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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
burzel bis burzelsaft (Bd. 2, Sp. 553 bis 555)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) burzel, m. nomen morbi, eine Augsburger chronik in Mones anz. 6, 257 sagt zum j. 1387: umb liechtmes do kam ein wetag, den hiesz man den burzel, der kam in all statt und in allu lant und in allu dorfer und lagen die leut 3 tag oder 4 und stunden den wider auf; es vergiengen alle tage an dieser sucht acht bis zehen personen, ja es meret sich dieser bürzel von tag zu tag. Wurstisen Baseler chron. 664; in Gassari ann. augsp. (bei Menken 1, 1526) heiszt die krankheit gunbyrzelen (von gunt virus, tabes, Graff 4, 219): qua aegri quatuor vel quinque ad summum dies molestissimis destillationibus laborabant ac ratione privati instar phreneticorum

[Bd. 2, Sp. 554]


furebant atque inde convalescebant, paucissimis ad orcum demissis; eine andere chronik (bei Schmeller 1, 204) nennt sie berzel: infirmitas generalis vulgo perzel grassabatur; ein quacksalber ruft aus:

wer sich damit bestreichen thut,
dem verget der purzel gar.
es ist zwar, glaubt sein zwar. fastn. 680, 28.

es kommt aber auch von einer pferdekrankheit vor: wann auch ein gaul den wurm hette, den bürzel von den marställern und rosärzten genant, so gib ihme das gemeldte kraut. Tabernaem. s. 561; sonst heiszt mans (den wurm am leibe des rosses) auch den burzel, lat. morbus farciminosus, elephantialis. Seuter 187; wann ein pferd den wurm oder purzel hat, hilft dieses kraut (teufelsabbisz). Hohberg 2, 198a; der ausbeiszende wurm ist unterschiedlicher arten, als der pürzel, der reitende, der ausbeiszende, der flieszende und dergl. 2, 226a. s. das folgende wort.
 
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bürzel, m. uropygium, steisz, sonst auch DWB berzel (1, 1539) und börzel (oben sp. 247). die jäger nennen den kurzen schwanz (die blume) der hirsche und des schwarzwildbrets den bürzel, wofür auch förzel, fürzel ausgesprochen werden soll. es gilt zumal von vögeln, vgl. DWB hennenbürzel: welsche hähne, welche eine rothe fahne unter dem bürzel stecken haben. Göthe 28, 272. Uneigentlich braucht man es für stückchen, endchen: ein bürzel band, bürzel wachslicht, auch für einen knorz, kleinen kerl:

und nennt mich den ausbund drolliger purzel.
Voss 2, 133.

s. DWB burzelalp und DWB borzel, börzel.
 
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bürzel, m. portulaca, was borgel, borzel: einer der den pfisel (schnupfen) hat, der schmackt nüt. also dieweil, das du vol fleischlicher begirden steckest, so schmackt dir got nit, weder saur noch süsz, eben als bürzel, ist ein kraut, das schmacket weder saur noch süsz, isset man zum salat. Keisersb. has im pf. Aa 3a. Ad. Lonicerus 93b.
 
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burzelalp, m. ein kurzer pucklichter purzelalp. Claudius 1, 420.
 
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burzelbaum, m. sublatis pedibus prolapsio in terram, volutatio cernua, wofür man in der Oberpfalz sturzbaum sagt (Schm. 3, 660), wie sich burz und sturz berühren. da schon baumen, bäumen, aufbäumen die vorstellung des emporrichtens und niederstürzens enthalten (1, 618. 1191), so erscheint dieser ausdruck sehr bezeichnend und ist wahrscheinlich althergebracht. das gleichbedeutige burzelbock wurde nicht minder passend vom springenden bock entnommen, und gradeso heiszt das poln. koziolek, böhm. kozelec böcklein und burzelbaum von kozieł, kozel, caper. die entsprechenden it. capitombolo, capitondolo, franz. culbute (saut fait cul par dessus tête), altn. kollhnŷsa, schw. kullbytte, dän. kuldbötte, engl. somerset können hier nicht erläutert werden, nur sei bemerkt, dasz das letzte nichts mit sommer (engl. summer) zu thun hat, sondern zu sumpterhorse, franz. sommier gehört.
Man sagt einen burzelbaum machen, schieszen, schlagen, wie ein rad schlagen: du schelm, was fällst du über den weg, dasz ich einen purzelbaum über dich schieszen musz. R. ich habe meinen purzelbaum erst geschossen, und das hab ich meiner gesundheit wegen gethan. H. doch wegen meiner ungesundheit hab ich dir den purzelbaum nachgeschossen. R. nein doch, es ist noch kein mensch an dem purzelbaume gestorben. Weise com. probe 87, vgl. 88; die narren schneiden kapriolen und burzelbäume dazu. Wieland 8, 122; wenn einer purzelbaum unter den capriolen schlägt. Fr. Müller 1, 328; schlägt im purzelbaum den kutscher vom sitz. Tieck 3, 21;

dann die Schlegels und die Tieck
sollen durch einander stürzen,
und durch ihre purzelbäume
mir die lange zeit verkürzen.
Göthe 47, 266;

ein hauch nur oder wenigstens ein kind,
das sich bewegt mit seltner leichtigkeit,
das hüpft und springt und purzelbäume schlägt.
Platen 179a.

ein reicher kaufmann prahlte von seinem lustgarten: alle bäume wachsen darin, nur nicht der burzelbaum (bankerot).
 
