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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bund bis bündelchen (Bd. 2, Sp. 516 bis 519)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bund, m. von der wurzel binden (oben sp. 32), wie lat. fascis (für fadcis), fides, foedus, filum (für fidlum), funis (für fudnis) von der wurzel fad, fid, fud, über welche schon 1, 1051 einiges beigebracht ist. wenn binde das bindende, bund das gebundene bezeichnet, so steht band zwischen ihnen mitten ein, und kann bald ein bindendes, bald ein gebundenes ausdrücken. goth. erscheint kein bunds, nur ein f. gabundi; ahd. kein punt, nur ein n. gipuntili; altn. kein bundr, die schw. dän. n. bundt sind von uns entnommen. mhd. gilt bunt (Ben. 1, 135), nnl. bond n. engl. bound.
Bedeutungen des nhd. bund.
1) um das haupt gebundnes tuch, tiara, diadema, böhm. punt, ein türkischer, persischer bund. auch ein fallhut der kinder heiszt bund, vgl. aufbund; ein kuchen in gewundner form, franz. raton, weil er einem türkischen bunde gleicht.

wenn ein gestickter bund mit goldgetriebnen falten
mein balsamiertes haupt bedeckt.
Gryphius 1, 485;

warum die Zaelia im türkschen bunde stutzet.
Günther 980;

der odem entgieng ihr und weit hinweg von dem haupte
stob der glänzende schmuck des haars, der bund und die haube.
Bürger 240b, nach Il. 22, 469:

τῆλε δ' ἀπὸ κρατὸς βάλε δέσματα σιγαλόεντα,
ἄμπυκα κεκρύφαλόν τε ἰδὲ πλεκτὴν ἀναδέσμην,
weithin flog vom haupte der köstlich prangende haarschmuck,
vorn das band und die haub und die schön geflochtene binde.
Voss,

in welchen stellen wir band, bund und binde hintereinander verwandt sehen.
2) eingeschlagner schmaler streif, der das hemd oben faszt und woran es gebunden ist, halsbund: ein hemde um den halsbund und schlitz mit den kostbarsten spitzen besetzt. irrg. 411. bund an der hose.
3) gebundner knote, knauf: wenn gott den bund oder knopf nicht knüpft, so hält er nicht. Lehmann 128; wenn gott ein land oder statt stürmen will, so hilft kein bund noch knopf. 126; diese zwo seulen haben unten ihren runden bund und auch ihre base (plinte). Winlelmann 1, 334.
4) verbindung der eisenstäbe eines gitters untereinander.
5) den buchbindern heiszt die schnur, worauf ein buch geheftet wird, der bund oder das gebünde. oft auch bund = band.
6) die glaser schwingen einen bund, wenn sie die aufgeschlitzten ecken des fensterbleis mit zinn zugieszen.
7) bund, ausbund, überbund ist die herausgebundne schaufalte des tuchs; aus den bünden wol, ausgezeichnet. vgl. 1, 823. 841. bund, wirbel am saiteninstrument.
8) bund heiszt den feuerwerkern die beschnürung der brandkugeln und mit besondern namen rippenbund, rosenbund, schneckenbund u. s. w.
9) weidmännisch, der falke macht einen bund, entweder wenn zwei falken gemeinschaftlich auf raub stoszen (sp. ligar, franz. lier), oder wenn er den raub mit klauen anfällt (sp. usurpar, franz. empiéter). wann ein vogel aufstehet und einen bund machet, musz man warten bis der bund gemacht ist und der vogel geraden strich, à la filée, seinen flug fortsetzet, und alsdann erst nachschieszen. Hohberg 2, 716a.

[Bd. 2, Sp. 517]



10) im bretspiel sind zwei nebeneinander stehende steine ein bund, der spieler strebt den bund zu halten, sie nicht zu trennen. wer auf dem spil einen guten bund im bret hat, darüber ein andrer sein stein spilen musz, der hats spil halb gewunnen. schöne weise klugr. 200a; ir thut mir kein bund oder zug, es wil Christus mein herr haben. Luther 3, 418b. vgl. DWB brach die bunde, oben sp. 491.
11) bund bedeutete den alten dichtern, so wie haft, eine weise, ein gebundnes lied: reimeten umb die wett, dichteten lieder auf allerlei melodei, erfunden newe bünd, newe dänz, newe sprüng. Garg. 193a. so mhd. Heinzelin von Constanz:

lant iu den bunt
des rehten mæres künden. die beiden Johansen 18;

du haltest ein verlorneʒ spil,
dîn bünde sint zertrennet. 21;

nû hebet sich êrst des mæres bunt. 41.


