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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bühlfeuer bis buhlin (Bd. 2, Sp. 506 bis 507)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bühlfeuer, n. rogus, hügelfeuer: dann weckten sie das gröszte aller bühlfeuer. Simrock lesebuch 97.
 
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buhlfrau, f. concubina:

so reuen mich meine bulfrauen.
Ayrer fastn. 81a.


 
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buhlgabe, f. donum nuptiale, morgengabe. Henisch 553, 67.
 
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buhlgejägde, n.

wären meine reime jungfern, ei sie würden alte mägde,
lebten aber keusch und stille, mieden freches buhlgejägde.
Logau 2, 7, 28.


 
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buhlgenosz, m. rivalis, nebenbuhler.
 
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buhlgesang, m. weltfröliche bulgesenge. Geo. Wigel catechismus. Freiburg 1536 k.; leichte bulgesänge. Joh. Freinsheim tugendspiegel. Straszb. 1639 a 2.
 
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buhlgift, n. philtrum: weiber, welche durch liebtränk, bulgift und zaubereikünstlin die männer zu verstricken unterstehn. Fischart ehz. 417. 434.
 
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buhlherz, n. amator:

der ander sagt von seinem scherz,
wie er sei gwesen ein blherz,
und wie er kund so lieblich schwetzen
mit seiner allerliebsten metzen.
Scheit grob. H 4b;

merk bulherz, was ich dir schreib,
sequere me, docebo te,
dasz du durch kunst erwerbest gunst. de fide meretr. 103;

darumb sie also dreiszig tag und nacht lang miteinander, die frölichen bulherzen, empfiengen die süszen frücht der liebe. buch der liebe 110, 2; augen die schnell hin und wider schieszen, so er jemand ansicht, bedeuten ein buhlherz. Paracelsus 1, 913a; hierin haben sich viel bemühet die nigromantische bulherzen, nemlich weil sie ein experiment bekemen, damit sie ihrer bulschaft im traum fürkemen und erschienen. 2, 289a.
 
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bühli, n. amasia, eine schweizerische wortform, die auf hochdeutsch bühllein, bühlein lauten würde und eins ist mit bühlchen, nnl. boelkijn. sehr merkwürdig ist aber was Stalder 1, 240 sagt, bühli oder fastenbühli heisze die durchs losz erlangte liebste, das hängt mit der durch fast ganz Deutschland ehmals verbreiteten sitte des lehnausrufens, des mailehns oder der maibräute zusammen. zu den maitänzen, kirchmessen, fastnachtstänzen einigten sich einzelne paare, die oft das losz oder die darreichung und annahme eines laubreises und strauszes bestimmte. diese paare musten dann den ganzen sommer oder das grosze fest hindurch mit einander tanzen, und wahrscheinlich war in vielen gegenden die wechselseitige benennung buhle unter ihnen hergebracht, wie wir überhaupt diesen ausdruck auch sonst gern auf tanzpaare angewandt sehen. ein solcher gesell hiesz in Holland somergheck, sommergeck, sommerspaszmacher, heelghesel d. i. hehlender, trauter, geheimer gesell:

menich vroukîn sprekt in schimpe
tot enen jonghen gheckelîn,
'vrient, du moets mîn boelkîn sîn
desen mei ende langher niet.'

Mone schausp. 2, 374 führt aus einer urkunde von 1683 den gebrauch des lehntchenrufens im dorfe Rheinsheim bei Philippsburg an: convenit juventus utraque una cum civibus et quotquot possunt abesse ad ingressum in silvam, ubi duo designati duas ascendunt arbores, sibi invicem respondentes, aliis sub illis haerentibus, fitque hoc loci pridie sancti Georgii (22 apr.), quando horum unus altissima voce incipit in hunc modum:

horet ihr burger uberall,
was gebeutet euch des königs hochwürdiger marschall?
was er gebeut und das soll sein,
Hans Clausen soll Margreten Lols buhler sein.
drei schritt ins korn und drei wieder zurück,
über ein jahr gehet es ein braut heraus.

vgl. RA. 437. 438. myth. 735. da hier ausdrücklich buhler, wie bei Stalder bühli, bei Potter boelkîn gesagt wird; so wirft diese anmutige sitte helles licht auf die volksmäszige geltung des wortes buole. genauere samlungen der gebräuche werden

[Bd. 2, Sp. 507]


uns noch mehr aufdecken, auch die uralte gewohnheit des kiltgangs berührt sich damit.
 
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buhlieren, was buhlen, wie auch nnl. boeleren und für hoeren hoereren gesagt wird. im druck des Renners von 1549 heiszt es 61c:

uns duth sanct Paulus auch bekant
in seinem brief zun Chorinthiern
das unkeusch sehen und bülieren
an der selen gegen gott verblendet.

im alten gedicht hingegen 11822

in sînem briefe gên Chorinte
unkiusche gesehende und ouch blinte
an der sêle gên gote blenden.


 
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buhlin, f. amica, was buhle, wenn man es weiblich ausdrücken will, unschuldiger als buhlerin. don Kichotte sagt: denn es der brauch und herkommen der reisenden ritterschaft ist, dasz der reisende ritter, so in vorfallendem einigem kampf und wichtigem waffengebrauch seine buhlin vor sich hat (tuviesse su señora delante) gegen sie die augen mit liebreichen und herzbrechenden bitten wende und dadurch sie gleichsam bitte, dasz sie ihme günstig sein und in dem so zweifelhaftigem vorhabendem kampf hülfreich erscheinen wolle. Harnisch 139, vgl. mythol. 370, und vorher heiszt es von den fahrenden rittern: so gedenken sie nicht daran, dasz sie sich etwa gott befühlen, sondern sie befehlen sich nur und an dessen statt ihren buhlinnen (antes se encomiendan a sus damas); hernach: mitten im lauf befehlen sie sich inniglich ihren buhlinnen (en mitad de la corrida se encomiendan a sus damas). 140. buhlin hat also hier den ehrenvollen sinn von señora und dama.