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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nähren bis nährhand (Bd. 13, Sp. 303 bis 307)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nähren, verb. factitiv zu (ge)nesen. goth. nasjan, ags. nerjan, nerigan, nergan, alts. nerjan, nerëan, nerjen, mnd. und nd. neren, altfries. nera, ahd. nerjan, nerjen, nerren, neren, mhd. nerigen, nergen, nerren, neren, nern (Lexer 2, 56), nhd. neren voc. 1482, Aler, neeren Dasyp., Maaler, Luther (neren und nieren Aventin., vgl. Weinh. mhd. gr. § 115), nehren Stieler, Hederich, Frisch, nähren Steinbach. vgl. DWB ernähren th. 3, 919.
I. transitiv, genesen machen.
1) am leben erhalten, gesund machen, heilen, retten; heute nicht mehr gebräuchlich.
a) mit persönlichem objecte: goth. frauja, nasei unsis (κύριε, σῶσον ἡμᾶς) Matth. 8, 25; saivala nasjan (ψυχὴν σῶσαι) Marc. 3, 4; ahd.

er sîna hant thô thenita, then sînan kneht thâr nerita.
Otfrid 3, 8, 43;

mhd. sô in got muose nerigen. Milstäter genesis 41, 22;

er wolde in gerne nergen unde dem tode erwergen. 76, 3;

daʒ mich arzâte mohten neren.
Veldeke En. 296, 34;

sie nerten alle siechen. Barlaam 77, 12;

daʒ si (ärzte) die helde nerten nâch des strîtes nôt. Nibel. 254, 3;

vriunt, nert mir den bruoder. 1912, 4;

nhd. gott behüt dich vor schand und unehren,
halt dich gesund und tu dich neren.
Thurneisser archidoxa (1575) 60;

den kranken nehren. Würtz practica der wundartznei (1612) 189; nähren an, heilen von: das ich bedachten .. ain jahr und siben wochen lang bei mir .. gehalten und an den franzosen genert hab. Schmid schwäb. wb. 401 (v. j. 1504).
b) krankheiten, wunden u. dgl. heilen: ein geschwär und eissen neeren, das ist hailen. Maaler 303d; aber wenn der sibent grat (halswirbel) von dem achten verrenkt wirt, so ist nit lang zebeiten, und ob die verrenkung vast einwärts gat, so ertöt es gar bald den menschen und wirt selten genert. Braunschweig chirurg. (1498) 113b. (1539) 104;

kein solchen doctor hab ich nie gehört,
der sämlich presten hab geneert. kurtzweilig spil, wie man die narren von einem beschweeren soll (1554) A 4a;

diese nachfolgende krankheiten werden etwann zu zeitten genehrt, etwann nicht. Paracelsus 1, 1120c.
2) transitiv oder absolut, durch speise und trank am leben erhalten und körperlich gedeihen machen, nahrung geben, ernähren, unterhalt gewähren, unterhalten.
a) von menschen: ahd.

oba thaʒ (opferlamm) thie liuti neritaioh hungeres biuuerita.
Otfrid 2, 7, 13;

mhd. daʒ eigen gæben si im ze gelde,
ob er si nerte. Milstäter genesis 104, 4;

ich lob den bûman,
der alle werlt nern kan.
Teichner 278 Karajan;

nhd. absolut: das vest neert oder wol speiszt, alibilis. Maaler 303d; nährende (unterhalt gewährende) heerden. Klinger 4, 156; man findet jetzo ein verlangen .. nach einer wissenschaft, die friedlich, nützlich und nährend sei. Göthe 54, 14; es nehrt und ehrt nicht. Lehmann 834, 3; nd. se närt sülfst, sie säugt ihr kind selbst, hat keine amme. Danneil 143. transitiv: denn niemand hat jemal sein eigen fleisch gehasset, sondern er neeret es und pfleget sein. Ephes. 5, 29; wer das gesetz bewart, ist ein verstendig kind, wer aber schlemmer neeret, schendet seinen vater. spr. Sal. 28, 7; die müssen nachmals ihren herren mssig (nutzlos) neren und reich machen. S. Frank weltb. 102a; ein vatter neret ehe zehen kinder, dann zehen kinder einen vatter. sprichw. (1541) 1, 78a; besser genährt als gelehrt; erst genährt dann gelehrt; so lange man nährt, ist man geehrt. Wander 3, 868; die mich nähren, thu ich verzehren (auf undankbare kinder angewandt). ebenda.;

