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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
narrfex bis närrischen (Bd. 13, Sp. 386 bis 391)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrfex, m. verstockter narr:

wer aber ein solch narrfex ist,
leszt im gefallen der schmeichler list,
dem geht es wie dem schwarzen rappen,
mit schand musz tragen d' narrenkappen.
Waldis Es. 1, 11, 65.


 
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narrhaft, adj. gleich narrenhaft Stieler 1331.
 
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narrheit, f. der zustand, die denk- und handlungsweise eines narren; in ahd. glossen narraheit, narheit, vesania, vecordia Graff 2, 1094, socordia, stultitia Steinmeyer-Sievers 1, 248, 20; spätmhd. narrheit, narheit:

ein tôr bewart sîn tôrheit wol,
wenn der, der narrekeit (var. narheit) ist vol,
mit den wîsen schimpfen wil.
Boner 14, 2;

wâ man mêr verzert, wann es durft het ..
das selb haist man wol ain narrhait.
Vintler 1898;

ain sollich vichleich fraidichait
die ist ain fundament der narrhait. 4261;

es ist ain zaichen der narrhait,
der wider sich ist an manigen orten
mit seinen unnutzen worten. 8751;

nhd. myn narrheit loszt mich nit sin grys,
ich bin fast alt doch ganz unwys.
Brant narrensch. 5, 1;

der ist mit narheit wol vereint,
wer spricht, das hett ich nit gemeint. 12, 1;

andere die in sünden sint
und inn ir narrheit ganz erblint ..
ir narrheit gibt inn kappen all. 98, 28. 35 u. o.;

David bat, das gott Ahitophels raht nicht liesse fort gehen, sondern zur narrheit machete. Luther 6, 186a (herr, mache den ratschlag Ahitophels zur narrheît 2 Sam. 15, 31); und wurden seer zornig, das er ein narrheit an Israel begangen und Jacobs tochter beschlaffen hette. 1 Mos. 34, 7; denn er ist ein narr ... und narrheit ist bei im. 1 Sam. 25, 25; ein witziger man gibt nicht klugheit fur, aber das hertz des narren rffet seine narrheit aus. spr. Sal. 12, 23; ein kluger thut alles mit vernunfft, ein narr aber breitet narrheit aus. 13, 16; die albern erben narrheit, aber es ist der witzigen krone fürsichtiglich handeln. 14, 18; antworte dem narren nicht nach seiner narrheit. 26, 4 u. o.:

narrheit ist ein schedlich ding,
das gar bald ..
ein grossen witen inbruch tt.
Murner narrenbeschw. 1, 89;

bistu ein nar, so treib dein narheit. Pauli schimpf u. ernst 15 Öst.; ich befinde in diesem buch .. ein narrheit uber die andern. J. Nas examen (1581) 117;

ob schon die welt die narrheit liebet,
so sei auff tugend du geübet. Simplic. 1, 280 K.;

(ich will) meiner narrhait geben schuld,
das ich so offt geärgert bin.
Schwarzenberg 159d;

ja ich will noch wol mehr sagen, nehmlich: dasz die narrheit eine erhalterin der welt, und eine säug-amme vieler tausend menschen sei. denn wenn der krieg, als der rädelsführer aller thorheiten, nicht so viel menschen auffräsze .. würde die erde kaum die helffte der menschen verpflegen können. Lohenstein Armin. 1, 1021a; er entdeckt mir alle anfälle, die mädchen auf ihn thun ... so lasse ich ihn ruhig in dieser narrheit. Rabener (1771) 4, 124; um diese ekelhaften krankheiten (des kopfes) von der dummkopfigkeit an bis zur narrheit zu erläutern. Kant 10, 8; die thorheit, wenn sie beleidigend ist, heiszt narrheit. 225; thorheit, mit einem lineamente von bosheit verbunden heiszt narrheit. 376; ich will doch nicht hoffen, dasz sie auch an der narrheit krank liegen, welche die leute nur das für gut und schön erkennen läszt, was sie nicht bekommen können. Lessing 1, 396 (der

