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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nardig bis narren (Bd. 13, Sp. 354 bis 366)
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[Bd. 13, Sp. 354]


Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nardig, adj. mit narde gesalbt, nardenduftend:

in blumengewinden (ruht)
unser nardiges flechtenhaar.
Stolberg 4, 62.


 
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näring, s. DWB nehrung.
 
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narr, m. ahd. narro (aus narjo), mhd. narre (nd. narre, isl. narri, schwed. narr, dän. narr sind wol erst aus dem hochd. aufgenommen), nhd. narr, aber auch unverkürzt narre (Lessing 1, 64. 106. 233. 278. 413. Lenz 2, 64. 88. Göthe 1, 157. 10, 83. 18, 113. 47, 150 u. s. w. Körner 265a); mundartliche nebenformen: nare Zimm. chron. 2, 204, 22 (neben narre). Elis. Charl. (1874) 134; nar (genet. narren) Brant narr. 29, 6. 38, 98 (: far), Pauli sch. u. ernst 28. 29. 30. 31 und so immer, Murner luth. narr 4673 (: dar); bair. nar, nâr Schm. 1, 1752 Fromm., kärnt. narre (mit dumpfem a) und noar, nôr Lexer 196, tirol. nare, nar, nôr Schöpf 461. Hintner 178, baslerisch nare, nar Seiler 219a, nd. nâr Danneil 143, naar Schütze 3, 129; alliterierend und ablautend ir nurren und narren Birlinger alem. sprache 107. genetiv narrens (wie von einem nominativ narren) Aventin. 4, 322, 17. Wernike 94. Frisch 2, 8a. Spiesz henneb. idiot. 170, vgl.narrensposse; verkürzt narrs Wieland 27, 12; verkürzter accus. narr Burmann fabeln 120. — die etymologie des wortes ist noch nicht aufgeklärt. Diez4 646 (vgl. Frisch 2, 8c) hält ahd. narro für das mlat. in den Isid. glossen vorkommende nario, subsannans, so dasz es eigentlich den nasenrümpfer, spötter bedeuten würde (mlat. narire, verspotten oder die nasen rumpffen. gemma gemm. q 4c), welcher ansicht Wackernagel (handwörterb. 209b) und Schade (altd. wb.2 640) nur fragweise beistimmen; Weigand 2, 199 spricht sich gegen diese ableitung aus, ohne eine andere etymologische erklärung zu versuchen. dem langen a des mlat. nario würden allerdings auch die obigen mundartlichen nebenformen nâr, nôr entsprechen, deren länge aber wol nur durch unorganische dehnung, wie in vielen anderen fällen entstanden ist. bei annahme deutscher abstammung des wortes könnte vielleicht (wie schon Heyse 2, 257 vermutet hat) die dem worte narbe zu grunde liegende wurzel in betracht kommen, so dasz narr ursprünglich etwas eingeschrumpftes, verkrüppeltes (vgl. unten 13), sodann einen verrückten, geistig beschränkten, durch seine gestalt oder geberden und reden als thöricht oder possenhaft erscheinenden menschen bedeuten würde mit ähnlichem begriffsübergange wie vom goth. gamaids (verkrüppelt) zu ahd. gimeit (schwach an geist, thöricht, mutwillig).
1) die kräftigste und wol auch nachweisbar älteste (jetzt aber veraltende) bedeutung ist wie bei den sinnverwandten gecke und thor eine verrückte, irrsinnige und überhaupt geisteskranke, an einer fixen idee leidende person (delirus, vecors Steinmeyer-Sievers 212, 37. voc. 1482 gg 6b, mente captus Maaler 302d): natürliche narren. Frank sprichw. (Zürcher ausg.) 2, 22b; uf ein zeit straffet got ein ketzer in dem glauben durch ein narren und besesznen menschen. Pauli schimpf 43 Öst.;

ich bin kein narr und ghör nicht drein (ins narrenhaus).
Ayrer 178, 24 K.;

es ist allerdings wahr, dasz unser Swift zwölf tausend pfund sterlings zu errichtung eines neuen tollhauses ausgesetzt hat .. aber die meisten .. glaubten dieses geld sei zur verwahrung und zum unterhalte physikalischer narren (später leibliche narren im gegensatze zu moralische narren) bestimmt. Rabener (1771) 2, 139; gebohrne narren. 4, 39; jener haufe gemeiner narren (im irrenhause). Thümmel 6, 36; die narren dort (im irrenhause). Tieck nov. 3, 100; wer mit schiefer lippe zwecklos lächelt; wer oft isoliert ohne bestimmte tendenz und direktion steht; wer mit aufrechtem körper, wenn er grüszt, nur den kopf vorwärts nickend bewegt — ist ein narr. Lichtenberg hinterl. schriften 5, 67; jener kranke narr, der gläserne beine zu haben glaubte und aus furcht, sie zu zerbrechen, nicht zu gehen wagte. Börne 3, 57; du könntest dich hintersinnen .. und ein narr werden. Gotthelf schuldenbauer (1852) 247. darauf bezügliche sprichwörter und redensarten:

heute sind die narren los.
Göthe 41, 28;

ich will einmal den narren laufen lassen (ich will einmal so thöricht sein, diesz oder jenes zu thun). Wander 3, 935 (aus Altenburg); wie narren (wie toll) laufen, rennen: sie rannten ja wie die narren. E. Wagner 9, 122; ein narr oder zum narren werden (vgl. 6, c): Paris ist unleidlich mit allen den interuptionen, mogte offt zum naren drüber werden. Elis. Charl. (1874) 134; narrens genug (toll genug) sein. Wernike (1704) 94; er war narrs genug. Wieland 27, 12; zum narren machen (mit unterscheidung von thor): der pfiffige kerl, wahrhaftig! der macht die menschen aus thoren (ex stultis) vollends

[Bd. 13, Sp. 355]


zu narren (insanos). Schlüter Terenz eunuch 2, 2. vgl. DWB narrenhaus, DWB narrenstube, DWB narrenwächter, narrenwärter.
2) die davon abgeleitete bedeutung gesichterschneider, fratzenmacher, spötter (so noch kärntisch Lexer 196) hat sich mit der folgenden vermischt. vgl. DWB narren .., welche über ihre alte jungferschaft spotten. Rabener (1771) 4, 172.
3) einer der den narren spielt ohne es zu sein, possenhafte, lustige person, spaszmacher, gaukler; ahd. narro, morio Graff 2, 1094; narr, morio Dasyp. (1556) K 7a.
a) zur fastnacht, im fastnachtspiele oder auf der bühne: kein spil on narren. Kohlrosz Ea (randglosse);

nu hort und schweigt und tut die red sparn
und hort ein spil von uns narrn. fastn. sp. 258, 5;

und ob wir tun als narren heut,
so nembt unsern schimpf vergut. 114, 13;

