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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nafzen bis nagelbett (Bd. 13, Sp. 257 bis 263)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nafzen, s. DWB napfezen.
 
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nägber, s. näbiger.
 
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nageblick, m. nagender, stierender blick:

verzweiflung mit dem stillen nageblick.
Immermann 3, 119.


 
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nagekäfer, m. nagender käfer, myrrhus Nemnich 3, 405.
 
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nagel, m. unguis, clavus. ein goth. nagls (clavus) ist aus ganagljan (annageln) zu folgern; alts. nagal unguis und clavus, mnd. nagel, negel, nd. nagel, naegel, ags. nägel; altn. nagl unguis und nagli clavus (ebenso dän. negl und nagle gramm. 3, 470); ahd. nagal (statt nakal), nagul Steinmeyer-Sievers 1, 12, 36. 297, 51. 357, 55, mhd. nagel, plur. nagele, nagel, negele, negel, md. meistens in contrahierter form nâl, nail, neil (Lexer 2, 15), altfries. neil, ebenso mnd. neben nagel, negel, engl. nail, westerw. nal, näl Schmidt 121. — Die dem deutschen worte sowie dem sanskr. nakha, griech. ὄνυξ, lat. unguis zu grunde liegende wurzel s. unter DWB nagen; L. Meyer goth. sprache § 199 stellt es zu lat. nectere. Bedeutung.
I. Der nagel ist zunächst die kratzende, scharfe hornplatte von gebogener gestalt an der rückenseite der letzten finger- und zehenglieder

[Bd. 13, Sp. 258]


bei menschen und auch bei thieren (s. DWB kralle, klaue): nagel an den fingern und zehen, unguis. voc. 1482 x 2a; der negel ist nôtdürft, dar umb daʒ si der vinger end bedecken an den henden und an den füeʒen .. der andern tier negel sint scharf und hert, darumb daʒ si ir waffen sint. Megenberg 21, 13 ff.
1) der fingernagel: mhd.

(hände), an den sint vorne vingir mit horne,
daʒ horn sint die nagele. Milstäter genesis 5, 27;

an dem weichen vinger stêt vil lîhte vor ein herter nagel.
Marner minnesinger 2, 240b;

nhd. nägel der fingeren, ungues Maaler 301; wil ich dir helfen arbeiten, das mir das blut zu den naglen auszgeht. Pauli schimpf 90a; ich will lieber arbeiten, dasz mir die nägel bluten. Frisch 2, 5c. von einem harten gläubiger wird gesagt, dasz er aim 's bluet under de negle füredruckt. Seiler Basler mundart 218a. im einzelnen ist hervorzuheben
a) die schärfe, spitze, länge des nagels, womit er eindruck machen, krauen, kratzen kann. mhd. bildlich:

ouch stêt ein scharfer nagel
an dînem (der welt) finger.
Otacher 156a;

nhd. bis sein har wuchs so gros als adelers feddern, und seine negel wie vogels klawen wurden. Dan. 4, 30; mit einem nagel zeichnen, ungue notare. Frisch 2, 6a; stelle (des buchs), die du ... mit dem nagel des zeigefingers der rechten hand angezeichnet hast. Hippel über die ehe 228; das angesicht mit den näglen zerkratzen, notare genas ungue. Maaler 301. Hederich 1675;

sie wirft dir wieder nach angeborner art
die nägel ins gesicht, die finger in den bart.
Rachel 1, 140;

du glaubst vielleicht, des gastes nägel krauen
nicht auch so gut wie deine scharfen klauen?
Göthe 41, 119;

