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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nascheinigung bis naschhaft (Bd. 13, Sp. 392 bis 395)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nascheinigung, nascheinung, f. geldbusze für den diebstahl von eszwaaren. Schottel 387a. Zedler 23, 698.

[Bd. 13, Sp. 393]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) näschellist, f. fertigkeit und schlauheit zu naschen:

sei keine katz voll näschel-list,
wie Simplicissimus hier ist. anm. zum Simpl. 1, 163 K.


 
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naschen, verb. , auch mit umlaut näschen, neschen teufels netz 8772. Zimm. chron. 4, 314, 39. Alberus p 4b. Diefenb. gl. 329b; ahd. nascôn, naschôn, mhd. naschen, mit goth. hnasqus (μαλακός), ags. hnäsc zu griech. κνάω (ich schabe, reibe, kraue), lit. knas-, knis- (graben, wühlen, vom schwein), s. Fick2 352. L. Meyer § 40. Leo ags. gloss. 591, 32.
1) transitiv und absolut, lecken, tellerlecken, leckend genieszen, catillare, ligurire (Graff 2, 1105. Diefenb. gl. 329b, nov. gl. 80b. Denzler 210a), besonders lüstern feinschmeckend, verstohlener oder unerlaubter weise genieszen, von menschen und thieren (vergl.schlecken): mhd.

und slah im mit willen eine vlaschen,
daʒ im die hunt das hirne ab der erde müeʒen naschen. zu
Neidhart 158, 11;

nhd. und hat ain man ain vasz mit wein
und kümpt einer darüber und nascht drein (darin). fastn. sp. 711, 17;

ich nesch, suffuror cibos delicatiores. Alberus p 4b; die katzen naschen gern. Stieler 1332;

dasz ich im kohl ein naschendes häschen ihm wegfing.
Voss ged. 2, 28;

doch wieder wuchs ich aus dem grab als aglei,
kam ein bienchen, naschte fleiszig.
Platen (1847) 1, 70;

sprichwort: viel (allzeit) naschen macht leere taschen. Schottel 1113b. Creidius 1, 135; naschen von:

und nascht von den
kirschen, ehe sie reifen.
Götz 1, 73;

naschen nach, lüstern wornach begehren, jagen:

du solt nicht nach wiltpret neschen (: täschen). Zimm. chron. 4, 314, 39;

gehst naschen nach verbotnem schmer.
Ringwald laut. wahrh. 141.


a) in weiterer anwendung.
α) von lüsternem, unzüchtigem betasten und kitzeln, naschen um, zu:

und wolt ..
einer ieden um die tutten naschen. fastn. sp. 144, 3;

wan so ir ainr zuom puosen nascht. 340, 8;

do ward ich als nahen unten hinzu naschen. 859, 32;

wann er hinab nascht zu der wannen,
so slug sie in mit feusten dannen. 852, 17.


β) von heimlicher buhlerei und verstohlen genossenen (ehebrecherischen) liebesfreuden: aus naschen gehen, ambire, tentare virgines Stieler 1332;

darum pin ich oft naschen auszgangen. fastn. sp. 321, 24;

naschen zu, um: mhd. eʒ heiʒet daʒ unkiusche, daʒ die nescher unde nescherin naschent von einem zuo dem andern, als daʒ vihe. B. Berthold 1, 106, 4;

ob er zuprechen würd sein ee
und naschen gieng zuo andren frauen. fastn. sp. 319, 6;

der zuo andren frauen get naschen ausz. 306, 4. 307, 4;

der einem geet zu seinem weib naschen,
und spilt mit ir in der untern taschen. 710, 8;

si wart sich auch zuo mir gelimpfen,
und weil ich so umb si wird naschen,
raumpt si mir hinten aus der taschen. 339, 28;

herr domine, es liegt am tag:
du wilt nur zu den peurin naschen.
H. Sachs 9, 5, 17 K.;

transitiv mit abstractem objecte:

sie hätte
an beiden tafeln schwelgen wollen! hätte
der tugend ganze glorie zu kosten
und doch zugleich des lasters heimliche
entzückungen zu naschen sich erdreistet?
Schiller 5, 1, 129 (don Carlos 2, 10), vgl. 5, 2, 244.


