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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
narbe bis narbicht (Bd. 13, Sp. 351 bis 353)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narbe, f. ahd. narwa f. und narwo m., mhd. narwe f., md. narwe, nare, nar m. f., nd. narve, nare, nhd. (seit dem 15. jh.) narbe, narb (ein narb Rompler 221 vielleicht m.), schles. narve Gryphius 1, 944, holst. narv Schütze 3, 135, westerw. nahr, plur. nahrn Schmidt 120. umgelautete formen s. unter 1, c. 2 und 8. das wort gehört derselben wurzel an wie alts. naru, ags. nearu gr. νευρά, lat. nervus (Curtius nr. 434. J. Grimm gesch. d. d. spr. 1020) und bedeutet eigentlich die verengung, die stelle wo man verengt oder wo verengt ist, dann auch ein verengendes, befestigendes werkzeug (s. unter 8).
1) die stelle der haut, wo eine geheilte verletzung (wunde, geschwür, blatter) eine spur zurückgelassen hat, das wundenmal, die mase, cicatrix, stigma Diefenb. gl. 117a. 552a.
a) eigentlich, mhd. und md.:

swâ alter wunden narwe swirt. Renner 18042;

sô was er heil und âne nar.
Jeroschin 25599;

uhd. tieffe narben, so mir die purpeln in die haut gefressen. Simplic. 1, 565, 17 K.; jetzt erinnere ich mich, dasz die narve, die er oben auff der stirn trägt, ihm überblieben von einer verletzung. A. Gryphius 1, 944;

leibswunden werden zwahr durch ertznei ersätzet;
doch bleibt ein narb und mal alzeit hernach bestehn.
Rompler 221;

das laster kennet sich auch in der tugend farben,
wo wunden zugeheilt, erkennt man doch die narben.
Haller ged. 75 (63, 44 Hirzel);

sieh schäzchen wie der bub mir gleicht,
selbst meine narbe von den pocken!
Schiller 1, 299;

die narben, die die böhmischen reuter in deine stirne gezeichnet haben. 2, 119 (räuber, schausp. 3, 2); die narben erhalten sich .. trotz verlust und ersaz bisz ins späteste alter. 1, 85; wirst du die durch narben zerstörten züge wiedererkennen? Kotzebue dram. sp. 2, 312;

liebchen, schmücke dich mit meinen
narben aus dem heilgen land.
Lenau (1880) 1, 311;

ein jeder (hengst) trägt
die narbe des wolfbisses an der hüfte. 1, 117;

da brennt ihn seine narbe, da gährt der alte groll.
Uhland (1879) 2, 201;

zwiegetheilt von ohr zu ohre,
roth und blau erquoll die narbe.
F. W. Weber Dreizehnlinden 46;

für ehrenwerther als ein springer gilt bei uns der mann, der seine narben vorn am leibe trägt. Freytag ahnen 1, 45; mancher ... öffnete das hemd, damit man die ruhmvollen narben auf der brust schaue. 249; ein alter kriegsmann mit ... narben auf der stirn. 91; sprichwörtlich: die narben verrathen alte wunden; die narbe bleibt wenn auch die wunde heilt u. a. bei Wander 3, 877.
b) übertragen (von inneren wunden) und bildlich: ihr tod schlug mir wunden, deren narben ich jetzt noch nicht gerne ansehe. Göthe 19, 349; so tiefe narben bleiben von jenem alten schaden in der brust, dasz weder neue freud noch hoffnung drinn gedeihen kann. 11, 2, 220 H. (Iphigenie, prosa 1, 2); das andenken alles ungemachs ... erwachte, alle wunden bluteten wieder, alle narben giengen auf. Schiller 4, 68; ich bezahlte also meine tugend mit .. einer verwundung meiner ehre, wovon ich die narbe bis an meinen tod behielt. Wieland 27, 104;

die blosze schönheit zeugt bewundrung, liebe nie,
und läszt, auch wenn sie uns verwundet, keine narben. Idris 5, 46;

Carlos zu Alba. ihr name
lebt in der narbe dieses zeitenlaufs.
Schiller 5, 96 (don Carlos 2, 6);

um den mund züge, die der schmerz zeichnet, die narben wiederkehrender tage. J. Paul Titan 2, 63; dieses leben ist sonach nichts als eine narbe des vorigen. teufels pap. 1, xvi.
c) auch für ritze, wunde:

die schœne Venus zart
.. so zerritzet ward.
daher die rœslein weis
von bluttrieffenden nerben
begunten sich zu ferben.
P. Melissus in Wackernagels lesebuch 2, 124, 10.


2) die auf der haarseite eines gegerbten felles sich zeigenden kleinen erhöhungen oder vertiefungen. Jacobsson 3, 128b; auch für narbenseite Stalder 2, 231; bestreich das fel auszen auf der närben. Schm. 1, 1756 Fromm. (v. j. 1426); mundartlich auch der narben Gerstäcker Missisippibilder 3, 347.

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3) auch die grasseite des bodens, soweit die wurzeln reichen, wird narbe genannt. Jacobsson 6, 628b. Stalder 2, 231; die feinen gräser der reifen narbe. Niebuhr kleine schriften 1, 70; gleich plagge: insgemein dient ihre (der heide) narbe oder plagge zum dünger. Möser 1, 95; ochse, einwohner und pferd kröpelten das ganze jahr auf der umherliegenden groszen haide herum, um die dürre narbe davon ab und in die viehställe zu fahren. 2, 128; beim deichbau versteht man unter narbe die rasenbekleidung eines deiches. Benzler 2, 6.
4) schweizerisch die auszenseite, die kruste eines brotlaibes. Stalder 2, 231.
5) überhaupt unebene oder fleckige stellen an einer oberfläche:

und recht besehn, hat jeder (apfel) seine narben,
doch alle gleichen kern ...
gern wollen wir die narben oder flecken
und kleinen warzen schweigend übersehn.
Gökingk 3, 174.


