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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nahegesinnt bis nahend (Bd. 13, Sp. 289 bis 294)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nahegesinnt, partic. gesinnungsverwandt: dasz die nahegesinnten, die unter sich nicht einig sind, dann sogleich zusammentreten, wenn es gegen einen dritten entfernter gesinnten losgeht. Göthe an Eichstädt s. 48.
 
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naheit, s. nahheit.
 
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nahen, adj. gleich nah: ein yeder nehner erb oder freund. tirol. landesordnung vom j. 1520 bei Schöpf 456; eim ietlichen ist das hemmat nehener (var. neher) dan der rock. Aventin. 4, 8, 19.
 
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nahen, adv. gleich nahe. ahd. nâhana, nâhun, mhd. nâhene, nâhen in allen bedeutungen von nâhe, s. mhd. wb. 2, 284b. 294a. Lexer 2, 19a. nur vereinzelt noch im ältern nhd. und in oberd. mundarten (s. Schm. 1, 1735 Fromm. Lexer kärnt. wb. 195).
1) positiv.
a) nachen oder bei, prope, propinque. voc. 1482 x 1a; auch sehen wir gern, daʒ so nahen bei uns unser geschont wurd. städtechron. 1, 441, 3 (v. j. 1420); nahen (genau) gründen, explorare Maaler 302a.
b) beinahe: sind ir namen nahen all mit schand und laster beflecket. Schade sat. 3, 20, 10; so besitzen iez ire stathalter und nachfarer nahen alle land. 3, 20, 20.
2) comparativ, mhd. næhener, næhner.
a) näher, örtlich und zeitlich: etwas nähener. Katziporus 38b; je nehner am tage, je reicher ist das silber am gold. Mathesius 5, 55b;

ir wert der sachen vil nehener komen.
Liliencron volksl. 190, 188;

nehner mals, nuper Schertlin 61. 63.
b) billiger: man gab sie (osterwein) auf 4 dn., auch nähner. städtechron. 5, 242, 4; nachner dann umb zwai pfunt. Schm. 1, 1735 Fromm. (v. j. 1453).
3) in Leipzig nahne, auch nahnst, nahnste, nachher, hernach. Albrecht 127b.
 
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nahen, nahn, verb. gegensatz zu fernen, entfernen, ahd. nâhên, mhd. nâhen, nân, md. nâhen, nâchen, mnd. nâken; ursprünglich nur mit intransitiver (nah sein oder werden), dann mit reflexiver und nhd. auch mit transitiver bedeutung. vgl. DWB nähen 1.
I. intransitiv oder reflexiv, sich gegen ein ziel so bewegen, dasz die entfernung von diesem abnimmt, nahe kommen, sich nähern, örtlich und zeitlich, von personen, sachen oder abstracten.
1) intransitiv.
a) ohne ausdrückliche angabe des zieles: mhd. md.

nu nâht der kristen ungeval.
Wolfram Willeh. 45, 23;

da sî begunden nâhen
in jêmerlîchem schalle. Elisabeth 5960;

die mernêre sâchen
ein ander schif dort nâchen. passional 14, 2 K.;

nhd. die zeit, der winter nahet; wie der tag nahet, wie es anfieng zu tagen. Maaler 302b; da kam die zeit herbei und

[Bd. 13, Sp. 290]


nahete die stunde .., zu welcher die asturische magd ankommen solte. Harnisch aus Fleckenland 169; sie naheten und kamen erzu. Jes. 41, 5 (s. DWB herzu th. 4, 2, 1263);

o seht, wie über grüne hügel
der tag, bekränzt mit rosen, naht.
Uz 1, 55;

ich seh die mutter nahn.
Gotter 2, 14;

ich eile vor dem könig und dem heer,
zu melden, dasz er kommt und dasz es naht.
Göthe 9, 5 (Iphigenie 1, 2);

gleich einem fürsten pflegt das glück zu nahn. 9, 70 (Iphigenie 4, 4);

das verhängte musz geschehen,
das gefürchtete musz nahn.
Schiller 11, 370;

vater! vater! dein sohn naht. 2, 129 (räuber, schausp. 4, 1);

die (vorhut der gemsen) spizt das ohr und warnet
mit heller pfeife, wenn der jäger naht. 14, 274 (Tell 1, 1);

ich nahte, wankte, mein nicht mehr bewuszt.
Immermann 1, 87;

er, nachwankend,
nahte, wo Thetis sasz.
Voss Il. 18, 422.