γ) auch von einem geistigen genusse, vom lesen und dgl. wenn es wählerisch und flüchtig geschieht ohne rücksicht auf den zusammenhang und die erfassung des ganzen: für unser wörterbuch konnte erst angehoben werden (aus Keisersberg) zu lesen, gleichsam zu naschen. J. Grimm oben th. 1, lxxviiib; naschen aus: ich schlendere aus der deutschen komödie in die französische, nasche, so zu sagen, aus einem neuen buche nach dem andern. K. Lessing bei Lessing 13, 486.
2) von der wie leckenden, wühlenden, nagenden bewegung sinnlicher gegenstände, so von Göthe:

da rase drauszen fluth bis auf zum rand,
und wie sie nascht, gewaltsam einzuschieszen,
gemeindrang eilt, die lücke zu verschlieszen. 41, 321;

ich fühls, es ist der klang der mordaxt, die an meiner wurzel nascht. 8, 274.

[Bd. 13, Sp. 394]



3) reflexiv. a) sich belecken: verwahre aber das rosz, damit es sich nit nasch (an der mit hüttrauch bestreuten hautstelle). Seuter rossarznei (1599) 234.
b) durch naschen lecker werden:

selbst in dem weinberg nascht sich das reh nicht immer genieszbar (wird nicht immer schmackhaft, wenn es auch im weinberge viel nascht).
Voss bei Campe.


4) schmarotzen, betteln, mendicare. voc. 1482 x 3a. Diefenb. gl. 155b. Schiller-Lübben 3, 160a.
5) um, herum naschen, um-, herumschleichen, ein begriff, der sich aus dem von herumlecken, rings beschnoppern (besnoppern vel naschen Diefenb. gl. 329b) entwickelt hat und der auch im folgenden ersten beispiele noch mitenthalten ist: und wird ausz dem sieges-pannier zum öftern ein flüchtiges hasen-pannier, man naschet hier und dar herum wie eine katze um einen heiszen brei. anm. zum Simplic. 1, 329 K.; die alte unholdin naschet wie ein gespenst bei der nacht um. Wirsung Cal. 2.
 
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naschen, n. catillatio, abliguritio Frisch 2, 8c:

las auch ab von deinem naschen.
Ringwald laut. w. 141;

nicht lange zeit darnach durch löflen und durch naschen (liebeln, buhlen)
verstrickte sich mein Fritz an einer neuen taschen.
Rachel 2, 97;

o ja, wers naschen liebt,
der merkt sich ohne wink, wo's was zum besten giebt.
Göthe 7, 106;

mhd. daʒ ist dînem (des ehebrechers) naschen und dîner wollust gar ungelîch. B. Berthold 1, 177, 34.
 
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näschen, n. deminutiv zu nase, vergl. näslein.
1) kleine nase: die base sah mich mehr als einmal mit einem spöttischen näschen an. Göthe 16, 30;

das näschen nur ins buch, und nicht zum fenster 'naus.
Körner 272b;

du mit dem gerümpften näschen.
Rückert ged. 47;

ha! Juno, sollen wirs länger dulden,
dasz sie ihr näschen zieht so kraus.
Kotzebue dram. spiele 1, 27;

doch jungfer Helena trägt ihr näschen
verzweifelt hoch in die luft gereckt. 1, 18;

ihr wollt mir, hör ich wohl, ein kleines näschen drehen?
Wieland 10, 181;

doch kam sie, dem alten ein näschen zu drehn,
den weg her.
Langbein (1854) 1, 216;

sprichwort: erst näschen haben, dann prischen nehmen. Simrock 400.
2) weidmännisch wie näslein, näschlein Kehrein 217: näschen, die endspitzen, welche vorn in der hirschfährte in die höhe stehen. Laube jagdbrevier 276.
 
