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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nährhand bis nahrlos (Bd. 13, Sp. 307 bis 310)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nährhand, f. nährende, erwerbsame und sparsame hand: nehrhand und sparhand kauft fremd land. Schottel 1131b.
 
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nähriemen, m. schmaler und dünner riemen, womit die sattler nähen. Jacobsson 3, 127a.
 
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nährig, adj. und adv.
1) nährend, nahrhaft: der nährige boden, der nährige brodem. Auerbach neues leben (1852) 1, 204. 278.
2) auf nahrung und erwerb bedacht, haushälterisch, sparsam, dann im tadelnden sinne geizig, mnd. nerich Schiller-Lübben

[Bd. 13, Sp. 308]


3, 175b, nd. nêrig Schambach 144b. Schütze 3, 140, närig brem. wb. 3, 218, Danneil 143, nehrig Richey 173, nd. sprichwort: man mot nêrig sîn, et sind hâchbeinige tîen (man musz erwerbsam und haushälterisch sein, es sind schlimme zeiten). Schambach;

frau, lasz uns nicht so nährig geizen.
Voss ged. 6, 162;

schwäb. närig, gnärig, erwerbsam, sparsam, geizig, spärlich, armselig Schmid 402.
 
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nährigkeit, f. sparsamkeit, gewinnsucht, geiz, nd. neerigkeit Schütze 3, 140, närigkeit Danneil 143, nehrigkeit Richey 173; sprichwort: närigkeit bedrugt de wiesheit (von jenen, die aus gar zu groszer gewinnsucht nachtheil ziehen). brem. wb. 3, 218.
 
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nährkraft, f. gleich nahrungskraft: Bischoff und Voit sind geneigt, dem leim eine nährkraft zuzusprechen, die etwa des eiweiszes erreicht. Klencke hauslex. 2, 129.
 
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nährkur, f. stoffersetzungskur: bei allgemeinen schwächezuständen, hervorgegangen aus stoffverlusten .. ist durch eine methodische nährkur .. nachzuhelfen. Klencke hauslex. 2, 109.
 
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nährlich, adj. und adv.
1) gleich nährig 1: neerlich erzeucht, alumnus Dasypod. (1556) K 8a; nehrlich, nutricius, alibilis, altilis Stieler 1341; eine nährliche speise. Leibniz 2, 341. vgl. ehrennährlich th. 3, 63.
2) gleich nährig 2: mhd. daʒ alle strâʒen dôselbist groblîchen dernyder ligen und ein iegelich nerlich man sich ... nicht wol nutzlich mag generen. J. Wencker collect. 384 (v. j. 1378) s. Oberlin 1118 f.; nhd. man muszte nerlich (sparsam) sein, die grosze menge lehrte sparen. Luther tischr. 5, 42; ein närlicher man, homo parcus, frugalis, tenax Stieler 1320;

und gwint doch weder land noch feld,
darausz er nehrlich sich erhelt.
Fischart 3, 309, 32 K.


 
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nährlich, adj. und adv. nach Stieler, Frisch und Heyse ('wahrscheinlich von nah'), denen Bech in der Germania 5, 242 sich anschlieszt, ist nähr der md. comparativ nêr (näher), wie denn auch die westerw. und kurhess. nebenform nahlig, nellig gleich dem engl. nearly im ersten compositionstheile nah enthalten und dem ahd. nâhlîcho (beinahe) entsprechen; s. DWB nahlich. Weigand 2, 194 nimmt zusammensetzung an mit alts. naru, ags. nearu, engl. narrow (enge, schmal, einengend, bedrängend), so dasz unser nährlich dem engl. narrowly entsprechen würde; das md. volle nêhirlich (s. näherlich 1) hält er für eine 'zerdehnte' form von nerlich, welcher ansicht man schon deshalb nicht beistimmen kann, weil nur diphthongen und längen durch einschub von h zerdehnt werden (Weinh. mhd. gr. § 227) und dem nehirlich also ein nêrlich zu grunde liegen müszte. form und bedeutung lassen sich viel leichter mit nahe, näher vereinigen als mit jenem alts. naru, dem wir unter narbe begegnen werden. das wort ist mittel- und norddeutsch und fehlt den süddeutschen mundarten; O. v. Wolkenstein, der es zweimal anwendet, hat es wol auf seinen wanderungen in Norddeutschland kennen gelernt. von neueren süddeutschen dichtern wird es kaum gebraucht; Uhland hat es einmal im reime auf ehrlich wol statt des schwäb. nährig.
1) genau, eindringend, gründlich:

wenn ich mein kranck vernufft nêrlîchen sunder.
O. v. Wolkenstein 117, 1, 1;

sihe, wie genaw und nehrlich redet der engel gotte. Luther 4, 241b.
2) nahe berührend, verletzend, beleidigend, höhnisch: einem nährliche worte geben. Frisch 2, 6c; nährliche reden, des mots piquans. teutsch-franz. wb. 257a; do lieff das weip stormlichen obir iren man unde rette om nerlichen unde sprach. Rothe düring. chr. 340; zum eilften nennet er solche lere ungeweihete, altvettelische merlin, ist das nicht neerlich geredt? Luther 2, 111a; das ist ja nehrlich geredt, und unsern unglauben schendlich abgemalet, das ers nicht hönischer machen künd. 5, 423b; er redet so verechtlich und schmehlich davon, das er im nicht kündt nehrlicher reden. 5, 413a. vgl. DWB nahe reden sp. 284.
3) gering, wenig, notdürftig, spärlich, kümmerlich, knapp, kaum (vgl. DWB nah in der bedeutung 'beinahe, fast, unter dem werte, wolfeil, billig', woraus sich der begriff von gering u. s. w. leicht entwickeln konnte): nêhirlich, vilis Stolle (s. näherlich); habet se parce ac duriter, er neret oder helt sich nerlich und kümmerlich. Alberus aa 2b; maligne sumptus praebet, er gibt den kosten kerklich, nerlich, ungerne. BB 4a; närliches (kümmerliches) auskommen; närliche zeiten; närlich haushalten Stieler 1320 (er setzt näherlich an);

den leib mit armuot, frost und hitz
pett nærlich auf das strô.
O. v. Wolkenstein 111, 3, 14;

[Bd. 13, Sp. 309]


nu vant er gar einen armen krêmer mit eime nêrlichen (geringen, notdürftigen) krâme. Rothe düring. chr. 437; unde lieszen nymande in der stat, denn das sie nêrlichen bestalt worde. 324; die bischoufe unde die phaffen haben groszes gut, des sie nicht endorffen, die sulden nerlichen ir narunge haben, das ander sulde dem reiche unde den fursten. 482; so setzt man die graben für, das nerlich ein wenig (wasser) heraus gehet. Michelsen rechtsdenkm. aus Thüringen 131 (anfang des 16. jh); wie so manche arme witwin und weiszlein sich hie so nerlich und schwerlich nehren. Mathesius 146b; die geistlosen sollen iren elteren .. nerlichen die rinden vom brot z essen und wasser zu trinken geben. Schade sat. 2, 269, 6;

den reichen helt man für ein herrn,
irtzt in und hat in werth in ehrn,
aber den armen, der gleich alt,
dutzet man und in nerlich (niedrig, gering) halt.
Eyering 2, 719;

ein könig hat macht über seine feinde, wenn sein heer vergnügt und gesättigt ist .., weszhalben es denn unbillig sein würde, wenn es ihm stets übel und nährlich gehen solte. persian. baumg. 1, 33; was soll ich um des himmels willen mit dem vielen gelde anfangen? spärlich und nährlich! mehr kann mein kleiner herd und meine kochkunst nicht bestreiten. Thümmel 2, 247;

für durst zu trinken und zu speisen nährlich (: ehrlich),
wo man vordem zahllosen gästen kochte.
Uhland (1879) 2, 272;

obgleich von fern
der grosze Lama blitzt und nährlich die Pygmäen
des dorfes wider sie mit macht zu felde ziehen.
Kl. Schmidt kom. dicht. 259;

am häufigsten mit der bedeutung 'zur noth, knapp, kaum': er ist närlich (vix) erwarmet; es langt närlich hin. Stieler 1320; als wollten sie des sacks immer funf zipfel haben und uns neerlich einen faden davon lassen. Luther br. 5, 193a; ein kind, welches nehrlich hat gehen und reden künnen. tischr. 197a; dasz sie nehrlich athem holen kondte. 229a; darvon sie nehrlich das treuge brot haben möchten zu essen. 297a; das wir nerlich den acker behalten kunten. H. Staden d i; das wir uns nerlich lenger enthalten konten. d ii;

so müsz wir nerlich darvon zern.
H. Sachs 1, 139, 13 K.;

darnach nam es (die nahrung) stets ab,
das ich nehrlich die bauchfüll hab. 12, 128, 29;

und kamen nerlich für den sal.
Rollenhagen froschm. I, 1, 3, 84. II, 6, 5, 110;

