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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
naschmäulchen bis näselung (Bd. 13, Sp. 396 bis 410)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) naschmäulchen, n.: naschmäulgen, cupes Aler 1451b.
 
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naschwaare, f. naschwerk: Rousseau, der ... sich die gewohnheit zugezogen hatte, naschwaaren, obst .. sich ohne erlaubnisz des eigenthümers zuzueignen. Wieland 15, 257.
 
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naschwerk, n. näscherei, genäsche, leckerbissen. Rädlein 666a. Aler 1451b. Frisch 2, 8d; (die kinder sollen sich nicht) an dem flasch-, nasch- und taschwerk verlappen und vernarren. Moscherosch christl. verm. 254; sie .. (kam) mit einem schweren korb voll naschwerk. Simpl. 2, 548, 27; sol er (den hunden) gleicherweisz nasch- und freszwerck dar werffen und geben. weidwerkbuch 1, 14b; die kinder ... sind (wie die ratten und mäuse) aufmerksam auf alle ritzen und löcher, wo sie zu einem verbotenen naschwerk gelangen können. Göthe 18, 21;

es giebt so eingeschränkte
genies, die auf die erfindung eines neuen
pastetchens oder andern kleinen naschwerks
sich viel zu gute thun.
Wieland Hor. sat. 2, 4, 82;

palmensprossen und ähnliches naschwerk. Freytag bilder (1867) 1, 156; dasz sie einen teller des geschätzten naschwerks (getrocknete pflaumen) vor den kindern aufstellte. ahnen 5, 244.
 
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naschwildbret, n. wie grenzwildbret, über die jagdgrenze wechselndes wildbret, das vom grenzschützen weggeschossen wird. jagdlex. (1772) 1, 1059; das wildprät, so zu der fürstlichen hoffküchen zu lieffern befohlen wird, soll nicht mitten in der wildfuhr in den gehegten orthen, sondern in den grentzen, da es von des herrn wildspuhr leichtlich in eine andere laufft, und dahero gränz- oder naschwildpret genennet, und also unter den nachbarn dem ersten, der es fällen kan, zu theil wird, gepirschet werden. Seckendorf teutscher fürstenstaat 3, 1 bei Oberlin 1112.
 
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nase , f. nasus. das dem sanskr. nas, nasâ, nâsa f., lat. nasus, lit. nosis urverwandte (Fick2 111. 783. 787), im goth. und alts. nicht nachweisbare wort lautet ahd. nasa, mhd. nase, verkürzt nas, altn. nös (nasenloch), plur. nasar und nasir (nase), schwed. näsa, dän. nöse, ags. nasu, nosu (vgl. Kluge in den beiträgen 8, 506—509), engl. nose, altfries. nose, nos, mnd. nese, nase, nd. nese, näse, ndl. nese und neuse (Kil. 335a. 337a. Kramer 217c). die älteren nhd. wörterbücher setzen an: nase voc. 1482 x 2b, gemma gemm. (1508) Q 4c. Rädlein 666a, nase und nasz Dasyp. K 7a, nas Murmelius 45, nasz und nasen Maaler 303a, nas und nasen Stieler 1332, blosz nasen (wie noch in oberd. mundarten, vgl. Schiller 2, 52, 10), Denzler 210a; durch geschärfte aussprache entstehen die formen nasse (Pauli schimpf u. ernst 39 Öst. Baumann quellen 1, 454) und nasz (Dasyp. Maaler. Brant narrensch. 71, 11. Keisersberg post. 3, 23a. 23b. Fischart Garg. 45a. Ringwald tr. Eck. J 4b. Waldis Es. 1, 94, 20). im älteren nhd. wird nach mhd. art der singular des wortes stark

[Bd. 13, Sp. 397]


oder schwach flectiert, während in der jetzigen schriftsprache der singular nur der starken form fähig ist (aber schwacher genetiv bei zusammensetzung), doch in oberd. mundarten auch der schwachen, die dem reime zu gefallen z. b. auch Göthe manchmal anwendet:

dann fängts auf einmal an zu rasen,
ein mächtger geist schnaubt aus der nasen. 2, 92;

er sieht aus wie ein kohlenbrenner,
geschwärzt vom ohre bis zur nasen,
die augen roth vom feuerblasen. 41, 97 (auszer dem reime 42, 6).

Bedeutung und gebrauch.
I. im eigentlichen sinne, das organ des geruchsinnes beim menschen und bei manchen thieren (statt schnauze, rüssel, nüstern: die nase des hundes, der katze u. s. w.; er gab mit dem schwerdt seinem pferdt eins auff die nasen. Amadis 290. 369 K.; die nase des stiers. Rückert Ham. 2, 43; ein elephant mit einem ringe in der nase. Lenz 3, 123).
1) die aus dem gesichte hervorragende äuszere nase und deren gestalt und farbe:

halb von knorpel halb von knochen
ist die nase zugericht.
Brockes 2, 339;

ein kolben ohne hals,
ein antlitz ohne nase
sind alle mangelhaft.
Lichtwer die wächserne nase;

wie sich im gesichte des thieres die nase hervordrängt. Herder ideen 1, 274; nd. sprichwort: eerst ene näse un denn een brill (zuerst die haupt-, dann die nebensache). brem. wb. 3, 219. Danneil 143b; redensart: einem die nase aus dem gesicht fluchen, s. th. 3 sp. 1830; die grösze und gestalt der nase. Klopstock 12, 24; der rücken einer nase. Lessing 2, 202;

viel hat er (der sohn) zwar von mir (dem vater),
doch meine nase nicht.
Claudius 1, 67;

seine nase spielte in allen farben. Holtei vagab. (1876) 1, 30.
Im einzelnen ist hervorzuheben:
a) die hohe, erhabene (römische), dicke, grosze, lange nase:

hie vor (vor der stirne) was sie (nase) sêre hôch. krone 16663;

dein nas ist als der turn des Libans, der do schauet gen Damascum. hohes lied 7, 4 (bibel von 1483 bl. 311b); die hohe nase. Aler 1451b; eine erhabene romanische nase. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312; eine dicke nase. ebend.; schau her, die römische nase. Kotzebue dram. sp. 1, 25;

diu nase (was im) als eim ohsen grôʒ. Iwein 446;

sîn nase grôʒ und gelûch. krone 16659;

einer der eine lange oder grosze nasen hat, naso. Murmelius 45; eine lange und dicke nase. Rädlein 666b; der selbige herr mit der grosen nassen. Pauli schimpf u. ernst 39 Öst.;

ein doctor, der uber die massen
het gar ein grosse .. nasen.
H. Sachs 9, 527, 13;

so sagt man auch von einem phantasten, der geglaubt habe, seine nas seie so lang, dasz sie ihm bisz auff den boden reiche. Simplic. 1, 252, 1 K.; sy hat ein lange nasen. F. Platter 229 B.; er (dein herr) hat das maul in der breite und die nase in der länge, wie ein mensch. Lessing 1, 411; von thieren: bei vielen raubthieren verlängert sich die nase rüsselförmig. Brehm thierl. 1, 181; sprichwörtlich:

lange nas und spitzes kinn,
da sitzt der satan leibhaft drin.
Simrock 400;

sehen, denken, so weit oder hoch die nase reicht, so lang die nase ist, nur das gegenwärtige, vor augen liegende bemerken oder bedenken: er sihet weiter nicht, als ihm die nase gehet. Rädlein 667a; man musz weiter sehen als die nase reicht. Simrock 400;

so hoch die nase reicht, da mags wohl gehn,
was aber drüber ist, können sie nicht sehn.
Göthe 4, 313;

im frühling wird ihm (dem bauer) doch das herz gröszer und er denkt weiter als die nase lang. Gotthelf Uli d. pächter (1859) 17; so weit dachte ich damals aber nicht, sondern wie ein junger schulmeister nur der nase lang. schulm. 1, 185. vgl. DWB lange nase unten II, 2 und IV, 1.
b) die spitze, gegensatz stumpfe nase Aler 1451b;

spitze näse un spitzen kinn,
daar sitt der levendige dvel in. brem. wb. 3, 219;

du (krankheit) machst .. dünn backen, ein gespitzte nasen.
H. Sachs 4, 433, 25;

spitzige nase Rädlein 666b. Schade sat. 2, 258, 33; stumpfe nase, obesae nares Aler 1451b; eine etwas stumpfe nase. Göthe 25, 297; die stumpfe nase des hundes ist vorstehend. Brehm thierl. 1, 311.
c) dünne, feine nase s. unter 2, a.

