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Deutsches Wörterbuch von Jacob Grimm und Wilhelm Grimm Bibliographische AngabenLogo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg · Logo bbaw adwg dfg
 
bubig bis buchampfer (Bd. 2, Sp. 466 bis 469)
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Artikelverweis Artikel als PDF ausgeben (Test-Version) bubig, was bübisch: es nehme ihns nur wunder, dasz der liebe gott nicht gleich die Eva abgeschaft, als er gesehen, wie sie geraten, und eine andere gemacht. aber nicht aus mannefleisch, da sei es kein wunder, wenn sie bubig würden. Gotthelf erz. 1, 170.
 
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bübin, f. scortum, concubina, franz. garce, was sich zu garçon verhält wie bübin zu bub; bubin oder ruffianin, lena, ariola. voc. 1482 e 2b. z 8b; freie dirne, ludlerin. Henisch 541, 58; opfert mit den bübin. Hosea 4, 14;

da lernt man heimlich bubin kennen. fastn. 357, 22;

du junger narr, wiltu dein leben
umb ein pose pubin geben? 550, 58;

darumb soltu nicht mit ir (deiner ehfrau) umbgon, als wer sie dein trill und dein bübin. Keisersb. wannenkr. 107a; und ward das sprichwort war, das frawenhar zeucht sterker denn ein glockenseil, und man hat die bübin lieber denn die ehefrawen. sch. u. ernst cap. 254; ach mein liebes weib, nun was herten wort sein das die du sagst? bedenk dich recht, sihe an dein und deiner freunde ehr, wilt du ehe hie bleiben, als ein bübin des, da bei du bist und in tödlichen sünden leben, dan in Pisa in ehren mein weib sein? Bocc. 1, 131a; da lag er bei der ungeschaffenesten bübin, die man in hundert landen solt finden mögen. 2, 87b; alle heuchler, so von dem wein der babilonischen bübin trunken worden. Kirchhof wendunm. 368a; bis in 400 verwegene buben und bübin. 373b; den dritten tag zur nacht kam sie wieder und klagte, dasz sie unmöglich die ganze zeit von ihrem manne kommen können, da doch die bübin keinen mann hatte. pol. stockf. 204;

alle faulen äpfel, puh, und eier
werft der bübin in das angesicht!
Bürger 56b;

bübin, dir deucht es stets, und nie bin ich dir verborgen. 193a;

o sie ist eine abgefeimte bübin!
Schiller 434b;

haben wir dich, bübin? haben wir dich nun? Fr. Müller 1, 145.
 
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bübisch, meretricius, flagitiosus, frei, frech, voc. 1482 e 2b scurrilis: wie denn, sprechen sie, wenn ich weder ehelich noch bübisch würd und hielt mich mit gewalt? Luther 2, 172b; das seind sündlich, bübisch, leckerisch, schampere wort. Keisersb. s. d. m. 49b;

des pübischen wirt sonst vil verpracht,
dasselbig legwir heur dernider. fastn. 819, 19;

so bald als sie (die kinder) gond usz der wiegen,
müssen sie degen an in han
und uf das büebischt einher gan,
das vor ziten was ein grosze schand,
des lauft vol buoben ietz das land. 1031, 18;

weil ir euch also bübisch stelt.
H. Sachs I, 515b;

das umbschweifend und bübisch auge geben wol zu verstehen, was du innen am schilt fürest. Petr. 22a; nimmer ist ein herr so bös, frech und bübisch. Kirchhof wendunm. 57a; jedoch ist gleichwol auch manche fromme ehefrauw, die der andern wüst, bübisch, schändlich leben im geringsten nicht loben. mil. disc. 114;

du schändlicher, bübischer mann!
Bürger 62a;

o des schändlichen beginnens,
o des bübischen verrats.
Herders Cid 57.


 
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bübisch, adv. turpiter: schentlich und bübisch schlagen. Keisersb. s. d. m. 73a; ich bin bübisch um mein leben bestolen. Schiller 213a.
 
