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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nackmantel bis nacktschnabel (Bd. 13, Sp. 244 bis 249)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nackmantel, m., nackmäntelein,n. hals und brust deckender überwurf, wie halsmantel: so ein gouch nit zarte hemder hett, sol er doch oben umb den hals etwa dryer finger breit an die hembder durch setzen lon, als die wyber mit den nackmentlein thundt .. als dann wurdt man wenen, es sy alles so rein. Murner geuchmatt (kloster 8, 1084); under das nackmentelein zwischen die brüst (etwas) verstecken. Fischart Garg. 61b;

ir krös und nackmäntlein schneeweisz. 2, 160, 951 Kurz;

inn dem greiff sie sanftmütig fein
vorn in ir nackmäntlein (gedr. nactmäntlein) hinein
mit dem daumen und zeigerfinger. 161, 965.


 
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nackt, nackend, adj. nudus; attributiv und prädicativ.
I. Herkunft und formen.
Unserm worte entspricht in den urverwandten sprachen sanskr. nagna, lit. nga, altslav. nagu, lat. nudus (für nugdus s. Corssen beitr. 100) von der wurzel nag, nig, sanskr. nij blank machen. die germanischen dialekte haben die vocalische ableitung (lit. und altslav.) ganz aufgegeben, denn das mundartliche nd. nack ist nur eine verstümmelte form, und haben das wort gleich dem lat. und sanskr. mit d- oder n-ableitung gebildet; goth. naquaths, altn. nökkvidhr, nökdhr und nakinn, ags. naced, nacod, engl. naked, altfries. nakad, naked und naken, mnd. naket und naken, nd. naket, nakend, md. nacket, nackit und nacken (passional 344, 30 H.). — In den hochdeutschen formen herrscht die d-ableitung; das doppelsussix nd, nt kann durch einschub eines n (nackent, aus nacket) oder, was mir wahrscheinlicher ist, durch anfügung eines d (nackend aus nacken) entstanden sein. die formen sind: ahd. nachat, nahhut (im u klingt noch altes v nach), nachot, nakot, nachet, nakhit (Graff 2, 1015), mhd. in älteren denkmälern noch nachot, nachent, sodann nacket, nact, nackent (Lexer 2, 13), nhd. nacket (noch bei Ramler, Lessing), nackt, nackend, aber auch nacken (Philander 1, 190. Keisersberg bilg. 148a. Schm. 1, 1721; 15. jh.), in den sieben deutschen gemeinden nackena (neben nackot, nackont, nackend) Schmeller cimbr. wb. 149a. die mundarten zeigen neben den einfachen (nacket, nackt, nackend) auch verstümmelte oder durch -ig, -icht weitergebildete formen: kölnisch, plattd. nack (Hönig 117. Wander sprichw. 3, 855), daraus hennebergisch, nassauisch und in Leipzig nackig (Spiesz 169. Kehrein 1, 289. Albrecht 174b), das auch schwäbisch-alemannisch

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vorkommt, s. Birlinger 349. Seiler 218; ferner nackicht, nackigt (Ch. Weise, D. v. d. Werder, Rabener, Lessing, F. Müller, Albrecht Leipz. mundart), nacketich Harf pilgers. 145, 4, necketich 144, 7. 11, nackedig Seiler Basler mundart 218b, nacktig Albrecht Leipz. mundart 174b, nackentig (neben nackent) Lexer kärnt. wb. 195.
II. Bedeutung, vergl. die synonymen baar, blosz.
1) unbekleidet.
a) vom menschlichen körper: ahd.