Theodors nägel suchten fortwährend Antons gesicht und kehle. Holtei vagab. (1876) 1, 156; eher verkratz ich euch das glatte gesicht mit den nägeln. 2, 232; er stimmt die saite, kneipt sie mit dem nagel, um gewisz zu sein, dasz der ton rein ist. Göthe 36, 34; sprichwörtlich: mit eigenen nägeln kratzt man sich am besten; wer lange nägel, hat gut kratzen. Wander 3, 861 f. lange nägel sind wie lange finger diebisch, weil man damit leicht etwas fassen und aufheben kann: der baur hat sehr diebische nägel an den fingern. Luther 5, 731.
b) die stumpfheit des beschnittenen nagels: mit stumpfen, beschnittenen nägeln sich wehren, nur zum scheine sich wehren:

die sich, so lang es hilft, mit stumpfen nägeln wehret.
Wieland 9, 86;

den dirnen,
die sich mit stumpfen nägeln wehren. Idris 1, 86;

(ihren zorn hält) der sieggewohnte lüstling nur
dem zorne gleich, der die verwegnen finger
des jünglings mit beschnittnen nägeln straft. Melinde 357.


c) die breite, grösze des nagels: hand mit groszen nägeln. Winkelmann allegorie (1766) 145; besonders in sprichwörtlichen wendungen: es half aber keines nagels breit (gar nichts). Jucundiss. 178; und scherete mich nicht eines nagels grosz um ihren stolzen aufbutz. 209; behüte uns gott .. dasz wir umb einen nagel breit von denen fuszstapffen, von denen leben und lehren der lieben heiligen gottes abweichen wolten. Procopius patrociniale (1674) 194; die sonne tritt keinen augenblick oder eines nagels weit über den thierkreisz. Lohenstein Armin. 2, 399b; wo du nur einen nagel breit zurück weichst. Lenz 2, 40. vgl. fingerbreit.
d) das weisze am nagel, nubecula. Aler 1443b; einem das weisz vom nagel geben. S. Frank parad. 151; der nagel blüht, wenn sich weisze flecken daran zeigen. s. th. 2, 156 und nagelblüte.
e) blaue nägel, vor kälte blau unterlaufen. wie sind meine nägel so blau! ein kalter, kalter verzehrender schweisz lähmt mir jedes glied. der j. Göthe 2, 186 (Götz); eine nachtmusik (kalter nachtwind), davon einem die zähne klappern und die nägel blau werden. Schiller 2, 164 (räuber, schausp. 4, 5).
f) das schwarze des nagels, der unter dem vorstehenden nagel sich ansammelnde schmutz, sowie das dadurch schwarz gefärbte nagelende: ich haue dir in freier luft das schwarze vom nagel weg. Hebel (1869) 1, 247; koth unter den nägeln, sordes unguium. Frisch 2, 5c; er hat blauen zwirn den nägeln undergelegt, ungues ejus sordibus eminent. Stieler 1324.
g) die nägel reinigen, putzen; die nägel seuberen und raatsamen, purgere ungues cultello. Maaler 301;

der mit dem messerchen sich in behaglichkeit putzte die nägel.
Voss Horazens epist. 1, 7, 51.

[Bd. 13, Sp. 259]



h) die nägel abschneiden, beschneiden und dadurch säubern: mhd.

ich wæne, er selten besneit
die nagele an den vingern vorn. krone 19738;

nhd. so füre sie in dein haus und las ir das har abscheren und ire negel beschneiden. 5 Mos. 21, 12; die nägel abhauwen, ponere ungues. Maaler 301d; nägel verschneiden sive abschneiden. Stieler 1324.
i) gepriesen werden die wolgepflegten, glänzenden, rosenfarbnen nägel der frauenhände (vgl. Weinhold die deutschen frauen 1, 227): mhd.

schône hande, vinger lanc,
glander negel.
Herbort 2496;

ir nagele hât ein stæte
begriffen einer varwe
spiegellûter begarwe. krone 8210;

nhd. die nägel an den fingern (der frauen) sind mir die feinsten schönheiten. Hippel über die ehe 133.
k) die nägel nagen, abnagen, abbeiszen, kauen, zerkauen; an den nägeln beiszen, nagen, kauen u. dgl., besonders als zeichen der langeweile, der ungeduld oder verlegenheit, des ärgers oder nachgrübelns: an den nägeln nagen, rodere ungues. Stieler 1323; die nägel nagen, ungues arrodere. Frisch 2, 6a; die nägel abnagen, abbeiszen. Aler 1444a;

