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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nämlich bis nank (Bd. 13, Sp. 345 bis 348)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nämlich, adj. und adv. , im ahd. nur als adj. namolîch, namilîch; mhd. md. namelich, nemelich adj. und namelîche, nemelîche, namlîche, nemlîche, spätmhd. auch namenlîchen, nämenlîchen, nemlîchen adv.; mnd. nemlik adj. und nemelik, nemelink, nemeliken adv.; altfries. nomlik, namlik adv.; nhd. für das adj. und adverb: nämlich und nemlich (schwäbisch-alem. gewöhnlich ohne umlaut namlich), daneben gedehnt nähmlich und auf nehmen (Steinbach 2, 129) bezogen nehmlich, welche schreibung nun veraltet ist.
I. adjectiv, mit namen bestimmt oder bekannt.
1) namentlich angegeben und bestimmt, ausdrücklich, doch nur in der älteren sprache, s. Schm. 1, 1741 Fromm.; citiren, auff einem nähmlichen tag zu erscheinen. landgerichtsordn. vom j. 1521 xxxi § 1; bei einer nähmlichen pön. ebend.; so sull demselbigen zu verrner gerichtlicher handlung .. schriftlich mit bestimmung aines nemlichen tags .. verkündt werden. Nürnb. reformat. 1564 15b; der kleger soll auch, nach gefengklichem annemen des beklagten, von dem richter nicht abscheiden, er hab im dann ein nemlich hausz an einer bequemen .. statt oder ende benent, dahin fürther der richter alle gerichtliche nottürftige verkündung zuschicken möge. Carolina art. 17.
2) mit namen bekannt, berühmt, denkwürdig, ahd. bei Notker und M. Capella s. Graff 2, 1082; namhaft, bedeutend: umb merklicher und nemlicher ursach willen. städtechron. 2, 165, 2 (v. j. 1449).
3) md. nach der, dirre (dieser) und pleonastisch nach der selbe: so eben namentlich genannt, eben dieser, dieser selbe, woraus das nhd. zuerst bei Aler erscheinende pronominaladjectiv der (dieser) nämliche eben derselbe (eigentlich mit namen derselbe) entstanden ist. gramm. 3, 87: md.

des bat er sîn dâ beiden
in der nemelîchen stede. Elisabeth 4243;

der werde bischof,
der disen nemelîchen hof
zu Babenberg alsô besaʒ. 5504;

der ies die rittere alle dar
in dirre namelîchen schar. 6116;

di selben nemelîchen wât. 6307;

nhd. der nemlich, idem ipse, ipsissimus. Aler 1461a. Gottsched (beobachtungen über den gebrauch u. misbrauch vieler deutscher wörter und redensarten s. 202) und Adelung (magazin 2, 143, wörterbuch 3, 421) eifern gegen diesen pronominalen gebrauch von nämlich, den aber Campe 3, 451b mit recht vertheidigt. hier nur einige belege aus den hauptschriftstellern der classischen periode (nur Göthe scheint das wort gemieden zu haben): in allen (stücken) der nehmliche schimmernde, und öfters allzugesuchte witz. Lessing 7, 80; dasz auch nicht beides eben die nehmliche person treffen musz, und wenn es die nehmliche person trift, dasz eben nicht beides sich zu der nehmlichen zeit eräugnen darf. 7, 173; nicht dieses nehmliche besser zu machen, sondern überhaupt etwas besser zu machen. 12, 355;

wirkt
das nehmliche nicht mehr das nehmliche? 2, 201 (Nathan 1, 2);

ich aber find euch noch den nehmlichen. 2, 264 (Nathan 3, 2);

viele von ihnen (Kalifornier) ändern ihr nachtquartier vielleicht hundertmal in einem jahre, dasz sie kaum dreimal nacheinander auf dem nemlichen platze und in der nemlichen gegend schlafen. Herder ideen 2, 77; das nehmliche gilt von der mitfreude. Engel 4, 314; die nehmliche kraft. 4, 44; die nehmliche wirkung. 7, 345; der nämliche fall. Klinger 1, 32; in dem nämlichen augenblicke. 5, 9; in dem nehmlichen nu. Wieland 8, 26; das nehmliche volk. 7, 208; diesen nehmlichen Isfandiar. 7, 103;

in beide haucht ihr genius
zugleich den nehmlichen entschlusz. 9, 210;

sie hatte ..
sich in diesz nehmliche gebirg zurückgezogen. Oberon 8, 56;

