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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
busmen bis büszendig (Bd. 2, Sp. 569 bis 575)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) busmen, sich, pennas erigere, sich sträuben, blähen, den busen aufblasen:

des nam die königin wenig war,
und sach her vür untugentlich
recht sam ein valk, der busmet sich.
Herm. von Sachsenheim mörin 8a.

vgl. erbusmen, erbuosemen.
 
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busper, wuschper, alacer, wurde schon 1, 1789 unter bewuschpert abgehandelt. Hebel s. 91 von vögeln:

sie werden so busper und froh.

[Bd. 2, Sp. 570]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bussen, osculari, in Baiern und Östreich (Schmeller 1, 211. Höfer 1, 359), schw. pussa, engl. buss, stimmend zu basiare, it. baciare, sp. besar, franz. baiser, kaum daher entlehnt, wie auch der abweichende vocallaut dem in küssen, ahd. chussan, goth. kukjan begegnet, welchem kukjan das ir. gal. pogaim, welsche poca, armor. poka näher tritt, so dasz die consonanten immer zu tauschen scheinen. auch poln. buzia, basium. bussen gilt nicht nur vom mund, auch von hand und fusz: pusset mir in meinem namen meinen liebsten jungen. Jonas bei Melanchth. 2, 41; pusse das patschel, pusse! Günther 1000;

aft fall i gleich nieder
und buss earm (ihm) dö füasz.
Seidl almer 1, 29.

bushandel, bushändlein geben heiszt nach inwendig geküster hand sie darreichen.
 
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busserl, n. basium. Schm. 1, 212. pusserl. Höfer 1, 359. schwäb. busserle. Schmid 109. das einfache bus wurde sp. 556 und büschen sp. 560 angeführt:

meinm schatz han i busserln gebn,
ei wol, oi oi!
ma hat ihr mein boart angsechn
bis übas koi.
Seidl 1, 1,

man hat ihr meinen bart angesehn bis übers kinn, vgl. DWB bart 13;

geh, leih mar a busserl (gib mir ein mäulchen).
Stelzhamer 61.


 
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busz, busze,f. emendatio, correctio, goth. bôta, ags. bôt, alts. buota, nnl. boete, altn. bôt, schw. bot, dän. bod. die ahd. form schwankt aber zwischen puoʒ und puoʒa, die mhd. zwischen buoʒ und buoʒe und auch die nhd. früher noch zwischen busz und busze, obschon jetzt nur das letztere gilt. von dieser doppelgestalt wird gramm. 4, 245 gehandelt, auf den unterschied eines männlichen busz und weiblichen busze läuft sie nicht hinaus, das wort scheint immer weiblich und nur zuweilen aus erster decl. in die vierte übergehend, wie wir heute acht, schlacht, furcht für mhd. ahte, slahte, vorhte setzen, im 16 jh. allerwärts gab, red, sach u. s. w. für gabe, rede, sache vorkommt. das ahd. mhd. einsilbige buoʒ galt in der redensart 'mir wirt buoʒ' ich werde frei, ledig, 'ich tuon buoʒ' ich mache frei, ledig, beidemal mit beigefügtem gen. der sache, und nie steht dann puoʒa, buoʒe, für welchen sprachgebrauch sich kaum ein grund anführen läszt, da in derselben lage 'mir ist, wirdit laba', 'er tuot dir is laba' gesagt wird, nicht lap, lab; eher scheint für buoʒ ein übergang ins adj. anzunehmen, wie z. b. das gr. ὄφελος adjectivisch und substantivisch gesetzt zu werden pflegt. heute hört die verschiedenheit wieder auf und überall ist das volle busze hergestellt.
Von der wurzel unter büszen, die bedeutungen sind folgende:
1) keine spur mehr eines sinnlichen busze, sartura, refectio, man müste denn die zusammensetzungen buszseite, buszstück vom subst. busze ableiten.
2) das goth. bôta verdeutscht ὄφελος, commodum, solatium und so steht das altn. bôt, z. b. siða bôt, vitae solatium, zumal in beinamen der frauen ârbôt, bæjarbôt, trost, hilfe des jahrs, der stadt. häufig so jenes ahd. mhd. buoʒ, hierher können noch einige beispiele des 15. 16 jh. gerechnet werden, die sich sicher mehren lassen werden:

als mag der geizig seinen schlund
vil minder fullen dann der hund,
und wirt (im) sorgen nimmer busz.
Morscheim spiegel. Oppenh. 1515 C 3b;

sintemal man seiner krankheit möchte busz finden (in quanto pure alcun modo si trovava al suo scampo). Bocc. 1, 107b, wo der Ulmer druck 71d: seitmale man seiner krankheit möcht pusze finden. voc. 1482 e 4a hat: busz, erznei, hilfe fur die krankheit, remedium, medicamen.