und unterlag auch oft die sanfte langmuth schier,
so nagt sie lächelnd sich die rosenfarbnen nägel.
Wieland Idris 5, 57;

gewohnt die sommernacht mit grazien wegzuscherzen,
sänn' ich mich mager und bleich beim dampfe nächtlicher kerzen
und kraute die nägel mir ab. werke 4, 4;

ich habe nie
Dafne zu gefallen die nägel abgebissen.
Rachel 1, 6;

ich wünschte nur einmal den leutchen zuzuschauen,
wenn sie begeistert sind und an den nägeln kauen.
Körner 240b;

der Hans und die Grete sind bräutgam und braut ..
der arme Peter die nägel kaut.
H. Heine buch d. lieder 52;

was hat ihnen denn der arme nagel gethan, dasz sie ihn so zerbeiszen? Lessing 1, 289;

dame Turandot,
das seid gewisz, dreht euch drei räthselchen,
daran die sieben weisen Griechenlands
mit sammt den siebenzig dollmetschern sich
die nägel jahre lang umsonst zerkauten.
Schiller 13, 378 (Turandot 2, 3).


l) ähnlich in den nägeln klauben; etwas aus den nägeln beiszen, saugen, wie aus den fingern saugen: lange auf kunst und weitgesuchte dinge zu denken, oder über allen wortsätzen rath zu halten, und drüber in den nägeln zu klauben, ist kein werk von meinem gemüthe. Hofmannswaldau vorrede;

sollt ich mich gleich darumb zerreiszen,
und sie (die reime) mir aus dem nagel beiszen.
Morhof ged. 116;

am ende sind sie weiter gekommen als ich, der seine gegenstände aus den nägeln saugen musz. Schiller an Göthe 145 (2, 9).
m) es (feuer) brennt auf den nagel, wie auf den finger: das brennt ihm nicht auf den nagel, das hat für ihn keine eile oder geht ihn nichts an. Wander 3, 862; wenns auf den nagel brennt (zum äuszersten kommt), musz man wehren. Simrock sprichw. 393.

der dichter freut sich am talent,
an schöner geistesgabe;
doch wanns ihm auf die nägel brennt (die noth sich einstellt),
begehrt er irdscher habe.
Göthe 47, 252.


n) etwas an den nägeln (wie an den fingern) herzählen. Wander sprichw. 3, 864.
o) etwas auf den (dem) nagel oder bis auf den nagel (wie aufs haar, bis aufs haar) kennen, wissen, hersagen, erzählen, aufs kleinste genau, in allen theilen kennen u. s. w., gleichsam bis zum nagel der fingerspitzen kennen oder wie auf der fingerspitze herzählen, detailliren können (zu vergleichen ist griech. εἰς ὄνυχα, lat. ad unguem): wolten auch nit ablassen, bisz es alles untz auf den nagel verhört ward. Meisterlin 164, 20;

was Opitz hat geschrieben,
was unser Werder singt, das kanst du ohn gefähr
und sagst es ohne buch auf einen nagel her.
Fleming 136, 38 L.;

wissete einer gleich seinen Tacitum auf den nagel auswendig. Butschky Pathm. 388; hierauf fängt er an ... alles auf dem nagel herzusagen, was uns begegnet ist. Felsenburg 1, 383.
p) auf den nagel trinken, die nagelprobe machen. Körte 4422d bei Wander.

