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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nagung bis nahe (Bd. 13, Sp. 275 bis 288)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nagung, f. das nagen, rosorium. voc. 1482 x 2a; neʒʒelpiʒʒ oder ander kräuter nagung (beiszen, brennen). Megenberg 336, 1; im schrecken des tods und nagung des gewissens. J. Agricola fragstucke (1528) d 7b.
 
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nagwurm, m. nagender wurm: nagewurm Hulsius diction. (1616); bildlich: werden durch ir haustirannei den männern oft zu nagwürmern, die inen das herz und leben abnagen. Fischart ehz. 533.
 
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nagwurz, f. die zaunrübe, bryonia alba Holl wb. der pflanzennamen 427b.
 
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nagwurzel, f. orchis Hübner naturlex. 1320.
 
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nah, nahe, adj. und adverb, gegensatz zu fern.
A. adjectiv. ags. nêah, nêh, næh, altfries. nêi (statt nêch), nî, ahd. nâh, mhd. nâch (flectiert nâher) und nâ, nhd. nah (naach Maaler 297c, nach Fleming 183, 45) und seit der mitte des 15. jh. (Dief. gl. 465c) in erweiterter, eigentlich adverbialer

[Bd. 13, Sp. 276]


form nahe. goth., alts. und altn. ist nur das entsprechende adverb erhalten (s. B und nach sp. 9). im folgenden unterscheiden wir der leichteren übersicht wegen die drei steigerungsgrade.
I. positiv.
1) in prädicativer stellung kommt das adj. im mhd. nur als flexionsloser nom. sing. vor, so dasz wie im nhd. nicht immer entschieden werden kann, ob adj. oder adv. anzunehmen sei, weshalb auch der positiv des adverbs zu vergleichen ist.
a) räumlich, doch manchmal mit zeitlichem nebenbegriff, durch geringe entfernung getrennt, in der nähe sich befindend, von personen und sachen oder abstracten: mhd.

sîn vîgent ist sô rehte nâ.
Boner 70, 10;

nhd. sei nicht ferne von mir, denn angst ist nahe. ps. 22, 12; nahe sind deine henker und du kannst schlafen? Schiller 3, 135 (Fiesko 5, 1);

eine nur ists, die ich suche,
sie ist nah und ewig weit. 11, 378;

mit dativ: doch ist ja seine hülffe nahe denen, die in fürchten. ps. 85, 10; der herr ist nahe allen die ihn anruffen. 145, 18;

wie nah war ihnen der webende heerzug.
Klopstock 2, 180;

jedem fleher
bist du, den kein auge sahe,
vater, unaussprechlich nahe,
unaussprechlich nahe mir.
Lavater nachgel. schrift. 3, 66;

euch ist der meister nah,
euch ist er da!
Göthe 12, 47;

ich bin ihr nah, und wär ich noch so fern. 12, 175;

wer es glaubt, dem ist das heilge nah.
Schiller 11, 374;

du ferne mir, du nahe doch!
Uhland (1879) 1, 19;

ich fühle dich mir nahe. 1, 34;

nahe bei: denn es ist das wort fast nahe bei dir, in deinem munde, in deinem hertzen, das du es thust. 5 Mos. 30, 14; der herr ist nahe bei denen, die zubrochens hertzens sind. ps. 34, 19; meine seele ist voll jamers und mein leben ist nahe bei der helle. 88, 4; der weg, die reise ist nahe, kurz: jetzt ist die reise nach Holstein ganz nahe; aber acht tage musz ich auf der post zubringen, um von hier (Jena) dahin zu gelangen. H. Voss an Solger 1803 (archiv f. litteraturgesch. 11, 97).
b) übertragen, in enger beziehung stehend, innig verbunden, verwandt, ähnlich: was nahe ist, meidet man, cognatio movet invidiam. Aler 1444b; mit dativ: mahlerei und musik und was kunst heiszt, ist noch immer meinem herzen so nah als ehmals. Göthe an Chr. G. Hermann (d. j. G. 1, 75);

geschäftiger geist wie nah fühl ich mich dir. werke 12, 35;

mit näherer bestimmung:

ich selbst ein prinz durch rechte der geburt,
dem könig nah in blut und nah in liebe.
Schlegel Richard II. 3, 2.


c) durch geringe zeit getrennt, in kurzem bevorstehend oder kommend: denn die zeit ires unglücks ist nahe. 5 Mos. 32, 35; so wisset ir, das der sommer nahe ist. Matth. 24, 32; die nacht ist nahe, instat nox. Aler 1444a; nahe ist zwischen sohn und vater die versöhnung. Schiller 5, 2, 136 (don Carlos, prosa 5, 13).
2) in attributiver stellung.
a) räumlich wie bei 1, a: ein naher ort, ein naher (kurzer) weg u. s. w.; ein naach ort, vicinitas. Maaler 297c; er heirate nit ferr von seiner heimat .. vermeg unserer vorfaren spruchwort, nahe heirat und ferre herrendienst sind die besten. Zimm. chron. 3, 548, 13; nahe völker, populi contermini. Steinbach 2, 102; die nahe nachbarschaft des türkischen reichs .. bestärkte die magnaten noch mehr in diesem trotze. Schiller 8, 30;

so halte bluhmen nah ans licht ..
so dasz sein naher strahl auf nahe blätter fällt.
Brockes 1, 105;

das mädchen floh ins nahe thal.
Utz 1, 37;

und du spazierst indesz ins nahe wäldchen hin.
Götz 1, 179;

so musz ich fallen in des feindes hand,
das nahe rettungsufer im gesichte!
Schiller 14, 277 (Tell 1, 1);

das nahe glück berührt ich schon im geist.
Göthe 9, 337;

und so begann endlich die wallfahrt nach den nahen hügeln. Novalis (1820) 1, 110; die nachtigall im nahen zimmer. J. Paul Titan 2, 159.

[Bd. 13, Sp. 277]



b) übertragen.
α) in enger beziehung stehend, vertraut, verwandt: mhd.

eʒ was ein nâhiu sippe. Nibel. 1960, 1 C;

(diu was) sîn niftel nâ. Erec 1419. 9717;

nhd. naher blutsfreund, propinquus; nahe freundschaft, propinquitas. Maaler 302a;

es ist ein naher vettersmann.
Frischlin 128 Strausz;

er hat nahe (durch verwandtschaft berechtigte) ansprüche auf die erbschaft; nahen umgang mit einem haben u. dgl.
β) innerlich tief gehend, kränkend, verletzend: nahe reden, verba acerba, aspera Stieler 1318.
c) zeitlich wie bei 1, c: der nahe tod. Klopstock 7, 108;

das macht nächst gott dein fleisz,
womit mich dein verstand der nahen gruft (dem nahen tode) entrissen.
Günther 751;

weil doch
ein naher krieg des geldes immer mehr
erfodert.
Lessing 2, 282;

laszt die klarinetten rufen
feldgeschrei zur nahen schlacht!
Herder Cid 56;

anstalt zu der nahen schlacht.
Gleim kriegsl. 9, 23 neudruck.