[Bd. 13, Sp. 398]



d) breite, flache, platte, geplätschte, eingedrückte nase: eine breite nase. Rädlein 666a. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312;

sîn nase ...
vlach, gewunden unde breit. krone 16664;

die ohren ellenlang, die nase flach und weit.
Wieland 18, 123;

etwas das ein flach nas hat, simus. Murmelius 45; die flache nase der affen. Brehm thierl. 1, 4, 28; eine platte nase (des affen). Herder ideen 1, 163; die geplätschten nasen, welche anfänglich von eltern an neugebornen kindern gekünstelt, in der folge von der natur in ihre zeugende kraft aufgenommen wären. Kant 10, 53;

mich mit gepletschter nase freundlich drückend.
A. W. Schlegel in Wackernagels lesebuch 2, 1290, 41;

der ein nidergedrukte breite nasen hat, resimus. Dasyp. K 7a; eingedrückte nase. Wieland 8, 81.
e) krumme, gebogene, bucklichte, aufgestülpte, aufgeworfene nase (vgl. 4, a): der ein krumme nasen hat, epigryphus. Dasyp. K 7a; gebogen nasz, aquilinus nasus. ebenda; pucklete nase. Aventin. 4, 516, 16; bucklichte nase. Rädlein 666b; einer der ein uberstulpte nas hatt, resimus. Murmelius 45; krumme nase (der alten frau), die mit der spitze ans kinn reichte. Stillings jug. (1780) 116; bogige, gebogene, abwärts sinkende, aufwärts gehende, aufgeworfene, aufgestülpte nase. Lavater hinterl. schriften 5, 10. 27. 38. 39. 43. 44; unter tausend mehr oder weniger gebogenen oder aufgestülpten .. nasen. Wieland 8, 81; diese schöne .. mit der holdselig aufgestülpten nase. H. Heine (1876) 3, 218.
f) rothe nase, besonders die kupfer-, weinnase: das sie ein kannen wein mehr müssen trincken und also truncken werden, das sie .. ein rote nasz bekommen. Fischart bienenk. 88b;

die nas ist feuerroth.
Logau 1, 8, 49;

süsser brandtwein, so ..
die lippen (der muhme) andachtvoll, die nase roth gemacht.
Rachel 5, 56;

seine purpurrothe nase
zeigt bekanntschaft mit dem glase.
Langbein (1854) 3, 200;

vergl. die rose schlich bei vollem glase
sich auf des herrn gemahles nase.
Voss ged. 6, 262;

kleiner mann .. mit röthlicher nase. Freytag ahnen 5, 375.
g) bleiche nase, s. th. 2, 97 und: ob es gleich wol zu zeiten ein blaiche nasen gab. Zimm. chron. 4, 271, 17;

und mach ein ordnung zu der schlacht,
fürwar, es wird bleich nasen geben.
J. Ayrer 1454, 31.


2) die innere nase, die nasenhöhle als eigentlicher sitz des geruch- und spürsinnes und dieser selbst:

er gap dem antlutzze ..
zwei (locher) an der nas. Milstätter genesis 5, 15;

nasen underschaid, diaphragma narium. Dasyp. K 7a; die nase (der wirbelthiere) besteht aus zwei hölen und dient nur ausnahmsweise als tastwerkzeug. Brehm thierl. 1, xi; plur. die nasen:

di nasen (nüstern) wâren ime (dem Bucephalus) wît ûf getân.
Lamprecht Alex. 283;

sie haben nasen und riechen nicht. ps. 115, 6; also .. (hatten) die gäst aber ihre nasen voller gestank. Simplic. 1, 171, 22;

so viel specerei und blumen ..
(müsten) ohne nutz verrauchen,
wär die nase nicht geschickt,
dasz sie sich daran erquickt.
Brockes 2, 346;

wenn du diesen (balsam) einmahl nur gerochen,
wirst du götter und göttinnen bitten:
macht, o macht mich doch zu lauter nase!
Götz 2, 233;

die düfte .., die aus dem korbe steigen,
und die Kleanth mit mund und nase in sich schlürft.
Wieland 9, 64;

wer eine nase hat, spürt sie (die moral der geschichte) unfehlbar aus. 9, 126.
Im einzelnen.
a) dünne, feine nase mit dünnen nasenflügeln und feinen geruchsnerven, übertragen auf die geistige spürkraft: eine dünne nase haben, aliquid subodorari; er hat eine dünne nase, er ist ein scharffsinniger mensch. Aler 1452b; nd. eene dünne nese hebben, leicht etwas vermerken. Richey 173. Schütze holst. idiot. 3, 141; eine feine nase haben, in eigentlicher und übertragener bedeutung. Hennig preusz. wb. 168; die herren haben zu feine nasen! sie haben ausgespürt, dasz gut bei uns zu leben ist. Wieland 8, 158;

ein mann von witz
und feiner nase. Hor. sat. 1, 4, 12;

auch ein mensch mit feiner nase:

doch manche gäste das verdrosz,
gewisse feine nasen.
Göthe 2, 210.

[Bd. 13, Sp. 399]



b) ebenso gute (schlechte), treffliche, scharfe nase, zunächst vom spürhunde: gute nase, sagt man, hat der hund, welcher die fährt richtig verfolget. Fleming deutsch. jäger 107. Zedler 23, 715; eine gute, eine schlechte nase. Kehrein 217; hühnerhund .. mit schöner weiter suche, brillanter nase .. zu verkaufen. Augsburger zeitungsannonce vom 26. mai 1882. vom menschen eigentlich und übertragen:

ein kind, geboren diese tag,
hat tieff augen ..
ein scharpffe nasz, ein grossen mund.
H. Sachs 4, 274, 25;

er hat eine gute nase, er riecht scharff. Rädlein 667a; der eine gute nase hat, bald etwas merkt. Frisch 2, 9a; die nase ist ein sinnbild des witzes und verstandes .. eine gute nase, das ist, einen durchdringenden verstand haben. Zedler 23, 712; Sacco. auf dich hoft er halbwegs zu einem kühnen komplot. Kalkagno. er hat eine trefliche nase. Schiller 3, 116 (Fiesko 1, 3);

die ihr mit scharfen nasen ausgewittert
viel höchst gefährlicher geheimer bünde.
Uhland (1879) 1, 169.


Daher auch
c) gescheide, weise nase: schweizerisch, e gschide nasa hah, die sache geschickt angreifen oder etwas gleich merken, den braten riechen. Tobler 329b. Seiler 219b;

doch dasz auch männer mit hochweiser nase
sich täuschen lassen von dem falschen scheine,
das weisz ich.
Rückert (1847) 99.


d) das innere der nase wird angezeigt durch präpositionen (vergl. I, 5):
aus der nase flieszen, triefen, ziehen, schnauben u. dgl.: darumb wird euch der fleisch geben, das ir esset .. bis das euch zur nasen ausgehe und euch ekel sei. 4 Mos. 11, 20;

dann fängts auf einmal an zu rasen,
ein mächtger geist schnaubt aus der nasen.
Göthe 2, 92;

die schönen basen fiengen an zu knixen,
und wasser schnob der vetter aus den nasen (nasenlöchern).
Rückert ges. ged. 1, 159;

aus voller nase schreien (sehr laut durch die nase reden). Klinger 10, 19; einem die würmer aus der nase ziehen, von einem was herauslocken. Rädlein 667a;

zieh ich ..
den burschen leicht die würmer aus der nase.
Göthe 12, 108.


durch die nase: arzenei so man durch die nase ziehet. Stieler 1333; der hat ihm ein greuliche feder durch die nase gezogen (ihn belogen). A. Gryphius 1, 887a;

wird ein überflüssig nasz ..
durch die nase weggeführet.
Brockes 2, 332;

durch die nase reden (näseln). Rädlein 667a. Aler 1452a; ich hörte vor mir seltsame silben durch die nase zählen. Chamisso (1872) 2, 261.
in der nase: ich gribbel in der nasen. Fischart Garg. 45a; dieser (gestank) meldet sich augenblicklich in unsern nasen. Simplic. 1, 157, 26.
in die nase: und gott .. blies im ein lebendigen odem in seine nasen. 1 Mos. 2, 7; in die nasen ziehen, ad nasum venire. Denzler 210a; übertragen: in die nasen riechen, ungern haben. ebend.; es hat ihm in die nase gerochen, aspere id accepit. Aler 1452b;

jenes volk, das seinen glauben schminkt
und ganz vor heuchelei in gottes nase stinkt.
Fleming 197;

weihrauch zu ziehn in meiner nase riechorgan.
Platen (1847) 4, 83;

wenn manchmal ein heiterer westwind .. ihnen die unerhörtesten wolgerüche in die nase weht. H. Heine (1876) 12, 194; in die nase stoszen, schieben:

er schob den bärtgen stab (getreidehalm)
dem schäfer kitzelnd in die nase.
Langbein (1854) 4, 199;

in die nase (als guter oder schlechter geruch) fahren, beiszen, stechen, etwas riechen, spüren, merken:

dem klugen wicht
fährts ins gesicht
und in die nase.
Göthe 4, 323;

den appetit, das verlangen wonach reizen, etwas gerne haben wollen:

so stach kein schinken je dem windhund in die nase.
Göthe 7, 90;

die goldbarren stechen mir verzweifelt in die nase. Lessing 12, 504; unangenehm berühren, ärgern: (als) im die red kroch in die nasen. Spangenberg Saul a 1a. cc 1a; henneb. das ist mir in die nase gefahren. Spiesz 171; westerw. es hat mich in die nase gebissen. Schmidt 121; das stach mich verzweifelt in die nase, dasz man mir den ruhm ... zu wasser machen

