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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
näschen bis näschig (Bd. 13, Sp. 394 bis 395)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) näschen, n. deminutiv zu nase, vergl. näslein.
1) kleine nase: die base sah mich mehr als einmal mit einem spöttischen näschen an. Göthe 16, 30;

das näschen nur ins buch, und nicht zum fenster 'naus.
Körner 272b;

du mit dem gerümpften näschen.
Rückert ged. 47;

ha! Juno, sollen wirs länger dulden,
dasz sie ihr näschen zieht so kraus.
Kotzebue dram. spiele 1, 27;

doch jungfer Helena trägt ihr näschen
verzweifelt hoch in die luft gereckt. 1, 18;

ihr wollt mir, hör ich wohl, ein kleines näschen drehen?
Wieland 10, 181;

doch kam sie, dem alten ein näschen zu drehn,
den weg her.
Langbein (1854) 1, 216;

sprichwort: erst näschen haben, dann prischen nehmen. Simrock 400.
2) weidmännisch wie näslein, näschlein Kehrein 217: näschen, die endspitzen, welche vorn in der hirschfährte in die höhe stehen. Laube jagdbrevier 276.
 
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näscher, nascher, m. einer der nascht. ahd. nascare, naschare, scurro. zeitschrift für deutsches alterth. 3, 379b, naschere Graff 2, 1106; mhd. nascher und nescher (besonders für wollüstling, ehebrecher) Lexer 2, 37; nascher, ligur, ligurius Dief. gl. 329b, neischer catillator 107b, colax 131a, nescher Alberus p 4b, näscher Stieler 1332. Rädlein 666a, nascher Fischart Garg. 115a; gelegenheit macht näscher. persian. rosenth. 5, 12; ich .. nasche, so zu sagen, aus einem buche nach dem andern, und stärke, leider gottes! meine seele eben so sehr, wie ein näscher seinen körper. K. Lessing bei Lessing 13, 486;

du lobst unsinnig den rothbart (mullum),
drei pfund schwer, den du dennoch für einzelne näscher zerhaun
muszt.
Voss Hor. sat. 2, 2, 34;

ist eure hand, ist eure tafel leer,
so flieht der näscher schwarm.
Wieland 9, 5;

ja man hilft euch näschern auch vom brode.
Göthe 7, 111;

sprichwort: aus einem nascher ward leicht ein dieb. Simrock 400. in der bienenzucht nennt man die raubbiene näscher. Weber öcon. lex. 2, 384b.
 
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näscherei, f. das naschen, die näschigkeit und das naschwerk, die leckerei, eigentlich und übertragen: neschery, cupedia Diefenb. gl. 162 (v. j. 1517); näscherei et näschigkeit liguritio, catillatio, cupediae, deliciae, opiparia Stieler 1332; ich verkäuffe nicht mehr obst und näscherei. A. Gryphius 1, 769;

dieses macht das gift von Evens näscherei.
Günther 817;

ihr töchter dieser welt, schaut eure mutter an,
die ihre näscherei mit feigenblättern deckte.
C. Gärtner schles. Helikon 1, 489;

und wie, seit Evens näscherei,
der weiber erbtheil leiden sei.
Hagedorn 2, 107;

Hans Steffen, der im winkel oben sasz,
und fleiszig (äpfel) brach und asz,
ward mäuschenstill, vor wartung böser dinge,
dasz seine näscherei ihm diesmal schlecht erginge.
Lessing 1, 212;

[Bd. 13, Sp. 395]


künftiges wohlleben an die stelle der gegenwärtigen näscherei. 10, 29; Sokrates starb, nicht als dieb atheniensischer näschereien, sondern als verführer der jugend und gottesläugner. Herder seele und gott 66; eine ihrer gröszten untugenden war eine unmäszige näscherei, ja wenn man will, eine unleidliche gefräszigkeit. Göthe 19, 243; ich ... erlaubte (dem bräutigam) durchaus keine freiheit, als welche ebenfalls die ganze welt hätte wissen dürfen. er, an näschereien (genusz von liebesfreuden) gewöhnt, fand diese diät sehr streng. 19, 288; aber dasz er alles, was er gethan, aus bloszer näscherei (lüsternheit) gethan habe, halten wir für eine verleumdung. Wieland 20, 261; ohne umlaut nascherei. Schönsleder p 2d. Aler 1451b; der auf dergleichen nascherei (s. DWB naschen 1, a, β) am allermeisten verpicht war. Simpl. 2, 237, 5 K.; der Eulenspiegel, die vier Haimonskinder .. alles stand uns zu diensten, sobald uns gelüstete nach diesen werken, anstatt nach irgend einer nascherei zu greifen. Göthe 24, 51; kinder, die man .. von schädlicher nascherei abschrecken will. Wieland 8, 424.
 
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näscherin, f. eine die nascht. Stieler 1332; nascherin Aler 1451b; mhd. nascherinne, nescherinne, nescherin (wollüstige weibliche person, ehebrecherin). B. Berthold 1, 106, 4. 177, 33. 2, 92, 22. 33 u. o.
 
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näscherlich, adj. naschhaft Stieler 1332.
 
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naschgriff, m. griff nach einer näscherei:

mächtig empört es den magen zur unlust, wenn mit gesalbten
händen der bursch anfaszte den kelch, bei verstohlenem naschgrif (dum furta ligurit).
Voss Hor. sat. 2, 4, 79.


 
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naschhaft, adj. gern naschend, genäschig: naschhafte meuler. Stieler 1332; naschhafte thiere. Felsenburg 4, 329;

bald auf geglätteter gaffel spannt er maschengarn
naschhaften (edacibus) drosseln zum betrug.
Voss Hor. epod. 2, 34;

Miller zu Wurm: was ich alter knasterbart an ihnen abkuke, ist just kein fressen fürs junge naschhafte mädel. Schiller 3, 364 (kabale u. liebe 1, 2).
 
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naschhirsch, m. cervus vagans per agros et sata Frisch 2, 8d. s. naschwildbret.
 
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naschhunger, m. hunger nach näschereien, naschlust. Frisch 2, 8d.
 
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näschicht, adj. gleich näschig: näschichte leute, catillones, cupedii Stieler 1332; vors ander, so ist sie (die frau) naschicht, dasz sie alle schleckerwerck ... einkaufft. Philander (1648) 5, 165, lugd. 5, 323.
 
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näschig, adj. gern naschend, naschhaft: erschneuck (erschnüffle) alle ding, nim alle ding war, bisz neschig. Keisersberg hellisch. leuw 30, 6; die naschige (geile) nachtseuftzende wittwe. Fischart Garg. 78b; er (der sperling) flog hin, und kostete, und fand sie (die traube) ungemein süsze, und rief hundert näschige brüder herbei. Lessing 1, 150; wo sie bald eine summende mücke, bald eine näschige wespe davon (von den blumen) verjagte. Thümmel (1839) 2, 8; schon hatte sein erzkatholischer diener .. das verbotene gericht auf die tafel gesetzt, als ein .. schrecklicher schlag (donner) die näschige seele betäubte. 7, 166;

nichts setzt den magen mehr in böse laune,
als wenn ein näschiger lakai den becher dir
mit spuren seiner schmutzigen finger reicht.
Wieland Hor. sat. 2, 4, 135.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,