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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
narrenseil bis narrenstift (Bd. 13, Sp. 379 bis 381)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrenseil, n. seil, woran man ehedem den narren band und so führte, daher in vielen redensarten:

wolher auch an das narrenseil! fastn. sp. 231, 6;

dem unvorsichtigen menschen das narrenseil über die ohren werfen. ehe eines mannes 67; an das narrenseil binden, an (auf) das narrenseil bringen, führen, setzen, zum narren

[Bd. 13, Sp. 380]


machen oder halten, zum besten haben, foppen. Aler 1450b: vielleicht hatte der listige kopf schon den betrug im sinne, die entzündete magd ans narrenseil zu binden. polit. stockf. 91;

also hat mich das freulein gail
pracht an das narrensail. fastn. sp. 124, 5;

sie furt mich do an das narrenseil. 123, 3;

auf das er die magd oder weib nicht auffs narrenseil füret und betrüge. Luther 2, 166b; damit ich den teufel auffs narrenseil fre. 4, 535a; einen auffs narrenseil setzen. Rivander düring. chron. 102 bei Wander; ich hab auch einen hohen bulen, ich förcht aber, sie möchte mich am narrenseil verknüpfen, denn sie möcht vielleicht einen andern lieber haben. buch d. liebe 235, 4. — ebenso an dem, auf dem narrenseil führen, s. th. 41, 433 f. und dazu noch:

nu sagt, ir lieben narren gail,
wo ir seit an dem narrenseil
gefuret als die dorfnarren. fastn. sp. 121, 26;

also furt sie mich am narrensail. 122, 30;

wer nit die rechte kunst studiert,
der selb im wol die schellen rrt
und wurt am narren-seil gefrt.
Brant narrensch. s. 29a;

dieweil sie mich gefiert an narrensail
wie ain affen an ainer ketten. Zimm. chron. 4, 327, 30;

ziemlich voll verwunderung,
dasz man allhier die fremden, statt spazieren,
am narrenseil nur irre sucht zu führen.
Bürger 108b;

du hast noch niemand am narrenseil geführt. Arnim 1, 242; auch im narrenseile führen: das ich gottes wunder sehe, wie er den teufel kan im narrenseil füren. Luther 3, 46a; am narrenseil um, herum führen: also frt uns der teufel am narrenseil um, das wir hin und her gaffen, jetzt nach diser kunst, jetzt nach jener fragen, bis wir die recht einig kunst gottes ... verseumen. S. Frank lob des göttl. worts 166b; so wölten wir die pauren noch wol ain weil am narrensail umbgefrt haben. Schade sat. 3, 148, 23; aber wenn sie uns zum öftern an dem narrenseile herumb geführt haben. Schoch stud. leb. D; dergestalten führte sie die närrischen stümpfer am narrenseil herum. Jucundiss. 43;

und wölln die zwen junckern wir zwu
dermassen am narrnseil rumb führn,
das sie das gwett sollen verliern.
J. Ayrer 2311, 10 K.;

aber wir führen sie erbärmlich am narrenseil herum. Schiller 2, 79 (räuber, schausp. 2, 3); am narrenseile lenken:

indem der gröszte theil der menschen am narrenseile wird gelenkt,
und alle thoren insgemein in ihrer thorheit sich gefallen.
Brockes 9, 539;

am narrenseil umjagen, umtreiben:

(ich) wil'n helffen am narrenseil umbjagen.
H. Sachs 9, 123, 25 K.;

wann deine bulschafft alle siben
habn dich am narren-sail umb triben. 3, 378, 14;

auff dem narrenseil gon, das hrenübel haben, in amoris rota versari. Maaler 302d; dem narrenseil nachhängen:

so vocht man dann den ruwen (die reue) an,
das man well morndes wider dran
dem narren-seil me hengen noch.
Brant narrensch. 110b, 94;

am narrenseil ziehen, tanzen, traben, laufen, ein narr sein, wie ein narr handeln:

und pit euch voln zuo wünschen heil,
das jar zuo ziehen am narrensail. fastn. sp. 287, 8;