ei das er hab sant Quirins busz!
H. Sachs III. 3, 70d,

ist eine verwünschung, welche ausdrückt, dasz er für Quirins übel hilfe suchen müsse, d. h. es habe.
3) im alten recht war busze emendatio, satisfactio, compositio, was einer für begangne verletzung zu entrichten hatte (RA. 649) und in den ags. wie altn. gesetzen gilt bôt in diesem sinn technisch. ebenso ist das ahd. puoʒa satisfactio, emendatio, pretium (Graff 3, 227) und mhd. stehen buoʒe und beʒʒerunge oft verbunden. die weisthümer verknüpfen auch busze und brüche, z. b. 3, 380; es sei zum tod oder in die acht, oder zur busze am gut oder ins gefängnis. Esra 7, 26;

nach psz des gelts stet mein begir.
Schwarzenb. 135, 2.

es heiszt busze zahlen, geben, leisten, entrichten, setzen, auflegen, schenken, erlassen, in busze fallen, zu busze setzen,

[Bd. 2, Sp. 571]


zu busze stehn: ich wil dir ewiglich darumb zu busz stehen. buch der liebe 70a; so bitte ich euwer gnad demütiglich, dasz ihr mir es wöllet verzeihen, ich auch gern darumb zu busz stehn. 263b; das zähl ich allen schelmen zur busze;

gedenken magst du alles, nicht alles darfstu sagen,
das sagen pfleget busze, das denken nicht zu tragen.
Logau 3, 4, 87;

ihr wart in straf gefallen, mustet euch,
wie schwer sie war, der busze schweigend fügen.
Schiller 522a;

o wie ein harte busz,
drei gläser mit wein auf ein schimlich nusz! Garg. 92a;

es ist ein schwere busz,
wer lieb durch leid meiden musz.
Henisch 571, 68.


4) häufig kirchliche busze, die für begangne sünde auferlegt wird. μετάνοια, dem wortsinn gemäsz, übersetzt Ulfilas stets durch idreiga, wie die vulg. durch poenitentia, auch ahd. gilt dafür hriwa, hriuwa, riuwa, poenitentiam agere ist hriuwa tuon, wurchan. der kirche aber genügte nicht an der inneren contritio, sie forderte thätliche reue und die ags. version des N. T. gibt schon poenitentia durch dædbôt, thatbusze. an die stelle des ahd. hriwa wurchan trat allmählich puoʒa wurchan, mhd. buoʒe würken;

es wirt sich bessern und würken buosz. fastn. 887, 8;

solch spotter seind unglückhaftige menschen, die nit mögen leiden, das sie penitenz und bsz wirken. Keisersb. s. d. m. 45a; hab euch dabei ermant, das selbig schif z verlassen und bsz zu würken. sch. der pen. 1a; freuwen sich die engel über einen sünder, der bsz würkt. 128a; am montag hab der bsz wirkent mensch zweimal milchspeis geessen. 129b; bis sie vollkommene bsz gewürket hatten. bienenk. 161a;

des nachts im finsternis fort heuln
bei ihrm fürsten der finsternus,
doselbsten ewig wurken busz.
Eyering 1, 429.