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freigeist 1, 3); das neujahrslied ... habe ich in einem anfall von groser narrheit gemacht, und zum zeitvertreibe drucken lassen. d. j. Göthe 1, 40; Horn ... ist unglücklicher als ich. wie aber alles wunderlich ausgetheilt ist, so hilft ihm seine narrheit (vgl. werke 25, 35) sehr zur cur seiner leidenschaft. 1, 66; sobald ich mich in das gewand der thorheit kleidete, blieb es nicht blos bei der maske, sondern die narrheit durchdrang mich sogleich durch und durch. werke 19, 296; jede einschränkung dieses gebrauches ist ein freiheitsbrief für die thorheit, und ein stillschweigendes geständnisz, dasz es ehrwürdige narrheiten gebe. unvermerkt würden sich noch andere thorheiten hinter diese verstecken. Wieland 6, 261; er könnte mit einer art von narrheit oder schwärmerei .. behaftet sein. 11, 289; wie ich in meiner gutherzigen narrheit mir einbildete. 28, 218; o! die narrheiten des narren sind bei weitem so gefährlich nicht als die narrheiten des witzes. Lenz 2, 271;

sein hoffen, sein leid zu verstecken,
anzog er der narrheit gewand.
Freiligrath (1870) 2, 200.


 
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narrheitstrieb, m.:

man übe seinen kopf in Clausens lustgeschichten,
damit der narrheitstrieb in das gehirne zieh.
Günther 496.


 
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närricht, narricht, narrecht, narret, adj. und adv. thöricht, närrisch, verkehrt, unklug, wunderlich, possenhaft u. dgl., wie närrisch; narrecht, stultus Dasyp. (1556) K 7a; narret, amens Diefenb. nov. gl. 20b; nun veraltet, doch in bair.-schwäb. mundart als narret, närret noch fortlebend, s. Schmeller 1, 1753 Fromm. Lexer kärnt. wb. 196. Schöpf 461. Hintner 178. Schmid schwäb. wb. 401.
1) adjectiv.
a) von lebenden wesen: mhd.

daʒn tuot er niht durh argen list,
wan daʒ er alsô narreht (var. narrest, narrisch, nerrisch,
nerrig, dôrecht) ist.
Freidank 140, 18;

nhd. des ist z wundern nit dar an,
das narren narrecht kinder han.
Brant narrensch. 6, 48;

dorumb sint wir grosz narreht doren. 85, 11;

vil narrechter ist, der verdt
mit üppikeit und lichtem mt
das so im got hat geben hein. 3, 5;

wäger das dich ein wyser stroff,
dann dich anlach ein narrecht schoff. 54, 25;

narrete unvernünfftige menschen. Keisersberg pred. (1510) 29b; der straus ist ein so nerrichter vogel. Luther 3, 75b; ein nerrichter (var. nerrischer) son ist seines vaters trawren und betrübnis seiner mutter, die in geborn hat. spr. Sal. 17, 25; die fünf narrichten jungfrauen. Aventin. 1, 184, 9; die überreden den narreten (var. narrechten, thörichten) gmain man wes si nur wellen. 4, 311, 13; und seindt noch vil narrechter dann die christen an ihrer fasnacht. Frank weltb. 151a; ein narrachter deutscher bischof. Zimmer. chron. 4, 48, 5; ein narrichter, narrechter Deutsche. 3, 536, 36. 537, 11; wo so vil arzet, so wurt vilmals dem aller narrichtisten und unerfarenesten gevolgt. 3, 582, 27; o du unseliger thor wie bistu so narrot. Steinhöwel Es. (1555) 82; und steht uns zu, dasz wir ewern narrechten kopf straffen. Amadis 274 K.; aus narrechten guten kindischen kindern werden weise leut. Agricola sprichw. 146a; er were narrechter dann der narr, dieweil er ihm glaubte. Bebel facet. (1589) 9a; ein gar torechtiger, einfaltiger mensch, der gantz narrecht und kindisch was. Wickram rollw. 166, 17; wenn liegen ein orden wer, so wölt ich lengst apt sein worden, wenn ich schon noch als narret wer. Schade sat. 3, 215, 5; so offt an bellete mich diesz hoffärtige und närrichste (sic) thierlein. Schuppius 770, vgl. närrigst unter närrig;

wie kompts, dasz du so nerricht bist,
wilt thun dasz dir unmüglich ist.
E. Alberus 123b.


