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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bunkel bis buntenloch (Bd. 2, Sp. 525 bis 530)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bunkel, m. scheint schlag oder stosz auszusagen, in welchem sinn auch schon mhd. bunkel bei Neidhart (Ben. beitr. s. 402) vorkommt. figürlich, ein auflaufender, schwellender kuchen, in Österreich ein backwerk aus milch und eiern, rosinenkuche. Höfer 1, 129. vgl.pünkel bei Schm. 1, 287.
 
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bünklein, n. die Spanier thun in ihren wein ein leinenes bünklein voll baumwoll, so grosz als ein haselnusz, darinnen etliche gran bisem und ambra sind. Hohberg 1, 369a.
 
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bunt , varius, versicolor, gesprenkelt, fleckig, von binden, wie wund von winden abstammend, eigentlich also mit einer binde, taenia, fasciola ausgestattet, virgatus, vittatus, variegatus, gestreift, streifig, daher diversicolor, varius. Beneckes annahme (1, 135b), das adj. bunt sei erst aus dem subst. bunt nemlich der bundweise verkauften pelzwaare allmälich hervorgegangen, ist grundlos; nicht pelzbündel, sondern die binden, streifen eines stabs oder tuches haben den ausdruck veranlaszt. das bunt oder buntwerk heiszt so nach seinem bunten aussehen, nicht weil es gebunden wird. wie sich die verba binden und winden in gestalt und bedeutung nahe liegen, bebunden und bewunden beide virgatus ausdrücken mögen, so reicht wund d. i. braun und blau geschlagen, fleckig an den sinn von bunt, in der lex alamann. bedeutet maculare verwunden.
Dem goth. vunds saucius könnte auch ein bunds varius, dem ahd. wunt ein punt zur seite gestanden haben, beide aber fehlen. unter allen nur die mhd. und nhd., wie die mnl. und nnl. mundart weisen das adj. auf; in bunt haftet NT statt des gewöhnlichen ND, wie in hinter, unter, sinter neben hindern, binden, bund, doch zur zeit des 16 jh. wurde häufig bund oder bundt geschrieben; schwerer zu fassen ist das nd. und nl. NT in bunt, bont und scheint aus der hd. form entnommen. unmöglich aber wird es, einen der hochdeutschen sprache tief eingeprägten, erklärbaren ausdruck aus einem romanischen punto, punctus, signatus, notatus herzuleiten, welche niemals varius oder discolor ausdrücken, wenn schon Parz. 758, 2 eine schlechte hs. wirklich puncten für bunten schreibt.
Den begrif von varius bezeichnete sonst das ahd. fêh, ags. fâh, mhd. vêch, dem gr. ποικίλος entsprechend, mhd. galten vêch und bunt nebeneinander und wechselten, nhd. ist das erste ausgestorben. beide vêch und bunt stehen, pelzwerk ausdrückend, oft auch zusammen mit grâ, wie altfranz. vair et gris (varium et canum) und empfangen dann, wie die neutra anderer adj., zumal von farben weisz, grün, blau u. s. w. substantivgeltung:

den gibit er phellil und bunt. fundgr. 2, 114;

dô gap man sînen degnen ze kleidern grâ unde bunt. Nib. 60, 4;

si gap in maniger hande grâ unde bunt. Gudr. 156, 2;

die dâ dûhten smæher,
die truogen bunt unde grâ. Servat. 137;

ouch was dâ gereit
wol drîer hande cleit,
grâ, härmîn unde bunt. Iw. 2193. Wigal. 1703;

hermîn, bunt unde grâ. Wigal. 9077;

vil guotiu kleider hætens an
von bunt und von samîte. 7301;

gebiuwer unde herren kint,
swâ diu glîcher tugende sint,
dâ ist daʒ lemberîn worden bunt. jüngl. 9,

da hat das schaffell sich verbessert in edlen pelz. das eigentliche adj. gewähren folgende stellen:

dô schouweten disen bunten man
al die wunders kunden jehn. Parz. 758, 2;

lûter veder, die wâren bunt. Wigal. 7404;

ein rîlîch belliʒ, vêch unde bunt. tr. kr. 9079;

wer gehôrte ie mêre
von sô rîcheme cleide
mit buntem underscheide. pass. H. 134, 10.

