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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
brünstigkeit bis brunzerin (Bd. 2, Sp. 441 bis 442)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) brünstigkeit, f. ardor:

o welche wollust, welch entzücken!
vergebens wünsch ichs auszudrücken,
mit welcher brünstigkeit die frau den mann umfieng.
Gellert 1, 141.


 
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brünstlenzen, ustionem redolere: dan wo man die gerst uber einem feuer derren solt und hernach mit essig besprenget, so möchte sie davon brünslenzen (so) und von dem ros nicht gefressen werden. Zechendorfer 85.
 
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brunstschütze, m. sagittarius exercitatus:

der brümte brunstschütz zu Alcon.
Haupt 3, 259.


 
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brunz, m. urina, lotium, was brunne 4. Dasyp. 310a. Maaler 80b. Stieler 253; brunz verhalten, remorari lotium; brunz nicht halten; seinen brunz lassen, sein wasser abschlagen, franz. lâcher l'eau; brunz geben, von sich geben, mingere. Garg. 101a; sagt, es wer im nit anderst gewesen, danner eitel klaren brunz getrunken. Frey garteng. cap. 22; an seinem ganzen leib mit brunz uberschüttet. Wickram rollw. 65b; weiche es in kühbrunz, dasz es werde wie ein dicker brei. Wiedeman juni 118; der kalte brunz, stranguria.
 
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brunze, f. dasselbe: ich wolt der hrn in die har gefallen (sein) und den man, wann er hinaus zu ihr hett wöllen gehn, mit brunzen begossen haben. Alberus ehbüchlein C 3b; ein art thierlein wie omeisen, so in der brunz wachsen. Privatus 350; er solte die augen mit der brunzen eins weibs waschen ... hie möchte ich nun wol wissen, was grosze kraft in eines weibes brunze sein möchte, dasz er sein gesichte davon bekommen solte? 398. vgl. Herod. 2, 111.
 
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brünzel, m. lotium, auch penis. Stalder 1, 234.
 
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brünzelbecke, n. scaphium, brunzkachel. Maaler 79d.
 
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brünzeln, mingere, bei Stieler falsch geschrieben brinzelen: brünzlen, das wasser abschlahen; das kraut macht brünzlen, bringt den harn, trahit urinas haec herba. Maaler 79d; uf einmal da kam der vatter usz dem rat, da stnd sein sun in dem sal under dem fenster und schlg das wasser ab oder brünzlet z dem fenster usz, und da er den vatter sahe, do hort er uf brünzlen und flh wider z dem fenster hinin. sch. und ernst 1522 cap. 22; groszen durst, das ich manchmal mir selbs in dhand brünzlet han und das für den durst getrunken. Tho. Plater 13; die dochter hatt villicht in die neszlen brünzlet und dem vatter entrinnen (wöllen). 62; die Persier haben nit in die flüsse gebrünzlet. Münster 1371; brünzelt nit, man schlug ihm dann ans zümplin und pfif ihm wie den pferden darz. Garg. 130b; man lasz sich nit irren, das dem kinde viel wasser zu den augen ausgehet, es brünzelt nur desto weniger. Spangenb. lustg. 453. s. DWB wässerlen.
 
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brunzen, mingere, würde ahd. prunnazan, prunazan lauten, erscheint aber nicht verzeichnet. it. far l'acqua, franz. lâcher l'eau, engl. make water, böhm. wodu pustiti, na wodu gjti = brunzen gehn; vgl. DWB bächeln 1, 1062. mhd.

die lêr ich kolen waschen,
die brunzen in die aschen. a. w. 2, 56;

ein witwîp brunzet hovelich
durch einer nâdlun œre. Ls. 2, 388.

nhd. da aber ieder heim gieng und Esopus Xanto nachfolget, füget sich, das Xantus gieng und brunzet. Steinhöwel (1555) 6b; dann ich msz hinausz brunzen gehn. Frey garteng. cap. 118; wie er aber seinen ht also finsterlich aufsetzen wil, so haben in die katzen voll gebrunzt. cap. 77; der lgt einsmals, dasz er zwei käntlin uberkam, das ein brunzt er voll, das ander liesz er im voll weins schenken. cap. 22; einer von den zweien ward sehr wol betrunken, were derhalben gern von dem tisch gewesen, ein wässerlin z machen. sein gefatter sagt, hei, wolt ir darumb aufstehen, nempt hin meinen ht, brunzt darein. Wickram rollw. 65b (115);

wer im in die schueh laszt brunzen
und gstatt, das sein fraw ir profunzen
feil mag iederman heine tragen,
der mag wol han ein guten magen.
Murner narrenb. cap. 59;

ich wolt dich nider werfen vor,
und dir selbst brunzen in ein or.
H. Sachs IV. 3, 45a;