b) von sachen und abstractionen:

durch din narreht fantasieren.
Brant narrensch. 28, 28.

was kan man narrechters oder törlichers lesen. Reuchlin augensp. 11b; da nu solche hohe treffliche ding mir so gar nerricht und lecherlich waren, ward der trefflich man zornig. Luther 1, 394b; also gehet gottes werck imerdar, das es nerricht ist anzusehen. 4, 50a; das ist nerricht und beide wider die schrift und natur gefragt. 5, 380a; wir wöllen hie geschweigen der unzelichen kindischen ceremonien und nerrichten gottesdienst. 6, 472a; und sol in die narrete weisheit nicht schaden. 8, 289b; und was kan doch nerrichter geschehen, denn so ein narre wil eins klugen mans werck thun? 6, 140b;

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dasz ir euch des narreten lebens nit lasset verdrieszen. Schade sat. 2, 99, 18 (v. j. 1521); narrete läppereien. Aventin. 4, 442, 13; wann einer die wilden narreten gebrd der vollen im für die augen stellet. Frank laster der trunkenh. fol. 2; narrichte und leichtfertige satzungen. Melanchth. von der bapstler gewalt, übers. v. Dietherich (1541) 6; es haben die pauren .. ein so narrechte urthl geben. Zimmer. chron. 2, 360, 29; von des bischofs .. narrechten handlungen. 4, 44, 14; ettlich mal reuwet ihn seines narrechten beschehenen unterstehens. Amadis 315 K.; nach disem narrächten anschlag. Kirchhof wendunm. 217a; als ob es narret ding were. Baumann quellen 1, 160.
2) adverb: das er sich so nerricht dazu stellet. Luther 6, 277b.
 
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narrieren, verb.
1) intransitiv, gleich narren. grobianus 185a; gehe und zeige mir zu Ulm ein mesz .. als sie in dem concordi-buch narriern. J. Nas examen (1581) 81; sein (des dieners) antwort soll weisz und kurz sein, narriren ... soll er meiden. Lehmann 139;

heda! hier nichts gegeckt,
ihr ungewaschnen buben!
narriert in andern stuben,
nur mich laszt ungeneckt!
Bürger 21a;

nun kann ich schon wieder .. ein wenig — narriren. 495a;

denn, glaubt mir, ihr gravitätischen herrn,
gescheide leute narrieren gern ..
das macht sie haben beim narrieren
mehr zu gewinnen als zu verlieren.
Wieland suppl. 6, 376;

das ist ein narrirender, schwatzhafter luftgeist. Tieck ges. nov. 7, 174; bair. henneb. narrieren narrenpossen treiben, dummes zeug machen. Schm. 1, 1754 Fromm. Spiesz 170.
2) transitiv, gleich narren, närren: aber wart will dirs weisen! .. mich so auf die freierei zu führen — mich in der keuschheit meines herzens zu narriren. F. Müller Faust 109, 24 neudruck.
 
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narrieren, verb. fremdwort, aus lat. narrare: narrirn, ein ding nach der lengs her erzelen und sagen. Roth diction. (1571) L 1b; sölich antwurt wurt in nachfolgender schrift narrirt. Baumann quellen 2, 482.
 
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närrig, adj. und adv. närrisch: nerrig Freidank 140, 18 var. (15. jh.); dies ist die aller ärgste und aller närrigste abwechselung, dasz einer seine seele verkauft, damit er den leib mög decken. Philander (Leiden 1647) 7, 39; wetterauisch narrig. Weigand 2, 199; in dem loch hat so ä klaner hansworscht wie narrig erumgetonzt. Firmenich 2, 78.
 