Unser nhd. adj. führen Dasypodius und Maaler gar nicht auf, Henisch hat es 558 und Luther wendet es häufig an. voc. 1482 e 4a setzt: bunde, des mancherlei farbe ist, varium, vehe.
1) bunt von holz, laub, blume. ein haselstab, den man ringelt, d. h. halb weisz läszt, so dasz ihn die stehnbleibende

[Bd. 2, Sp. 526]


rinde wie ein band umwindet, wie ein streif umbindet, heiszt ein bunter stab: Jacob aber nam stebe von grünen papelnbawm, haseln und castaneen und schelet weisze streife daran, das an den steben das weisze blosz ward, und legt die stebe, die er geschelet hatte, in die trenkrinnen fur die herde, die da komen musten zu trinken, das sie empfangen solten, wenn sie zu trinken kemen, also empfiengen die herde uber den steben und brachten sprenkliche, fleckete und bundte (lemmer). 1 Mos. 30, 37—39. im alten gedicht fundgr. 2, 44:

er nam alberîna staba,
sneit in die rinte iewa abe ...
sô diu ow denne tranc
unde der ram ûf sie spranc
der durst si duanc,
daʒ si stuont, tranc.
swes si dâ wart berenthaft,
sô si ane sach den vêhen stab,
daʒ wart mislîchen vare.

ahd. sagte man bluomfêh, bunt wie blume (Graff 3, 426); die wiesen sind bunt von blumen, eine bunte blumenfülle steht im garten, die bunten tulpen heiszt es noch heute; buntes gras ist phalaris picta; der bunte lenz, herbst;

der blumen scheckicht heer.
Haller alpen 39;

du schmelz der bunten wiesen,
du neubegrünte flur.
Hagedorn 3, 68;

verdecket vom gebüsch sasz ich und blickte
zum andern bunten ufer hin.
Hölty an eine quelle;

das grüne bunt um berg und wald in farben.
Rückert 301.

bunt von steinen: bunte steine, bunte kiesel, bunter marmor, bunter sand; ags. stânfâh:

stræt väs stânfâh. Beov. 637,

die strasze war bunt von steinen; onichsteine, eingefaszte rubin und bundte steine und allerhand edelgesteine und marmelsteine die menge. 1 chron. 30, 2.
2) bunt vom gefieder der vögel, käfer und schmetterlinge. ahd. fedarfêh, polymitus. Diut. 1, 265b, wie nhd. federbunt:

darbei ein pferdehals, der leib ist federbunt.
Schottel 1014.

fast alle vögel sind bunt, zumal heiszen so elster, specht, hahn und henne, pfau, habicht und falk: es ist kein atzel, sie hab denn etwas bundtes. Henisch 558, 32;

die alster die ist schwarz und weisz.
Uhland 36;

die liut wol halp sind alstervêch.
Helbl. 8, 386;

Feirafîʒ, der bunte man. Parz. 758, 2,

was beidiu swarz unde wîʒ
über al sîn vel. 758, 17,

der heiden buntgevar. 764, 14,

Feirefîʒ der vêchgevar. 781, 6,

wander truoc agelstern mâl. 748, 7;

eʒ kom gevarn ûf si ein rêch,
daʒ was als ein agelster vêch. Trist. 511, 16;

vgl. DWB buntspecht, picus wie pica, buntdrossel, buntwenzel. epische benennung der henne ist die bunte wie die blinde (oben sp. 120) und blind selbst wies auf blanden mischen, dessen part. praet. gemischt zugleich gemengt und bunt anzeigt. nicht anders ist ahd. gickilvêh (Graff 3, 426), nhd. gickelbunt dem hahn und huhn zu überweisen. in einem mhd. gedicht (a. w. 3, 206) wird dem habicht gickelvêhe wât, gesprenkeltes gefieder beigelegt. ein groszer adeler mit langen fittichen und vol feddern, die bund waren, kam auf Libanon. Ez. 17, 3;

buntes gefieder
rauschet im hain.
Göthe 1, 90;

komm, ich hätt es gar zu gerne,
gern das kleine bunte ding. 1, 57.