der narr tritt ein und spricht. H. Sachs 4, 3, 4 K.; man muste die heilige fastnacht feiern ... da alle ... sich vor narren angezogen, und nichts anders als narrenpossen vornahmen. Weise erzn. 210 neudruck; aller narren kirchtag (fastnachtdienstag). Schm. 1, 1753 Fromm.; wie froh will ich sein, wenn die narren (des carnevals) .. zur ruhe gebracht werden. Göthe 29, 277 (vgl. fastnachtnarr th. 3, 1356); wer war nun der narr im spiel? 16, 203; sie waren einen tag der woche recht ausführlich narren und straften an demselben wechselseitig durch allegorische vorstellungen, was sie während der andern tage an sich und andern närrisches bemerkt hatten. 19, 117; furchtsam ist Cosme (die lustige person des stückes) für viere; und das sind die spanischen narren gemeiniglich alle. Lessing 7, 270; im grunde hatten sie (die deutschen bühnen) nur das bunte jäckchen und den namen abgeschaft, aber den narren (vor- und nachher harlekin) behalten. 7, 80; sprichwort: im spiel gilt der narr am meisten. Simrock 396.
b) der schalksnarr, hofnarr. das institut der zur belustigung dienenden narren reicht bis ins ende des 12. jh. zurück (Zarncke S. Brant xlvii) und hat sich besonders im 15. jh. ausgebildet, gegen dessen ende fast jeder edelmann seinen hofnarren hielt, wodurch aber auch die entartung desselben begann (s. Flögel geschichte der hofnarren 1789). eine beziehung darauf finden wir schon in den didaktischen schriften unseres mittelalters, deren narren in kleidung und attributen den schalks- und hofnarren gleich oder ähnlich sind; S. Brant selbst geiszelt unter dem scheine der narrheit (der narr Sebastianus Brant 1b, 40) die thorheiten anderer und sagt ihnen die wahrheit, wie es jene lustigen (oft sehr witzigen und klugen) personen zu thun pflegten: dann es ist je und allwegen also gewesen, dasz etliche weltliche fürsten und herren viel ehe einen narren oder zwergen umb sich haben leiden mögen als einen witzigen, viel höher von einem schalcks-narren halten, als von einem gewissenhafften diener; viel ehe des pfarrherrn entberen, als des narren. Philander (1644) 615; da man den brieff also offenlich lasz, da het der keiser ein narren, der sprach das ist erlogen. Pauli schimpf 45 Öst.; dy warheit ist auch nit z verachten die ein nar predigt .. wan ein nar mag wol als die warheit sagen als ein weiser. 43; ein ritter der het ein narren. 42; der edelman het ein narren, der in etwan z lachen macht und im kurzweilig was. 41; ein edelman .. het ein jungen narren. 15 (vgl. H. Sachs 9, 521); ein edelman der het ein narren, der was im lieb, er macht im ein hübschen lidern kolben (s. DWB narrenkolbe sp. 375) und sprach z im: nar, disen kolben gib niemans, er sei dan nerrischer dan du bist. 41; da was ein apt .., der het ein narren, das was gar ein früntlicher nar, der niemans betrübet. 39; ein nar, den het ein herr einem andern geschenkt. 29; da war der gerichtz herren einer, der het ein narren da heim. 44; ein narr sagt einem apt die warheit. Kirchhof wendunm. 1, 408 Öst.; gemelten narren .. pflegt järlich ein ehrbar raht z kleiden und .. wieder zu mieten. 422; Simplicius wird zum narren erwehlt. Simplic. 1, 195, 3 K.; wisse, dasz dein herr dich aller vernunfft zu berauben und zum narren zu machen entschlossen, maszen er zu solchem end bereits ein kleid (s. narrenkleid sp. 375) vor dich verfertigen läst. 204, 9; ich agirte zwar einen narren, brachte aber keine grobe zotten und büffelpossen vor. 290, 5;

ein herr, der narren hält, der thut gar weiszlich dran,
weil, was kein weiser darff, ein narr ihm sagen kan.
Logau 1, 5, 35;

unter thieren ist kein narr; dasz die affen gauckeln künnen,
ist bei ihnen ernst und art, ist nur thorheit unsern sinnen;
bleibt dabei, dasz menschen nur thorheit bei vernunfft beginnen. 3, 4, 80;

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lange gab es einen wirklich betitelten narren des königs; niemals hat jemand den titel des weisen eines königs getragen. Göthe 36, 84; der narr von profession. Engel 3, 59; darauf bezügliche sprichwörter und redensarten: ein narr macht ihrer hundert. Simplic. 1, 213, 2; ein narr machet tausend narren. 277, 2; eim ieden narren gefelt sein kolb. Frank sprichw. 2, 76a; es sindt vil narren on einn kolben. 88 (s. DWB narrenkolbe sp. 375 und th. 5, 1604); je gröszerer narr je gröszere schelle. Simrock 397 (s. DWB narrenschelle sp. 378); jedem narren gefällt seine kappe. Simrock 397 (s. DWB narrenkappe sp. 374 u. th. 5, 191); dem narren die kolbe (den kopf), dem narren mit kolben (knüppel) lausen (s. th. 5, 1607. 1603); narren ist weder zu rathen noch zu helffen, es sei denn dasz man ihnen mit kolben lause. Philander (1644) 120; dann das hiesz dem narren zu nahe geschorn. Fischart bienenk. 176a; es sindt nit all narren beschorn. Frank 1, 83b (vgl. DWB narrenplatte sp. 377); nach dem schaden macht der nar frid. Pauli schimpf 38 Öst.; narren, kind und trunken leut sparen offt an der warheit neut (nichts). Fischart bei Wander 3, 910; kinder und narren sagen die wahrheit. Simrock 298; eines narren bolzen sind bald verschossen. 399.
4) eine person (männlich oder weiblich) die thöricht, einfältig, albern, vernarrt, eingebildet u. dergl. ist oder die von andern dafür gehalten wird.
a) ahd. narro, brutus, stolidus, stultus Graff 2, 1094. Steinmeyer-Sievers 1, 54, 10; za narrom werdant, stulti fiunt. 54, 17; mhd. narre wird in der regel synonym mit tôre (wofür auch affe, esel, gouch) gebraucht; auch S. Brant macht keinen unterschied zwischen narr und dor (und gäck z. b. 76, 1) nur dasz er jenes viel häufiger, gewissermaszen als technischen kunstausdruck für die personificierten moralischen gebrechen und fehler verwendet und ihm über die synonymen ausdrücke das entschiedene übergewicht verschafft (Zarncke xlix f.). man vergleiche ferner: tore, gecke, narre, stultus, brutus, stolidus. voc. 1482 gg 6b; stultus, ein narre oder tore. gemma gemm. (1508) K 4b; narr, dor, stultus, bardus. Dasyp. (1556) K 7a;

narren toren gecken.
Murner narrenbeschw. 2, 31;

denn man wird sehen, das solche weisen doch sterben, so wol als die thoren und narren umbkomen. ps. 49, 11; leute welche fromme und eiferige prediger gleichsam für thoren und narren halten. Sandrub 16 neudruck; ich sage, dasz über dieses frauenzimmer nur thoren spotten .. wenn die narren ihre männer wären, welche über ihre alte jungferschaft spotten. Rabener (1771) 4, 172; können wir also etwas für unsere thorheit? ist es unser fehler, wenn wir narren gewesen sind? 4, 132. vgl. unter 5.
b) zwischen narr, thor und geck wird ausdrücklich unterschieden und zwar schon mhd. zwischen tôre und narre, wobei der stärkere begriff bald diesem bald jenem zufällt:

drîʒic jâr ein tôre gar,
der muoʒ ein narre fürbaʒ sîn.
Winsbeke 37, 2;

der narre ein tôre dannen gie.
Boner 92, 88;

nhd. wenn er lacht, so lacht er wie ein thor, und wenn er seine wichtige amtsmiene annimmt, so sieht er wie ein narr. Rabener (1771) 4, 125; die thoren und narren haben freude an einander. Göthe 36, 133; dem spotte der narren und gecken preis gegeben. Wieland 16, 23; unterscheidende definitionen: der thor ist nicht weise, der narr ist nicht klug. der spott, den der thor auf sich zieht, ist lustig und schonend, der narr verdient die schärfste geiszel des satyrs; allein er fühlt sie gleichwohl nicht. Kant 10, 11; der thor setzt einen gröszern werth in dinge, der narr in sich selbst, als er vernünftiger weise thun sollte. 226; der geck ist ein alter narr (der laffe ein junger). ebenda;

dumm ist er nicht, er ist nur keck,
er ist kein narr und nur ein jeck.
Wernike (1704) 93 und dazu die anmerkung:

das zwischen einem deutschen narren und jecken ein ja so groszer unterschied sei, als zwischen einem französischen fou und fat, oder einem englischen fool und fob. durch das erstere giebt man eine angebohrne und durch das andere eine angenommene und unterweilen durch viel müh und unkosten zuwege gebrachte schwachheit zu verstehen. Wieland bemerkt zum neuen Amadis 6, 8: im vorbeigehen bemerken wir, dasz das hier aus zwang des reims gebrauchte wort thor, welches man in gereimten versen so oft genöthigt ist statt narr zu gebrauchen, hier nicht am rechten orte steht. thor ist das aequivalent für das französische sot, narr für

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fou. man kann mit vielem witz und geschmack ein narr sein, aber unmöglich ein thor; das lob des erstern kann schmeichelhaft sein, des letztern ist demüthigend.
c) der narr bildet zunächst wie der thor den gegensatz zu einer weisen, witzigen, klugen, gescheiden, verständigen, vernünftigen person: da sie sich für weise hielten, sind sie zu narren worden. Röm. 1, 22; welcher sich unter euch dünket weise sein, der werde ein narr in dieser welt, das er möge weise sein. 1 Cor. 3, 18; denn ir vertragt gerne die narren (goth. thans unvitans die unwissenden), dieweil ir klug seid. 2, 11, 19;

mich dunkt ..
das alle zit me narren sind,
denn man der wisen menschen findt.
Murner narrenbeschw. 4, 91;

dasz weise leut
morgen und heut
gleich wie die narren sterben.
B. Waldis in Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 758, 4;

zwen brüder, der ein was ein nar und der ander was witzig ... du bist weisz und ich bin ein nar. Pauli schimpf u. ernst 31 Öst.; einen wälschen narren höher achten als einen teutschen doctor. Philander (1644) 735; sie waren rechte narren, wie wol sie vor der welt die witzigste sein wolten. 122; wol dem der in der zeit weise wird, damit er nicht musz ein narr ersterben. 88; die thorheit ist nichts anders, als ein mangel der klugheit. darumb wer die klugheit erkennet, kan ausz dem wiederspiel leicht abnehmen, was ein narr sei. Weise erzn. 222 neudruck;

in klugheit ist er narr; in narrheit ist er klug,
ein kluger und ein narr hat an Varillum fug.
Logau 2, 5, 68;

narren herrschen über kluge; ihre händel, ihre sachen,
die die narren arg verwirren, müssen kluge richtig machen. 2, 9, 31;

dasz kaum man brot dem weisen gönnt,
indem es gold auf narren regnet.
Gökingk 1, 14;

der reich wird arm,
der narre gescheut,
alles zu seiner zeit. d. j.
Göthe 2, 201;

gerade weil Diogenes weise ist, so ist Diogenes kein narr. Wieland 13, 9; der stein der narren im gegensatze zum stein der weisen (vgl. narrenstein sp. 381):