[Bd. 13, Sp. 260]



2) zehennagel: mhd.

do worht er im die fʒʒe ..
den gap er .. funf zêhen,
von horne habent si nagele. Milstäter genesis 7, 7;

dîne zêhen glîmet unde lanc,
dîne nagel lûter unde blanc.
Hartmann Greg. 2744;

der grosze nagel (nagel des groszen zehs). Schiller 2, 98; er fragte so ängstlich, ob ihr nicht versehrt wäret. ich sagte: er ist ganz, von der äuszersten haarspitze bis zum nagel des kleinen zehs. der j. Göthe 2, 81 (Götz), vgl. lat. ab imis unguibus usque ad verticem summum.
3) auch der affe hat an den fingern seiner vorder- und hinterhände platte nägel. s. Brehm thierl. 1, 12. 18.
4) nagel an den füszen der vögel und thiere, unguis Hederich 1675 (vgl. oben unter I): mhd.

ein lewe grûb mit sînen negelen
ein grab.
Hartmann rede vom glauben 2313;

nhd. läszt aus den nägeln sich von löwen urtheil fällen (ex ungue leonem).
Lohenstein Armin. 2, 685a;

die mit einem nagel bedeckte daumenwarze der vorderfüsze des eichhörnchens. Brehm thierl. 2, 67; die füsze (der rennmaus) sind fünfzehig, doch ist der vordere daumen eigentlich nur eine warze mit glattem nagel. 114.
5) hornnagel an der schwanzspitze des löwen: an der spitze des schwanzes in der quaste verborgen steckt ein horniger nagel, den schon Aristoteles beobachtete, aber viele der neueren naturforscher leugneten. Brehm thierl. 1, 189.
6) gleich meernagel, schalendeckel der leistenschnecken (murices) Brehm thierl. 6, 832. s. nagelschnecke.
II. Der nagel ist der stechende, bohrende, stachelartige körper, der zum anheften, zusammenfügen oder daranhängen dient und aus metall oder holz gemacht ist: alle negel des hofs sollen ehern sein. 2 Mos. 27, 19; stäheline nägel. Bürster 70; hölzerner nagel. Aler 1442b. Frisch 2, 6a;

und verband nun den flosz mit ehernen nägeln und klammern.
Voss Od. (1781) 5, 248.

im einzelnen ist hervorzuheben:
1) der kopf des nagels: nagel mit einem kopf, capitatus clavus Maaler 302a; die kuppe am nagel, caput clavi Stieler 1324. sprichwörtlich: er macht nägel mit köpfen, macht die sache ganz sicher. Wander 3, 863; den nagel (mit dem hammer) auf den kopf schlagen, treffen, das richtige ganz genau treffen, sagen, erraten; den nagel auf den kopf treffen könnte übrigens auch auf das treffen des nagelkopfes im centrum der zielscheibe bezogen werden (s. III, 1): du hast den nagel auf den kopf geschlagen, rem acu tetigisti. Aler 1443a; wer beweisen kann, läszt sich nicht lange nöthigen, zu beweisen, ich will nur sogleich den nagel auf den kopf zu treffen suchen, und rund heraus erklären. Lessing 10, 246; herr v. B. über einige wochen krieg ich noch einen gast, auf den du dich wohl nicht versiehst. frau v. B. herr von Zopf? herr v. B. den nagel auf den kopf getroffen. Lenz 1, 91; sprüchwörter, die doch, statt vieles hin- und herfackelns, den nagel gleich auf den kopf treffen. Göthe 25, 58; hier trifft unser freund den nagel auf den kopf. 39, 75; nun aber liegen von einem capitel manchmal drei aufsätze da, wovon .. der dritte auf einem höhern standpunct beides zu vereinigen sucht und doch den nagel nicht auf den kopf trifft. an Schiller 874 (6, 190);

vielleicht erlog ich alles wort für wort.
das weisz ich besser, herr, fuhr sie mit lächeln fort:
ihr habt den nagel voll auf seinen kopf getroffen.
Bürger 110a.


