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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
-der bis dereinstens (Bd. 2, Sp. 1012 bis 1014)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) -der, -ter in affolder, affolter (oben 1, 185), holunder, maszholder, wachholder, der tonlos gewordene alte, jetzt unverstandene ausdruck für baum. ahd. nur in zusammensetzungen -tar, -ter, -tra Graff 5, 440. mhd. -ter, -der. die bäume und gesträuche die mit diesem wort zusammengesetzt sind, waren in Deutschland früher bekannt als diejenigen, denen baum zugefügt wird; einheimische bleiben ohne zusammensetzung, wie eiche, buche; vergl. Gramm. 2, 529—31. 3, 368.
 
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derartig, talis, was der art, was von solcher natur ist. derartiges habe ich noch nicht gesehen. derartige früchte wachsen hier nicht. s. oben art 3.
 
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derb, adj. und adv. fest, tüchtig, solidus, gravis, vehemens, alth. derb derbi, mhd. derp, altfries. therve derve, ags. þeorf þärf þerf. es gehört zu dem nur noch in verderben perire erhaltenen starken verbum dirbe darp durben dorben. derb ist das unverdorbene, kräftige. biderbe bieder gehört nicht hierher; s. oben 1, 1810.
1. im ahd., mhd. und ags. heiszt es nur azymus, ungesäuert. auch im mhd. gilt noch diese bedeutung, ein derbez gierstînes brôt, der kuoche derp Ben. 1, 322. grobes schwarzbrot ist nicht gemeint, brôt wîz und derbe gebacken und runt Berthold 444.
2. das ungesäuerte backwerk ist dicht, hart und fest, und diese allgemeine bedeutung tritt am ende des 16 ten und im anfang des 17 ten jahrh. hervor. dick und derb als ein breimus spissum instar pultis Henisch 681. derb brot panis densus Stieler. so sagen wir heute derber boden harter, ungelockerter, derbes leder, derbes tuch starkes, dauerhaftes, derbe leinwand, derbe kost nahrhafte, kräftige. derben teic machen Von guoter spîse 19. dieser fisch hat ein derbes (festes, nicht weichliches) fleisch. gedigen oder derb silber, das rein und schier fein ist und das sich schneiden und prägen läszt, ehe es ins feuer kompt Mathesius 28a. derbe schläge solida verbera Frisch 1, 192c, mit näherer bestimmung schon im altfries., derve dustslek heiszt (Richthofen 696. 1069) ein heftiger schlag, der zwar keine wunde, aber eine mit blut unterlaufene stelle zur folge hat.

o göttervater, zürnest du auch wol
um eine derbgeschlagne wunde, die
ihn aus dem schlachtgefilde treiben wird.
Bürger 167.

sie falle mit der thür ins haus, betäube mich mit einem derben schlag (bildlich) Göthe 31, 147. er sagt auch derbe küsse und gebraucht überhaupt das wort gerne.

drum sitz ich nackt auf meinem bock
und zeig ein derbes leibchen 12, 226.

sie (die wilden männer vom Harz) kommen sämtlich riesenhaft,
den fichtenstamm in rechter hand,
und um den leib ein wulstig band,
den derbsten schurz von zweig und blatt 41, 54.

schlepp ich her die derbe kleine
zu erzwungenem genusse 41, 238.

die füszchen scheinen mir derbe knollen.
Kotzebue Dramat. spiele 1, 30.

reicht mir Burgunder einen derben schluck 1, 35.

sonst folgt auf regen
die derbe traufe 2, 186.

wie herrlich sieht er aus, auf erden gibts keinen derbern kerl Arnim Schaubühne 1, 136.
3. steht es uneigentlich, so heiszt es mutig, kühn, offen, stark, tüchtig, auch grob, im gegensatz zu fein, doch ohne damit zu tadeln. er tritt derb auf er macht sich geltend, nimmt keine rücksicht. er gibt eine derbe antwort, einen derben verweis. er sagt die wahrheit derb und trocken. er greift die sache derb an. er hat ein derbes fell er kann etwas vertragen.

blîp dînes muotes derp Liedersaal 3, 586.

ich werde mir heute einen derben rausch trinken Gellert 2, 258. um bei ein derbes stück schwarzbrod zu kommen Bode Tristram Sh. 7, 28. der prinz hatte unter andern einen derben stolz Claudius 8, 41. ein gesunder und derber geschmack Kant 7, 432. 414. 416. wer sucht den heuchler in dem manne, der immer derb, mutig, offen vor euch steht? wer fürchtet den mann, der eben so derb und gerade mit den fürsten und den groszen

