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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
büchsenspanner bis buchstab (Bd. 2, Sp. 478 bis 479)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) büchsenspanner, m. sclopetorum ad ictum parandorum peritus, dergleichen sich die fürsten unter ihren dienern halten.
 
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büchsenspeise, f. pulvis pyrius, flintenfutter:

rohr- pistol- und büchsenspeis.
Spee trutzn. 104.


 
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büchsenstein, m. glans lapidea, plumbea: büchsenstein, die man mit der schlingen in die feind wirft, plumbum ales. Maaler 81b; denn ir solt sehen, das ich alle büchsenstein in ermel fassen wil, die sie gegen uns schieszen. Luther 3, 129b; und die büchsensteine würden zurücke keren im schieszen und die feinde treffen. 3, 134b; wo ist nu Münzers ermel, darein er wolt alle büchsensteine fahen, die wider sein volk geschossen würden? das.; und meinet es schneie mit büchsensteinen zu im hinein. 3, 249b; etliche können eisen- und büchsenstein beschweren. 3, 329b; gott leszt inen teglich die sonne scheinen und aller seiner wolthat überflüssig genieszen, die doch vielmehr werd weren nicht einen stro halm und ein augenblick liechts zu haben, sondern das er on unterlasz eitel hellisch fewer liesz uber sie regen und mit stralen, hagelspieszen und büchsensteinen auf sie schlacken und schloszen. 5, 394a; denn die sünde, die ist nichts denn eitel spiesz und büchsensteine. 6, 270. heute ist aber büchsenstein was flintenstein, silex pyromachus, feuerstein der büchse.
 
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buchsflöte, f. tibia buxea: buchsflöuten oder schwäglen, multifori tibia buxi. Maaler 80d.

[Bd. 2, Sp. 479]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) büchslein, n. pyxidicula, büchschen, im voc. 1482 a 1b olfactoriolum, riechfläschchen, vgl. DWB nadelbüchslein, bisambüchslein, schminkbüchslein. einem das büchslein rühren, einen in bewegung setzen, quälen:

ich wil imbs büchslein rüren wol,
das er hab weder rast noch ru.
H. Sachs III. 3, 24d.

dann aber die unter büchse 4 behandelte redensart ins büchslein blasen. hier mit deutlichem bezug auf die schminke: die in das büchslin blosen, dasz sie ein ferblin empfahen. Keisersb. kaufmannschatz 96a; weiber, die ins büchsle geblasen habend, angestrichen, gefärbt, cerussatae mulieres. Maaler 81b;

das büchslin lit beschlossen drinn,
darusz ir ferbent uwer kinn.
Murner narrenb. lb;

denn ob wol war ist, das die unzüchtigen leut parisrot, bleiweisz, mennig, operment genommen, wenn sie haben ins püchslein blasen wöllen. Mathesius 106a; damit sich die Jesabel auch geferbet hatte, da sie als ein frech und verrucht weib ins püchslein blies. 107a. der in das büchslin geblasen, eingestrichen hat, fucatus, fallax. Henisch 577, 1. andere mal scheint aber ins büchslein blasen, blasen müssen, geld blechen, sich etwas kosten lassen, wie Schmid im schw. wb. 103 meint, mit geld bestechen. ein bald nach 1429 entsprungnes gedicht in Fichards frankf. arch. 3, 365 hat die zeilen:

koning Sigemunt sprach, isz solte en werden leit,
ich solde swigen und nit zu viel kosen,
die von Spier hant in das buschen geblosen,

sind dabei übel gefahren. sich schämen, erröthen, beschämt abziehen, sich den staub ins gesicht geblasen haben war wol der ursprüngliche sinn.
 
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büchsner, m. was büchsenmeister: zeugmeister und büchsner. Philand. 1, 170.
 
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buchspange, f. umbilicus libri. Maaler 82a.
 
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buchspitz, n. was buchkohl, röhrkraut. Hohberg 3, 1, 238a.
 
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buchsprache, f. hochdeutsch. Möser verm. schr. 1, 202.
 
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büchsstral, m. sagitta tormentorum, glans plumbea: er soll an jenen teutschen keiser gedenken, welcher als er ein feindliche statt in Italien uberzog und sie, ungeschwunden ding, mit büchsstralen zu im herauspraszleten, tonnerten und hurnauszten und im viel an der seit erschossen, zog er das helmlin ab und sprach, oho, lasz rauschen! herrn haben mehr glück, als dasz sie so liederlich von disen pillulen sterben. Garg. 233a.
 