man findt jetzt schier kein hohen mann,
der nit den weibern wirdt zutheil,
offt ziehen musz am narrenseil.
Waldis Es. 4, 81, 172;

wirstu auch .. han am narrenseil gezogen. Ringwald l. w. 414;

mancher syn frow loszt an dem bett,
die lieber kurtzwil mit im hett,
und dantzt er an dem narrenseil.
Brant narrensch. 62, 29;

der tüfel hat das spiel erdacht,
so man solt schen selen heil,
das man erst dantz am narren-seil. 110b, 42;

so thustu auch am narrenseil traben.
Römolt D 6a;

laufent mit andern am narrenseil.
Schade sat. 1, 32, 180;

das seil womit ein gefoppter liebhaber im korbe aufgezogen wird (s. th. 5, 1801) heiszt auch narrenseil: das narrenseil mit dem korbe aber bleibt ihm immer hinterm rücken, wo er nichts sieht. Weisze briefw. der fam. des kinderfr. 9, 157.

[Bd. 13, Sp. 381]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narrensinn, m. sententia vaga, absurda, stulta Stieler 2031.
 
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narrensitte, f. brauch, gewohnheit eines narren:

man sol sich auch bedenken ..
ob man die red sull fürpringen
und ob man es sull sagen oder nit,
wann das wär gar ein narrensitt,
das man wolt sagen, das nicht ze sagen wär.
Vintler 8587.


 
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narrensod, n. narrenbrühe:

ein jeder schwimmt im narrensode.
Günther 56 Tittm.


 
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narrenspiegel, m.:

den narren-spiegel ich disz (das buch) nenn,
in dem ein ieder narr sich kenn,
wer ieder sy wurt er bericht,
wer recht in narren-spiegel sicht.
Brant narrensch. vorrede 31. 34.


 
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narrenspiel, n. mhd. narrenspil:

wan wer mit tôren spotten wil,
der muoʒ ouch dulden narrenspil.
Boner 14, 38;

nhd. so findt ir freilich noch gar vil,
die horn zuo disem narrenspil. fastn. sp. 284, 20;

der ist ein narr ..
(der) mit kind und narren schimpfen wil
und nit uff nmen narren-spil.
Brant narrensch. 68, 6;

darum lont (laszt) solich narrenspil,
das selbig ich üch raten will.
Murner narrenbeschw. 59, 75;

und schwecheten mit solchem geschwetz und geplerr der christen glauben in diesem artikel, und macheten ein narrenspiel draus. Luther 6, 209a; narrenspiel treiben. Butschky kanzl. 788; narrenspiel will raum haben. Stoppe Parnass 531. Simrock sprichw. 395;

mir liegt andres
am herzen, als der liebe narrenspiel.
Schiller 13, 358 (Turandot 1, 3).


 
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narrensprache, f. sermo ineptus, indoctus, incultus, stolidus Stieler 2102.
 
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narrensprung, m.:

das du nicht thust ein narrensprung.
Ringwald laut. warh. 60, 162.


 
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narrenstein, m. artemisiarum carbones, sive lapides stultorum, beifuszkohlen, narrensteine: so nennt man eine art kohlen, die bei den wurzeln des beifuszes um Johannis gefunden werden. ehedem stritt man sich nicht wenig über den ursprung und die kräfte dieser kohlen, die aber nichts anders als ausgetrocknete wurzeln des beifuszes sind. Nemnich 1, 473. Zedler 2, 1689. 16, 751.
 
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narrenstich, m. stich des narren oder womit ein narr gestochen wird (s. DWB narr 6, a): sie schreiben, dasz gesang heile die schlangenbisz, wie viel mehr dann den narrenstich. Fischart Garg. 15a; der narrenstich auf dem beschneidstuhl. pract. 18 neudruck.
 
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narrenstift, n. stiftung für narren; Swift stiftete ein hospital für narren (s. DWB narr 1) und starb selbst als einer, mit bezug darauf:

wenn wir mit unserm kopf nicht sichrer sind als Swift,
was wagen wir, mit recensentenschlägen
den freipasz in sein narrenstift
auf eines andern stirn zu prägen?
Thümmel 4, 518.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,