3) allein stehend in substantivischer verwendung von einer person oder sache, die in der nähe sich befindet: mhd.

si begunden alle vehten,
die verren unt die nâhen. klage 140;

der verren und der nâhen kraft.
Wolfram Willeh. 435, 4;

nhd. und nun lasz vorm angesicht des nahen (gottes) dir sagen. Schiller 1, 58;

alles ist still vor dir, du naher!
Klopstock 1, 140;

du naher, du bemerkest
mein innerstes.
Voss ged. 5, 161;

er sach ins nach und weite.
Fleming 183, 45 L.;

das nahe wird weit.
Göthe 2, 201;

offen liegen ihm die schätze
der vernunft, der phantasie,
nur das bild auf seinem netze,
nur das nahe kennt er nie.
Schiller 11, 33;

sie halten das nahe (nahliegende, natürliche) für gemein. Gellert (1867) 4, 54.
4) mit einer präposition in adverbialer verwendung: in der nähe, nahe.
a) bei nahem: durch diese gute ordnung schien der raum, in dem wir uns befanden, eine kleine welt zu sein, und doch, wenn man es bei nahem betrachtete, war das schlosz nicht grosz. Göthe 19, 335. vgl. th. 1, sp. 1355, 17, a.
b) von nahem (vgl. B, I, 1, e):

wer von ferne samlet ein,
kan von nahem lustig sein.
Logau 1, 4, 10;

von fernem bistu (nachtigall) viel, von nahem meistens nichts. 1, 7, 79;

(lust,) ihn von nahem zu beschauen.
Pfeffel 1, 22;

die wir kindisch gegen Kronion
zürnen, und gern von nahem in seinem vorsatz ihn störten.
Stolberg Il. 15, 105

(nahend mit worten oder mit macht!
Voss);

ein object der einbildungskraft von nahem vorstellen. Kant 8, 338.
II. comparativ. altfries. nîar, nîer, ahd. nâhir, nâher, mhd. næher, nhd. näher.
1) prädicativ.
a) durch geringere räumliche oder zeitliche entfernung getrennt (vgl. B, II, 1, a): sintemal unser heil jzt neher ist denn da wirs gleubten. Röm. 13, 11; mit dativ: denn unser schicksal ist seiner bestimmung näher. Göthe 23, 164; die höhere welt ist uns näher als wir gewöhnlich denken. Novalis (1820) 1, 180; sprichwörtlich: man könne es nicht erwehren, dasz die haut näher sei als das hemd, das werde halt so in der natur sein. Gotthelf erz. 3, 340;

das hemd ist uns neher dann der rock.
H. Sachs 7, 163, 5.


b) übertragen, inniger verbunden, ähnlicher, vertrauter, verwandter, mit dativ: kyriaca heiszt ein kirch .. im ober teutsch land nennent sie es ein kilch, aber kirch ist dem kriechischen neher. Keisersberg post. 2, 60a; es war ihm .. als wenn er ihr mit jedem augenblicke näher würde, als wenn eine gemeinschaft zwischen ihnen durch unsichtbare bande befestigt würde. Göthe 18, 89.
2) attributiv; räumlich oder zeitlich, eigentlich und übertragen.
a) in geringerer entfernung liegend, in weniger zeit zum ziele führend: ein näheres ziel, eine nähere frist, ein näherer weg u. s. w.; die nähern berge und höhen ... konnten wir

[Bd. 13, Sp. 278]


erkennen. Göthe 16, 236; verliert das nahe, immer nähere ziel nicht aus dem auge. Lavater nachgel. schriften 1, 103.
b) jünger, letzter, vorig:

mir schwer anfechtung macht,
das mir mein nehers kind ist worn
in so bösen planeten geborn.
J. Ayrer 822, 11 K.;

ietzt denk ich an den traume mein,
den ich gehabt die neher nacht. 1420, 14.


c) näher liegend, bequemer: da haben sie kein näheres mittel, ihn los zu werden. Göthe 19, 163.
d) näher stehend, inniger, verwandter, vertrauter, berechtigter: der näher freundt. Maaler 301d; nähere bekanntschaft, nähere ansprüche u. dgl.;

und lasz des nähern rechtes mich genieszen.
Göthe 9, 96 (Iphig. 5, 6);

du wähnest, unbekannt mit dir und mir,
ein näher band werd' uns zum glück vereinen. 9, 25 (Iphig. 1, 3);

bist du gastfreundlich diesem königshause,
bist du mit nähern banden ihm verbunden. 9, 45 (Iphig. 3, 1).


e) näher eingehend, deutlicher, genauer: dasz hier das büchlein Werther gemeint sei, bedarf wohl keiner nähern bezeichnung. Göthe 26, 151; nähere nachricht geben. 23, 144; nähere kenntnisz nehmen. 30, 207; zu näherem verständnisz des vorhergesagten sei noch folgendes hinzugefügt. 55, 312; nun war nichts übrig, als den nähern plan der verschwörung vollends zu bestimmen. Schiller 4, 163; so suchte man in dem ganzen zusammenhange dieses charakters keinen nähern aufschlusz mehr. 6, 70.
3) allein stehend in substantivischer verwendung, das ausführlichere, speciellere: wovon unten das nähere. Gerstenberg verm. schriften 3, 79; und wir hätten gern von sonnen und sternen .. das nähere sowie das allgemeinere erfahren. Göthe 26, 70; das nähere schreibe herrn geheim-rath v. V. an Meyer bei Riemer 113; die zeitung wird mir schon das nähere vermelden. an Brühl ebend. 163.
4) des nähern adverbial, eingehender, specieller: mein bruder war des nähern davon unterrichtet. Lessing 1, 591.
5) am nähern (näml. male, s. DWB nähermal), zuletzt, neulich: wann ihr vor das haus, da ihr am nähern waret, kommet, so stehet stille. J. v. Braunschweig 68 Tittm.
III. superlativ. ags. nyhsta, nêhsta, nêxta, altfries. nêst, ahd. nâhist, mhd. nâhest, næhest, næhst, nâst, næst; nhd. nähest (nahest Geszner 4, 208), nächst (nachst Bocc. 114, 36 K., nechst, negst). nebenform naichst monum. boica 35, 2, 46 (vom jahre 1315). Vintler 7635 (: gaist), neichst, neist schweiz. geschichtsfreund 21, 199. 200. s. Weinhold bair. gr. § 66, alem. gr. § 58.
1) prädicativ.
a) am geringsten durch raum oder zeit entfernt, zunächst stehend, liegend, am kürzesten zum ziele führend: dieses dorf ist das nächste, dieser weg ist der nächste u. s. w.; der weg des ohrs ist der gangbarste und nächste zu unserm herzen. Schiller 2, 342; mit dativ: wir tranken; und jeder sang die darauf (auf den krug) gegrabene geschichte, die seinen lippen die nächste war .. izt (nachdem der krug zerbrochen ist) singen wir nicht mehr die geschichte, die jedes lippen die nächste ist. Geszner 3, 43.
b) dem range oder der reihenfolge nach am nächsten nach, bei, an, zu: er ist der nächste nach dem könige, der nächste bei dem throne u. dgl.;

wann du doch pist der naichst
pei got dem vatter und sun.
Vintler 7635;

er machte ein solches wesen, als ob man platz im himmel bereiten müsse, dasz Holofernes der näheste bei dem könig David sein möge. Schuppius 493;

du sollst dich schlieszen an der fürsten reihn,
die nächste an ihm (könig) selber sollst du gehn.
Schiller 13, 291 (jungfr. v. Orl. 4, 3);

zu dem profitchen, dachten sie, bin ich der nächste. Lessing 1, 471.
c) am engsten verbunden, am meisten vertraut oder verwandt, mit dativ: der nechst bin ich selbs mir. Terent. deutsch (1499) 26b; in den meisten fällen ist es am zuträglichsten, dasz jeder bei den personen anfange gutes zu thun, welche ihm die nähesten sind. Garve anm. zu Cicer. off. 1, 125; er (Warbeck) ist ihr (der prinzessin) vor der welt der nächste, unter vier augen der gleichgültigste. Schiller 18, 1, 203;

so will ich diese bruderhand ergreifen,
die mir die nächste ist auf dieser welt. 14, 34 (braut v. Mess. 1, 5);

[Bd. 13, Sp. 279]


mit näherer bestimmung:

die mir die nächsten sind am blut, verlassen,
verrathen mich. 13, 204 (jungfr. v. Orl. 1, 5).


