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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
burst bis bürstenmacher (Bd. 2, Sp. 551 bis 552)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) burst, f. wird verschiedentlich für burs, bursch geschrieben. der sp. 547 ausgezogne lat. vers beginnt bei Philander (ausg. von 1677) selbst: bursta studentorum. Fischart Garg. 188a setzt: auf die bürst, auf rathaus für gericht, und bürstlein für bürschlein, wie nachher belegt werden soll. auch bei Zinkgr. 2, 92 liest man zuchtlose burst für bursch. du grobe burst! Hebel 212. noch heute wird das männliche bursch vom volk häufig ausgesprochen burscht (Schm. 1, 202), was unserm saft für saf, schaft für schaf, habicht für habich, erzt für erz u. a. m. gleicht. die junge burscht. Gotthelf sagen 4, 60. diese form burst begegnet aber auch dem nnl. borst m. = bursch: hij was een borst van vijftien jaren, was mit borst f. = brust zufällig zusammen stöszt.
 
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burst, n. seta, borst, sp. 246, schweiz. burst m. haupthaar an menschen und thieren. Stald. 1, 246: da ist alles nütz was in, aus und an ir (der sau), die bürst, die schwart und haut. Frank spr. 2, 31a.
 
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bürstchen, n. kleine bürste.
 
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bürste, f. seta und pecten setaceus. in der alten sprache scheinen unser heutiges borste seta und bürste scopae setaceae oft ununterschieden, wie ja die bürste aus borsten zusammengesetzt wird. vermutlich berühren sich damit die roman. brosse und broza (Diez 72).
1) seta, bei Dasyp. bursthaar, meint bürste in folgenden stellen: so aber der knab (schusterlehrling) nimpt weder bürsten noch alen in hant, sunder er sitzt da und schlecht die hend under und grift es nit an, das im der meister gesagt und geleret hat, darusz wird nümer kein gter schmacher. Keisersb. s. d. m. 81a;

auch hab ich nadeln, pursten und kem,
fingerhuot, taschen und nestel vil. fastn. 477, 25,

doch ist hier zweifelhaft, ob borste zum nähen oder bürste verstanden wird; die ochsen weren gewapnet mit iren hörnern, die schwein mit den zenen, der igel mit bürsten. Steinhöwel Es. 83;

er sprach, hettst so viel sinn im kopf,
so viel du bürsten hast im schopf.
Waldis Es. 3, 27,

welche stelle Wolgemut 2, 201 ausschreibt;

der igel walzet sich hin und her,
mit den bürsten die schlangen stach.
Wolgemut 2, 309.

in der redensart keine bürste = nicht das geringste, ne hilum, mhd. niht ein hâr ist auch deutlich borste gemeint. Maaler 83c nit umb ein burst weichen, unguem latum non discedere.
2) bürste, bei Dasyp. setaceum, bei Stieler 168 geschrieben bärste, ein gerät zum abwischen, ausreiben und ausstäuben: wer unter seine bürste kommt, wird hart mitgenommen. vgl. DWB bartbürste, hutbürste, DWB kehrbürste, kratzbürste, stiefelbürste.
3) bürste heiszt mit scharfem gras bewachsner moorgrund. Schm. 1, 202.
 
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bürstechtig, setosus. Dasyp. 311c.
 
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bürsteln, scopis verrere, nnl. borstelen, was bürsten 1.
 
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bürsten , in mehrfachem sinn,
1) was bürsteln, purgare, detergere, im voc. 1482 aa 2b. e 2b setare (das doch kein lat. wort ist): den rock, hut bürsten, die stiefel bürsten, die haare bürsten. die person wurde vordem, wie bei kämmen, in den dat. gesetzt: einem (das haar) bürsten, kämmen:

die jung börstet im oft den kopf,
wo sie fand grawe har im schopf,
zohe sie im aus.
Waldis Es. 3, 83.

vgl. ausbürsten.
2) figürlich, wie ausklopfen, striegeln u. a. m. probe castigare, einen hart mitnehmen, züchtigen, früher gleichfalls mit dat.:

[Bd. 2, Sp. 552]


wiltu, wir wöllen im wol bürsten,
wölln im heimlich in busen blasen,
er musz uns ein schwunk federn (schwungfedern?) lassen.
H. Sachs III. 2, 59c;

doch steht auch der acc.:

und würd er mir,
als ich hoff schier,
ich mein ich woll in bürsten. Ambr. lb. s. 251;

allein wil er in bürsten.
Uhland 470;

was habt ihr für igel zu bürsten? Floretto 47; die offensive kritik hat wirklich ihre kunstwörter im deutschen, einen herum nehmen, einem den bart waschen, einen versohlen, bürsten, kämmen, striegeln, durch die hechel ziehen. Lichtenberg 1, 315; es gibt dinge, an denen die iltishaare des pinsels vergeblich bürsten. J. P. uns. loge 1, 63; ja dich hat er angesehen, als ob er dich schlucken wollte und gredt hat er wie bürstet (gebürstet). Gotthelf schuldenb. 118.
3) bürsten für trinken, gleichsam die kehle oder das glas, s. DWB ausputzen 5 und bürstenbinder:

es durst mich wol so treffenlich seer,
dem wil ich trüwlich uszhar bürsten. trag. Joh. Q 3;

und past sich köstlich wurst und durst,
bei würsten gilts zu bürsten.
Uhlands ged. 89;

nun macht die jagd mich dürsten,
drum gib mir eins zu bürsten
aus diesem wasserquell. 448.


4) sich bürsten, setas, crines attollere, erigere, sich aufbürsten: das rückenhaar des zornigen thiers bürstete sich; ihre augbrawen bürsten sich nicht über sich, sondern lassen sich hernieder. Hedio Tertull. 32; er bürstet sich, sträubt sich, lehnt sich auf.
5) intr. bürsten für gebürstet werden, fliegen, herausfahren: sie bürsteten alle hinaus, flogen davon, wie gebürstet, an die eigentliche verwandtschaft von borst und bürste mit hervorbrechen, bersten mahnend.
 
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bürstenbinder, m. setarius, ihm wird herkömmlich grosze trinklust zugeschrieben, vgl. DWB bürsten 3: mir zu! ich bin ein bürstenbinder. was, hab ich ein tode sau geschunden, das mir keiner kein bringt? ich hab ein igel im bauch, der musz geschwummen haben. Garg. 85b;

und gsoffen wie die bürstenbinder.
Ayrer fastn. 59a;

fluchen wie ein anderer soldat und darneben saufen wie ein bürstenbinder. Simpl. 2, 122.
 
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bürstenholz, n. worin die borsten befestigt werden.
 
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bürstenkäfer, m. anthribus (?) nach Nemnich.
 
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bürstenmacher, m. setarius. voc. 1482 e 2b.