Luther sagt aber busze thun für poenitentiam agere, nicht wirken: darumb schüldige ich mich und thue busze in staub und aschen. Hiob 42, 6; da ich bekeret ward, thet ich busze. Jer. 31, 19; thut busze, das himelreich ist nahe herbei kommen. Matth. 3, 2; sehet zu, thut rechtschaffene frucht der busze. 3, 8. Luc. 3, 8; sie hätten vorzeiten im sack und in der aschen busze gethan. Matth. 11, 21; und müsse leid tragen über viele, die zuvor gesündiget und nicht busze gethan haben. 2 Cor. 12, 21.
ich taufe euch mit wasser zur busze. Matth. 3, 11; ich bin kommen die sünder zur busze zu rufen. 9, 13; predigete von der taufe der busze zur vergebung der sünden. Marc. 1, 4; er soll niemants sagen, was im der priester zu bsz uf hat gesetzt. Keisersb. s. d. m. 71b; die busz aber, die ich dir ufsetze, soll dise sein. Alberus wider Witzel M 6a; sunder sihe, das du von den begangnen sünden bsz thest und absteest. Frank weltb. 114a; für die sünde busze zu thun. bienenk. 38b;

gott war stets wie er ist, wird wie er ist stets sein,
ich aber soll aus schuld in busze treten ein,
damit für höll und tod sei heil und himmel mein.
Logau 3, 2, 19;

der jahrstag dieser unglückselgen that,
er ists, den ich mit busz und fasten feire.
Schiller 408a;

er muste jene winterreise, jene busze von Canossa vollziehen, durch die er die majestät des kaiserlichen namens so tief erniedrigte. Ranke reform. 1, 31.
busze wird oft in der formel mit besserung und mit beichte verknüpft. die Schweden sagen göra bättring für busze thun, die Dänen bod og bedring. voc. 1482 e 4a hat: busz, besserung fur die sunde oder fur die bosen getat. busze und beicht. Schwarzenb. 139, 2. 141, 1. die kirche fordert zur vollen busze dreierlei, contritio, confessio, emendatio.
 
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buszaar, m. siehe buszhart.
 
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buszabwerken, n. poenalis opera. Maaler 82c abwirkung, abverdienung der strafe durch die that.
 
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buszauflegung, f. mulctatio. Maaler 82c.
 
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buszbruder, m. man sihet diese buszbrüder und buszschwestern bisweilen in Italien. bienenk. 27b.
 
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büszen , goth. bôtjan, ags. bêtan, alts. buotian, nnl. boeten, ahd. puoʒan, mhd. büeʒen, altn. bœta (nicht bæta), schw. böta, dän. böde. dies bôtjan leitet zurück auf ein starkes batan bôt, wie gôljan, fôdjan, sôþjan, sôkjan auf galan, fadan, saþjan, sakan, welche gleichwol nicht alle fortdauern. batan aber läszt nicht zweifeln an unmittelbarer verwandtschaft mit bats bonus, bats für batis melius, batista optimus, wozu 1, 1153 skr. bhadra felix gestellt wurde. darf man das seltne

[Bd. 2, Sp. 572]


lat. fadus und fadia gens, also den namen Fadius hinzu nehmen? im gr. φαιδρός splendidus steht der vocallaut ab. bôtjan, büszen ist allgemein gefaszt bessern, besser machen, emendare.
Da der hd. form Z gebührt, so wurden 1, 1157. 1158. 1159 batte lucrum, batten juvare von baʒ, basz fern gehalten, und dem alts. gibada beigesellt. wie aber, wenn dieser schärfe zum trotz, so sehr sie in ihrem recht ist, batten und basz dennoch derselben wurzel wären? allzu stark streiten dafür die bedeutungen, denn unser batten drückt aus, was das goth. bôtjan prodesse, und im alts. gibada liegt offenbar was im goth. bôta, altn. bôt, juvamen, solatium. wir sehen also hier, wie auch bei andern wörtern mehr wahrzunehmen ist, mischungen verschiedner lautstufen, batista und peʒisto verschoben sich ordnungsmäszig, im alts. gibada dagegen haftete das D der ersten stufe, folglich im hd. batten das T der zweiten, man dürfte auch ein goth. gabada vermuten.
Haben wir so die widersprüche der form versöhnt und ist gestattet goth. batan, bôtjan und das geratene gabada, ahd. paʒan, puoʒan und wieder ein geratenes gipata, nhd. basz, büszen und batten zu vereinbaren, so drängt sich die frage auf nach dem gehalt der sinnlichen wurzel, von der hauptsächlich nur abstracte anwendungen übrig scheinen. unabweisbaren fingerzeig geben aber die hernach aufgeführten bedeutungen des wortes büszen, welche unter dem abgezognen begrif liegen müssen, nicht erst aus ihm zu erklären sind. nach ihnen aber wird man wenig fehlen, wenn man für das gesuchte, jetzt verlorne verbum batan bôt die vorstellung von vigere, valere, integrum esse ansetzt, für bats bonus die von validus, integer, sartus, von heil, ganz, oder dem ags. sel. büszen ist
1) ganz machen, sarcire, ῥάπτειν, reficere, hauptsächlich von kleidern und netzen, aber auch von schmiedegerät und bauwerk. diese bedeutung hat das ahd. puoʒan (Graff 3, 225) und mhd. büeʒen:

dane was nehein îsenîn gewant,
nehein stâlhuot
nie sô veste noch sô guot,
chom er im ze slage,
daʒ in von dem tage
iemer gebuoʒte dehein smit. Rol. 192, 3.

die nhd. wörterbücher halten diesen sinn fest: sarcino, ich näie, bütze, sarcio ich bütz zsamen, mach ganz. Dasyp. 215b; sarcire, zusamen bieszen, ganz machen. Serranus x 8b; die netzen (netze) büszen retia reficere, resarcire. Henisch 570, 68. höreten, das die mauren zu Jerusalem zugemacht waren und das sie die lücken angefangen hatten zu büszen. Neh. 4, 7, wo die vulg. hat quod obducta esset cicatrix muri et quod coepissent interrupta concludi, vgl. ahd. gipuoʒtiu sarta tecta, reaedificata; was aber an der statt abgangen und wa den burgern leid widerfahren, liesz er aus seiner schatzkammer büszen und ergänzen. Garg. 270b; spanischen zu- oder geschlechtsnamen, wo sichs hat leiden wollen, andere ebenlautende oder auch gleichbedeutliche mit unterzubüszen (einzuflicken). Harnisch 9. nicht anders nnl. de netten boeten, die netze flicken, ketel boeten, kessel flicken; altengl. nettes bete (Chaucer C. T. 3925); altn. bœta föt, subsuere, resarcire, kleider flicken und das part. bœttr ist resartus, pannosus, geflickt, gebletzt; dän. böde et gaarn, böde paa gamle kläder. büszen ist also in diesem sinn ein synonym von bletzen (sp. 110), flicken, stopfen, zunähen, zumachen, ausbessern. der schuhflicker heiszt altbüszer, schuhbüszer, der kesselflicker kesselbüszer, nnl. ketelboeter, der maurer lückenbüszer. s.bützen, DWB butzen 11.
2) wie man aber sagte anstoszen assuere, annähen und ein feuer anstoszen, zünden (1, 487. 489) galt in gleicher ideenverbindung ags. bêtan fŷr, feuer anzünden, to make up a fire; altengl.

I wol don sacrifice and fires bete.
Chaucer C. T. 2255;

two fires on the auter gan she bete. 2294;

nnl. het vuur boeten, nd. füer böten, schw. böta eld (Ihre 254), und der käfer, welchen wir auch börner, brenner nennen (oben sp. 245), heiszt nd. füerböter. weder ein ahd. fiur puoʒan, noch mhd. viur büeʒen, nhd. feuer büszen ist aber aufzuweisen, auch kein altn. eld bœta, so dasz sich verdacht eindrängt, das ags. bêtan könne hier für beátan d. i. ahd. pôʒan, mhd. bôʒen, nhd. boszen gesetzt sein, die laute liegen einander nahe und im schw. ö fallen altn. au und œ zusammen,

[Bd. 2, Sp. 573]


dem schw. böta ist gar nicht anzusehn, ob es für altn. bauta oder bœta stehe. hierzu tritt, dasz franz. boutefeu, incendiarius, it. buttafuoco, sp. botafuego, ganz dem nd. bötefür, nnl. boetevuur entsprechen, bouter, buttare, botar stoszen aber unser boszen sind, nicht unser büszen. doch soll noch nicht vollends über bêtan fŷr abgesprochen sein, zumal ihm Lye den sinn beilegt focum deficientem reparare ac denuo excitare, wofür gleichwol kein entschiedner beleg vorliegt.
3) büszen heiszt heilen, sanare, wie busze heilmittel, nd. böten, im Teutonista boeten zaubern, besprechen:

nu quam ein alde vrowe,
ein volgerinne der truten.
daʒ kint si ir darbuten,
wand si im buʒen wolde. pass. K. 395, 79;

und kunde grôʒe swære
von worten wol gebüeʒen
mit erzenîen süeʒen. Barl. 17, 15.

