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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
narrethei bis närrin (Bd. 13, Sp. 386 bis 388)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrethei, s. narrentheiding 5, b.
 
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narrezen, verb. transitiv, gleich närreln Schmeller 1, 1753 Fromm.; ahd. narrizan, intransitiv, apostatare Graff 2, 1094.
 
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narrfex, m. verstockter narr:

wer aber ein solch narrfex ist,
leszt im gefallen der schmeichler list,
dem geht es wie dem schwarzen rappen,
mit schand musz tragen d' narrenkappen.
Waldis Es. 1, 11, 65.


 
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narrhaft, adj. gleich narrenhaft Stieler 1331.
 
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narrheit, f. der zustand, die denk- und handlungsweise eines narren; in ahd. glossen narraheit, narheit, vesania, vecordia Graff 2, 1094, socordia, stultitia Steinmeyer-Sievers 1, 248, 20; spätmhd. narrheit, narheit:

ein tôr bewart sîn tôrheit wol,
wenn der, der narrekeit (var. narheit) ist vol,
mit den wîsen schimpfen wil.
Boner 14, 2;

wâ man mêr verzert, wann es durft het ..
das selb haist man wol ain narrhait.
Vintler 1898;

ain sollich vichleich fraidichait
die ist ain fundament der narrhait. 4261;

es ist ain zaichen der narrhait,
der wider sich ist an manigen orten
mit seinen unnutzen worten. 8751;

nhd. myn narrheit loszt mich nit sin grys,
ich bin fast alt doch ganz unwys.
Brant narrensch. 5, 1;

der ist mit narheit wol vereint,
wer spricht, das hett ich nit gemeint. 12, 1;

andere die in sünden sint
und inn ir narrheit ganz erblint ..
ir narrheit gibt inn kappen all. 98, 28. 35 u. o.;

David bat, das gott Ahitophels raht nicht liesse fort gehen, sondern zur narrheit machete. Luther 6, 186a (herr, mache den ratschlag Ahitophels zur narrheît 2 Sam. 15, 31); und wurden seer zornig, das er ein narrheit an Israel begangen und Jacobs tochter beschlaffen hette. 1 Mos. 34, 7; denn er ist ein narr ... und narrheit ist bei im. 1 Sam. 25, 25; ein witziger man gibt nicht klugheit fur, aber das hertz des narren rffet seine narrheit aus. spr. Sal. 12, 23; ein kluger thut alles mit vernunfft, ein narr aber breitet narrheit aus. 13, 16; die albern erben narrheit, aber es ist der witzigen krone fürsichtiglich handeln. 14, 18; antworte dem narren nicht nach seiner narrheit. 26, 4 u. o.:

narrheit ist ein schedlich ding,
das gar bald ..
ein grossen witen inbruch tt.
Murner narrenbeschw. 1, 89;

bistu ein nar, so treib dein narheit. Pauli schimpf u. ernst 15 Öst.; ich befinde in diesem buch .. ein narrheit uber die andern. J. Nas examen (1581) 117;

ob schon die welt die narrheit liebet,
so sei auff tugend du geübet. Simplic. 1, 280 K.;

(ich will) meiner narrhait geben schuld,
das ich so offt geärgert bin.
Schwarzenberg 159d;

ja ich will noch wol mehr sagen, nehmlich: dasz die narrheit eine erhalterin der welt, und eine säug-amme vieler tausend menschen sei. denn wenn der krieg, als der rädelsführer aller thorheiten, nicht so viel menschen auffräsze .. würde die erde kaum die helffte der menschen verpflegen können. Lohenstein Armin. 1, 1021a; er entdeckt mir alle anfälle, die mädchen auf ihn thun ... so lasse ich ihn ruhig in dieser narrheit. Rabener (1771) 4, 124; um diese ekelhaften krankheiten (des kopfes) von der dummkopfigkeit an bis zur narrheit zu erläutern. Kant 10, 8; die thorheit, wenn sie beleidigend ist, heiszt narrheit. 225; thorheit, mit einem lineamente von bosheit verbunden heiszt narrheit. 376; ich will doch nicht hoffen, dasz sie auch an der narrheit krank liegen, welche die leute nur das für gut und schön erkennen läszt, was sie nicht bekommen können. Lessing 1, 396 (der