[Bd. 13, Sp. 400]


wollte. Gotthelf schulm. (1859) 1, 117; ebenso in die nase schnupfen Rädlein 667a: leicht ist zu erachten, dasz dieses dem juden müsse mächtig in die nasen geschnupfet haben. Widmann Faust 263; in die nase reiben wie unter die nase reiben (5, g): und alles das er uff in weisz das er gethon hat und das im ubel an stot, das ribet er im in die nasz und verbutzt in wol. Keisersberg post. (1522) 3, 23b; Elisi .. machte sich auf die füsze, um Vreneli alles .. in die nase zu reiben. Gotthelf Uli d. pächter (1859) 440.

von der nase: dampff gieng auff von seiner nasen. ps. 18, 9.


e) rotzige oder fratte nasen wie die kind, madidi infantia nasi Frisius 856b; kranke (verschnupfte) nase. Thümmel (1839) 2, 13; die nase voll haben, rheumate laborare Frisch 2, 9a.
3) die nase als subject (vergl. auch unter 1, a): die nase riecht, schnaubt, schnarcht, trieft, blutet u. dgl.;

das auge siehet nur, die zunge schmeckt allein,
die nase reucht, das ohr hat einig das gehör.
Lohenstein Arm. 1, 1412b;

nicht jede nase riecht den braten. Simrock sprichw. 400; geruch .., dergleichen meine nase lange zeit nicht empfunden. Simpl. 1, 180, 15; ihre nasen weideten sich zum voraus an düften von bester vorbedeutung. Wieland 19, 235;

mund und nase saugen
den angenehmen schwall. natur der dinge 5, 277;

von dem odem und schnauben seiner (gottes) nasen. 2 Sam. 22, 16;

o aller nasen nas'! ich wollte schwören,
das ohr kann sie nicht schnauben hören.
Lessing 1, 8;

hebet an mit schnaubender nasen
zu wüthen .. und rasen.
Rost bei Gödeke elf bücher 1, 545a, 77;

wie seine nase schnaubt.
Wieland Oberon 5, 57;

sieh .. wie die nas ihm (dem teufel) schnaubt.
Voss ged. 2, 262;

es zuckten die nüstern der nase.
H. Heine (1876) 10, 243;

mit schnarchender nasen schlafen. Aler 1452a;

als im diu nase bluote. minnesinger 3, 104b;

das er sol in den hadern schliefen,
und auch darzu sein nasen triefen. fastn. sp. 786, 13;

die nase treuft, blutet ihm. Stieler 1332; trieffende nase, humentes nases. Aler; mir tröpfelt die nase. Ludwig teutschengl. lex. 1312; die nase wird lang oder spitzt sich:

secht nur, wie sich anspitzt sein nasen.
H. Sachs 3, 3, 61b;

'darf man wissen, was sie unter schönen augen verstehn?' fragte die kleine Myris, indem sich ihre nase merklich spitzte. Wieland 19, 46; die nase steht ihm hoch. Rädlein 666b; die nase steht nach, ist gerichtet auf:

nach welchem doctor steht die nase?
Günther 429.


4) die nase als object.
a) mehr äuszerlich:
α) die nase hoch (in die höhe) tragen, heben, erheben, aufwerfen (vgl. 1, e), eigentlich, zunächst vom spürhunde: der hund trägt die nase hoch, wenn er was im winde hat. Zedler 23, 715;

er spähte rings umher im grase;
doch als er dort umsonst gesucht,
erhob er plötzlich seine nase (schaute aufwärts).
Langbein (1854) 4, 211;

übertragen, als zeichen der überhebung, des hochmutes, der andere nicht beachtet, über sie hinwegsieht: die nase hoch tragen, hohe dinge begehren. Zedler 23, 712;

ha! wie sie hoch die nase trägt.
Gotter 1, 123;

du sollst die nase nicht allzuhoch tragen. Engel 1, 92; so hätte es freilich ... seine gränzen mit dem hochtragen der adligen nase. Niebuhr 3, 104; er trug z. b. immer die nase höher als andere, schaute über die leute weg. Wieland 33, 101; ritter ..., der die nase in die höhe trägt, der den vorbeigehenden über die schulter ansieht. Göthe 36, 62;

siehst du doch
auf leute niedrer abkunft ..
mit aufgeworfner nase nicht herab.
Wieland Hor. sat. 1, 6, 8.


β) die nase niedrig tragen, senken, hängen lassen u. dgl., zunächst wieder vom spürhunde, der die nase niedrig trägt, wenn er mit niedriggehaltner nase sucht. Weber terminol. lex. 386c: beide senkten die nasen und sahen einander über die brillengläser ... an. Freytag ahnen 4, 15; übertragen: henge die nase in deinen eigenen busen, forsche dich selbst aus. Schottel 1117a; nd. de näse hangen laten, sich schämen. brem. wb. 3, 219; die nase einspannen, einziehen, nicht hoch tragen:

ihr — ihr dort auszen in der welt
die nasen eingespannt.
Schiller 1, 344.

[Bd. 13, Sp. 401]



γ) die nase (oder mit der nase) anrennen, anstoszen, die nase abbrechen:

doch stündlich in gefahr ..
an irgend einen baum die nase anzurennen.
Wieland 9, 235;

baslerisch die nase, mit der nase anrennen, sich täuschen. Seiler 219a; appenzellisch d' nasa i n' alem abrecha wöla, in alles stecken wollen. Tobler 329b.
δ) die nase biegen (s. 1, e), beugen, krümmen, herumdrehen: die nase krümmen, rümpfen. Rädlein 568b; wenn er auch dem Abdala die nasen krümmete. Luther 8, 19a;

einer (dem weibe) die nasen krümmet ..
der ander nambs beim har.
H. Sachs 1, 340, 6;

der ein die nas beugt dort hin umb,
der ander macht sie hie her krumb.
Schade sat. 2, 242, 1719;

märkisch einem de nase rümdreen, ihn prügeln Frommann mundarten 3, 369, 27.
ε) die nase rümpfen, kräuseln, kräusen (kraus machen), wegen widerlichen geruches oder spöttisch: die nasen rümpfen, corrugare nares Maaler 303b; die nasen uber einen rümpfen, subsannare Dief. gl. 561b;

nase rimpfen,
spotten, gucken, valscheʒ schimpfen. Renner 14120;

stinckt ihn was an, so rümpft die nasen.
H. Sachs 7, 180, 33;

so bald er ... (wegen des übeln geruches) die nas ein wenig gerümpft hatte. Simpl. 1, 192, 20; ich bin in allen buchhandlungen .. gewesen; aber niemand hat es, fast niemand kennt es (das buch), und wer von den schönen geistern es ja kennt, rümpft die nase, dasz ich mich nicht schäme, nach einem solchen buche zu fragen. K. Lessing bei Lessing 13, 474 (vom jahre 1773);

was rümpft ihr die nasen,
ihr damen und herrn?
Bürger (1778) 225;

ihr sperren rührt mich nur, dasz ich die nase rümpfe. d. j.
Göthe 1, 187;

nun schlendert nach haus, doch ja nicht rümpfet die nasen,
und begnügt euch hübsch mit dem lustspiel selbst.
Platen (1847) 4, 74;

ei seht, sie macht die nase kraus.
Claudius 4, 165;

sie ward nicht sowohl den widrigen eindruck inne, als sie mit gekräuselter nase zurückfuhr. Engel 1, 340; nur zieht sich da, wo vorzüglich der geruch afficirt wird, die gekräuste nase mehr in die höhe. 7, 215.
ζ) die nase spitzen:

er spitzt die nase, er sturt sie an,
betracht sie herüber, hinüber.
Göthe 2, 194.