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buchstab, buchstabe, m. litera, apex, ahd. puohstap pl. puohstapâ, ags. bôcstäf pl. bôcstafas, altn. bôkstafr pl. bôkstafir, schw. bokstaf pl. bokstäfver, dän. bogstav pl. bogstaver, nnl. boekstaf pl. boekstaven, engl. ist das wort erloschen und verdrängt durch letter, obgleich book und staff in der sprache leben. bei den Gothen darf man bôkstabs pl. bôkstabôs vermuten.
Die mhd. und nhd. flexion wird schwierig durch übergänge in die schwache form. schon ahd. nehmen einzelne starke subst. in der zusammensetzung schwache gestalt an, z. b. tac und suonatago. zwar ist uns kein ahd. puohstapo überliefert, nach dem alts. bôcstabo Hel. 7, 11 aber möglich. die mhd. dichter schwanken. die meisten und ältesten flectieren stark:

E was der êrste buochstab. En. 282, 16;

sus sagent die buochstabe. Parz. 108, 2;

ine kan decheinen buochstap. 115, 27;

geschaffen sô der buochstap,
den got den Israhêlen gap. Wh. 406, 21;

eʒ ist noch der geloube mîn,
daʒ er buoch und buochstabe
vür vederen angebunden habe. Trist. 119, 39;

geviel sie an die buochstabe. 254, 37;

der êrste buochstap. 362, 34;

Rudolf und Conrad, geschweige spätere, schwach:

die schrift heiʒ alle tilgen abe,
daʒ im dehein buochstabe
vor dir gebe der sünde vluoch. Barl. 358, 28 (361, 12);

tiefe an des boumes rinden
begonder schœne buochstaben
mit sînem meʒʒerlîne graben. tr. kr. 785;

diu rede und dise buochstaben
wâren mit gestein ergraben
ûf des apfels umbekreiʒ. 1466;

si mâlte ûf dem gevilde
vil wunneclîche buochstaben. 10548;

dâ wâren în von golde
geweben dise buochstaben. Engelh. 2553.

nhd. haftet der starke oder wie brunn abgestumpfte schwache

[Bd. 2, Sp. 480]


nom. sg.: warlich bis das himel und erde zergehe, wird nicht zergehen der kleineste buchstab noch ein tütel vom gesetze. Matth. 5, 18; alle obliquen casus gehen schwach: ir solt kein mal umb eines todten willen an ewrem leibe reiszen, noch buchstaben an euch pfetzen (euch tatowieren). 3 Mos. 19, 28; der du unter dem buchstaben und beschneidung bist. Röm. 2, 27; im geist und nicht im buchstaben. 2, 29; im alten wesen des buchstabens. 7, 6; nicht des buchstabens sondern des geistes, denn der buchstabe tödtet, aber der geist machet lebendig. 2 Cor. 3, 6; das man euch die ersten buchstaben der göttlichen worte lehre. Ebr. 5, 12. der vocab. 1482 e 4a hat buchstabe (literas) zusamensetzen. Dasypodius 119a setzt den nom. sg. bchstab, den gen. pl. bchstaben; Maaler 82a ebenso bchstab und bchstaben, auch 82b im acc. sg. einen bchstaben. in Franks weltbuch kann man 161a den nom. sg. bchstab, gen. bchstabens, dat. acc. bchstaben lesen. ganz unsicher schreibt Ickelsamer der bchstab nom. sg.; solche bilder müste man auf ein tafel oder brief malen und die bchstab, einen iegklichen bei oder z seinem thier oder ding setzen. B 7a; die subtilichkeit dises griechischen bchstabens. A 8b; dises bchstabens nennung. B 1a; dises bchstaben form und gestalt. B 2a. Helbers silbenbüchlein gibt s. 15 dem gen. sg. bchstabes und bchstabs, dem dat. sg. bchstaben, dem pl. die bchstaben. Henisch 547a, Stieler 2109, Frisch 1, 149b lassen dem nom. sg. buchstab, dem pl. buchstaben. Adelung in beiden ausgaben: der buchstab, des buchstabens, pl. die buchstaben.

