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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nagelmage bis nagelschmied (Bd. 13, Sp. 267 bis 269)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nagelmage, m. mhd. nagelmâc, mnd. nagelmach, -mage verwandter im siebenten (letzten) grade, so genannt, weil die verwandtschaftsgrade nach den gelenken vom kopfe bis zum nagelgliede des mittelfingers abgezählt wurden. Oberlin 1107. Grimm rechtsalt. 469. reichstagsacten 1, 302, 26; rhein. der nailmage weisth. 1, 542 (ende des 14. jh.). s. nagelfreund.
 
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nägelmal, n. eindruck, narbe von nägeln, besonders von den nägelwundmalen Christi. Frisch 2, 6b: er (Thomas) aber sprach zu inen, es sei denn, das ich in seinen henden sehe die negelmal, und lege meinen finger in die negelmal. Joh. 20, 25; bruder Liedlhart geht ein, ist verkleid mit einem andern part oder larfen, hat in händen und füszen, wie auch in der seiten, nägelmahl gemacht, breit die händ ausz und spricht:

also ich je verlarfet bin,
dasz man mich gar nicht kennen kan,
sicht mich für sanct Franciscum an.
J. Ayrer 3017, 18 K.;

[Bd. 13, Sp. 268]



ich umfange, herz und küsse
der gekränkten wunden zahl
und die purpurroten flüsse,
deine füsz und nägelmal.
P. Gerhard 13, I, 12 Göd.;

und kaum stand der fromme pilger
jenem unbekannten nah,
als er blutge nägelmahle
an den zarten füszen sah.
Langbein (1854) 4, 22.


 
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nagelmuschel, f. die riesenmuschel, chama gigas Nemnich 1, 996.
 
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nageln, verb.
1) zu nagel I. weidmännisch, tiefe nägel- oder krallenspuren im boden zurücklassen. Kehrein 217: von den hasen sagt man, wenn sie mit ihren läufen zwei kleine grübchen in dem boden machen, sie nageln. v. Heppe leithund 94; wenn der hase, auch fuchs, katze und marder auf weichem boden gehen, greifen sie mit ihren nägeln .. oder krallen oder fängen in den boden, davon sagt man, sie haben genagelt. Jacobsson 3, 124a.
2) zu nagel II. goth. nagljan, ags. neglian, ahd. negelen, negilen, mhd. nagelen, negelen (noch bei Luther nageln und negeln).
a) einen nagel einschlagen, mit einem nagel, mit nägeln oder nagelähnlichen dingen befestigen: nageln, clavare. voc. 1482 x 2a; naglen, nagel einschlahen oder heften, clavum figere. Maaler 302a; ich hœre iemanden nageln, sonum mallei clavum pangentis percipio auribus. Stieler 1325; und David bereitete viel eisens zu negeln an die thüren in den thoren, und was zu nageln were. 1 chron. 23, 3. mit präposition: ich wil dein maul unter ein scheiszhaus nageln. A. Gryphius horrib. 81 neudruck; ein bret an die wand nageln. Steinbach 2, 100; nicht einmal seine landcharten wollte er an die wände genagelt haben, um die neuen tapeten nicht zu verderben. Göthe 20, 132; das übrige will nicht mehr heiszen, als ein paar ohren an einen stock genagelt. 36, 137; wer miene macht, herüber zu dringen, den nagelt mein pfeil an den boden. Freytag ahnen 3, 381; die knaben hatten (über die balken) die dielen genagelt. 1, 209; er sah nach dem angepichten feuersegen an der thür, zu dem ich gern noch einen ... wassersegen genagelt hätte. J. Paul kom. anhang zum Tit. 1, 44.
b) wie mit nägeln befestigen, festmachen: sicher nicht aus eigennutz, sonst bliebe das hölzerne herz im menschenklotz auch .. bei kindlicher liebe fest genagelt. Hesper. 1, 104; die auf die achsel eingeschlagene hand nagelte den kleinen zierling an den sessel an. 2, 56; ihr habt die seele Normanns an euch fest mit banden der liebe genagelt. Klinger Otto 13, 22 neudruck.
c) mit nägeln versehen, beschlagen: mhd. genagelte phelle, kostbare seidenstoffe, auf die goldflitter geheftet waren. Nibel. 1234, 2 C; nhd. von einer kandel, die zu clein oder nit genegelt gewesen ist. Nürnb. polizeiordn. 187 (15. jh.), s. DWB nagel IV, 2; zwei lustige geiger riefen zum tanze und rasch hörte er die genagelten schuhe .. den boden stampfen. Gotthelf geld und geist (1859) 50.
d) obscön für coire Schm. 1, 1733 Fromm. s. DWB nagel IV, 5.
 