2) attributiv.
a) räumlich.
α) von personen und sachen, die neben einander sich befinden, anstoszen, in nachbarlichem verhältnisse stehen: der nechste mensch (nachbar, mitmensch). Keisersberg pred. 54a; der arzt sol seim nechsten kranken und kranken nechsten alles zu lieb werden. Fischart Garg. (1590) 13; die nächsten (angrenzenden) fürsten. Göthe 30, 162; in der nächsten gegend. Micrälius 2, 203; (er) war auf den nächsten dörfern herumgerannt. Göthe 30, 118; in der nächsten nähe. 21, 137; fanden sie sich in einem saale, so dauerte es nicht lange und sie standen neben einander. nur die nächste nähe (das beisammensein) konnte sie beruhigen. 17, 395; unter solchen reden sanke er .. hin auf die nächste bank. Widmann Fausts leben 622;

würd ich im nächsten busche
zu einer nachtigall.
Gerstenberg verm. schriften 2, 245;

ich bin im nächsten zimmer,
wenn man ..
Schiller 5, 2, 254 (don Carlos 2, 10);

mit näherer bestimmung: das nechst haus an H. Eliners haus. Zimm. chron. 4, 401, 22.
β) der rangordnung und reihe nach, unmittelbar folgend: der kaiser voran und in nächster reihe die übrigen fürsten; der nächste schüler soll antworten; das nächste glied soll antreten u. s. w.; Wilhelm, der als nächster aspirant gleichfalls berufen wurde. Göthe 23, 26; als der ganze zug vor dem palaste aufgestellt war, trat der könig mit seiner nächsten umgebung heran. 23, 99; mit zeitlichem nebenbegriff: sei so gut und schicke mit dem nächsten boten das geld. Schiller 1, 184. — unmittelbar vorausgehend, vorig, letzt (nun veraltet): das morale der nehesten fabel. E. Alberus 104b; sol es bei der tax des nechsten articuls bleiben. Schm. 1, 1735 Fromm. (vom j. 1616); mit zeitlichem nebenbegriff: wir haben ewer nehest schreiben empfangen. Luther 5, 25b; in meinem nehesten briefe habe ich euch getröstet. 41a; hab ich doch so vleiszig im nechsten büchlein geschriben. 3, 449b; es dienet aber alles dazu, das meine nehesten zwei bücher damit bestettiget und bewehret werden. 5, 303a.
γ) was als erstes zur hand liegt und als scheinbar bestes ohne zaudern benutzt oder ergriffen wird: schon ergreift mein nervigter arm den nahsten fels, den bösewicht zu zerschmettern. Geszner 4, 208; ich erstieg .. den nächsten wagen. Göthe 30, 89; sie drückte und stauchte das weibliche schiff und geschirr mit ehernen händen in die nächste schachtel hinein. J. Paul uns. loge 1, 69. gewöhnlich verbunden mit best (wie der erste der beste, das erste beste. th. 1, 1659. 3, 1002): als ein bequemes wesen greift er nach der nächsten (ursache) als der besten und beruhigt sich dabei. Göthe 22, 256; soll man es darauf ankommen lassen, sich mit den nächsten, den besten .. truppen behelfen zu müssen. Schiller 7, 247; den schuft soll man an den nächsten besten galgen knüpfen. 2, 226 (räuber, trauersp. 1, 4).
δ) der näheste, nächste weg ist der kürzeste weg zwischen zwei endpunkten: das ist der näheste weg, via brevissima, proxima. Stieler 1318; er wollte den nächsten weg durchs wasser fortreiten. Widmann Fausts leben 269 K.;

hiez mich gehn den schnurgeraden
nächsten weg.
Spee trutzn. 193 B.;

(ich gehe) den nächsten weg zurück in meine bahn.
Wieland 9, 283.

in verbindung mit best: Weislingen. führt uns nun den nächsten und besten weg. bote. wir müssen umziehen, die wasser sind von den entsetzlichen regen alle ausgetreten. Göthe 8, 144; übertragen: dasz einer ein ehrlicher und verständiger mann sein kann, wenn er gleich den nächsten besten weg zum heil seiner seele verfehlt hat. 8, 183.
ε) am nächsten angehend und berührend, in innigster beziehung stehend:

sinnlich und verstockt,
ins gegenwärtige, verschlossen, fühlt
der mensch das nächste wohl, das nächste weh,
und liebe selbst ist in der ferne taub.
Göthe 9, 317;

dürft ihr von liebe reden und von treue,
der treulos wird an seinen nächsten pflichten?
Schiller 14, 343 (Tell 3, 2).


ζ) zunächst stehend in verwandtschaftlicher beziehung: mhd.

si kuste ir næhsten friunde, di si bî ir vant. Nibel. 493, 2;

ir næhesteʒ künne
het ir ir lieben man benomen. klage 40;

[Bd. 13, Sp. 280]


nhd. bruder und nehester freund. 3 Mos. 25, 25; do sein etlich seiner nechsten freundt und verwandten zu ime ... geritten. Zimm. chr. 1, 273, 26; die nechst freund. Aventin. 4, 113, 20; die nächsten verwandten des letztlebenden. Möser 4, 333.
η) genaust, billigst: der nächste preis, von dem nichts mehr abgeboten und nachgelassen werden kann (vgl. unten 4, c, a, α);

madam, wie lassen sie das dutzend dieser tassen?
monsieur, der nächste preis der ist ein friedrichsdor.
Götz 1, 147.


b) zeitliche reihenfolge.
α) nächstfolgend, nächstkünftig: mhd.

dizze ergêt ubir dich
nû ze dem næhisten tage. Milstäter genesis 141, 22;

swer nâch den næhsten drîn tagen
deheinen in dem lande dâ
vunde. Barlaam 24, 14;

und tuon dir kunt, daʒ ich mich hebe von dem nâhsten mântage von dem hûse. Lichtenstein 32, 11; nhd. darnach am nechsten donerstag. U. Stromer 54, 6; an dem nechsten sampztag .. do giengen alle pfaffen .. umb die stat. städtechr. 4, 66, 12; an dem nachsten tage. Bocc. 114, 36 K.; der neheste mittwoch vor dem aequinoctio. pers. reisebeschr. 4, 119; postridie, den nechsten oder andern tag darnach. Aventin. 1, 452, 13;

man straffte nechsten tag den jungen prediger.
Günther 551;

ich reise, den gemahl
die nächsten tage dort zu finden.
Göthe 9, 202 (Tasso 4, 2);

jede nächste stunde kann
mir den befehl zum abmarsch
bringen.
Schiller 5, 2, 259 (don Carlos 2, 12);

mein wagen steht bereit,
bevor das nächste licht der schatten heer zerstreut.
Wieland Oberon 5, 75;

wenn dieser (schlüssel) mir nun die nächste zukunft aufschlösse. Göthe 23, 233; in dem nächsten jahre. 31, 166; wollen wir in Hamburg auf folgende fünf nummern einsetzen .. so thun sie es in der nähesten ziehung. mad. König bei Lessing 13, 257; den nächsten feldzug eröffnete .. der könig Ludwig selbst. Becker (1875) 11, 249; weniger glänzend waren die feldzüge der nächsten jahre. 11, 360.
β) nächstvorangehend, vorig, letzt (nun veraltet): so sein unser lieb burger .. am nechsten samstag von unserm herren dem künig herheim komen. städtechron. 1, 436, 29 (v. j. 1408); was des nechsten jars geschehen ist. 3, 99, 3; der nechste krieg, die nechste rechnung. Tucher baumeisterb. 145, 20. 242, 32; aus der nehesten auffrhur unter den bauren. Luther 3, 235b; das zeichen seines todes war ein regenbogen, den wir .. sahen in der nacht im nhesten winter. 2, 667; welcher sehr viel in dem nechsten tridentschem concilio gemacht und aufgericht sein worden. Melanchthon anl. abg. art. p. 894; pridie, den nechsten tag vor oder den vordern tag davor. Aventin. 1, 452, 12; (das) ist weder jetzt noch in den nechsten zeiten in gebrauch gewesen. persian. reisebeschr. 5, 21;