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freigeist 1, 3); das neujahrslied ... habe ich in einem anfall von groser narrheit gemacht, und zum zeitvertreibe drucken lassen. d. j. Göthe 1, 40; Horn ... ist unglücklicher als ich. wie aber alles wunderlich ausgetheilt ist, so hilft ihm seine narrheit (vgl. werke 25, 35) sehr zur cur seiner leidenschaft. 1, 66; sobald ich mich in das gewand der thorheit kleidete, blieb es nicht blos bei der maske, sondern die narrheit durchdrang mich sogleich durch und durch. werke 19, 296; jede einschränkung dieses gebrauches ist ein freiheitsbrief für die thorheit, und ein stillschweigendes geständnisz, dasz es ehrwürdige narrheiten gebe. unvermerkt würden sich noch andere thorheiten hinter diese verstecken. Wieland 6, 261; er könnte mit einer art von narrheit oder schwärmerei .. behaftet sein. 11, 289; wie ich in meiner gutherzigen narrheit mir einbildete. 28, 218; o! die narrheiten des narren sind bei weitem so gefährlich nicht als die narrheiten des witzes. Lenz 2, 271;

sein hoffen, sein leid zu verstecken,
anzog er der narrheit gewand.
Freiligrath (1870) 2, 200.


 
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narrheitstrieb, m.:

man übe seinen kopf in Clausens lustgeschichten,
damit der narrheitstrieb in das gehirne zieh.
Günther 496.


 
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närricht, narricht, narrecht, narret, adj. und adv. thöricht, närrisch, verkehrt, unklug, wunderlich, possenhaft u. dgl., wie närrisch; narrecht, stultus Dasyp. (1556) K 7a; narret, amens Diefenb. nov. gl. 20b; nun veraltet, doch in bair.-schwäb. mundart als narret, närret noch fortlebend, s. Schmeller 1, 1753 Fromm. Lexer kärnt. wb. 196. Schöpf 461. Hintner 178. Schmid schwäb. wb. 401.
1) adjectiv.
a) von lebenden wesen: mhd.

daʒn tuot er niht durh argen list,
wan daʒ er alsô narreht (var. narrest, narrisch, nerrisch,
nerrig, dôrecht) ist.
Freidank 140, 18;

nhd. des ist z wundern nit dar an,
das narren narrecht kinder han.
Brant narrensch. 6, 48;

dorumb sint wir grosz narreht doren. 85, 11;

vil narrechter ist, der verdt
mit üppikeit und lichtem mt
das so im got hat geben hein. 3, 5;

wäger das dich ein wyser stroff,
dann dich anlach ein narrecht schoff. 54, 25;

narrete unvernünfftige menschen. Keisersberg pred. (1510) 29b; der straus ist ein so nerrichter vogel. Luther 3, 75b; ein nerrichter (var. nerrischer) son ist seines vaters trawren und betrübnis seiner mutter, die in geborn hat. spr. Sal. 17, 25; die fünf narrichten jungfrauen. Aventin. 1, 184, 9; die überreden den narreten (var. narrechten, thörichten) gmain man wes si nur wellen. 4, 311, 13; und seindt noch vil narrechter dann die christen an ihrer fasnacht. Frank weltb. 151a; ein narrachter deutscher bischof. Zimmer. chron. 4, 48, 5; ein narrichter, narrechter Deutsche. 3, 536, 36. 537, 11; wo so vil arzet, so wurt vilmals dem aller narrichtisten und unerfarenesten gevolgt. 3, 582, 27; o du unseliger thor wie bistu so narrot. Steinhöwel Es. (1555) 82; und steht uns zu, dasz wir ewern narrechten kopf straffen. Amadis 274 K.; aus narrechten guten kindischen kindern werden weise leut. Agricola sprichw. 146a; er were narrechter dann der narr, dieweil er ihm glaubte. Bebel facet. (1589) 9a; ein gar torechtiger, einfaltiger mensch, der gantz narrecht und kindisch was. Wickram rollw. 166, 17; wenn liegen ein orden wer, so wölt ich lengst apt sein worden, wenn ich schon noch als narret wer. Schade sat. 3, 215, 5; so offt an bellete mich diesz hoffärtige und närrichste (sic) thierlein. Schuppius 770, vgl. närrigst unter närrig;

wie kompts, dasz du so nerricht bist,
wilt thun dasz dir unmüglich ist.
E. Alberus 123b.