η) die nase in etwas stecken, stoszen, begraben, worin haben: du solt die nasen nicht darein stoszen, haec nihil ad te. Denzler 210a; müst ir denn eure nase auch drein (in allen dreck) stecken. Rädlein 666b; die nase in die bücher stecken, fleiszig studieren. Zedler 23, 712; den es divertirt recht, wen man die nasz drin steckt. Elis. Charl. v. Orl. (1867) 384; wo die jungens die nase hin steckten. Lenz 1, 180;

herr nachbar naseweisz, steckt eure nase
wo anders hin.
Schiller 13, 417 (Turandot 3, 4);

steckt die nase in alle sachen,
die euch doch nichts gehen an.
Ditfurth 4, 44, 3;

ein so unruhiger kopf .., der das bedürfnis fühlt, sich um alle bedürfnisse der menschheit zu bekümmern und gern die nase in alle töpfe steckt. H. Heine (1876) 6, 224 (vgl. Wander sprichw. 3, 962, 384);

in jeden quark begräbt er seine nase.
Göthe 12, 23;

er will in allen dingen die nase haben, aliena curat. Aler 1453a; dasz niemand merke, dasz vergänglichkeit überall die nase im spiel hat. d. j. Göthe 1, 403.
θ) die nase begieszen, sie zu tief ins glas stecken, saufen, sich betrinken (Hennig preusz. wb. 168. Albrecht Leipz. mundart 175a. brem. wb. 3, 219), s. th. 1, 1294 und: er hatte ein wenig die nase begossen, er hatte ein wenig zu viel getrunken. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312;

dem sauffen war er bitter feind,
hielt keinen mann vor seinen freund,
der liederlich die nasz begosz.
Ringwald tr. Eck. (1602) M 3b;

wenn er ... die dicke nase begossen hat. laut. wahrh. 112; das man im rath sitzt und die nase begossen hat. 267; auf den abend, wann wir die nase wieder begossen haben. Jul. v. Braunschweig 46 Tittm.; es erzehlete, sobald die nasen begossen waren, ein jeder seine .. heldenthaten. Felsenb. 2, 496.

[Bd. 13, Sp. 402]



ι) die nase schlitzen, abschneiden, abbeiszen:

mag ich, ich wil in allen die nasen schlitzen. fastn. sp. 660, 33;

sie sollen dir nasen und ohren abschneiten. Hesek. 23, 25 (über das nasenabschneiden als strafe vergl. Schultz höf. leben 2, 150. 222. 257. Wander sprichw. 3, 961, 341); sprichwort: wer sin nese afnsnitt, de schendt sin angesicht, von eltern und eheleuten gesagt, die ihre kinder oder andere hälfte lästern. Schütze holst. idiot. 3, 141;

darum ich sie gar früntlich bitt,
das sie verschwörent ire nas
abzbiszen.
Murner narrenbeschw. 85, 66;

du solt nichts geloben als nasen abbeiszen. Pistorius anat. Luth. 1, 122; jetzt vor lieb solst du ihm abgebissen haben die nase. A. v. Eyb Menaechmi 96b; man hatt woll recht, dasz man sagt, dasz man vor nichts schweren solle, alsz nahszen abbeiszen undt ellenbogen küssen. Elis. Charl. (1867) 84.
b) mehr innerlich.
α) die nase aufspünden (th. 1, 744), aufsperren (1, 742), aufreiszen: er erzählete solche sachen, worüber ich maul und nase aufsperret (vor verwunderung). Felsenb. 3, 449; unterdessen sperreten alle .. fast die mäuler und nasen auf, als sie uns die probe mit den bomben machen sahen. 4, 239; Lady. das sind schlechte .. menschen, die sich entsezen, wenn mir ein warmes herzliches wort entwischt, mund und nasen aufreiszen, als sähen sie einen geist. Schiller 3, 389 (kabale 2, 1).
β) die nase verhaben, zuhalten, vor gestank: dan der meister .. koufft käsz, der stank so grusam übell .., das die frow die nasen mszt verhân. F. Platter 54 B.;

dasz sich der arzt .. hält die nase zu.
Fleming 1, 144 L.;

hielt sich die nase zu und rief: was stinkt denn hier?
Stoppe neue fabeln 1, 141;

wo einer .. dem Mäcenaten so unmäsziglich räuchert, dasz diesem schlimm darob wird, und er endlich die nase zuhalten musz. Klopstock 12, 54; übertragen: es stinkt um dich von faulen aufgebrochenen beulen, dasz die himmlische luft sich die nase zuhalten möchte. der j. Göthe 2, 175.
γ) die nase schneuzen, putzen, wischen: und wer die nasen hart schneutzt, zwingt blut eraus. spr. Sal. 30, 33;

so man die nasz zu sere zwinget,
gar bald das blut dar nach springet.
Weller dicht. des 16. jahrh. 64;

sich die nase am ärmel schneutzen. Wieland 15, 134; übertragen: also sol man uns deudschen narren die nasen schneutzen. Luther 1, 264a; die nasen butzen, mungere Maaler 303b;

die nas ist ungeputzt.
Rachel 1, 52;

bei diesen worten putzte er sich die nase. H. Heine (1876) 2, 69; einem die nase putzen, ihn derb zurechtweisen. Spiesz henneb. idiot. 171; darumb wisch ich die nasz. Fischart Garg. 45a; die nase an den ärmel wischen, emungere se cubito. Stieler 1332; sprichwörtlich: wer dem kinde die nase wischt, küszt der mutter den backen. Lessing 11, 386.
δ) die nase kitzeln:

kaum kizelt' ihre nase
der duft aus seinem glase.
Bürger (1778) 144.


5) nase (äuszerlich), abhängig von einer präposition (vergl. I, 2, d), im eigentlichen sinne und in vielen redensarten oder sprichwörtern (s. Wander 3, 947—966).
a) an der nase: an der (wie bei der, mit der) nase führen, herumführen, herumziehen (s. th. 41, 434. 42, 1178. 1185); an der nasen herum führen, dolis circumducere. Denzler 210a; hat sie nun keinen .., den sie an der nase herumführt, der sich ihr zu liebe die rippen zerstoszen liesze? Göthe 11, 23; um meine nase bekümmerte sich niemand, bis man sie grosz genug fand, mich daran herum zu führen. Gotthelf schulm. (1859) 1, 200;

und sich noch an der nasen
mit solchem übermuth
herum geführt zu sehn
von diesem hasen.
Wieland 18, 323.


an der nase zupfen: so zupfte er sich (vor verlegenheit) wechselsweise bald an der nase bald am bart. Wieland 20, 224; zupf dich an deiner nase! bekümmere dich um deine angelegenheiten. Spiesz henneb. idiot. 171.
an der nase zählen: warum sollte man nicht von dingen, die fast einzig in ihrer art sind, im scherze (nach dem franz. compter avec le nez) sagen dürfen: dasz sie sich an der nase zählen lassen? Lessing 11, 655.

[Bd. 13, Sp. 403]



an der nase sehen, spüren, lesen, merken, kennen: man sihet dir an der nasen wol an, wie alt du bist. Frank sprichw. 2, 18b;

ha! ich merke wol an euren wehrten nasen,
dasz ich mit hübschen phrasen
eur ohr nur kizeln sol.
Bürger (1778) 147;

was ihm gefällt und was man lassen soll,
kann man dem herrn nie an der nase spüren.
Göthe 12, 172;

so manch verdienst ums gemeine wesen,
könnt ihr ihm nicht an der nase lesen. 2, 281;

der doctor .. fand dieses unter der würde eines gescheiden menschen; das merkte ich an seiner nase. 16, 40; ob er schon den hut so ins gesicht geschoben hatte, so kannt' ich ihn doch an der nasen. 42, 6.
an die nase greifen, klopfen (s. th. 5, 1226): greif an deine nase! spricht die mutter zum kinde, welches gern fleisch haben möchte. Spiesz henneb. idiot. 171.
an die nase halten, heben, hängen, heften, binden, legen, werfen, machen: und sihe, sie halten die weinreben an die nasen. Hesek. 8, 17; an die nase heben, naribus subducere Aler 1452a; wer die leute richt, und ihnen .. ihr gebrechen an die nase hengt. Ringwald laut. wahrh. 185; dem musz man so was an die nase heften, wenns morgen am marktbrunnen ausgeschellt sein soll. Schiller 3, 366 (kabale 1, 2); einem etwas an die nase binden, eine unwahrheit einreden. Spiesz henneb. idiot. 171 (vgl. DWB auf die nase binden); so wil ich dir einen rink an deine nasen legen (deinem trotze einhalt thun). 2 kön. 19, 28; ich legte meinen finger an die nase und sann lange nach. Gellert 8, 4; der heillose schnupfen, den mir die bise .. an die nase warf. Thümmel 3, 20; einen knopf an die nase machen (s. theil 5, 1476). Simrock sprichw. 400.
b) auf der nase: einem auf der nase sein, sitzen, liegen, in unmittelbarer und belästigender nähe sein;

die Preuszen aber sitzen hie
uns fast schon auf der nasen.
Ditfurth 5, 68, 2;

er wird sie, dir auf der nase, beschwatzen. Schiller 3, 357 (kabale 1, 1); auf der nase liegen, auf die nase gefallen sein, besonders von kranken und schwächlichen: recht gesund ist er nicht, er liegt alle augenblicke auf der nase; nach jedem diätfehler liegt er auf der nase u. dgl.
auf der nase tanzen: dasz mir durch das alte morsche dach schnee und regen auf der nase tanzen soll. Göthe 11, 275; einem auf der nase herumtanzen, jemandes willen und autorität misachten oder verletzen. Spiesz henneb. idiot. 171.
auf der nase geigen, s. th. 4, 12, 2577; ich lasz mir nicht auf der nase spielen, mich nicht zum besten haben. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312.
auf die nase: auf die nase fallen (Rädlein 667a), sinken, vorwärts, aufs gesicht fallen (s. th. 3, 1280);

so sah er die fremde dame und unsern helden, so lang
sie waren, ihn auf die nase, sie rückwärts niedersinken.
Lenz 3, 73;