ir thultut thuruh got, thaʒ ich giangi nachot.
Otfried 5, 20, 75;

er giduit, thaʒ thu uueist, thaʒ thu nakot ni geist. 2, 22, 21;

mhd. furhten ich mir begunde,
wand ich was nachot. Milstäter genesis 16, 2;

sus lief er über gevilde
nacket nâch der wilde. Iwein 3238;

und wær si nacket sam mîn hant. Erec 652;

ich hete ungerne 'decke blôʒ!'
gerüefet, do ich sie nacket sach.
Walther 54, 22;

die aller hande kleider bar
und nackent wâren,
als si ir müeter gebâren. krone 28638;

ze dir (welt) ich nacket wart geborn, unt scheide oucht blôʒ von dir. minnesinger 2, 233b;

nhd. Aristotiles schreibt in seinem puech:
ich cham nackent ân ein tuech ..
und nackend var ich wider hin.
H. Vintler 368;

nackend bin ich ausgegangen von dem leibe meiner muter, nackend ker ich wider dahin. bibel v. 1483 250b (Hiob 1, 20); nacket bin ich in die welt kummen und nacket gang ich wider darusz. Keisersberg narrensch. 168b;

zer werlt du nacken bist geborn
und scheidst öch blos von ir.
Philander 1, 190;

und sie waren beide nacket, der mensch und sein weib, und schemeten sich nicht. 1 Mos. 2, 25; er gieng nacket und barfus. Jes. 20, 2. 3. 4; so du einen nacket sihest so kleide in. 58, 7; und bedecke die nacketen mit deinen kleidern. Tob. 4, 17; Petrus gürtet das hemd um sich, denn er war nacket. Joh. 21, 7;

sie (Adam und Eva) waren beide nackat gar.
H. Sachs 1, 175, 1 K.;

da fur er nacket ausz dem bett. 2, 272, 30 (nackent 13);

nackend kinder. F. Platter 187 B.; sy stoth nachet auf. 158; er liesz den poeten ganz nackend auszziehen. persian. rosenthal 4, 11; ich wolte mich schämen und vor der alten nicht nackend sehen lassen. Simplic. 1, 554, 3 K.; ein nackendes weibsbild. Chr. Weise kl. leute 378;

Cupinula klaget sehr
über Adams fall,
drum dasz niemand überall
darf ietzund gehn nackend mehr.
Logau 1, 2, 60;

so hell und schön jetzund die göttin hier erschien,
als in Endimjons arm sie sich gab nackicht hin.
D. v. d. Werder Ariost 18, 173, 4;

aber pfui! frau nachbarin, nackigt! ich schämte mich zu tode. der lustige schuster (1768) 178;

die mit der frommen hand ..
die nackenden bekleidt.
Hagedorn 1, 20;

du (freiheit) die den nackten wilden
in wäldern glücklich macht.
Uz 1, 242;

die nackende sirene
scherzt singend bei uns her auf klippenvoller flut. 2, 60;

(der junge Sophokles tanzte) nach einigen nacket und gesalbt, nach andern aber bekleidet. Lessing 6, 283. 307;

also ging der held in den kreis schönlockiger jungfraun
sich zu mischen, so nackend er war.
Voss Od. (1781) 6, 136;

(der) mich nach den gräbern schleppt' und nackend stehen liesz.
Wieland 18, 295;

es mangelt ihnen nichts um grazien zu sein,
als dasz sie nicht ein wenig nackter waren. 17, 261;

sie werden mich in ewigkeit nicht überreden, dasz die sitten eines volkes desto reiner seien, je nackender die weiber desselben sind. 19, 103; bei nackten nonnen hast du ein groszes maul. Schiller 2, 98 (räuber, schausp. 2, 3); sie will nicht nackend vor seinen augen erscheinen. Göthe 16, 214; ich stehe nackend wie ein missethäter vor gericht. 42, 226; er kann doch nicht nackend gehen. Freytag ahnen 4, 303;

kein schneider kleidet
so viele nackte.
Göthe 3, 205 H.

verstärkt durch das synonyme blosz: mhd.

wir scheiden alle nachent und blôʒ von dir (welt).
Walther 67, 10 var.;

der keiser dô mit willen schreit
nacket und blôʒ dar în (ins wasser zur taufe).
Konrad Silvester 1758;