(blendwerk) das ewig opfer heischet,
und, gleich dem stein der narren, die hoffnung ewig täuschet. Oberon 8, 16.


d) der narr unterscheidet sich vom weisen hauptsächlich durch unzeitiges, ungereimtes, dem gesunden verstande zuwiderlaufendes reden, fragen und lachen, wodurch er selbst lachen erregt oder zum spotte und gelächter dient: ein narr wenn er schwiege, würde auch weise gerechnet, und verstendig, wenn er das maul hielte. spr. Sal. 17, 28; könde der narr schweigen, so were er weis. Frank sprichw. 2, 49a; ein narr macht viel wort. pred. 10, 14; ein weiser man schweiget, bis er seine zeit ersihet, aber ein jecher narr kan der zeit nicht erharren. Sir. 20, 7; wann ein narr schon etwas guts redet, so taug es doch nicht, denn er redts nicht zu rechter zeit. 20, 22; des narren rede sihet wie ein eingefallen haus. 21, 21;

das sind die rechten narren, die nit stillschwigend.
N. Manuel 258, 32 B.;

an viel reden kendt man ein narren.
H. Sachs 3, 364, 4 K.;

lasz den narren reden, er wird dir kein loch in den leib reden. Philander (1644) 616; das ist ein narr, der da redet was ihm einfellet. Agricola 1, 220. 240; narren reden narrentandt. Frank 2, 28a; den narren kennt man an seiner rede. Wander 3, 881; die narren schwatzen viel, die klugen schweigen still. 889; ein narr kan mehr fragen, als zehen weise antworten. Mathes. Syr. 2, 61b; ein narr kann mehr fragen, als hundert weise leute antworten. A. Gryphius 1, 741; antworte dem narren nicht nach seiner narrheit, damit du ihm nicht gleich werdest. Lessing 7, 456 (Agricola 2, 63); ein narr lachet uberlaut, aber die weisen haben iren mund im hertzen. Sir. 21, 29; die narren lachen viel. Aler 1450a; narren erkennt man an viel lachen. Wander 3, 909; je mehr narren, je mehr gelächter. 904.
e) viele sprichwörter und redensarten handeln von dem verkehrten denken, thun und treiben der narren: ein narr leufft frei einem ins haus, aber ein vernünfftiger schewet sich. Sir. 21, 24; ein narr kucket frei einem zum fenster hinein, aber ein vernünfftiger bleibt erauszen stehen. 21, 25; narren verlassen sich auf treume. 34, 1;

[Bd. 13, Sp. 358]


der ist ein narr der buwen wil
und nit vorhin anschlecht wie vil.
S. Brant narrensch. 15, 1;

der ist ein narr der tragen wil,
das im uffheben ist z vil. 24, 1;

der ist ein narr der me verheiszt
dann er in sym vermögen weiszt. 56, 1;

der ist ein narr der macht ein für (feuer),
das er dem sunnenschyn geb stür (nachhilfe). 28, 1;

on zweifel, der was ein narr, der hitz zu hitz, frost zu frost tät. Keisersb. irrig schaf C 3b; der in der erndte schläft, der ist ein narr. Weise erzn. 206 neudruck; der ist ein narr, der wider seine vortheile denkt. Schiller 2, 139 (räuber, schausp. 4, 2); der ist ein narr, der den esel bei dem schwanze zäumt; der ist ein narr, der die kerne iszt und die schalen aussäet; der ist ein narr, der haare auf dem ei sucht, und vieles dgl. bei Wander 3, 882 ff. vgl. auch unter 6.
5) schon in den didaktischen schriften des alten testamentes werden die moralischen gebrechen und fehler, die sünden und laster der menschen als thorheiten und die thoren und narren als personificationen derselben aufgefaszt; das gleiche geschieht von den didaktikern unseres mittelalters, namentlich von S. Brant und seinen nachahmern (s. Zarncke xlvii. l): die gottlosen .., die Salomo allenthalb narren nennt. Frank sprichw. (Zürcher ausg.) 2, 22b; las mich nicht den narren (gottlosen) ein spot werden. ps. 39, 9; herr, wie sind deine werke so gros .. ein törichter gleubt das nicht und ein narr achtet solchs nicht. 92, 7; sie (die götzenverehrer) sind allzumal narren und thoren. Jer. 10, 8; wir narren hielten sein (des gerechten) leben fur unsinnig. weish. Sal. 5, 4; denn ein narr redet von narrheit, und sein hertz gehet mit unglück umb, das er heuchelei anrichte und predige vom herrn irsal. Jes. 32, 6; aber der mit einem weibe die ehe bricht, der ist ein narr. spr. Sal. 6, 32; die narren treiben das gespöt mit der sünde, aber die fromen haben lust an den fromen. 14, 9; wer verleumbdet, der ist ein narr. 10, 18; wer seinen nehesten schendet, ist ein narr. 11, 12;

also wirt ainer von müssichait
zue ainem narren.
Vintler 1214;

der ist ein narr, der gott veracht
und wider in viecht tag und nacht.
S. Brant narrensch. 86, 1;

der ist ein narr, der nit der geschrifft
will glouben, die das heil antrifft. 11, 1;

der ist ein narr, der samlet gt (der geizige). 3, 1;

der ist ein narr und ganz dorecht,
der einem menschen dt unrecht. 10, 1;

vindtschaft und nyd macht narren vil. 53, 1;

das ist der narr der geitzigkeit.
H. Sachs 5, 10, 5 K.;

dieser ist der neidig narr,
der machet dich so untrew gar. 10, 25;

es ist der narr der fullerei. 12, 6;

das ist der schellich zornig narr. 13, 4;

.. der nie sich läszt bedeuten,
gibt kein gewonnen spiel, hat lieb und lust zu streiten,
ein solcher ..
ist auf teutsch ein narr, auf griechisch ein phantast.
Rachel 6, 380;

nun ist leicht die rechnung zu machen, wer der gröst narr sei: nemlich derselbe, der umb zeitlichs kothes willen den himmel verschertzt. nechst diesem, der umb lüderlicher ursachen willen entweder die gesundheit und das leben oder ehre und guten namen in gefahr setzet. Weise erzn. 226 neudruck. Rabener (1771) 2, 139 nennt sie moralische narren, auch schlechthin narren oder thoren: die narren sehen .. alle einander ähnlich ... die charaktere meiner thoren sind allgemein; nicht ein einziger ist darunter, auf welchen nicht zehen narren zugleich billig anspruch machen können. 1, 32; ich merkte gar deutlich, dasz er nur aus ehrgeiz ein narr war. 4, 212.
6) der narr erscheint deshalb auch wie der geck als ein zweites, fremdes ich, das den menschen beiszt, sticht, in ihm haust und ausgetrieben oder beschworen, geschnitten oder gestochen werden musz.
a) beiszen, stechen: jetzt sie der narr im nacken beiszt. narrenschule, Frankfurt a. O. 1580;

mancher, der ein doctor ist, wil nicht mehr ein doctor heiszen;
wie mich dünkt, so wil der narr einen solchen doctor beiszen,
der sich mehr auff eitelkeit wil als auff nutz befleiszen.
Logau 2, 6, 49;

mich dunckt, dich hab der narr gestochen.
H. Sachs 7, 29, 29 K.;