Galenus uns reichlich nert.
Waldis Es. 2, 21, 49;

ein landguth ist zu schlecht zu nehren solchen mann.
Rachel 4, 135;

den seiner ahnen kleiner herd
bei frohem muht vergnüglich nähret.
Drollinger 173;

[Bd. 13, Sp. 304]


kunst nehret den man. Stieler 1340; ich habe ein amt, das seinen guten haushälter nähren kann. Schiller 3, 363 (kabale u. liebe 1, 2);

dort legt ein fischer den nachen an!
dieses elende fahrzeug ...
spärlich nährt es den dürftigen mann. 12, 488 (M. Stuart 3, 1);

nun bist du auf der gasse, ohne einen pfennig, und weiszt nicht wohin, du warst genährt, mund, was begehrst du? Göthe 36, 25;

so weit die erde heldensöhne nährt. 9, 93 (Iphig. 5, 6);

den nennst du reich, der fremde kinder nährt? 10, 5;

mit einer nähern bestimmung: er .. neeret in mit den früchten des feldes (var. etzet ihn mit dem einkomen des ackers). 5 Mos. 32, 13;

soll ich dich nun mit meinem weben
in deinem blinden alter nern.
H. Sachs 139, 12 K.;

welcher .. uns nicht nur durch sein fleisch nur nährt.
Brockes 9, 296;

an diesen brüsten nährt ich beide (söhne)
gleich.
Schiller 14, 16 (braut von Mess. 1, 1);

als eine hütte
die liebenden umschlosz, die willige natur
aus ihrem überflusz sie nährte.
Gotter 1, 177;

gut, wol, mehr, besser genährt (beleibt): wohl genährt aber schlecht gelehrt. Wander sprichw. 3, 868; eine menge gelehrter und nicht allzu wohl genährter müssiggänger. Wieland 2, 318;

die bauermädgen aber sind
in ruhe mehr genährt,
und darum wünschen sie geschwind
was jede mutter wehrt. d. j.
Göthe 1, 102;

bildlich:

über wolken
nährten seine (des felsquells) jugend
gute geister.
Göthe 2, 55.


b) von thieren, füttern, mästen, züchten, für sich halten: ahd.

in krippha man nan legita, thâr man thaʒ fihu nerita (fütterte).
Otfrid 1, 11, 57;

nhd. ewer himlischer vater neeret sie (die vögel) doch. Matth. 6, 26; er neeret es (schäflein) das es gros ward. 2 Sam. 12, 3; man habe diese thiere hier aufbewahrt und genährt. Göthe 24, 15; ehemals nährten die ersten römischen häuser dergleichen pferde in ihren marställen. 29, 235;

Apoll hält solchen stand für schwach,
nährt sich vier stolze schimmel.
Bürger 28a;

feisztgenährt, wolgenährt:

der ihm den .. schild aus sieben häuten gebildet
feistgenähreter stier'.
Voss Il. 7, 223;

dieweil hinsandte der sauhirt
jeglichen tag den besten der feistgenähreten eber. Odyss. 14, 19

(die beszten .. gemästeten eber. 1781);

der glatten pferde wohlgenährte zucht
ist von den bergen glücklich heimgebracht.
Schiller 14, 282 (Tell 1, 2);

uneigentlich: eine schlang im busen nehren (wie hegen). Frisch 2, 13c.
c) auch von körpertheilen, denen eine nahrung (blut, saft) zugeführt wird: wie die pflanze darauf arbeitet, das kunstwerk der blume, als des geschöpfs krone, hervorzutreiben: so arbeitet der ganze gliederbau in den lebendigen geschöpfen, um das haupt, als seine krone, zu nähren. Herder ideen 1, 183.
d) von nahrung, pflege und unterhalt der pflanzen, des lichtes, feuers: die nährenden säfte des bodens. Gellert (1867) 7, 22;

