der storch ihn jüngst beim zuckerbäcker vorbeitrug,
und ihr sehet sie bald mit den schön vergoldeten deuten. 40, 315.

s. DWB düte.
 
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deutelei, f. erzwungene, kleinliche, verächtliche auslegung, inepta, fallax interpretatio. denn also beweiset er seine deutelei Luther 3, 344. und müsse nicht hie das wort (ist) zur deutelei wenden 3, 442. 472b. also ist den schwermern auch so jach nach der deutelei 3, 476. und sihe welche maulaffen und unvorsichtige narren das sind, die solch deutelei draus machen: der text stehet klar also, er

[Bd. 2, Sp. 1038]


kan gottes reich nicht ererben 6, 266a. machen aus recht unrecht und aus unrecht recht mit ihrer deutelei und sophisterei Tischreden 401b. deutelei phantasia, praeconcepta opinio Stieler 310. interpretamentum vanum Frisch 1, 193. nicht in buchstäblichen deuteleien, sondern im rechten verstand und gebrauch der worte zu suchen Leibnitz 452. eine erzählte gute edle that durch witzige deutelei verzerren Klingeb 12, 142. bestreben nach enthüllung und ängstliche deutelei Göthe 31, 47. s. DWB deutelung. deuterei.
 
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deuteldürftig, adj. einer künstlichen auslegung bedürftig. und sind hie nicht tunkele noch deuteldürftige wort, sondern dürre und helle Luther 8, 1b.
 
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deuteler, m. herzu ir deutler, deutet uns diesen spruch Luther 3, 367b. aber die deutler die alle ire kunst auf allegorien stellen 4, 233b. wie haben doch diese weise kluge deutler derselbigen können vergessen? ders. von den jüden und iren lügen (Wittenb. 1543. 4) K b. ein deuteler nimis subtilis vel fallax interpres, calumniator Stieler 310. Frisch 1, 193b.
 
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deutelkolbe, f. typha, rohrkolbe, tuttelkolbe, deutelkolbe, dittlekolbe, narrenkolbe Nemnich 2, 1517. ahd. tûtilcholbo m. tirsus Graff 4, 393. 5, 382. dutenkolbe Maaler 293d. dannzapfen, achselkolben, deitelkolben Fischart Garg. 88b. deute ist die rundliche zapfenartige erhöhung an der spitze des stengels, daher die übertragung auf thyrsusstab, narrenkolbe. s. DWB deute, dütte, dodde.
 
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deutelkölblein, n. dimint. die amme nennt schmeichelnd den kleinen Gargantua mein kleine dille, mein deutelkölblin mein närrchen Garg. 131b.
 
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deutelmeister, m. also wil auch jetzt ein iglicher ein newer deutelmeister sein Luther 4, 233a.
 
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deuteln, auf gezwungene art auslegen, den sinn kleinlich verdrehen. deutelen phantasieren, imaginari Henisch 682. es stehet auf der alchymisten deutelen ders. eines kaisers wort wil sich nicht gebühren zu trehen oder zu deutelen Zinkgräfs Apophthegmata 1, 28; vergl. Bürger 26a.

der klügel und der nutz sind jez ein grund der lehr,
man laufet irr und fehl, und deutelt immer mehr.
J. G. Schottelius Lustgarten 73.

es steht uns hier nicht frei zu deutelen und dichten,
der kaiser wil. ich musz was er mir schaft verrichten.
Gryphius 1, 415.

ichtwas deutelen und mit den haaren auf sich selbsten ziehen wollen Philander v. Sittew. 1, 337. deutelen, glossas violentas et contortas adhibere, nimis subtiliter explicare Stieler 310. Frisch 1, 193b.

du hast mirs nie geglaubt, hast die vermuthung,
gewisheit wollt ich sagen, stäts ein deuteln
der weiber nur genannt die, weil sies einmal
aus zufall treffen, nie zu fehlen wähnen.
H. v. Kleist 1, 50.