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nhd. sît wir nacken und blosz uf das erdrich komen. Keisersberg bilg. 148a; noch hastu nie gedacht an die zeit deiner jugent, wie blos und nacket du warest. Hesek. 16, 22; darumb schambt er sich, das er also nacket und plosz was. Aventin. 4, 47, 29; er schwam nacket (var. nackat, nackent) und plosz aus. 195, 24; wann einer in kriegsgefahr ist, und nacket und blosz davon kommt, so danket er gott. Schuppius 161; ein derwisch, so auf der straszen .. ganz nackent und blosz in groszer kälte lag. persian. rosenthal 1, 15; gott hat die unvernünftigen tihre mit ihren wehren, aber den menschen nakkend und blos erschaffen. Butschky kanzl. 441;

da man dem wunderthiere hin an des meeres strandt
zu einem speisemaal sie blosz und nackicht band.
D. v. d. Werder Ariost 19, 39, 8;

der arme freund ist ausgezogen
und fast, wie Adam, blosz und nackt.
Göthe 1, 210;

junge hexchen nackt und blosz. 12, 211;

es friert uns nicht, gingen wir nackend und blosz 42, 177; nackend und blosz davon laufen. Wieland 8, 222.
b) in sprichwörtern und redensarten: dem nackenden die kleider ausziehen (sich umsonst bemühen). Fischart (kloster 8, 587); man kan keinen nackenden ausziehen. Frank sprichwort. 2, 97a; der nackte ist übel zu berauben; zwei nackte können einander nicht bekleiden; der ist nackt genug, der keine kleider hat; besser nackt und blosz als mit schande grosz u. a. bei Simrock 392. Wander 3, 854 fg.
c) von körpertheilen: mhd.

in solhem jâmer er si vant ..
mit nackenden armen,
mit zerfuortem hâre. Wigalois 127, 23;

nhd. auch zum molo bewegt sich die menge, wo hingestreckt
sonnt die nackenden glieder der bräunliche lazzaron.
Platen (1847) 2, 213;

nuditäten (der frau),
die durch das dunkelhell der fackeln und der nacht
noch zehnmahl nackender ... scheinen
als sie sind.
Wieland 18, 289;

eine braut mit nacketem ars (ohne hemd, ganz arm). Kirchhof wendunm. (1602) 2, 275, vgl. nackarschicht; do legt in (der nachrichter) mit dem bûch auf den stock und den nachenden hals uf ein stock. F. Platter 210 B.; nackigter hals bis auf die bruste halb hinab. Mülmann 36; ich erfror an fieszen, so nackend waren. F. Platter 180 B.;

ich, ich bins, Chloe! flieh nicht mit nacketem fusz.
Ramler 1, 8;

anmutsvoll dann gehn sie mit nackenden füszen nach haus.
Voss Theokrits id. 16, 8;

das wasser schwoll,
netzt' ihm den nackten fusz.
Göthe 1, 186;

bildlich: männer schämen sich beinahe neben einander anderer als stummer empfindungen, aber weibliche seelen öffnen sich gern die verschämten gefühle: denn sie decken das nackte herz mit mutterwärme zu, damit es nicht unter dem enthüllen erkalte. J. Paul Hesp. 2, 87.
d) das nackte, die nacktheit, nackter körper oder körpertheil, tirol. das nacket, das nackits. Schöpf 456. Hintner 174; besonders das durch die bildende kunst dargestellte nackte des menschlichen körpers: von der zeichnung des nackenden. Winkelmann 3, 66; vereinigen sie sich mit mir, die artisten zu ersuchen, dasz es ihnen belieben möchte, ihre geschicklichkeit im nackenden lieber an irdischen formen .. zu beweisen. Wieland 10, 44; die vollkommenheit des nackten vom menschen, als des höchsten vorwurfs der kunst. Heinse (1857) 1, 231; die blosze vokalmusik ist eigentlich was in den bildenden künsten das nackende ist. 2, 10; das nackte und die schöne form des unterleibs. 1, 300; das nackte der brust bis auf die bekleideten schenkel. 1, 312;