(saft) der allein die pflanzen nährt.
Brockes 9, 120;

hab freude, meine blumen zu nähren,
die vögel von meinen früchten zu wehren.
Göthe 2, 213;

dasz die feurige natur
nicht verbrenne, nicht vergehe,
nährt der kräftige Mercur
die sonst nahrung-losen flammen.
Brockes 2, 245;

schon diese ganze nacht
seh ich der lampe licht von dir genährt,
den brief, den du in händen hast, zu schreiben.
Schiller 6, 153 (Iphig. in Aulis 1, 1);

hier nährten früh und spat den brand
die knechte mit geschäftger hand. 11, 250;

bildlich:

an des hörers gefühl nährte der sänger die glut,
nährt' und reinigte sie. 11, 94.


e) eine krankheit, eine wunde nähren (ursprünglich sie heilen, s. DWB I, 1, b), in ungeheiltem zustande erhalten; äuszerlich oder innerlich: wie es ein böser arzt ist, der die krankheit nährt,

[Bd. 13, Sp. 305]


damit er dem elenden bis ins grab hin unentbehrlich werde. Herder ideen 2, 250;

o so lasz es denn gewähren,
da genesung nicht gelingt!
lasz uns lieber krankheit nähren,
eh uns gar das grab verschlingt!
Bürger 2, 14 (45a);

(die) die wunde nährten, die sie heilen sollten.
Schiller 14, 34 (braut von Mess. 1, 5);

einsam nähr ich meine wunde,
und mit stets erneuter klage
traur' ich ums verlorne glück.
Göthe 1, 63.


f) von geistiger nahrung und pflege (vgl. geist II, 19, b, α; th. 4, 12, 2679): was der künstler dem menschen entgegenbringt, soll alles .. für den geist nährend, bildend und erhebend sein. Göthe 36, 223; ein vertrauter umgang mit der natur hat seinen geist genährt. Schiller 10, 256; so preiset man das deutsche publikum glücklich, das doch solche werke (bücher) nähren, an denen wie an truthühnern das weisze das beste ist. J. Paul Hesp. 3, 4;

die herren üben sich ..
.. vermuthlich nach der lehre,
dasz leibesübung auch des geistes stärke nähre.
Wieland 9, 47;

seine (des gezähmten thieres) seele wird mit vor-ideen genährt, die es zwar nicht fassen kann, die es aber auf glauben annimmt, und sich gleichsam blind zu ihnen gewöhnet. Herder ideen 1, 189.
g) von abstracten, im innern aufkommen lassen, aufwachsen machen, fördern, hegen und pflegen, bewahren:

o seelig ist der mann! der hier bedachtsam fährt,
und mit bescheidenheit die stille liebe nährt.
Rachel (1742) 7, 535;

wer keinen edlern stolz in seinem herzen nährt.
Gökingk 2, 97;

der sonst nicht leicht verdrusz
im herzen lange nährt. 2, 220;

wer keine tücke nährt, hat nicht das licht zu scheuen.
Gotter 2, 51;

wunsch, ihn zu sehn — vergebens nähr ich dich. 2, 83;

den süszen traum, den mein leichtgläubiges herz im stillen nährte. 3, 55; nähre nicht länger diesz ungestühm in deiner seele. Geszner 1, 20; kummer, den du in deines vaters busen nehrest. 19;

gegengunst erhöhet gunst,
gegenliebe nähret liebe.
Bürger 1, 127 (27a);

o soll ich nicht die stille hoffnung retten,
die in der einsamkeit ich still genährt.
Göthe 9, 76;