(trabanten) die man kan nerlich sehn. Schade sat. 1, 128, 72;

das er im garn nicht werd gefangen,
ausz dem er vor nehrlich entran.
Eyering 1, 46;

(die) in krieg ziehen umb gute beut,
bringen offt nerlich gantze heut. 1, 68;

und dieses war von uns gar nährlich noch geschehen,
so sahen wir zur höhl heran den hirten gehen.
D. v. d. Werder Ariost 17, 47, 5;

er traff gar nährlich (gar wenig, knapp) ihn auff seines schildes randt,
jedennoch warf er ihn gestreckt hin in den sandt. 18, 107, 7;

ich kann mich nährlich decken
mit dem geflickten rock.
Fleming 102 L.;

der puls schlägt nährlich an. 20;

es hatte nehrlich der rohtlichte planet der sonnen ... die goldfarbene locken seiner schönen haar auszgebreitet .. und hatten kaum die kleinen vögelein u. s. w. Harnisch aus Fleckenland 26; zu einer gräffin möcht sie sich noch etwa schicken, und doch nehrlich. 86; nehrlich hatte ers hinunter getrunken, da fieng er an .. zu brechen. 183;

wenn durch die stille lufft die fluht sich nährlich reget.
Rachel 1, 190;

der zettel ist nährlich beim kramer bezahlet,
der schneider begehret das seinige noch.
Chr. Weise reife ged. 441;

er kan nährlich die lenden noch schleppen. Paullini flagellum salutis (1698) 123;

und hatt es vernommen, und hatt es gesehn,
was nährlich drei schritte weit von ihm geschehn.
Bürger (1778) 214;

(diese füllen) streiften nährlich die obersten ähren und knickten den halm nicht,
oder, wann sie frohlockten auf breitem rücken des meeres,
streiften sie nährlich die obersten wogen der grauen gewässer. Il. 20, 226

(über die spitzen des halms hin flogen sie, ohn ihn zu knicken ..
oben einher auf der fläche der wallungen liefen sie schwebend.
Voss);

[Bd. 13, Sp. 310]


henneb. närlich, knapp, ungenügend, zu spärlich, kaum Spiesz 170. Reinwald 1, 107; närlich und spärlich, kümmerlich und knapp Frommann mundarten 3, 142; westerw. nahrlich und nahlig, kaum, knapp Schmidt 120; kurhess. nährlich und nellig, dürftig, sparsam, kaum Vilmar 280. vgl. nauerlich.
 
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nährlichkeit, f. parsimonia, frugalitas; paucitas, exiguitas, penuria Stieler 1320.
 
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nährling, m.
1) einer der ernährt, für nahrung sorgt: und lasse neerlinge und wehrlinge sein wer lust dazu hat. Luther 3, 327b und darnach bei Philander 2, 106.
2) einer den man nährt und aufzieht, alumnus Heynatz deutsche sprachlehre (1770) und darnach bei Campe: so wollen wir dich sammt deinen zehrlingen dafür machen zu unsern nährlingen. Rückert mak. 1, 107.
 
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nahrlos, adj. und adv. ohne nahr, zum leben unergiebig oder erwerblos Ludwig teutsch-engl. lex. (1716) 1307 (vgl.nahrungslos): wenn dieser über die nahrlosen zeiten .. klagt. Rabener (1771) 2, 123; heut zu tage ist es still und nahrlos. Brentano die lust. musikanten 35;

durch .. städtisches gewerbe
vermehrt sich sein ertrag, ob nahrlos auch ersterbe
die hartbeschatzte stadt.
Voss ged. 6, 181.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,