2) der nagel wird mit dem hammer in oder durch etwas geschlagen, mit ihm wird genagelt, angenagelt: ein nagel einschlahen, pangere clavum Maaler 302a; nagel .. welchen eine figur an einem tempel einschlägt. Winkelmann allegorie (1766) 144; schlag den nagel in die wand Stieler 1324; der eine schlägt den nagel ein, der andere hängt den hut daran. Simrock sprichw. 393; da nam Jael das weib Hebers einen nagel von der hütten und einen hamer in ihre hand .. und schlug im den nagel durch seinen schlaf, das er zur erden sank. richter 4, 21;

schlagt einen nagel
ihm durch den kopf! aufs rad!
Göthe 7, 113;

besonders werden hervorgehoben die drei nägel, womit Christus ans kreuz genagelt ward: mhd.

man sluoc im drîe nagel dur hande und dur füeʒe.
Walther 37, 8;

nhd. kreuz und nägel ..
seind mit tropfen wol besprengt.
Spee trutzn. 220 B.;

[Bd. 13, Sp. 261]


ein groszer drîecker nagel, damit Christus ans kreutz sol gnaglet sein. F. Platter 288 B.; wen es haglen wil, so sol man das wetter beschweren bei den drei neglen, das hat kainen grund in der h. geschrift. Keisersberg emeis 61.
3) der eingeschlagene nagel steckt, haftet, sitzt fest; er wird ausgezogen, ausgeschlagen: wie ein nagel in den mauren zwischen zween steinen stickt, also stickt auch sünder zwischen kauffer und verkauffer. Sir. 27, 2; welcher (hütte) negel sollen nimmermehr ausgezogen werden. Jes. 33, 20; sprichwörtlich: wenn der nagel tieff ist eingeschlagen, kan man ihn nicht unverbrochen herausziehen. Lehmann 316, 25 bei Wander; einen nagel mit dem andern ausschlagen, ein nagel treibt den andern aus. Frisch 2, 6a. Wander 3, 860.
4) besonders der nagel (haken, kloben) in der wand, dessen hervorstehender theil zum daranhängen eines gegenstandes dient: mhd.

si truog in zeime nagele und hienc in an die want. Nibel. 588, 2;

von nagele huop er einen schaft ..
der was von helfenbeine. Biterolf 2193;

nhd. den rock, das kleid, den hut u. s. w. an den nagel hängen, vom nagel nehmen; macht man auch einen nagel draus, daran man etwas möge hengen? Hes. 15, 3; kain nagel in der wand lassen. Fischart Garg. 201b; als er sahe ine sein doctorhäublein .. vom nagel ziehen und .. aufsetzen. 13a;

mein bildnisz, das beschmutzte,
nahm sie vom nagel.
Immermann 1, 122;

neben dem heerd auch hing mit dem öhr am hölzernen nagel
eine buchene wanne.
Voss ged. 2, 316;

übertragen und bildlich: so mag sich die frow hengken an einen andern nagel (wiederheirathen). weisth. 1, 278 (v. j. 1432); éin nagel (ein einzelner beweis) sollte alles halten und hielt nichts. Lessing 10, 12;

(der fürst) ist nagel an der wand, daran ein jeder henkt,
was ihn beschwert und drückt, was peiniget, was drängt.
Logau 2, 2, 75;

den nagel (var. kloben), woran Zeus den ring
der welt ..
vorsichtig aufgehangen.
Schiller 11, 65;

sprichwörtlich: wol dem, der einen nagel hat, daran zu hängen (eine stütze hat, an der er sich halten kann). Wander 3, 862; nicht alles an éinen nagel henken, nicht zu viel auf einen wurf wagen. Tobler appenz. sprachsch. 328a; von einem nagel an den andern hängen, alte schulden mit neuen schulden bezahlen, immerfort borgen. Felder Nümmamüllers 47; am nagel hängen, ruhen, nicht betrieben, nicht benutzt werden: das geschäft, die arbeit u. s. w. hängt am nagel;

das ehrenkleid, das Saladin mir gab,
eh es verschossen ist ..
hängts in Jerusalem am nagel.
Lessing 2, 210 (Nathan 1, 3);

etwas an den nagel (an nagel) hängen, henken oder am nagel hängen lassen, etwas vernachlässigen, sich nicht weiter darum bekümmern, nichts mehr davon wissen wollen, es nicht weiter betreiben, fahren lassen, aufgeben, s. Wander 3, 864;