[Bd. 2, Sp. 1013]


umgeht? Klinger 11, 205. der kühnste und der derbste unter allen Göthe.

ein derbes wort kann Houri nicht verdrieszen 5, 264.

der eine hält in derber liebeslust
sich an die welt 12, 61.

dieser mann ist ein derber wundarzt, der in bedenklichen fällen, wo entschlusz und körperliche kraft gefordert wird, seinem meister trefflich an der seite zu stehen bereit ist 23, 69. wir wünschten vielmehr nach so viel wunderbaren ereignissen uns geschwind in das derbe naturbad (in den Rhein) zu stürzen 43, 289. wenn ich dir, derber geprüfter erdensohn, vermelde dasz meine liebe kleine frau uns in diesen tagen verlassen (gestorben ist), so weiszt du was das heiszen will Göthe an Zelter. wie wenn sie nun giengen und meinem sohn die seinigen (seine fehler) sagten? denn dasz er ihrer hat, dafür stehe ich, recht derbe fehler Engel Lorenz Stark c. 8.

wir mit derbem hunger gehen
froh zu tisch
Voss 5, 55.


4. als verstärkung wird das adv. zuweilen wie sehr gebraucht, unsere kaufleute gehen oft nach Holland und was sie mitbringen, weil sie viel verdienen wollen, ist derbe theuer Mercks Briefsammlung 2, 174.
 
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derberz, n. wird im bergbau das fest mit anderm mineral verwachsene erz genannt, oder das viel erz und wenig gestein enthaltende.
 
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derbheit, f. densitas, soliditas. gewöhnlich uneigentlich, über die derbheit seiner antwort erstaunte jedermann. er sagte ihr derbheiten genug harte dinge.
 
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derbständig, adj. hat Göthe gebildet, wie wacker jene künstler waren und wie derbständig und bürgerlich vornehm sie sich ihre zeitgenossen und die welt dachten 43, 163.
 
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derbung, f. perditio,

nur dasz sie andre fallen
und derbungsfallen stellen Reinicke fuchs (1650) s. 110.

s. verderbung.
 
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dere für dero, s. der I, B
 
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dereinst, adv. wol durch derzeit, derweil, dermaleinst veranlaszt, ist ein unorganisches der vorangestellt. Frisch 1, 192 und Steinbach 1, 328 führen es an, aber nicht Maaler, Henisch, Dasypodius und Stieler, auch Luther gebraucht es nicht, sondern das gleichbedeutende dermaleinst. es scheint also in der ersten hälfte des 18 ten jahrhunderts aufgekommen zu sein. wie das gleichbedeutende einst und das latein. olim geht es sowohl auf die vergangene als die zukünftige zeit. also
1. künftig, aliquando,

wenn in himmlischer bildung dereinst von dem tod ich erwache
Klopstock Mess. 3, 10.

o Doris drücke du
mir dort dereinst die augen weinend zu
Kleist.

wenn dich dereinst die sorgen des thrones
aus meinen augen ziehn
Ramler.

wegen alles bösen welches wir gethan haben, wird dereinst ein unerbittlicher richter rechenschaft von uns fordern Wieland 7, 220. wie wenn Zenide sich dereinst erweichen liesze ders.

wie das alles dereinst mir käm in erfüllung.
Voss Odyssee 4, 511.

und erwartet dereinst ein mädchen den liebsten.
Göthe 1, 369.

das holde kind, bestimmt des vaters rächer
dereinst zu sein 9, 45.

fast alles, wohin das auge blickte, sollte dereinst ihm angehören 17, 307. und welch ein freundlicher augenblick wird es sein, wenn sie dereinst wieder zusammen erwachen 17, 414.

und finden dereinst wir uns wieder
über den trümmern der welt 40, 336.


2. ehemals, quondam.

welche (göttin) dereinst dem Odysseus reichte den becher.
Platen 127.

meister entwarfen dereinst zum schönsten gebäude der welt mich,
stümpern erlag nachmals plumpen geschmacks der kolosz. 140.

andere formen,
 
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dereinsten, adv. dereinsten werd ich doch diese verlassen und jene suchen Stillings Jugend 2, 47. doch werde

[Bd. 2, Sp. 1014]


ich sie (die lieder) vielleicht dereinsten auch drucken lassen 2, 83. wie ist ihm zu thun, dasz ich dereinsten nicht auch erlösche? Klopstock 12, 118. ebenso
 
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dereinstens,

wenn diese riesenblume
dereinstens abgeblüht
A. Grün Ged. 207.