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närrin, f. seit dem 15. jh. nachweisbar als femin. zu narr (besonders zu 4 und 8).
1) eine thörichte, unkluge, überspannte weibliche person, oft nur in scherzhaftem und vertraulichem oder bemitleidendem sinne:

der nerrin sol man in legen an,
wil es Hans Narrolt,
so wirt im die nerrin holt. fastn. sp. 673, 32;

awee, Gütel, du grosse nerrin!
wiltu nicht als weis sein als ich pin? 674, 11;

ein hübsch frow, die ein närrin ist,
ist gleich eim rosz dem oren gbrist.
Brant narrensch. 32, 21;

dann nrrin vil sint also geil,
das sie ir gsiecht bald biettent feil. 92, 59;

durch weise weiber wird das haus erbawet, eine nerrin aber zerbrichts mit irem thun. spr. Sal. 14, 1; ire weiber sind nerrin, und ir kinder boshafftig. weish. Sal. 3, 12;

wie die weiber nerrin sind,
und iede bald irn narren findt.
Murner narrenbeschw. 9, 13;

du närrin! was ist diesz? du plauderst toll und lang.
A. Gryphius lustsp. 363 Palm;

ich stund da wie eine närrin, weil ich .. solche aus einem verwirrten gemüth lauffende reden hörete. Simplic. 2, 245, 19; bis er endlich die schwachheit merkte, wann er sahe, das die dienstmagd gegenüber stets in den fenster lage und als eine närrin (s. DWB narr 10) sich endlich mit allerhand mienen sehen liesze. polit. stockfisch 82; ein frauenzimmer, das hierin (in der neigung zu gefallen) gar zu flatterhaft und gaukelnd ist, heiszt eine närrin; welcher ausdruck gleichwohl keine so harte bedeutung hat, als mit fehlender endsilbe beim manne, sogar, dasz, wenn man sich untereinander versteht, es wohl bisweilen eine vertrauliche schmeichelei anzeigen kann. Kant 7, 410; eine jede entdeckung auch des mindesten fehlers macht jedermann eine wahre freude, und das wort närrin

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verliert hier seine gemilderte bedeutung. 411; das wort närrin, gegen ein frauenzimmer gebraucht, hat nicht die harte bedeutung (wie narr); weil ein mann durch die eitle anmaszung des letzteren nicht glaubt beleidigt werden zu können. 10, 225;

sie wird ..
mich noch zur närrin schwatzen!
Voss ged. 4, 41;

schweig, armselige närrin. Lessing 1, 144; was half es der arbeitsamen närrin? 145; nun sagen sie es noch einmal, ob sie fest entschlossen sind, mich einer jungen närrinn aufzuopfern? 2, 29 (m. S. Sampson 2, 7); damit sie nicht närrinnen des mannes würden. Lenz 3, 324; nun ist der freund seiner wege gegangen .. sie ist darüber auszer sich und untröstlich. die närrin! Göthe 19, 81;

das hatt ich wohl gedacht,
du närrin, dasz dich nicht der schaden klüger macht! 7, 27;

unsere schönen, die mit einer farbigten landschaft im gesicht unsere weisheit zur närrin machen wollen. Schiller 2, 351; ich kenne diese dame sehr gut, und will wissen, womit sie verdient hat, das opfer einer närrin zu werden? 3, 25 (Fiesko 1, 8); diese gesellschaft möchte gar zu gern wissen, warum ich meinen verstand so verläugnen konnte, den tollen roman mit Genuas gröster närrin zu spielen. 3, 127 (Fiesko 4, 13); war ich nicht eine närrin, meine tochter an einen armen gärtner verschenken zu wollen? Wieland suppl. 5, 2, 55; diese närrin (vorher verrücktes weib) hingegen lebt sogar der hoffnung, dereinst mit gott dem vater eine intrigue anzuspinnen. Thümmel (1839) 6, 26;

du bist allein ein ganzer tollhaus-Helikon,
der neun und neunzig musen hat zu närrinnen.
Platen (1847) 4, 147;

zuerst meinten die herren, Elisi sei eine der sentimentalen närrinnen, die sich mit bücherlesen abgeben. Gotthelf Uli d. knecht (1856) 273.
2) zu narr 12, c: sy haben auch ir grosse büchsz, genampt die närrin, under das thor gericht. Baumann quellen 1, 484.
 
