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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bürde bis buretsch (Bd. 2, Sp. 532 bis 534)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bürde, f. onus, sarcina, tracht, last, goth. baurþei, gen. baurþeins, ahd. purdî, gen. purdîn (Graff 3, 162), mhd. bürde (Ben. 1, 154a), ags. byrðen, engl. burden für burthen, mnl. borde, nnl. fehlend, altn. byrði, dän. byrde, schw. börda. Dasyp. 311a setzt bürd, bürde, Maaler 82d burde, pl. burdinen, vocab. 1482 e 2b burde, aa 1a purde, aa 1b purden, aa 2a purdin.
Bürde stammt aus bëran wie φόρτος aus φέρειν, tracht aus tragan, last aus ladan, bezeichnet also
1) zunächst das von der mutter getragen, geboren werdende kind, vgl. DWB barm, den tragenden, gebärenden schosz, barn das kind. die frau ist von ihrer bürde, weiblichen bürde, leibesbürde entbunden, erledigt, erlöst worden; derowegen, weil mein liebes weib nicht lange mehr zeit ihrer weiblichen bürde zu entbinden hatte. Schweinichen 2, 140; eine andere, so allererst vor sechs tagen ihrer weiblichen bürde entbunden. Reinhard Werth. gegenschr. 1, 255; der bürde sich in geheim entschütten. Leipz. avant. 1, 185. dann steht es auch von der nachgeburt: wie das kind von der mutter und iren fellin umbfasset sei. dises erst fellin nennet man secundinam und zu teutsch das büschlin, bürde und nachgeburt. Euch. Röszlin 8a.b; bekommt der kindbetterin wol und treibt aus, was von übriger bürden vorhanden ist. Tabernaem. 1363; zu austreibung des büschelins, der bürden oder nachgeburt. Sebiz 87. siehe afterbürde.
2) schweiz. bürdi, die vom thier geworfnen jungen, so wie die nachgeburt, vorzüglich vom rindvieh. Stalder 1, 244. s. DWB tracht und DWB wurf.
3) was vom menschen auf arm, schulter, hals, kopf und rücken getragen wird, vgl. Tobler 70a. bündel fascis kann mit bürde onus zusammen fallen, insofern die bürde zusammen gebunden ist: do hatten wir unser blünderlin und kleider in ein burdin zamen gebunden. Tho. Plater 68; bindts in ein weisz lümplin, gibts dem studenten mit sampt der bürdi. Wickram rollw. s. 22; der Malchus, wann er des vihs ht, so sahe er als wie die omeiszen ein wesen hetten, wie eine der andern half ir bürdi tragen. Keisersb. omeis 7b; eine bürde dorn hauwen. bilg. 105b; do hiesz er im ein bürden rten bringen. Steinhöwel Es. 116b; eine bürde gras; so einer sonder des meyers erlaubnus so vil als ein burde mehet. weisth. 2, 257; und solle ieglicher huber alle jahr liefern eine bürd holz mit stro, das solle machen fewr sonder rauch. 3, 762; eine bürde geträdig. Harnisch 60; eine bürde gras mähen. bauernst. lasterpr. 177; zwei fuder und vier burden reife. bürde und tracht können einigemal zusammenfallen, z. b. eine bürde oder tracht gras, holz, doch ist tracht freier und leichter, es heiszt eine tracht wasser, speise, nicht bürde; auch eine neue tracht von kleidern, nicht bürde. man sagt, die bürde aufnehmen, an oder um sich hängen, aufhalsen, fortbringen, fortschleppen, ablegen, niederlegen, einem der bürde abhelfen.
4) was von thieren, zumal eseln und pferden, auf dem rücken getragen wird: sprach der esel zum pferd, wiltu mich gesund machen, so entheb mich ein teil der bürden. Steinhöwel Es. 138;