nahend, partic.:

lieb ja ist, wie ein bruder, ein gast und nahender fremdling. Od. 8, 546;

morgen zeig' uns der held die tapferkeit, ob er vor meiner
nahenden lanze besteht. Il. 8, 536.


b) mit dem dativ des zieles: mhd.

ir unheil nâhet ir (Eva) dô. Milstäter genesis 14, 3;

dô nâhte in ir reise ze den Burgonden dan. Nibel. 68, 1;

der tac het nu ein ende und nâhet in diu naht. 1756, 1;

dar nâch begunder nâhen
einem ölboum. Parzival 513, 20;

nhd. der tod nahet im, mors illi appropinquat. Maaler 302a; der feind nahet der stat, hostis urbi imminet. Stieler 1317; mîn leben hat genahet der helle. vierte bibelübers. ps. 88, 4 (mein leben ist nahe bei der helle. Luther); da er sahe, dasz im der todt begunde nahen. buch d. liebe 284, 2; so nahte meine seele dem menschgewordenen und am kreuze gestorbenen, und in dem augenblicke wuszte ich, was glauben war. Göthe 19, 322;

diesz ist der heilige weg, mit welchem Gabriel fortging
und von fern dem himmel der göttlichen herrlichkeit nahte.
Klopstock Mess. 1, 244;

er nun nahte dem thron und setzte sich.
Voss Il. 1, 536;

wenn nicht einmal noch und zuletzt ihm Phöbos Apollon
nahete. 22, 201;

in der dunkeln mitternacht ..
wer nahet mir?
Herder Cid 14;

und geflügelt diesen mauern
seh ich das verderben nahn.
Schiller 11, 369;

mit dämonen sich zu messen,
denen nie begierden nahn. 11, 35;


α) mit einem in nahe verbindung kommen, mit ihm verkehren: für unser einen, der den groszen der erde naht. Klinger 11, 287; ohne ihnen je genaht zu sein. 11, 309.
β) an grösze nahe kommen:

wen erschreket nicht die länge,
die der grosze wallfisch hat,
und der finnfisch, der ihm naht.
Brockes 1, 308.


c) mit der präposition zu: und Laban nahet zu Jacob. 1 Mos. 31, 25; die priester die zum herren nahen. 2 Mos. 19, 22; ir solt nicht zu ir (bundeslade) nahen. Jos. 3, 4; da nahet Jhesus zu inen. Luc. 24, 15; das seine seele nahet zum verderben und sein leben zu den todten. Hiob 33, 22; weil die welt zu ihrem ende naht. Luther 5, 534b; die sache nahet zum ende, res ad exitum proclivis est. Stieler 1317; mögen sie nicht wol umb sich sehen, wer zu ihnen naht. Kirchhof milit. disc. 256; wie Cnemon zu dem Nilo nahet. buch d. liebe 188, 4; als die schiffleut sahen die keiserin zu dem schiff nahen. 6, 2; als er zu dem thron des königes nahete. persianischer baumg. 1, 6.
heran, herzu nahen, s. DWB heran th. 4, 2, 1019, herzu th. 4, 2, 1263.
2) unpersönlich (vgl. 3, c, β): mhd.

eʒ nâhet, er wil hinnen varn. minnes. frühling 95, 5;

nhd. und es löscht das licht der sterne
und es naht gewitterschwer.
Schiller 11, 343.