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närrisch, adj. und adv. mhd. nerrisch Lexer 2, 57; synkop. närrsch (Albrecht Leipz. mundart 174b), närsch, sup. neben närrischt, närrist auch närrst, narrst (hieher gehört narr 11).
I. adjectiv, einem narren ähnlich oder angemessen.
1) zu narr 1, verrückt, oder wie verrückt, toll: der närriste Nero. Schuppius 768; im narrenhause sehen wir, dasz der mensch andern aufs wort glaubt, er sei närrisch (anm. denn man könnte einen menschen durch die versicherung närrisch machen, er sei närrisch). J. Paul uns. loge 3, 8; ich bilde mir ein, don Sylvio könnte .. ein wenig närrisch sein, ohne dasz er gerade das sein müszte, was man verrückt heiszt. Wieland 11, 289; so bin ich ausgelassen närrisch und fange viel verrücktes zeug an. Göthe 16, 60; es ist wirklich zum närrisch werden, wenn. 29, 61; ich möchte närrisch werden, dasz. Lessing 12, 106; sich bis zum närrisch werden verlieben. Campe 5, 338a; von thieren: dieweil die pferde, so damit (mit dem katzenkopf) behaftet sind, fast toll, närrisch und schwindelecht werden. Uffenbach rossbuch 2, 44; der geschlechtstrieb ist bei den hunden sehr ausgeprägt .. und macht sie mehr oder weniger närrisch. Brehm thierl. 1, 338.
2) zu narr 3.
a) lachen erregend, possenhaft, possierlich, drollig: nar, disen kolben gib niemans, er sei dan nerrischer dan du bist. Pauli schimpf u. ernst 41 Öst.; munter musz ich sein, ungezwungen, neckisch, närrisch. Göthe 36, 61; aber der närrische gast (vorher der drollige mann) verscheuchte sie gleich. 17, 22; die närrischen gesichter! ich muszte lachen. Lessing 11, 2, 644 H.; von thieren: ein nerrischer hund. Pauli schimpf u. ernst 29 Öst.; närrischer als affen. Simpl. 1, 214, 11; ein närisch kalb. 225, 21; sie hätten ihre mutter um zwei sous gebeten, um sich vom kleinen Savoyarden die närrischen thierchen zeigen zu lassen. Göthe 44, 67.
b) allgemeiner (auch ohne bezug auf lebende wesen), eigenthümlich, sonderbar, wunderlich, seltsam, lächerlich, komisch: du bist ein närrischer kauz, du hast närrische einfälle u. dgl.; ich murmelte unterschiedliche närrische wörter. Simplic. 2, 316, 21; diesz buch hat einen närrischen titel. Weise erzn. 1 neudruck;

(ich) lasse meinen reim ein wenig närrisch sein.
Ch. Knorr schles. Helikon 1, 270;

närrische schreibart. Schiller an Göthe 9 (1, 34); was ist denn das für ein närrisches lichtchen dort, das ich bald über uns, bald unter uns sehe? Göthe 27, 285; das närrischste ist, dasz jeder glaubt überliefern zu müssen was man gewuszt zu

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haben glaubt. 22, 253; und machten eine närrische musik mit misztönenden instrumenten. Freytag ahnen 4, 9; nürnbergisch.

denn dâu passêirn in gscheidstn oft
die allernärrschtn strâch (streiche).
Frommann mundarten 6, 260.


3) zu narr 4 und 5, der weisheit und klugheit zuwider handelnd oder zuwider laufend, thöricht, unklug, verkehrt, einfältig, albern, dumm (oft mehr scherzhaft wie bei narr 8).
a) von personen:

den halt ich für ein nrschen gouch.
Brant narrensch. 10, 27. 34, 31;

sunst find ich närrscher narren vil,
die all ir freud hant inn dem spil. 77, 1;