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bübischheit, f. scurrilitas: buberei, luderei, leckerei. voc. 1482 e 3a.
 
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bübischmädchenhaft,

mistöne hör ich, garstiges geklimper,
von oben kommts mit unwillkommnem tag,
es ist das bübischmädchenhafte gestümper,
wie frömmelnder geschmack sichs lieben mag.
Göthe 41, 326.


 
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büblich, pueriliter: reden lieblich doch büblich. Schuppius 805.
 
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buch, f. buk, backte:

buch semeln und die weiszen wecken.
Wolgemut 2, 464.

auch Steinbach stellt noch dies richtige buch auf.
 
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buch, n. pl. bücher, auch schon ahd. häufig puoh n. pl. puoh, mhd. buoch n., pl. buoch, nnl. boek n. pl. boeken; in den übrigen sprachen f. goth. bôka pl. bôkôs, ahd. auch noch hin und wieder, pl. puochî und puoh (Graff 3, 32), alts.

[Bd. 2, Sp. 467]


buok, pl. buoki, ags. bôc pl. bêc (wie gôs pl. gês), engl. book, altn. bôk pl. bœkr, schw. bok böker, dän. bög böger. ohne zweifel ist das f. organischer.
Dies wort führt unmittelbar in die heidnische zeit. wie den Griechen βύβλος, βίβλος bast, rinde und dann, weil sie bemahlt, beschrieben wurde, schrift, brief und buch, den Römern liber bast und buch bedeutete; so gieng unsern vorfahren, die ihre schrift auf steine und zum gewöhnlichen gebrauch auf büchene breter ritzten, die vorstellung des eingeritzten über auf buche, den namen des baums, aus dessen holz breter und tafeln am leichtesten geschnitten werden konnten; noch im heutigen buchstab weist stab auf den hölzernen deutlich hin. nicht anders bezeichnete auch codex und tabula sowol das beschriebene holz als hernach das buch. Venantius Fortunatus, in der bekannten stelle 7, 18 redet von eschenen tafeln:

barbara fraxineis pingatur runa tabellis,

und die esche könnte, gleich der buche, zum auftragen der schrift verwandt worden sein; es ist nicht einmal ausgemacht, ob fraxinus nicht auch buche ausdrückt und mit eingeschobnem R ganz nahe an fagus reicht. hätten die Deutschen nicht schon vor ihrer bekehrung die schrift gekannt, und erst von den christlichen priestern gelernt, so würden sie alle lateinischen ausdrücke des schreibens beibehalten haben. unsere nachbarn, die Slaven, begegnen uns auch hier, ihnen hiesz wiederum buk'' die buche, bukva f. buch und brief, buki pl. f. buchstaben; späterhin als das einritzen der schrift ab, das mahlen der zeichen auf kam, begann kniga, böhm. kniha, poln. ksiga, litt. knyga und selbst ungr. könyv für buch (auf pergament oder papier) zu gelten, wobei Miklosich ans skr. knas flecti denkt; wie wenn kniga von knjaz, poln. ksidz zu leiten wäre und priester oder herrenschrift bezeichnete? die Letten haben grahmata, die Esten ramat nach dem russ. grammata, gramota, gr. γράμματα. alle keltischen sprachen bequemten sich dem lat. liber, gleich den romanischen, ir. gal. leabhar, welsch levr, armor. leor.
Den ursprung von buch aus buche bestärkt noch zweierlei. einmal die unverkennbare neigung der alten sprachen, das wort im pl. zu setzen, was auf die einzelnen stäbe und blätter, aus welchen es besteht, hinweist, s. hernach buchstab. Ulfilas, wo ihm ἐν τῇ βίβλω, ἐν βίβλω, vulg. in libro vorlag, verdeutscht dennoch ana bôkôm, in bôkôm; den ahd. mhd. pl. belegen Graff 3, 32. Ben. 1, 278, und gleichen anlasz hatte der pl. βιβλία, biblia, woraus sich wieder unser bibel f. entfaltete. dann zeigt in der älteren sprache auch die fügung gakunnan ana bôkôm, lësan ana puochum, lësen an den buochen, dasz man sich ursprünglich ein lesen der runen an steinen und stäben dachte, nicht ein lesen in entrollten, entfalteten blättern (gramm. 4, 773). es hiesz ana puochum, an tabellôn scrîban, an dero rindun scrîban, und noch die carmina burana no 138 gewähren

