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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nähstube bis nähtisch (Bd. 13, Sp. 318 bis 320)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nähstube, f. stube, wo genäht wird Voss 5, 15 überschrift.
 
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nähstunde, f. unterrichtsstunde im nähen. Wander sprichw. 3, 868.
 
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naht, f. sutura. ahd. mhd. nât (entsprechend einem goth. nêds, nêths von einem german. thema nâ-di Schade2 640b), mnd. nât, nâth, pl. nâde, nêde, nd. naat, naad; nhd. nat, nate. voc. 1482 x 3a. gemma gemm. (1508) B 3b; nat, not, nahet Diefenb. gl. 570c, naat Maaler 296c, naht Stieler 1343, nath Aler 1454a, naht (per usum nath) Steinbach 2, 103, naat, naht Hederich 1654, naat, naht Frisch 2, 11b, nath Heyse 2, 254; heute ist die schreibung naht (wie draht) durchgedrungen (Lessing schreibt aber noch historisch richtig nat), plur. nähte (bair. auch näten und naten Schm. 1, 1768 Fromm.), nautisch die nahten. Keisersberg gebraucht den singular die nät, dem ein mhd. diu næte entsprechen würde, vgl. mhd. tât und tæte.
1) die arbeit mit der nadel, das nähen, steppen, sticken: mhd.

si diente es wol mit der næte
an der hûben und an der wæte. Helmbrecht 121;

mit ramwerke und mit wæher nât
hie mit lât si dâ heime ir zît vertrîben. minnesinger 2, 195b;

die art und weise des nähens wird durch adjectiva oder zusammensetzung näher bezeichnet: eine schöne, feine, verborgene, platte naht, bildernaht, hausnaht u. dergl.; enge naht, breitnaht, duppelnaht, kreuznaht, spitznaht Stieler 1343.
2) die linie des zusammengenähtseins mittelst nadel und fadens, besonders an kleidern: mhd.

swâ ein nât über d' ander gie
und sich zesamene prîste. Lanzel. 4883;

roc âne nât. Martina 151, 82;

nhd. wann die kellerin uns das bett soll machen, so msz sie gar eben lgen, das sie das underlilach rechts leg, das die nät gegen dem bett sei, und das oberlilach lätz mit der nät gegen der küten oder sergen (bettdecke), uf das uns die nät nit schnatten (striemen) hinin in die hut trucken. Keisersberg post. 3, 40a; die nath ist auffgangen. Aler 1454a; die naat auftrennen, dissuere. Frisch 2, 11b; sprichwörtliche redensarten: die naht ist wie der schneider; je fester die naht, je gröszer der risz. Wander 3, 870; bei der naht weg (ohne ausnahme). Schm. 1, 1768 Fromm.; bei einem etwas auf der naht haben, wie auf der nadel haben. ebend.; etwas zur naht bringen, (fertig bringen). Thümmel 4, 216; einem die nät beschneiden (ihn betrügen, beim handel verkürzen). teufels netz 9904; einem die naht streichen, reiben (damit sie striemen in der haut zurückläszt), ausklopfen, ihn durchprügeln. Wander 3, 870;

ich will euch auch die nät basz bestreichen. ein hübsch spyl .. von dem Wilhelm Thellen (Strasburg o. j.) A 5b;

werens bei ihren weibern blieben,
hett man ihn nit die näth gerieben.
Sandrub 57, 130;

und gebt ihr mit der neuen karbatsche 'n willkomm recht aus der nath! Müller Siegfr. von Lindenberg (1782) 3, 144; die naht der tasche, in der man das geld hat und in deren nähte sich kleine münzen verkriechen können: nun da! sagte er, indem er aus allen näten seiner taschen die kleine schuld

[Bd. 13, Sp. 319]


zusammensuchte. Lessing 3, 304; daher naht geradezu für geldtasche: auf die naht, die nähte greifen, aus der naht klauben das letzte geld zusammensuchen, wenig geld haben:

wenn ich nicht so auff die näte griffe,
so hätte ich es lassen in kupfer stechen.
Filidor Ernelinde 11;

einem auf die naht fühlen, seine vermögenszustände ausforschen. Wander 3, 870; nd. up der naad pulen, uut der naad kleien, wenig geld mehr im sacke haben, nach dem letzten heller in der tasche suchen. brem. wb. 3, 215. Schütze 3, 130; he hett wat up de naat, er hat geld. ebend.
3) kunstreiche naht, stepperei, stickerei: mhd.

manig schœniu nât
wart ûf die umbehange genât.
W. v. Rheinau 29, 58;

ein guot tischlachen und ein hemde,
den engelisch næte und bilde sint fremde. Renner 13407;

vgl. Weinhold d. deutschen frauen 2, 261 f. 274; nhd. auch soll hinfüro einich mannsbildt ... inn einicher seiner claidung keinerlei schnüre, porten oder nête, die von goldt gemacht oder damit vermengt sein, tragen. Nürnb. pol.-ordn. 105 (15. jh.); ein buntes hemd mit seidenen nähten. Freytag ahnen 4, 10.
4) mhd. die zusammenheftung, zusammenschnürung der knopflosen kleider (s. DWB nähen 1, b, α):

sî zarte diu kleider in der nât.
schiere stuont sî âne wât. armer Heinrich 1193.