3) reflexiv.
a) wie bei 1, a: md.

nu sich diu zît ist nâhen. passional 99, 71;

nhd. und hebt ewer heubter auff, darumb, das sich ewer erlösung nahet. Luc. 21, 28; da sich nu die zeit nahet. buch d. liebe 32, 3;

[Bd. 13, Sp. 291]


es (gespenst) naht sich rasselnd.
Gotter 1, 155;

es naht sich die ferne,
schon seh ich das land.
Göthe 1, 73;

ihr naht euch wieder, schwankende gestalten. 12, 5;

ich nahte mich dann und machte der mutter ein zeichen des beifalls. 36, 46;

doch nachts ..
nahn sich des orts jungfraun.
Platen (1847) 2, 306.


b) mit dativ:

jetzt naht es (gespenst) sich der mutter lager.
Gotter 1, 155;

weil sie (narren) lauter schrein
und kecker sich ihm (pförtner) nahn. 1, 169;

wer sich der stätte naht, wo unser vater ruht. 1, 274;

ich nahe mich vielleicht dem ziele meiner tage. 2, 15;

dürfte ich mich ihm (dem fürsten) mit meiner entzückung nahen. Schiller 1, 24;

und da ich mich nahe des baches steg. 11, 384;

wenn dem heiligen die schuld sich naht. 11, 58.


α) in bezug auf innige vertrautheit, offenheit und vertrauen:

der wunderbare mann ..
er scheint sich uns zu nahn, und bleibt uns fern.
Göthe 9, 108 (Tasso 1, 1);

prinzessin. auch dieser (Leonore) hast du nie,
wie sie es wünschte, näher treten wollen.
Tasso. ich habe dir gehorcht, sonst hätt' ich mich
von ihr entfernt anstatt mich ihr zu nahn.
so liebenswürdig sie erscheinen kann,
... konnt ich nur selten
mit ihr ganz offen sein. 9, 141 (Tasso 2, 1).


β) ähnlich werden: durch diese reihen von wesen bemerkten wir .. eine herrschende ähnlichkeit der hauptform, die .. sich immer mehr der menschengestalt nahte. Herder ideen 1, 238.
c) mit einer die richtung anzeigenden präposition.
α) an: raubwild, welches ungescheut an die städte sich nahen soll. Olearius beschreib. oriental. insuln 1696 s. 147.
β) gegen:

als sie nunmehr sich genaht, die eilenden, gegen einander.
Voss Il. 22, 248;

unpersönlich: wie es sich gegen der nacht nahet und die külen windlein weheten. buch d. liebe 218, 1.
γ) zu: mhd.

dô nâhet er sich ze dem wîbe. Milstäter genesis 13, 12;

nhd. z in tet man sich nâchen.
Liliencron volksl. 142, 17 (v. j. 1476);

und keiner nahe sich zum weibe (beischlafend). 2 Mos. 19, 15; aber Mose allein nahe sich zum herrn. 24, 2; wer sich nahet zu der wonung des herrn, der stirbt. 4, 17, 13; und einer .. nahet sich zu Jhesu, in zu küssen. Luc. 22, 47; meine verfolger nahen sich zur missethat und haben sich gefernet von deinem gesetze. Luther 1, 525b; er nahete sich zu der statt, war nicht weit mehr darvon. buch d. liebe 218, 1; da dann Asars frau .. sich zu ihrem manne nahend den beischlaff begehret. persian. rosenthal 7, 20 s. 92b; verwundete, zu denen sich niemand sehre nahen darff. Lessing 12, 4 (v. j. 1746);

in der stillen mitternacht ..
nah ich mich hier ..
zu dir.
Herder Cid 14;

ein löwe kömmt ihm (esel) zu gesicht;
zu diesem naht er sich, und spricht.
Hagedorn 2, 25;

sich zum untergange nahen (neigen), ad interitum vergere. Stieler 1317;

weiter klafft die felsenhalle
und die wand naht sich zum falle.
Körner 1, 122;

wie bei 3, b, α: er nahete sich zu gott wie zu einem freund. Stillings jugend (1780) 87; menschen .., die .. in vollem vertrauen sich zu dir nahen. Göthe 14, 193 (Groszcophta 3, 9);

ich konnte nun mit innigem vertrauen
mich zu ihr nahen. 1, 6.