buszen, erzneien, medicare, remediari. voc. 1482 e 4a: man würde gewislich niesewürz den gebietern zu dank schenken, das sie das hirn fegten und den schnuppen büszeten. Luther 2, 198a;

so büsz ich dir das hauptwe dein.
Schwarzenb. 124, 1;

wann eim ist lung und leber faul,
wann einr hat wehthumb an den füszen,
solch schäden kann ich alle büszen.
Alberus 130;

welch schaden im kein arzt kundt büszen.
H. Sachs III. 1, 82c;

auf erd lebt so kein künstreich man,
der ewr krankheit büszen kan. III. 1, 168b;

wo ein thier oder mensch fast hust (hustet),
im mit geweihtem wasser buszt.
Waldis päbstl. reich Bb 4b.


4) büszen pellere, depellere, vertreiben, was unmittelbar an heilen reicht, da die krankheit vertreiben auch sie heilen ist. man sagte zumal durst und hunger, den husten büszen, ahd.

ir gibuaʒtut mir in wâr thurst inti hungar.
O. V. 20, 73;

die buoʒint dâ den durst. fundgr. 2, 7, 23;

sus trinke ein iegeslîcher man, daʒ er den durst gebüeʒe.
Walth. 30, 5;

das meer ist aller wasser fasz,
doch büszt ein brunn den durst vil basz.
Freidank von
Brant 1539. 15b;

ich bitt gebt mir ein bissen brot,
zu büszen hier den hunger mein.
H. Sachs V, 230d;

wann sie dann all ir hungers not
da büszen mit dem schwarzen brot.
Scheit grob. L 2b;

des geizes groben hunger büszen.
Weckherlin 380;

denn weil er selbst nicht mehr die essenslust kan büszen,
gibt er sein eigen fleisch den würmen zu genieszen.
Logau 1, 1, 14;

den habichen, welche wissen ein raub den hunger zu büszen mitzubringen. Schuppius 757; es mögen die menschen den hunger wol damit büeszen. Herrs Columella 16a;

begrîfe ich in dâ,
jâ büeʒe ich im den kîchen,
daʒ er vil trûric stât. MSH. 3, 262b,

nach einem bis auf heute üblichen euphemismus.
5) die lust büszen, stillen, befriedigen, wie der hunger auch gestillt wird und eszlust heiszt: da aszen sie und wurden allzusat, er liesz sie iren lust büszen. ps. 78, 29; da sie nu iren lust gebüszet hatten und sie noch davon aszen. 78, 30; denn es kamen inen wachteln vom meer ire lust zu büszen. weish. Sal. 19, 12; möcht ich meine lust wol büszen. Luther 3, 43b; aber sie sehen sie also an als ding an inen selbs, in denen sie iren lust büszen. Keisersb. bilg. 125b; ich wolt sunst nimmermehr so nerricht gewest sein, das ich nit lieber mit vielen weibern, dan nur mit einer meinen lusten gebüszt hett. Alberus wider Witzel. J 2b; weil sie (die Deutschen) ja lust haben zum fewer des jüngsten tags, so wil inen bepstliche heiligkeit den lusten büszen und fewers genug verschaffen. Alberus neue zeitung von Rom. 1541. s. 5;

magstu noch zu seltzamer zeit (zuweilen)
dein lust mit poeterei büszen.
H. Sachs II. 2, 55b;

wer durch tichten ruhm wil haben, kan ihn nieszen,
wer durch tichten lust wil haben, kan sie büszen.
Logau 2, 8, 45;

es ist umsonst, dein lust wird nicht gebüszt,
er hat dich, werthe frau, das letztemal gegrüszt.
Rompler 130;

erst liesz sich ihr gelust mit einem kusse büszen,
itzt wünscht sie schon, sich satt an ihm zu küssen.
Wieland 10, 146;

mags, frommer mann, dich basz verdrieszen,
so will ich meine lust doch büszen.
Bürger 70a;

der neider völkchen büszt hier seine schadenlust,
stellt dem ein bein, stöszt jenen vor die brust.
Gotter 1, 167;