man nehm es nicht buchstäblich an,
der buchstab bringet tod und bann.
Lessing 1, 83;

ehe der setzer den ersten buchstab regt. Herder bei Merck 1, 4; Göthe aber zieht den nom. sg. buchstabe vor: alles memorieren helfe nichts, wenn der schauspieler nicht vorher in den geist und sinn des guten schriftstellers eingedrungen sei, der buchstabe könne nichts wirken. 19, 183; wenn wir zuerst den sinn des buchstabens erklären und ihnen den verstand öfnen ... ich habe keine schlimmere anmaszung getroffen, als wenn jemand ansprüche an geist macht, so lange ihm der buchstabe noch nicht deutlich und geläufig ist. 19. 184. zu verwundern ist, dasz in dieser leidigen formverwirrung wenigstens keiner den nom. sg. buchstaben aufgestellt hat, der doch nicht schlechter wäre als glauben, namen, braten, brunnen, samt den übrigen.
Buchstab an sich selbst, gleichviel wie man es decliniere, bestätigt zusehends die von buch gegebne deutung. wenn uns die bôka, d. i. die buche, den gehalt der schrift überhaupt darstellt, so sind die bôkstabôs alle einzelnen vom baum geschnittenen tafeln und reiser. auf die büchnen stäbe wurden die züge geritzt und später gemahlt. bei Ulfilas erscheint uns stabs nur in der abstraction von στοιχεῖον, element, wie die buchstaben element sind aller schrift und rede; unter dem worte stab soll dessen zusammenhang mit staua κρίσις und stôjan κρίνειν entfaltet werden, der richter hält den stab und das urtheil erfolgt, gleich der schrift, durch stäbe. anklage hiesz unserer vorzeit rugstab, eid eidstab, verurtheilung harmstab und dem altn. feiknstafr, dirae, imprecatio würden ags. fâcnstäf, ahd. feichanstap zur seite stehn, dem altn. helstafr die hellirunen, todesrunen, denn auch verwünschungen pflegten mit runen eingeritzt zu sein. an der nahen berührung von runstab und buchstab kann niemand zweifeln. bruder Bertholds rede von gezierten, geflorierten buchstaben (Kling s. 305. 306) erscheint sinniger, wenn man die nachhallende eigentliche wortbedeutung hinzunimmt und selbst in handschriften des mittelalters läszt die laubverzierung ausgemahlter buchstaben sich noch darauf beziehen. im Tristan 362, 30 werden späne 'in lange wîs' aus reisern, um ein T und I zu bilden, geschnitten; das ganze alterthum unserer runen und losze hängt mit dem gebrauch solcher buchstaben genau und vielfach zusammen, wie neuere untersuchungen dargelegt haben, die längst unverstandne benennung wurde in allen deutschen sprachen bis auf heute fortgeführt.
Entgegen steht der buchstabe sowol der mündlichen, lebendigen rede als auch dem geist. du sollst es aus meinem munde hören, ich kann es nicht in buchstaben, in briefen ausdrücken; lebendig wird die melodie, über deren todte buchstaben wir uns sonst den kopf zerbrochen haben. Göthe 27, 133;

gedechtnus wirdiglich erhaben,
mündlichen und auch in buchstaben.
H. Sachs III. 2, 163b.

[Bd. 2, Sp. 481]


Jene biblische stelle legt den abstand des buchstabens vom geist schön dar: τὸ γὰρ γράμμα ἀποκτείνει, τὸ δὲ πνεῦμα ζωοποιεῖ, bei Ulfilas untê bôka usqimiþ, iþ ahma gaqiujiþ, bei Luther, denn der buchstabe tödtet, aber der geist machet lebendig, wo buch und buchstab wieder zusammenfallen. nach dem buchstaben nehmen, fassen geht auf strenge, wörtliche, den rechten sinn versäumende erklärung: wann unser keiserlich recht etlich peinlich straf setzen, die nach gelegenheit diser zeit und land unbequem und einstheils nach dem buchstaben nit wol müglich zu gebrauchen weren. HGO. 104; da sprach einer unter ihnen, ir solt einmal dem richter die hände schmieren oder salben. die gut fraw verstund das nach dem buchstaben. sch. u. ernst cap. 82; welche auf dem buchstaben der schrift lagen, als die rabi. Frank weltb. 161a; am buchstaben kleben. er hat mir keinen buchstaben davon geschrieben; ich habe noch keinen buchstaben davon gesehen, nicht das geringste.
Man unterscheidet stumme und flüssige buchstaben (literas mutas et liquidas), Henisch 548, 32 hat ein flieszender buchstab, litera caduca; grosze und kleine buchstaben (grandes et minutas); der kleinste buchstab ist das jota, es darf kein jota fehlen; kein thränichen musz umbsonst geschehen, es wird angesetzt mit groszen, mächtigen buchstaben im himmel. Henisch 548, 22; wer nicht lesen kann, der spricht es sein böse buchstaben. 548, 31. er sieht die buchstaben doppelt, ist betrunken. Lichtenberg 3, 74.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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