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näscher, nascher, m. einer der nascht. ahd. nascare, naschare, scurro. zeitschrift für deutsches alterth. 3, 379b, naschere Graff 2, 1106; mhd. nascher und nescher (besonders für wollüstling, ehebrecher) Lexer 2, 37; nascher, ligur, ligurius Dief. gl. 329b, neischer catillator 107b, colax 131a, nescher Alberus p 4b, näscher Stieler 1332. Rädlein 666a, nascher Fischart Garg. 115a; gelegenheit macht näscher. persian. rosenth. 5, 12; ich .. nasche, so zu sagen, aus einem buche nach dem andern, und stärke, leider gottes! meine seele eben so sehr, wie ein näscher seinen körper. K. Lessing bei Lessing 13, 486;

du lobst unsinnig den rothbart (mullum),
drei pfund schwer, den du dennoch für einzelne näscher zerhaun
muszt.
Voss Hor. sat. 2, 2, 34;

ist eure hand, ist eure tafel leer,
so flieht der näscher schwarm.
Wieland 9, 5;

ja man hilft euch näschern auch vom brode.
Göthe 7, 111;

sprichwort: aus einem nascher ward leicht ein dieb. Simrock 400. in der bienenzucht nennt man die raubbiene näscher. Weber öcon. lex. 2, 384b.
 
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näscherei, f. das naschen, die näschigkeit und das naschwerk, die leckerei, eigentlich und übertragen: neschery, cupedia Diefenb. gl. 162 (v. j. 1517); näscherei et näschigkeit liguritio, catillatio, cupediae, deliciae, opiparia Stieler 1332; ich verkäuffe nicht mehr obst und näscherei. A. Gryphius 1, 769;

dieses macht das gift von Evens näscherei.
Günther 817;

ihr töchter dieser welt, schaut eure mutter an,
die ihre näscherei mit feigenblättern deckte.
C. Gärtner schles. Helikon 1, 489;

und wie, seit Evens näscherei,
der weiber erbtheil leiden sei.
Hagedorn 2, 107;

Hans Steffen, der im winkel oben sasz,
und fleiszig (äpfel) brach und asz,
ward mäuschenstill, vor wartung böser dinge,
dasz seine näscherei ihm diesmal schlecht erginge.
Lessing 1, 212;

[Bd. 13, Sp. 395]


künftiges wohlleben an die stelle der gegenwärtigen näscherei. 10, 29; Sokrates starb, nicht als dieb atheniensischer näschereien, sondern als verführer der jugend und gottesläugner. Herder seele und gott 66; eine ihrer gröszten untugenden war eine unmäszige näscherei, ja wenn man will, eine unleidliche gefräszigkeit. Göthe 19, 243; ich ... erlaubte (dem bräutigam) durchaus keine freiheit, als welche ebenfalls die ganze welt hätte wissen dürfen. er, an näschereien (genusz von liebesfreuden) gewöhnt, fand diese diät sehr streng. 19, 288; aber dasz er alles, was er gethan, aus bloszer näscherei (lüsternheit) gethan habe, halten wir für eine verleumdung. Wieland 20, 261; ohne umlaut nascherei. Schönsleder p 2d. Aler 1451b; der auf dergleichen nascherei (s. DWB naschen 1, a, β) am allermeisten verpicht war. Simpl. 2, 237, 5 K.; der Eulenspiegel, die vier Haimonskinder .. alles stand uns zu diensten, sobald uns gelüstete nach diesen werken, anstatt nach irgend einer nascherei zu greifen. Göthe 24, 51; kinder, die man .. von schädlicher nascherei abschrecken will. Wieland 8, 424.
 
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näscherin, f. eine die nascht. Stieler 1332; nascherin Aler 1451b; mhd. nascherinne, nescherinne, nescherin (wollüstige weibliche person, ehebrecherin). B. Berthold 1, 106, 4. 177, 33. 2, 92, 22. 33 u. o.
 
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näscherlich, adj. naschhaft Stieler 1332.
 
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naschgriff, m. griff nach einer näscherei:

mächtig empört es den magen zur unlust, wenn mit gesalbten
händen der bursch anfaszte den kelch, bei verstohlenem naschgrif (dum furta ligurit).
Voss Hor. sat. 2, 4, 79.


 
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naschhaft, adj. gern naschend, genäschig: naschhafte meuler. Stieler 1332; naschhafte thiere. Felsenburg 4, 329;

bald auf geglätteter gaffel spannt er maschengarn
naschhaften (edacibus) drosseln zum betrug.
Voss Hor. epod. 2, 34;

Miller zu Wurm: was ich alter knasterbart an ihnen abkuke, ist just kein fressen fürs junge naschhafte mädel. Schiller 3, 364 (kabale u. liebe 1, 2).

 

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 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,