[Bd. 2, Sp. 574]



noch stehst du unversehrt, willst du erwarten,
bis er die böse lust an dir gebüszt.
Schiller 519b;

ich denk, ich halte sie einmal
und büsze meine lust,
und endigt sie nicht meine qual,
sterb ich an ihrer brust.
Göthe 1, 20;

ja er hofte sogar, mit der vorstellung des Hamlet sollte ihre ganze lust gebüszt sein. sie würden nachher das theater nicht wieder betreten. 20, 215.
ebenso bei andern, ähnlichen wörtern: büszen sie dieweil iren mutwillen an unserm namen. Luthers br. 2, 61;

da traten sie ihn auch mit füszen,
ein jegliches wolt sein mutwilln büszen.
Alberus 21b;

als ich solcher gestalt meinen willen büszet. Ismenius 74a; also wenn gott bei einem sünder erkennet, das er sich gar nicht bessern wil, lässet er ihn in dieser welt seine wollust wol büszen. Butschky Patm. 597;

um ihre rachbegier
nach herzenslust zu büszen an mir.
Wieland 18, 276;

auf das ir zorn gebüszet würde. Luther 3, 35; die sollen uns die rechte warheit sagen und den fürwitz büszen, wie es gehe nach diesem leben. 3, 211; weil nu aber der bapst des bischofs ehrgeiz gesterkt und seine geltsucht gebüszet, da er so viel tausent gülden für die. pallia genomen. 1, 142b; das die philister sich gerochen haben und den alten hasz gebüszet nach allem irem willen. Ez. 25, 15;

theils sucht man wissenschaft nur blosz zu schlechtem wissen
und dieses dient dahin, den fürwitz nur zu büszen.
Logau 2, 1, 43;

und er nicht büsze seine wut
mit meiner selen leib und blut.
Weckherlin 20;

der sattsam heilig sei, der götter zorn zu büszen.
J. E. Schlegel 1, 55.


6) büszen, wenden, stillen, reparare, auf abstracte vorstellungen bezogen, was sich an die vorausgehenden bedeutungen schlieszt und zu busze 2 stimmt:

und si mir mac gebüeʒen wol
den kumber.
Walth. 120, 18;

sus wart diu küneginne
verholn des ze râte,
daʒ sie dem künec drâte
sîn alter wolte büeʒen. troj. kr. 10436, d. i. ihn verjüngen;

ebenso bei Chaucer bete sorwe, sorge heilen, vergelten.

darum den gram ein wenig büszt,
gott weisz wol, das ihr essen müszt.
Ringwald Ee 6a.


7) büszen ist allgemein expiare, sühnen, ohne den gedanken an gerichtliche, kirchliche busze:

komme mit eile den fehler zu büszen,
lege der fürstin sich nieder zu füszen.
Logau 3, 212;

eile! wenn du nicht eilest,
werden wirs theuer büszen müssen.
Göthe 12, 241;

einen jeden büszt (straft) und vexiert sein list. Frank sprichw. 1, 76a.
8) büszen, luere, emendare im rechtlichen sinn der busze hiesz nicht nur das auf eine missethat gesetzte geld entrichten, sondern auch dessen entrichtung auferlegen und beitreiben, der thäter hat zehn thaler zu büszen, der richter büszt ihn um zehn thaler; so sollen die eltesten der stad den man nemen und züchtigen und umb hundert sekel silbers büszen. 5 Mos. 22, 19; ein schultheisz, der die bauren nicht büszt. Kirchhof wendunm. 69. Kriemhilt sagt:

sô swert mir eide, swaʒ mir ieman getuot,
daʒ ir sît der næhste der büeʒe mîniu leit. Nib. 1197, 3,

dasz ihr meine feinde und beleidiger dafür zur verantwortung zieht, sie büszen laszt, rache dafür nehmt; wisten wir doch, wem wir das klagen solten, der uns der not büszet (busze zu wege bringt), die uns der grosze herr thut. buch der liebe 88, 1. der frevel, das leid ist gebüszt, gesühnt, es ist dafür gezahlt worden, der todgeschlagne ist gebüszt, sein wergeld entrichtet: wenn zwen mit einander balgen, so sollen die nesten dabei trewlich fried nemen, wenn den einer (der balgenden den andern) daruber zu tod schlug, so soll er gebüszet sein. Reutter kriegsordn. 14, d. h. so braucht keine busze entrichtet zu werden; es soll keiner ohn grosze not aus der ordnung gehen, wen die hauptleute dreiben, wenn er sich widere (weigere, auflehne) und zu tod geschlagen wurd, soll er schon gebüszet sein. ebenda. Wie nun allmälich der begrif der busze übergieng in den allgemeineren der strafe, so bedeutet auch büszen
a) puniri: er soll mit einem tage gefängnis büszen; jedes