d) mit einem adverb der richtung: dasz ich mich werd herbei nahen 4 Esr. 6, 18; folgends nahet sie sich hinzu, fiel dem Amadis zu fusze. Amadis 291 K.;

kein armer nahe sich herzu!
Brockes 8, 293.


II. transitiv, nahe bringen, mit dativ:

er naht ihn (den schlüssel) der schmalen thür.
Pfeffel 4, 200;

eh will ich meiner gruft (nämlich nahen), als diesen busen,
so lang er athmet, deinem bette nahn.
H. v. Kleist 2, 238 H. (Amphitr. 2, 5).


 
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nahen, n.: das nahen oder zhin rucken der sonnen, appulsus solis. Maaler 202a; er scheute sich durch dreistes

[Bd. 13, Sp. 292]


nahen den frieden des hofes zu verletzen. Freytag ahnen 1, 89; beim nahen des winters. 3, 376;

vor der dämonen schleichen, nahen, dringen
beschütztet ihr den schwachen süszen raub.
Immermann 1, 137;

mich freut dein nahen. 518;

über verwitterte steine zu mir dann flogst du herüber;
fast glitt aus dir der fusz! bebend erharrt ich dein nahn.
Kinkel ged. (1857) 156.


 
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nähen, verb. im 15. bis 17. jahrh. noch öfter für nahen, entsprechend dem goth. nêhvjan, alts. nâhjan, altn. nâ, ahd. nâhjan, nâhen, mhd. næhen, md. nêhen, nêgen, nd. nêken, neiken; ursprünglich nur mit transitiver und reflexiver (nah machen, sich nahen), seit dem ahd. aber auch mit intransitiver bedeutung (alts. und altn. nur intransitiv).
1) transitiv, nahe machen, bringen, wofür kein nhd. beleg zu gebote steht; mhd. bei Wolfram, mit dativ:

ir kunnet hœren unde sehen,
entseben unde dræhen:
daʒ solt iuch witzen næhen. Parz. 171, 24;

swer sich von got nu kêrte,
des ende wurde gesmæhet
und diu sêle der helle genæhet. Willeh. 303, 22.


2) reflexiv, sich nahen, nähern:

darumb wirt sich ir straff bald nehen (: sehen).
H. Sachs 1, 200, 7 K.;

mit dativ: mhd.

durch iwer zuht nu râtt mir wie
daʒ i'uwern hulden næhe mich. Parz. 330, 9;

nhd. sie wolten sich desselben tags der stat nit nehen. städtechron. 2, 155, 2 (v. j. 1449); und der knecht sagt im, wie die von Nürnberg weren herausz chomen und wern sich im nehen. 486, 22; doch soll man sich dem feuer nicht zu sehr nhen noch zu lang darbei sein. Ryff spiegel der gesundheit (1574) 13a;

ich darf mich .. dieser sonne nähen.
Birken 248;

mit zu: mhd.

swer sich ze gote næhet.
Neidhart 83, 4;

nhd. und also näheten sie sich zu desz königs Perions gemach. Amadis 23 K.; Hydaspes der nähet sich zu den altaren, das heilige opfer anzufahen. buch d. liebe 229, 1;

kombt! wöllen zu dem stock uns nähen (: sehen).
H. Sachs 11, 456, 24 K.;

sich her nähen, herannahen:

es freut sich unser herz und sinn,
dieweil sich tut her nähen (: jehen)
der tag des herrn in kurzer zeit.
Uhland volksl. 945 (v. j. 1584).


