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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
buckelich bis bücken (Bd. 2, Sp. 486)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) buckelich, gibberosus, für buckellich, wie adelich für adellich: der herr von Kobelin wollte das fräulein zur Ölze, welche gar bucklich war, heiraten. Schweinichen 1, 105; ein buckelich nas in der mitten bedeut beredenheit und kluge sitten. Fischart groszm. 68;

blind war Homer, es war Aesop ein buckliger.
Platen 279a.

s. bucklicht.
 
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buckelkäfer, m. bruchus.
 
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bückelkohl, m. brassica oleracea viridis crispa.
 
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buckellinse, f. lemma gibba.
 
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buckeln ,
1) trans. dorso portare, auf den buckel nehmen, schwer auf dem rücken tragen: doch sprichst du, dasz die alten störche von den jungen dahin gepuckelt werden. Praetorius storchs winterq. 267; sich buckeln, sich abquälen mit tragen auf dem rücken.
2) intr. buckelich sein, curvari: ahd. pucchelôn: luna puchelôt in hornes wîs, krümmt sich wie ein horn (Graff 3, 42); buckelende und stelzfüszige jungfrauen. Rompler gebüsch 6; ein gebuckelter stier. Göthe 44, 204; der künstler hat erreicht, was Diderot fodert, dasz der buckligte in allen theilen seines körpers buckeln soll. Knebel in Böttigers lit. zust. 2, 222.
 
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buckelochs, m. bos bison, höckerochs, wisunt.
 
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buckelorum, m. gibberosus: und hinten stand noch ein buckelorum, der auch was mit munkelte. Göthe 42, 378.
 
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buckelraupe, f. larva gibbosa, beim kriechen buckel bildend.
 
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buckelt für buckelicht: buckelt machen den geraden leib. buch der liebe 117b; vor alter gleichsam hinfällig, ausgemärgelt, lahm und buckelt. Simpl. 1, 576; ein altes, magers buckelts männel. 2, 357. s. DWB bucklet und DWB bühelt.
 
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buckemennel, n. ein kartenspiel: ich armer, elender, verspielter mensch, ich bekenn mich dem lieben sanct Schmoszman, das ich dick verspielet hab, das ich nicht gewunnen hon, es sei mit würfeln, fünfzehen, zehen oder mit dreien oder sieben, mit gansen, karten, buckemennel, mit brawt, saw, gleich, mit rümen mit rauschen, mit weisz und schwarz, mit bretspielen, mit kegeln, mit aufsatz. doct. Schmoszmanns predigt p. 13;

auch ist ein spil, heiszt man das bucken,
thut mir oft gwand zum geld hin zucken.
H. Sachs V, 557b,

es bückt den mann, bringt ihn herunter? oder bucklichmennel?
 
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bücken, bucken, incurvare, flectere, gebildet von biegen, wie schmücken von schmiegen, nicken von neigen, blicken von bleichen u. s. w. mhd. bücken, bucte (Ben. 1, 178a), nnl. bukken; bucken oder neigen. voc. 1482 e 4a.
1) transitiv, bücke deine schultern und trage sie (die fessel). Sir. 6, 26; so bücket ewre heubter hieher gegen Wittemberg. Luther 8, 42b; es hat si auch kein fürst noch mögen bucken under sein gehorsame. Frank weltb. 217a; die Römer haben alles gebückt und under sich bracht. chron. 10a;

die tugend scheint oft hart gepückt,
doch wirt si entlich nit verdrückt.
Schwarzenb. 158, 2;

verleger und kaufleut mich pucken.
H. Sachs II. 4, 2a;

nein, nein, die vätter müssen selbs den nacken bucken, wie gelert und gottselig sie auch gewest seien. bienenk. 36a;

sein haupt zum tiefsten bückt, den fusz in demut beuget.
Logau 2, 3, 58;

man bildet nur den leib. der jüngling lernt gefallen,
lernt freien tanz und spiel, in fremder sprache lallen,
und buhlen, eh er mannbar ist,
betrügen, die er kaum geküst,
und seinen hals zu schlauen tücken
im joche weicher sitten bücken.
Uz (1768) 1, 185;