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sticht dich der narr? Frisch 2, 8b; die gt alt vettel, welche zvor der narr gegen dem jungen stach (die in den jungen närrisch verliebt war). Wickram rollw. 75, 16; da stach mich der narr mit einer niederlendischen jungfrau. Birlinger schwäb.-augsb. wb. 349; es sticht einen der narr (mutwille, vorwitz u. dgl.) diesz und jenes zu thun. Schm. 1, 1753 Fromm.
b) den narren fressen, s. th. 41, 134, 3 und dazu noch: sampt allem andern dürstigen gesindlein, denen der rohgefressen narr noch aufstoszet. Fischart Garg. (1590) 24;

ein stuck vom rohen narren fressen.
Schade sat. 2, 215, 674;

sprichwort: es ist gut narren fressen, aber bös verdauen. Simrock 399; den narren fressen, närrisch sein und thörichtes beginnen: do hat er ainsmals den narren gefressen und ... ein sollichs panketieren angefangen. Zimm. chron. 2, 466, 23; an einem oder an etwas den narren fressen, unmäszige neigung, übertriebene vorliebe wozu gewinnen. Stieler 1329. Frisch 2, 8b; der het den narren gleicher gestalt an dieser von Barr gefressen. Zimm. chron. 3, 581, 33; indem sie (die eltern) ausz übermäsziger liebe den narren an den kindern fressen. Weise erzn. 184 neudruck; als ich in diese grosze stadt kam, die leut einen narren an mir gefressen hatten, als wann sie einen abgott ausz mir machen wolten. Schuppius 240; dasz der mensch an ihm den narren gefressen. persian. rosenth. 5, 4; wie viel verantwortlicher ist derselben wahnsinnige liebe, die an einem bilde oder gemählde einen narren gefressen, als derer, welche sich in eine leiche verlieben oder mit todtenasche vermählen. Lohenstein Armin. 2, 467a; auch sich woran zum narren fressen:

die schönen schäfferin doch gleichwol unvergessen,
und woran jemand sonst zum narren sich gefressen.
Rachel 7, 102.


c) von (mit) einem narren oder von (mit) narren besessen sein, einen narren haben:

so sind wir auch mit narren besessen.
Murner narrenbeschw. 3, 28;

ir sind von narren ganz besessen. 93, 5;

ich bin ein narr ..
und steck der jungen narren vol. 2, 68;

ich hab so vil in mir der narren. luth. narr 369;

wie hetten mich die narren besessen.
H. Sachs 5, 16, 5 K.;

bist mit einem narren bsessen? 3, 3, 43d;

bist mit einem narren besessen, so lasz dich beschweren. Frank sprichw. 2, 8a; darumb das mir der (in mir hausende) narr nicht erfrier, sauff ich mir mit diesem pocal ein beltz. Fischart Garg. 85a; so hat ein jedes seinen eigenen narren. Göthe 57, 226.
d) den narren austreiben, beschwören:

usz dem die narren nit sind triben.
Murner narrenbeschw. 2, 75;

ich bins der selbig geukelman,
der unser narren beschweren kan. 3, 4;

ein hüpst new ... spil, wie man die narren von einem beschweren soll. 1554.
e) einem den narren schneiden, stechen, bohren (vergl. th. 2, 228).
α) einem den narren schneiden, ihn (wie durch eine operation) davon befreien:

der mensch steckt aller voller narren ..
so musz man dir die narren scheiden.
H. Sachs 5, 6, 22. 24 K.;

die will ich all zu euch bescheiden,
das ir in müst den narren schneiden. 5, 16, 32;

und ist der nar vil gröszer worden ... und wirt er in nit bald wider schneiden lassen. Schade sat. 2, 124, 35.
β) einem den narren bohren, stechen wie den esel, den gecken bohren oder stechen, d. h. mit einer handbewegung (gabel der finger, eselsohren) gegen ihn stechen und ihn damit für einen narren erklären, ihn verhöhnen, verspotten: den narren boren, den spiegel zeigen heiszt ... in summa eim den text lesen, sein kolben zeigen und sagen wer er ist. Frank sprichw. 1, 11b. 2, 58a; wann in ein ander ein narren sticht und eselor zeigt. weltb. 131a.
7) die bedeutungen des wortes berühren sich übrigens oft gegenseitig und ist eine genaue sonderung nicht in allen fällen möglich. vorwiegend ist die unter 4 und 5 angeführte bedeutung in einer überfülle von redewendungen, redensarten und sprichwörtern (bei Wander 1309 nummern), woraus noch folgendes mag hervorgehoben werden.

[Bd. 13, Sp. 360]



a) ein narr sein:

ich pin ein narr ..
wann das ich slafen solt, so wachet ich,
wann das ich trauren solt, so lachet ich. fastn. sp. 1009, 25;

und zwar eur frau ist nit ain narr. 660, 15;

botz marter, meinst, ich sei ein narr?
H. Sachs 9, 20, 9;

ich schetzt mich dick für ein doctor,
do was ich ein narr noch wie vor.
Murner narrenbeschw. 1, 76;

Brutus träumt, er wär ein pfarr;
wachend war er sonst ein narr;
ob ihm träumt, er wär ein narr,
würd er wachend doch kein pfarr.
Logau 1, 5, 67;

ich glaub, dasz die leut (die tabakraucher) narren sind.
Philander (1644) 513;

so bald der mensch sich kennt,
sieht er, er sei ein narr;
und gleichwohl zürnt der narr,
wenn man ihn also nennt.
Lessing 1, 45;

ein narre sein, stulte agere Hederich 1681; ja sagten sie, da wren wir wol narren. Simpl. 1, 778, 20 K.; aber vater, bistu nicht ein narr, dasz du so viel schüsseln auf dem tische stehen hast. Weise erzn. 113 neudruck; der kerle ist ein narr, doch möchte ich sein was er sich einbildet. 207; das solt du keinem narren gesagt haben. Schuppius 816; frau! sagte mein vater, sei kein narr, lasz den kerl zufrieden. Felsenb. 3, 364; so sei doch kein narr. Lenz 1, 35; sie wird hoffentlich kein narre so sein. Merck briefs. 2, 60; aber ich bin doch ein rechter narr, dasz ich mich um sie betrübe. Göthe 11, 97;

er wär ein narr! ein flinker jung'
hat anderwärts noch luft genung. 12, 187;

er war ein narr, dasz er sich .. aufgeopfert. Börne 5, 155; sie wollte nicht so ein narr sein, ihr geld einem zu bringen, von dem sie fürchten müsse, er verbrauche es. Gotthelf Uli (1856) 258; narr umsonst sein, für seine mühe keine belohnung erhalten. Schm. 1, 1753 Fromm.; holst. he is keen naar, er weisz seine sache, seinen vortheil wol zu wahren. Schütze 3, 129;

auf sein versprechen, herr, mag es ein andrer wagen;
dasz ich kein narre bin!
Lessing 1, 106;

jemands narr sein, sich von ihm wie einen narren behandeln lassen, ihm in allem zu willen sein, ganz von ihm abhängen: ich bin dein narr nicht, non patiar, ut mihi illudas Aler 1449a; ich bin jedermanns narr nicht, non omnibus servio. ebend.; ich bin gern ein narr, aber der narren narr mag ich nicht sein. Simrock sprichw. 399; aber sie wissen doch, dasz ich auch dann noch ein narr meiner grundsätze bin, wenn ich einen dieser herren beurtheile. Klinger 11, 226; übertragen: entweder ist mein auge nur der narr der andern sinne oder mehr werth als sie alle. Schiller 13, 43 (Macbeth 2, 3); narr sein zu etwas: die Engländer .. examiniren die welt und ihre narren .., ob sie zu irgend einem frohndienste auch narren genug wären. Börne 3, 47.
b) sich als narr, zum narren gebrauchen lassen: er läszt sich von ihnen nicht zum narren gebrauchen. Rabener (1771) 1, 137.
c) ein narr, zum narren werden (vgl. 1): zum narren über etwas werden, stultescere Frisch 2, 8a; bei narren wird man zum narren. Lehmann 2, 50, 18; er fragt sie, wie sie ... z narren weren worden. Pauli schimpf u. ernst 35 Öst.; ich werd schier zum narren ob dieses mönchs lustigen bossen. Fischart Garg. 245a; wann alte leute zu narren werden. A. Gryphius 1, 732;

der ain bermpt sein orden,
der ander sein observanntz:
seindt all z narren worden.
Ph. Wackernagel kirchenl. 3, 481, 5 (ums j. 1524);

ich würde selbst zum narren.
Gleim 1, 31.


d) ein narr bleiben:

so blib er doch ein narr als vor.
Brant narrensch. 67, 62;

narren sind narren und bleiben narren so lang sie leben. Philander (1644) 708;

ein narr ist und bleibt ein narr,
ob er schon die welt durchzogen. 412;

ein Teutscher der sein kleid veracht
und sich umbsieht nach wälscher tracht,
der bleibt ein narr und wird veracht. 646;

wir machten alle gleich, und wers nicht wolte treiben,
wie wir, der mocht ein narr für sich alleine bleiben.
Rachel 7, 78;

wer nicht liebt wein weib gesang,
der bleibt ein narr sein leben lang.
Simrock sprichw. 622.

