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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
nachtrabisch bis nachträglich (Bd. 13, Sp. 205 bis 206)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) nachtrabisch, adj. nach art der nachtraben, lichtscheu: von der jesuwider nachtrabischem wesen. Fischart nachtrab, titel.
 
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nachtrachten, verb.
1) nachdenken, nachsinnen über (dativ), meditari. Maaler 300c; er ward ihm mit ernstlichen gedanken nachtrachten. Galmy 53;

der pfaff nachtrachtet disen sachen,
wie er den gaul möcht schwitzend machen.
H. Sachs 4, 3, 97b;

als der alte den zettel sach,
er trachtet den buchstaben nach.
Waldis Es. 4, 23, 34;

der goldschmidt fraget weiter nach,
erkundt all umbstend dieser sach
und gund ir weiter nach zutrachten. 4, 60, 117;

dem traum het er lang nachgetracht.
Fischart Dominici leben 1960.


2) wie trachten nach (dativ).
a) mit eifer wornach streben, um es zu erlangen oder zu vollführen: was gott .. thun wil, das mus werden, denn er tracht und jagt im nach. pred. Sal. 3, 15;

(wenn du) dem gwin fürsichtigklich nach-trachst.
H. Sachs 3, 34, 29 K.;

das er keim solchen ding tracht nach,
das ihm doch je nicht werden mag.
J. Ayrer 1994, 20 K.;

der centnerschweren bürde
von hoheit und von würde
wird emsig nachgetrachtet.
Logau 3, 6, 74 Eitner;

im lande zu Meckelburg findet man prediger und andere wolhabende leut, die der nahrung fleiszig nachtrachten. Colerus hausb. 324; prächtiger schmetterling .. dem ich schon lange nachgetrachtet hatte. Wieland 7, 365; es wär thorheit von mir, ihm (dem sultan) irgend etwas, dem er nachtrachtet, streitig machen zu wollen. 8, 399; statt des dativs ein infinitiv mit zu:

sie trachten unablässig nach,
das alte schlosz zu untergraben.
Novalis 1, 107.


b) in böswilliger absicht wornach trachten, nachstellen, verfolgen, mit persönlichem dativ: aber die hohenpriester .. trachten ihm nach, das sie in umbbrechten. Luc. 19, 47. Joh. 5, 18; dan zuovorderst ann dem ort werde mir uff das geschwindest nach getrachtet, also dasz ich nit andersz, dann mit eilender flucht entgehen möge. U. v. Hutten in Wackernagels leseb. 3, 215, 25; deren (dem mädchen) trachtet er nach und wolte sy einmal mit gewalt nötigen. F. Platter 151 B.;

niemandt den andern soll verachten,
mit reden im böszlich nachtrachten.
Waldis Es. 1, 99, 32;

der ochs trachtet dem feinde nach. 2, 13, 6;

viel Tritons hatten ihr vergeblich nachgetrachtet.
Wieland Idris 1, 22.


 
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nachtrachten, n.
1) das nachdenken, nachsinnen: eins scharpfen verstands im nachtrachten, acer et acutus homo in cogitando. Maaler 300c; nach langem eifer und nachtrachten .. erwöllet er im die trunkenheit. Wickram rollw. 130, 26.
2) das heftige verlangen und streben nach etwas, nisus Steinbach 2, 829; der guet jung herr .. vergasz der trewe, .. het ain nachtrachten nach der frawen, welche gedanken doch der fromen herz nit beruerten. Zimmer. chron. 1, 288, 9.
 
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nachtrachtlich, adj. intentus; insidiosus Stieler 2308.
 
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nachtrachtung, f.
1) cogitatio, meditatio Maaler 300d; nachtrachtung thun. reichstagsabschied v. j. 1521 § 12; dieweil sie ihrer kinderen halben kein fürsehung oder nachtrachtung haben. F. Würtz practica (1612) 495.

[Bd. 13, Sp. 206]



2) intentio, desiderium, conatus Stieler 2307; affectatio, inhiatio Steinbach 2, 829.
3) nachstellung, verfolgung: umgeben mit nachtrachtungen, getrieben durch vervolgung. U. v. Hutten in Wackernagels leseb. 3, 216, 40.
 