wan ein frau msz gehn ausz,
soll sie tragen im sinn das hausz,
es nicht an einen nagel henken.
Fischart ehz. 41;

des sach an nagel ward gehenkt.
Frischlin 187 Strausz;

drum so hat an einen nagel sie sie (die jungfrau die jungfrauschaft)
neulich aufgehenkt,
klagt nur, dasz so viel sie nägel nicht kan haben als sie denkt.
Logau 1, 8, 45;

dasz der, der gar zu viel drauf (auf reichthum) denkt,
den leib gemein an baum, die seel an nagel henkt. 2, 2, 54;

wer zur zeit geschäft auf ein hohen nagel hänkt oder auf die lange taffel schieszt, der kan hiemit vortheil gewinnen. Lehmann 1, 933; mein angefangen studia zu seponieren, ein weil an nagel henken. Kirchhof discip. milit. vorrede; und lieszen das studiren bei nahe gantz unterwegen und am nagel hangen. Simplic. 1, 631, 6 var. K.; mein liebhaber besuchte mich .. gar oft, und wann er sich nicht geschämt hätte, so glaube ich er hätte den degen gar an einen nagel gehenkt (hätte das kriegshandwerk aufgegeben). 2, 233, 15; welche alsdann alle ihre sorg an nagel hängen. Schuppius 237; sein gewissen hanget er an einen hohen nagel. Butschky Pathm. 318; welche ihre ehre und redlichkeit entweder an den nagel henken, oder under die bank stellen. Chr. Weise erzn. 462; hänge deine studia nicht an den nagel. avanturier 1, 207;

[Bd. 13, Sp. 262]


wie einst des langen streites müde
miss Pallas harnisch und aegide
an nagel hing, und ihre hand
das niedliche geweb erfand,
auf welchem amoretten hüpften.
Gotter 1, 115;

o guter könig, dürftest du,
wie ich im schatten sitzen ..
du würdest, wett ich, kron und band
getrost an nagel hangen (: empfangen).
Overbeck ged. 75;

pfui, über so einen dummkopf, der die ganze welt .. will gesehn haben, und nicht einmal die unnütze tugend zu rechter zeit an nagel zu hengen gelernt hat. Lessing 2, 449; ich hoffe ohnedies nicht, dasz sie mir zutrauen werden, als hätte ich mein studieren an den nagel gehängt, und wollte mich blos elenden beschäftigungen de pane lucrando widmen. 12, 159 (brief an die eltern v. j. 1763); hängen sie, lieber Jakobi, ihren cameralgeist ganz an nagel, und setzen sich ruhig hin, und vollführen ihren Woldemar. an F. G. Jacobi 12, 549 (v. j. 1780); seine kunst, so grosz sie auch sein mochte, schien er mit seinem hut an den nagel gehängt zu haben. Thümmel 2, 13.
III. Der nagel für andere bestimmte zwecke.
1) mhd. die vier nagele am schildbuckel, im centrum des schildes, waren das ziel des stoszes beim turnier. s. Lexer 2, 16. Schultz das höfische leben 2, 109;

dâ die vier nagel sint bekant,
ein sper durch sînen schilt man vant.
Wolfram Willeh. 334, 5;

nu erriet er in, daʒ ers enphant,
zen vier nageln gegen der hant.
alsô sêre er in stach,
daʒ im daʒ fürbüege brach. Erec 2795;

ähnlich war später der nagel (pinne, pflock, zweck) im centrum der scheibe das ziel des schusses: nagel in der schieszscheibe, centrum sive punctum et clavus metae. Frisch 6a; (einer mit einer armbrust) drewet mit trefflichen worten, den eisern nagel im blad (scheibe) zu spalten (den besten schusz zu thun). Luther 3, 451a; es ist not, das ein guter schütz allwegen den pflock oder nagel treffe. 5, 246a; zum nagel schieszen. Schweinichen 3, 163; auf den nagel schieszen können, certum jactum habere. Frisch 6a. hierher gehört vielleicht die redensart den nagel auf den kopf treffen (s. II, 1).
2) gleich achsnagel: eisern nagel vor die achse, axedo Stieler 1325; nagel vorm rad, obex Aler 1443b.
3) gleich schiffnagel Bobrik 505b:

an dem magnetberg fuhren seinem schiff
die nägel aus, dasz es in trümmer gieng.
Uhland (1879) 3, 50.