[Bd. 13, Sp. 346]



in kurzem überzeugt er sich,
dasz dieser busen sehr viel dem nehmlichen busen glich,
der ihn, zwar nur gemahlt .. entzückte. Amadis 11, 29;

sie (zum gatten) sind was sie waren, aber ich bin die nämliche nicht mehr. Schiller 3, 539; die natur ist die nehmliche, aber mein herz ist es nicht mehr. 6, 285; erkennen sie diesen menschen für den nämlichen, der sie (den prinzen) auf dem kaffeehause beleidigt hat? 4, 203; an dem nemlichen tag sind Bertha und Genua frei. 3, 246 (Fiesko 2, 12);

unter demselben blau, über dem nehmlichen grün
wandeln die nahen und .. fernen geschlechter. 11, 91;

wer ist im nehmlichen moment zugleich
gefaszt und wüthend, sinnlos und besonnen? 13, 58 (Macbeth 2, 10);

wenn wir im nämlichen monat aus dem nämlichen herzen, wie aus dem nämlichen buchladen (ich ärgere hier hr. Adelung durchs wort »nämlichen«) spottgedichte, lobgedichte .. liefern sollen. J. Paul unsichtb. loge 1, 7; ohne artikel: eine abhandlung des herrn .. nemlichen inhalts. Lessing 11, 447.
II. adverb.
1) mit namen: namlich, nominatim, mit nammen, dem nammen nach. Maaler 302d. Dasyp. K 6d; so süllen die burger .. dem Pütrich ir erbere botschaft tn .. und si nämlich benennen, wie sie gehaiʒʒen sind. städtechron. 4, 181, 33 (v. j. 1375); nd. næmelick elcken nœmen, nomine quemque suo vocare, nominatim citare. Kil. x 7a.
2) nämlich dient zur hervorhebung und bekräftigung oder zur näheren, namentlichen anführung von etwas früher unbestimmt und allgemein angegebenen.
a) um es ausdrücklich und nachdrücklich zu nennen oder zu sagen, im eigentlichen sinne des wortes, mhd. und md.:

(Enêas) wolde namelîche
kunich hie belîben.
Veldeke En. 316, 37;

sine woltes nemelîchen
nimmer mêre gesehn. Iwein 1976;

nu ist mir nemelîche
der kouf ein teil ze rîche. der gute Gerhard 2193;

mit worten bestimmt, ausdrücklich: und wer (wäre) zbischen den herren nemlichen austragen, wer dem rechten nit genueg hiet ton, der solt es daselb tuen. städtechron. 15, 492, 21 (vom j. 1400); es ist auch nemlich beredt und beteidingt worden. 2, 235, 15 (v. j. 1450);
b) mit namentlicher hervorhebung, vornehmlich, vorzugsweise, nominatim Diefenb. gl. 382b: mhd.

ouch werdent nämenlîche
die himelschen rîche
von ir erhœhet über al.
W. v. Rheinau 44, 41;

md. daʒ volc spottelîchen rief
und nemelîch die kindere. passional 175, 91 K.;

daʒ men uns .. liesze in dem rehte .. und nemelîche in dem rehte .., da bischof B. und sîne vorfarn inne wâren. städtechron. 9, 1035 (vom j. 1261); des setzten sich aber fünf zünft, nemlichen die weber B. Zink 52, 25; daʒ sollichs wider die gesatzt und ordnung .. seie, namenlichen an dem stucke. 377, 5; unter welchen auch nämlich dieser meister Hans .. einer ist. Luther 2, 396a; in welchen worten dise drei stuck nemlich auszgetruckt sind. Melanchthon von anrichtung der lat. schul C 2b. also habent die andern unsers christenlichen glaubens maister und doctores und nemlich die so usz den juden sindt cristen worden, auch geschriben. Reuchlin augensp. 9b; doch hetten si bei inen propheten und prediger und nemlich Ezechiel und Daniel. Aventin. 4, 272, 23; etlich claine püechlein, nämlich sibene oder nur drei. 275, 15; er het erfunden und erdacht allerlai gefenknus und leibstraf .. nemlich keten, geigen, türn. 286, 32; also fren sy do für mit suffen, namlich sy fier. Th. Platter 82 B.; das rietten mir ouch ander eeren lt, namlich der herr burgermeister 94; als dise ... auf dem hochen gestift seind gewest, namlich grave Eberhart u. s. w. Zimm. chron. 1, 140, 9; er hat die furnempsten turner .. besucht, als namlich den turner zu Bamberg. 305, 16; der ist ihnen essen und trinken, nemblich einen ziemblichen kosten zu geben schuldig. weisth. 2, 209 (vom j. 1580); und nemlich du Gabriatto, ich beger sonderlich von dir. b. d. liebe 252, 4; auch erstach er als nemlich ein trefflichen amiral 24, 2; ein jeder gerichtschreiber soll .. alle handlung .. ordenlich aufschreiben, und nemlich (ac praecipue quidem) soll die klag des anklägers .. auffgeschriben werden. Carolina art. 181.
c) bekräftigend, fürwahr, gewiss: namlich, waarlich Maaler 302d; mhd.