[Bd. 13, Sp. 361]



e) den narren über sich kehren, das narrengesicht hervorkehren: so gaucklet die welt wie ein trunckner ... und wie mans wirfft, so keret sy ein narren über sich. Frank weltb. 158a.
f) den narren treiben, ungeschickt und törpelisch sein, fatuari Maaler 302d; mit einem den narren treiben, ihn zum besten haben. Aler 1450a; waren ... grosze liebhaber davon, mit ihren filosofen den narren zu treiben. Wieland 19, 152;

Horaz, dem ihr die ehr erzeigt,
ihm gelten zu lassen: er habe ..
.. den narren mit narren getrieben. der neue Amadis 16, 6.


g) einen zum narren, für einen narren haben oder halten, ihn als einen narren ansehen und behandeln, mit ihm das gespött treiben, ihn zum besten haben:

halt mich nicht für ein narrn. fastn. sp. 617, 8;

so went (wollen) sy witzig syn gezelt,
so man sie doch für narren helt.
Brant narrensch. 67, 58;

rieffen gott umb ain könig an an,
(Juda) hielt Samuel fur ain narren.
M. Schrot in Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 1156, 15 (um 1546);

der mann. du must mich halten than
für deinen herren und dein mann.
das weib. ich halt dich gleich für einen narrn,
wie ich dich denn biszher auch hilt.
H. Sachs 9, 111, 8 K.;

ich mein, ir halt mich für ein narren.
J. Ayrer 250, 19 K.;

sie machts nicht wie die Hagar dort,
die ihre frau zum narren hatte.
Stoppe Parnass 429;

einen für einen narren im spiel haben, aliquem nare trahere Aler 1449b; der schelm .. auf dem armensünder-stühlchen hat er den richter zum narren. Göthe 8, 245;

kinder der klugheit, o habet die narren
eben zum narren auch, wie sichs gehört. 1, 143;

um die philister
zum narren zu halten. 4, 348;

ich glaub Lotte hält mich auch fürn narren. d. j. Göthe 1, 344, herr, wenn sie sie nicht für einen narren hat, so will ich gelogen haben. Wieland 11, 188; ich will dir zeigen, dasz du ein narr bist, oder die welt fürn narren halten willst. Schiller 2, 181 (räuber, schausp. 5, 1);

(er sagt) du wollst die Schweden nur zum narren haben. 12, 105 (Piccol. 2, 5);

übertragen: wir wollen ihre geduld fürn narren halten. Göthe 8, 106. 42, 137. 368; bair. auch zum hahnrei machen. Schm. 1, 1753 Fromm., vgl. DWB gauch II, 2, b und kukuck II, 2, c.
h) für einen narren achten, schätzen, ausgeben:

ettlich, die man für narren acht.
Brant narrensch. 110a, 3;

diser doctor ... er ward fur ein ... narren geschetzt. Zimm. chron. 3, 191, 29; und er achtet sie alle für narren, sie achteten in auch für ein narren. Pauli schimpf u. ernst 35 Öst.; der wird für einen narren geachtet. Philander (1644) 423; ihrer fünff ..., so sich für narren ausgaben. 18.
i) zum narren machen, aliquem infatuare, dementare, delirantem facere dictis Stieler 1329. Aler 1450a;

doch hab ich in (S. Brant) für wis geacht,
das er sich selbs zm narren macht.
Murner narrenbeschw. 1, 35;

ich habs nur in eim schwanck gethan,
das ir in zu eim narrn helfft machen,
dasz wir die fasznacht habn zu lachen.
H. Sachs 9, 123, 20 K.;

die weiber haben in (Salomo) gar zu einem narren gemacht. Aventin. 4, 228, 16; sein weib .. macht in gar zu einem narren. 239, 24; machten gar einen narren ausz im. 349, 34;

die wälsche deiner lachen ..
und dich zum narren machen.
Philander (1644) 630;

übertragen: das er ire anschlege und vernunfft zu narren mache (vereitele) Luther 2, 395b; narren und blinde werkzeuge ihrer geheimen absichten aus ihnen zu machen. Wieland 16, 24; baslerisch mit aim der nar mache, ihn zum besten haben; aim der nar mache, ihm in allem willfahren. Seiler 219a.
j) einen narren schelten, heiszen:

man dörft in keinen narren schelten.
Murner narrenbeschw. 1, 42;

sein formunder ... het in uf ain zeit ain narren gescholten. Zimm. chron. 3, 161, 31, es het ain burger .. ain ander mitburger ... in einer zenkischen rede ein narren gescholten. 4, 99, 2;

[Bd. 13, Sp. 362]


weil sie die brüder narren schelten würden.
Schlegel kaufmann von Venedig 1, 1;

sie hieszen in einen narren,
er solt schnell vor sich gohn.
Ph. Wackernagel kirchenl. 3, 525, 4 (v. j. 1583);

wie heiszen wir den mann?betrüger oder narren.
Haller ged. 83 (69, 172 Hirzel);

wie meint er nun wohl .., dasz die leute den hieszen? wie? einen tiefsinnigen kopf, ja, es hat sich wohl! einen narren! Engel 1, 89; intransitiv, ein narr heiszen, ein narr genannt werden, als narr gelten:

dasz aber man so gar das gute darff beschneiden,
dasz ein poet ein narr, ein narr poet musz heiszen.
Rachel 8, 42.


k) vocativisch (vgl. 8, a) als scheltende, tadelnde anrede: ir narren und blinden! Matth. 23, 17; wer aber zu seinem bruder sagt ... du narr (goth. dvala), der ist des hellischen fewrs schldig. 5, 22; du narr, diese nacht wird man deine seele von dir fordern. Luc. 12, 20;

du voller esel narr und tropf.
H. Sachs 9, 105, 31 K.;

du narr, haue nicht über dich, die späne fallen dir in die augen. Weise erzn. 207 neudruck; du narr, schweig doch still, so halten dich die leute auch vor einen philosophen. ebend.;

so meinest du, o narr ..
dasz neid, betrug .. lauter kurzweil sei.
Rachel 5, 43;

ich sagte zwar zu mir selber: narr, was gehen dich andere leute an? Simpl. 1, 783, 17 K.;

doch narr!was winsl' ich dann der ungetreuen?
Schiller 1, 278.


l) Hans Narr s. th. 42, 460; Labia geht ein, sieht ihren mann, verwundert sich und sagt:

da kom ich zu eim rechten spiel,
Hans Narr, was machst im harnisch du?
J. Ayrer 1998, 3 K.;

sterben, Hanns Narre! als wenns damit gut gemacht wäre. Lenz 2, 64.
m) näher bestimmt durch ein adjectiv: ein ganzer, ein halber narr: mir .. ist gantz zu sinn und glaube es .., du seiest ein gantzer narr. Simplic. 2, 56, 13 K.; was man halbe narren nennt. Thümmel 6, 18;

du verheiter unbehauer grober narr. fastn. sp. 88, 12;

auch die, so gar tyrannisiren,
die zeigen gleichfals ihre sparrn,
wann sie nicht wissen maas zu führen,
so heist man sie nur wilde narren. Simplic. 1, 107 K.;

weil ja mancher so grober narr seinen balcken nicht an sich selbst siehet. 2, 22 var.; ein unverständiger grober geselle und narre. persian. rosenth. 4, 5; du bist so ein eingemachter narre, so ein stockfisch. Lessing 1, 298; thörichter narr. Philander (1644) 730; fürwitzige narren. 710; kluger narre, stultus simulatus Stieler 1329; es kumpt auch offt, das die bösen narren die gten narren schelten, darumb das sie inen mit gleich wöllen sein. Pauli schimpf u. ernst 35 Öst.