die nechste nacht war mir, als wie ein freudentag,
da eine schöne frau in meinen armen lag. pers. baumg. 1, 12;

der helt sich mannlich, stark und vest,
hat im nechsten krieg than das best.
J. Ayrer 2052, 1 K.;

derselbe begehret von mir, ihme aufzuzeichnen, was nächsten abend bei dem gehabten nachtgespräche erzehlet worden. Butschky kanzl. 410.
3) allein stehend in substantivischer verwendung.
a) der, die nächste s. oben sp. 135 f., der nächste beste gleich der erste der beste th. 1, 1659: da .. erwischt Amadis des einen spiesz .., legt von stund an wider den nechsten den besten ein. Amadis 239 K.; auch der nächste der liebste: an den nächsten den liebsten verkaufen. Felsenburg 4, 122.
b) das näheste, nächste, das zunächst liegende nach raum, reihenfolge oder zeit: da wir einander selten .. sprachen, so war unser gespräch immer sogleich gefunden, das näheste brachte uns immer auf das entfernteste. Lessing 10, 2;

das irdische, gemeine magst du sehn,
das nächste mit dem nächsten klug verknüpfen.
Schiller 12, 112 (Piccol. 2, 6);

im dunkeln drängt das künftge sich heran,
das künftig nächste selbst erscheinet nicht
dem offnen blick der sinne, des verstands.
Göthe 9, 377 (nat. tochter 5, 7);

das nächst das best. Schm. 1, 1735 Fromm. (v. j. 1618). mit fühlbarer ellipse: der vogt .., der wöchentlich alle rechnungen

[Bd. 13, Sp. 281]


berichtigt und seine bestellungen für das nächste macht. Göthe. 23, 4; die glückliche ankunft der Iphigenie ward mir .. verkündigt .. möget ihr euer nächstens (nächstes H.) mit einem guten worte des beifalls begleiten. 27, 275.
4) in adverbialer verwendung, elliptisch.
a) den nächsten (nämlich weg), geradeswegs, unverzüglich, sogleich, demnächst:

sprengt den nächsten auf in hinein
und stach den gleich durch das herz hinein. Teuerdank 13, 53;

ich wil den nechsten auf Wurmbs fragen
ans königs hoff.
H. Sachs 13, 342, 16 K.;

er soll zum küng den nechsten gan. Daniel (1545) J 4a; den nechsten in die lwen grben. O 1a; darauf sie den nechsten ans fenster gangen. Zimm. chron. 1, 373, 29; als er in ersehen, ist er den nechsten ins schlosz gangen. 400, 3; man reiste von Trier aus den nechsten uf die statt Luttich. 4, 383, 8; dann ich ietz den nächsten widerumb ins paradysz wil. Wickram rollw. 181, 10; er zog den nechsten gen Regenspurg. Aventin. (1566) 429a; (sie sollen) bald wieder ein stille machen und den nechsten bald wider davon ihrem weg nachtrachten. Fronsp. 1, 128b; zogen ausz München den nechsten durch Franken. Kirchhof wendunm. 1, 212a; darumb .. du wol den nechsten wider heim magst. Galmy 287; wöllet mit mir den nechsten in Britannien reisen. 289; wenn ich ihn wiszte zu erreiten, ich ihm den nechsten nacheilen wolte. 332; den nechsten zum hausz hinausz gangen; den nechsten under die thür gelauffen. wegkürzer 18b; nam urlaub von jhr, und als sie jm erlaubete, trat er den nehesten für Parisz. b. d. liebe 12, 4; reit er den nechsten zum riesen zu. 13, 1; da nun Lyon wol gerüst war, reit er den nehesten auff den platz. 30, 4;

Rinaldo heftig sehr, von lieb und zorn geplaget
den nechsten auff Parisz mit voller flucht zujaget.
D. v. d. Werder Ariost 2, 23b.


b) des nähesten, nächsten, nächstens: dasz ich dadurch hoffnung machte, des nächsten einen liebesantrag zu thun. avantur. 2, 57. 69; sie haben sich entschlossen, des nähesten bericht zu erstatten. Rabener 3, 81.
c) nach dem nächsten (nämlich preise), billigst: sie schullen kaufen und bestellen, waʒ uns notdorftig ist und wirt, noch dem nesten und besten sie kunnen. städtechron. 2, 88, 34.
d) mit einer präposition (vgl. DWB nach B, III).
α) räumlich am, zum nähesten, nächsten, in nächster, in nächste nähe, eigentlich und übertragen: und als die noth am grösten, da war die hülff gottes am nächsten. Simpl. 1, 125, 3 K.; diese gesetzgebung trit dem menschen am nähesten. Hippel 11, 72;

was darf ich jeden thoren fragen:
wer ist der gröszte mann?
ihr seht die thoren alle sagen:
wer mir am nächsten kommen kann.
Lessing 1, 54;

so ist das zum nehesten geschossen. Luther 6, 138a.
β) am nächsten, in bezug auf innigste vereinigung oder verwandtschaft: die uns am nächsten gehen, behalten doch immer den meisten einflusz auf uns. Lessing 12, 271.
γ) auf das nächste, am nächsten, billigst: aber, guter freund, wie wolt ir sie (die gans) aufs nechste lassen? unter zwölf gulden nicht, antwortet jener. Simplic. 2, 415, 27 K.; beim besten wirth zehrt man am nechsten. Lehmann 1, 938.
δ) zeitlich, am nähesten, nächsten, in bezug auf die nächste vergangenheit: die antwort, so mir am nähesten gegeben worden. Schweinichen 1, 372; es seind die beiden herren, den wir am nächsten öpfel verkauften. Tittmann engl. komöd. 120;

seit wir am nächsten wasen vol.
Schwarzenberg 144d;

von der nächsten zukunft, am, zum nächsten: dasz die Oriana deren (der freude) zum nehesten theilhaftig .. werden möcht. Amadis 84 K.; welche (gabe der schönheit) sie am nechsten (zunächst, am meisten) begerten. 170; mit nechstem, jam primum. Stieler 1319; wann ich aber spüre, dasz dir dieser käsz nicht miszfalle, so solt du mit nehestem eine gute auswahl .. zu erwarten haben. Schuppius 788; er beschwört mich sogar, dem publico ja mit nächstem ein mehreres .. mitzutheilen. Lessing 10, 8; schicken sie mir also ihre recension .. mit nächstem. 12, 29. 146;

ich hoff es soll mit nächstem besser werden.
Göthe 10, 243;

du sollst mehr haben mit nächstem — mit nächstem, Hermann! Schiller 2, 240 (räuber, trauersp. 2, 2); überdiesz kann er mit nächstem die freude haben, seinem nebenbuler den spott auf die schönste art heimzugeben. 3, 375 (kabale 1, 5);

und wie lebendig es mit nächstem in
Madrid sein wird! 5, 2, 162 (don Carlos 1, 3).