mein kaiser, dieser gram, der mich bisher gedrückt,
hat mich im alter nicht zum erstenmal gebückt.
J. E. Schlegel 4, 21,

dort an der buche fusz, die schon vor alter nickt,
die wurzeln aufwärts dreht und ihre zweige bückt.
Gotter 1, 142;

und das haupt gebückt aufs knie.
Gökingk 3, 65;

aber wie sollt er seinen rücken
nach einem halben hufeisen bücken?
so läszt der herr ihn seinen rücken
gar vielmal nach den kirschen bücken.
Göthe 13, 121;

ein herold ... der den goldnen zepter bückt. 13, 225;

der vom alter gebückt schon war und reich an erfahrung.
Voss Od. 2, 16.


2) reflexiv, sich bücken, mit dem kopf, dem leib niederbiegen:

und do die maid heizen wolt
die stuben, als si dan solt,

[Bd. 2, Sp. 487]



für den ofen si sich da pucket,
und ein fewer darin erkucket. der spiegel mit dem bech, cod. giss. 24a;

den schelmen ist der pflug zu schwer
und wöllen sich darnach nit bucken,
ein schelmenbein hant sie im rucken.
Murner schelmenz. cap. 5;

da stunden drei menner gegen im, und da er sie sahe, lief er inen entgegen vor der thür seiner hütten und bücket sich nider auf die erden. 1 Mos. 18, 2. 19, 1; da stund Abraham auf und bücket sich fur dem volk des lands. 23, 7; da neiget sich das volk und bücket sich. 2 Mos. 12, 27; bücket sich und thet sein heubt zwischen seine knie. 1 kön. 18, 42; da bückt sich der pöbel, da demütigen sich die junkern. Es. 2, 9; und was hohe leute sind, wird sich bücken müssen. 2, 11; die zu deiner seele sprachen, bücke dich, das wir uber hin gehen. 51, 23; es komt einer nach mir, der ist stärker denn ich, dem ich nicht gnugsam bin, das ich mich vor im bücke und die riemen seiner schuh auflöse (goth. anahneivands andbindan). Marc. 1, 7; lief zum grabe und bückete sich hinein. Luc. 24, 12; aber Jesus bückete sich nieder und schrieb mit dem finger auf die erde. Joh. 8, 7; hab ich dann mein teil nit auch erstanden, da ich beim pfarrer gedient, so buck sich eins herwider! Wirsung Cal. y 4; der herr himels und der erden, vor dem sich alles bücken und biegen musz. Friedrich saufteufel A 4b;

bald buckt er sich und thet sehr klagen,
und pfercht ihm nider auf den schosz.
H. Sachs I, 529d;

o wie bucken sich die königische vor dem roschellischen evangelio und die ingolstadische vor dem protestantischen verbo. Garg. 182b; mit zusammen geschlagenen henden sich pucken. bienenk. 20a; was buckst und neigst dich vor dem falschen schein der bilder? was krümbst den leib vor eim irdischen gemäch? 38a; doch dasz sie selbs darunter sich nit pucken noch ducken. 48b; ergo glückt, dasz man sich dück oder durch die bein gebuck. 88a; buckt sie sich eilend heimlich und küste mir auch die füsz. Ismenius 13a;

wie lang musz ich
in dem ellend mich noch bucken.
Weckherlin 159;

ihre magd, die wie ein dachs sich bucket. 538;

dem schwerte bückt sich billich der, der keiner hand gehorcht.
Logau 2, 10, 99;

sondern hätte allem ansehen nach längst unter dem joch solcher mächtigen feinden sich beugen und bucken müssen. franz. Simpl. 1, 4; und dahero bei meinen letzten schwiegereltern sich lange bücken und beugen müssen. ehe eines mannes 210;

indem nun Sylvia sich nach dem bande bückt,
so küst sie ihn geschwind.
Gellert 3, 331;

du bücktest dich geschwind und machtest es recht schön. 332;

soll jemand vor ihm stehn, er darf den ring nur drücken,
so steht er da und musz sich seinem winke bücken.
Wieland 23, 26;

einst kömmt ein herr im rothen kleide
und bückt sich tief:
madam, ich meld euch grosze freude.
Gotter 1, 159;

warum nicht einem leeren holen hut?
bückst du dich doch vor manchem holen schädel.
Schiller 535a;