sieh, wie er (der maler) .. mit schlichter
natürlichkeit das nackte hier gestaltet.
Chamisso (1872) 2, 109;

nackte figuren. Winkelmann 3, 217; darstellung des nackten mannes und weibes. Göthe 35, 377; denn wohin sie (die Abderiten) in dem sahl ihrer gewöhnlichen sitzungen ihre augen warfen, glänzten ihnen schöne nackende kämpfer entgegen. Wieland 19, 18; Virgils Laokoon ist in seinem priesterlichen ornate, und in der gruppe erscheint er, mit beiden seinen söhnen, völlig nackend. Lessing 6, 412.
2) leicht und ärmlich gekleidet (besonders von einem der nichts als sein hemd am leibe hat), daher auch lumpig, arm, dürftig, ohne vermögen:

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mhd.

si lât in nacket unde blôʒ
mit jæmerlîcher armuot. Barlaam 11, 4;

nhd. ain sun und ein tochter (erheiratete ich mit der wittwe), die waren auch nackent, die beschlöffent ich von fusz auf. B. Zink 139, 9; do kamen sy (die mädchen) dick also naket, nur den underrock über sich geworfen, hureten um mich. F. Platter 147 B.; dasz er (der wirth) weisz .. sich vor den nackten (verlumpten) buben zu hüten. Kirchhof wendunm. 193a; ich hätte doch wohl so einen nackichten bernheuter gekriegt. Chr. Weise erzn. 10; man hiesz mich einen nackigten bettler, einen verlaufenen kerl, den man auf der strasze aufgelesen hätte. Rabener (1771) 1, 130; ich bin so nackigt wie ein gratulant. briefe an Ferber 281; er nannte mich einen nackten abenteurer. Kotzebue dram. sp. 3, 297; holstein. en naakte deeren (ein mädchen ohne vermögen). Schütze 2, 129; vgl. unten 4 und 6, f, g.
3) ohne schützende waffen und rüstung, unbewaffnet: mhd.

ir sehet wol, ich bin nacket gar. Wigalois 156, 32;

nhd. sind es doch eitel nackete leute und keine krieger. Judith 5, 25; wie zu gedenken, dasz ein nackender einem schwer angethanen (geharnischten) zuvor lauft. b. d. liebe 208, 3; nackete leute (die keinen harnisch anhaben). Fronsperger 97a;

kein harnisch, kein gewehr ..
kan einen weibersinn zu dapferkeit bewegen:
vergeusz ihn ganz in stahl, so wird er doch gejagt;
ein freier sinn ist blosz und nackend unverzagt.
Opitz (1645) 3, 286;

aber, nymphen, scheut, o scheut
ihn (Amor) auch nackt! er überlistet,
er verletzt euch mädchen doch!
denn den waffenlosen rüstet
seine ganze schönheit noch.
Bürger 114a;

wenn ein wolf aus dichtem walde sprang
und ich mit nackter hand umsonst dem räuber wehrte.
Schulze Cäcil. 14, 44.

auch von unbewaffneten augen: da wir mit nacktem auge nirgends farbensäume .. erblicken. Göthe 54, 201.
4) von thieren, ohne eine natürliche bedeckung, ungefiedert, unbehaart, ohne schuppen u. dgl.: als ihn Diogenes durch einen nackigten hahn lächerlich machen wollte. Rabener (1757) 1, 142;

wenn eine nachtigall die nackte brut verläszt.
Götz 1, 103;

alda ruhten im neste des sperlings nackende kindlein.
Voss Il. 2, 311;

vergleichend um völlige nacktheit oder armut auszudrücken: so nackigt wie ein gerupfter hahn. Weisze kom. opern (1768) 2, 155. 174; was? die nackigte maus, ihr bräutigam? Lessing 2, 401; en naakter hund (ein geldarmer mensch). Schütze holst. idiot. 2, 128; he is so naakt as en luus. 129; hä ess esu nack wie 'ne wurm. Wander sprichw. 3, 855.
5) von waaren, ohne verpackung: ein nackendes fuder salz. Schm. 1, 1721 Fromm. Lexer mhd. wb. 2, 13.
6) überhaupt unverhüllt, unbedeckt, entblöszt, blank, kahl.
a) von theilen des menschlichen körpers: mit nackten köpfen ohne kranz und schleier. J. Paul 48, 173 Hempel;