stultiloquus, ein nerrischer reder. gemma gemm. (1508) A 4b; der närrisch, der thor. Maaler 301d; ein weiser son erfrewet den vater, und ein nerrischer mensch ist seiner mutter schande. spr. Sal. 15, 20; ein nerrischer son ist seines vaters hertzenleid. 19, 13; denn ich bin der aller nerrischt, und menschen verstand ist nicht bei mir. 30, 2; du redest wie die nerrischen weiber reden. Hiob 2, 10; die närrische welt will betrogen sein. Simplic. 1, 219, 12; ein närrischer liebhaber. buch d. liebe 235, 4; närrische (vorher thörichte) leute. Weise erzn. 223 neudruck; ja, närrisches ding (mädchen), du bists nicht werth, was der liebe herr für dich thut. Weisze kom. opern 3, 226; närrisches mädchen! Schiller 3, 396 (kabale 2, 2); was habt ihr, närrische kinder! was zittert ihr? Lenz 1, 13; närrisch sein, werden wie ein narr sein, werden. Stieler 1331 (s. DWB narr 7, a. c); wie nerrisch bistu doch, dasz du dir unnotig z schaffen machest. Kirchhof wendunm. 1, 408 Öst.; närrisch sein, sei das angenehmste leben. Erasmus lob der narrheit, deutsch 24; entweder ist ein weib verständig oder närrisch. Albertinus guld. sendschr. (1625) 1, 116a;

wol dem der also närrisch ist, dasz er noch kan weise werden! ..
wol dem der also weise ist, dasz er nicht kan närrisch werden.
Philander (1644) 88;

doch ein verliebter ..
.. pflegt viel närrischer als jenes volk (die Indianer) zu sein.
Ch. Knorr schles. Helikon 1, 271;

ei! du bist närrisch. Lessing 2, 392 (die alte jungfer 1, 4); dasz wir statt treu zu sein, von herzen närrisch waren. Göthe 7, 17; wie leicht war es da .. nicht mehr dumm zu sein, ein wenig närrisch zu werden! Wieland 6, 256; den tag war ich doch das närrischte von uns beiden. Lenz 2, 306.
b) von gedanken und gesinnung, von rede und handlung:

der hat wol ain närrischen muet,
der do gelaubt, das gelük geb übel und guet.
Vintler 2584;

was meinst mit deiner narrischen sag? fastn. sp. 338, 28;

nerrisch ding die redt der tor. 12, 15;

als ir in zeicht solicher nerrischer weis. 56, 34;

die blschaft ist eim ieden stand
gantz spötlich, närrisch und ein schand.
Brant narrensch. 13, 84;

da bschend (geschehen) vil närrscher stucken.
H. R. Manuel weinspiel 30;

er gab die närrische und lecherliche meinung für. Micyllus Tacitus 100a;

doch ist es mir ein grosser schad,
das ihr so eim närrischen raht
so unbesunnen habt nachgsetzt.
J. Ayrer 2114, 18 K.;

närrischer weisz, stulte, stolide Maaler 301d. Denzler 209b; närrische anschläge, närrische frage. Stieler 1331; närrische liebe. 1156; ein närrischer fund. Heuslin vogelb. 204; närrische grillen. Simplic. 1, 180, 10; närrische einbildung. Weise erzn. 123 neudruck; deine schwester hatte so eine närrische furcht. Weisze kom. opern 3, 90; kein ehemals ausgesprochenes wort soll gelten, alles was weise war, soll närrisch erkannt werden. Göthe 53, 90; manchmal fällt mirs ein, dasz es doch ein närrscher streich wäre, wenn ich trutz meiner schönen projeckten vor ostern stürbe. an Käthchen Schönkopf (d. junge Göthe 1, 41);

mystisch heiszest du ihnen,
weil sie närrisches bei dir denken. 5, 39;

die reverenz zu machen einem hut,
es ist doch traun ein närrischer befehl!
Schiller 14, 350 (Tell 3, 3);

was schwatzt der da für närrisches zeug? 14, 150 (der neffe als onkel 1, 15); närrisch genug, dasz ich in meinem kopfe hatte, du müsztest nothwendig .. mit brandblasen überdeckt .. sein. Wieland 27, 30; sprichwort: närrische frage, närrische antwort. Simrock 400.