12) am allerhäufigsten ist bund foedus, der geknüpfte, geschlossene vertrag, διαθήκη, welches Ulfilas triggva verdeutscht. man sagt einen bund machen, schlieszen, eingehen, stiften, aufrichten, errichten, beschwören, erneuern, halten, bewahren, brechen, auflösen, zertrennen, übertreten, fahren lassen; in bund treten, sich in bund geben, im bunde stehn. aber mit dir wil ich einen bund aufrichten. 1 Mos. 6, 18; und richte meinen bund also mit euch auf. 9, 11; an dem tage machte der herr einen bund mit Abram. 15, 18; und ich wil meinen bund zwischen dir und mir machen. 17, 2; so halt nu meinen bund. 17, 9; werdet ir nu meiner stimme gehorchen und meinen bund halten. 2 Mos. 19, 15; und wird mich verlassen und den bund faren lassen, den ich mit im gemacht habe. 5 Mos. 31, 16; die halten deine rede und bewaren deinen bund. 33, 9; und lassen faren den ewigen bund. Es. 24, 5; also hat das haus Israel und das haus Juda meinen bund gebrochen, den ich mit iren vetern gemacht habe. Jer. 11, 10; gute wort geben den gottlosen, so den bund übertretten. Dan. 11, 32; so sind nun etliche am Rhein buchdrucker, die sich mit meinen druckern in bund zu geben antragen. Luthers br. 3, 48; mit deren etlichen die kinder von Israel zweilen bund und widerbund machten. Frank weltb. 163a; er ist im bund, steht im bund mit dem teufel; hie ist der allerheiligst, der wie der prophet sagt, sein nest unter die sternen hinauf macht und ein bund mit der höllen hat getroffen. bienenk. 48a; wir stehen in altem bund mit einander; von dem ursprung des ewigen bundes der acht alten orten schweizerischer eidgenossenschaft. Joh. Müller 2, 211;

hierüber bei dem eid der bund
gericht soll werden auf zur stund.
Spreng Il. 50a;

laszt uns den eid des neuen bundes schwören,
wir wollen sein ein einzig volk von brüdern,
in keiner noth uns trennen und gefahr.
Schiller 531b;

wenn Uri ruft, wenn Unterwalden hilft,
der Schwytzer wird die alten bünde ehren. 523b;

hochwachten stellet aus auf euren bergen,
dasz sich der bund zum bunde rasch versammle. 543a;

wer hirt ist, wintre ruhig seine herde
und werb im stillen freunde für den bund. 531b;

ich will dich nicht in mein verderben flechten,
auch nicht im tode mag ich deinen bund. 433b;

dann sei der bund zertrennt noch eh er anfieng. 455a;

du kennst mich wol, an die zu ewgem bunde
dein strebend herz sich fest und fester schlosz.
Göthe 1, 4;

und hunderttausend siegel
bekräftigten den bund. 1, 127;

von keinen kleinigkeiten
wird unser bund gestört. 1, 131;

zum ewgen bunde siehst du mich bereit. 9, 351;

kein schwert, das nicht den bund gebrochen. 12, 214.


13) bund machen wider einen heiszt sich gegen ihn verschwören, erheben, conspirare: also macht Jehu der son Josaphat einen bund wider Joram. 2 kön. 9, 14; und Sallum der son Jabes macht einen bund wider in. 15, 10; es machten aber seine knechte einen bund wider in und erwürgeten in. 2 chron. 24, 25; denn sie haben sich mit einander vereiniget und einen bund wider dich gemacht. ps. 83, 6. aus dieser bedeutung haben die Polen entnommen ihr bunt für meuterei, verschwörung, buntować aufwiegeln, zum aufruhr reizen, buntować si sich empören, buntownik aufrührer. Linde 1, 195. ebenso die Russen bunt'' aufruhr, buntovat' sich empören; die Böhmen punt verschwörung, puntownjk meuterer, puntowati se, sich verschwören; die Slovenen punta aufruhr.
14) bund bezeichnet die gesammtheit der verbündeten: der

[Bd. 2, Sp. 518]


deutsche bund, der eidgenöszische bund, der niederländische bund; der bund vertagt sich, stirbt aus, versagt seinen beitritt.
15) alter, neuer, steter, ewiger, ofner, geheimer bund; ehebund, treubund, freundesbund, friedensbund, liebesbund; seine gesellin und weib seines bundes (ehefrau) hat ihm an söhnen die glückselige zahl drei geboren. Brandts bericht von Taubm. 34.
 
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bund, n. fascis, manipulus, gebund, bündel: ein bund ähren, heu, stroh, flachs, garn, reiser, federn, schlüssel; ein bund spargel. Göthe an fr. von St. 2, 209; ein bund stroh aufzuheben, musz man keine maschinen in bewegung setzen. Lessing 7, 358;

o leset von dem grunde
die einzeln hälmlein auf,
und traget sie zu bunde
und traget sie zu hauf.
Rückert 214.