3) bunt vom vieh: die bunte kuh, der bunte hund (er ist so bekannt wie ein bunter hund), die bunte katze, der bunte bock, die bunte geisz: man heiszt selten ein kuh blümlin, sie hab denn einen bundten flecken. Henisch 558, 29 vgl. oben sp. 167, was sich auch durch blumbunt erläutert; ich wil heute durch alle deine herde gehen und aussondern alle fleckete und bundte schafe und alle schwarze schafe unter den lemmern und die bundten und flecketen ziegen, was nun bund und flecket fallen wird, das sol mein lohn sein. 1 Mos. 30, 32; und sonderte des tages die sprenkliche und bundte böcke und alle fleckete und bundte ziegen. 30, 34; die böcke sprungen auf die sprenkliche, fleckete und bundte herde. 31, 10. 12. mhd. von der katze kuntervêch = nhd. kunterbunt, Reinh. s. 367, kunter geht auf alle thiere, zahme und wilde, kunterbunt ist thierbunt. zuweilen heiszt das pferd, besonders das junge, ein buntes, öfter aber apfelgrau und scheckig, scheckicht, eine

[Bd. 2, Sp. 527]


schecke, vgl. buntscheckig; von schecke kann erst unter diesem wort selbst näher gehandelt werden und dann ist vielleicht die 1, 535 gewagte hinleitung auf das sl. zelenko wegzunehmen. der altfranz. palefroi vair ist ein gris pommelé, ein apfelschimmel. nnl. een bont paard, hij is bekend als de bonte hond; het vel gaat in het bont.
4) bunt von pelzwerk. an sich hätte jedes aus der haut eines bunten thiers bereitete kleidungsstück bunt, opus, indumentum varium, prov. franz. vair heiszen können; man schränkte aber diese namen ein auf den feinen, weisz und grauen pelz des nordischen eichhorns, wofür auch varium minutum, menu vair, petit gris gesagt wird, it. vajo, unterschieden von vario, nhd. fehwamme, buntwamme, vgl. Ducange 6, 735. 736. mhd. war lemberîn eine viel geringere tracht als bunt. ob und welche feineren unterschiede zwischen vair und gris, zwischen bunt und grâ statt fanden, ist schwer zu sagen, das grauwerk scheint etwa nur grau, das bunt weisz und grau gewesen zu sein. pelzvêch in Lichtensteins frauend. 260, 11 drückt den kostbaren bezug eines schildes aus. nhd. pflegt man bunt dem rauch, den feinen, glatten pelz dem rauhen entgegenzustellen: es kam die zeit, da man die weihnachtsfeiertage zu begehen pflegt, da hatten sich an dem vorhergehenden abend unterschiedene parteien bunt und rauch untereinander angezogen und gaben vor, sie wolten den heiligen christ agieren. Weise erzn. 369. der bunte rock, wodurch Luther 1 Mos. 37, 3. 23. 2 Sam. 13, 18. 19 das hebr. LXX χιτὼν ποικίλος, vulg. tunica polymita übersetzt, war kein pelz, sondern eine tunica talaris et manicata, deren färbung unangegeben bleibt.
5) uns bezeichnet bunt, wenn es von kleidern ohne bezug auf pelz gebraucht wird, wieder in seinem natürlichen sinn, die verschiedenheit zweier farben, vorzugsweise heller und hoher gegenüber den dunkeln, tiefen. an sich ist ein schwarz und weiszes gewand, gleich der elster, auch ein buntes, man meint aber unter buntem ein weisz und rothes oder gelbes, grünes, wie unter bunten blumen hellfarbige, aufleuchtende. gemalete menner an der wand in roter farbe, bundte kogel auf iren köpfen. Ez. 23, 15, diese kogel waren spitze, bunte hüte, redundantes mitris, mit herabhängenden binden, also wieder den zusammenhang von bunt mit binde, tiara bezeugend; ich habe mein bette schön geschmückt mit bundten teppichen aus Egypten. spr. Sal. 7, 16. schwarz und weisz gehören sich zur trauer, roth und weisz zur hochzeit:

morgen geh ich wieder bunt (lege die trauer ab).
Gotter 1, 95.