ich wil in nemelîchen sagen.
Konrad Otte 112;

[Bd. 13, Sp. 347]


nhd. aber ich sprich namlich in deinem herzen. Keisersberg pred. 112a; kärnt. tirol. namla oder namla wol! freilich wol, gewiss, sehr Lexer 196. Schöpf 460. Hintner 178.
d) auf nämliche, gleiche weise: nemlîchen (gleich weit) von einander. Tucher baumeisterb. 328, 11.
e) als copulative conjunction zur einleitung eines hinweisenden, begründenden, erläuternden satzes oder einer erläuternden einschiebung (im sinne von 'das heiszt'), aufzählung, oft verbunden mit als, also: scilicet, ja nemlich Aventin. 1, 444, 33; namlich nempe, als namlich utpote Maaler 302d; nemlich, nempe, nimirum, utpote, veluti Stieler 1327. Aler 1461a. Hederich 1688. Steinbach 2, 129. Frisch 2, 11c; und wil dir und deinem samen nach dir geben das land .. nemlich das gantze land Canaan, zu ewiger besitzung. 1 Mos. 17, 8; und niemand feret gen himel, denn der von himel ernider komen ist, nemlich, des menschen son, der im himel ist. Joh. 3, 13; der höchst got, von den alten genant (nemlich von den Kriechen) Zeus. Aventin. 4, 277, 21;

derwegen, dieweil durch solch weisz,
nemlich durch arbeitsamen fleisz,
die Zürcher haben vorgedroffen.
Fischart gl. schiff 58;

welches ist dieselbe (weise)? nemlich nur die,
welche wir han erfaren hie. 25;

welchen paw er in zwaien jarn vollendet, nemlich anno domini .. Zimm. chron. 1, 382, 24; als man nun den Zwinglin nit uff disputatz wolt lassen, ward doch die gantz disputatz durch in ouch zum teill verfiert, namlich also, das Oecolampadius slig in alle zyt solt lassen wissen .. was in der disputatz für gienge. Th. Platter 46 B.; liesz es (das edict) der stadt-schuldtheisz auszruffen, dasz nemblich. Schuppius 570; welche vermeinen, sie sterben mit groszem schaden der welt .. als nemlichen, welche mit so viel geschenk und gaben beladen, welche ein jeder den gräbern nicht solle vergönnen. 699; wie selbige (jungfrau Maria) ... ob der stat in lüften gesehen worden, nämlich mit ihrem geliebten kindlin in ainem kranz eingeschlossen. Bürster 68; so ist ihm auch für allen die gestalt, so am meisten vollkommen ist, als nemlichen die runde, zugeeignet worden. Opitz 1, 24; der gab zu seiner entschuldigung diese kahle antwort, nemlichen, er hette sein lebtag keinen teuffel gesehen. Philander (1644) 23; wie nehmlich dieselbe (erinnerung) solle beschaffen sein. Chr. Weise erzn. 55 neudruck;

ja senden wird der herr, was die welt nicht vermag,
als nemlich seine gnad und warheit.
Weckherlin 179;

ein onschätzlich reiche gaab,
als namlich eure gröste haab. 438;

nämlich, ich verstehe darunter nichts anders, als. Rabener (1771) 1, 59; freilich ist noch eins dabei zu erwägen: ob du dich nehmlich geschickt befindest, bald ein öffentliches amt anzunehmen. Lessing 1, 227;

was wunder,
dasz ihn (den ring) der mann .. nie
vom finger liesz; und die verfügung traf,
auf ewig ihn bei seinem hause zu
erhalten! nehmlich so.er liesz den ring
von seinen söhnen dem geliebtesten. 2, 277 (Nathan 3, 6);