3) intransitiv, nahe kommen, sich nähern: mhd.

nu næhet och Gâwânes nôt. Parz. 529, 22;

nhd. nahen oder nehen, propiare. voc. 1482 x 2a; ich nähe, nehe, appropinquo. Alberus diction. V 4c. S 4b; und nähet die stunde seines todes. buch der liebe 284, 1; mit dativ: mhd.

swenne in die heiden næhten.
Wolfram Willeh. 96, 28;

unt mir manger hande schaden næhet. minnesinger 3, 224b;

nhd. wil er seim (des herrn) angesicht ummer nhen. Renner (1549) 45;

o grimmer todt,
wie schnelligklich thust du mir nehen (: sehen).
H. Sachs 1, 450, 27 K.;

nähen zu:

und wenn der scheisz zum loch wirt nehen (: pleen). fastn. sp. 856, 19;

wir nheten mit gewalt zu ihn und ertrenkten das schiff. S. Frank weltb. 222a; herzu nähen:

heut werd ich die statt Straszburg sehen,
so war ich selbs herz werd nhen.
Fischart gl. schiff 360.


 
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nähen, s. DWB nähene.
 
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nähen, nähn, verb. suere, nere. einem mutmaszlichen goth. naian (s. DWB nadel, naht) entspricht ahd. nâjan, nâan, nâen, und mit übergang des j in h oder w nâhan, nâwan, mhd. næjen, næn, nægen, næwen, neigen (vgl. Weinh. mhd. gr. § 90), md. nêhen, nên, nêgen, nd. naien, neien, nhd. nähen, nähn (nehen, neen, näen; alem. nien Maaler, Platter; elsäszisch nejen Closener, negen Königshofen, Murner, neien Keisersberg). urverwandt ist das griech. νέω, lat. neo, lit. ny-tis einschlagfaden, altslav. ni-ti funiculus, s. Curtius grundz. nr. 436. Fick2 371. 782. Pott2 3, 920 ff.
1) mittelst nadel und fadens verbinden, nere, sarcire, suere: nehen, nægen, negen, newen, neen, neigen, neien. Dief. gl.

[Bd. 13, Sp. 293]


379a. 512b. 564b, nov. gl. 354b, nyen Maaler 302a, nehen Stieler 1342. Zedler 23, 1604 (nehen : gehen d. j. Göthe 1, 100); nhen, nen Aler 1442b.
a) absolut: mhd.

dise spunnen, dise nâten. Iwein 6205;

ich wil si heiʒen lêren
wol næjen unde spinnen.
Konrad troj. krieg 15215;

daʒ si næj unde spinne,
des si getriben lützel hât. 15262;

nhd. ein künig span und negete. Königshofen 874, 12; ja solt ich erst spinnen und neyen. Keisersberg emeis 8b; sie thunt eben als die jungen döchtern, dieweil sie nicht künnen neyen, so wöllen sie alwegen neyen, wan sie es aber können, so kan sie niemans darüber bringen. narrensch. 179b; dan wie im land der bruch ist, das vast alle wiber wben, wie auch nien können. Th. Platter 5 B.; frau Eisen .. lernet (lehrt) auch den flachs pauen, darzue spinnen, näen, weben. Aventin. 4, 131, 25; die (nähterin) aber auch reinlich näht wie keine. Göthe 23, 43;

wir haben keine magd; musz kochen, fegen, stricken
und nähn. 12, 162;

er sitzt am tisch und näht. Stilling jünglingsjahre (1780) 41;

hier nähn wir unbelauscht in ruh,
wir schwesterseelen, ich und du.
Voss ged. 4, 243;

wann sie nähet oder spinnet,
hält sie inne, horcht und sinnet. 5, 109;

jeden augenblick des tages
wendet wohl an, nähend, stickend.
Herder Cid 48;

sie wollte wohl lernen nähen,
waschen und nähn fortan.
Uhland (1879) 2, 251;

am hungertuche nähen, s. hungertuch th. 4, 2, 1950.
b) transitiv.
α) eigentlich: mhd.