ich .. nährte die stille hoffnung, sie bald wieder zu sehen. 25, 351; weg sind meine hoffnungen auf den schönen morgen, weg die goldnen träume, die ich zu nähren wagte. 15, 10 (die aufgeregten 1, 3); dein innerstes bedürfnisz erzeugt und nährt den wunsch, die anlagen, die in dir .. ruhen mögen .. auszubilden ... der mensch scheint mit nichts vertrauter zu sein, als mit seinen hoffnungen und wünschen, die er lange im herzen .. nährt und bewahrt. 19, 127; weszhalb ich im stillen wohl einige zweifel gegen die ächtheit .. nähren durfte. 31, 234; sie (die königin) nährt diese angenehmen erinnerungen gern. Schiller 3, 181;

ja ich gestehs, dasz ich die hoffnung nährte,
zwei edle nationen unterm schatten
des ölbaums frei und fröhlich zu vereinen. 12, 434 (M. Stuart 1, 7);

nähre gegen niemand hasz in dir; denn der tod wird jeden dahinraffen. Schlosser weltg. 7, 191; er nährte den wunsch, wichtigere enthüllungen von ihr zu erhalten. Freytag ahnen 5, 162.
Die leidenschaft, liebe u. s. w. eines andern nähren, ihr förderlich sein, sie unterhalten: einigkeit nehret freundschaft. Stieler 1340;

Domingo. der könig
liebt die prinzessin Eboli. ich nähre
die leidenschaft, die meinen wünschen wuchert.
Schiller 5, 2, 253 (don Carlos 2, 10).


3) reflexiv.
a) sich retten: mhd.

der sich .. niht neren kan.
Hartmann büchlein 2, 52;

nhd. ein sollich wüschen und auch keren
was auch daselbst, daz ich mich nehren
mszt gar in einen kleinen spalt,
sonst hettens mich gefangen baldt.
Fischart 2, 391, 122 K.


b) durch speise (futter) und trank das leben sich erhalten, seinen unterhalt verdienen, leben, eigentlich und übertragen auf abstracte (vgl. 2, g): er nehrt sich wol; es nehret sich mancher wunderlich. Stieler 1340; der nährt sich gut. Steinbach

[Bd. 13, Sp. 306]


2, 109; bleibe im lande und neere dich redlich. ps. 37, 3; mit kummer soltu dich neeren dein leben lang. 1 Mos. 3, 17; übertragen: (ein dichtungsplan) iszt, trinkt, träumt, lebt, nährt sich in uns. F. Müller Faust 7, 21 neudruck;

gar sparsam sie (bienen) sich nähren,
gar leben sie genau.
Spee trutzn. 100 B.;

die sich, um uns zu nähren, nähren, zufriedne ungezählte herden.
Brockes 9, 331;

mit näherer bestimmung des womit und wovon:
α) sich nähren an: eine neigung .. stirbt nicht auf einmal ab; ja sie nährt sich an der betrachtung rechtmäsziger wünsche und redlicher hoffnungen, die man hegt. Göthe 48, 180.
β) sich nähren aus: dise statt neret sich ausz der fruchtbaren Arabia. Frank weltb. 185a; aus wie vielen elementen soll ein ächtes lied sich nähren. Göthe 5, 12.
γ) sich nähren mit: mhd.

er phlanzot sînen garten mit maneger chroute arte,
dâ mite er sich nerte. Milstäter genesis 23, 15;

schirmer, geiger, gaukelære
siht man werden vil schuolære,
die guotes vil ze schuol verzerent
und sich mit loterfuore nerent. Renner 16481;

nhd. nerst du dich mit der kremerei? fastn. sp. 478, 21;

wer sich mit seiner erbeit neeret. Sir. 40, 18; sich mit spinnen und nähen nähren. Steinbach 2, 109. Frisch 2, 13c; muest sich mit rauben neren. Aventin. 4, 182, 27. 203, 22 (var. nyeren); si nerten sich mit ir arbait. 304, 13; bösz bueben, die sich mit den hendlen nörten. Baumann quellen 1, 13;

ein pöfl, das sich mit arbeit nehrt.
H. Sachs 3, 220, 13 K.;