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burzelbock, m. burzelbaum, bocksprung, capriola. Steinbach 1, 142. nun aber erklärt 'einen burzelbock schieszen' = überschlagen, fallen, burzeln die oben sp. 203 behandelte redensart des bock schieszens befriedigend.
 
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burzeler, m. cernuus, cernuator, ludius, bei Stieler 1468 purzeler, qui ita se jactat, ut sursum denuo excitetur, einer der burzelbäume schlägt. es musz schon ein mhd. burzelære in

[Bd. 2, Sp. 555]


solchem sinn bestanden haben, denn in einer urk. von 1226 monum. zoller. n 118 tritt ein Heinricus purzelarius auf.
 
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burzelkraut, f. portulaca.
 
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burzelmännchen, n. was burzelalp, eine puppe, die zu boden gestürzt alsogleich wieder aufsteht, engl. a tumbler, little tumbling puppet.
 
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burzeln, bürzeln, procidere, praecipitem ferri, unordentlich über hals und kopf niederstürzen:

und warf mich an ein sterz,
das mich dunkt, wie es mich noch smerz,
das ich uber und uber purzelet in das kot. fastn. 48, 11;

glich als das gutwillig pferd, das mit freuden den wagen fürt oder zühet, wenn das der roller uszlot von dem wagen ledig zu sin, so bürzlet es und springt von freuden. Keisersb. bilg. 100b; das sie stürzen und purzeln. Luther 4, 540b; da sehe einer wunder, wie sie auf der canzel hin und her bürzlen. Frank weltb. 135b; das ie ein schuch über den andern burzelt. Eulensp. cap. 4; so übel dir wer angestanden, wo etwan ein frömbder kommen were und euch also z bürzlen (geburzelt) über einander funden hette. Frey garteng. cap. 67; schlg den juden in hals, dasz er hinder die thür bürzlet. cap. 105; haufenweis kam einer uber den andern burzlen. Wirsung Cal. O 4b; warf ihn zur thür hinaus, dasz er uber und uber burzelt. Kirchhof wendunm. 401a; traf den messner an seine brust, dasz er uber den haufen burzelt. 453b; o ihr bankenrumpirige (bankruttierer), halten euch steif auf dem stul, es wird bürzlens gelten, kompt die halbkugel in kreisz zu den kegeln. Fischart groszm. 27; ja uber ars und kopf burzelen und weder himmel noch erden erreichen. bienenk. 87a; schellhörnig und hirnschöllig von wein rasen, balgen, walgen, schelten, gauklen, fallen, schallen, burzeln, schrien, gölern, prellen, wüten, sinken, hinken. Garg. 3; mit welcher (seiner ehfrau) er (der mann) ungehindert mag scherzelen, sterzelen, merzelen, kützelen, kritzeln, schmützeln, schwitzeln, pfitzelen, dützelen, mützelen, fützelen, fürzeln und bürzeln, so oft es ihn gelust zu stützlen und zu stürzlen. 72b; gaukelten, redleten, bürzleten, balleten, jauchzeten, gigageten, armglocketen. 82b; schwam auf dem dilen, bürzelt umb mit dem dilen. 178b; stellt sich wider auf den hügel, zu sehen wie die todten unter einander zabelten und grabelten, und die uberige, die daher ritten, drüber bürzelten. 257a; also fiel Rossübrall, schub und schwung seinen herrn von sich aus dem sattel hinweg, also dasz er eine gute ecke ins feld hinaus porzelte. Harnisch 57; sintemal ich alsdann entweder erfrieren oder über das dach herunter burzeln müssen. Simpl. 2, 73; mancher dachte er wäre bald hinauf, so verstarreten ihm die hände, dasz er herunter porzelte und der schnee über ihm zusammen schlug. Weise erzn. 69; dasz er hinter sich zurück porzelte. Salinde 154; darbei porzelt er mit den härtesten worten heraus. causenmacher 50; die treppe herunter purzeln. Felsenb. 2, 500; die feuerkugeln wechselsweise nach einander in die see hinein purzelten. 4, 10; porzelte mit meinem cameraden die treppe hinunter. Leipz. avant. 1, 95; wie sie die nusz aufknackte, purzelte eine menge von kleinen baumeistern, zimmerleuten, maurern heraus. Wieland 11, 26; ja, ja! schrie der noch kleinere und purzelte über noch zwei unmündige, die im grase lagen. Fr. Müller 1, 120; siehst du, wie die kerls über einander purzelten und quiekten wie die frösche. Göthe 8, 138; Christus, der die käufer und verkäufer zum tempel hinaustreibt, welche zu beiden seiten munter und zierlich erschreckt die treppen herunter purzeln. 28, 26; reiszen sie einen bei der hand an sich, dasz man um und um purzeln möchte. Bettine br. 1, 218.
Frisch erklärt 1, 157c burzeln elevare anum cadendo, doch läszt sich burzeln nicht aus burzel anus leiten, da vielmehr beide aus burzen abstammen, unter welchem wort vermutungen über die wurzel vorgetragen werden sollen.
 
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burzelsaft, m. succus portulacae: thnd im (dem kirschbaum) die ohmeisen schaden, so schütt burzelsaft darein (in das im stamm gemachte loch) mit halb so viel essigs vermischt. Herrs Columella und Palladius 203a; so man den stammen vor und ehe si ausschlagen mit wolfsmilch und bürzelsaft bestreicht. 181b.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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