[Bd. 2, Sp. 575]


versäumnis, jedes unglück muste (in der reitstunde) mit geld gebüszt werden. Göthe 24, 233; er soll dafür büszen; er hat lange genug gebüszt.
b) punire, bestrafen: ist er unrecht erwelet, so ist er zimlich darumb gebüszet bis daher. Luther 5, 495b;

ich frag euch all, ir ritter und knecht,
wie man einen püszen sol mit recht,
der frauen er genidert hat. fastn. 705, 16. 710, 3;

der Landenberger büszte seinen sohn
um kleinen fehlers willen.
Schiller 523a.

wenn ein solcher unterthänig gewordener ort um einen bestimmten theil seiner feldmark gebüszt wird. Niebuhr 1, 607; mit dem tode büszen (strafen). die ältere sprache setzte statt der praep. auch den gen.: darumb sich in seinem zorn mäsziget und sie beide öffentlich hartes tods meinet zu büszen und in dem fewer zu verbrennen. Bocc. 1, 285b.
9) büszen, in kirchlichem sinn,
a) intransitiv μετανοεῖν, wofür Ulfilas nur idreigôn = poenitere sagt, die vulgata poenitentiam agere, ahd. hriwun wurchan, später busze wirken, bei Luther busze thun, nicht büszen, wenigstens in der bibel nicht, wol aber bei andern, z. b. es ist ietz nit zeit ze streiten und ze fechten, aber es ist zeit ze betten und ze büszen. Keisersb. s. d. m. 61a;

du alter narr, bald peicht und püsz.
Schwarzenb. 141, 2;

wird dem keiser sein abfall leid,
so kan er dessen noch gnieszen,
wo er aber nicht wolt büszen,
so wird ers entgelten müssen.
Ayrer 151b;

in staub und asche büszen, kniend büszen, häufig auch für etwas büszen: er büszt für seine sünden, was aber leicht meint, er leidet strafe dafür und nicht er ist reuig.
b) transitiv, seine sünde büszen;

verklagt das herz dich keiner andern sünde,
die du noch nicht gebeichtet und gebüszt?
Schiller 443a;

nu hat die reu unser herz berürt,
das wir das fürbasz wollen büszen. fastn. 724, 9,

dafür busze thun. sobald emendatio für das wesen der busze gehalten wird, hat der acc. besseren fug, bei der inneren contritio und reue hingegen das intransitivum, ohne casus.
c) sich büszen, mit gen. der sache:

wann wir uns des alles haben gebüszt,
das unsern leib je hat gelüst. fastn. 719, 8.

Überschaut man die entfalteten neun bedeutungen von büszen, so fallen alle, mit ausnahme der zweiten, zusammen in dem begrif des ergänzens (reficiendi, reparandi). wie das zerrissene gewand, das gebrochene gefäsz geflickt, wird der kranke leib geheilt (heil ist hêl, ganz), hunger, durst und begierde gesättigt, gestillt und beschwichtigt; den verletzten rechtszustand stellt die busze her und auch der kirchlichen ansicht gemäsz ist, dasz reue und busze das durch die sünde entzwei gegangne kleid der seele wieder zusammen hefte, schöner wäre, sagt ein alter dichter, wenn es nie einen risz bekommen hätte. die zweite bedeutung scheint sich nur zu einigen insofern nachweisbar würde, dasz ein wiederanfachen gemeint ist. s. DWB abbüszen, DWB einbüszen, DWB verbüszen, zubüszen.
 
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büszendig, mulcta dignus, buszfällig, gebildet wie lebendig: wirt der hüter daran buszendig, so sol er die selben busz liden. weisth. 3, 606.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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