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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bückung bis buf (Bd. 2, Sp. 489 bis 490)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bückung, f. inclinatio: wenn man vor den schwulstigen den hut in den händen trägt, tiefe bückung macht, das achten sie grosz. Lehmann 33.
 
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bude, f. taberna, wurde schon 1, 1169 unter der gestalt von baude angeführt. mhd. bûde pass. K. 512, 39 von einem stall, vgl. Pfeiffers Jeroschin s. 135. Henisch 551, 21 setzt buden und stellt es mit boden gleich, doch Stieler 105 hat bude und so alle späteren: wenn ihm mit dieser waare gedienet wäre, so wolte er seine bude wol ohne dergleichen schlüssel eröfnen lassen. Weise kl. leute 362; mich deuchtet es sei ein windwirbel in eine bortenwürkerbude gefahren. pol. stockf. vorr.; shat ihm ein bischen in die bude geschneiet (sein geschäft geht nicht). Siegfr. von Lindenb. 3, 47; der Franzose hat doch wenigstens noch eine bühne, da der Deutsche kaum buden hat. Lessing 6, 214; ein kleiner krämer sogar darf nicht versäumen, von zeit zu zeit seine bude zu verlassen, messen und märkte zu besuchen. Göthe 23, 122;

und er wählet in den buden
manches pfand zu lieb und huld. 1, 194;

denn freilich mag ich gern die menge sehen,
wenn sich der strom nach unsrer bude drängt. 12, 9;

zur sonne fliegen, oder braunem
pfeffer zur hüll in die bude wandern.
Hölty 86.

zusammensetzungen: briefbude, fischbude, glücksbude, kaufbude, käsebude, krambude, marktbude, marktschreierbude, schaubude, schauspielbude, scherenschleiferbude, spielbude, zahnbrecherbude, zollbude u. s. w.
 
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budel, m. canis aquaticus, schreiben Rabener, Adelung in der ersten ausg., Lessing (1, 137. 520) u. a. m. siehe DWB pudel.
 
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budengeld, n. budenzins.
 
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budenläufer, m. tabernas pervagans:

von müsziggängern und von budenläufern.
Rückert 160.


 
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budenmann, m.
 
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budensitzer, m. was büdner.

[Bd. 2, Sp. 490]



 
Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) budenspiel, n. ich hatte nach anleitung eines ältern deutschen puppen- und budenspiels ein tolles fratzenwesen ersonnen. Göthe 48, 86.
 
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büdlein, n. tabernaculum.
 
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büdner, m. tabernarius, so heiszt auch in Norddeutschland hin und wieder der einlieger oder brinksitzer.
 
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buf, puf, m. pl. büffe, mit kurzem vocal,
1) ictus, pulsus:

sweiget, frau, oder ich gebe euch einen puf!
frau. dorte get der monde uf.
sweiget ich gebe euch einen slag!
frau. zolch, da er hie lag. fundgr. 2, 320;

und werft sie under euch und gebt in grosze püffe,
slagt si peide auf die lende und auf die hüffe! fastn. 490, 22;

si gent (geben) dem glouben erst ein büf.
Brant 103, 7;

das uns die felsen an das schif
z beiden siten gent (geben) ein büf. 108, 32;

stosz mit eim fsz hart an die thür,
als ob der donder schlüg darfür,
dann gib ir mit eim stein ein buf,
dann lauf sie mit der seiten uf.
Scheit grob. P 4a;

ich weisz und bin gewis, wer hie der meister ist, der hat mir bisher nicht gefeilet in manchem starken puffe, er wird mir auch in diesem puffe nicht feilen. Luther 3, 59; Carlstads gewissen zappelt, als das solche püffe nicht verdewen kan. 3, 70; darumb ist Jona auch in solchem sinn und kömpt drüber in solchen kampf, das ers musz mit solchem groszen buf lernen. 3, 203; ich warte der püffe von den ungleubigen und lestern. 3, 241; Carlstads Tuto ligt schon und hat nicht einen buf mügen halten. 3, 286; darumb las dis einen groszen gewaltigen puf sein wider die narren. 4, 18a; doch hat er solcher stösze und püffe oft viel müssen leiden. 4, 48a; (er ist so sanft gestorben), das er der rechten büf keine gelidden, noch viel mit dem teufel disputiert hat. 5, 500a; und sind gar wenig solcher leute, die solche büffe wider in aushalten bis ans ende und ritterlich siegen. 5, 512b; on das, das ein christen zu dem noch so viel innerlich betrübnis und herzleid haben und ewige furcht und schrecken für dem tod, sünde und gottes zorn leiden musz, welchs sind erst die rechten büffe. 6, 227a; harte köpfe, die den puf durch gottes hülfe leiden können. tischr. 83a; die gute püffe müssen herhalten dem teufel. 222b; ich hette unserm herrn gott nicht einen solchen puf ausgestanden. 223a; krieg, darbei schmale und langsame oder wol gar keine bezalung, nichts desto weniger püf mit haufen zu gewarten. Kirchhof disc. mil. vorr.; dagegen ich gute püffe hätte können bekommen. Schweinichen 1, 168; hätte er doch wegen meiner von andern bald püffe bekommen. 2, 343; wir sein noch nicht halb uber unser unglück, die härtesten und grösten büf seind noch dahinden. Henisch 551, 28; was darf man viel betglöcklein? seinds püf oder stoszgebetlein, so gibt eins jeden anligen genug notpüf und notstösz zum gebet. Garg. 173b; gleichwol hat er stark augen, die ein puf ausstehen. 241b;

da gab ich ir ein satten puf. flohatz C 8;