die färber nennen alle farben, die nicht weisz und schwarz sind, bunte, wie nach der weisz und schwarz ausschlieszenden theorie nur sie die eigentlichen farben sind. man sagt, das bild ist zu bunt, enthält zu viel helle farben. den webern gilt bunt für gleichviel mit geblümt, in dem sinn, den wir mit blumbunt verknüpfen. sie trägt sich bunt, hat gern bunte, schreiende farben, gibt den hellen, leuchtenden den vorzug. in bund oder geschecket gekleid gehen. bienenk. 29a; ein landsknecht, der war ein runder, bunter mann von allen farben. Katziporus e 6; bunte flicken, lappen, bunter bettlersmantel; ein buntes allerlei von waaren;

die goldlakierte staatskarosse,
sammt jener bunten leute trosse,
sammt jenen schecken, die sie ziehn.
Gotter 1, 19;

bunter gecken süsz lallendes geschwätz. 1, 444.


6) Göthe nennt die geschminkten, d. i. roth auftragenden wangen bunte:

als er nun hinausgegangen,
wo die letzten häuser sind,
sieht er mit gemahlten wangen
ein verlornes schönes kind. 1, 251,

und er küst die bunten wangen. 1, 253;

bunte locken sind mit blumen oder bändern durchflochtne:

so sasz sie lang auf maienblumenglocken,
grub mir ihr bild in meine brust
und band mein herz an ihre bunten locken.
Höltys lied an eine quelle str. 8;

schilde, fahnen, wapen erglänzen bunt:

mit bunten wappenschildern ists bemahlt
und weisen sprüchen.
Schiller 519a.


7) eine menschenmenge, wie sie lärmt, wühlt und tobt, erscheint auch bunt und gemischt in farben, vielartig in gesinnung; das leben, die zeit rauscht in bunten bildern vorüber: was nur immer in einem bunten, rauschenden leben vorkommen mag. Göthe 26, 238; würde ich von kummer und von

[Bd. 2, Sp. 528]


eitelkeit des lebens reden, wenn der bunte jugendkreis noch nicht zerstückt wäre? J. P. uns. loge 3, 44;

welch eine bunte gemeinde!
an gottes tisch sitzen freund und feinde.
Göthe 5, 125;

(Amor) der in dem bunten gewühl erst sich der fackel erfreut. 1, 347;

wenn er den bunten schwarm
der menschen flieht. 9, 111;

da macht sie ihm ein fenster auf,
zeigt ihm drauszen viel bunten hauf. 13, 127,

gerade so heiszt es der helle haufe, der helle, lichte haufe; eine solche bunte gesellschaft arbeitet nun ganz vergnüglich durcheinander. 24, 184. denn auch die anmutige mischung beider geschlechter im tanz, gang und sitz führt den namen einer bunten reihe. schon im mittelalter pflegte man einen ritter zwischen zwei frauen zu setzen, ohne zweifel von jeher bestand die sitte ganze kreise so zu ordnen, dasz jede frau von zwei männern, jeder mann von zwei frauen eingeschlossen wurde.

frouwenlîche schar
mit rîteren underseʒʒen. Wh. 250, 30.

Ignatius. ich will meinen sedem zwischen ihr und meiner Diana nehmen. Helfrich. so werde ich nun urlaub bitten, die reige bunt, zwischen selbiger und jungfer Magdalenen zu machen. ped. schulfuchs 129; da abends bunte reihe war. irrg. der liebe 398;

faunen tanzen umher, mit der bacchantinnen chor
machen sie bunte reihe.
Göthe 1, 347;

zwar die vierundzwanzig ritter
ehren wir in allen fällen,
doch auch fräulein sind nicht bitter,
wenn sie sich dazwischen stellen.
heute lasset mich beachten
solche lieblichsten vereine,
wenn sie bunte reihe machten
die Ziegesar und die Steine. 4, 136.