[Bd. 2, Sp. 533]


ein groszer esel billich führt
zu aller zeit die gröszten bürd.
Kirchhof wendunm. 449b;

darum heiszt er sacktregel. Bon. 51, 20; so bleibt das lastbare thier in unserer gesellschaft, um eine oder die andere bürde fortzubringen. Göthe 21, 36.
5) insofern die bürde menschen oder thieren aufgeladen wird, kann sie auch last heiszen, was aber vom wagen oder karrn aufgenommen und fortgebracht wird, ist keine bürde, nur eine last. doch läszt sich dichterisch das schif eine bürde der wogen oder wellen, der ring eine bürde des fingers nennen, wie die weidenden lämmer eine bürde der grünen hügel sind:

der hügel weisze bürde,
der schafe zucht,
drängt sich aus stall und hürde
mit froher flucht.
Hagedorn 3, 109.


6) bürde (niemals aber tracht) steht wie last sehr oft figürlich: auf das sein joch von inen genomen werde und seine bürde von irem halse kome. Es. 14, 25; diese ewer trewe wollen wir vergelten und euch viel bürden erlassen. 1 Macc. 10, 28; sie binden aber schwere und unträgliche bürden und legen sie den menschen auf den hals (ahd. sie bintent suâra burdîn inti ungitraganlîcha inti sezzent sia in manno scultirûn). Matth. 23, 4;

und wünsch im ungelück ein grosze pürd. fastn. 770, 19;

und welcher knab in groszen sorgen leit,
und er ein schwäre burdin auf im treit,
der soll sich frewen gen der liechten sumerzeit,
dasz im sein burdin geringeret werd.
Uhland 52;

da auch der arm meint, das im würd
von geraubtem gt ein zimlich bürd.
Murner luth. narr 757;

da die züchtig erbar fraw vernam, dasz der ritter nicht nachliesz, sie nach irer meinung ir die bürden ab dem hals zu nemen einen neuwen sinn erdachte. Bocc. 2, 183a; armt ist auch ein schwere bürde. Steinhöwel Es. 8; lieszen mir die bürde auf dem hals. Schweinichen 3, 132; einer nit geringen bürden entladen. Kirchhof mil. disc. 265;

der centnerschweren bürde
von hoheit und von würde
wird emsig nachgetrachtet.
Logau 3, 6, 74;

so raft von jeder eiteln bürde,
wenn des gesanges ruf erschallt,
der mensch sich auf zur geisterwürde,
und tritt in heilige gewalt.
Schiller 80b;

ein neues volk, voll leben, mut und kraft
des menschenlebens schwere bürden trägt.
Göthe 9, 67;

dasz ich mir eine neue bürde auflade, an der ich nachher zu tragen und zu schleppen habe. 21, 38.
7) andern sinn hat das nd. borde, börde (sp. 239).
 
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bürdel, n. fasciculus, manipulus, kommt in der bedeutung überein mit bündel, christbürdel nannte man sonst ein weihnachtsgeschenk. Ettners entlaufner chymicus 719. bürdele der weiber sind was bürde 1 secundae. Dasyp. 311b. auffallend gleichen diesem bürdel, lautverschoben, das mlat. fardellus, it. fardello, prov. fardel, franz. fardeau, welchem Diez s. 139 wol mit unrecht arabischen ursprung gibt.
 
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bürdelstahl, m. was bündelstahl.
 
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bürden, onus imponere, aufbürden, auflegen, s. DWB bebürden:

und was war nun mein dank dafür, dasz ich
ein treuer fürstenknecht, der völker fluch
auf mich gebürdet.
Schiller 343a.


 
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bürdenträger, m. bajulus, lastträger: ein langsamer gang ist bequem einem bürdentrager. Cyrill 10b.
 
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burdi, siehe büren.
 
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bürdlein, n. sarcinula, fasciculus: kleins bürdelin, manipulus. Dasyp. 311b; burdelin von notwendigen kleideren und handgeschirr auf dem weg, so man wanderet. 311a; purdlein, puschelein, lestlein, fasciculus, onusculum. voc. 1482 aa 1a.b; collecta, ein gebet, in dem als in eim burdelein zusamen gewickelt ist alles das uns not ist zu bitten von got. Eichmann voc. pred. d 3b. auch was bürdel: gemelte arznei treibet auch aus das bürdlein oder die ander geburt. Tabernaem. 39. vgl. Schm. 1, 196.
 