so wöllen sie noch ein gröszern narren.
Murner luth. narr 313;

ist der nicht ein groszer narr, der die gute zeit verscherzt? Philander (1644) 170; solche neusüchtige geltverschwendende unteutsche teutschlinge .. sind die gröszesten narren, die man möchte finden. 709; die drei ärgsten ... grösten und vornehmsten narren. Weise erzn. 7 neudruck; die verblendung des hochmuths macht theils alberne theils aufgeblasene narren, nachdem entweder läppische flatterhaftigkeit oder steife dummheit von dem leeren kopfe besitz genommen. Kant 10, 10; ein drolliger und gutmüthiger narr. Wieland 32, 176; mit albernen narren soll man nicht scherzen. Simrock 398; gelehrter narr:

nichts schedlichers dann ein glerter narr!
Murner narrenbeschw. 5, 62;

dieser doctor .. von seiner überseltzamen weis wegen .. ward er .. fur ein gelerten narren geschetzt. Zimm. chron. 3, 191, 29; gelehrt narren sindt über all narren. Frank sprichw. 1, 88b;

der ist ein stoltzer narr, er grüst mich nicht zuerst.
Harsdörffer gesprächsp. 3, 442;

soll ich reichen narren schmeicheln?
Gleim 1, 31;

ein alter narr (vgl. 8, c), senex delirans. Frisch 2, 8b; alt narren, so sie gerathen, sind besser narren, dann andere narren. Frank 1, 78b; muesten all des einigen alten narren entgelten. Aventin. 4, 322, 17;

ach, was möcht thun der alte narr?
H. Sachs 9, 123, 5 K.;

o ich narr in alten tagen!
Ditfurth volksl. 6, 66, 8;

[Bd. 13, Sp. 363]



der pachter Veit ist mein vetter hie;
sein gänschen will ich zur frau mir nehmen,
der alte narre versprach sie mir.
Körner 265a;

die betitelung eines menschen als laffen oder gecken legt auch den begriff ihrer unklugheit zum grunde. der erste ist ein junger, der andere ein alter narr. Kant 10, 226.
n) zu den eigenschaften des narren gehört auch die furchtsamkeit, feigheit (vgl. DWB geck 4, d, th. 41, 1919 und furchtnarr, der furchtsame Stieler 1330): ein narr stirbet alle tag ausz forcht, dasz er dermahlen eines sterben musz. Philander (1644) 48; furchtsam ist Cosme (der narr des stückes) für viere. Lessing 7, 270;

doch zittr' ich nicht, wie ein narr,
vor räubern und vor wölfen.
Langbein (1854) 1, 184.


o) sprichwörtliches:

wo die narren brot nit essen,
man würd den rocken wolfler messen.
Murner narrenbeschw. 1, 51;

ieder narr komt von eim wib. 4, 102;

weil iedem gfelt sein weisz so wol,
so bleibt das land der narren vol.
H. Sachs 5, 309, 10 K.;

wer sich zu narren helt, der lernet närrisch sein.
Tscherning frühling 385;

narren sol man vertragen. Schottel 1131b; zwen narren vertragen sich nicht. Weise erzn. 206 neudruck;

zween narren in einem haus
haben allzeit streit und strausz.
Simrock 397;

je gröszer narr, je besser pfarr. Frank 1, 12b; das maul aufsperren wie ein narr. Philander 1, 75; wenn man narren ausschickt, so kommen narren wieder. Stoppe Parnass 534; das lob ist der narren prob. Harsdörffer gesprächsp. 5, 228; das geld der narren ist das erbtheil der gescheidten. Göthe 36, 133; wenn die narren zu markte kommen, freuen sich die kaufleute. Kant 10, 218 (wenn die narren zu markte ziehen, so lösen die krämer geld. Weise erzn. 208);

am ersten april
schikt man die narren wohin man wil.
Simrock sprichw. 22;

(der erste april) ein fest der narren. Rabener (1771) 4, 304, vgl. april und aprillsnarr th. 1, 538; nicht hund nicht narr sein; er spricht nicht hund nicht narr, gar nichts. Spiesz henneb. idiot. 170; bairisch, zu einem sagen hund oder narr, sei so gut, und .., einen um etwas begrüszen, bitten. Schm. 1, 1753 Fromm.; narr in seinen sack sein, sich närrisch stellen, sich zu seinem vortheil als narr gebrauchen lassen. ebend. und Wander 3, 933.
8) narr in mehr scherzhaftem sinne bei tadel, zurechtweisung, verwunderung oder bemitleidung: Käthe der narre (meine frau) hat es mir so eingekost (eingeredet). Schoch H 6b.
a) vocativisch (vgl. 7, k): ach narre, schweig. Lessing 1, 286; ich glaube gar du narre denkest, der liebe gott sei nur bei euch mannspersonen. 1, 233;

narre, für dein gläschen wein
denkst du .. los zu sein? 1, 64;

narre! wenn es brennt, so lösche,
hats gebrannt, bau wieder auf.
Göthe 1, 157;

narre, das ist deine schuld. 10, 53; Leonhard. sie ist zu hause, sag ich dir. Ehrenhold. wie kann sie denn zu hause sein, narre! Lenz 2, 88; du (die tochter) muszt mir das so übel nicht nehmen; du bist meine einzige freude, narr, darumb trage ich auch sorge für dich. 1, 264.
b) als ausruf des unwillens oder der verwunderung: ha, narr! Simplic. 1, 647, 23 K.; narr auch! Lenz 1, 35; poz narren und kein ende! Hermes 6, 314; baier.-österreich. narr, o narre, o nôre als ausruf der verwunderung, als einleitung zur antwort auf eine überflüssig scheinende, lästige frage oder auch auf eine nur mögliche, nicht wirklich eingeworfene frage. Schmeller 1, 1753 Fromm. Lexer kärnt. wb. 196. Schöpf 461.
c) alter, armer, guter narr wie tropf (vgl. 7, m):

o armer alter narr und tropff.
Schwarzenberg 141, 2;

etliche unter ihnen huszeten ihre männer, nicht zwar ausz liebe, sondern die guten narren damit zu bethören. Philander (1644) 106; mir ist so ein armer narr von künstler unendlich rührend, wie es im grunde auch mein schicksal ist. Göthe 27, 163; wie wirds dem armen narren ergehen? J. Paul uns. loge 2, 37;

willst du leben, guter narre,
sieh nur hinter dich ins freie.
Göthe 47, 150;

Martin. sag einmal, was heiszt das (französisch gesprochene) auf deutsch? Johann. ja! auf deutsch! du guter narre, das

[Bd. 13, Sp. 364]


läszt sich auf deutsch nicht so sagen. Lessing 1, 413 (freigeist 2, 5).
9) vertraulich und liebkosend (vgl. unten närrchen): so hab ich dich lieb, kleiner narre! Göthe 18, 113; ich kann dem lieben kleinen narren wohl die tändelei mit dem bruder erlauben. 7, 133; pinzgauisch der narr, der geliebte Schöpf 461. Schm. 1, 1752 Fromm.; appenzellisch de narra machen, schäkern Tobler 329a.
10) von liebelnden und (thöricht, rasend) verliebten personen beiderlei geschlechts, von jugendlicher oder später verliebtheit: sie belachten den narren (die thöricht verliebte magd). polit. stockf. 90; ich narr .. war durch solche gestalt dieser vortrefflichen dame selbst dermaszen eingenommen, dasz ich nicht wuszte wie mir war. Philander (1644) 75; andere, indem sie nur etliche exempel erzehlen höreten, wurden alsobald so grosze narren als die vorige alle. 119; spiel von der verliebten narren spital. Harsdörffer gesprächsp. 1, 284; weil ich weis, dasz diese art von narren (verliebte gecken) nicht leicht anders als durch die zeit zu bessern ist, so lasse ich ihn ruhig in dieser narrheit, damit er nicht in eine noch gröszere fallen möge. Rabener (1771) 4, 124;

doch liebes mädchen! komm und lasz die narren stehn,
du bist zu schön zur schmeichelei.
Schiller 1, 303;

ein narr sein, werden, rasend verliebt sein oder werden: ich würde — ich bin ein narr! — dazu machte mich ein blick von ihr. d. j. Göthe 2, 84; er soll gar zum narren werden über mädgen, die seiner mutter gleichen. 1, 358.
11) adjectivisch gesteigert der narrste, der närriste (aus närrischte?), der gröszte narr:

wer mssig gat, der ist der narrst (: karst).
S. Brant narrensch. 97, 14

so werden die dombherren genennt von .. Constanz die nerristen, Basel die ermbsten u. s. w. Zimm. chron. 3, 207, 16; adverbial:

welcher sich da ame narristen gstelt,
der wierdt baldt under die weisen zelt.
Thurneisser archidoxa 54.