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nachtrag, m. was nachgetragen wird, supplementum, additamentum, continuatio Steinbach 2, 835; nachtrag zu einer zahlung, zu einer rede oder schrift, nachträge eines wörterbuchs u. dgl.; die (neue schulden) schneite es ihm unerwartet zu unbeliebigem nachtrag. Gotthelf schulm. (1859) 1, 26; nachträge zur farbenlehre. Göthe 55, 1 ff.; dann schrieb er den nachtrag. Scheffel Ekk. 272; nachtrag (replik) des sykofanten F. Wieland 20, 153; als Polyfonus seinen nachtrag (duplik) geendigt hatte. 162.
 
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nachtragband, m.: wir werden also aus der allgemeinen welthistorie dann am besten prophezeien können, wenn die erwachenden völker ihre paar millionen nachtragbände gar dazu gebunden haben werden. J. Paul Hesp. 2, 222.
 
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nachtragen, verb.
1) hinterher tragen, tragend nachbringen, portando sequi Stieler 2314.
a) eigentlich: und legten das creutz auf in, das ers Jhesu nachtrüge. Luc. 23, 26;

(sie sollen) in keuschheit gott sein creutz nachtragen.
J. Ayrer 1994, 28 K.;

könnt ihm die fahne nachtragen in der schlacht! Göthe 8, 194; sie (die mädchen) heben was auf, tragen was nach. Gotthelf Uli der pächter (1859) 92.
b) uneigentlich: das N. N., dem ich ehr und guttes zuvertrauet, ein falsch herze mir nachgetragen. Butschky kanzl. 314; ich weisz nicht, wie ich es erklären soll, .. dasz wir dem, den die welt ausstöszt, unsere thränen nachtragen. Schiller 2, 358;

ihm, .. der groll im herzen dir nachträgt.
Voss Od. 13, 342.


c) durch wort oder that geschehenes, einem widerfahrenes im gedächtnis behalten, um darüber heimlich zu grollen oder es den urheber gelegentlich empfinden zu lassen, sich dafür zu rächen, mente reponere, in animo retinere aliquid Stieler 2314; mnd. nadragen Schiller-Lübben 3, 150b; absolut:

(der falsche) bricht seinen richterstab
dem sünder insgeheim, trägt nach und kanzelt ab.
Gleim 5, 376;

transitiv: der hintergangene hat ursach, es nachzutragen, und es ist ihm nicht zu verargen, wenn er niemals wieder vertrauen faszt. Tieck ges. nov. 6, 91; mit dativ der person: Röse gibt ihm immer was ab, wie ers verdient, und der böse kerl trägts ihr nach. Göthe 14, 275; keiner trug mehr dem andern etwas nach; jede art von bitterkeit war verschwunden. 17, 397; es verdrosz mich, ohne dasz ichs ihm nachgetragen hätte. 26, 254; aber ich werds dem von Bock bis zum jüngsten gerichte nachtragen. Schiller 3, 430 (kabale 3, 2); ich könnte keinem armen etwas nachtragen. Pestalozzi Lienhard 1, 65; du musst ihm das verzeihen und nicht nachtragen. 312;

und die aufgeregte menge
zischt und schmäht den alten sänger:
lohnt ihm seine schlachtgesänge!
tragt ihm seine lieder nach!
Chamisso (1872) 1, 246.


2) nach einem andern (am leibe) tragen: Ferdinand hatte hierüber .. manchen streit mit der mutter, da er dem vater die abgelegten röcke nicht nachtragen, sondern selbst immer in der mode sein wollte. Göthe 16, 85 Hempel.
3) nachholend tragen, noch dazu tragen, als nachtrag liefern.
 
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nachträger, m. einer der nachträgt: nachtrager, memor, memoriosus. Stieler 2314.
 
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nachträgisch, adj. nachtragend (s. DWB nachtragen 1, c), nicht vergessend, rachsüchtig. Albrecht Leipz. mundart 174a.
 
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nachträglich, adj. und adv.
1) als nachtrag, nachgetragen, nachgeholt; im nachtrage, nachholend, hinterdrein: nachträgliche bemerkung, nachträgliche einzahlung; nachträglich etwas reden, schreiben u. s. w.;

er wurd auf einmal leichenblasz
und zitterte nachträglich.
Chamisso (1872) 1, 163.


2) wie nachträgisch. Stalder 1, 295.

 

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1) nachtrabe
 ... nachtrabe , m. ahd. nahthraban, nahtraban, nahtrafan,