5) die nahten eines segels, die stellen, wo die kleider (streifen) eines segels zusammengenäht sind. Bobrik 507a.
6) übertragen, von etwas nahtähnlichem.
a) anatomisch: die naht der knochen (sutura), diejenige art von unbeweglicher knochenverbindung, wo knochen meistens mit unebenen rändern durch eine dünne knorpelschicht fest und unverschiebbar zusammengehalten werden. encyclop. wb. d. med. wissensch. 24, 661 (s. DWB kopfnaht th. 5, 1777); des menschen hirnschal ist auʒ hertem pain gemacht, dar inn sint vil næt und allermaist in der manne hirnschal. aber ain nât die umbgeit daʒ antlütz. iedoch ist etswenn ain menschen haupt gesehen, dâ nindert ain nât an was, und daʒ bedäut des menschen gar langeʒ leben, wan von dem alter druckt sich diu hirnschal zesamen und wirt dik. Megenberg 4, 14 ff.
b) chirurgisch: die naht der knochen, die künstlich hergestellte verbindung zwischen zwei stücken eines (gebrochenen oder resecierten) knochens mittelst silber- oder bleidrahts. Meyer konversationslex. 11 (1877), 897a; naht der wunde, durch welche die einander gegenüberstehenden ränder gewisser wunden in eine gegenseitige genaueste berührung gebracht werden bis zur verheilung derselben. encyclop. wb. der med. wissensch. 24, 662. Zedler 23, 865 ff. 888.
c) die mittellinie auf dem rücken eines käfers, wo die hornigen flügeldecken schlieszen. Brehm thierl. 6, 23; ein erhabener oder vertiefter längsstreif einer frucht, wo sich dieselbe spaltet oder spalten läszt. Weber ökon. lex. 386b.
d) bei metallarbeitern die vernietete, vergossene oder verlöthete fuge. Jacobsson 6, 630b; die naht abbrennen, die beim löthen entstandenen unebenheiten mit dem löthkolben glätten. ebend.
e) im schiff- und schleuszenbau ist die naht (pl. nahten) eine fuge zwischen zwei balken oder brettern, die kalfatert werden musz, um das durchdringen des wassers zu verhindern. Jacobsson 3, 131a. Bobrik 506b. Vochs 200.
f) im deichbau die stelle, wo die besodung von zwei deichpfändern zusammenstöszt Jacobsson 3, 131b. Benzler 2, 6.
 
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nähtchen, n. kleine naht:

flink genäht und fein,
knöpfchen, säum' und näthchen!
Voss ged. 5, 15.


 
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nahteidechse, f. lacerta teguixin Nemnich 2, 305; nahtechse Brehm thierl. 5, 107.
 
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nähter, m.
1) ahd. nâtare, im 12. jh. nâtere, der schneider, sticker (s. seidennähter); kärnt. nater Lexer 196; schriftdeutsch ist nur das fem. nähterin gebräuchlich.
2) im wasserbau ist der nähter ein starker zaun aus flechtwerk, womit man den damm eines deiches oder das ufer eines flusses wider das auswaschen verwahrt. Jacobsson 3, 131b. in dieser bedeutung ist nähter wol verderbt aus mhd. ëter, geflochtener zaun (Lexer 2, 730).
 
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nähterei, f. das nähen und das genähte, die näherei, näharbeit: näderei Aler 1442a. Hederich 1674; nähderei Amaranthes frauenzimmerlex. 1322; nätherei Steinbach 2, 103;

des vaters zimmeraxt, der mutter nähterei
erwurben ihm .. den halbgemachten brei.
Fleming 17 L.;

[Bd. 13, Sp. 320]


sie hatte in der nähterei grosze kunstfertigkeit erlangt. Musäus 4, 142.
 
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nähterin, f. mhd. næterîn, näherin, schneiderin, stickerin, neterin Nürnb. pol.-ordn. 179 (15. jh.). A. Tucher hausbuch 88; neterine Luther 1, 312a; naterin österreich. weisth. 6, 138, 11 (v. j. 1547), natterin 115, 6 (v. j. 1603): Naema ist die erste neterin .. gewesen. Mathesius Sar. 10a; eine stolze neterin. Kirchhof wendunm. 322b; gehe zu meiner näterin, dasz sie mir meinen .. sterbeküttel verfertige. A. Gryphius 1, 807; näterinn Stieler 1343, nätherinn Steinbach 2, 103, näterin Frisch 2, 11b, näderin Fischart Garg. (1617) A 8a. N 7b; nägderin Philander (1644) 19; das (mädchen) gehet jetzt schon zu der näderin (um das nähen zu lernen). Abele 1670; näderin Aler 1442a. Hederich 1674; doch das wäre nicht möglich, hätte sie nicht auch eine nähterin herangezogen .., die auch reinlich näht wie keine, stich für stich wie perlen, wie gestickt. Göthe 23, 43; zu meinem apparat liesz ich durch eine geschickte nätherin erst ein damenbret-muster ... mit den zartesten fäden sticken. 55, 57; arbeiten, bei denen die ... nähterinnen manche nadel zerbrachen. 18, 32.
 
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nähtermädchen, n.: bittet flehentlich um versorgung und brodt, da er sich mit einem näthermädchen versprochen hat. Rabener (1771) 3, 18.
 
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nahthaken, m.
1) haken der kürschner, womit zwei felle, die zusammengenäht werden sollen, an dem einen ende eingeklemmt werden. Zedler 23, 877. Frisch 2, 11b. vgl. nähhaken.
2) nautisch, haken mit einem stiel, womit die kalfaterer das alte werg aus den plankennahten reiszen. Bobrik 324a.
 
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nähtisch, m. wie nähpult: so werde ich auf ihren schreib-, näh- und theetischen .. manches merkzeichen finden. Göthe 21, 106.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,