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nagelneu, adj. und adv. neu wie ein eben aus der schmiede kommender nagel (s.feuer-, funkelnagelneu):

ein nagelnûwer smertz. meister Altswert 217, 29;

wend (wollt) ir aber hôren
nagelnwe mêr.
Liliencron volksl. 96, 7 (v. j. 1451);

die hat an ain nagelneue pfait. fastn. sp. 583, 24;

das ist ein nagelnüwes fögly (aucupium) Terent. deutsch 1499 bl. 43b; worvor er mir dann schaffte, was ich noch brauchte, und mich also nagelneu herausz butzte. Simplic. 1, 344, 6 K.;

mein lieber Hanns, merk auf den dantz,
welch melodei, ist nagelneu. postiglion der lieb (1614) 21;

ein nagelneuer orden.
Fleming 166;

von blümlein ist erwählet
das bauzeug nagelneu.
Spee trutzn. 98 B.;

er hat ein schön hausz, nagelneu. Elis. Charl. (1871) 595; ein nagelneuer philosoph. Lessing 11, 748; denn ich bin ein ganz nagelneuer Türke. Tieck 1, 287;

rok und mantel nagelneu!
Schiller 1, 349;

ein quodlibet, wer hört es gern,
es ist noch nagelneu.
Göthe 11, 20;

nur auch ein nagelneues stück (lied). 12, 110;

nagelneue tischlieder. an Zelter 419; dies wäre nun freilich eine ganz nagelneue entdeckung. Merck briefs. (Wieland) 1, 226; in diesem nagelneuen jahre. Möser 2, 70; aber jetzt was

[Bd. 13, Sp. 269]


nagelneues. F. Müller 1, 287; das schöne bett mit nagelneuem überzug. Hebel schatzk. 171.
 
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nagelplatte, f. nagelkopf, caput clavi Stieler 188. Jacobsson 3, 124a.
 
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nagelprobe, f. das umstürzen eines ausgetrunkenen glases auf den nagel des linken daumens zum zeichen, dasz auch nicht ein auf den nagel fallender tropfen zurückgeblieben sei. Oberlin 1108. das wort erscheint zuerst in der hoftrinkordnung des kurfürsten Christian II. von Sachsen (gestorben 1611): erst soll man trinken die herrschaftliche gesundheit; darnach soll mans bringen dem freudigen bergmann mit dem spruche 'glückauf'; dann folgt die nagelprobe mit dem spruche: 'so hatten es auch die alten im brauch'. Adelung 3, 412; die nagelprobe aushalten; es ist nicht die nagelprobe übrig geblieben. Eiselein 485; die nagelprobe so rein, so rein machen. Hamann 3, 148;

und trank mit tapferm zuge ihn (riesenhumpen) bis zum grunde leer,
und macht die nagelprobe, da flosz kein tropfen mehr.
Scheffel Ekkeh. 398;

zur sache vgl. DWB nägelein 1 und nägelein klopfen, ferner:

und bringent eim ein früntlich drunck,
do mit der becher macht glunck glunck,
und meinen do mit andere eren,
ich darf der selben hofzucht nit,
das man mir vor das glasz umschüt.
S. Brant narrensch. 110a, 110 ff.;

'im latein des mittelalters hat man den germanismus super nagulum dafür gebildet, welcher ausdruck samt der sitte auch zu den Briten und Franzosen übergewandert ist'. Eiselein 486.
 
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nagelroche, m. steinroche, stachelroche, raja clavata. Nemnich 2, 1113. Brehm thierl. 5, 796.
 
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nagelsblume, f. gleich nägelblume, nägeleinblume. Philander lugd. 5, 287.
 
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nagelschere, f. schere zum abschneiden der finger- und zehennägel.
 
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nagelschmied, m. faber clavarius Stieler 1879:

heirat i' en naglschmid,
hab i' tag und nacht kan frid.
Schmeller 1, 1732 Fromm.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,