zum schädel ohne zopf und schopf,
zum nackten schädel ward sein kopf,
sein körper zum gerippe.
Bürger (1778) 95;

beim kranken gatten sizt der tod,
und bei der gattin, blasz und hager,
der hunger, welcher schon verderben
aus seinen nackten zähnen droht.
Gökingk 1, 121.


b) von inneren theilen des körpers: indesz alle nerven und wurzeln seiner seele nackt an der harten luft bloszlagen. J. Paul Titan 1, 110.
c) von waffen, ohne scheide, entblöszt, blank: mhd.

di tiuren siges helede
jageten von dem velde
mit nacten swerten. Rolandslied 199, 9;

nhd. und jeder dolch und jeder nackte degen
schleicht in die scheide still zurück.
Wieland Oberon 1, 45;

in meiner gegenwart führt ungestraft
kein mann das nackte schwert.
Göthe 9, 90 (Iphig. 5, 4);

vor dir verbarg er kaum das nackte schwert. 9, 162 (Tasso 2, 4); er fiel beim anblick des nackten degens .. auf die knie und sagte: barmherzigkeit! J. Paul Titan 2, 110.
d) vom erdboden, unbewachsen, unbedeckt, kahl: es war ihm, als säh er hinein in seine .. zukunft ein volles paradies in die nackte erde gebaut. J. Paul Titan 3, 2; das feld war izt nakt, der pflug und der saemann giengen izt auf selbigem daher. Geszner 2, 27;

aber bald, du mond am hügel,
schaust du auf diesz nacktre (abgeerntete) feld.
Gerstenberg verm. schriften 2, 222;

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und das nackte gefild begonn zu kreisen, und aufzuwerfen schedel und rippen. Schiller 2, 178 (räuber, schausp. 5, 1); alsdann war das eigenthum nackt und so unfruchtbar wie das einer landstrasze. Niebuhr 2, 156; eine nackte heide. F. Müller 2, 311; die nackte erdmasse der berge. Freytag ahnen 2, 117; der nackende felsen. Klinger 3, x;

auf der felsen nackte rippen
klettert sie (die gemse) mit leichtem schwung.
Schiller 11, 403;

cap Misen ragt mitten im abendlicht als nackende felsbrust.
Platen (1847) 2, 172;

lechzend eilt sie durch der wüste nackte strecken.
Freiligrath (1870) 1, 151.


e) von pflanzen, ohne blätter, laublos: aus der wurzel (der herbstzeitlose) kommen im herbst die blosze nackende blumen ohne kraut oder blätter herfür. Tabernaemont. 1008; die (blumen der herbstzeitlosen) kriechen also ohn kleidung, das ist ohn krautblätter herfür, sonder schlieffen nacket aus den runden zwibeln .. etliche nennen sie .. nacket huren, dieweil sie ohn kleider, oder ohn kraut erscheinen. Bock kräuterbuch 601; sie heiszt auch nackte jungfer. Weber öcon. lexic. 384a;

du kleidest die heiden
und nackigten weiden.
F. Müller 2, 389;

und um nackende gesträuche
wirft der mai sein buntes kleid.
Schubart (1825) 1, 191;

wie am nackten zweige des feigenbaums scheinbare früchte sprieszen. J. Paul Titan 1, 110; nackte äste starrten zwischen dem laube. Freytag ahnen 5, 1; nackt von, entblöszt von:

drum seht ihr freunde schon beinah
das bäumchen nackt von blättern.
Göthe 2, 208.