und eben wird er gebracht: sein leichnam nehmlich. 7, 308; der mensch soll sich nemlich diesen grad ... der sicherheit durch übung selbst erwerben. Herder ideen 1, 273; sie gab ihnen nemlich die munterkeit des geistes. 2, 30; die natur nämlich hat unserm geschlechte keinen herrn bezeichnet. 2, 249; er liesz sich nehmlich den kopf bis zur hälfte glatt abscheren. Wieland 27, 15; ich war nämlich mit allen bildern wohl bekannt. Göthe 24, 140; er hatte mich nämlich wiederholt vom kartenspiel abgemahnt. 25, 207; ich war nämlich in den gasthof gegangen. 25, 296; es lagen nämlich Mösers patriotische phantasien ... auf dem tische. 26, 320; sechs solcher bischöflichen sitze, in Antwerpen nämlich, Herzogenbusch, Gent .. stehen unter dem erzstift zu Mecheln. Schiller 7, 110; ich bin sehr neugierig zu hören ... was nämlich die öffentlichen sprecher sagen (über W. Meister). an Göthe 65 (1, 146); die erzählungen nehmlich schienen handlung. Engel 4, 182; dieser magen verdaute so viel wie sein gewissen, nämlich ganze hufen landes. J. Paul unsichtb. loge 1, 79.
 
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namlos, s. DWB namenlos.
 
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namsel, n. nomisterium Maaler 302d.
 
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namsen, verb. frequentativ von namen (mhd. alem. genamzon, genemzen mhd. wb. 2, 370a), mit einem namen belegen, benennen;

[Bd. 13, Sp. 348]


mit namen bezeichnen, nennen. namsen, nominare, denominare Dasyp. K 6d; nammsen, einem ein nammen geben, nominare Maaler 302d; nahmsen, frequentius benahmsen. Stieler 1327. Aler 1448b. Steinbach 2, 107. Frisch 2, 7b nennt es ein »veraltetes verbum, welches aber von einigen wieder gebräuchlich will gemacht und gleichsam unnöthiger weise aufgewärmt werden«. das wort erscheint nur in schwäbisch-alemannischen quellen: und wiewol das erzbischtumb Cöln das reichest wurt genamset, so acht ich doch .. sie seien alle zue reich. Zimm. chron. 3, 208, 5; ettliche weltliche .., die er, thorhüeter, alle genambszet. Bürster 255; die fielen auch zuesamen, nambseten sich der seehaufen. Baumann quellen 1, 533; wir gaben im rebhuener, die wunschst er seiner huszfrauw, die er oft namset. F. Platter 212 B.; als man in aber ermant, er solte etwas namsen (einen preis nennen). 312; das man sie zwar bei den unverständigen leuten schreiber namsete, aber eigentlich wären sie nicht schreiber, sondern secretarii zu tituliren. Philander 1, 316; sie namsete ihm aber sogleich das spinner-Babeli. Pestalozzi 3, 146; namse mir, vater, aus der ganzen nachbarschaft einen, den du als hausknecht brauchen könntest. 12, 208; schweiz. namsen, mit dem rechten namen nennen Stalder 2, 230. s. DWB benamsen.
 
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namser, m.: nammser, die am rächten ein ieden wusztend mit nammen zerffen und die partheien an jedes nammen zemanen, nomenclatores Maaler 302d; vornamser, nomenclator Dasyp. K 6d.
 
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namsig, adj. nominativus Dasyp. K 6d.
 
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namsung, f. nomenclatura et nomenclatio Dasyp.; die nammsung, erzellung der nammen nach einanderen, nomenclatura Maaler 302d; nahmsung, nominatio Aler 1448b.
 
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namung, f.: die nahmung et frequentius benahmung, nominatio Stieler 1326.
 
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nan, adv. gekürzt aus hinan:

in winkel schlepp sie tapffer nan.
Calagius Susanna 1, 3;

fült diese krüg mit wasser on!
und sie fültens bisz oben non.
H. Sachs 1, 261, 23 K.


 
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nander, adv. gekürzt aus einander: und gehen also ... wider nander. Luther br. 1, 314; reizt eins das ander wider nander. 5, 254.
 
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nank, m. zwerg, nanus. s. DWB bulk th. 2, 512.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,