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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
büffelvolk bis bug (Bd. 2, Sp. 492 bis 494)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) büffelvolk, n. faex civitatis. Maaler 81b. scheint pöbel.
 
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büffelwams, n. subucula bubalina.
 
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büffen, puffen, verberare, schlagen, stoszen, Alberus hat: ich büff, oppuvio, welches lat. wort nur in der dritten person vorkommt, vgl. Forcellini unter obpuviat, verberat, also ein puviare, puvire voraussetzt, aus dem das roman. buffare, bouffer wirklich entsprungen sein könnte. unser büffen erscheint in folgenden bedeutungen,
1) das haar büffen, auftreiben, bauschen machen, frisieren: schnaphene uf der gassen, die das har büffen. Keisersb. brösaml.

[Bd. 2, Sp. 493]


12a; das har büffen, das har kraus machen, was nutz bringt das einem? es sol wol ston. kaufmannschatz 95d; hastu ein hübsch weib, so darfstu ir nit förchten vor den schnaphanen, die uf der gassen gon und das har büffen und ir hoffieren. sch. und ernst 1522 cap. 210. 1555 cap. 254; das har strälen und büffen, comam frangere in gradus. Maaler 81b; ihr haar püffen und pflanzen (vgl. DWB aufpflanzen 1, 700) si mit einem leinin hütlin bedeckt. Frank weltb. 80b; biften ihr har, legten weiber kleider an, bestrichen sich mit köstlicher salb. chron. 37a; in gold mit gepüftem har geschmuckt. 438b; dis volk hat eine besondere herrlichkeit mit seinem har, welches es pflegt zu büffen oder zu krümmen (insigne gentis obliquare crinem nodoque substringere). Micylis Tac. 449b;

der geister gar ein grosze schar,
welchen man püffet ire har
mit schwefel, harz und teufelsdreck,
das in ging haut und har hinweck.
H. Sachs I, 358c;

mit dem har man abpüffen thut
ir rüemen, geuden und prenkieren. das.;

ein balbirer, der das har büffet oder krauset. Henisch 551, 52; wie die harlocken so zierlich und ehrenmäszig über die schultern abhiengen, auch also sauberlich gebüffet und gesträlet waren. Ismeinius 18a; waren meine haare weder gekampelt noch gebüft worden. Simpl. 1, 68; Stieler 258 schreibt buffen erispare, intorquere und meint daraus auch büffel herleiten zu können. buffen, büffen, biffen in diesem sinn lebt noch heute in Baiern: den kopf aufpiffen, aufgepüfte weiber, die ist recht aufgebuft. Schm. 1, 157.
2) den trank büffen, mischen, würzen? darum hetten sie im den trunk gemacht und gebift, auch in überredt, es wer cardobenedicten wein. Frey garteng. cap. 22. darf man hiermit den namen puf für starkes bier und die bedeutung von puf, rausch verbinden?
3) büffen, puffen, pulsare, klopfen, schlagen, vgl. engl. puff: plaset und püffet mit ledern flaschen, malzenlägelin und gurgutteruffen. Garg. 101b; einen puffen, knuffen, mit der faust ins gesicht puffen, hinters ohr puffen;

sie puften sich das cranium.
Götz 3, 134;

schlägel, womit er blosz ein oder zweimal auf eine ans bettuch gestellte trommel pufte. J. P. Hesp. 2, 11; man puft in den holen rücken und die äuszern menschen werden gepuft. holzschn. 158.
4) häufiger puffen, intr., klopfen, schlagen, knallen: derhalben viel kräft beim herzen zusammenkommen, welche aber den gliedern durch weichung des geblüts entgehen, daraus dann die glieder als beraubte erzittern, macht und kraftlos werden und buffen. Thurneisser von wassern. 197;

der winter thet noch basz anpuffen (anklopfen an die thür).
H. Sachs I, 421;

wer zählt die luft,
die durch die lippen dringt?
mein wundes herze springt,
es klopft, es puft.
Fleming 404 (400);

klopfe sie, buffe sie, und nimm sie bei dem flügel,
und schmier sie mit eim prügel.
Hoffm. gesellsch. lieder s. 227;