[Bd. 13, Sp. 391]



c) von sachen und verhältnissen: närrische tracht gleich narrentracht. Stieler 2307; närrisches kleid. Simplic. 1, 25, 8; es ist ein unterschied unter erbaren und närrischen kleidern. Weise erzn. 33 neudruck; närrisches ding. Wieland 11, 289; ein närrisch ding um uns menschen, wie ich in munterer gesellschafft war, war ich verdrüsslich, jetzt binn ich von aller welt verlassen, und binn lustig. Göthe an Käthchen Schönkopf (d. j. Göthe 1, 40).
II. adverb, wie ein narr, einem narren gemäsz, thöricht, unklug, verkehrt, albern, wunderlich, seltsam: mhd.

du habe tœrische site
und rede nerrische hie mite.
H. v. Freiberg Tristan 5118;

dô er in die stat
alsô tœrischen trat
und alsô nerrisch was gestalt. 5155;

nhd. iederman spottet des jungeling,
das er als närrisch het getan.
Vintler 883;

wer nerrisch tut,
das helt man im heut als vergut. fastn. sp. 91, 21;

duo (thu) nersch, recht wie ein dorecht man. 843, 3;

und welcher hab nerrischer getan,
dem gib ich den apfel zu lan (lohn). 121, 23;

nerrisch (gedr. nereisch) reden blaterare, nerrischthun stultisare. voc. 1482 x 3b;

der narr woltt sich gern närrisch stellen.
Brant narrensch. 67, 45;

herr, las die sunde nicht auff uns bleiben, da mit wir nerrisch gethan und uns versündiget haben. 4 Mos. 12, 11; ein ungedültiger thut nerrisch, aber ein bedechtiger hasset es. spr. Sal. 14, 17; ein kluges hertz handelt bedechtiglich, aber die knen narren regieren nerrisch. 15, 14; es ist besser, man halte hertzog Georgen, das er nerrisch mit solchem eide fare, denn das er böslich und mördisch handelen solt. Luther 6, 8a; denn gott hat sich wol mehr mal so nerrisch und schwach gestellet, als solt sein wort und thun untergehen. 3, 60a; närrisch gebaren. Kirchhof wendunm. 1, 139 (1, 170) Öst.; ir habt nersch her. Zimmer. chron. 2, 600, 10;

er kunte lassen nicht, im hertzen mit zu tragen
den lieben freund, den er so (indem er ihn für einen andern
hielt) närrisch hatt erschlagen.
D. v. d. Werder Ariost 21, 54, 2;

das sol mich billich trsten,
ob es ioch schon gat närrisch z.
H. R. Manuel weinspiel 33;

hte dich vor den exempeln und schicke dich nicht närrisch zu anderer nachfolg. Schuppius 765; närrisch thät ich .., wann ich mein geld ... in ein closter oder spital steckte. Simplic. 2, 58, 13; sie stellten sich auch nicht so närrisch (ungeberdig). 1, 556, 31;

ein David zeigt den witz auch wenn er närrisch thut.
Ch. Knorr schles. Helikon 1, 270;

er muszte redlich dafür büszen,
dasz er sein schönes geld so närrisch weggeschmissen.
Stoppe neue fabeln 1, 129;

hör auf, dich närrisch zu beklagen. 2, 111;

sollten sie sich es wohl so närrisch träumen lassen. Rabener (1771) 3, 73;

hört nachbar, musz euch närrisch fragen.
Schiller 1, 243.


a) verstärkend vor adjectiven: närrisch verliebt, närrisch lustig. Frommann mundarten 5, 184; närrisch stolz. Gökingk 2, 118.
b) als interjection im sinne von narr 8, b: närrisch, närrisch! Klinger Otto 10, 12 neudruck; narrisch, was du für ein saubers sacktüchel da hast! Rosegger die dorfschöne (deutsche revue 7, 4, 47); vgl. Schm. 1, 1752 Fromm.; Lexer kärnt. wb. 196.
 
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närrischen, verb. närrisch thun; leipzigerisch närrschen, ausgelassen toben, unfug treiben, auch übermäszig eilen. Albrecht 174b.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,