bei unterbrechungen erscholl, wie beim blindekuhspiel für den tappenden, die warnung 'es brennt!' und vom böttichergesell heiszt es (altd. wäld. 1, 121): nun so spring vom tisch und schreie feuer, so werden sie schon kommen und löschen. vgl. DWB bollenschmaus, bullengelag sp. 232. figürlich, eine bunte reihe kleiner schriften, anmerkungen.
8) bunte, fremde, gezierte, überladene, geflickte sprache, bunte wörter:

bin ich schon dises orts kein ausgerüster tichter,
mit hüpscher rednersfarb und bunter (verblümter) wörter zier.
Rompler 82;

wenn er mit ernstlichem gesicht
barbarisch bunt in fremder mundart spricht.
Göthe 2, 147;

was diese (die musik) betrift,
so können wir seinen geschmack am bunten und schweren nicht loben.
Wieland 5, 28;

er füllt, er stopft, er flickt, die schreibart läszt so bunt,
als Florens unterrock und Fickchens sonntagsmütze.
Günther 503.


9) es wird bunt, sieht bunt aus, geht bunt, geht bunt zu oder her (drunter und drüber): es wird mir bunt vor den augen. Lenz 1, 122, ich falle in ohnmacht, es schwimmt mir weisz und schwarz vor augen, mhd.

im gebrast des tages vor den ougen. Gudr. 519, 4;

wenn wimpern gar mit besen verglichen, die sterne vom himmel herabkehren, so wird es uns doch zu bunt. Göthe 6, 107, wie sonst zu arg damit. um den kopf und auf denen achseln siehet es bund genug aus, dasz so oft ich eine solche geputzte und mit etzlichen stücken bande behangende arme jungfer sehe, mich deuchtet es sei ein windwirbel in eine bortenwürkerbude gefahren, welche dadurch vom markte weggenommen und fortgehend gemacht worden. pol. stockf. vorrede. am himmel sieht es bunt (bewölkt) aus. Göthe 16, 272; was unserm theater hauptsächlich fehlt und warum weder schauspieler noch zuschauer zur besinnung kommen, ist, dasz es darauf im ganzen zu bunt aussieht und dasz man nirgends eine grenze hat, woran man sein urtheil anlehnen könnte. 19, 238; sei ruhig geckchen! die sache sieht bunt aus. 57, 209; das ist eine bunte wirtschaft hier;

das herzlein dir möcht krachen,
förcht ich, wans geht zu bund.
Spee trutzn. 107 (98);

es mag das falsche glücke
gleich auf der spitze stehn,
und durch verwirrte blicke
bund in einander gehn.
Weise kl. leute 222;

der alte bube liebte unheil und befand sich nie besser, als wenn es recht bunt und toll in der welt zugieng. Wieland 8, 251; ja wenns nicht gar zu bunt geht. diesmal ist sie doch ein wenig aus der fassung. Göthe 8, 237; es geht bunt in

[Bd. 2, Sp. 529]


der welt her. 15, 232; und da wir nun gar ans walzen kamen, giengs anfangs, weils die wenigsten können, ein bischen bunt durcheinander. 16, 32; den fünften act, wo alles recht bunt durch einander gieng. 18, 49; hier geht es bunt zu, sagte sie, gerade so wie mirs recht ist. 19, 80; oder wenn etwa dolch oder gift zu bringen ist, denn es geht meistens etwas bunt her. 14, 12; dieses alles mochte jedoch so bunt durcheinander gehen als es wollte. 25, 101; da es nicht alle abende so bunt hergehe. 25, 171; die nächsten vierzehn tage überhaupt wird es wieder ein wenig bunt gehen. an Schiller 450; seit dem empfang ihres lieben briefes ist es sehr bunt um mich her zugegangen. an Zelter 73. verstärkt durch 'über ecke', in die quere: sunderlich wann im die sach umbschlecht, und nit wie er verhoft hat, über eck geet. Frank weltb. 38a;

also wem wol mit schalkeit ist,
thut schalkeit vil verpringen
und wenn punt uber eck wil gen,
zeucht den kopf aus der schlingen. alter meistergesang;

lasz alles von mir laufen,
bunt über ecke gehn, freund, gut, knecht, schif ersaufen.
Opitz 3, 291;

es sol ja noth entstehn
bunt über ecke gehn,
eh als mit plitz und knallen
die erde sol zerfallen.
Tscherning 308;