[Bd. 13, Sp. 282]



B. adverb.
I. positiv. goth. nêhva, ags. neâh, neâ, alts. nâh, altn. (in zusammensetzungen) und nd. nâ, ahd. nâho, mhd. nâhe, nâ, nhd. nahe, nah. vgl. DWB nach, DWB nahen, DWB nahend.
1) räumlich, in der nähe, in die nähe, aus der nähe; in eigentlicher und übertragener bedeutung.
a) in der nähe, besonders mit dem gegensatze fern (weit):

nahe bei hof, nahe zum galgen,
weit von hof, weit vom galgen.
Procopius patrociniale (1674) 232;

weil er wunderthaten thut
löblich nah und auch von fernen.
Mander bundeslieder (1680) 147;

wehe dem fahrzeug, das jetzt unterwegs
... da ist nah und fern
kein busen, der ihm freundlich schutz gewährte!
Schiller 14, 371 (Tell 4, 1);

der himmel nah und fern,
er ist so klar und feierlich.
Uhland (1879) 1, 22;

Rechberger nennt man ihn nah und fern. 2, 153;

und jedem nah und fern
klagt sie das traurige geschick des herrn.
Lenau (1880) 2, 272;

von nahe, in der nähe: ich werde ihn schauen, aber nicht von nahe. 4 Mos. 24, 17. nahe von dannen, wenig entfernt von hier:

aber das land der Kyklopen erkannten wir, nahe von dannen.
Voss Od. 9, 166.


α) verbunden mit einem verbum der ruhe (vgl. A, I, 1): nahe sein (auch elliptisch), mit dativ; eigentlich: die unter den völkern umb euch her sind, sie seien dir nahe oder ferne (juxta vel procul). 5 Mos. 13, 7;

da ich dem hafen nah, von schiffbruch sicher bin.
Brockes 9, 560;

so nah dem port; so nah und doch so weit.
Wieland Oberon 4, 65;

eine erhöhung, nahe der loge des königs. Klinger 1, 357; er bezieht eine wohnung, ganz nahe der fürstlichen. Wieland 32, 258. uneigentlich, nicht weit weg sein, wenig fehlen an: es war nahe dran, dasz sie mit einander schlagen wolten; es war nahe dran, so wäre er umkommen. Aler 1444a; ich war nah an einer ohnmacht. Göthe 10, 83. 50; war er .. nahe an der verzweiflung 19, 65.
einem nahe sein, angehören, zur bezeichnung einer engen verbindung, eines innigen verhältnisses mit jemand: mhd.

dâ si mit rehten triuwen sprach,
ich müese ir herzen nâhe sîn.
Walther 72, 28;

nhd. (frauenzimmer) das bei ihren groszen vorzügen ihm so nah angehören sollte. Göthe 22, 71;

es scheinen die gefangenen dir sehr nah
am herzen. 9, 83 (Iphig. 5, 3);

einem nahe befreundet, nahe verwandt sein, in engem freundschafts- oder verwandtschaftsverhältnis zu ihm stehen: dieweil sie meinem weib so nahe verwandt wäre. Simplic. 2, 570, 30 K.; einem zu nahe sein wie zu nahe treten, ihn durch nahegehende reden oder handlungen kränken oder schädigen: dadurch man dem nehesten mag schaden thun oder zu nahe sein. Luther 4, 404b; ob du gleich hingehest, als habestu niemand unrecht gethan, so bistu doch deinem nehesten zu nahe. 409b; und (ich) nicht gerne wolt anders thun, noch jemand zu nahe sein und beleidigen. 6, 38b.
nahe bleiben:

solch ein edler bleibt uns nah!
Göthe 1, 163.


nahe stehen, eigentlich:

auf einmahl steht ganz nah
ein prächtiges gezelt vor seinen augen da.
Wieland Oberon 3, 52;

mit dativ:

und kaum stand der fromme pilger
jenem unbekannten nah.
Langbein (1854) 4, 22;

uneigentlich, einem nahe stehen, mit ihm genau bekannt, befreundet sein; einer sache nahe stehn, damit vertraut sein, daran antheil nehmen: ebenso wie den vorlesungen habe ich auch der erklärung seines gedruckten werks in seinen verschiedenen bearbeitungen nahe gestanden. Savigny kl. schriften 4, 215.
nahe liegen, eigentlich: nahe gelegen, nahe anligend, propinquus, vicinus Aler 1444b; wir lieszen das dörfchen .. ganz nahe rechts liegen. Göthe 16, 253; mit dativ oder präposition: mhd.

swâ uns dehein lant iender nâhe lac.
Walther 85, 27;

[Bd. 13, Sp. 283]


nhd. das dorf liegt nahe der stadt oder nahe an, bei, neben der stadt; die berg ... gelegen seind nahe der stadt Hierusalem. S. Frank weltb. 177b. übertragen: hier lag der gedanke nahe, sich an das ältere recht anzuschlieszen. Savigny system 4, 217;

willst du immer weiter schweifen?
sieh, das gute liegt so nah.
Göthe 1, 74;

mit dativ oder präposition: mhd.

swem ungemach ze nâhe lît,
der wirt an sælden heiser.
Konrad troj. krieg 17768;

nhd. die sachen liegen der entwicklung nah.
Schiller 12, 195 (Piccol. 5, 2);

zu nah liegt eine freche kälte neben
der heiszesten empfindung unsrer brust.
Göthe 10, 296.


β) mit einem verbum der bewegung, nahe an, nahe dabei, neben: wir giengen ganz nahe daran (am gletscher) hin. Göthe 16, 286;

der schöne schäfer zog so nah
vorüber an dem königsschlosz.
Uhland (1879) 2, 8.


b) in die nähe (äuszerlich oder innerlich).
α) mit einem verbum der bewegung, intransitiv.
nahe gehen, eigentlich: geh er nicht zu nahe! er möchte sie aufwecken. Lessing 11, 2, 382; uneigentlich: ich gienge aber ein wenig zu nahe an seine frau (lebte zu vertraut mit ihr). Jucundiss. 138; übertragen, von personen, sehr werth sein, am herzen liegen: mhd.

ich hete liep, daʒ mir vil nâhe gie. minnes. frühling 46, 21;

nhd. ein geschöpf, das ihm nahe gieng, wie sie. Schiller 3, 467; dieser charakter (marquis Posa) gieng mir nahe. 6, 70; in diesem sinne auch nahe angehen mit dativ: Cramer geht mir so nah an als ich mir. Klopstock briefw. 247 Lapp.; von sachen und abstracten, innerlich tief, namentlich schmerzlich berühren, s. th. 4, 12, 2451, e und dazu noch: mhd.

sît ir mîn langeʒ leit niht nâhe gât. minnes. frühling 195, 31;

nhd. glaubst du, dasz es meinem vater nahe gehen wird? 'sein herz wird ihm brechen, liebstes kind'. Sturz 2, 252; 's that mir recht nahe gehn, als wir uns adje sagten. Müller Siegfr. v. Lindenberg (1782) 3, 133; es geht mir nahe, dasz ich .. unter euch verschrien bin. Lessing 1, 160; aber gleichwohl geht er (der tod des vaters) mir so nahe. 12, 256.
zu nahe gehen, nachtheil, schaden bringen:

eurer würde ging es zu nah, ihr mögt es bedenken.
Göthe 40, 116.