4) gleich hufnagel: mhd.

ich hœre sagen die wîsen,
ein nagel behalte ein îsen,
ein îsen 'ʒ ros, ein ros den man,
ein man die burc, der strîten kan.
Freidank 79, 20;

nagel, îsen, ros, burk, lant, diu vünviu wæren
bereit, wan daʒ mich dunket an den mæren,
wir hân dar zuo niht ganzes mannes.
Reinmar v. Zw. minnesinger 2, 212b;

nhd. wer fur mein kloster reit, get oder fert,
dem wil ich guten willen beweisen
mit kost, mit futer nagel und eisen. fastn. sp. 209, 28;

ein pferd mit nägel beschlagen. Aler 1443a; sprichwort: übern nagel giengs hufeisen verloren, und übers hufeisen das pferd und übers pferd der mann. Wander 3, 864.
5) gleich schuhnagel: nägel in die schuh schlagen, mit nägel beschlagene schuh. Aler 1443a.
6) gleich sargnagel, bildlich: ein nagel zu jemandes sarge sein, ihm tödtlichen kummer verursachen; wird es nicht ein nagel an dem sarge des schöppen werden? Klinger 3, 76.
IV. Nagelähnliches.
1) wirbel der saiteninstrumente: nagel an den lauten, geigen, verticuli. Aler 1443b.
2) nagel bei theil-, masz- und gewichtsbestimmungen: ein eigenthümer von zwölf aktien oder zwölf nägeln, wie man im Bremischen spricht. Möser 3, 257; so viel adlich freies land im herzogthum (Bremen), dasz davon 12 nagel bezahlt werden können. Kobbe Bremen und Verden 1, 293. auf dem zifferblatte einer uhr war der nagel das zeichen von fünf zu fünf minuten. Schm. 1, 132 Fromm. (aus Tegernsee v. j. 1519), auch wurden die kannen und becher inwendig, zum messen des getränks nach seiner höhe, mit hervorstehenden nägeln bezeichnet. ebend. 1, 1732 (15. jh.), s. DWB nageln 2, c; schwäb. versteht man unter nagel  klafter, weil das klaftermasz mit 16 nägeln bezeichnet ist. Schmid 400. gewicht: man kauft (zu Pruk, Brügge) wollen .. nach dem sak, daʒ sein zwu wog, deʒ ist 30 nagel und

[Bd. 13, Sp. 263]


yder nagel macht 6  U. Stromer 102, 12 (14. jh.); ein sackgewicht ist zwei wag, ein wag wigt 45  nagel und ein sackgewicht ist 90 nagel, ein nagel gewicht ist in Nürnberg  3⅓. Meder handelbuch (1558) 13a; nagel, ein englisch gewicht, wornach die wolle gewogen wird, 3 zentner machen 1 sack, welcher 52 nägel hält. Jacobsson 3, 123.
3) nagel im auge gleich blinzhaut, nickhaut, ein gebogener von der bindehaut überkleideter knorpel, am innern augenwinkel liegend, zum schutze des augapfels.
4) gleich haug, ein augenübel der pferde: der nagel, ein fäl im aug, pterygium. Maaler 302a; nagel in den augen der pferde oder hauk. Frisch 2, 6a; der nagel ist ein spannäderisch hart und weisz fell auf dem weiszen häutlien dess augs, so sich am groszen augenwinkel am meisten herausz thut und oftmals so grosz wird, dasz es den gantzen stern oder augapfel bedeckt und das auge ganz blind macht. Uffenbach neues rossbuch (1603) 2, 85; wann ein ross augstall, den nagel oder ein fell hat; wann einem ross der nagel wechst; schneid ein wündlin in die haut under dem aug, daran der nagel wechst. Seuter rossarznei (1599) 170.
5) obscön für penis (vgl. DWB nageln 2, d): nagel, damit man die menschen pflanzet. Bocc. 584, 34 K.;

das gschütz gieng wie der hagel,
noch lüffend wir üch darin,
ich gloub, dasz üch der nagel
nit hert solt gstanden syn.
Liliencron volksl. 362, 14 (=
N. Manuel 25, 14 : zagel);