übertragen: auf die nase fallen, mit einem vorhaben scheitern. Stilling häusl. leben 40, 89; das fasz ligt auf der nasen, vinum in fundo est. Denzler 210a.
die brill auf die nasen setzen. Luther 2, 139b; einem auf die nase sitzen, sich auf die nase setzen:

mein bett umschwirrn
die schwarzen fliegen; auf nas und stirn
setzen sie sich.
H. Heine (1876) 11, 173.


einem auf die nase kommen, ihn treffen, überfallen: ich will nicht sagen, dasz ich es (unglück) ihm gönnen mag, aber recht ist, dasz dem auch mal was auf die nase kommt. Gotthelf Uli d. pächter (1859) 318.
auf die nase binden, wie aufbinden, offenbaren, wissen lassen: einem alles auff die nase binden. Aler 1453a; wills weiter sunst niemand auff d'nasn binden, wasz ich erfarn thue. Schwabe tintenf. 68;

doch jedem narren musz mans nicht
gleich auf die nase binden.
Claudius 1, 75;

kindern musz nicht alles auf die nase gebunden werden. Lessing 2, 463; er sagt von ihr, was man nun freilich von seiner frau nicht einem jeden auf die nase bindet. 8, 482; wer wirds denn dem auf die nase binden? Kotzebue dram. sp. 2, 51; mit dem nebenbegriff des unwahren, einem weis machen: weil er ... sich in einer so wichtigen sache nichts will auf die nase binden lassen. Claudius 6, 10. vgl. DWB an die nase binden, heften.

[Bd. 13, Sp. 404]



auf die nase geben, treffen, schlagen, werfen: einem was auf die nase geben, colaphum alicui infringere Steinbach 2, 111;

ob ich dir d'fust uff d'nasen gb (mit der faust ins gesicht schlage).
Murner gouchm. 1236;

ich wolt euch sunst ufft d'nasen treffen. 618;

einem eins auff die nasen gben, dasz sy im flach wirt, nares contundere Maaler 303b;

weil das mohrengesicht
sie (die fische) etwas derb auf die nase geschlagen.
Wieland 18, 239;

wenn man sie (die kühe) mit schlägen auf die nasen trieb an die deichseln der schwerbeladenen mistwagen. Gotthelf schulm. (1859) 1, 158; einem eine hand voll finger auf die nasen werfen (ihm mit voller hand ins gesicht schlagen). pol. stockf. 286.
auf die nase machen wie an die nase machen: bruder memento mei, mach dir ein knopf auf die nasen und vergisz meiner nicht. Abraham Judas d. erzschelm 1, 6; auf die nase bauen: zu eben der zeit, da ihnen die Peloponnesier eine festung auf die nase bauen. Heilmann Thucyd. 936 (da die Peloponnesier die stadt durch die befestigung von Decelia sperrten. Jacobi).
auf die nase scheiszen:

Venus schisz mir ein dräck ufft d'nasen.
Murner gouchm. 525;

ich scheisz dem alten baurn auf d'nasen.
Ayrer 2950, 17;

einen dreck auf deine nase! Schink marionettentheater (1778) 186.
c) bei der nase: bei der nase haben, fassen, zupfen, nehmen; man hat ihn greulich bei der nasen gehabt, man hat ihn heszlich betrogen. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312; wir sind verrathen, rief ich aus, der teufel hat uns bei der nase. Göthe 23, 114; wobei ich nicht versäumte .. meinen gönner bei der nase zu fassen, und sie merklich herüber und hinüber zu biegen. 112; ich will ihn bei der nase zupfen. 110; nimm dich selbs bei der nasen, in tuum ipsius sinum inspue. Denzler 210a; er heisset in sich bei der nasen nemen und an seine undankbarkeit denken. Luther 5, 70b; er solt sich billich selbst bei der nasen nemen. 6, 25a; hie solten die papisten sich bei der nasen nemen, wenn sie schreien über klösterbrecher. 86b; und wenn sie sich auch selbs bei der nasen nemen wolten. 316a; ein jeder nehme sich selber (wie ich mich) nur dapfer bei der nasen und forsche sein eigen hertz. Chr. Andreae buszposaune (1643) B 2a;

nichts bessers, das man sich erst zem
und selber bei der nasen nem.
Waldis Es. 2, 61, 22;

mhd. der vâch (fange, fasse) sich selben bî der nasen.
Helbling 2, 516;

ebenso bei der nase ziehen (vgl. Wander 3, 964): ziehe dich selber bei der nase, nosce te ipsum. Stieler 1333; ein jeder ziehe sich selbst bei der nasen. facetiae facet. 411; ach fraw, ziehet euch selbert bei der nasen! Zimmer. chron. 3, 544, 9;

herr, zieht euch selbst bei der nasen.
Stephani geistl. action (1568) D 6a.


bei der nase ziehen, umziehen, herumziehen oder führen, herumführen (wie an, mit der nase), närren, anführen, nasführen (vgl. Wander 3, 956. 963 und oben th. 41, 434):

erst merck ich, das mich hat betrogen
Jupiter, bei der nasen zogen.
H. Sachs 7, 281, 9;

ich hab auch manchen mann betrogen,
bei der nasen am recht umbzogen. 146, 18;

wenn Günther durch ein beiszend lied
die narren bei der nase zieht.
Stoppe Parnass 49;

und so bin ich doch .. jämmerlich angeführt worden, so hat man mich doch .. bei der nase herumgezogen. Lessing 3, 58; by der nasen fren. Frank sprichw. 2, 148a; diesz mandat .. führte die leute allzugröblich bei der nase. Luther br. 2, 369;

alle frowen umendum,
die uns man bi der nasen fieren.
Murner narrenbeschw. 9, 3;

das heiszet bei der nasen fieren. 54 überschrift;

wie führt ihn das weib bei der nasen.
H. Sachs 5, 263a;

als bald
hand sie uns bei der nasen gefrt.
Schade sat. 2, 221, 919;

er läszt sich nicht regieren
von einer frembden hand, nicht bei der nase führen.
Opitz 1, 56;

wenn er mich bei der nase geführt haben will, so hab er es! aber ich werde es ihm in meinem leben nicht vergessen. Lessing 12, 404 (vom j. 1773); man musz den Paganin durch viel zusagen und aufschneidereien bei der nasen umführen.

[Bd. 13, Sp. 405]


Gryphius 1, 865; gedachte sie beide der nasen umzuführen. Schütz Preuszen 104; das heist bei der nasen herumb geführt. Weise erzn. 55 neudruck; ob ich ... nur etwa bei der nase herum geführet bin. Felsenb. 4, 388; aber dies ist eben der wahre charakter gewisser prinzen .., sich von ihren kammerherren bei der nase herumführen lassen. Nicolai bei Lessing 12, 381 (v. j. 1772); wenn man sich von solchen compangnons bei der nase herumführen läszt. Göthe an Trapp (d. j. Göthe 1, 236); wie sie uns bisher hätten bei der nase herumgeführt. werke 8, 176; das denkt jeder gute ehemann (dasz die frau hinter seinem rücken nur gutes von ihm spricht) und läszt sich bei der nase herum führen. 11, 310.
d) für der (wie vor der) nase: aber es ist alles vergessen, wenn mans nicht alle stunde für der nase sihet. Luther 5, 530b; für (vergl. vor) die nase: ja ir bisset euch ehe in einen finger und machet den leuten dieweil einen blauen dunst für die nasen. Joh. Wigand 5a;

secht eben drauff, das euch nicht reut,
wens unglück euch für d'nasen bleut.
Scharpfenecker B 2a;

und wenn ich
das bchlin für die nase nam.
Ringwald tr. Eck. (1602) J 8a;