bunt über eck die jahresrechnungen aufzunehmen pflegt. Abele 4, 411; folgende tage giengs bei der musterung bund über eck her. Simpl. 1, 120; es gieng so toll und bund über eck her, dasz mir gleichsam das herz im leib lachte. 2, 259; einsmals gieng es im jüdischen land bunt und überzwerch her. Schuppius 258; mit der zeit, wenn es einmal bunt über (eck) geht, höher zu steigen. irrgarten 530; lasz es sein, Lisette, nun soll es erst recht bunt über ecke gehn. Lessing 2, 418; mittlerweile giengs, wies bei einer marschierenden armee zu gehen pflegt, bunt übereck und kraus, dasz ich alles zu beschreiben nicht im stande bin. d. a. m. im Tockenb. 140.
10) es bunt machen, treiben, wirtschaften: unser herr gott macht seinen willen sehr bund und kraus, das sich schier niemand drein schicken kan. Luthers tischr. 37b; machens also kraus und bund. 186b; dasz es die heiligen männer nicht all zu bund machen. bienenk. 154b;

ihr macht es etwas bund.B. was bund, ich steh es zu,
doch wer vor liebe stirbt, weisz der auch was er thu?
Gryphius 1, 689;

es auf das allerkrauseste und bunteste machen. bauernst. prob 180; macht das spiel nicht zu bund, damit es die eltern nicht gewahr werden. Felsenb. 4, 105; aber freilich macht er es ihnen ein wenig zu bunt. Lessing 1, 580;

er macht es wirklich so bunt,
und täglich laufen von allen enden und orten
so viel beschwerden bei uns ein.
Wieland 5, 167;

und wenn wir es trieben recht bunt und arg,
das rechnet er uns zur zierde.
Rückert 344;

in vorigen zeiten, wo ich ein bischen bunter wirtschaftete. Göthe 7, 119. auch nnl. hij maakt het bont, er treibt es arg.
 
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buntaal, m. muraena ophis.
 
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buntbändricht, buntbebändert: und manche jungfer steht sich selbst im lichten, die oft einen ehrlichen handwerksmann, der sie in allen ehren meinet, über achsel sieht und ein buntbändrichten monsieur ihm zum trotze mit vortreflichen liebkosungen bedienet. Weise erzn. 325.
 
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buntbeblümt. Brockes 1, 106. 149.
 
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buntbleiche, f. bleiche der bedruckten zeuge, nachdem sie ausgefärbt sind.
 
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buntdrossel, f. turdus iliacus.
 
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buntdruck, m. druck mit mehrern farben.
 
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bunte, m. epistomium, obturamentum, bei Stieler 1486 pund pl. pünde, bei Stalder 1, 243 bunten, punten, mlat. bondonus, franz. bondon, vgl. engl. bung, heute sagen wir spund: so gesitzt denn der win und isset und verjeset (vergährt) in im selber, und das werden denn die besten win. wenn man in aber wil vil liben und den punten offen wil lossen, so springt denn dor usz der korne des trübels, denn so focht er an zu schumen und wirt zletzt surer, verrochener win. also wenn du wilt vil liblöchlin der ergetzlichkeit in liden schen und den punten des herzens vil ufthun, der win gnod und andacht verrücht und wirt z nit. Keisersb. bilg. 87c;

salpeter, schwebel, dottenbein,
weidesch, senf, milch, vil krut unrein
stoszt man zum puncten in das fasz. narrensch. 102, 17;

[Bd. 2, Sp. 530]



so thet ich vor (l. von) dem fasz den punten. Garg. 138a;

weinstein, das sein die dörren weintrusen, welche sich an tauben und nicht am boden anhenken, auch nicht am punten. Sebiz 395 und öfter.
 
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buntenloch, n. heute spundloch, engl. bunghole: und geuszet das oben z dem puntenloch wider in. Eulensp. cap. 57, in späteren ausg. spuntloch; hernach zu seinem gröszten glück ein starker wolf kommen, der so lang um das fasz zu schmecken gangen sei, bis er ihn zum buntenloch heraus beim schwanz erwischt und zu schreien angefangen, weswegen der wolf mit ihm und dem fasz fortgeloffen. Simpl. 2, 325. in der Schweiz gilt noch allgemein buntenloch. Stalder 1, 243.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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