f) von früchten, ohne hülse oder mit glatter schale: nackte gerste, nackter hafer mit nackten körnern, nackter pfirsich mit glatter haut. Weber öcon. lexic. 384a; eine nackte (schotenlose oder geschälte) bohne, sprichwörtlich: er ist nackter als eine geschälte bohne. Wander 3, 855.
g) von andern gegenständen, besonders von einem frisch abgesprungenen splitter, der als zeichen völliger nacktheit gilt (s. splitternackt):

ein feind der schlafend liegt und nackter als ein splitter,
schläft sicher neben mir.
Wieland Oberon 3, 30;

nackt und blosz wie eine mörserkeule. Wander 3, 855.
h) ohne schützenden anstrich: die schaubaren vorderbeine (des gartenstuhles) beschirmt man durch firnis vor fäulnis; da man aber die hinterbeine nackt läszt, so bricht der gleiszende edenstuhl rückwärts um. J. Paul dämmerungen 84.
7) besonders von dem nötigsten (geräte, schmuck u. dgl.) entblöszt und deshalb kahl aussehend: in dieser beraubten, nackenden .. wohnung. Ayrer proc. 1, 5; das kind .. schlief in einer kammer auf der nackten erde (ohne unterlage auf dem bloszen boden). Göthe 18, 172; nichts als die vier nackten wände haben sie stehen lassen. 8, 198; die langen kirchenfenster standen .. nackt und von keinen emporen überbauet da. J. Paul Nepomukkirche 121.
8) daher ärmlich, oder auch schlicht und einfach aussehend: landstrasze, die ... ein nacktes dörfchen durchschneidet. J. Paul leben Fibels 30.
9) nichts als, blosz, für sich allein: die nackte armatur (des magneten) belehrte mich nicht weiter. Göthe 24, 188; jeder mensch musz nach seiner weise denken .. der blosze nackte instinct geziemt nicht dem menschen. 22, 220; die glückliche ankunft der Iphigenia ward mir .. verkündigt .. herzlich dank ich, dasz mir die nackte ankunft gemeldet worden, möget ihr euer nächstens (nächstes H.) mit einem guten worte des beifalls begleiten. 27, 275; blose semmelkrumen, nacktes wasser. J. Paul jubels. 61; Lessing war ein mächtiger schmiedehammer, der auf einen nackten ambos schlug; denn zu seiner zeit hatten die Deutschen weder theater noch litteratur und der hammer fand kein eisen zu schmieden. Börne 2, 178; auf die nackte hand (bloszen handschlag, ohne pfand und versicherung) einem geld leihen. Gotthelf Uli der pächter (1859) 104; wir müssen ihm also alles nehmen, bis ihm nichts als die nackte rechtschaffenheit übrig bleibt. Wieland 36, 66; selbst der ungewissheit ausgesetzt, wie er das nackte leben, das ihm übrig gelassen war, erhalten möchte. 1, 26;

am fusz
des Kaukasus raubt eine wilde horde
... uns die schätze, nur
das nackte leben blieb uns zum gewinn.
Schiller 13, 344 (Turandot 1, 1);

das nackte dasein. Göthe 24, 239.

[Bd. 13, Sp. 249]



10) unverhüllt; in abstracter anwendung: rein, lauter, unverfälscht, klar, deutlich; in der wahren gestalt sich zeigend, ohne beschönigende oder verschönernde zuthat, schmucklos: ich wäre sehr begierig gewesen, den eindruck, den ihr Herrmann auf meine Stuttgarter freunde gemacht, zu beobachten. an einer gewissen innigkeit des empfangens hat es sicher nicht gefehlt, aber so wenige menschen können das nackende der menschlichen natur ohne störung genieszen. Schiller an Göthe 362 (3, 270); weg dann mit dieser lästigen larve von sanftmuth und tugend! nun sollt ihr den nackten Franz sehen und euch entsetzen! räuber, schausp. 2, 2; man stelle seine überzeugung klar und nackt hin. Göthe 50, 66;

wenn die that nakt vor das auge sich stellt.
Klopstock 2, 156;

nakt steht da was geschah. 157;

die nackte geschichtliche thatsache. J. Paul Hesp. 1, 80; indem du ... ähnliche empfindungen nackt gibst. Levana 2, 69; ein nacktes nein. 3, 16; die nackte wahrheit. Logau 1, 3, 13;

der die nackte wahrheit scheute.
Chamisso (1872) 2, 130;

die nackte stärke der wahrheit. Kant 8, 100; nackte worte. Schlosser weltg. 16, 139; nackte aufrichtigkeit. Holtei vagab. (1876) 2, 139.
 