'das puft', das läszt sich hören: hundert thaler, das puft; da der selige papa mit ihnen hier durchgieng, blieben sie etwa einen lumpigen tag, das pufte. Chr. Fel. Weisze; andre nüsse her! wart will dir diese wieder an den kopf werfen, daszs puft. Fr. Müller 1, 301;

haut und sticht er das thier im halse, dasz es puft;

es schieszt, ich höre deutlich von weitem puffen = knallen; aber aus all dem hin und her sprengen, dem hin und wieder puffen ergab sich zuletzt kein resultat, als dasz einer der unsrigen erschossen wurde. Göthe 30, 78; wir erwarteten nun die vorposten abermals puffen zu hören. 30, 95.
5) vgl. DWB abpuffen, anpuffen, DWB aufpuffen, auspuffen, verpuffen.
 
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buffer, puffer, m. pyrobolus manuarius, sackbuffer, knallbüchse, terzerol, das man in der tasche tragen kann. auch ein stumpfes messer, wie es der schinder beim ausbuffen eines thiers braucht. Schmeller 1, 157.
 
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buffer, puffer, m. placentae genus, ein pfannkuche, zu dem statt des mehls geriebne kartoffeln genommen werden, weil er puft, dick aufschwillt, s. DWB auflauf. auch das engl. puff, puffpaste ein aufgeblasenes backwerk. vgl. DWB blinz.
 
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buffern, puffern, dumpf knallen, knattern, unordentlich und wiederholt hintereinander schieszen. Stalder 1, 239.
 
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buffert, puffert, m. was buffer, in beiden bedeutungen:

[Bd. 2, Sp. 494]


ein paar vortrefliche pistolen und auch ein paar taschenpufferte schon im vorrat angeschaft. Felsenb. 3, 120.
 
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bufhose, pufhose, f. eine weite, bauschende. morgenblatt 1847 s. 493a, sonst pumphose.
 
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bufies, m. was bofist sp. 218, wo schon an buffen, schwellen, bersten und stäuben gedacht ist, engl. puffball, puffist, wie puff überhaupt einen pilz bedeutet:

ein bufies und nicht mehr soll werden abgemeit.
Hoffmannswaldau heldenbr. 141.


 
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bufjacke, f. eine männertracht, die in der gegend des gürtels bufte oder bauschte. noch jetzt bei den bergleuten im erzgebirg.
 
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bug, m. armus, ahd. puoc (Graff 3, 41), mhd. buoc (Ben. 1, 179b), nnl. boeg, ags. bôg, engl. bough (wie enough = genug), altn. bôgr pl. bœgir, schw. bog, dän. bov, die uns entgehende goth. form würde bôgs lauten. ein seiner anomalen bildung nach lehrreiches wort. denn da es gelenk, biegung des arms und knies ausdrückt, kann es nur zu biegen genommen werden, wie aber vermag biugan baug bugum den laut ô = ahd. uo zu entfalten? es musz auf dem bisher unbeachteten wege geschehn, der uns ein funan fan fônum, ein trudan trad trôdûm erkennen liesz (gesch. d. d. spr. 847. 848), bugum schlug um in bôgum, wie wir auch auszerhalb dem ablaut goth. ê für i, goth. ô für u gesetzt finden, oder umgekehrt (gramm. 1, 60, c.d). dasz aber hier kein spiel der aussprache, sondern feste anomalie walte, beweisen theils andere analoge fälle, theils das durchgreifen dieser merkwürdigen erscheinung in den übrigen dialecten. zwei andere für die grammatik ebenso wichtige beispiele sollen hier nicht verschwiegen bleiben. aus tiuhan tauh tauhum, ahd. ziohan zôh zugum sprieszt wiederum ahd. zuogo palmes, spica, alts. tuogo, die den schlusz auf goth. tôha rechtfertigen; aus fliutan flaut flutum, ahd. flioʒan flôʒ fluʒʒum sprieszt, mit einer früheren lingualstufe, goth. flôdus, ahd. fluot, ags. flôd. die wandlungen von taujan und tôji, staujan und stôjis schlieszen sich an. durch das ahd. uo in zuogo, fluot steht es in puoc erklärt und nachher wird uns auch gelingen, das in puosam, busen damit zu verständigen.
Bedeutungen des nhd. bug.
1) gelenk, wodurch arm und schulter, schenkel und hüfte, knie und fusz verbunden und biegsam werden, dann auch schulterblatt und schenkel selbst, vgl. DWB kniebug, ja biegung der zehen: unter dem fusze und zwar unter dem bug der zehen. Winkelmann 5, 44. an thieren unterscheidet man vorderbug armus und hinterbug suffrago, bug für sich allein bezeichnet den vorderen, keule, schenkel den hinteren; suffrago, ein kneubg der thieren an den hinderen füszen, das hindersich gewendt kneu. Dasyp. 235d; der bug am hindern schenkel eines thiers. Serranus i 4b; die fleischer unterscheiden den groben und feinen bug; ein geräucherter bug, schinke. dem pferde schwindet der bug, wenn die obere röhre des vorderfuszes abnimmt:

hufschwin oder der bg. anlaster des pferdes 29;

mhd. daʒ ich daʒ ors mit sporn sluoc
ze den lanken noch in den buoc. Greg. 1430;

die büege wîte underschuof
diu mang unde daʒ gespranc. krone 19853;

nhd. wo aber ein bein, ein fsz, ein achsel, ein huft, ein bg herusz were. Gersdorf 44; und sol den gekochten bug nemen von dem widder. 4 Mos. 6, 19;

ein bg und viertel von einr k.
Brant 16, 62;

die büeg und ander stück.
Spreng Il. 16a;

der bug vom blitz geschlissen.
Wieland 21, 338;

dann schwenkt er hin und her sein ros,
dasz ihm der bug vom schweisze flosz.
Bürger 53,

(al. dasz ihm der schweisz vom buge flosz).

man sagte 'aus den bügen', 'in vollen bügen': liesz den gaul laufen, was er aus den bügen vermocht. Kirchhof wendunm. 105b (112);

Zerbino rannt durchs holz aus vollen bügen
demselben nach, der ihm hat wollen schmach zufügen.
Werders Ariost 20, 114;

es rannte dieser dieb nicht ganz aus vollen bügen,
sonst hätt er können ihm weg aus den augen fliegen. 22, 12;

eine hindin kam in vollen bügen gerennt. Lohenst. Arm. 1, 766; mit angelegter lanze in vollen bügen ankommen. 1, 815; dasz sie weder den ansprung versäumten, noch auch die pferde in vollen bügen hemmeten. 1, 1370. der sinn ist freilich in vollem lauf, in vollen sprüngen, mit ganzer kraft von mann und pferd; aber meint es die stärke der schenkel des thiers selbst oder seines reiters? in der stelle von der hindin kann gar an keinen reiter gedacht werden, anderemal scheint

[Bd. 2, Sp. 495]


es auf diesen zu gehn und das mhd. schenkel vliegen lân. Er. 761. 9079. Greg. 1427. Parz. 174, 2. Wigal. 8465 vergleichbar. s. auch DWB bügel.
2) wenn an schiffen das vordertheil der bug heiszt, so könnte man anschlagen, dasz sich das alterthum die schiffe als rosse dachte. aber in folgendem neuen lied ist kein gedanke daran:

und auf dem bug des dampfes (del vapore) saszen
wir beide wie in neuem traum.

nnl. van voor den boeg, vornen im bug; dwars voor den boeg komen, quer kommen. vgl. DWB bugsieren.
3) bug ist auch an andern sinnlichen wie übersinnlichen gegenständen krümmung und fuge: balken und büge. Frankf. ref. VIII. 4, 2. 7, 1. was von gebälk oder bügen in der mawer liegt. VIII. 8, 13. 16;

ein dreieck nach gestalt aus 3. 4. 5 gemacht,
damit sich winkelrecht der bueg zuwegen bracht.
Rompler gebüsch 50;

ein bug, ein winkel, eine falt, ein mahl,
ein nichts auf eines wilden Europäers
gesicht.
Lessing 2, 202;

sorgfältig hüteten wir uns, nicht durch einen bug der hügel uns nach der gegend umzusehen. Göthe 16, 234;

aus mancher hand, die ihm gedient, hat er das bettelbrot gebrochen,
und ist, ein todeskranker mann, an dieses hügels bug gekrochen.
Ann. von Droste ged. 394;

die strasze macht hier einen bug; das verwünschte kunstrichteln gibt doch dem geiste einen närrischen bug. Boie bei Merck 1, 64.