wer sich nährt mit weiber borgen, ob er gleich die zins abführt,
musz er dennoch sein zufrieden, ob man ihn gleich nicht quitiert.
Logau 3, 7, 45;

wenn flammen sich mit flammen nähren.
Haller ged. 317 Hirzel;

doch was nährst du dich
mit einem süsz beredten wahne?
Gotter 1, 387;

kein tag verstrich, der nicht mein kleines wissen mehrte,
mit dem der junge geist sich stopfte mehr als nährte.
Lessing 1, 192;

ich (wolf) könnte kein lebendiges schaf würgen und fressen .. ich nähre mich blos mit todten schafen. 1, 162.
δ) sich nähren von (ab): er pehelt sein kriegsvolk .. legts gegen den feinden an die grenizen oder oft gar in der feind land, damit si sich ab in neren. Aventin. 1, 248, 6; gehe hin, verkeuffe das öle, und bezale deinen schuldherrn, du aber und deine söne neeret euch von dem übrigen. 2 kön. 4, 7; die das euangelium verkünden, sollen sich vom euangelio neeren. 1 Cor. 9, 14; sich von raub nehren. Frisch 2, 13c; das bier, wovon sie sich nehren müste, verdürbe so oft. Chr. Weise erzn. 140 neudruck; wovon sich einer nehren will, das musz er lernen. Wander sprichw. 3, 868;

der purpur ist für den, der sich vom blut musz nähren.
Rachel 4, 286;

lämmlein ist so fromm und sanft,
nährt sich von des grases blüthen.
Schiller 11, 402;

und der hohe ätherstrahl genie
nährt sich nur vom lebenslampenschimmer. 1, 298;

nunmehr mag uns ein beispiel lehren,
wie alle laster sich von einem laster nähren.
Gellert fabeln 2, 33;

die wissenschaft, die sich von leichen nährt.
Lenau 2, 7.


ε) im 15. bis 17. jahrh. auch mit dem genitiv der sache: und die von Nurmberg nerten sich des weins (tranken den wein) von Ostereich. städtechron. 10, 152, 2 (v. j. 1436); du wirst dich neeren deiner hende erbeit. ps. 128, 2 (darnach auch bei Schuppius 34. Frisch 2, 13c); deines schwerts wirstu dich neeren, und deinem bruder dienen. 1 Mos. 27, 40; du solt auch ein regiment haben und dich des schwerts neeren. Luther 4, 151a; dasz sie .. der milch sich nähren. briefe 2, 454; seind etlich, die neeren sich des. S. Frank weltb. 152a;

die sich ir trüwen arbait tuond neren. teufels netz 11652;

wann du des sattels nerest dich.
Murner narrenb. 24, 1;

der harm (harn) sei gleich wie er sei,
so när ich mich der ärtznei.
Schwarzenberg 137, 1;

ist disz nicht wunderlich zu hören,
dasz die welt, und die sich ir nehren,
ruffen und klagen von der welt,
wie sie gar sei verkehrt, verstelt.
Fischart 2, 331, 5 K.;

wessen er (der zeuge) sich nehre. Ayrer proc. 1, 13; der ander nehrete sich seiner hand-arbeit. persian. rosenth. 1, 38;

[Bd. 13, Sp. 307]


ich köndte ja wohl auch ..
... nach wunsche
stehn geehrt, mich meines wesens
nehren.
Fleming 201;

herumb ziehn und sich bettlens nehren.
Opitz psalmen 212;

in nachahmung der alterthümlichen redeweise manchmal auch von späteren gebraucht: der ritter nährte sich seines anmaszlichen berufs. Musäus (1826) 4, 94.
 
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nähren, n. nutritus Steinbach 2, 109:

wenn denn jeder sein amt verwalt:
der könig schutz, das recht der alt,
der gemeine man erbeit und neren (nahrungserwerb).
Rollenhagen froschm. II, 5, 5, 171.