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nacktaal, m. schuppenloser aal: der zitteraal gehört der familie der nacktaale (gymnoti) an und vertritt die sippe der drillfische. Brehm thierl. 5, 735.
 
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nacktauge, n. eine schlangeneidechse, gymnophthalmus. Brehm thierl. 5, 167.
 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) 
nacktblumig, adj. nudiflorus, ohne deckblätter an den blumenstengeln. encyclop. der naturgeschichte 3, 115a.
 
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nacktfinger, m. ein halbaffe, psilodactylus. Brehm 1, 148.
 
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nacktgeschält, partic.:

krachend stürzten drauszen die nacktgeschälten
eichen nieder zu boden.
Lenau neue ged. 106 (1, 92).


 
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nacktheit, f. das nacktsein und etwas nacktes nach den verschiedenen bedeutungen von nackt; nebenformen nackenheit Schöpf tirol. idiot. 456 (vom j. 1447), nackenheit, nackentheit vierte bibelübers. (Kehrein 2, 143), nackigheit, neckigheit Stieler 1347.
1) zu nackt 1: die nacktheit des körpers, des fuszes u. s. w.; durch ein sanftes clima hatte sie (natur) seine (des menschen) nacktheit geschont. Schiller 9, 126; kinder der verzweiflung .., die der hitze, dem regen und dem frost nichts als nacktheit oder modernde lumpen entgegen zu setzen haben. Wieland 8, 140;

die gase, die nur ...
sie hie und da umwallet, nicht verhüllt,
scheint mit der nacktheit selbst den reitz der scham zu gatten. Oberon 12, 17;

Apollo von Belvedere, warum zeigst du dich uns in deiner nacktheit, dasz wir uns der unsrigen schämen müssen. Göthe an Herder (d. j. Göthe 1, 259); Skopas ist nun mit seiner Venus-Lesbia fertig, und hat sein möglichstes gethan, den stolz der undankbaren Lais durch eine gefährliche nebenbuhlerin zu kränken, die bei dem groszen haufen der angreifer schon allein durch die vollständige nacktheit keinen geringen vortheil über sie erhält. Wieland 33, 209; der grüne vorhang liegt seitwärts .. es (das bild der Venus) liegt vor mir in seiner ganzen weitläufigen nacktheit. Thümmel (1839) 6, 144.
2) zu nackt 3:

die nacktheit ist dein schirm; du solltest dich entblöden,
in ritterlichem schmuck aus diesem ton zu reden!
Wieland Idris 1, 52.


3) zu nackt 6, d: die nacktheit des bodens, der felsen u. dgl.
4) zu nackt 10: die nacktheit der thatsachen, des lasters u. s. w.; die nacktheit des verstandes für dürftigkeit erklären. Kant 10, 141; Faust hatte nun gelegenheit, den menschen in seiner schauerlichen nacktheit (in dem zustande, wo er sich den gröbsten ausschweifungen ergibt) zu beobachten. Klinger 3, 235.
 
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nacktkiemer, m.: nacktkiemer, schnecken, welche ... die schale in früher jugend verlieren und im ausgebildeten zustande ganz nackt sind. Brehm thierl. 6, 866.
 
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nacktläuferin, f.: ein schöner zufall für töchter ist die griechische kleidermode der jetzigen gymnosophistinnen (nacktläuferinnen). J. Paul Levana 2, 13.
 
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nacktschnabel, m. die saatkrähe: nackt- oder grindschnabel, corvus frugilegus. Brehm thierl. 3, 356.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,