[Bd. 2, Sp. 442]



auch wann dir not zu prunzen ist,
und mitten in der gassen bist,
so ler die blasen aus und steh,
und acht nit wer fur uber geh.
Scheit grob. D 4a;

in dhosen brunz zuweiln darz,
dasz es hinab rinn in die sch. D 4b;

es ist kein jungfer so verzwunzen,
sie lasz ein furz, wann sie will brunzen;

und wer ihnen die blase schon se verstopft gewesen, dasz sie kein bone hetten prunzen können, noch werden sie in eim schnaps so gesund, wie ein fauler apfel auf faulem stro. bienenk. 114a; dann dieselben (Hundsruckerinnen) sitzen grattelig, wann sie zu acker fahren, und schadet ihnen nichts am brunzen. Garg. 230b; ei was zeihest du dich im stinkenden see, darein die fische brunzen (vgl. pisciare mit piscis), zu wohnen. Philand. lugd. 3, 243; du darfst nur das linke bein aufheben, wie ein hund, der an eine ecke brunzt. Simpl. 1, 97; brunze nicht gegen den wind. Simrock no 1365; von dem trocisci werde geben z iedem mal 7 gerstenkörner schwer, also lang bisz er plt brunzet. Braunschweig 29; wann einen gaul die feifel anstoszt, so geusz ihm wasser in ein ohr oder brunz ihm darein. Seuter 229; laszt einen gesunden menschen, der lauter wein trinket über zwei handvoll gersten s. v. brunzen, laszt die gersten die ganze nacht in dem harn erweichen. Hohberg 3, 2, 209a.
Adelung sieht wol ein, dasz dieses wort anfangs ein anständiges war, 'allein es sei mit allen seinen ableitungen nunmehr schon lange dem niedrigsten pöbel preisgegeben worden, daher er sich nicht dabei aufhalten wolle'; als wenn es nicht pflicht der sprachforschung wäre, solchen wörtern, die herabgekommen sind nicht weil sie das volk in ihrer natürlichen geltung festhielt, sondern weil die vornehme welt sie durch fremde, nichts sagende verdrängte und zuletzt vergasz, gleichsam die ehre zu retten. würde ein italienischer lexicograph über far l'acqua so unbesonnen geurtheilt haben? diese althergebrachten, grunddeutschen wörter in ihrer vermeinten erniedrigung hat selbst die neue sprache, wenn sie sie auch nicht oft in den mund nimmt, für die kraft und abschattung der rede als nothwendige und durchsichtige aufrecht zu erhalten und die vorausgehenden belege sind dazu aufgesucht worden. wer wollte in Platers treuherziger erzählung für brünzeln irgend einen andern ausdruck setzen?
 
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brunzer, m. minctor, wenn so gesagt werden kann, bettbrunzer, bettseicher, bettpisser; alter schneebrunzer, alter geck. Schm. 1, 261.
 
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brunzerin, f. minctrix, pisseuse.

 

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11) falschwitzig
 ... falschwitzig , nach seiner art, falschwitzig, bisweilen schmutzig. Ramler dichtk. des Hor. s. 85 .
 
12) fein
 ... ; so ist sie auch fein schmutzig fett, dasz allzeit ihr anklebt das bett.
 
13) flaum
 ... möglich. unter den heutigen mundarten ein nd. adj. vlaum schmutzig, trübe von wasser und auge ( Schambach 271 b
 
14) flecksiedern
 ... flecksiedern , schmutzig wie ein flecksiedern wammesz. Schwabe tintenf. A 5
 
15) fotze
 ... penis und praeputium. Was die deutung dieser beiden, schmutzig angelaufenen wörter belangt, so nehme ich auch für sie den
 
16) fuchser
 ... Stalder 1, 401 . 2) ein schmutzig geiziger, ein knicker. in Tirol ( Schöpf 158 ).
 
17) fud
 ... schwache biegung angenommen. Dasz dasselbe im nhd. ein schmutzig angelaufenes, in anständiger sprache durchaus gemiedenes ist, wurde schon sp.
 
18) fut
 ... 1) cunnus, vulva. dies die richtige schreibung des als schmutzig geltenden und darum gemiedenen wortes; doch wird, da wir zur
 
19) garstig
 ... noch heute auch abschreckend überhaupt. 4) schmutzig im sittlichen sinne. a) unsittlich, namentlich auch '
 ... schimpft, räsonniert u. ä. c) schändlich, gemein, schmutzig, niedrig überhaupt, im gegensatz zu ehre, sitte u. ä.:
 ... alle garstig - geizige, sordide avari. 147 ( jetzt schmutzig geizig), vgl. unter II, 1, e; dis ist
 ... Aber auch oberd.: kärnt. gaschtik ( neben garstik), garstig schmutzig, häszlich Lexer 108 , schwäb. gastig
 
20) genetzt
 ... mitbruder, der ( beim essen ) bis an den rückgrat schmutzig und bis auf die knochen genetzt erscheint. Göthe
 
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