für die nase halten, stellen, stoszen, reiben (Schm. 1, 1758 Fromm.), werfen, in derber weise vorhalten, vorwerfen (vgl. in die nase, unter die nase reiben, stoszen, rücken): da (vor gottes gericht) wöllen wir ir (der welt) ... für die nase halten, was wir für gute werck gethan haben. Luther 6, 62a; darnach mögen sie uns auch für die nasen halten das ... concilium. Fischart bienenk. 46a; wenn dich der teufel recht angreiffen wird, und für die nasen stellen, was du gethan und nicht gethan hast. Luther 6, 69a; da man die acta synodica wieder solte für die hand nemen und inen für die nase stoszen was sie gemacht. Joh. Wigand 7b; solches hab ich dir hiemit entdecken und für die nasen stoszen müssen. Engerd seelenartznei (1581) 44; wirfts in (den frauen) für die nasen. Aventin. 4, 512, 23.
e) mit der nase: und stund eh ich michs versah, wieder mit der nase vor dem flusz. Göthe 57, 119; die mit ihren nasen dabei waren (selbst theilnahmen). Thümmel (1839) 2, 209.
mit der nase fallen: da ich die taube habe fangen wollen, so bin ich darüber mit der nase ins weiche gefallen. Lessing 1, 288; mit der nase den boden küssen, anrühren (aufs gesicht fallen). Amadis 126. 349 K.; mit der nase bis auf die schuhe sich bücken (sich sehr tief verbeugen). Weisze kom. opern 1, 35.
mit der nase an, auf etwas stoszen (transitiv und intransitiv), vgl. I, 4, a, γ: hast du vernunft, so mstus grifen und dich mit der nasen doran stoszen. Schade sat. 3, 10, 11; doch was predige ich ihnen viel vor? sie müssen mit der nase darauf gestoszen sein. Lessing 3, 415; erlaubt, dasz ich euch mit der nase darauf stosze. Göthe 14, 109; den er nicht mit der nase aufs beszre gestoszen hätte. 14, 86.
mit der (wie an, bei der) nase führen, um-, herumführen, umziehen:

der sich läszt
schändlich um das licht als mit der nase führen.
A. Gryphius 1, 16;

das arme volck mit der nasen umbfüren. Luther 1, 306a. Schweinichen 2, 61; wie lang laszt ihr euch aber mit der nasen umbziehen ... und brauchet ewer fünff sinn nicht? Pistorius anat. Luth. 1, 181.
f) der nase nach (adverbial), nach der richtung der nase, gerade aus, eigentlich und bildlich: mhd.

hiur als ouch verne
gât diu welt der nasen nach.
Wackernagel leseb. (1859) 980, 14;

nhd. ganz der nasen nach. Keisersberg bilger 197a;

geh der nase nach, so wirst nit irr.
Ayrer 2, 126b;

die nennen mich ihren meister
und gehen der nase nach.
Göthe 4, 315;

wir schlendern, wo natur
vorangeht, mit; es geht gewöhnlich nur der nase nach.
Wieland 10, 249;

der einzge weg, sich noch heraus zu finden,
ist — auf gut glück der nase nachzugehen. Oberon 2, 26.


g) über der nase: es fehlt ihm zwei finger über der nase, sagt man im gemeinen leben von einem, der nicht viel verstand hat. Lichtenberg 4, 43. Simrock sprichw. 400.
über die nase:

und eine bittre thrän lief über seine nase.
Claudius 1, 128;

[Bd. 13, Sp. 406]


Claudius, der, wie die Berliner sagten, weil er nicht über seine nase wegzusehen pflegte, die meinung faszte, des menschen sehkreis reiche nicht über die nase weg. Gervinus 55, 352; einem über die nase fahren und sagen: was wiltu hievon reden? Schuppius 797; einem über die nase hauen, ihm trotzige antwort geben. Ludwig teutsch-engl. lex. 1312.
h) unter der nase: loch under der nasen, der mund. Frank sprichw. 2, 51b; ein sehr ernsthaft, frölicher und redlicher mann, der meines wissens kein zank gesucht, doch ihm nicht gern under der nasen krawen leszt (mit sich nicht gern spaszen läszt). Kirchhof wendunm. 223a;

der zopf der ehmals hinten hing,
der hängt jetzt (als schnurbart) unter der nase.
H. Heine (1876) 10, 197;

einem etwas unter die nase reiben (vgl. DWB für, DWB in die nase reiben), objurgare, increpare, redarguere aliquem Stieler 1333. Schm. 1, 1758 Fromm.; noch dem als der herr jenen hat verwissen iren unglouben und under die nasz geriben. Keisersberg post. (1522) 3, 23a; ja ich .. darff auch nichts mehr sagen, ich wolt es ihm sonst auch wol unter die nasen reiben. A. Gryphius P. Squentz 25 neudruck; hätte es meine grosze schwachheit zugelassen, so würde ich ihm sein hitziges verfahren .. unter die nase gerieben haben. ehe eines weibes 201; ich werde niemandem etwas unangenehmes unter die nase reiben. Lessing 7, 188; freilich war der, welcher es den christen zuerst gleichsam unter die nase rieb, nur ein getaufter jude. 10, 202; ich wills ihm unter die nase reiben. Klinger das leidende weib 2, 2 (Lenz 1, 180); und sahen die bediente nicht aus, als wenn sie die wohlfahrt des hauses einem jeden unter die nase reiben (derb zu verstehen geben) wollten? Möser 1, 162; ich verehre die Engländer sehr, aber ich mag gerne sehen, wenn ihnen von uns etwas unter die nase gerieben wird. Lichtenberg 8, 156.
ebenso unter die nase stoszen, rücken. Denzler 210a; und aus diesem bedenken hab ich dis bchlin an tag geben und wil es den widersachern des evangelii unter die nasen gestoszen haben. Luther 5, 259a; lasset euch die fackel offentlicher warheit unter die nasen stoszen. Joh. Wigand 10b; das si es lesen und uns under die nasen rucken. Aventin. 4, 571, 1.
i) von der nase: bleib mir von der nase, amove te a conspectu meo. Stieler 1333.
k) vor der nase, unmittelbar, ganz dicht vor einem: nur sehen was vor der nase ist, solum videre, quod ante pedes est. Steinbach 2, 111; was siehst du hier? 'wo denn?' grad hier vor der nase. Göthe 21, 54; sie suchen was ihnen vor der nase liegt. Wieland 36, 52;

was einem vor der nase geschehen,
nicht glauben dürfen, bei gott, ist hart! 18, 236;

und vor der nas ihm gar sein einzig kind umfangen,
bei gott! das hat doch wahrlich keine art! Oberon 4, 62;

und wenn sie dir die bewegung läugnen,
geh ihnen vor der nase herum.
Göthe 3, 296;

ducaten,
die er uns vor der nase weggeschnappt. 11, 130;

einem die thür vor der nase zuschlieszen, zuschlagen (Rädlein 667b), eigentlich und bildlich: oftermals die thür eröffnen und gegentheils auch vor der nasen zuschlüssen. polit. stockf. 3; zu gleicher zeit springt sie zurück und schlägt ihm die thür vor der nase zu. Felsenburg 3, 408;

da schlug
man vor der nase
die thür ihm zu.
Wieland 18, 309;

(sie) wünscht angenehme ruh,
und schlieszt die thür ihm vor der nase zu. Klelia u. Sinib. 5, 344;

(die vernunft) macht sich die ganze welt zu feinden
und schlägt oft unsern busenfreunden
die thüre vor der nase zu.
Gotter 1, 322.


vor die nase setzen:

setze mir nicht, du grobian,
mir den krug so derb vor die nase!
Göthe 5, 210.