b) von sachen und abstractionen:

durch din narreht fantasieren.
Brant narrensch. 28, 28.

was kan man narrechters oder törlichers lesen. Reuchlin augensp. 11b; da nu solche hohe treffliche ding mir so gar nerricht und lecherlich waren, ward der trefflich man zornig. Luther 1, 394b; also gehet gottes werck imerdar, das es nerricht ist anzusehen. 4, 50a; das ist nerricht und beide wider die schrift und natur gefragt. 5, 380a; wir wöllen hie geschweigen der unzelichen kindischen ceremonien und nerrichten gottesdienst. 6, 472a; und sol in die narrete weisheit nicht schaden. 8, 289b; und was kan doch nerrichter geschehen, denn so ein narre wil eins klugen mans werck thun? 6, 140b;

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dasz ir euch des narreten lebens nit lasset verdrieszen. Schade sat. 2, 99, 18 (v. j. 1521); narrete läppereien. Aventin. 4, 442, 13; wann einer die wilden narreten gebrd der vollen im für die augen stellet. Frank laster der trunkenh. fol. 2; narrichte und leichtfertige satzungen. Melanchth. von der bapstler gewalt, übers. v. Dietherich (1541) 6; es haben die pauren .. ein so narrechte urthl geben. Zimmer. chron. 2, 360, 29; von des bischofs .. narrechten handlungen. 4, 44, 14; ettlich mal reuwet ihn seines narrechten beschehenen unterstehens. Amadis 315 K.; nach disem narrächten anschlag. Kirchhof wendunm. 217a; als ob es narret ding were. Baumann quellen 1, 160.
2) adverb: das er sich so nerricht dazu stellet. Luther 6, 277b.
 
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narrieren, verb.
1) intransitiv, gleich narren. grobianus 185a; gehe und zeige mir zu Ulm ein mesz .. als sie in dem concordi-buch narriern. J. Nas examen (1581) 81; sein (des dieners) antwort soll weisz und kurz sein, narriren ... soll er meiden. Lehmann 139;

heda! hier nichts gegeckt,
ihr ungewaschnen buben!
narriert in andern stuben,
nur mich laszt ungeneckt!
Bürger 21a;

nun kann ich schon wieder .. ein wenig — narriren. 495a;

denn, glaubt mir, ihr gravitätischen herrn,
gescheide leute narrieren gern ..
das macht sie haben beim narrieren
mehr zu gewinnen als zu verlieren.
Wieland suppl. 6, 376;

das ist ein narrirender, schwatzhafter luftgeist. Tieck ges. nov. 7, 174; bair. henneb. narrieren narrenpossen treiben, dummes zeug machen. Schm. 1, 1754 Fromm. Spiesz 170.
2) transitiv, gleich narren, närren: aber wart will dirs weisen! .. mich so auf die freierei zu führen — mich in der keuschheit meines herzens zu narriren. F. Müller Faust 109, 24 neudruck.
 
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narrieren, verb. fremdwort, aus lat. narrare: narrirn, ein ding nach der lengs her erzelen und sagen. Roth diction. (1571) L 1b; sölich antwurt wurt in nachfolgender schrift narrirt. Baumann quellen 2, 482.
 
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närrig, adj. und adv. närrisch: nerrig Freidank 140, 18 var. (15. jh.); dies ist die aller ärgste und aller närrigste abwechselung, dasz einer seine seele verkauft, damit er den leib mög decken. Philander (Leiden 1647) 7, 39; wetterauisch narrig. Weigand 2, 199; in dem loch hat so ä klaner hansworscht wie narrig erumgetonzt. Firmenich 2, 78.
 