nahe angehen, mit accusitiv, tief berühren, sehr nahe betreffen: dieser fall geht mich selbst zu nahe an. Gotter 3, 77;

ihr blut (der knaben tod) geht nah dich an, sehr nah!
Klopstock 9, 65;


nahe grenzen an, nahe hinanreichen: diese .. so nahe ans wunderbare grenzende erscheinung. W. v. Humboldt über Göthes Hermann und Dorothea (4. aufl.) 72.
nahe treten, mit dativ, nahe heran treten an, überkommen: nun ja! sagte ich, indem ich der ältesten (schwester) ziemlich nahe trat. Göthe 25, 359;

doch wenn das äuszerste ihm nahe tritt.
Schiller 12, 233 (Wallensteins tod 1, 7);

einem zu nahe treten, ihn mit worten oder handlungen verletzen, schädigen, kränken. Schottel 1117;

welchen meine stachelschrift ohne grund zu nah getreten,
denen sei es öffentlich und von herzen abgebeten.
Günther (1746) 865;

ich bin mürrisch und wollte niemanden damit zu nahe treten. Klinger theater 3, 304; wenn ich der historien .. etwas zu nahe treten (mich nicht daran halten) wollen. A. Gryphius 1, 183; wie hätte ich es herumbringen müssen, wenn ich der wahrheit nicht zu nahe treten .. wollte! Lessing 13, 287.
nahe kommen, in die nähe, nahe hinzu kommen, dem ziele, der wahrheit nahe kommen u. dgl.: einem nahe kommen, assidere alicui; nahe kommen dem tod, accedere confinia mortis; der wahrheit nahe kommen, proxime accedere ad verum. Aler 1444a; was sich zu nahe kommt, das reibt sich. Wander sprichw. 3, 866;

schon zappeln viel am boden um ihn her,
die seinem grimm zu nah gekommen.
Wieland Oberon 5, 65;

einem mit worten zu nahe kommen, dictis aliquem laedere. Steinbach 2, 102; er sollte mir nur einmal zu nahe kommen! Stilling (1780) 2, 42. nahe auf (jetzt nahe gegen):

wiewol sie jetzund gar nah kamen
auff Lauffenburg.
Fischart gl. schiff 403.

[Bd. 13, Sp. 284]



mir geschieht zu nahe, geschieht unrecht: ich werde mich bemühen dieses (abwehr) auf eine so gründliche art zu thun, dasz alle unpartheyischen mit händen greiffen mögen, wie sehr mir zu nahe geschehen sei. Liscov 103.
β) mit einem transitiven verbum der bewegung.
nahe bringen: ich habe meine gerechtigkeit nahe bracht, sie ist nicht mehr ferne. Jes. 46, 13; mit dativ: indem ich meinen tubus .. richte, um mir diese erscheinung so nahe zu bringen als möglich. Schiller 4, 338. nahe an: verhältnisse, die mich ganz nahe an grosze gefahr .. brachten. Göthe 24, 261. es einem nahe bringen, ihm zusetzen, ihn kränken: ach der gottlose Esau bringt mirs so nahe, dasz ich den tod wünsche. Chr. Weise comöd. 102.
nahe legen, dringend zur überlegung darbieten (s. th. 6, 527, d): umsonst, dasz die stadt Brüssel selbst es ihr (Margarethe) nahe gelegt, sie in dieser extremität nicht zu verlassen. Schiller 7, 235; auch von einer beigebrachten oder drohenden gefahr: nahe war es den Syracusanern schon gelegt. Heilmann Thuc. 903 (so grosz war die gefahr, in welcher die Syracusier geschwebt hatten. Jacobi); sie hätten an Samos eine macht, die es Athen einmal sehr nahe gelegt, dasz sie ihnen (den Athenern) die herrschaft zur see genommen hätte. 1119 (sie wären im besitze von Samos, eines staates, bei dem in dem kriege mit Athen nur sehr wenig daran gefehlt, dasz er die Athener der seeherrschaft beraubt hätte. Jacobi).
sich nahe machen zu, nahen: warumb habt ihr euch so nahe zur stad gemacht mit dem streit? 2 Sam. 11, 20;

dennoch soll zum mund des drachen
keiner sich zu nahe machen. persian. rosenth. 3, 27.


γ) nahe nehmen, zu herzen nehmen: du weiszt, was man glück und unglück nennt, und wie nahe sich das gewöhnlich die menschen nehmen. Claudius 5, 35.
δ) nahe schneiden, beschneiden, tief schneiden, so dasz man dem innern nahe kommt: wann ein huef zu nah beschnitten, dasz man den kern troffen hat. Seuter 312.
ε) nahe berühren, treffen, schieszen, äuszerlich und innerlich:

heut hat er (mordstreich) nahe dich berührt.
Schiller 12, 536 (M. Stuart 4, 9);

denn nahe droht ein jammervoller schlag
mein herz zu treffen und mein eignes haus. 12, 498 (M. Stuart 2, 2);

sprichwörtlich: nahe dabei ist nicht getroffen. Lehmann 755, 4; nahe schieszen hilft nicht, es gilt treffen. Schottel 1135b;

wie nah er immer doch
zum ziele trift (das rechte trifft).
Lessing 2, 347 (Nathan 5, 6).


ζ) zu nahe thun, womit zu tief verletzen, unrecht thun: wählt gott gute leute zu fürsten, die keinem menschen etwas zu nahe thun können. Claudius 3, 74; man thut dem schicksal und der religion zu nahe, wenn man dem glück seine rechte einräumt. Tieck 3, 5.
η) einem nahe reden, laut reden, dasz er es hört, ihm eindringlich zureden: siehe wie nahe redet er unserm herr gott, und wie gewaltig er betet. Luther 3, 307b; einem zu nahe reden, sprechen, violare aliquem verbis. Aler 1444b; das aber seinen ehren zu nahe sei geredt. Luther 6, 7b;

wo ihr stehet, spottet ihr mein und redet verwegen
meiner ehre zu nah.
Göthe 40, 205;

sein eifer, gutes von Heinrichen zu sagen, überredet mich, dasz er ihm nicht zu nahe gesprochen haben wird. J. E. Schlegel 4, 295.
c) wie nach I, 2, beinahe, nahezu, fast: md.

das her (er) nâhe
wêre kumen umbe sîn leben.
Rothe Elisab. 5a. 7a;

nhd. des wer nah gsyn unglück syn schantz.
S. Brant narrensch. 40, 12;

da Clemens hörete, dasz es eygentlich geschehen wer (dasz sein sohn zwei rinder gegen einen sperber vertauscht hatte), were er nahe von sinnen kommen. b. d. liebe 8, 1; sie (miszhelligkeiten) zu beseitigen ward ein vergleich versucht und nahe zu stande gebracht. Göthe 45, 377. vor adjectiven: nahe so grosz. Lessing 8, 335; nahe so schön. Klinger 5, 226. bei wertangaben: eine bombe kostet nahe an einen Louisd'or. Moltke Türkei 5, 270. gar nahe, ganz beinahe, s. th. 4, 1, 1322, γ und dazu noch: denn dis bedenken wandelt den menschen wesentlich, und gar nahe wie die taufe widerumb neue gebirt. Luther 1, 168c; das er ... gar nahe in einer empörung ... were umbbracht. 6, 369a; das es auff beiden seiten gar nahe keiner rede darf. Melanchthon apol. augsb. conf. 190; gar

[Bd. 13, Sp. 285]


nahe unzehelich. 93; daʒ herr Ludwig .. gar nahe ersticket were. Zimmer. chron. 1, 449, 11; der aff sprang so grauszlich gegen dem ritter, dasz er jhn gar nahe vom gaul gezerret. buch d. liebe 4, 2; der riesz schlug zu dem Florentzen, und traff jhn auff den rechten schenckel, dasz Florenz gar nahe zurückgefallen wer. 15, 2; er hat mich gar nahe vorhin verderbet und in armut bracht. 19, 1.
d) nicht an den wert hinanreichend, unter dem werte oder preise, wolfeil, billig: nahe oder wolfayl. voc. 1482 x 1b. vgl. nachgültig und F. Bech in Germania 17, 296.
e) von nah, aus der nähe (vgl. A, I, 4, b):

denn bank an bank gedränget sitzen ..
herbeigeströmt von fern und nah,
der Griechen völker wartend da.
Schiller 11, 243.


