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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
narrenstück bis narrentitel (Bd. 13, Sp. 381 bis 383)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrenstück, n. facinus ineptum Stieler 2221.
 
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narrenstuhl, m.:

die kätzer-schl
die haltt z Prag den narren-stl (hussitischen lehrstuhl).
Brant narrensch. 98, 12;

schweizerisch der narrenstuhl, küferstuhl. Stalder 2, 231.

[Bd. 13, Sp. 382]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrentand, m. ineptiae, narrentant Stieler 2254;

wem nit bekandt
dein schelmerei und narrenthandt.
Sandrub 132, 20 neudruck;

schau, nun er in ängsten stecket,
leidet spott und narrentand!
Spee trutzn. 182 (42, 64) B.;

ich soll zu assembleen
und bällen, und wie sonst der narrentand
all heiszen mag, mit meinem vater gehen.
Gökingk 2, 186;

sein steifes kleid war noch gemacht
von meister Olims hand,
und jede neue männertracht
hiesz ihm ein narrentand.
Langbein (1854) 1, 63;

beide aber sind durch den narrentand (fastnachtscherz) gekränkt worden. Freytag ahnen 4, 44.
 
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narrentändler, m. einer der narrentand treibt: lauter lugner .. narrendändtler. J. Nas examen (1581) 395.
 
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narrentanz, m.:

sie sprach: ich wil ein pfeiffer bringen,
musz euch pfeiffen ein narren-tanz.
H. Sachs 9, 254, 24 K.;

erste hexe.
die luft mit klang durchhex ich ganz,
und ihr tanzt euren narrentanz.
Tieck Macb. 4, 1;

denkt nicht ihr seid in deutschen gränzen
von teufels-, narren- und todtentänzen.
Göthe 41, 22.


 
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narrentappen, plur. narrenpossen Reinwald henneb. idiot. 1, 108; narrenstappen Spiesz 170.
 
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narrenthat, f. stolidum facinus, scurrilitas Aler 1450b:

aber wenn der alt uncheusch begat,
das selb haiszt man ain narrentat.
Vintler 6293.


 
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narrenthätig, adj. stultiloquus, scurrilis. voc. 1618 bei Schm. 1, 1753 Fromm.
 
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narrentheidigen, verb. narrentheiding treiben:

abgepflücket hast du meine blume,
hast verblasen all die glanzfantome,
narrentheidigst in des helden raub.
Schiller 1, 259.


 
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narrentheiding, f. die theiding (mhd. tagedinge, teidinge), die verhandlung der narren, narrengeschwätz, narrenposse, dann überhaupt narrheit, thorheit. das wort hat, da der zweite theil desselben schon früh nicht mehr verstanden wurde (schon im 15. jahrh. taeding, teding, teidung, teidigung für mhd. tagedinc, tagedinge s. Lexer 2, 1387) verschiedene wandlungen durchgemacht.
1) die volle form narrent(h)eidinge, narrent(h)eiding, namentlich im 16. jahrh.: schandbare wort und narrenteiding oder schertz. Ephes. 5, 4; das alle welt an stat der besten und heiligsten lerer ire narrenteiding für augen wird müssen haben. Luther 1, 100a; derhalben war es den Jüden gar eine lecherliche rede und ein lauter narrenteidinge. 3, 232a; es ist unmüglich und sind narrenteidinge. 245b; mit solchen narrenteidingen. 356b; es ist aber narrenteiding. 4, 44b; er helt unsere gantze theologia für lauter narrentheiding. tischr. 295b; denn solche narrenteidinge machen den leuten nicht bonum wultum sondern angst und sorge. Schade sat. 2, 103, 8 (vom j. 1537); nicht an solche narrenteidinge zu gleuben. 11; narrenteiding. Frisius 1250a; auch von neueren noch (die ältere sprache nachahmend) neben narrentheidung gebraucht: hätte ich gewuszt, dasz narrentheidinge dein ausspruch sei. Stolberg 13, 127; abgesehen von den narrentheidingen. Niebuhr lebensn. 1, 471; wozu soll die narrentheiding? Lenz 1, 138;

schelmstücke,
narrentheiding, affenstreiche sind sein glücke.
Tieck 1, 211.