II. schon unter I, 5 kann nase manchmal metonymisch für das ganze gesicht oder den gesichtsausdruck genommen werden; noch deutlicher tritt diese bedeutung im folgenden hervor.
1) das angesicht.
a) ich solle mich im schweis meiner nasen neeren. Luther 6, 313a; das brot im schweis der nasen verdienen. 8, 91b.
b) in folgenden präpositionalen fügungen. an der nase: sie fand die allermeisten gäste schöner an der ferse (wenn sie fortgiengen) als an der nase. Gotthelf erz. 3, 215; an, in, unter (Rädlein 666b) die nase lachen:

[Bd. 13, Sp. 407]


wie er den zärtlichen und angenehmen macht,
fast überlaut ihm an die nase lacht.
Wieland 9, 66;

indem Aurora ..
bei seinem ach ihm an die nase lacht. 10, 207;

ich hielt mich aufrecht und lachte ihr in die nase. Holtei vagab. (1876) 1, 8;

erzählt ich in Europa diese sachen,
sie würden mir unter die nase lachen.
Schiller 3, 372 (Turandot 2, 2);


in die nase sagen, trutz bieten: so müssen sie hören, das Joh. Huss in ihre nasen sagt. Luther 1, 366a;

(wir) boten, tieger von natur,
dir in die nase trutz!
Gleim kriegsl. 2, 108 neudruck;

unter die nase treten, sagen (vgl. DWB auge 5, th. 1, 791): so musz er sich gefallen lassen, dasz ihm einer unter die nase tritt. Göthe 29, 247; ich trat jetzt sogar dem gespenste mit trotz und hohn unter die nase. Thümmel 3, 317; also das (er) ihm gut rund teutsch under die nasen sagt. Fischart Garg. 264a; ich begreife gar nicht, wie der herr von Voltaire einem Engländer .. so etwas unter die nase sagen können. Lessing 7, 70.
2) der gesichtsausdruck, die miene, in der redensart mit einer langen nase abziehen, d. h. unverrichteter sache und deshalb mit enttäuschtem, verlängertem gesichte abziehen: mit der langen nasen dervon gehen. Denzler 210a; er ist mit einer langen nasen darvon gangen, abgezogen. Aler 1453a; mit einer langen nasen abziehen müssen. Hennig preusz. wb. 168; hat also mit einer langen nasen wider abziehen müssen. Harsdörfer lust- und lehrr. gesch. 1, 86; woselbst er gewisz mit einer langen nasen abziehen müszte. Pierot 1, 202; verzeihen sie meiner schwachheit, die ohnehin mit der etwas langen nase genug gestraft ist, mit welcher sie hat abziehen müssen. Bürger 496b; da giengs aus .. und muszten abziehen mit langer nase. Schiller 2, 32 (räuber, schausp. 1, 2); aber der schulrath ... ziehet mit einer langen nase ab. J. Paul Siebenk. 1, 123; es soll sich gleich zeigen, wer von uns beiden mit der längern nase abziehen wird. Lessing 10, 240. auch mit langer nase stehen lassen:

sie geht und läszt mich hier mit langer nase stehn.
Kotzebue dram. sp. 2, 172.


da es aber auch heiszt einen mit der langen nasen abweisen (Denzler 210a), einem eine lange nase geben (Frisch 2, 9a), so kann unter der langen nase der obigen redensart wol auch die nase verstanden werden, die einem gemacht, gezogen worden ist, s. unter IV, 1.
III. die nase (als der hervorspringende theil, gewissermaszen der haken des gesichtes) ist aber auch das bild des hindernisses, widerstandes, daher eine nase (wie einen haken) haben, schwierigkeiten haben, nicht so glatt und leicht von statten gehen: das hat nasen (aus der Eifel), nd. dat heft e näs. Wander 3, 953; basl. das hett e nase. Seiler 219b; ja, rechnen hat seine nase, besonders wenn man es nicht wohl kann. Gotthelf Uli der pächter (1859) 128.
IV. die künstliche (aus pappe, wachs) oder durch eine handbewegung gemachte nase, woran sich wieder eine menge von redensarten knüpfen.
1) eine nase oder lange nase: einem eine lange nase machen, ziehen, ihn durch gestus einer mittels der ausgespreiteten finger gleichsam verlängerten nase verspotten. Schm. 1, 1758 Fromm., vgl. gecknasen th. 41, 1925; einem ein nasen machen, einen vermupfen oder verspotten, uncis naribus indulgere. Maaler 303b;

ein jedes aufgestutzte bäumchen höhnt
mich an ..
der buchsbaum zieht mir eine nase.
Göthe 2, 92;

mit der langen nasen abweisen, respuere Denzler 210a; eine nase laufen oder holen, seines suchens oder hoffens verfehlen. Zedler 23, 712; einem eine lange nase geben, rejicere alicujus consilia, risui exponere Frisch 2, 9a; eine nase bekommen (wie einen korb bekommen), repudiari ebend.; eine nase bekommen, kriegen, einen verweis erhalten, weil demjenigen, der einen verweis bekam, ehemals eine bunte nase von pappe aufgesetzt wurde (allgemeiner anzeiger der Deutschen 1841, s. 569), doch kann die redensart wol auch vom andrehen einer wachsnase herrühren, vgl. Wander 3, 955, 203: eine nase kriegen. Hennig preusz. wb. 168; ene näse oder ene lange näse krigen. brem. wb. 3, 219;

er kann noch eine nase dazu krigen. d. deutsche student (1779) 16;

[Bd. 13, Sp. 408]


nasen, die er .. von der regierung bekommen. J. Paul flegelj. 1, 33; ohren, die beinahe noch länger sind als die nasen, die er wöchentlich von seinen obern zugesandt erhält. grönl. proc. 2, 43; eine nase geben, einen verweis ertheilen:

drob der alte Fritz erstaunte
und ihm eine gutgelaunte
oheimliche nase gab.
Freiligrath (1870) 3, 34.


2) viele redensarten können bestimmt auf die angedrehte wachsnase, die sich nach allen seiten biegen und wenden läszt, zurückgeführt werden:

das sie das recht
wol bgen ...
als ob es wer ein wchsin nasz.
Brant narrensch. 71, 11;

die geschrifft ihr biegen ..
machen darausz ein wächsin nasen. s. xxxviib, 26;

welche schrifft doch ... nur ein loser dörfftiger toder buchstab ist, der nicht werd ist, das man sich vil mit ir bemühe, vil minder, das einer sein heil drauff setze: dieweil sie ein wchssene nas ist, die einer inn allerlei gestalt biegen mag. Fischart bienenk. 35a; darumb die bauren nicht unbillich sagen, das recht hab ein nasen von wachs gemacht, die auff beide seiten und wie man wil, mag gedrehet ... werden. Kirchhof wendunm. 128a (1, 157 Öst.); das recht hat ein wchsene nasen. Lotichius ad Petron. (1629) 2, 96. Simrock sprichw. 444 (die wächserne nase soll die unbestimmtheit des rechtes, dessen geschmeidige, biegsame natur anzeigen. Hildebrand rechtssprichw. nr. 13a); dasz sie lieber den originaltext des N. T. für eine wächserne nase erklären, als einen widerspruch in ihm zugeben wollen. Lessing 10, 65. besonders sind hervorzuheben die redensarten
a) mit biegen:

(der) die warheit kan verschlahn mit liegen,
dem recht ein wächssen nasen biegen.
Waldis Es. 4, 75, 158.


b) mit drehen (andrehen), s. th. 2, 1365 und dazu noch: ein wchsin nasen tryen. Frank sprichw. 2, 148a;

nasen drehn, d'augen verkleiben.
Kirchhof wendunm. 128b (1, 158 Öst.);

einem ein nasen drehen. Denzler 210a; also ist denn der arme Christus schendlich und ubel geteuscht .. weil sie im solch eine feine nasen drehen und einen solchen schönen ströern bart flechten. Luther 5, 55a; so hat er nu dis stück auch widerlegt wider der jüden wahn, die der schrifft eine nasen dreheten. 392b; also mus man der schrifft eine nasen drehen, das sie sich nach unsern gedanken dehnen lasse. 6, 180b;

der dreht der sachen wol ein nasen.
H. Sachs 7, 176, 22;

dasz ir damit den königen und aller welt eine nasen drehen ... wollet. Schade sat. 2, 104, 3 (v. j. 1537); damit ihr also dem armen verführten volck ein nasen trehet. Engerd seelenartznei (1581) 36; (er beredet sie,) was er wil, drähet ihnen eine nasen. buch d. liebe 193, 3; ich sprach, ich wer seumlich in der sache gewesen, drähet ihm also ein nasen. ebend.;

o ihr solt heut noch wunder sehen,
wie ich ihm wil ein nasen drehen.
J. Ayrer 2802 K.;

ir müst ... der gerechtigkeit ihren rechten gang und lauff lassen, und derselben weder durch bitt noch interesse eine wächsene nasen zu drähen verstatten. Albertinus guld. sendschreiben (1625) 1, 63b; allein war er ein meister dem recht ein wächsern nasen zu drehen. Harsdörfer lust- und lehrr. gesch. 1, 10; wir solten ihm aber ja keine nase drehen, sonsten würde es uns zur sauren suppe gereichen. Felsenb. 4, 270;

nun war ihm gelungen,
einen flächsenen bart und eine wächserne nase
seinem könig zu drehen.
Göthe 40, 97;

wir haben sie lange genug in ihrer maske gesehn ..
wir lieszen von ihrer maske uns keine nase drehn.
Wieland der neue Amadis 11, 31;

ists möglich ..
dasz dein orakelspruch und dein beseeltes bild
und deine fantasie dir eine nase drehen? Idris 5, 74;

einem eine nase an (an das gesicht) drehen, ihm etwas aufbinden, s. th. 1, 316; meinen, man wolle ihnen eine nase andrehen. Arnim schaub. 2, 349.
c) mit machen (wie drehen): mit welchem honig ... der teufel sein angel beschmirt und ein nasz macht. Frank weltb. 133a; und der ausschus muszte die nasen helfen machen, das ire lose verlegung .. nicht eraus komen müste. Luther 5, 278b. mit dativ: machen sie dem armen volk ein nasen.