 
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bundaxt, f. besondere axt der zimmerleute, verschieden von bindaxt.
 
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bundblümchen, n. bellis perennis, engl. daisy.
 
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bundblume, f. dasselbe.
 
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bundbrief, m. literae foederis: der bundbrief ist bei Tschudi. Joh. Müller 2, 224 not. 26; was der gelehrte unter dem worte isopolitie dachte, ist aus den bundbriefen kretischer städte, welche als inschriften erhalten sind, klar zu vernehmen; bundbrief, schrift, wodurch man sich dem teufel verschreibt. Klinger 3, 39. nicht zu verwechseln mit bindbrief, bindebrief, geburtstagbrief, obgleich Butschky kanzl. 605 bündbrief schreibt, vgl. DWB bündnis.
 
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bundbruch, m. violatio foederis:

o ihr himmlischen mächte!
ihr furchtbaren! ihr rächer der bundbrüche!
Klopstock 10, 300.


 
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bundbrüchig, foedifragus, Dasyp. 310c: die sich dem teufel bundbrüchig und taufvergessend vertrauen. Butschky Patm. 194; ein bundbrüchiger freund. Rabener 5, 86;

hast deinem treuen gott den rucken gleich gewendt,
bundbrüchig abermal dich von ihm abgetrennt.
Rompler 88;

dasz er bundbrüchig werden wird? Göthe 8, 60; wie unwürdig man an seinem schwager bundbrüchig geworden sei. 8, 123.
 
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bundbrüchigkeit, f. was bundbruch.
 
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bündel, m. und n. fascis, manipulus, sarcina, bei Maaler 320c püntel, ags. byndel, engl. bundle:
1) zusammengebundne reiser und hölzer:

und bringt so ziemlich bald
sein bündel dürres holz zusammen.
Wieland 18, 105;

auch mir ist herbst, und leiser
trag ich den berg hinab
mein bündel dürre reiser,
die mir das leben gab.
Lenau neue ged. 210;

nimm noch einen bündel zerbrochener lanzen. Schiller 1089. vgl.dornbündel, DWB holzbündel, reisbündel. man sagt, etwas auf einem bündel erhalten, auf einmal zusammen: könnte ich die originalurkunden dazu alle auf éinen bündel kriegen. Lichtenberg 4, 98.
2) zusammengebundne kleider, die der reisende auf den rücken nimmt: den püntel aufbinden, constringere sarcinam. Maaler 320c; gleich als wann eines herren underthanen kurz und unversehenlich angesaget würde, ein grosze reis zu thn, sie sorgfältig und betrübet sind, ire gerät, bündel und watsecke eilend zu richten. Petr. 207b; sehet hie, wo ligt der büntel im kram? (am rand) hogerige legen den hoger (höcker) wie ein büntel ab. bienenk. 141a; dasz ein gleicher theil seie deren so zum kriegen gehen und deren so bei dem bündel (der bagage) verbleiben. Schuppius 727;

wir breiten nur den mantel aus,
der soll uns durch die lüfte tragen.
du nimmst bei diesem kühnen schritt
nur keinen groszen bündel mit.
Göthe 12, 102;

so hat ihn jener schalk betrogen
und ihm den (21, 79 das) bündel abgepackt. 1, 2, 10;

auch so keuchten die weiber und kinder mit bündeln sich schleppend. 40, 239;

nur spät war erst das bündel zusammen. 40, 245;

gieng trotzig weg, machte seinen bündel zusammen. 18, 177; nach ostern werde ich meinen bündel packen und davon ziehen. 29, 297;

es tritt ein wandersmann herfür
an eines dorfes schenke,
er setzt sich vor des hauses thür
im schatten auf die bänke,
legt sein bündel neben sich,
bittet den wirt bescheidentlich
mit einem trunk ihn zu laben.
A. W. Schlegel.

[Bd. 2, Sp. 519]


die schwarzen bündel waschen, die zusammengebundne schwarze wäsche. seinen bündel schnüren, sich zur reise fertig machen, plier bagage; einem den bündel vor die thür werfen, den dienst aufsagen; einem bündel und grusz versagen, dem handwerksburschen reisebündel und grusz vorenthalten.
3) zusammengebundne speisen: bündel machen bei hochzeiten und kindtaufen, die überreste der besten eszwaaren eingebunden nach hause schicken. Reinwald henneb. id. 1, 17. s. bescheidessen.
4) das gedärme eines fisches, zumal karpfen, mit dem rogen oder der milch heiszt bündel, anderwärts das gebütte.
 
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bündelchen, n. fasciculus: wie er als student mit dem bündelchen aufm rücken die Schweiz durchstreift und durchstiegen. Göthe 21, 135; auf den fremden dienstboten fiel verdacht und er muste sein bündelchen schnüren, d. i. aus dem dienste ziehen.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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