2) zeitlich, wenig entfernt von einem zeitpunkte oder ereignisse: dasz sie sich etwas enthielte, weil sie nahe auf dem zil gienge (bald niederkommen sollte). Fischart Garg. 82a;

ganz nah! ganz nah, noch diese nacht
bist du um deinen fang gebracht.
Göthe 11, 124;

nahe sein oder nahe daran, nahe dabei sein: als es nahe dabei war (an der zeit war), winkte ich einem von ihnen, mich an den haren zu fassen. Schiller 4, 229; mit nachsatz: es empört die empfindung, wenn man liest .. wie nah es dabei war (wie wenig gefehlt hätte), dasz sie selbst die heiligthümer der nation .. preisz gegeben hätten. 7, 322; mit infinitiv: sie war nah daran czarin zu werden und musz ins grab wandern. 15, 2, 520; sein weib war nah, an ihrem husten zu ersticken. Klinger 3, 79; meine opern sind nahe fertig zu sein. Göthe 29, 144; mit dativ:

wir waren dem august schon nah.
Brockes 8, 123;

die junge gräfin, so eben ihrer entbindung nahe, blieb leider unsichtbar. Göthe 31, 229;

von gott verlassen, hingst du da ..
im schweisz, im blut, dem tode nah!
Klopstock 7, 109.


II. comparativ. goth. nêhvis, alts. ahd. nâhôr, mhd. nâher, nâr, selten næher, ags. neâr, altn. nær, nhd. näher (neher, necher), selten naher.
1) räumlich, gegensatz zu ferner, äuszerlich und innerlich.
a) in geringerer entfernung, in gröszerer nähe: je näher je später, je näher man wohnt, desto später kommt man, u. dgl. Simrock sprichw. 393.
näher sein, stehen, liegen, mit dativ oder präposition (vgl. A, II, 1): that mich baldt in die vierte letztgen, das ich necher by im wr. F. Platter 142 B.; der bei aller unreife seiner politischen schöpfungen dennoch dem verständnisse der zeit näher stand. Dahlmann franz. revol. 453;

künftighin
steht Carlos meinem throne näher.
Schiller 5, 2, 209 (don Carlos 2, 3);

wie? was liegt
dem guten menschen näher als die seinen? 14, 344 (Tell 3, 2);

diese thür .. liegt näher an der saalthüre .. als sie denken mögen. Göthe 23, 28; sprichwörtlich: das hemd ligt eim näher an dann der rock. Agricola 13b.
b) in gröszere nähe, weiter herzu, hinzu: ich habe sie längst erwartet, meine herren! — nur herein! nur näher! Schiller 14, 245 (paras. 4, 4).
α) mit einem intransitiven verbum der bewegung, näher gehen, treten, kommen, ziehen, rücken u. ähnl.; eigentlich: lassend uns nher zhin gon. Maaler 301d; trete sie näher mein kind. Schiller 3, 459 (kabale 4, 7); o, treten sie einen augenblick näher, liebe kleine. Thümmel (1839) 2, 160; sie zitterte also um einen halben schritt näher. J. Paul uns. loge 2, 152; sie waren den berg hinab immer näher gekommen und glaubten nun sogleich im garten zu sein. Göthe 21, 63; da kam's mir plötzlich vor, als säh' ich den jungen Antonio .. längs der gasse herauf kommen, immer näher, immer näher. Gerstenberg verm. schriften 1, 426;

und näher zog ein leichenzug.
Bürger (1778) 91;

uhu! schuhu! tönt es näher.
Göthe 12, 204;

da rauschte von weitem eine stimme daher, sie kam näher und näher. Lessing 11, 2, 595 Hempel;

was glänzt dort vom walde im sonnenschein?
hör's näher und näher brausen.
Körner 25b;

mit dativ oder präposition: kommen sie ihr nicht näher! sie möchten sie aufwecken. Lessing 11, 2, 389 Hempel;

näher gerückt ist (in der stadt) der mensch an den menschen.
Schiller 11, 78;

[Bd. 13, Sp. 286]


uneigentlich:

laszt uns etwas näher gehn,
und wie uns die erd ..
.. erhält, mit ernst besehn.
Brockes 2, 241;

auf diese weise rücken wir nicht näher (kommt es zu keinem ausgleiche zwischen uns).
Göthe 9, 152;

mit dativ: ist dir das alles aber noch nicht klar, und zu weit weg, so will ich dir näher kommen (mich dir deutlicher erklären). Claudius 6, 29;

lasz eine kleinigkeit, mein bruder, dir
nicht näher treten (gröszeren kummer machen), als sie würdig ist.
Lessing 2, 235 (Nathan 2, 2);

wir wollen nunmehr den stücken des Plautus selbst etwas näher treten (uns eingehender damit beschäftigen). 3, 23. vgl. auch c, d.
β) mit einem transitiven verbum der bewegung: sich näher machen (nähern). Harnisch aus Fleckenl. 172; es näher bringen (leichtere bedingungen erwirken). Baumann quellen 1, 474; etwas näher legen (s. DWB nahe legen I, 1, b, β): da er sein gedanken Floramenen etwas näher legte. polit. stockf. 347; wo er es (das wort rechtschaffenheit) seinen gegern noch näher zu legen glaubt. Lessing 6, 127; sie legt es etwas näher. 11, 2, 639 H.
c) in bezug auf innigere vereinigung, bekanntschaft, verwandtschaft: doch fanden sich .. so viel freunde der naturwissenschaften in einzelnen gesellschaften zusammen, dasz man von hof aus nicht säumen konnte, sie näher (zu einer akademie) zu vereinigen. Göthe 54, 113; näher bekannte personen. 23, 200; mit dativ:

auch dieser (Leonore) hast du nie,
wie sie es wünschte, näher treten wollen. 9, 141 (Tasso 2, 1);

dein heilig amt ..
.. bringt dich den göttern näher. 9, 23 (Iphig. 1, 3);

wonne,
die mich den göttern nah und näher bringt. 12, 171;

die hoffnung nährst du (Max), ihm (Wallenstein) viel näher noch
anzugehören.
Schiller 12, 189 (Piccol. 5, 1);

königin. sire, ich läugn' es nicht, ich schätze ihn (Carlos) sehr und liebe ihn als meinen theuersten verwandten, den man einst würdig befunden, einen namen zu führen, der mich näher anging. 5, 2, 89 (don Carlos, prosa 4, 5).
d) tiefer eindringend, aufs einzelne mehr eingehend, genauer, deutlicher, besser (vgl. auch unter b): etwas näher erklären, näher auf eine sache eingehen, womit näher sich beschäftigen u. dgl.; ein ding näher besichtigen. Maaler 301d; nachdem mein kunstfreund mich näher kennen gelernt. Göthe 16, 211; ich wollte mich dieser schönen eigenschaft näher versichern. 23, 78; man beachtete näher den seltenen fall. 23, 216; die gegenstände .. näher kennen zu lernen. 54, 14; indem ich .. so die ausführung des plans, der eigentlich nur eine idee ist, näher vorbereite. an Schiller 322 (3, 129); da mein erster epischer versuch gut aufgenommen worden, so ist es mir eine art von pflicht diese dichtungsart noch näher zu studieren, um mich noch weiter drinnen zu wagen. an Knebel 172; aus sehr wichtigen ursachen wünschte ich näher mit ihm (dem Armenier) bekannt zu werden. Schiller 4, 221;

da besahen sie (die auswanderer) das land
sich näher und gewahrten schöne fülle
des holzes und entdeckten gute brunnen. 14, 325 (Tell 2, 2).