2) narrentheding, narrenteding Dasyp. 219b;

und pring fremd sitten dan heraus,
könn .. prächtig schwätzen
von narrentding und von metzen.
Fischart kehrab 722.


a) mit schwinden des n im auslaute des ersten theiles narretheding: schier aus diesen ursachen pflegen die weiber sich fast und hoch zu erfreuen ab der gleichen thorechten menschen, als die von natur zur wollust und narretheding geneigter sind. S. Frank moriae encom. 32a.
b) mit schwinden des n im zweiten theil narrentädig Frisius 1190b. Maaler 303a; narrenthädig Schönsleder 2a.
3) narrentheidung Weigand 2, 200 (v. j. 1660. 62). Aler 1450b; narrentheidung ist ein närrisches ungereimtes reden, da einer, nach art der narren, närrische possen und zoten reiszet, und redet oder thut was sich nicht schicket. Zedler 23, 685; ist der eselskopf mit narrentheidung umbgangen. Kirchhof wendunm. 325a; es (das buch) steckt voller schmachred,

[Bd. 13, Sp. 383]


lästerwort, narrenteidung. J. Nas examen (1581) 81; das osterlämblein ... erinnert die prediger, dasz sie nicht unnütze sachen und narrentheidung oder lame zotten auff die cantzel bringen. Sandrub 51 neudruck; so kommt ihr und verunehret uns mit euren unvernünfftigen ... narrentheidungen. Weise erzn. 173 neudruck; indem er (der apostel) von schertz und narrentheidung gesagt, die den christen nicht geziemen. 174; weil sie es wirklich für bürgerlich, das heiszt in ihrer sprache für pöbelhaft hielt, sich mit büchern und wissenschaften zu beschäftigen, gab sie sich alle mühe, ihrem sohne eine tiefe geringschätzung gegen solche narrentheidungen beizubringen. Siegfr. v. Lindenberg 1, 52; wo da ist trinkgelag, und allerlei gespasses und narrentheidung. Klopstock 12, 107; nimm der dicken regulbücher eines zur hand, und lauf hie und da die narrentheidungen durch, die du vor dir findest. 146 (an beiden stellen die ältere sprache nachahmend);

laszt ihn die narrentheidung treiben,
ihm wird kein raum für seine possen bleiben.
Göthe 41, 54.


Nebenformen.
a) narrentädung: dasz sie meine gastereien .., kleidungen, bänder, stiffel, narrentädungen nicht so theur kauffeten! Schuppius 759;

dasz ihr euch nicht aus unbedacht
z eitelkeit und losen dingen,
z narrentedung lasset bringen.
Kehrein kirchenl. 2, 187, 10.


b) narrendeitung: darumb solte mein wündschen und begeren, dasz wir aller narrendeitung und fabeln mochten gewisz inne werden, dasz mit dem heiligthumb hin und wider wirt gehalten und getriben. Fischart brotk. (1594) 7b;

(wir wollen) mit den münch und pfaffn
hinfürter nichts haben zu schaffn
und auff solche narrndeytung gaffn.
J. Ayrer 2999, 16 K.


4) auch narrenteidigung: also bin ich solchen spilen feind, wodurch die erbarkeit verspilet, unser euserlicher sinn von der tugend-liebe abgerissen wird, und sich in den koht der narrenteidigungen senckt. Butschky Pathm. 869.
5) verkürzte und entstellte formen:
a) narrenthei Schönsleder 2a. Aler 1450b;

ein groszes ists, zu narrenthei die menschen brauchen und verführen,
doch ist es leider so gemein, dasz man es gar für zierlich hält. Simplic. 1, 199 var. K.


b) narret(h)ei: narrethei Kramer teutsch-ital. wb. 802a. Stieler 1331;

es danke gott, wer kluge sei,
und lieb nicht solche narrethei. Simplic. 1, 199 var. K.;

ich .. hasz solche narretei.
Weckherlin 965;

der mensch ist eine kreatur, die, nebst noch andrer narrethei,
sich selber überredet, schreibet, und sagt, dasz sie vernünftig sei.
Brockes 9, 539;

ich hiesz sie mit ihren narreteien weiter gehen. Göthe 30, 325; mit all den narretheien! bleiben, fort wollen, wieder bleiben, was solls nun endlich? F. Müller 3, 102;

das ist narrethei,
sich vornehm dünken.
Tieck 3, 337;

es träumet mir
grausame narrethei.
H. Heine (1876) 11, 45;

masken, die laut jubelten und die lustigsten narretheien trieben. 5, 59; statt narretheien bei Göthe wol des reimes wegen narretheiden:

und ihm mit schwank und narretheiden
ein lustig zwischenspiel bereiten. 13, 129.


c) erweicht narredei: da hergegen andere .. ihre narredei mehr als ihren dienst beobachteten. pers. rosenth. 1, 28; es were ein naredei, alles zu sagen, wasz einem im hirnkasten herumbfahrt. Elis. Charl. (1871) 569; wer kan die naredei erfunden haben, die die printzes .. mir geschrieben? (1874) 105; dergleichen sind deutsche narredeien. Füszli d. jüngere an Lavater bei Merck briefs. 1, 62; auch narradei. Abele 3, 5.
 
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narrentitel, m. titulus ambitiosus, superbus Stieler 2289.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,