er gienc dâ snîdær nâten
wît und blanc lînîn gewant.
Wolfram Willeh. 196, 6;

nhd. stiche (keinen stich), ein kleid nähen u. s. w.; ein hemde nehen, consuere indusium. Stieler 1342; hat überschläg darauff (aufs nähküssen) gehefft, als neh sie es. J. Ayrer 2292, 2 K.;

wer wolt euch schuh machen und nehen?
H. Sachs 7, 79, 8;

erst fädle ein, und spute dich
am saum; ich nähe kettenstich.
Voss ged. 4, 243;

nähen auf, annähen: mhd.

ûf daʒ sîn gewant
næt ein cleineʒ zeichen. Nibel. 846, 2;

mit kleinen sîden næ ich ûf sîn gewant
ein tougenlîcheʒ criuze. 847, 1;

nhd. spitze latzen ..
uf die hemder negen lan.
Murner narrenbeschw. 12, 59;

nähen in, einnähen: in ein ledern sack genhet, insutus culeo. Aler 1442b; wann nun dieser todt mensch erkaltet, neet man ihn in ein lein weisz kleid, so er den langen tag darvor angehabt. S. Frank weltb. 153b; memme, zeige dich izt, oder man soll dich in eine sauhaut nähen, und durch hunde verhetzen lassen. Schiller 2, 262 (räuber, trauersp. 2, 14); mhd. næjen in bedeutet in die knopflosen kleider einschnüren oder (reflexiv) sich einschnüren lassen (vgl. Weinhold d. deutschen frauen 2, 262. 277):

dô næten sich die recken in alsô guot gewant. Nibel. 1790, 1;

sî nâte selbe mit ir hant
in ein hemde deʒ magedîn. Erec 1541.


β) uneigentlich: dann ist nit die h. mesz von unzähligen bäpsten, cardinälen und bischofen zu unterschiedenen zeiten und orten zusammen gerafft und als ein bettlermantel mit viel flick, flecken und schuhpletzen der menschlichen fantasei in einander genehet. Fischart bienenk. 14b; du, der du die kraft hast, das eisen mit deinen pfeilen zu nähen (zu durchbohren). persian. baumg. 5, 3; die kompasz-nadel, die eine ganz neue welt an die alte genähet. J. Paul dämmer. 113; Beaumont und Fletscher, sich hundfremd, näheten an einem gemeinschaftlichen schneidertische schauspiele. flegelj. 1, 114; einen nähen oder einem das wams nähen, ihn prügeln. Schm. 1, 1707 Fromm. brem. wb. 3, 215. obscön, eine nähen, stuprare Schm.
2) kunstreich nähen, steppen: mhd.

ermel unde buosem sint mit sîden wol genât.
Neidhart 68, 7;

er treit ein phellerîne wât
mit golde kunstlîche genât.
A. v. Halberstadt 10, 455;

des burgers eser, wie der mit sîden genejet waʒ und edelsteine darein gewürket. Closener 54, 25.

[Bd. 13, Sp. 294]



3) nautisch, einen block nähen oder annähen, mittelst eines tauendes oder stoppers befestigen. Bobrik 54a. 506a; beim deichbaue, einen deich nähen (naien), mit stroh oder schilf bedecken. brem. wb. 3, 215.
 
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nähen, nähn, n. das nähen, die näherei: ist dahero das nehen zweierlei, nehmlich eine hausznaht oder ein zierliches genehe. Amaranthes frauenzimmerlex. 1322;

im nähn zerrisz der zwirn.
Gotter 1, 153;

mein mütterlein hat mich so lieb, ..
wenn auch beim nähn ich possen trieb
und Schulzens lieder sang.
Voss ged. 6, 61;

da braucht man zum nehen,
zur schul nicht zu gehen. d. j.
Göthe 1, 100.


 
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nahend, partic., s. DWB nahen I, 1, a.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,