scripsit amorem an eime loube.

der hirtenbrauch, namen in birken (sp. 39) oder buchen zu schneiden, in blätter zu stechen, dauert bis auf uns. in der that, da einzelne runen nach bäumen benannt sind, da die bücher blätter haben, erscheint die verwandtschaft zwischen buch und buche begründet und höchst passend. schon Mathesius erreichte die richtige deutung, obwol er ohne noth die breter des einbands statt der buchstaben selbst ins auge faszt: wie sichs auch ansehen lesset, als habe unser teutsch wort buch den namen von buchbaum, wie man noch die bücher pfleget in büchenbretter zu binden und mit leder oder seiden, sammet und güldentuch zu überziehen. 105a. an biegen, flectere, plicare zu denken verbietet sowol die uralte beschaffenheit der schrift, als die abweichung der diphthonge und kehllaute in beiden wörtern Bedeutungen.
1) mehrere blätter machen ein buch; ich habe mir ein buch geheftet, in das ich alle ausgaben eintrage; schreibe das zum gedechtnis in ein buch. 2 Mos. 17, 14; ein buch schreiben, abfassen, machen, er hat davon ein schönes buch gemacht; soll ich dann immer von im lernen und nicht auch selbst einmal bücher machen? Alberus wider Witzel K 2b; alle bücher, so wider den Luther gemacht werden. K 6b; ein trefliches, mittelmäsziges, schlechtes buch. ein buch ausgeben, ans licht, in druck, in die presse geben, das buch eines andern herausgeben; auf ein buch antworten, erwidern:

bch umb bch! ich wil mich rechen
und sie mit büchlin überstechen.
Murner luth. narr 523.

das buch abschreiben, drucken, verlegen, in verlag nehmen,

[Bd. 2, Sp. 468]


auflegen, neu auflegen, verkaufen, absetzen, mit alten büchern handeln, bücher versenden, verpacken, das buch ist gut gegangen, ist gar nicht abgegangen, schon vergriffen, es liegt wie blei im laden, ist ein ladenhüter, kommt zurück, ist ein krebs. das buch heften, durchs leimwasser ziehen, binden, einbinden, verbinden; durch unmäsziges schlagen und beschneiden werden viel bücher zu schanden. bücher kaufen, sammeln, aufstellen, schichten, ordnen, verzeichnen, abstäuben, ausklopfen.
2) bücher lesen, einsehen, aufschlagen, aufthun, öfnen; und Esra thet das buch auf fur dem ganzen volk, und da ers aufthet, stund alles volk. Neh. 8, 5; das buch zumachen; suchet nu in dem buch des herrn und leset. Es. 34, 16; das buch aus oder fertig lesen. es stehet in büchern; bücher fälchen, verbieten, wegnehmen; er nimmt kein buch in die hand; er liegt immer über den büchern. Felsenb. 2, 425; vergräbt sich in seine bücher;

ob den büchern natzen
recht wie die klosterkatzen.
H. Sachs I, 533b,

wo natzen bedeutet naffitzen, schlummern, einschlafen, vgl.

ob dem rocken natzen. I, 533d

von der spinnerin; du kannst die nase ins buch stecken;

und sein geselle wolbedächtig
steckt in den büchern übernächtig.
Göthe 4, 54.