12) übertragen.
a) von thieren: wenn die schäffer einen narren unter der herde haben. Witzenbürger 3, 2; emberiza cia (wiesenammer), der narr Nemnich 1, 1476; pelecanus piscator (der weisze pelikan), der einfaltspinsel, narr. 2, 896; kärnt. die noarn, die drohnen Lexer 196. vgl. DWB wegnarr, molch.
b) der läufer im schachspiel heiszt auch narr oder troll nach dem franz. fol, fou (hofnarr des königs). Maszmann gesch. des schachspiels 110 anm. 111. 127.
c) narre, boller, genus bombardae majoris Kil. 335b. Frisch 2, 8b: etliche nennen disz geschlecht der büchsen narren, umb desz willen, dieweil sie wie die narren mit steinen werffen. Fronsperger 1, 72a; grosz mortier, die man nennt narren oder böller, der einer wirfft ein centner stein. 2, 38a; der grosze narr oder ein ganzer boler; der narr oder ein halber boler. 1, 13a. 34b; auch darbei bracht der pfaltzgraf .. acht groszer, gemeiner schlangen, hiesz man die narren. Baumann quellen 1, 764. vgl. närrin, narrenkappe, röhraffe.
13) endlich mundartlich eine übertragene, der ursprünglichen vielleicht nahe bedeutung, vgl. oben sp. 354.
a) schweizerisch eine krampfartige spannung an den fingergelenken. Stalder 2, 231; ausgewachsener nagel, s. DWB narrennagel.
b) eine misratene feld- oder baumfrucht: die lange zwibel, Theophrasti gethyum, unsere weiber sagen ihr narr, darumb das sie mehr im kraut, dann in der wurtzel zunimmt. Bock kräuterbuch 586; abgestutzte weidenstämme, kohlpflanzen die in die blätter schieszen, durch einen insectenstich misgebildete, kernlose, vertrocknete zwetschen oder schlehen u. dgl. werden narren genannt. Schm. 1, 1754 Fromm. Schmid 401. Stalder 2, 231. Tobler 329a. Vilmar 280. Kehrein volkssprache in Nassau 1, 290.
14) eigentliche zusammensetzungen mit narr giebt es wenige (s. DWB narrbold, DWB narrheit, narrklas, narrmaul), doch überaus zahlreich sind die uneigentlichen composita mit dem genetiv narren (alter genet. sing., meistens aber plur.), die unten an alphabetischer stelle eingereiht sind und zum groszen theil einer näheren erklärung nicht bedürfen.
 
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narrbold, m. narr, hofnarr: sie (die könige) setzen auch dise narrpolden weit iren sauer sehenden räthen, welcher doch etlich von eeren wegen sie pflegen zu erhalten, für. S. Frank moriae encom. 31a.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
närrchen, n. deminutivum zu narr, besonders zu 8 u. 9 (vgl. närrlein): ein stolz närrchen, elegans homuncio; lustig

[Bd. 13, Sp. 365]


närrchen, ludio scitulus Stieler 1330; vertraulich, kosend oder bemitleidend: das närrichen hätte können davon bleiben. Felsenburg 4, 85;

wenn mancher bei stiller zufriedenheit bliebe,
so wäre der beutel viel besser bestellt,
so aber vertändelt mein närrchen das geld.
Günther 1124;

ach gott! wie doch mein erster (mann) war,
find' ich nicht leicht auf dieser welt den andern!
es konnte kaum ein herziger närrchen sein.
Göthe 12, 155;

nun also, was schreibt denn das kleine närrchen?
Körner 251a;

das arme kind musz auch getauft werden, das närrchen musz doch 'nen namen haben. F. Müller 3, 208; besonders in der anrede:

arm närrchen, versetzt er, das thut mir ja leid.
Bürger 2, 34;

ho, närrchen, so hab ich es nimmer gemeint! 2, 35;

ho ho! käm ich auch wieder hier,
du närrchen, was hülf es dir. (1778) 184;

ho ho! du närrchen, welch ein wahn!
was ich that, hast du mit gethan. ebenda;

du närrchen (Adam), sieh mich an,
ich (Eva) bin gemacht mit dir zu spielen.
Gleim 1, 117;

komm doch zurück, du närrchen, komm,
ich bin ja wieder gut und fromm.
Immermann 1, 109;

närrchen, welch ein thöricht sagen! 1, 127;

Lomellin. zwölf senatoren! mein herz ist nicht weit genug, eine blutschuld zwölfmal zu fassen. Gianettino. närrchen, am thron wirft man sie nieder. Schiller 3, 68 (Fiesko 2, 14); närrchen, du muszt nicht blöde sein. Lichtenberg 4, 208; närrchen, rede doch nicht so dumm. Kotzebue dram. sp. 2, 192; übertragen: Marwood. ihr herz, Mellefont, ist ein gutes närrchen, es läszt sich alles bereden, was ihrer einbildung ihm zu bereden einfällt. Lessing 2, 19 (m. S. Sampson 2, 3); alles was man an und aufbringen kann, wird daran gehenkt und gewendet, das närrchen (die Faustdichtung) honett auszustafiren. F. Müller Faust 7, 30 neudruck;

dir darf diesz blatt ein kettchen bringen ..
(das sich) um deinen hals zu schmiegen sehnt.
gewähr dem närrchen die begierde.
Göthe 1, 83;

übertragen zu narr 3, b: ich sah vorhin, wie ihr meinen kleinen flattergeistern (den finken und sperlingen) zulachtet, auch ich achte gerne auf sie, denn in ihrem bunten kleide sind sie die kleinen närrchen unsers herrgotts. Freytag ahnen 4, 411.
 
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narrecht, s. närricht.
 
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narrechtig, adj. und adv. gleich närricht: narrechtige törliche dinge. Reuchlin augensp. 11a; schweizerisch narrchtig närrisch, blödsinnig, einfältig: thue nicht so narrchtig! Stalder 2, 231;

dasz sie so gar z' vil narrechtig sind.
N. Manuel 258, 39 B. (fastn. sp. 862, 16);

brav sei er daher gekommen, aber doch nicht so narrochtig, wie es heutzutage der brauch sei. Gotthelf erz. 2, 191; narrochtiges treiben. Uli d. pächter (1859) 265.
 
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narredei, s. narrentheiding 5, c, sp. 383.
 
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narrei, f. thorheit, narrheit; im 15. bis 17. jahrh. besonders in schwäbisch-alemannischen denkmälern: narrei, deliramentum et deliratio Dasyp. (1556) K 7a, stultitia, deliratio, fatuitas. Maaler 303a;

ein strick an hals wer eim gesundt
und wäger dann sollich füllery
triben, es ist ein grosz narry.
S. Brant narrensch. 16, 76;

dasz wir die narry ie hand gelesen.
N. Manuel 101, 1911 B.;

das warent recht edelleut, die sich nüt an die narry und üppikeit namens und stamens, schild und helm kertent. Keisersb. trostspiegel 202b; aber las die narrei und geucherei faren. Luther 8, 50b; mit den narren narrei treiben. Frank sprichw. 2, 113b; aber es ist narrei und fantasei. chron. 5b; die narry. Murner Eulensp. s. 18. 25. 32. 43. 76 Lapp.; so der (stein chrysolithus) gefaszt wirt in golde, so vertribt er die narry und verlihet die wiszheit. Alb. Magnus 24; alsz die mter heim kam, mein narry klagt und mich scholt. F. Platter 141 B.; wie er .. drib vil narry mit seinen amoribus. 214; do mir .. andre narry für kamen. 128; mit solcher angenomner narrei kom er .. an hof. Zimm. chron. 4, 41, 25; er ist hernach in eine solche dorheit und narrei gerathen. 3, 537, 21; dasz ihr, sag ich, nit gleich darauf fallen und meinen, es werd nichts als spottwerk, narrei und anmutige lügen darinnen gehandelt. Fischart Garg. (1590) 30; damit derselbige (gemeine mann) vor solcher narrei gewarnet werde. Wirsung

[Bd. 13, Sp. 366]


arzneib. 5 (narrerei ausg. v. j. 1597); tanzen und andre narrei treiben. apolog. 5, 3; und was hat euch darzu bewegt, das ihr solliche narrei ausgieszend! 5, 16; gestern haben wir je ein grosze narrei begangen. Bebel facet. (1589) 80b; es were aber schad umb die stund, das sie mit der narrei verzert werden. Paracelsus 3, 54a; zuviel weise sein ist narrei. Frisch 2, 8b (aus alte teutsche sprichw. 254a).
 
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närreln, närrlen, verb.
1) transitiv, zum narren haben, foppen, äffen Schm. 1, 1753 Fromm.: das sie die leut nit mer so wol närrlen (var. äffen) mügen. Aventin. 4, 329, 8; listiger fund ... damit sie uns genärrlet hat. Schaidenreiszer 6a; einen mit geld herumb närrlen. Aler 1451a; das geld ausz einem närrlen, prolectare ex aliquo argentum. ebend.
2) intransitiv, schweizerisch närrelen, kleinliche späsze machen, possen treiben, tändeln, liebeln. Stalder 2, 231.
 