bück dich, streck dich! Göthe an Salzmann. Alsatia 1853, 42; man pflegt zu sagen: Kobes, bück dich!; bücke dich ein wenig, nnl. buk wat!
3) sich bücken, auf leblose dinge angewandt:

glück, dasz sich das ganz erdreich bück. fastn. 892, 1;

schwur dann darzu, dasz sich der himmel möchte bücken. Wickram rollw. 9;

sehet, wie die saat sich bücket.
Fleming 362;

wenn sich die felsen bücken in den see.
Schiller 539b;

wir standen am schroffen absturz eines felsens, der sich in eine tiefe kluft hinunter bückte. 710; die silberpappel bückte sich unter der thronenden eiche. J. P. Hesp. 1, 219; die ganze sich hier bäumende, dort sich bückende, hier leuchtende, dort schattende landschaft. 3, 206; der blumenflor bückt sich welkend im spätjahr. teufelsp. 1, xx.
4) intransitiv, bücken für sich bücken: er buckt nieder, der jäger gibt ihm drei streich aufs gesesz. Ayrer 326a.
5) inf. und part. beweisen nicht, da sie des sich entrathen: es darf niemand auf der gassen im begegnen und viel bückens, gnappens oder partschiers treiben. Frank weltb. 103b;

auch ist ein spil, heiszt man das bucken.
H. Sachs V, 537b;

[Bd. 2, Sp. 488]


solche reverenz aber heutiges tags dermaszen gewachsen und zugenommen, dasz viel leut ihre kinder in Frankreich, Welschland und der orten verschicken, oder sonst eigene hofmeister halten, die sie darin informieren müssen, da ist des bückens, des nickens, des rückens, des zückens kein ziel noch masz. Creidius 2, 355;

bückenden schmeichlern öfnet sich nun das zimmer des groszen.
Zachariä 2, 26;

unter körnern und regentropfen gebückte ähren. J. P. uns. loge 1, xxvi; wie wird das herz so grosz, wenn der morgenwind die geflügelten schatten bald über berge schleudert, bald in glanzteiche, bald in gebückte saaten. Hesp. 3, 216.
Übersieht man diese bedeutungen, so leuchtet ein, dasz die verba biegen, beugen und bücken manchmal zusammenfallen. man kann sagen das haupt biegen oder bücken, der gram, das alter hat ihn gebeugt oder gebückt; er bog sich zur erde oder bückte sich. 1, 1743 und 1814 wurde gelehrt, dasz biegen mehr auf sinnliche gegenstände, beugen auf abstracte gehe. bücken ist fast auf das niederbiegen des hauptes, halses, rückens, der schultern eingeschränkt, man sagt nicht die finger, arme bücken, nur biegen; auch nicht die knie, die füsze bücken, sondern biegen. noch weniger heiszt es den bogen, das rohr bücken für biegen, obwol es gestattet ist nach 4 zu sagen das rohr, die ähre bückt sich, gleichsam senkt ihr schweres haupt. das engl. bend (ags. bendan, altn. benda) ist durch biegen, bow durch bücken zu übertragen. das abgeleitete buckel bezeichnet darum nur die krümmung des rückens und seinen auswuchs.
Weil senkung oder neigung des halses und rückens von jeher zeichen demütiger verehrung und anbetung (adoratio, προςκύνησις) war (vgl. mythol. 26), so drückt 'sich bücken' vorzugsweise die gebärde der ehrfurcht und höflichkeit aus. die alte sprache sagte lieber nîgen und sich neigen, und noch heute klingt neigen edler als bücken. auch gilt verneigen mehr von frauen, bücken von männern (s. hernach die bemerkung zu bückling); werden die knie gebogen, so heiszt es kniebeugen, knixen. daran genügte es nicht, man pflegte auch mit dem fusz auszustreichen, auszuscharren (s. unter diesen wörtern und unter kratzfusz, scharrfusz), auf oder an die füsze zu fallen (mythol. s. 28), bei den Slaven mit der stirn den boden zu berühren, böhm. čelem bjti zemi, poln. czołem bić, und čelem! = mit der stirne! ist soviel als diener! unterthänigster! serviteur!