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närrin, f. seit dem 15. jh. nachweisbar als femin. zu narr (besonders zu 4 und 8).
1) eine thörichte, unkluge, überspannte weibliche person, oft nur in scherzhaftem und vertraulichem oder bemitleidendem sinne:

der nerrin sol man in legen an,
wil es Hans Narrolt,
so wirt im die nerrin holt. fastn. sp. 673, 32;

awee, Gütel, du grosse nerrin!
wiltu nicht als weis sein als ich pin? 674, 11;

ein hübsch frow, die ein närrin ist,
ist gleich eim rosz dem oren gbrist.
Brant narrensch. 32, 21;

dann nrrin vil sint also geil,
das sie ir gsiecht bald biettent feil. 92, 59;

durch weise weiber wird das haus erbawet, eine nerrin aber zerbrichts mit irem thun. spr. Sal. 14, 1; ire weiber sind nerrin, und ir kinder boshafftig. weish. Sal. 3, 12;

wie die weiber nerrin sind,
und iede bald irn narren findt.
Murner narrenbeschw. 9, 13;

du närrin! was ist diesz? du plauderst toll und lang.
A. Gryphius lustsp. 363 Palm;

ich stund da wie eine närrin, weil ich .. solche aus einem verwirrten gemüth lauffende reden hörete. Simplic. 2, 245, 19; bis er endlich die schwachheit merkte, wann er sahe, das die dienstmagd gegenüber stets in den fenster lage und als eine närrin (s. DWB narr 10) sich endlich mit allerhand mienen sehen liesze. polit. stockfisch 82; ein frauenzimmer, das hierin (in der neigung zu gefallen) gar zu flatterhaft und gaukelnd ist, heiszt eine närrin; welcher ausdruck gleichwohl keine so harte bedeutung hat, als mit fehlender endsilbe beim manne, sogar, dasz, wenn man sich untereinander versteht, es wohl bisweilen eine vertrauliche schmeichelei anzeigen kann. Kant 7, 410; eine jede entdeckung auch des mindesten fehlers macht jedermann eine wahre freude, und das wort närrin

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verliert hier seine gemilderte bedeutung. 411; das wort närrin, gegen ein frauenzimmer gebraucht, hat nicht die harte bedeutung (wie narr); weil ein mann durch die eitle anmaszung des letzteren nicht glaubt beleidigt werden zu können. 10, 225;

sie wird ..
mich noch zur närrin schwatzen!
Voss ged. 4, 41;

schweig, armselige närrin. Lessing 1, 144; was half es der arbeitsamen närrin? 145; nun sagen sie es noch einmal, ob sie fest entschlossen sind, mich einer jungen närrinn aufzuopfern? 2, 29 (m. S. Sampson 2, 7); damit sie nicht närrinnen des mannes würden. Lenz 3, 324; nun ist der freund seiner wege gegangen .. sie ist darüber auszer sich und untröstlich. die närrin! Göthe 19, 81;

das hatt ich wohl gedacht,
du närrin, dasz dich nicht der schaden klüger macht! 7, 27;

unsere schönen, die mit einer farbigten landschaft im gesicht unsere weisheit zur närrin machen wollen. Schiller 2, 351; ich kenne diese dame sehr gut, und will wissen, womit sie verdient hat, das opfer einer närrin zu werden? 3, 25 (Fiesko 1, 8); diese gesellschaft möchte gar zu gern wissen, warum ich meinen verstand so verläugnen konnte, den tollen roman mit Genuas gröster närrin zu spielen. 3, 127 (Fiesko 4, 13); war ich nicht eine närrin, meine tochter an einen armen gärtner verschenken zu wollen? Wieland suppl. 5, 2, 55; diese närrin (vorher verrücktes weib) hingegen lebt sogar der hoffnung, dereinst mit gott dem vater eine intrigue anzuspinnen. Thümmel (1839) 6, 26;

du bist allein ein ganzer tollhaus-Helikon,
der neun und neunzig musen hat zu närrinnen.
Platen (1847) 4, 147;

zuerst meinten die herren, Elisi sei eine der sentimentalen närrinnen, die sich mit bücherlesen abgeben. Gotthelf Uli d. knecht (1856) 273.
2) zu narr 12, c: sy haben auch ir grosse büchsz, genampt die närrin, under das thor gericht. Baumann quellen 1, 484.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,