mehr als vierzig grosze schiffe
haben sie auch eingebüszt,
und bekommen solche püffe,
dasz sie gar nicht mehr gelüst.
Soltau 521;

die heilige sanct Margrite,
die bitt ich dasz sie mich behüte
für püffen, fallen und für schlägen
auf allen meinen wegen.
Gryphius 1, 772;

dasz ich ein verzärteltes kind des schicksals bin und eben darum auch solche püffe, wie du bekommst, gar nicht zu ertragen wüste. Wieland b. Merck 1, 403; magister, die wahrheit, er hat schon wüste püffe gekriegt. Fr. Müller 2, 43; gelt, hast wüste püffe kriegt, strick? 2, 101; es hat tüchtige püffe gesetzt, wird ohne püffe nicht abgehn; er hat ihm einen heimlichen puf gegeben; er verträgt einen guten puf. beim gläseranstosz solls hell klingen, keine tauben püffe geben. puf machen bedeutet staat, aufsehen machen, so dasz es puft, hörbar wird. auf puf nehmen, borgen, auf pump nehmen; ich habe puf bei dem kaufmann, er borgt mir. vgl. DWB bufhose.
2) aus der vorstellung des schlags, klopfs ergibt sich eine interjection buf! womit baf (1, 1075), bif baf und vollablautend bifbafbuf! genau zusammenhängt:

tra trara, paf paf puf paf! ist der feldherr nah!
Gryphius 1, 327;

nun gehts drein pif paf puf! Arnim schaub. 2, 176; buf, buf wird es auf deinen buckel gehen, tax tax tergo tuo erit. Plautus Pers. 2, 3, 12.
3) von alters her erscheint das wort beim würfelspiel, einen

[Bd. 2, Sp. 491]


puf werfen bedeutet gleiche zahlen auf zwei oder mehr würfeln werfen, einen pasch werfen. schon der schulmeister von Eszlingen in einem zwischen 1272—1285 gedichteten liede MS. 2, 93b sagt:

der Scharle hât driu spil verpfliht.
daʒ êrste spil ist buf genant,
daʒ verlôs der prinz, er brach die bunde sâ ze hant;
dergleich ich dem bretspiel anhang,
ich kan das kurz und auch das lang,
puf, gegenpuf und auch regal,
dicka dack und die lurtsch zumal.
H. Sachs V, 357b;

wir Deutschen haben mancherlei spiel mit karten und mit würfeln, im bret, das gröst vor, dreierlei büf, büf regal, da man gibt den ganzen würfel, alle ses, alle zinken, alle quatuor, alle drei, alle taus, alle es, büf unden und oben, büf und siben zu rucke, das frawenspiel, das lang verkeret, das kurz und das lorzen, auch der dickedack. Agricola no 417. die stelle ist hernach auch in die schönen weisen klugreden 199b, mit wenigen änderungen, übergegangen. hier mahnt allerhand an französischen ursprung: buf oder bouf royal, tictac, trictrac, doch die benennung buf scheint daher zu rühren, dasz die fallenden würfel das bret stoszen, schlagen, einen buf geben. alle büf, jedesmal. Schm. 1, 157.
4) buf entspricht dem bausch (1, 1198) tumor, geschwulst, anschwellen, als der folge und wirkung des schlags oder stoszes. man sieht den buf an der haut, am arm. buf, aufbuf, ausbuf ist erhöhung, auspolsterung eines ermels oder leibchens, auch ein durch kunst erhöhter weiblicher busen. Stalder 1, 239. es ist nicht natur, sondern buf; der oberzipfel des schleiers war durch eine kleine goldne krone gezogen und unterhalb in buffen zusammengefaltet, dasz er gleichsam einen federbusch bildete. Musaeus 3, 30.
5) wie bausch zugleich rausch, crapula ausdrückt (1, 1199), bezeichnet auch puf diesen zustand, er hat einen buf, buffer, ein büfferli, ist berauscht. puf ist der name eines biers:

ein voller krug mit puf.
Pfeffel 4, 185.

doch heiszt auch so der nachmost, schlechter apfelwein, wasseraufgusz des gekelterten obstes, welcher rasch vergohren ist, und ein säuerliches, durchtlöschendes getränk abgibt.
Nicht unähnlich diesem buf, puf erscheint unser knuf, zumal im sinn eines heimlichen, tückischen stoszes, oder das engl. cuff, faustschlag; buf, wo es knall ausdrückt, gleicht aber dem biffen, baffen (1, 1075). doch entschiedner sind romanische analogien. auszer der interj. buf, pouf findet sich franz. buffe schlag, bufet, it. buffetto, sp. bofeton ohrschlag, it. buffa, sp. bufa posse, fastnachtspiel, worin es nicht an schlägen mangelte, der lustigmacher buffone läszt sich unserm britschenmeister, dem ein schlagbret unentbehrlich war, vergleichen. auch ist it. buffare, franz. bouffer aufblasen, also schwellen, bauschen machen und aus sufflare, souffler gieng hervor soufflet = bufet, bofeton, das engl. puff ist windstosz, blast, schwulst; Diez s. 76 führt ein seltnes it. boffice, bauschig an. die frage bleibt nur, ob ein wort, dessen alte gemeinschaft nicht zu verkennen ist, bei uns von den Romanen, oder bei ihnen von uns entlehnt wurde? im latein klingt nichts an (doch s. unter DWB puffen obpuviat), freilich ebensowenig in unsrer ältesten sprache, man müste denn übergänge aus bôʒen, bochen, buchen in buffen annehmen. für subst. wie verbum ist die schreibung mit B ebenso richtig als die mit P.