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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nagen bis nagezahn (Bd. 13, Sp. 274 bis 275)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nagen, n. das nagen.
1) eigentlich:

ir (der mäuse) nagen daʒ hât ende niht. Barlaam 119, 27;

ihr (der nagethiere) genusz ist vielfach, einige sind auf animalische nahrung begierig, auf vegetabilische die meisten, wobei das nagen als ein schnopperndes vorkosten und auszer dem eigentlichen sättigungsgeschäft ... zu betrachten ist. Göthe 55, 322; so vereinigen diese zähne (der nagethiere) alles erforderliche, um dem ungeheuren kraftaufwande, welchen das nagen beansprucht, gewachsen zu sein. Brehm thierl. 2, 60.
2) übertragen und bildlich: denn das nagen der gewüssen laszet einem solchen menschen nit rûwe. Keisersberg seelensp. 68a; da fand er sie eben geberen ein kind, us welchem in ouch ein gröszeres nagen begriff. Terent. deutsch (1499) 145a; ein ewigs nagen, kummer, leid. Kohlrosz D 4a;

obwol du hast ein heimlich nagen,
verdruck das in deinem magen.
G. Wickram kunst zu trinken I B 3b;

nicht der verwesung nagen und duft
entehre das schöne gedächtnis!
Immermann 1, 139;

mir ist es klar, ich sehs im licht der flamme,
die mir das herz verbrennt mit wildem nagen.
Lenau (1880) 1, 83;

ich trag im herzen eine tiefe wunde ..
ich fühl ihr rastlos tiefres nagen. 1, 194;

ein süszes nagen nahm mein herz auseinander wie zum sterben. J. Paul Titan 2, 58.
 
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nagenkraut, s. DWB neunkraut.
 
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nagenranft, m. imperativische bildung nage den ranft, nage die brotrinde.
1) der hunger, der hungerleider: wo nagenranft uberhand gewint, da hat stärke ausgedient. Fischart Garg. (kloster 8, 408).
2) geizhals, knicker, knauser, als fingierter name schon in den fastn. sp. 445, 37;

also die kargheit dich vexirt,
du bist und bleibst ein nagenranft.
H. Sachs 3, 31, 36 K.;

und bist bei iederman unwerd,
haist dich ein filtz und nagenranft. 4, 42, 19;

wer nicht, wie er, sein gut verprasset,
wirt von im verspott und verhasset,
er sei ein filtz und nagenranft. 5, 79, 20;

schad ists, das ir erschlagen seit
mit disem alten nagenranft (vorher wucherischer geltwurm).
J. Ayrer 2262, 32 K.;

kompt er in eine disputation und harte unterredung wider die kargen filze, nagenranfte und geizige Eucliones, welche

[Bd. 13, Sp. 275]


er lauser und karge hunde nennet. Mathesius Syrach 1, 86b; der karge filtz und nagenranft. Simplic. 1, 344, 13 var. K.; schwäb. der nagenranfte, der an jedem ränftchen brot nagt, der gierige, geizige. Schmid 424.
 
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nagenranftig, adj. filzig, knauserig: karge hunde werden die geizigen nagenranftigen Eucliones genennet. Mathesius Syrach 1, 86b.
 
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nager, m.
1) einer der nagt, abnagt Stieler 1324; besonders ein nagethier (glis) Brehm thierl. 2, 59 ff.: die nager sind .. höchst merkwürdig gebildet. scharfes, aber geringes erfassen, eilige sättigung, auch nachher wiederholtes abraspeln der gegenstände, fortgesetztes fast krampfhaft leidenschaftliches, absichtslos zerstörendes knuspern. Göthe 55, 318;

nacht umschweigt mein krankenlager;
an der morschen diele nur
reget sich der kleine nager.
Lenau (1880) 1, 120;

auch von nagenden käfern: der nager, scarabaeus horticola Nemnich 2, 1236. Stalder 2, 229.
2) bildlich zu nagen I, 2, f, β:

der himmel mag vor deinen gram sich lagern,
all seine götterkräfte lasz erglühn,
dasz er die seele dir von ihren nagern
rein schaffe und sie wieder mache blühn.
Lenau 1, 52.


3) etwas woran man nagt oder nagen musz. tirol. der nager, ein pfirsich fester art, dessen kern sich nicht von selbst ablöst. Schöpf 457.
 
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nagergeschlecht, n. geschlecht der nagethiere: überdenk ich nun das nagergeschlecht, dessen knochengestalt, mit angedeuteter äuszerer hülle, meisterhaft auf das mannichfaltigste gebildet vor mir liegt; so erkenn ich, dasz es zwar generisch von innen determinirt und festgehalten sei, nach auszen aber zügellos sich ergehend, durch um- und umgestaltung sich specificirend auf das allervielfachste verändert werde. Göthe 55, 318.
 
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nagerin, f. foemina derodens Stieler 1324.
 
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nageschnabel, m.: die nageschnäbel (trogones), eine zahlreiche über die wendekreisländer .. verbreitete familie, kennzeichnen sich durch gestreckten, aber reich befiederten leib, sehr kurzen, breiten, dreieckigen, stark gewölbten schnabel mit hackiger spitze. Brehm thierl. 4, 182.
 
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nagethier, n. ein thier aus dem geschlechte der nager (glires) Göthe 55, 317 ff.; bildlich vom zweifel:

das heilige tau des glaubens ist zerrissen,
das diese welt an ihren gott gebunden,
vom nagethier, dem zweifel, überwunden,
vom zahn der höllenratte abgebissen.
Lenau (1880) 2, 225.


 
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nägewitzbirn, f. eine art kleiner birnen Hohberg 1, 429b; österreich. nagewizbirn Castelli wb. 205, ged. (1828) 70. 195.
 
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nagezahn, m. zahn der nagethiere: zwei grosze nagezähne in beiden kiefern .. sind das allen (nagern) gemeinsame merkmal, und diese nagezähne sind so hervorragend, dasz sie unmöglich übersehen werden können. Brehm thierl. 2, 59.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,