2) mhd. und besonders md. auch als gegensatz zu weiter vor, näher heran: hinter, weiter nach hinten, mehr zurück, beiseit, fort, weg, so dasz es sich der bedeutung von mhd. hôher, vürder, sunder nähert. viele beispiele giebt Bech in der Germania 17, 294 ff. und vermutet, dasz sich daraus entwickelt habe die bedeutung von:
3) billiger, wolfeiler, d. h. weiter abliegend vom eigentlichen werte, unter dem werte oder preise: nieman lîcht sîn hûs neher hin dan P., nemo minoris locat domum quam P. Murmelius 186; man kompt der stain sunst .. vill neher. Tucher baumeisterb. 84, 8; wie theuer die elle von dieser gattung? 'nicht näher als um fünff gulden, sechs groschen.' A. Gryphius 1, 780; näher oder wolfeiler kaufen oder verkaufen. Maaler 301d. Aler 1445a; alle schoffel die wurden von stund an verkauft aim ledrer, ains umb 15 dn., auch neher. städtechron. 2, 311, 30; indes gehe ich hin und keuffe solche wahr, da ich vorhin wol wuste, ich würde sie neher keuffen, denn ich sie im gebe, und überreiche im dieselbige und er bezalet mir sie. Luther 2, 488a; ich geb dir den sperber zu kauffen, aber nicht näher, dann umb die zwei rinder. buch d. liebe 7, 4; wilt du das rosz von mir haben, so wirst du

[Bd. 13, Sp. 287]


es nicht näher von mir uberkommen, du gebest mir dann 30 pfundt müntz darfür. 8, 3;

du kaufst es neher an dem mark.
H. Sachs 7, 191, 5 K.;

näher geben, billiger geben, verkaufen: mhd.

dann ich si (phelle) nâher wolte geben. Amis 1772;

nhd. wie wiltu mir den hasen geben?
'umb zwenundzweinzik gib ich dirn
und auch nit neher.' fastn. sp. 271, 15;

und wolts (das scheffel korn) nit neher dann umb 12  dn. geben. B. Zink 162, 9; ob mans halt noch neher geb. 276, 28. Eulensp. 36; ich gebe es nicht nher, ne nummo quidem minoris vendam. Stieler 1318. in übertragener bedeutung, es billiger thun, seine forderungen herunterstimmen, wovon ablassen, nachgeben: er wird es bald nher geben, ad lenitatem se dabit, mox faciliorem se praebebit. Stieler; zwar ich begunt es allmehlig nher zu geben. und wie die liebe noth gar zu grosz ward, liesz ich mich bei einem von adel in dienste ein. Chr. Weise erzn. 45 neudruck; aus welchen worten zugleich offenbar wird, dasz es der pabst schon näher gegeben und gelindere saiten aufgezogen. Hahn histor. 4, 100 anm.; noch a. 1170 declarirte Friedrich, Alexandrum niemahls vor einen pabst zu erkennen, es lauffe auch wie es wolle. nachdem er aber 1176 bei Como auf das haupt geschlagen worden, muste er es näher geben. 3, 285; er (Honorius) nahm 10000 Hunnen in dienst: und ungeachtet Alaricus es näher gab, und .. anbieten liesz, dasz er mit den beiden provintzen des Norici .. vergnügt sein wollte, so bestand der hof dennoch auf dem einmal beschlossenen kriege. Mascou 1, 359; jedoch der in sie allzu hefftig verliebte .. vermeinete vielleicht, dasz sie es nach und nach schon etwas näher geben würde. Felsenburg 4, 476;

so giebt sie es näher, so giebt sie sich drein.
Günther 929;

Merope hatte ihm ihre hand verweigert als er noch nicht könig war .. aber nun ist er könig .. er wiederhole seinen antrag, und vielleicht giebt sie es näher. Lessing 7, 203; gelobet er ihr, sie zur besitzerin eines schatzes zu machen, wenn sie ihn heirathen wolle. auf das wort 'schatz' giebt es Caroline näher. 4, 431; man möchte denken, ich hätte mich anders besonnen, und käme nun, es näher zu geben. 12, 342; der stadtrichter versuchte die güte noch einmal, und die parteien fingen schon an, es allmählich näher zu geben. Wieland 20, 14. mit bestimmtem objecte: würde doch Hector selber, wann er noch leben solte, seine adeliche hertzhafftigkeit was näher gegeben haben, von wegen so vielen unglücks, welches auch die hoffertigsten hertzen zu demütigen pfleget. Opitz (1646) 1, 286; nach seinen (Skaligers) worten zu urtheilen, müszte dasjenige epigramm das vollkommenste sein, das aus eben so viel andern kleinen epigrammen besteht, als es disticha enthält. doch sein eigenes exempel von einem solchen epigrammate differto, wie er es nennet, giebt die sache näher (geht von diesem urtheil ab, widerspricht ihm). Lessing 8, 450.
4) zeitlich: und also kam ich zu dem heiligen hause neher (eher) denn in einem augenblicke. Luther 8, 29b; und dis alles ist geschehen neher denn im zehenden teil der nacht. ebend. mit räumlichem nebenbegriffe: doch weisz ich auch einen eingang (in den garten) von dieser seite, wo wir um ein guts näher gehen (weniger zeit brauchen, weil die strecke kürzer ist). Göthe 21, 63;

wiewohl nach Indien auch näher ist zu kommen.
Rachel 6, 158;

näher werden, kommen, mit dativ: der tod wird mir täglich näher. Dyanasore 5, 45;

wie doch die alte zeit mir näher kommt (sich mir vergegenwärtigt).
Schiller 12, 379 (Wallensteins tod 5, 4).


III. superlativ, s. DWB nächst sp. 133 f. und vgl. DWB nach A, III, 3, d. hier nur wenige belege.
1) räumlich: zu nähst um dich. Rompler 78; zu aller nechst bei im. Amadis 198 K.; aufs nehest hinzu schieszen. Luther 6, 136a.
2) in bezug auf innigste vereinigung: lassen sie mich noch einmal in der ferne sehen, was so nah, so nächst mir angehören soll. Göthe 21, 162.
3) wolfeilst, billigst: so kam man mit in ab, so man nechst mocht, oder gab in die hab wieder. städtechr. 2, 263, 5.
4) zeitlich von der nächsten vergangenheit oder zukunft, s. DWB nächst, DWB nächstens.

[Bd. 13, Sp. 288]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) näharbeit, f. arbeit mit der näh- oder sticknadel: neben der madonna stand ihre näharbeit in einem rahmen; sie hatte angefangen, die lebendigen rosen und lilien dahinein zu sticken. Heinse Ardingh. (1857) 103.
 
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nähbeutel, m. beutel für das nähzeug: alle unsere vornehmen damen arbeiten beständig in gesellschaften und haben ihre nähebeutel im wagen wie in der komödie. Möser 2, 231; ich wuszte nicht, was im nähbeutel der dame verborgen lag. Lenz 3, 328; die dienende dame am hofe, aus deren nähbeutel das schicksal nicht selten fäden herholt, weltbegebenheiten an einander zu knüpfen. Lichtenberg 4, 217.
 
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nähbret, n. gleich nähkloben Jacobsson 3, 125b.
 
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nähbuch, n.: nehbücher werden genennet, in welchen entweder anweisung zum nehen gegeben oder aber zum nehen dienliche muster und risse vor augen geleget werden. Zedler 23, 1595.
 
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nähdraht, m. draht zum nähen, schusterdraht, dann auch der metalldraht, womit die formen des büttenpapiers durchflochten sind. Jacobsson 3, 125a.
 
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nahe, s. DWB nah.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,