[Bd. 13, Sp. 409]


1, 381a; damit man gott ein nasen gemacht und die leute betrogen hat. 5, 407b; aber er macht mir die nasen (spiegelt mir vor), er hette sie (die bücher) drauszen geschrieben. 4, 374b; bei geringer besatzung mag man dem feindt als ob sie sehr stark .. ein nasen machen (ihn zu täuschen suchen). Kirchhof disc. milit. 35;

der geschrift mach ich ein wechsen nas.
Murner narrenbeschw. 3, 63;

hie siht man, wie der geistlich standt
die göttlich schrifft helt vor ein tandt ..
und ir ein wächssen nasen machen.
Waldis Es. 4, 18, 70;

hiemit entschuldigen sich die finantzer, welche den leuten mit falscher gefärbter ware und thand ein nasen machen und betriegen si. Schottel 1132b. überhaupt ein (anderes) gesicht und ansehen, den anschein oder die (falsche) deutung, auslegung geben: wie wolt er diser seiner meinung ein nasz und ansehen gemacht haben. Frank chron. 354b; ob sie schon für den unwissenden der sachen mit plaudern eine nasen machen können. Luther 5, 277b; darumb müssen sie diesen geboten eine nasen machen, das mans nicht solle also strenge deuten. 378b; so kan man nichts reden oder schreiben, man kan im mit worten ein ander nasen machen. 6, 427a; ein jurist .. der auch einer ieden sachen, wie bösz ie dieselbig war, wann gelt darbei stund, ein nasen machen und das recht verdunkeln kondte. Kirchhof wendunm. 127a (1, 156 Öst.).
d) mit stellen: warumb solt nicht auch jemand dem spruch s. Pauli ein solche nasen stellen (eine solche deutung geben) können, das er auch von zweierlei bischoven zu verstehen were. Luther 2, 133a; sondern sich auch vermessen, ihm gar ein wilde nasen zu stellen. br. 2, 368.
e) enem näsen ansetten (ansetzen), einem eine nase drehen. brem. wb. 3, 219.
3) eine nase gewinnen, bekommen, haben, ein (anderes) gesicht und ansehen, eine andere gestalt oder (falsche) deutung erhalten: es mus noch alles viel ein andere nasen gewinnen, sol es recht hinaus gehen. Luther 1, 345a; und müste auff Emsers glosiren s. Paulus spruch ein solch nasen gewinnen: der geist macht lebendig etc. 394a; ich höre, das wol fünff mal dis edict sei verendert, und haben viel sich dran geerbeit, noch hat es nirgend wöllen eine nasen gewinnen, die im wol stünde. 5, 291a; du hast einen guten kerl an der hand, der macht das höflein zuweg, dasz es eine nase hat (gut aussieht). Gotthelf schuldenb. (1852) 102.
V. verschiedenes nasenähnliches.
1) kleines vorgebirge, landspitze Frisch 2, 9a. Bobrik 506b; vorspringender fels Schöpf tirol. idiot. 462; die blanke neese, eine weisze landzunge. brem. wb. 3, 220; die obere und untere nase am Vierwaldstättersee. Stalder 2, 231; der (Vierwaldstätter) see scheint nun durch die sogenannten nasen, zwei in den see vorspringende ausläufer sich schlieszen zu wollen. Meyer Schweiz (1875) 337; die links in den (Thuner) see vorspringende felsige ausladung heiszt die nase, sie ist der fusz des steilen .. Beatenbergs. 537. die altnord. und ags. sprache hat dafür eigene formen des wortes entwickelt: altn. nes, ags. näs, woraus engl. ness vorgebirge.
2) bergspitze, montis cacumen, de spitze edder nese eines berges. Chytraeus cop. 10 (bei Golius nur spitze). Frisch 2, 9a; schweiz. mit eigener wortform: der nosen, nossen die zinke, der gipfel. Stalder 2, 243.
3) in der baukunst der astförmig herausgebogene, zur ausfüllung der zwickel dienende theil der rippen im goth. maszwerk; der meist verkehlte vorsprung des auftritts vor der vorderseite der treppenstufe. Müller-Mothes archäol. wb. 697a; vgl. dachnase, pechnase, wassernase.
4) der hakenansatz des dachziegels: nase heiszt auf denen dach- und hohlziegeln das an dem rücken derselben befindliche zäpflein oder häcklein, woran sie auf die latten gehangen werden. Zedler 23, 715. Vochs baulex. 200.
5) die nase des hobels, der gebogene griff am vordern ende desselben. Frisch 2, 9a. Jacobsson 3, 129b.
6) die nase des pflugs, womit das streichbrett mit der griffsäule verbunden ist. Jacobsson 3, 129b. Seiler basl. idiot. 219a.
7) die nase des steigeradklobens, welche den vordersten zapfen des steigerads hält. Jacobsson 7, 433b.
8) eine kleine erhöhung gegen die mitte des barts an den schlüsseln französischer schlösser. Jacobsson 6, 629a.
9) bei den hutmachern ein holzstück, in dessen kerbe die saite des fachbogens liegt. Jacobsson 3, 129b.

[Bd. 13, Sp. 410]



10) bergmännisch, schlacken, die sich beim schmelzen an der mündung der form ansetzen. Zedler 23, 715; nase, die aus einer kruste von schlakken besteht, welche sich über der form ansetzet, worauf das geschmelze ruhen und nicht sogleich roh vor das gebläse kommen kann. Cancrin bergwerke in Hessen 111. Chemnitzer bergm. wb. 365b.
11) nautisch, der schiffschnabel: de näse van een schipp. brem. wb. 3, 220; die nase in den wind setzen, das schiff gegen land in den wind kehren. Jacobsson 2, 8b; mit der nase in den wind stechen; den wind auf der nase haben; das schiff liegt in der nase (wenn es vorlastig ist) u. dgl. bei Bobrik 506b.
12) botanisch, abgeschnittene nase, die pimpernusz, staphylea pinnata Nemnich 2, 1363.
VI. der näsling, cyprinus nasus Forer fischb. 170b. Nemnich 1, 1365. Brehm thierl. 8, 675. Schm. 1, 1758 Fromm.; nd. nese Schütze holst. id. 3, 142; wo die barbe beiszt, da sieht die nase nicht neben ume, und wo die nase beiszt, spaziert der alet vorbei. Gotthelf erz. 2, 202. schon mhd. im habsb. urbarb. 100: swaʒ der nasen væht ze dem laich; mlat. naso Ruodl. 13, 42.
VII. die eigentliche composition (nasebein, nasbein u. s. w.) ist heutzutage fast ganz durch die uneigentliche (mit dem schwachen genitiv nasen: nasenbein) verdrängt worden, die auch in den folgenden compositis vorangestellt wird.
 
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nasel, f. im älteren elsäsz. für nase: wan ime ein dropfe von sinre nasel (var. nasen) fiel. Königshofen 396, 14.
 
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näsel, s. näslein.
 
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näselhaft, näselicht, adj. jurgiosus Stieler 1334.
 
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näseln, verb.
1) intransitiv.
a) durch die nase sprechen (vergl. nieseln): neselender, balbus Diefenb. gl. 66a; näselen, mutire, musare Stieler 1333; schles. nascheln Steinbach 2, 112; und sagte mit einer näselnden stimme. Göthe 24, 256; als er mich mit seiner schwachen näselnden stimme willkommen hiesz. 25, 124; er rief in einem näselnden tone. Klinger 5, 94;

auch deiner stimme näselnder laut
klingt ziemlich ägyptisch-hebräisch.
H. Heine (1876) 11, 191.


b) nassauisch, die nase rümpfen. Kehrein 1, 291.
c) schweiz. vorwitzig sein, schnuppern Stalder 2, 231; weidmännisch, der hund näselt oder nässelt, wenn er nur so hin und wieder schnuppert und nicht recht suchen noch zeigen will. Jacobsson 3, 130b. Kehrein 217.
2) transitiv, durch die nase aussprechen: der Franzose näselt das n. Klopstock gramm. gespr. 16; mit persönlichem object: sie würde meine tochter um das leben näseln (sie würde meine tochter durch ihr unausstehliches näseln ums leben bringen). Klinger 10, 32.
 
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näseln, n.: wobei mir denn ein gewisses näseln und gurgeln als ein unerreichbares (in der aussprache des hebräischen) nicht wenig empfohlen wurde. Göthe 24, 201.
 
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näselung, f. das näseln Stieler 1334.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,