er hat seine weisheit aus den büchern; er ist ein lebendiges buch; redet wie ein buch; ich will reden, wie ein buch, wenn ich mich vorbereitet habe, und wie ein thor, wenn ich bei guter laune bin. Göthe 19, 177.
3) das buch der psalmen, der lieder; das buch von Troja; das ist das buch von des menschen geschlecht. 1 Mos. 5, 1; gebot und rechte, die geschrieben stehn im buch dieses gesetzes. 5 Mos. 30, 10; wie es geschrieben steht im buch dieses bunds. 2 kön. 23, 21; dies ist das buch von der geburt Jesu Christi. Matth. 1, 1.
4) ein einzelnes werk zerfällt in bücher, wenn sie schon zusammengeschrieben, gedruckt und gebunden sind, das buch zerfällt in capitel. es gibt fünf bücher Mose, zwei oder vier bücher der könige; die Ilias hat 24 bücher, Herodot neun bücher. ursprünglich waren solche bücher für sich geheftet oder gebunden:

doch zu verjüngen gibts auch ein natürlich mittel,
allein es steht in einem andern buch
und ist ein wunderlich capitel.
Göthe 12, 120.


5) die heilige schrift heiszt, wie biblia, die bücher, das buch der bücher:

ich kann die hand nicht auf die bücher legen,
so schwör ich droben bei den ewigen sternen.
Schiller 528b.


6) bei kaufleuten und in der geschäftsführung gibt es bestimmte bücher zum eintrag, namentlich der geldsummen, man sagt buch halten, zu buche tragen, bringen, im buche löschen; er steht bei mir im buche, ist mir schuldig.
7) papier wird nach büchern oder buchen gezählt: ein buch schreibpapier hat 24 bogen, ein buch druckpapier 25; 20 buch machen ein ries. auch ein buch gold oder silber für goldblätter, silberblätter.
8) figürlich, das buch des lebens, schicksals, der welt: und so jemand nicht ward erfunden geschrieben in dem buch des lebens. offenb. 20, 15; bch der brösamlin. Keisersb. s. d. m. 31a (vgl. sp. 398);

die augen, die du mir der welt buch zu beschawen
verlihen.
Weckherlin 318;

da im buche
des schicksals ich vielleicht zum fluche
der menschheit ausersehen bin?
Gotter 1, 355;

man glaubt vor den aufgeschlagnen ungeheuren büchern des schicksals zu stehen. Göthe 18, 309;

nicht sinn ist in dem buche der natur,
die traumkunst träumt und alle zeichen trügen.
Schiller ...


9) buch heiszt der dritte mage wiederkauender thiere, omasus, blättermage, psalter, manigfalt, tausendfach, franz. feuillet, psautier, engl. manyplies.
10) eine menge zusammensetzungen, eigentlich wie uneigentlich: flurbuch, geschichtbuch, gebetbuch, hausbuch, jahrbuch, kochbuch, lagerbuch, rechenbuch, reisebuch, salbuch, schreibbuch, stammbuch, tagebuch, zeitbuch, bilderbuch, handelsbuch, heldenbuch, liederbuch u. s. w.
11) sprichwörter: viel bücher, wenig leser; harnisch und bücher soll man oft gebrauchen; in schönen büchern blättert man gern; viel bücher, viel irrthum; erfahrung regiert die welt, nicht die bücher; es wird kein buch gemacht, der

[Bd. 2, Sp. 469]


Neidhart musz es durchfahren; ohne bücher ist bös studieren; ohne bücher studieren heiszt wasser ins sieb führen; todte räthe sind die besten, das sind weiser leute bücher; alte bücher und freunde soll man werth halten; bücher geben keine handgriffe. Simrock 1376; er hat ein buch durch ein nachbarloch gesehen. 1377.
 
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buchadel, m. ein ehmals mit gelehrten würden verbundner adel, zuweilen was briefadel.
 
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buchampfer, m. oxalis acetosella, gauchklee, unter buchen wachsend. Hohberg 1, 238a.