 
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nährer, m.
1) alumnus, nutritor Dief. gl. 27a. 386a; neerer, der erneert oder erzeucht, altor, nutritor. Maaler 303d;

schnell den Ida erreicht' er, den quelligen nährer des wildes.
Voss Il. 8, 47;

mhd. wan er (Joseph) des himels künig was
nerer unde phleger.
Walther v. Rheinau 59, 30.


2) von dem grind oder nährer, so gemeiniglich an den kopf und in das angesicht der kleinen kinder kommt. Mauriceau deutsch 577.
 
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nährerin, f. nutrix Dief. gl. 386b; neererin, educatrix, nutrix. Maaler 303d;

die erd wer (wäre) ein neererin ring
und mutter aller wachsenden ding.
H. Sachs 7, 399, 32;

du bist der reichen nährerin.
Weckherlin 763;

ihr seelen voll von schuld, ihr nährerin der sünden.
Opitz (1645) 2, 51;

er kann alle nächte die nährerin seiner begierden, seine geliebte, in den arm schlieszen. persian. rosenth. 7, 20;

auch meine nährerin (vaterstadt) soll einsten öde liegen.
Drollinger 181;

als ihr von dem genie die sittlichkeit sondertet, trenntet ..
jene nährerin des heiligen feuers.
Klopstock 7, 328;

du meiner kindheit väterliche flur
... ich umfasse dich ...
auch meine mutter, meine nährerin
und einst mein grab.
Herder 16, 89.


 
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nährfähigkeit, f. fähigkeit zu nähren, nährwert: noch bis zum jahre 1831 glaubte die französische akademie an die nährfähigkeit des leims. Klencke hauslex. 2, 129.
 
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nährgefäsz, n. nahrung enthaltendes, nährendes gefäsz:

viel äderlein (in der pflanzenrinde),
so die nährgefäsze sein.
Brockes 9, 101.


 
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nahrhaft, adj.
1) nahrung (nahr) enthaltend und gebend, nährend. gramm. 2, 563: eine nahrhafte kost, speise u. dgl. Stieler 1341; alle milch ist nahrhafft. Frisch 2, 14a; kaufmännisch: ein nahrhaftes (einträgliches, den mann nährendes) geschäft; ein nahrhafter ort, locus altilis Stieler; nahrhafte stadt, civitas quaestuosa Aler 1448b; es soll ein ganz nahrhafter (erwerbsamer, wohlhabender) ort sein. Thümmel 2, 331; auf mannigfaltig gebogenen hügeln sind schöne nahrhafte matten. Göthe 16, 276; eine weite nahrhafte gegend. 16, 150 H.; übertragen:

geniesze den köstlichen frieden,
der, dem gemüt nahrhaft, schöne gedanken erzieht.
Platen (1847) 2, 318.


2) nahrung suchend, auf erwerb ausgehend: nahrhafte leute, homines industrii, laboriosi Stieler 1341; nahrhaft, qui victum assiduo labore quaerit Aler 1448a. Frisch 2, 14a.
 
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nährhaft, adj.: neerhaft, daʒ da neeret, almus Dasypod. (1556) K 8a; nehrhaft (neben nahrhaft) Stieler 1341.
 
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nahrhaftig, adj.
1) gleich nahrhaft 1: in der nahrhaftigen stadt Itzehöe. Schuppius 185; nd. nerachtich, questuosus Dief. gl. 479a.
2) gleich nahrhaft 2: narhaftigen lûden zu verbieden, gein Hirzenhâne zu gêne (zu wallfahrten). Frankfurter bürgermeisterb. v. j. 1429 bei Lexer 2, 35; befiehl nicht, dasz ein nahrhaftiger mann (vor- und nachher armer mann, bettler) geplagt werde. persian. baumg. 2, 9. vgl. nährig, nährlich.
 
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nahrhaftigkeit, f. almities, narhaftigkeit Alberus aa 2b; erwerbsamkeit Frisch 2, 14a.
 
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nährhand, f. nährende, erwerbsame und sparsame hand: nehrhand und sparhand kauft fremd land. Schottel 1131b.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,