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bürdlich, onerosus, molestus, lästig, schwer: also das dem menschen vor swer und bürdlich was, das wirt im nun licht und ein freud. Keisersb. bilg. 61b; das thn zwei stück, die allen menschen bürdlich und beschwerlich sind. 71d; es ist uns schwär, bürdlich und überlästlich anzusehen. schif der pen. 3.

[Bd. 2, Sp. 534]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) büre, s. DWB bühre.
 
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büren, tollere, excitare, heben, erheben, ahd. purian, purran, arpurian (Graff 3, 163—167), mhd. bürn, erbürn (Ben. 1, 153), nnl. beuren, altn. byrja anheben, erheben, ein goth. baurjan zu vermuten. wie sich nun lat. ferre zu ahd. përan, ferire zu perian verhält, scheint auch, was bisher unbemerkt blieb, furere = purian, nemlich erheben, erregen, empören und intr. ferri, excitari, toben, wüten. zur bestätigung gereicht das böhm. bauriti, poln. burzyć, empören, stürmen, toben, donnern und das altsl. bourja procella, sturm, windsbraut, aufruhr, russ. burja, böhm. bauře, was genau dem altn. byrr ventus ferens sowol als furens, dem mhd. bur (Ben 1, 153a in den aus dem pass. angeführten stellen) entspricht, und wodurch sich die urbedeutung des lat. furiae erhellt.
Dies alte, schöne wort war mhd. noch lebendiger:

er bürte schilt unde swert. Iw. 5373;

sine bürten noch ensancten. 7080;

bürt den vanen hôh. Wh. 373, 2;

mit ûf erbürten swerten. Nib. 1866, 3.

heute haben wir es nur in der abstraction gebüren, gebühren d. i. eigentlich sich erheben, accidere, evenire und dann convenire übrig, auch scheint büre, bühre, aufgezognes, erhobnes weiszeug (sp. 511) daher zu leiten. für gebüren galt im 16 jh. zuweilen noch einfaches büren, z. b.

zur hauptmanschaft sichs büren wil.
Joh. Chryseus Haman. Wittenb. 1546 act 4 sc. 1,

vgl. bürlich für gebürlich. unter den volkssprachen hat zumal die schweizerische das verbum in seinem einfachen sinn bewahrt, Stalder 1, 244. 245 verzeichnet büren, bürren für heben, erheben, aber auch intransitiv für eindringen, irruere: die buebe hend bbürret, sind vorgedrungen, eingedrungen; de chue bürret (was sonst äuget), uterum levat, uterus vaccae extumet; es bürt, bürrt mich, es hebt mich zum erbrechen.
Doch läszt sich auch in einer interj. der schriftsprache das alte büren aufweisen, Luther gebraucht verschiedentlich burdi, purdi für schnell, fort, agedum, was keinen sinn haben kann als bur dich, hebe dich, mache fort: nu hat man diesen handel schnell purdi purdi angefangen und mit feusten hinein getrieben, das gefelt mir gar nichts. 2, 76b; da nu des spiels noch kein ende wolt werden, sondern nur mit dem kopf purde purde hindurch. 3, 49; burdi burdi, nur hindurch, wie die saw durch den kobe. 4, 491. denn gerade so ruft man in Östreich einem pferde zu: pur dich füchsel! Höfer 2, 358 oder wie Castelli s. 98 schreibt buar di fixl! und ahd. hiesz es puri dih! vade! Graff 3, 164b; bure dih nortwint unte kum, sundenewint durchwâie mînen garton! Willeram 39, 9, hebe dich wind, d. i. bür = wind. mit dem rufe bur! scheucht man noch heute die vögel auf. vgl. DWB bor (sp. 238), empor, bören in empören und hernach burlen, burr, burren.
 
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buretsch, was boretsch sp. 240: puretsch, boraga, herba quaedam. voc. 1482 aa 1a; von rosensyrup, von burretsch, ochsenzungen und ampferenwasser. badebuch 39a.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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