6) botanisch, die bruchstelle (cicatrix, stigma) eines abgefallenen blattes an den zweigen; das ende des pistills Oken 2, 73: das pistill der iris mit seiner narbe .. die schirmförmige narbe der saracenie. Göthe 58, 53; rückschreitend zeigt uns die natur öfters den fall, dasz sie die griffel und narbe wieder in blumenblätter verwandelt. ebend.; die samennarbe, kelchnarbe.
7) wie hahnentritt th. 42, 170, 4: auf dem dotter liegt ein weiszer runder fleck .., den man das auge, die narbe oder den hahnentritt nennt und woraus sich der keim oder das küchelchen entwickelt. Oken 4, 307.
8) das lat. ansulae, ansulas (exod. 26, 4) wird ahd. durch narauun, narwun, narwan, narewen, nerwi (Steinmeyer-Sievers 1, 325. 330. 333) und fibulatura durch naruuo (Graff 2, 1097) glossiert, welche bedeutung sich noch im baierisch-österreichischen narbe, 'arbe (mit hellem a, d. h. närbe, ärbe) erhalten hat, worunter man die an der thür befestigte eiserne klammer versteht, die den an dem thürpfosten befindlichen kloben faszt, in welchen darüber das vorlegeschlosz gehängt wird. Schm. 1, 120. 1756 Fromm. Höfer 1, 40. Loritza 92. Lexer 196. Schöpf 17. ein älterer beleg findet sich in Widmanns chronik von Regensburg v. j. 1533: sopald sy für dy stuben sein chomen, ist der briester vorgangen, glaser inen rügling geschossen, das er gefallen was, von stund an im dy gurgel abgeschniten, darnach von dem gänglen in ein kämerlen gezogen, ein nerb fürangelegt, dy schlüssel genomen, dy truhen auffgespert u. s. w. städtechron. 15, 132, 34.
 
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narben, närben, verb.
1) intransitiv und reflexiv, zu einer narbe oder zu narben werden, eine narbe ansetzen, heilen, cicatricare. Stieler 1329:

wann wird doch die alte wunde narben?
Schiller 1, 221;

nie narbet die wunde sich dieses
donners, ewig eitert sie!
Klopstock 7, 31;

md. nerwen, reflexiv, sich enge machen, sich verengen. Frauenlob 19, 12, 12.
2) transitiv.
a) zur narbe, narbig machen:

ganz oben im feurigen lehnstuhl
sezet sich ehrenfest mit der frau ahnherrin der ahnherr
... ein genarbeter straszenräuber.
Voss ged. 2, 40;

auch fleckig machen: blickte in den generbten mond. Musäus 4, 57.
b) eine haut narben, närben, die haare abstoszen; genärbte felle, deren narben (s. DWB narbe 2) sichtbar sind. Frisch 2, 8a; ein haide närben, die narbe (3) abmähen oder abschälen.
 
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narbenbedecktpartic.: der gewohnte panzer sich um die narbenbedeckte brust schmiegte. Scheffel Ekkeh. 208.
 
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narbenbrüchig, adj. vom leder, dessen narbe (s. DWB narbe 2) beim biegen reiszt. Jacobsson 3, 128b.
 
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narbenflechte, f. der hautwolf, lupus. Meyer konversationslex. 10, 1031a.
 
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narbenkraut, n. für nardenkraut Zedler 23, 628.
 
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narbenlos, adj. ohne narben: ich wähnte eine art unzerstörbarer naturen vor mir zu sehen, die nur spielweise so grimmig auf einander los gingen, und an welchen die wunden, die sie einander schlugen, sich ohne zweifel eben so schnell und narbenlos wieder schlieszen würden, als die luft, die durch ihre gewaltigen streiche zerrissen wurde. Wieland 23, 26; vom leder, wenn es stellenweise keine narben (s. DWB narbe 2) hat. Jacobsson 3, 128b.
 
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narbenseite, f. gleich haarseite des leders Jacobsson 2, 181b; die närbenseite Schm. 1, 1756 Fromm.
 
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narbenstrich, m.: einer haut den narbenstrich geben, sie mit dem streicheisen auf der narbenseite der länge nach streichen, um die narbe nicht zu beschädigen. Jacobsson 3, 128b.

[Bd. 13, Sp. 353]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) narbenvoll, adj. voll narben, narbenbedeckt:

denn sie beut die brust
dem feinde dar, die narbenvolle brust.
Platen (1847) 4, 187;

nun ists dem alten recken ein lieber zeitvertreib,
zu waschen und zu strecken den narbenvollen leib.
Uhland (1879) 2, 192;

der alten zeit nachstarrt er narbenvoll.
Freiligrath (1870) 2, 128.


 
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narbicht, narbig, adj. und adv. eine narbe, narben habend: narbicht, cicatricosus Schottel 1368, narbicht und närbicht Stieler 1328, narbig Frisch 2, 8a; wenn er den grundsätzen der gnädigen frau oder ihres narbigten gemals hätte nahe treten müssen. Siegfried von Lindenberg (1781) 1, 70; da drückte mich mancher wackere krieger an seine narbigte brust. Lessing 2, 93; das narbige antlitz. Freytag ahnen 1, 63; ein narbiger kriegsmann. 81; narbiges, närbiges leder; narbigte haut, ein weiszes pergament mit narben, womit bücher eingebunden werden. Jacobsson 3, 128b; überhaupt fleckig, bunt:

ihr närbicht und färbicht geblümete rasen.
Birken in Wackernagels lesebuch 2, 415, 3.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,