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narren, verb.
1) intransitiv. ahd. narrên (in arnarrên), mhd. narren (in ernarren, vernarren), mnd. narren, ein narr sein, als oder wie ein narr reden oder handeln, eine thorheit begehen, sich thöricht betragen, närrisch thun, tollen, possen treiben u. dgl.: narren, insanire, dissipere Stieler 1330; ich narre, stulte ago, stultus sum Steinbach 2, 111;

licht wer es, narren vohen an (anzufangen ein narr zu sein),
wann man ouch kündt von narrheit lan.
S. Brant narrensch. s. 113a;

sei nicht all zu gottlos und narre nicht, das du nicht sterbest zur unzeit. pred. Sal. 7, 18; hastu genarret und hoch gefaren und böses fürgehabt, so leg die hand auffs maul. spr. Sal. 30, 32; schemestu dich nicht, einen rock oder haus von deinen eltern zu begeren, was narrestu denn und bittest nicht umb das, das viel gröszer ist, ein ehelich gemahel? Luther 1, 171a; wie jtzt etliche tolle propheten narren. 3, 30a; kinder solten sich schemen so gröblich zu narren. 55b; aber das solche hohe geister .. so kindisch narren. 62b; auff diese weise hat auch der grosze lerer Origenes genarret. 77a; wie er (Adam) genarret hat, feret er zu, wil sich beschönen und narret erst gröber. 4, 24a; aber las sie narren und schertzen. 101a; narre ich, so welts gott. 153a; daher einige so grob genarret haben (dasz sie sich selbst entmannten). 5, 381a; es ist besser, man halte hertzog Georgen, das er nerrisch mit solchem eide fare, denn das er böslich und mördisch handelen solt, es ist ja besser genarret, denn gemordet. 6, 8a; also läszt gott auch seine heiligen narren. tischr. 67a; du redest wie ein weib, das da pfleget zu narren. 133a; ich weisz nicht, ob ich oder meine gelehrten narren. 135a; ich bekenne, dasz ich genarret habe und hab denen von W. unrecht gethan. 298a; kein groszer mann thut eine geringe thorheit, sondern er narret also, dasz er weisheit und klugheit vertunckelt. 388b; alle die, so die art der zaichen in der heiligen geschrifft nicht in acht gehabt, haben in erklerung unnser sacrament erbarmklich genarret. Melanchthon annot. Römer verdeutscht 17; denn etliche sehen wol, das es viel zu grob genarret ist, so man die hohe und grosze ehre, die allein dem sohn gottes gehöret, auff diese elende werck ziehen wil. corp. doctr. 740; wie die thoricht antiquitet hat genarret, wiewol ietzt vil aberglaubens ist abgefallen. S. Frank chron. (1531) 122b; Hiskia narret harte, als er widerum frisch und gesund worden ware. Mathesius Syr. 2, 123a; da merckten sie, dasz Esopus nicht genarret hett, da er den korb erwehlt zu tragen. E. Alberus 2b; Xanthus wust nicht, was er narret, dann er hatte schon sein theil (weines). 13b;

dann wirdt er allererst gewahr,
wie er so sehr genarret hat. 52b;

sein büchlin zgens unsz wol an,
das er auch redlich narren kan.
Murner luth. narr 4738;

das euangelium straffe, narrt er, keine sünde. J. Nas examen (1581) 408; wenn viele heute anheben zu narren, sein sie vil krefftiger denn andere gemeine thoren. Kirchhof wendunm. 137b; heiszt das nicht genarrt (narrenwerk getrieben)? 374b;

ist derhalben mein rath und leer:
wer gnarret hat, der narr nicht mehr,
erzürn got nicht, folg gutem rat,
so komt er nicht in gröszer schad.
Rollenhagen froschm. II, 5, 5, 42;

dann das gold der neuen welt macht, dasz alte welt sehr narrt.
Logau 3, 6, 62;

narrt mit dem narren wohl zugleich die gantze welt!
A. Gryphius 1, 662a;

genarrot hätte ich nicht (ich hätte damit nichts unkluges gethan). Schweinichen 1, 228; wenn du in der kirche gewesen

[Bd. 13, Sp. 367]


wärest, du würdest nicht narren. Pestalozzi 1, 185; sprichwörtlich: es ist besser genarret denn gemordet. Luther 6, 8a;

wer sich kümmert eins übels hart,
das doch sein musz, derselbig narrt.
Agricola 385a;

thu wie andere leute, so narrst du nicht. Simrock 396; ein junger musz sieben jahre nacheinander narren. 280. mit genetiv: wie gott seine lieben kinder lesst guter groszer grober stücke narren und feilen (fehlen). Luther 3, 209a; mit einer präposition: wer am glauben narret und irret. parv. bibl.; hennebergisch er narret nicht an dem mädchen (betrügt sich nicht mit dem mädchen, fährt wol mit ihm). Reinwald 2, 90; mit einem narren, mit ihm den narren, spott treiben. Aler 1450a; mit dem feuer narren, spielen. Stieler 1330; die reimsprecher und alten zauberer haben das holtz (worauf das buch gewunden wird) behalten und damit genarret, wenn sie ire reim gesprochen. Mathesius Sar. 104b;

die welt wird mit mir narren (spott treiben).
W. v. Zwollen in Ph. Wackernagels kirchenl. 3, 497, 3 (v. j. 1530);

item so solt auch einer wol narren wider das fünffte gebot. Luther 5, 88b.
2) transitiv und reflexiv, gleich närren.
a) transitiv: einen narren, ludere, subsannare, ludibria habere aliquem. Stieler 1330. Keisersberg post. 116; denn es ist eine schande .., das ein solch weib solt .. einen mann genarret haben. Jud. 12, 12; nu der teufel .. uns gefangen hielt und narret. Luther 3, 337a; wiltu mich narren so narre mich auff deinen schaden. 4, 162b; es pfleget aber der bösewicht die leute nicht so grob zu narren und zu betriegen. tischr. 204b; er pfleget der menschen hertzen also zu narren und zu bezaubern. 205a; wer sich äffen läszt den narret man. Pauli schimpf u. ernst 111a;

und keme dich nicht lichter an
zu narren einen wisen man.
Murner narrenb. 2, 24;

er sprach zum sohn, wir sind genarrt (getäuscht, betrogen). E. Alberus 57a;

hüt du dich, hüt du dich,
vertrau ir nicht, sie narret dich. drei hübsche lieder, gedr. zu Nürnberg durch Val. Neuber bl. 8 (vgl.
Erlach 2, 111);

sie (die juden) fatzen und narren die christen nach ihrem willen. Ayrer proc. 2, 5; dann wie witzig und klug sich einer je deucht, so findet er doch allezeit seinen mann, der ihn narren kann. Philander 1, 91 (1644, 73); narrt mich nicht! Klinger Otto 78, 16 neudruck. theater 2, 283; umsonst soll er uns nicht genarrt haben. Göthe 57, 154; mich hätte eine dirne genarrt? Schiller 3, 37 (Fiesko 1, 12); freilich gab es auch ungläubige darunter, die behaupteten, dasz diese decke (der zukunft) die menschen nur narre, und dasz man nichts beobachtet hätte, weil auch nichts dahinter sei. 4, 293;

wie?narrt mich hier der teufel?
Wieland der neue Amadis 9, 37;

sich narren lassen:

bi disem narren salt verston
all, die sich frauen narren lon.
Murner narrenbeschw. 9, 86;

last nit mehr narren euch den thurn.
Soltau volksl. 459 (v. j. 1619);

ist zu erbarmen, dass meine völker sich so gar narren und .. verführen lassen. Philander 2, 60 (1644 617); mit einer präposition: die menschen mit einer theodicee narren. Klinger 3, 287; alle weiber in der stadt narrten ihn damit. Arnim kronenw. 1, 151; narren aus, in, thörichter oder tückischer weise locken, bringen: also ward der bauwer von dem kauffmann ausz dem hausz genarret. Wickram rollw. 25 (genrrt 10, 18 Kurz);

will jemand einen sparren
zu viel ins dach uns narren.
Voss ged. 4, 133;

sich narren lassen mit, unpersönlich: mit groszen herren lässet sichs nicht wol narren, ludere. Stieler 1330.
b) reflexiv:

wie sunst sich mancher narrt (: geharrt).
Tscherning frühling 184;

er narrt sich nicht, sibi non nocet. Steinbach 2, 111; schlesisch du wirst dich narren, das ist anders als du denkst. Weinhold 64a; mit einer präposition: die dich an solcher heiligkeit gestoszen und genarret haben. Luther tischr. 329a; unpersönlich:

wie hat sichs so weidlich genarrt
mit deinem pferdt, hundt, fuchs und trachen?
Waldis Es. 4, 99, 402.

 

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