(die nonne ward) hart mit stumpfen nagel gstochen,
wolt nit heilen in viertzig wochen,
sondern gschwall von tag zu tag.
Waldis Es. 4, 33, 5.


6) der untere schmale, stielförmige theil eines nicht verwachsenen blumenblattes, besonders der nelke.
7) die garten- und gewürznelke, caryophyllum Dief. gl. 101a:

der liljen weisze pracht,
der nägel röth.
Gryphius 1, 615.


V. nagel in weiterer bildlicher verwendung.
1) weise leute ... schlagen die wolthaten, die sie von einem andern genieszen, mit dem nagel der erkäntlichkeit feste ein, damit sie dieselben nimmermehr vergessen. pers. baumg. 8, 3; die flammenden nägel am himmel (die sterne). J. Paul grönl. proz. 1, 37.
2) wann ob ir nit wolt erschlagen die inwoner des landes .., sie werden euch als die nagel in den augen (dornen in den augen Luther) .. sein wider euch in dem land ewer inwonung. 4 Mos. 33, 55 nach der bibelübers. v. j. 1483, bl. 83b.
3) zur bezeichnung einer festen, bleibenden, beständigen sache oder person: das er uns gebe einen nagel (bleibenden wohnsitz) an seiner heiligen stete. Esr. 9, 8; und wil in zum nagel (vorsteher, verwalter) stecken an einen festen ort. Jes. 22, 23. vgl. auch unter II, 4.
4) wie sporn zur bezeichnung des dünkels, der unbegründeten einbildung, besonders wie sie sich durch steifes, hochtrabendes benehmen zeigt, vgl. Weigand synon. 537. 2297; dasz du dinen nagel, der dich nit hat lassen sehen die wort Pauli, lernist erkennen. Zwingli 1, 260; einen nagel im kopfe, einen hohen nagel haben, stolz, hochmütig sein: der ludimagister .. hatte einen ziemlich hohen nagel im kopfe. Müller S. v. Lindenberg (1782) 3, 137; manche werden das nicht mit dem hohen nagel des mannes reimen können. 148; einem den nagel nieder klopfen, ihn demütigen. Wander 3, 863; holsteinisch he hett en nagel, en hoogen nagel. Schütze 3, 132; bremisch enem den nagel daal kloppen. brem. wb. 3, 212.
5) medicinisch, nagel (clavus), einseitiger, wie von einem ins gehirn eingeschlagenen nagel herrührender kopfschmerz. Heyse fremdwb. 163b; der hysterische nagel, hysterie. Börne (1862) 5, 300 fg.
 
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nägel, s. nägelein.
 
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nagelbank, f. nautisch, eine latte mit holznägeln zum belegen (festmachen) des laufenden tauwerks. Bobrik 90b.
 
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nagelbein, n. gleich thränenbein Nemnich 3, 405.
 
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nägelbeschneidung, f. beschneidung der nägel; übertragen: derer in frembde ämter greiffenden frevler rechtmäszige nägelbeschneidung. Simplic. 1, 7, 25 K.
 
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nagelbeschwörung, f.: die ... beryllistica ist, wie auch alle andere ihre schwestern, als nagelbeschwerungen .., unergründlicher falscher won. Thurneisser magia A 3b.
 
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nagelbett, n.: die nägel (ungues) liegen in einer besondern vertiefung der lederhaut, dem sogen. nagelbett, und verbinden sich rings herum mit der oberhaut der benachbarten hautportionen. Meyer konversationslex. (1877) 11, 883b.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,